
von Freaky-Angel
Kapitel 17 – Rückkehr nach Hause
Da lag ein kleiner Junge in seinem Bettchen. An seiner Bettkante saß eine junge Frau. Er hatte sich an sie gekuschelt und schlief friedlich. Über dem Bettchen kreisten fliegende Besen und Quidditchbälle. Harry hatte sie verhext. Ganz sanft strich Hermine dem kleinen Teddy durch das braune Haar. Seit der Kleine bei Hermine war hatte sein Haar dieselbe Haarfarbe angenommen, wie Hermine sie besaß. Sie seufzte und beugte sich zu dem Kind herab um ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben.
Vor wenigen Minuten war sie aufgestanden und hatte als aller erstes nach Teddy sehen müssen. Immer wieder wachte sie des Nachts auf und glaubte man habe ihr das Kind genommen. Erst letzte Nacht hatte Frances sie auf dem Flur aufgesammelt und zurück in ihr Zimmer gebracht. Es war nicht gut ständig den Schlaf des Kindes zu stören. Und da hatte er ja Recht.
Ein letztes Mal strich sie Teddy durchs Haar dann stand sie vorsichtig auf. Remus und Severus würden nach Teddy sehen wenn er wach wurde. Sie seufzte. Remus war wirklich ein sehr guter Vater. Er hatte an Teddys Bett gesessen, als sie vor drei Tagen während der Beerdigung von Andromeda aufgewacht war. Frances hatte sie im Bett halten wollen, doch Hermine hatte es sich nicht nehmen lassen nach dem Kind zu sehen. Nach ihrem Kind zu sehen. Als es dann an der Tür geklingelt hatte, war Frances hinunter gelaufen und Hermine hatte sich den kleinen Teddy geschnappt und war auf den Flur hinaus um zu schauen wer dort war.
Sie erhob sich und strich noch einmal mit den Fingerspitzen die Bettdecke entlang, dann drehte sie sich um und öffnete die Tür zum Flur hinaus. Auch im Türrahmen verweilte sie einen Augenblick und wandte den Blick zu Teddy. Sie liebte dieses Kind.
Leise schloss sie die Tür und schlich auf leisen Sohlen in Richtung Salon. Als sie die Tür erreichte, hörte sie hinter sich eine weitere Tür. Erschrocken fuhr sie herum und erkannte dann aber James der gähnte und sich die Augen rieb. Sie lächelte. „Guten Morgen James“, sagte sie. Er lächelte ebenfalls und kam zu ihr herüber. „Es ist noch so früh. Warum bist du schon wach?“, nuschelte er. „Wir werden sehr bald aufbrechen“, sagte sie langsam. James nickte. Er erinnerte sich daran, dass man ihm gestern Abend gesagt hatte was sie vorhatten. „Du kümmerst dich doch mit Remus um Teddy?“„Ich tue nichts lieber“, sagte James lächelnd. Er nahm kurz ihre Hand und drückte diese. Hermine wusste wie sehr James sein eigenes Kind vermisste. In der Vergangenheit war Harry zwar noch kein ganzes Jahr alt. Aber für James musste es unvorstellbar schwer sein von seiner Familie getrennt zu sein. Er hatte eine Frau, Lily, und einen Säugling daheim, die auf ihn warteten. Lily und Harry lebten zwar mit der Hülle von James, aber das machte es für den echten James hier neben ihr nicht viel leichter. Natürlich mochte es James da auf Teddy aufzupassen, auch wenn Teddy nicht sein Sohn war.„Wir sind sehr froh dich wieder unter den lebenden zu haben“, sagte James. Sie nickte und erwiderte das Lächeln. „Danke James.“
Sie lehnte sich kurz an ihn und legte den Kopf auf seiner Schulter ab. James strich ihr sanft über den Rücken. Sie schloss für einen Moment die Augen. „Wie geht es Harry?“, fragte sie dann und blickte ihn dann wieder direkt an. James lächelte und in der Dunkelheit auf dem Flur konnte Hermine seine Augen ein wenig funkeln sehen. „Er ist fantastisch.“ Sie lächelte matt und strubbelte James durch die Haare, so wie sie es manchmal bei Harry tat: „Das war nicht meine Frage, James.“„Es geht ihm gut, denke ich“, antwortete James. „Wir haben gestern Abend noch Zauberschach gespielt. Er ist vor Müdigkeit beinahe eingeschlafen, aber er wollte nicht ins Bett. Ich glaube er hätte am liebsten noch bis heute früh weiter gespielt. Ich habe ihm versprochen, dass wir unsere Partie heute noch fortsetzten.“ Hermine seufzte.
„War er sauer auf mich? Ich habe nicht mit ihm gesprochen. Er hat ja fast nichts gesagt und…“„Es ist alles in Ordnung, Hermine. Er stand ein bisschen unter Schock, aber Ginny hat es ihm erklärt. Zumindest hat er das gesagt und… Er hat gesagt es ist ihm nichts wichtiger, als dass es euch allen gut geht. Egal weswegen ihr gestritten habt. Ich denke es kommt alles wieder in Ordnung.“ Er nahm erneut ihre Hand und drückte sie. „Du brauchst dir nicht so viele Sorgen zu machen.“ Sie nickte langsam und gab James einen Kuss auf die Wange.
„Ich schaue mal was das Frühstück macht“, sagte James und stieg dann die Treppen zum Erdgeschoss hinab. Hermine sah ihm nach und starrte auf die Eingangstür. Vor ihrem inneren Auge sah sie Sirius die Stufen hinauf steigen. Und sie wünschte sich nichts sehnlicher als dass er sie erneut in seine Arme schloss. Sie drückte die Türklinke herunter und betrat den Salon.
Draco saß in einem Ohrensessel vor dem Kamin und blätterte in einem Buch. Er sah nur kurz auf. Harry saß gemeinsam mit Ginny auf dem Sofa. Ginny hatte sich hingelegt und hatte ihren Kopf auf Harrys Schoß gebettet. Sie schlief. Weiter hinten im Raum stand Sirius und starrte aus dem Fenster.
„Shacklebolt hat Warrington unter Veritaserum befragt. Er hat euch nicht angegriffen. Flint ist unter die Decke gegangen“, berichtete Harry langsam. Hermine seufzte. Das hatte sie fast befürchtet. Erst vorgestern hatte sie sich genauer mit Marcus über jenen Abend unterhalten. Der Typ bei Widby an der Bar hätte mit seinem Kopfnicken im Pub wirklich jeden meinen können. Marcus hatte zwar felsenfest behauptet es hätte nur Warrington sein können. Doch Hermine war sich da nicht so sicher gewesen. Warrington war groß, bald zwei ganze Köpfe größer als Hermine, noch dazu ziemlich bullig. Er hätte sich schlecht leise aus dem Hinterhalt an sie heran schleichen können. Nein. Hermine war sich sicher, dass es sich bei jeder Person um jemanden handeln musste, die sehr viel zierlicher und kleiner war.
„Wie geht es deinem Arm?“, erkundigte sich Harry. Hermine blieb etwas unschlüssig an der Tür stehen und zuckte vorsichtig mit den Schultern. Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Die Situation war ein wenig verrückt und sie wusste nicht genau wie sie damit umgehen sollte. Harry hatte Ewigkeiten nicht mit ihr gesprochen. Jetzt tat er so als wäre alles in Ordnung. Und Sirius? Der stand noch immer am Fenster und schien sie zu ignorieren. Warum sagte Draco nichts?
„Frances sagt es würde alles wieder in Ordnung kommen. Ich fühle mich nur ein wenig schlapp“, erklärte sie langsam. Harry nickte. Sie stand noch immer da und trat dann am Sofa und an Dracos Sessel vorbei an den Kamin heran. Sie blickte ins Feuer. Das fühlte sich sehr viel besser an, als die anderen anzustarren.
„Wenn du dich schlapp fühlst, dann halte ich es für sehr viel besser wenn du dich hinsetzen würdest“, meldete sich dann doch endlich auch Draco zu Wort. Sie wandte den Kopf leicht in Dracos Richtung. Ach? Jetzt hatte er doch etwas zu sagen? Sie rümpfte die Nase. Dann ging die Tür auf. Blaise schien ein wenig erschöpft und blickte in die Runde: „Ich glaube wir haben ein Problem, Leute!“ Er blickte die Anwesenden alle nacheinander an und verharrte kurz bei Ginny und Harry.Jetzt legte Draco sein Buch beiseite und Sirius drehte sich vom Fenster zur Tür um. Was war das hier für eine schräge Show? Sie hatte eine Konfrontation erwartet. Einen Harry der sie anschrie. Einen Sirius der sie wenigstens ansah.
„Weasley lässt sich nicht abwimmeln und…“ Blaise hielt inne und sah Hermine an. Dann blickte er zu Sirius, der nun langsam das Zimmer durchquerte. „Naja er ist unten.“„Wie unten?“, fragte Hermine entsetzt. „Du hast ihn ins Haus gelassen?“„Wir haben auch Harry ins Haus gelassen“, meinte Blaise. „Ich denke wir können uns hier wohl nicht mehr allzu lange verstecken, Hermine.“
Sie war hin und her gerissen. Was sollte sie jetzt tun? Sie wollte aus irgendeinem Grund nicht mit Ron reden. Das lag ihr in diesem Augenblick sogar sehr fern. Unschlüssig blickte sie zu Harry, dann zu Draco. Die beiden wechselten kurze Blicke und gaben Hermine ein noch größeres Gefühl von Hilflosigkeit. „Du solltest dir was überlegen. Und zwar möglichst schnell“, bemerkte Blaise. „James ist unten in der Küche und macht Frühstück. Ich habe keine Ahnung wie lange Weasley braucht um zu erkennen wen er da vor sich hat!“ Sie fuhr sich ein wenig verzweifelt durch das Haar. Was sollte sie tun? Was bei Merlin konnte sie tun?
„Ich denke, er verdient eine Erklärung“, sagte Harry. Er stand vorsichtig, ohne Ginny zu wecken vom Sofa auf und kam zu Hermine hinüber. „Wir beide tun das.“ Sie atmete tief die Luft ein und blickte Draco an. Dessen Blick sagte jedoch so viel wie: Dieses Mal wars nicht meine Schuld. Hermine seufzte.
„Es wird ihm nicht gefallen“, flüsterte sie Harry zu. Einen kurzen Moment blickte sie Sirius an, fing seinen Blick ein. Nein. Es würde Ron ganz und gar nicht gefallen. Aber sie konnte nicht weiter Lügen. Das würde sie kaputt machen. Naja, sie hatte nicht gelogen, oder? Sie hatte es einfach verschwiegen. Das machte dann aber wohl trotzdem keinen Unterschied?„Es wird ihm weh tun“, flüsterte sie weiter. „Er hat dir auch wehgetan“, erwiderte Harry sanft. „Es kann ihm nicht mehr wehtun, als die Dinge die er dir vorgeworfen hat, oder?“ Sie schluckte. Da konnte Harry mit Recht haben. „Er hat dir vorgeworfen mit Malfoy und Flint…“ Hermine hob die Hand um ihn zu unterbrechen. Das wollte sie jetzt nicht hören.Draco jedoch blickte sie an wie ein Auto. Er war entsetzt: „Das denkt er nicht wirklich, oder?“ Doch auf diese Frage erhielt Draco keine Antwort mehr. Innerlich zerriss es sie, dass Ron wirklich so etwas von ihr denken konnte. Das würde sie doch niemals tun. Wie konnte er glauben, dass sie ihn betrügen konnte?Und doch hatte sie ein schlechtes Gewissen. Sie hatte Sirius geküsst. Mehr als ein Mal. Damit hatte sie ihn im Prinzip schon mehr als ein Mal betrogen, oder? Das war etwas, dass sie selbst nie von sich gedacht hätte. Und doch konnte sie sich irgendwie selbst keinen Vorwurf machen. Das einzige was sie augenblicklich verspürte war Angst.
„ZABINI!“ Ein Ruf erklang. Hermine erkannte die Stimme sofort. Harry ging hinüber zum Sofa und deckte Ginny zu, gab ihr einen kurzen Kuss und wandte sich dann auch zum Gehen. Draco hielt ihn zurück: „Wir brechen bei Sonnenaufgang auf. Ganz egal ob ihr dann mit euren Angelegenheiten fertig seid oder nicht. Ich lasse den Minister ungern warten.“ Harry nickte. Harry ergriff Hermines Hand und zog sie, an Blaise vorbei, hinaus auf den Flur. Hermine wollte sich zu Sirius umblicken, doch dieser hatte sich bereits wieder dem Fenster zugewandt.
„Harry!“, hörte sie Rons Stimme als sie in Sichtweite kamen. „Hermine!“ Rons Tonfall klang ein wenig verzweifelt. „Ich glaube ich sehe Gespenster!”„Ich weiß, Ron“, seufzte Harry. Dann erschien direkt neben Ron James. „Frühstück?“„Nur einen Tee, Bitte. Wir haben erst noch ein paar Dinge zu besprechen“, antwortete Harry. James hob den Daumen um zu signalisieren, dass er sich darum kümmern würde. Harry lächelte matt und hob ebenfalls einen Daumen. Ohne dass weiter jemand etwas sagte kam Ron die Treppe hinauf. Auf der letzten Stufe blieb er stehen. Hermine zog die Tür zum Salon hinter ihnen zu, nachdem Blaise drinnen verschwunden war und blickte Ron an. Er schien erschöpft und aufgeregt zugleich. „Geht es euch gut?“, fragte er. Er stieg auch die letzte Stufe hinauf und legte Hermine die Hände auf die eine Schultern, der andere Arm war immer noch bandagiert. „Geht es dir gut?“, erkundigte er sich besorgt.Sie nahm allen Mut zusammen und schüttelte mit dem Kopf: „Wir müssen reden“, murmelte sie. „Harry hat Recht. Ich… kann es nicht mehr länger vor mich her schieben.“
Eine Tür öffnete sich. Die drei fuhren herum.„Verzeihung. Ich dachte Black würde wieder…“Harry klappte der Mund auf. Er hatte gesehen dass sein Vater hier war, Sirius und auch Remus. Severus hatte bisher niemand erwähnt.„Es ist alles in Ordnung, Severus. James kümmert sich unten um das Frühstück. Ich denke er könnte etwas Hilfe gebrauchen. Wir wollen doch, dass die Küche nachher noch zu gebrauchen ist, nicht wahr?“ Severus Snape trat aus seinem Schlafzimmer und ging an ihnen vorbei. Harrys und Rons Blicke durchlöcherten ihn förmlich. Hermine spürte, dass er sich unwohl fühlte, während er die Treppenstufen hinab stieg. „Alles bestens“, versicherte Hermine abermals und nickte ihm zu, da Severus unten vor der Treppe stehen geblieben war. Severus blickte Harry und Ron argwöhnisch an, so wie er Normalerweise Sirius betrachtete, dann verschwand er in der Küche.
„Severus?“, wiederholten Harry und Ron im Chor.„Für gewöhnlich spreche ich die Leute beim Vornamen an, Ja!“, sagte Hermine. „Können wir dann? Ich würde da gerne das ein oder andere hinter mich bringen“, erklärte sie. „Außerdem möchte ich Draco und Marcus zu Shacklebolt begleiten. Das wäre mir sehr wichtig!“ Harry nickte. Er wollte ebenfalls mit. Aber dies hier war ihnen jetzt wichtiger. Es war Harry wichtiger. Er hatte aufgehört ihr zuzuhören und er bereute es zutiefst. Auch wenn Harry die Tatsache Sirius und James hier zu sehen sehr schmerzte wollte er Hermine die Chance geben es zu erklären. Denn auch wenn Harry bereits einen Teil von Ginny und James gehört hatte, keiner der beiden kannte die ganze Wahrheit. Er fühlte sich mit den vielen Informationen ein wenig im Stich gelassen. Ob er das verdient hatte? Weil sie Hermine im Stich gelassen hatten?
Sie stiegen einen Strudel von Treppen hinauf. Weit bis unter das Dach. Bis sie das Bibliothekszimmer in dem verwinkelten Dach der Blacks erreicht hatten. Gestern Abend hatten Harry und James hier oben gesessen und Zauberschach gespielt. Und sie hatten geredet. Draco hatte James erklärt, wer der Mann war der ihm so ähnlich sah und Ginny hatte ihm erklärt wer sie war. Auch für James war das zunächst mal ein Schock gewesen. Draco hatte dann Vater und Sohn nur ein Gespräch erlaubt, da Harry versichert hatte nichts zu verraten, was mögliche Änderungen der Zeit bewirken könnte. Dies hatte sich als schwierig gestaltet, aber war nicht unmöglich gewesen. Sie hatten sehr schnell ein sehr gutes Gesprächsthema gefunden. James hatte einen sehr stolzen Gesichtsausdruck bekommen, als Harry erzählte er wäre bereits in seinem ersten Schuljahr Sucher von Gryffindor geworden war.
Unschlüssig schloss Hermine hinter sich die Tür. Das hier war schwer. Es fiel ihr zumindest sehr schwer. Die Angst davor völlig vor den Kopf gestoßen zu werden, nach all dem was sie zusammen erlebt hatten, war viel zu groß.
Sie setzte sich auf einen der Stühle, faltete die Hände im Schoß zusammen und blickte über den Tisch hinweg Ron und Harry an. Sie seufzte und blickte die zwei an. Ihre beiden besten Freunde. Das waren sie doch noch? Hermine wusste, dass ihr sehr viel an Draco lag und dass dieser vermutlich bereits schon vor einer Weile Rons Platz als bester Freund eingenommen hatte. Aber Ron war ihr Freund gewesen, ihr fester Freund. Sie hatte Ron geliebt. Zumindest hatte es nach ihrem sechsten Schuljahr in Hogwarts, nach ihrer Liebelei mit Sirius damals niemand anderen mehr gegeben als Ron. Sie musste sich eingestehen, dass ihre Liebe zu Ron vermutlich nie so intensiv gewesen war, wie zu Sirius, doch es hatte nie jemand anderen gegeben. Niemals. Und Harry? Sie war Einzelkind, Harry war Einzelkind. Hermine liebte Harry so sehr wie man nur einen Bruder lieben konnte. Sie hatte keine Familie mehr. Ihre Eltern waren fort. Sie selbst hatte sie fort geschickt. Harry war alles was ihr an Familie geblieben war.
„Alles was ich in den letzten Wochen getan habe, war letztlich nur weil ich euch schützen wollte“, flüsterte sie. „Ron du siehst hier keine Gespenster. Wir haben Besuch.“ Sie hielt kurz inne und wusste nicht genau wie sie es Ron erklären sollte, aber sie entschied sich damit anzufangen, womit alles begonnen hatte. „Ich hab damals sie besucht. In unserem sechsten Schuljahr, wenn ihr euch erinnert. Draco hatte mich damals in die Vergangenheit reisen lassen, weil er glaubte seine Mutter schützen zu müssen. Nun ja und jetzt ist es anders herum. Sie sind hier.“
„Warum hat Draco sie hergeholt. Was hat Snape damit zu tun?“, fragte Ron. Hermine lächelte müde. Das war eine Frage die so Typisch-Ron war. Sie seufzte.„Es war nicht Draco“, sagte sie langsam. „Letztlich…ist es meine Schuld. Ich habe euch damals…nun ja nicht alles erzählt was dort passiert ist. Ich habe damit wohl die Zukunft geändert. Unbeabsichtigt natürlich. Aber ich war auch erst 16 fast 17. Ich meine ich war auch noch nicht erwachsen. Und eigentlich brauche ich mich dafür nicht rechtfertigen.“ Sie spürte wie ihre Wangen rot anliefen. Sie wusste es genau. Harry begann zu Grinsen. Sein Grinsen wurde immer breiter und sie verspürte das Bedürfnis ihn dafür zu hauen, bloß damit er aufhörte sie so dümmlich, grinsend anzuschauen.„Harry!“, empörte sie sich. Doch Harrys Grinsen wurde nur noch breiter, je mehr sie sich aufzuregen schien. Sie verpasste ihm unterm Tisch hinweg einen Fußtritt. Er hob beschwichtigend die Hände und begann dann aber zu lachen.„Ich verstehe gar nichts“, meinte Ron, der das Schauspiel beobachtete. Harry lachte umso mehr, während Hermine nicht so recht wusste, wie sie es erklären sollte.
„Unsere liebe Hermine war verknallt“, meinte Harry lächelnd. Sie errötete noch mehr und versuchte Rons Blick auszuweichen.„Aber doch nicht in deinen Vater oder? Ich meine du hast uns doch gesagt Dracos Plan wäre nach hinten losgegangen. Und ich meine das war ja auch so. Harrys Dad hat seine Mum geheiratet und deswegen sitzt Harry ja noch hier.“„Ja schon“, druckste Hermine herum. „Deswegen ist es ja nach hinten losgegangen. Ich habe mich in jemand anderen verliebt. Und auch wenn ich wusste, dass…dass ich irgendwann nicht mehr dort sein würde, war es mir sehr ernst damit. Tod ernst, Ronald.“ Hermine blickte nun Ron sehr eindringlich an. „Außer dir und ihm gab es niemand anderen. Niemals. Und du hast mir sehr damit wehgetan, als du dachtest ich würde dich mit Draco oder Marcus betrügen.“Nun war es Ron der den Blick senkte. Er war beinahe so rot angelaufen, sie sein Haar, als sie sagte dass es danach immer nur ihn gegeben hatte.“
„Als ich diesen Brief bekommen habe, da habe ich natürlich gedacht Draco würde dahinter stecke. Außer uns dreien und Draco wusste schließlich niemand dass ich damals dort gewesen war. McGonagall weiß es noch, aber was sollte sie davon haben mir die vier hier her zu schicken?“
„Was für ein Brief?“, fragte Harry verwundert.
„Das war Anfang Januar. Nach unserem Weihnachtsurlaub. Ich kam in mein Büro und erhielt einen Brief von Remus. Er erklärte mir, dass sie in meiner Wohnung auf mich warten würden. Sie waren auch in der Zeit gereist, auch nicht alle sehr beabsichtigt.“„Aber Remus hat doch Tonks geheiratet“, meinte Ron. „Da kann es ihm nicht ganz so ernst mit dir gewesen sein, Hermine. Ich meine als er starb warst du 18. Tonks war nicht sehr viel älter als du. Wenn er es ernst gemeint hätte, hätte er doch nur noch ein paar Jahre warten müssen.“ Hermine seufzte und unterbrach Ron mit einer vernichtenden Handbewegung.
„Es war nicht Remus, Ron“, murmelte sie. „Ich war mit Sirius Black zusammen.“
Es herrschte Stille. Harry hatte es gewusst. Sie sah es seinem Blick an. Er war nicht ganz so geschockt wie Ron. Aber sie spürte augenblicklich das Unbehagen, das sich zwischen ihnen breit machte. Hermine sah wie es in Rons Kopf arbeitete. Er schien sehr stark darüber nachzudenken, was sie gerade gesagt hatte. Harry schwieg ebenfalls. Hermine knetete ihre eigenen Hände und wartete.
„Du und Sirius“, murmelte Ron. Hermine wagte es nicht zu nicken. Sie blickte ihn nur an. „Und Sirius ist tot“, meinte Ron dann. Hermine hielt für Sekunden die Luft an und schloss dann die Augen. Ja genau. Tot. Sirius war bereits tot. „Und es war kurz nach seinem Tod“, stellte dann Harry fest. „Ein paar Monate nach seinem Tod bist du…“„Ich wollte das nicht. Aber wir waren dort nicht im Krieg. Er war kein Mann, der mein Vater hätte sein können. Er war bloß Sirius. Er ist Lily und Liz auf den Wecker gegangen und dann angefangen mich um ein Date zu bitten. Und ich… konnte nicht ablehnen. Es war einfach genau das war ich wollte… das was wir alle wollten. Normalität. Wir hatten in unserer gesamten Schulzeit kein normales Jahr und dort war die Welt einfach noch in Ordnung“, sagte sie. „Ich weiß, dass das egoistisch klingen muss, aber ich habe es mir gewünscht. Es gab sogar Momente da wäre ich einfach nur gerne dort geblieben.“
Harry wandte den Blick nicht ab. Er konnte sehen wie tief ihr Schmerz saß. Wie tief er noch heute saß und schwer es für sie gewesen sein musste, dass sie mit niemandem darüber hatte reden können.
„Aber ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich saß damals in Severus‘ Büro. Er hat mir gesagt, dass es nicht richtig wäre euch hier alleine zu lassen. Severus hat mir den Kopf gewaschen und ich habe mich dafür entschieden hier bei euch zu bleiben. Mit euch weiter zu kämpfen. Dafür zu kämpfen, dass die Generationen nach uns ein besseres Leben führen können.“ Sie sagte absichtlich nicht, dass sie dafür kämpfte damit ihre eigenen Kinder ein besseres Leben führen könnten. Der Gedanke an Teddy reichte ihr vollkommen aus. „Ich hatte einen Schlussstrich gezogen. Es ist mir unglaublich schwer gefallen. Es war ein Ende von jetzt auf gleich. Er war hier bereits tot. Ich konnte nicht zurückkehren und seinem späteren Ich um den Hals fallen. Als ich ihn dort verließ… war es als wäre er ein zweites Mal gestorben.“ Ihre Stimme begann ein wenig zu zittern. Sie kniff die Augen zusammen und versuchte zu verdrängen, wie es sich angefühlt hatte. So wie sie alles andere in den letzten Jahren verdrängt hatte.
„Es tut mir furchtbar Leid, Harry. Aber ich wusste nicht wie ich es dir sagen sollte und als ihr dann auch noch wie alle anderen Schwachköpfe glaubtet McGonagall könnte irgendwas mit diesen Einstürzen zu tun haben, da glaubte ich du wärst nicht bereit für die Wahrheit. Ich wusste nicht wie du reagierst wenn du plötzlich deinem Vater gegenüberstehst. Ich wollte dich nur schützen.“ Sie atmete schwer die Luft ein und dann wandte sie den Blick direkt auf Ron.
„Ich habe mich zurückgezogen und Draco anvertraut. Aber er war schon eingeweiht und er wusste es eben. Es ist mir sehr viel leichter gefallen mit ihm zu sprechen oder es Luna und Ginny zu erklären, als euch. Ich wollte euch damit nicht verletzten.“
„Und wie sind sie dann hier hergekommen?“, fragte Harry. „Das verstehe ich nicht so ganz. Ich meine Draco war es nicht und sonst wusste davon ja auch keiner.“
„Es war Sirius“, sagte sie leise. „Es war dieser Einschnitt damals. Es war ja nicht so ass wir uns getrennt haben, weil es nicht gut lief, oder so. Es war einfach von jetzt auf gleich vorbei. Meine Hülle dort hat sich selbst umgebracht und Sirius hatte irgendwann nur noch die Hoffnung daran, dass ich noch da war. Hier in seiner Zukunft. Er hat sich daran geklammert und einen Zauber für eine Zeitreise gefunden. Und dabei hat er unbeabsichtigt drei Begleiter mit auf die Reise genommen. Es war nicht beabsichtigt hier mit James, Remus und Severus aufzukreuzen.“ Sie ließ Liz und alle weiteren Verstrickungen um sie weg. Weder Ron noch Harry kannten Liz. Sie zu erwähnen würde die beiden nur verwirren und noch mehr durcheinander bringen.
„Er liebt dich noch“, meinte Ron dann. Hermine nickte nur. Das tat er. Und sie? Sie beobachtete Rons Gesichtszüge. Sie konnte erkennen, dass er in diesem Augenblick ähnliche Schlüsse zog wie sie. Er zählte auch eins und eins zusammen. „Und… und du…“ Ron schüttelte mit dem Kopf und räusperte sich. „Ich meine du…wir…ich liebe dich Hermine:“ Rons Stimme klang rau und kratzig. Nun zitterte seine Stimme. Er war ein wenig blass geworden. „Er ist tot“, wiederholte er. Hermine schluckte und schüttelte mit dem Kopf, zuckte mit der einen Schulter und wusste nicht was sie sagen sollte. Der Gedanke an einen Toten Sirius schnürte ihr die Kehle ab.
„Ihr wohnt hier zusammen in diesem Haus. Seit Anfang Januar?“, fragte Ron dann. Sie konnte bloß nicken. „Und du liebst ihn noch?“ Das war eine sehr entscheidende Frage. Und Hermine kannte die Antwort. Sie wollte sie heraus schreien. Es gab nur eine Antwort. Sie würde lügen, wenn sie jetzt noch etwas anderes sagte. Sie blickte Ron direkt an. Dann blickte sie zu Harry. Harry seufzte. Sie sah dass er die Antwort kannte. Sie wandte den Blick wieder zu Ron und schloss die Augen. Stille. Keiner regte sich. Keiner sagte etwas. Sie atmete laut hörbar die Luft ein und aus. Und als sie die Augen wieder aufschlug und Ron anschaute brachte sie nur ein einziges Wort über die Lippen: „Immer!“
Immer. Immer war eine lange Zeit. Immer war unendlich. Immer ging über alle Barrieren hinaus und stellte keine Fragen. Immer störte sich nicht an Zeit und Raum. Immer bedeutete, dass es nichts anderes geben würde. Niemals.
„Aber er ist TOT“, polterte Ron los. Sie hatte darauf gewartet. Sie hatte es erwartet. Die ganze Zeit hatte sie nur darauf gewartet, dass er sie endlich anschrie. „Nach allem was geschehen ist. Nach allem was zwischen uns geschehen ist. Ich war da. Ich war die ganze Zeit für dich da. Wie kannst du da sagen, dass du jemand anderen liebst. Bevor er hier aufgetaucht ist war doch noch alles in Ordnung.“
„Er war plötzlich wieder ja. So nahe. Und es war alles wieder da. Als wäre es nicht weggewesen. Ich konnte ihn nicht einfach von mir stoßen. Er hat eine Zeitreise gemacht, nur um mich wieder zu sehen, weil auch ich dort tot bin.“
„Nahe, ja? Also wart ihr zusammen. Die ganze Zeit hier. Während ich wie ein blöder durch die Gegend gerannt bin und mich gefragt habe was ich falsch gemacht habe und…“
„NEIN! Du verstehst nicht ein Wort. Du hörst mir nicht zu. Du ignorierst einfach alles was ich gerade gesagt habe.“ Wütend stand sie nun von ihrem Platz auf und dabei knallte eines der dicken Bücher, das neben ihr auf dem Tisch gelegen hatte, zu Boden. Hatte er ihr den wirklich nicht zugehört? Es war keine Trennung gewesen. Sie hatte sich niemals von ihm trennen wollen. Sie hatte sich lediglich damit abgefunden.
„Du bist doch völlig durchgeknallt“, sagte Ron und sein Tonfall, die Art wie er sie anblickte, verletzte sie zutiefst. Tiefer als alles was er sonst hätte zu ihr sagen können. „Wir haben hier eine Zukunft. Wir alle hier zusammen. Wir werden herausbekommen was dort in Hogwarts passiert ist und es wird wieder besser werden. Es war doch besser. Sehr viel besser. Wir waren glücklich!“
„Es kann und wird nicht mehr so werden wie zuvor, Ronald. Denn ich… ich kann das nicht mehr. Ich habe es verdrängt. All diese Jahre lang. Das will ich nicht mehr.“Ron lachte etwas. Er stand langsam auf und kam auf sie zu. Harry sagte nichts. Er blickte seine Freunde still schweigend an und versuchte ruhig zu atmen. Er versuchte zu verstehen, was gerade alles passiert war und wenn er Hermines Gefühlsausbruch richtig deutete, dann würde das hier gleich in einer Eskalation enden.„Ron, ich bin der Meinung du setzt dich wieder“, meinte Harry langsam. Doch sowohl Ron als auch Hermine schienen Harry zu ignorieren. Harry seufzte. Er hielt sich die Augen zu. Hermine passte es mit Sicherheit nicht, dass er sie auslachte.Und da hatte Harry Recht! Ron kam langsam auf Hermine zu und legte eine Hand an ihre Wange. Sie schloss seufzend die Augen und ballte die Hände zu Fäusten.
„Ich kann das verstehen, Hermine. Ich mache dir ja auch keinen Vorwurf weißt du.“ Es war wie ein Augenblicklicher Sinneswandel. Überrascht schlug Hermine die Augenlider auf und starrte Ron mit fassungslosem Blick an. Er verstand sie? „Ich kann das verstehen, okay? Du warst verknallt. Das…das ist in Ordnung. Ich meine bevor dass alles hier passiert ist… Bevor der Krieg zu Ende war und so… wir waren noch Kinder. Und diese Zeitreise von damals… du konntest ja nichts dafür. Und du hast eine Entscheidung getroffen, Hermine. Eine so wichtige Entscheidung ohne die wir vielleicht jetzt gar nicht hier ständen.“ Ron hielt inne. Hermine blickte ihn noch immer fassungslos an. Und Harry? Dem war der Mund aufgeklappt. Er hätte alles Mögliche erwartet. Vermutlich hatte er gedacht Ron würde jetzt noch etwas ganz falsches sagen und Hermine würde aus dem Zimmer stürmen. Doch für einen Moment schien es so, als würde Ron ganz genau wissen war er sagte. Er schien nachgedacht zu haben. Er hatte dafür auch nicht sehr lange gebraucht. Seine anfängliche Wut war verschwunden und hatte einer Ruhe platz gemacht, die Ron selbst noch nicht verstehen konnte. Aber Ron wusste wohl dass er mit Schreien und Meckern bei Hermine nicht weiter kam. Vielleicht war ihm aber auch nur klar geworden, dass er seine aller letzte Chance bei ihr verspielen würde wenn er jetzt durchdrehte. Ron liebte Hermine. Er hatte immer und immer nur Hermine geliebt. Die Sache mit Lavender in ihrer Schulzeit war für Ron nichts gewesen, was wirklich eine Zukunft gehabt hätte. Letztlich war es doch so gewesen, dass Lavender einfach das erste Mädchen gewesen war, dass einen Schritt auf Ron zu gemacht hatte. Und Ron war einfach zu unbeholfen um wirklich den ersten Schritt in dieser Richtung zu tun. Einfach weil Ron vielleicht auch viel zu viel Angst vor Zurückweisung gehabt hatte. Und nun stand sie hier. Sie, die einzige die Ron jemals geliebt hat und machte ihm klar, dass sie für jemanden der längst tot war alles über den Haufen schmeißen würde. Ron musste jetzt Ruhe bewahren.
Er strich mit seinem Handrücken Hermines Wange entlang und kam einen weiteren Schritt auf sie zu. Hermine beschrieb Rons Gefühlleben immer mit dem eines Teelöffels und sie hätte ihm wohl auch nicht so viel Einfühlungsvermögen zugetraut. Sie lehnte sich gegen seine Hand und genoss die kurze Berührung der Zuneigung. Es gab viele Leute die Ron für dumm hielten. Sie hielten ihn für stümperhaft und sagten jemand so schlaues wie Hermine hätte etwas Besseres verdient. Doch über die ganzen letzten Jahre hinweg, hatte Hermine niemand ehrlicheres kennengelernt wie Ronald. So loyal und gutherzig. Er würde für seine Familie wohl alles tun und Hermine hatte es genossen, dass Ron sie zu seiner Familie zählte, wo sie doch selbst keine mehr besaß. Selten hatte jemand dieses enge und tiefe Band verstanden. Doch Ron hatte seine Momente. Und jeder dieser Momente faszinierte Hermine aufs Neue. Genau dafür liebte sie ihn doch.„Ich verstehe, dass dich das verwirren muss“, flüsterte Ron und sie waren sich nun so nah wie sie es seit kurz nach Neujahr nicht mehr gewesen waren. Und das war Monate her. Sie blinzelte und blickte direkt in seine Augen. Da lag alle Zuversicht und Verständnis, die Ron aufbringen konnte.
Harry fragte sich, ob er vielleicht besser gehen sollte. Die beiden standen so dicht beieinander. Vielleicht wollten sie ein wenig Privatsphäre? Nach der Trennung war wirklich viel passiert und es ging Harry vielleicht auch nichts an, worüber sie alles sprechen wollten?„Du weißt nicht, wie viel es mir bedeutet, dass du das sagst, Ronald“, flüsterte Hermine. Sie schniefte kurz und musste etwas lächeln. Ihr standen ein paar Tränen in den Augen und Ron reichte ihr ein etwas zerknittertes Taschentuch. Sie nahm es dankend an und lehnte sich dann an Ron. Sie bettete ihren Kopf auf seiner Schulter ab und schloss zufrieden die Augen. Alle Ängste die sich zusammen gesammelt hatten, waren wie weggeflogen. Sie spürte Rons Hand, wie er durch ihr Haar strich. Sie lehnte sich in die Umarmung und glaubte seit langer Zeit dort angekommen zu sein, wonach sie gesucht hatte. Vielleicht wurde nicht alles wie vorher. Ja vielleicht wurde es auch nicht sofort wieder besser. Aber das hier war ein Anfang.
In einer festen Umarmung standen sie dort. Keiner rührte sich. Keiner sagte etwas. Harry schluckte schwer. Ihm war danach Ginny festzuhalten und sie ebenfalls fest an sich zu drücken. Er schloss die Augen und wandte beschämt den Blick ab. Er wollte jetzt eigentlich nicht Zeuge davon werden, wie sich die beiden knutschend in die Arme fielen.
„Der Tee wäre jetzt fertig.“ James hatte ohne anzuklopfen die Tür aufgeschoben, blieb aber im Türrahmen stehen.„Danke James“, meinte Hermine, während sie sich aus der Umarmung von Ron löste. „Aber wir haben jetzt keine Zeit mehr für Tee. Die Sonne geht bald auf.“ Sie nahm Rons Hand und drückte sie. Sie wusste was sie an ihm hatte. Das hatte sie immer gewusst.„Ich wollte wirklich nicht stören. Wenn ihr etwas essen wollt… also Snape und ich wir haben in der Küche Toasts und Eier gemacht...“„Nein es ist alles in Ordnung, James. Ich denke fürs erste ist alles gesagt.“ Sie blickte Ron an und dann Harry. Beide schienen der gleichen Meinung zu sein.
„Dann sagte ich Draco Bescheid. Bevor der ohne euch abhaut“, erklärte James. Er stellte das Tablett mit dem Tee auf dem Tisch ab und verschwand sofort wieder. Harry stand auf. Er nahm Hermine in den Arm und drückte sie an sich. Sie seufzte und kuschelte sich an ihren besten Freund.„Du hast nichts Böses gemacht“, sagte Harry leise. So leise, dass Ron ihn unter gar keinen Umständen verstehen konnte. Sie hielt die Augen einen Moment geschlossen und empfand tiefe Dankbarkeit dafür, dass gerade Harry sie nicht verurteilte. Er nahm es insgesamt sehr viel gefasster auf, als sie erwartet hatte. Vermutlich lag es an den Gesprächen mit Ginny und James. Trotzdem fühlte sie, dass Harry ihr bedingungslos beistand. Ganz egal was sie tun würde. Im Hinterkopf wusste natürlich, dass sie sobald die Probleme hier in Großbritannien geklärt waren eine Lösung gesucht werden musste, wie man Sirius, James, Remus und Severus in die Vergangenheit zurückbekam. Aber diesen Gedanken verdrängte sie im Augenblick.
„Wir nehmen uns alle Zeit der Welt, Hermine“, unterbrach Ron die Stille. „Wir brauchen jetzt gerade keine Entscheidung.“ Das klang sie fast etwas absurd. Sie sollte sich, schon wieder, entscheiden? Das erschien ihr beinahe lächerlich. Für sie gab es, jetzt, eigentlich nur eine Lösung. Sie liebte Sirius. Alles andere war Ron gegenüber auch nicht fair. Also was sollte sie tun? Wenn Sirius letztlich doch gehen musste… vielleicht blieb sie dann einfach alleine? Sie hatte Teddy. Sie wollte immer eigene Kinder haben, schon immer. Abe sie hatte Teddy. Sie hatte einen Sohn. Vielleicht konnte das ausreichend sein. Teddy eine gute Mutter zu sein war vielleicht ihr Schicksal.
„Wir brechen jetzt auf“, sagte sie und öffnete die Tür zur Treppe. „Draco wartet auf uns und der Minister erwartet uns.“„Ich kann euch begleiten?“, bat Ron. „Das war eigentlich nicht so abgesprochen“, meinte Harry nun langsam. „Shacklebolt erwartet nur uns vier. Marcus, Draco, Hermine und mich.“„Ich verstehe. Dann werde ich Fred helfen. Im Ministerium ist die Hölle los und ich brauche auch einen Moment Ruhe. Ich nehme den Kamin in der Küche, wenn das okay ist?“„Natürlich“, sagte Hermine rasch. Er streifte kurz ihren Arm, dann verschwand Ron bereits nach unten.
Hermine und Harry folgten sehr langsam. Sie fühlte sich ein wenig müde. Harry hatte das Tablett mit Tee in den Händen. Hermine ging voraus, wurde dann im Flur bald von Teddy umgerannt. Er klammerte sich an ihre Beine. Remus stand im Türrahmen und beobachtete ihn. Sie hob das Kind hoch und drückte Teddy einen Kuss auf die Stirn. „Ich muss Draco und Onkel Harry begleiten. Wir haben einen wichtigen Termin beim Zaubereiminister. Onkel Remus wird so lange auf dich aufpassen, in Ordnung?“ Teddy nickte nur widerwillig.„Du musst aber wiederkommen“, flüsterte er Hermine ins Ohr. „Professor Snape ist ziemlich komisch. Und die Streiten alle so viel mit ihm.“„Ich verspreche dir so schnell wie möglich wieder da zu sein, Teddy.“ Sie drückte ihn und reichte ihn an Remus.
„Wir können?“, fragte Draco. Er hatte die Tür aufgeschoben und blickte Harry und Hermine an. Sie nickten beide. „Dann los. Marcus wartet nicht gerne“, grummelte Draco. Er stieg als erstes die Treppen hinab. Hermine warf einen raschen Blick in den Salon. Sie erkannte Sirius wie er noch immer am Fenster ins Leere starte. Harry strich ihr über den Rücken. „Es wird alles gut, okay?“ Sie wandte sich zu Harry um. „Ihr könnt nachher noch in Ruhe reden. Er wird nicht weglaufen.“ Sie gab einen genervten Ton von sich und schüttelte mit dem Kopf. Sie wusste, dass er nicht weglaufen konnte. Sie stiegen die Stufen hinab. Draco half ihr in den Mantel, dann verließen sie zur dritt das Haus und apparierten.
Am Bahnhof in Hogsmeade wuselten Auroren von A nach B. Hermine taumelte etwas und wurde von Draco aufgefangen, als sie in dem Wirrwarr auftauchten.„Ihr habt es nicht so mit der Pünktlichkeit, oder?“, Marcus. „Dir auch einen Guten Morgen, Flint“, entgegnete Draco.
Sie kamen durch etliche Kontrollen. Sie wurden nach Ausweisen und gefragt, nach ihrer Position im Ministerium, warum sie hier waren.„Der Minister erwartet uns“, meinte Harry bei der mindestens zehnten Befragung. „Ach ja?“, meinte der großgewachsene bullige Mann. „Und Sie sind?“„Ah, Mister Potter. Es ist schön sie zu sehen. Und Miss Granger! Ihrer Schulter geht es hoffentlich etwas besser?“ Aus dem Gewusel heraus trat der Zaubereiminister zu ihnen.„Schönen guten Morgen Mr. Shacklebolt“, erklärte Harry und trat an dem bulligen Mann vorbei. Dem war der Mund aufgeklappt und Harry hatte ihm noch die Zunge heraus gestreckt. Draco lachte. Hermine schüttelte mit dem Kopf.„Komm schon, benimm dich, Harry“, mahnte sie.
„Wir fahren mit einer Kutsche. Auf dem gesamten Gelände liegt wieder ein Apparierschutz. Wir möchten damit verhindern, dass irgendwelche Beweise verschwinden“, sagte Shacklebolt. Er machte eine einladende Handbewegung und deutete auf jene Kutschen die sie damals zu Schulbeginn immer nach Hogwarts gebracht hatten. Sie blieben kurz stehen und sahen sich an. Sie alle konnten die Thestrale sehen.„Gibt es denn Überhaupt noch irgendwas, das verschwinden könnte?“, fragte Marcus grimmig. Shacklebolt sah ihn streng an.„Ich finde das alles andere als lustig, Flint.“„Ja Sir. Ich ebenfalls.“
Hermine sagte nichts. Sie stieg mit Dracos Hilfe in die Kutsche ein und legte ihren Kopf auf Harrys Schulter ab. Dann nickte sie kurz ein. Sie war noch immer etwas müde und fühlte sich sehr schwach, aber sie wollte nach Hogwarts. Sie wollte nach Hause. Denn Hogwarts war ihr Zuhause gewesen. Abgesehen von ihrem Elternhaus gab es keinen Ort den sie mehr vermisste als Hogwarts. Ihren Schlafsaal, die große Halle, die Bibliothek. Hermine schreckte aus ihrem Kurz-Schlaf. Beim Merlin, die ganzen Bücher.
„Alles in Ordnung, Hermine?“, erkundigte sich Draco. Sie schüttelte mit dem Kopf. Nein. Nichts war in Ordnung. Wie sollte es auch.„Gar nichts ist in Ordnung. Das hier ist eine einzige Katastrophe. Es gehen Leute her und versuchen Unschuldige zu töten. Ganz ohne Sinn Intention. Wie kann da alles in Ordnung sein?“, fragte sie.
„Nun“, Kingsley Shacklebolt räusperte sich. „Aus genau diesem Grund befinden wir uns jetzt in dieser Kutsche, meine Lieben. Wir haben heute Morgen eine Eule bekommen. Jemand hat sich zu den Anschlägen und der Zerstörung in Hogwarts geäußert. Und ich hielt es für besser dies für mich zu behalten, bis alle Ohren außer Hörweite sind.“ Hermine blickte Shacklebolt an.„Was soll das heißen?“„Das hier ist schwerwiegender als alles was im Krieg passiert ist“, sagte Shacklebolt. „Wenn der Schreiber es ernst meint, steht die Existenz aller auf dem Spiel. Aller Zauberer und Hexen überall.“
Harry runzelte die Stirn. Er verstand nicht genau was Shacklebolt damit meinte. Doch Hermines entsetzter Aufschrei ließ sie alle zusammen fahren.
„Gütiger Himmel“, flüsterte Harry. Er wollte Hermines Hand ergreifen. Doch Hermine war aus der Kutsche geklettert. Sehr viel schneller als überhaupt irgendjemand hatte reagieren können. Und dann war sie los gerannt. Immer und immer wieder hörte Harry sie „Nein, Nein, Nein!“, rufen. Während er selbst er verarbeiten musste, was er dort sah.
Kein Hogwarts mehr. Dort stand kein einziger Stein mehr dort wo er hingehörte. Und es herrschte ein Stille. Eine Stille die Harry nicht von Hogwarts kannte. Draco stand nun dicht bei ihm und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt.„Das ist ganz schön krass“, sagte Draco. Harry nickte. Ihm selbst fehlten noch die Worte.
„Professor“, meinte Marcus. Harry sah auf. Und ja, da konnte er sie erkennen. Professor McGonagall kam auf die kleine Gruppe zu gelaufen. Shacklebolt nickte ihr zu. Er hatte sie wohl schon erwartet. McGonagall störte sich jedoch nicht an ihnen, sondern nahm Hermine in den Arm. Harry hörte sie etwas sagen, dass so ähnlich klang wie: „Ist schon gut, Mädchen. Ist schon gut.“
Harry blinzelte. Er erkannte fast keine Mauer mehr. Nichts dass sie erkennen ließ, was was gewesen war. Er machte eine Kopfbewegung und Draco und Marcus folgten ihm. Sie betraten die Trümmer durch einen Haufen von Steinen, wo sie den einstigen Eingang vermuteten. Sie hatten nicht völlig Unrecht. Und nach ein paar Minuten im inneren des Trümmerlabyrinths erreichten sie den Platz, der einst die große Halle gewesen war. Jetzt war es bloß noch ein Trümmerfeld. Scherben und fetzen allerlei Dinge lagen unter freiem Himmel. Es gab kein Hogwarts mehr. Es würde nie mehr ein Hogwarts geben.
Und so ging Harry her und griff mit der Hand nach einem Häufchen Asche und Staub. Draco beobachtete ihn fragend. Keiner sagte jedoch ein Wort.
Blitzartig drehte sich Harry zu Draco und Marcus um: „Das hier ist nicht das Ende“, flüsterte er. Er ging auf sie zu. „Das war es auch letztes Mal nicht. Wir werde nicht zulassen dass es das Ende sein wird.“ Er sprach mit einer solchen Entschlossenheit die Draco und Marcus erschaudern ließ.
Und dann warf Harry die Hand voll Asche und Staub hoch in die Luft: „Asche zu Asche. Staub zu Staub.“
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