
von Freaky-Angel
Kapitel 18 – Zwei Briefe
Wir werden es nicht mehr brauchen. Hermine überflog das Schreiben ein weiteres Mal und war nicht sicher, was sie dazu sagen sollte. Das hier klang lächerlich. Und doch war alles was sie hier zu lesen bekommen hatte tot ernst gemeint.Es war nicht lächerlich in dem Sinne, dass es vollkommen lustig war, oder dass es wirklich völlig unmöglich war, doch es war einfach absurd.Es sollte eine Welt geben in der man Hogwarts nicht mehr brauchte? Hogwarts war ihr Leben gewesen. Hogwarts hatte ihr alles gegeben, was sie aufs Leben vorbereitet hatte. Wie sollten nun etliche Generationen von Schülern ohne Hogwarts ihr Leben bestreiten? Einige Zaubererfamilien waren wohl mit Sicherheit in der Lage ihre Kinder in einigen Dingen selbst zu unterrichten. So war es schließlich schon in früherer Zeit geschehen. Aber dies würde auch jenen nur einen Ausschnitt davon bieten was ein jeder andere in Hogwarts hatte lernen können. Zudem, was war mit Kindern aus Nicht-Magischen Familien? Jedes Jahr bestritten etliche Kinder mit Muggeleltern ihr erstes Jahr in Hogwarts. Woher sollten sie ihr Wissen nehmen? War das hier der erste Schritt um jene zu unterdrücken?
„Ich halte das für einen absoluten Blödsinn“, sagte Marcus. Er saß zu Hermines Rechten und hatte nach ihr als erstes das Schreiben gelesen. Zusammen mit Harry, Draco, Kingsley Shacklebolt und Minerva McGonagall saßen sie in Mitten der Trümmern. Minerva hatte einen runden Eichentisch und Stühle heraufbeschworen und saßen sie dort unter freiem Himmel und hielten eine Art Kriegsrat.
Der Bekennerbrief, wie Kingsley ihn nannte, erreichte ihn persönlich des Nachts in seinem Haus. Die Eule war verschwunden, ehe ihm wirklich bewusst gewesen war, dass dort ein Brief für ihn angekommen war. Ein paar Zeilen. Und jene von denen es kam, meinten es wohl eindeutig ernst. Es würden weitere Dinge geschehen, so wurde ihnen versprochen.
„Solange wir nicht wissen, wer dahinter steckt, Flint, können wir das aber auch nicht ganz ignorieren. Da läuft eine Schar voll Kinder rum, die wieder in die Schule muss.“ Draco blickte Marcus direkt an. Hermine musterte seinen Blick und seufzte. Draco saß ihr direkt gegenüber und sie konnte dieses tiefe, dunkle Funkeln in seinen Augen sehen, dass nach Streit suchte. Sie kannte dieses Funkeln. Sirius konnte genauso ausschauen, wenn er auf Streit aus war. Kingsley pflichtete Draco bei und erklärte, dass man im Ministerium wohl zeitweise für die älteren Jahrgänge etwas einrichten könnte. Wenn diese in den kommenden Monaten ihren Abschluss vernünftig machen wollten, so würde man sich um ein paar Köpfe weniger Sorgen machen. Für alle anderen wäre das aktuelle Schuljahr ab sofort beende. McGonagall sorgte sich natürlich um ihre Schützlinge und erklärte, dass sie es für viel angebrachter hielt etwas für die jüngsten einzurichten, gerade weil diese ihre Fähigkeiten nicht kontrollieren konnten. Den Siebtklässlern, so sagte sie, könnte man auch guten Gewissens vorzeitig den Abschluss bescheinigen.
Hermine seufzte und rieb sich die Stirn. Irgendwie war Hogwarts dann doch ihre geringste Sorge. Sie blickte an Draco vorbei. Harry stand in einigen Metern Abstand zu ihnen und starrte in Richtung des Sees. Sie griff den Brief, den Marcus vor sich abgelegt hatte und stand vom Tisch auf. Draco warf ihr einen fragenden Blick zu, doch sie machte nur eine Handbewegung die ihm deutete sitzen zu bleiben. Sie ging an ihnen vorbei zu Harry. Wie mochte er sich gerade fühlen? Wie viel leere war dies hier für ihn?
Harry hatte nichts anderes gekannt. Hogwarts war sein Lebensanker aus der tristen Welt der Dursleys heraus gewesen. Was mochte ihm gerade durch den Kopf gehen. War er sauer? traurig? Draco hatte ihr kurz vorm Zusammensetzen an den runden Tisch gesagt, dass in Harry wohl eben ein wenig Rachegefühle aufgekeimt waren. Er war wohl sehr entschlossen gewesen.
„Harry“, sagte sie leise, kam auf ihn zu und legte eine Hand auf seine Schulter. Strahlend blau war der Himmel. Und die Sonne schien auf sie und die Trümmer herab. Kein Wölkchen war zu erkennen. Nach den etlichen Monaten des nass-kalten Schmuddelwetters legte sich der erste Glanz des Frühlings auf sie hinab. Hell leuchtend war er einst von den Zinnen der Türme von Hogwarts reflektiert worden. Doch hier unten lag ein einziger Trümmerhaufen von kalt werdender Asche. „Harry, ist alles okay bei dir?“ Er nickte langsam. „Was tust du dann hier? Warum setzt du dich nicht zu uns? Wir können gemeinsam darüber reden.“„Ich denke nach“, verkündete er langsam. Sie schwieg und betrachtete ihn. Sein Blick war starr nach vorne Gerichtet, schien keinen bestimmten Punkt zu fixieren. Offenbar war er wirklich sehr tief in Gedanken. „Würdest du mich an deinen Gedanken teilhaben lassen?“, fragte sie vorsichtig. Sie hielt noch immer de Brief in der Hand und folgte nun seinem Blick. Der Blick auf den See war noch der gleiche wie sonst. Er lag ruhig am Fuße des zerstörten Schlosses und schien das einzige zu sein, das noch von ihrer Schulzeit übrig geblieben war. Hermine vermutete, dass der Anblick Harry beruhigte. Wenn man alles andere hier ausblendete und nur den See sah, so würde man sich vielleicht innerlich in eine Welt retten können in der noch alles in Ordnung war.
„Nun ich wäre zunächst mal gerne an deinen interessiert“, flüsterte Harry leise zurück. So? Er wollte ihre Meinung hören? Etwas Bestimmtes?„Oder nein“, korrigierte er sich dann. „Les es mir vor!“Sie rümpfte die Nase und schaute ihn an. Er hatte es doch selbst gelesen. Warum sollte sie es vorlesen?„Es ist etwas anderes wenn man es vorgelesen bekommt. Die Worte bekommen mehr Leben und ein jeder der es vorliest wird seinem Lesen eine andere Interpretation beifügen“, sagte Harry, als hätte er ihre Gedanken lesen können. Hm. Das klang nicht nach Harry. Das klang viel mehr nach einem Satz der von ihr selbst hätte stammen können. Nun, aber er hatte recht. Sie besah sich das Stück Pergament und räusperte sich:
„Wir haben gewartet. Gewartet dass etwas passiert. Wir haben um eine Veränderung gebeten. Aber wir wurden nicht angehört.Jahrhunderte lang wurde uns gesagt wir müssen uns verstecken. Wir leben unter Muggeln und müssen jeden Tag Angst haben, dass wir entdeckt werden. Unsere Kinder müssen Angst haben wenn sie mit anderen Kindern spielen. Nach allem was wir tun, ist das nicht gerecht. Wir haben gekämpft und gegen allen Muggelhass gearbeitet. Wir haben uns von Todessern befreit und für ein freies Leben gekämpft.Wer frei ist, sollte sich nicht verstecken müssen.
Eines Tages musste es kommen. Und wir wollen nicht darauf warten irgendwann einmal entdeckt und dann dafür bestraft zu werden für das was wir sind. Deswegen werden wir nicht mehr warten. Ab sofort nehmen wir unser Schicksal selbst in die Hand. In einem freien Leben da gibt es kein Hogwarts mehr. Da werden wir es nicht mehr brauchen. Unsere Kinder können wie alle anderen normal zur Schule gehen und dort alles Lernen was für sie wichtig ist. Keiner soll Angst vor ihnen haben oder sie für merkwürdig halten. Es wird normal sein dass es Magie gibt. Wenn wir daran gemeinsam glauben wird niemandem etwas geschehen.Es ist an der Zeit den Menschen zu zeigen, dass es uns gibt. Dabei könnt ihr uns helfen oder uns bekämpfen. Doch wir werden nicht die letzten sein, die diesen Schritt unternehmen. Sie sollten sich also nicht gegen das unvermeidbare stellen.“
Hermine endete und atmete tief die Luft ein und aus. Im Hintergrund konnte sie Marcus und Draco streiten hören. Sie wollte sich umdrehen und sie anschnauzen, dass sie hier nicht mehr im Kindergarten waren. Doch Harry fing wieder ihre gesamte Aufmerksamkeit ein. „Nun, was denkst du?“, fragte Harry langsam. Er schien bereits seine Gedanken geordnet zu haben. Und Hermine würde mehrere Galleonen dafür herausrücken um zu erfahren, was genau in diesem Augenblick in seinem Kopf herum spukte. Harry war nicht blöd. Er war sogar äußerst clever und lief nicht sofort so unverblümt mit dem Kopf gegen die Wand, wie Ron es gerne mal tat. Meistens waren Harrys Ideen sogar dann doch besser durchdacht, als Hermine anfänglich annahm.
„Ich weiß nicht so recht“, gestand sie. „Es klingt wahnsinnig, ja! Aber die Vorstellung frei leben zu können ist eine sehr schöne.“„Die Dursleys waren nie sehr nett zu mir. Sie hatten Angst vor meinen Fähigkeiten.“„Und ich nehme an du stellst es dir manchmal anders vor. Wie es hätte sein können, wenn sie keine Angst gehabt hätten?“„Ja!“, sagte Harry ein wenig beschämt. „Ich glaube Dudley war anfangs nur neidisch, aber eigentlich nur neugierig. Alles andere wurde ihm nur von Vernon und Petunia eingetrichtert.“
„Eifersucht und Neid sind keine Erfindung von Welt, Harry. Und wenn ich da bloß an Draco und unsere Schulzeit denke, so hätten wir da das perfekte Beispiel dafür, dass auch unter uns Zauberern genug voreingenommene Exemplare herumlaufen. Das macht es natürlich nicht richtig. Aber das gibt es nun mal überall.“ Harry nahm sie ohne zu antworten einfach in den Arm und drückte sie an sich. Er hielt die Augen geschlossen und ließ unendliche Bilder vor seinem inneren Auge vorbei ziehen.
„Was ist mit dir?“, fragte Hermine. „Ich denke nach, Hermine.“ Er löste sich von ihr und lächelte. „Harry?“„Ich denke noch immer nach. Aber ich höre dir gerne weiter zu. Vielleicht füllt sich dann mein Bild.“ Sie seufzte. Machte er sich über sie lustig?
„Na komm schon, Hermine. Ich höre ja gar nichts.“„Nun ich weiß wirklich nicht so recht. Es klingt völlig abwegig. So etwas gab es bisher nicht. Die Vorstellung ist vielleicht ganz nett, aber sie bringt Gefahren mit sich. Menschen sind Instinkttiere. Alles Neue wird hinterfragt und als fremd abgestempelt. Wir leben in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Man kann es den Muggeln nicht mal eben einfach so unter die Nase reiben. Sie werden Angst bekommen. Sehr viel Angst. Über die Anschläge Anfang des Jahres wurde auch in der Muggelpresse berichtet. Wenn sie herausbekommen, dass es Werke von Zauberern waren werden sie unglaublich verängstigt. Das ist nicht besonders förderlich. Sie werden uns für Monster halten. Das könnte auf dem Scheiterhaufen enden.“
„Wir können apparieren, Hermine. Da halte ich den Scheiterhaufen für ein wenig absurd.“„Ach wirklich?“, fragte sie ein wenig patzig. „Es müssen sich nur vier Leute aus dem Staub machen. Ab dem fünften wirst du vorher betäubt oder anderswie außer Gefecht gesetzt.“„Bleib realistisch!“, mahnte Harry.
Hermine wären mit Sicherheit noch etliche andere Möglichkeiten eingefallen, wie Muggel wohl Zauberer quälen und vernichten könnten. Sie waren schließlich in der Überzahl. Sie würden schon einen Weg finden. Es waren Menschen. Menschen waren grausame Wesen. Menschen brachten sich gegenseitig um. Sie würden die Zauberer ausrotten. „Ich BIN realistisch“, sagte sie ernst. „Für mich klingt das nach dem absoluten Weltuntergangsszenario der Zaubererwelt.“
„Wäre das Schlimm?“, warf Harry ein.
„Was?“, fragte Hermine.
„Wäre es schlimm wenn die Zaubererwelt als separate Welt verschwinden würde? Wenn wir einfach ganz normal unter Muggeln leben könnten, als wären wir nicht anders. Denn das sind wir doch oder? Nicht anders! Deine Eltern, Hermine. Du unterscheidest dich doch nicht von deinen Eltern, oder Hermine?“„Nun, sie sind nicht magisch“, sagte sie vorsichtig. „Aber sonst, Hermine. Gibt es sonst irgendetwas das anders ist?“, fragte Harry eindringlich.
Nun schüttelte sie mit dem Kopf. Tränen liefen ihre Wangen hinab, ohne dass sie es wirklich wahrnahm: „Nein! Sie… Sie sind die wundervollsten Menschen die ich kannte!“
Harry war mit einem Schritt bei ihr und nahm ihr Gesicht zwischen beide Hände: „Und sie haben dich zu dem klügsten und besten Menschen gemacht, denn ich je kennen lernen durfte. Wenn wir keine Angst vor der Zukunft hätten haben müssen, dann wären sie jetzt noch hier bei uns.“
Hermine rang nach Atem und versuchte die Bilder in ihrem Kopf zu sortieren. Harry hatte so Recht. Immer noch kam ihr der Brief so merkwürdig vor. So unglaublich merkwürdig. Und doch verstand sie plötzlich warum es Harry so beschäftigte, sie verstand warum er nicht dort drüben am Tisch saß und mit Draco und Marcus stritt. Harry kannte die andere Seite. Und scheinbar hatte er auch einen Plan.
„Was hast du vor?“, fragte sie ihn und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie atmete tief ein und aus um sich zu beruhigen. Er machte ein paar Schritte und schüttelte mit dem Kopf. „Ich weiß auch noch nicht so recht. Aber ich weiß eins: Wer auch immer dafür verantwortlich ist, hätte besser nachdenken müssen. Diejenigen werden dafür büßen, was sie mit Hogwarts angerichtet haben. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben. Ich finde die Vorstellung und Intention des ganzen sehr gut, aber es muss auf jeden Fall einen Weg geben, bei dem kein Blut vergossen und keine weitere Angst verbreitet wird.“Hermine nickte. Das war richtig.
„Ich stehe voll und ganz auf deiner Seite, Harry“, sagte sie und lächelte. Harry erwiderte das Lächeln und schüttelte dann aber den Kopf. „Nein, Hermine. Wir stehen voll und ganz an deiner Seite.“
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„Dann verabschiede ich mich jetzt recht herzlich von Ihnen. Mr. Potter und Professor McGonagall werden mich ins Zaubereiministerium begleiten?“, erkundigte sich Kingsley. Harry nickte wie automatisch und drückte Hermine zum Abschied kurz an sich. „Ich melde mich später bei dir!“
Hermine sagte nichts. Sie stieg mit Hilfe von Marcus aus der Kutsche aus. Dieser verabschiedete sich ebenfalls sehr knapp und apparierte bereits im nächsten Augenblick.
„Ihr habt euch lange unterhalten“, bemerkte Draco dann, als auch Harry mit dem Zaubereiminister verschwunden war. Sie schlenderten an den etlichen Auroren vorbei in Richtung Hogsmeade. Einige warfen ihnen merkwürdige Blicke zu. Man begann zu tuscheln. Natürlich waren sie alle neugierig, was es mit dem Zaubereiminister zu besprechen gegeben hatte. „Diese komische Nachricht ging Harry sehr nahe!“, erklärte Hermine vorsichtig. Das war etwas worüber Harry eigentlich lieber selbst mit Harry sprechen sollte, sie wollte sich nicht zu viel von Harrys Privatsphäre preisgeben. „Weil er bei Muggeln aufgewachsen ist und es ihm leichter gefallen wäre, wenn es anders wäre.“ Hatte Draco sich belauscht? Sie blickte ihn streng an. „Ich kenne ihn mittlerweile sehr gut, Hermine. Besser als du dir vorstellen kannst.“„Das merke ich!“, stellte sie fest. „Und ja. Du hast Recht. Er ist sehr hin und her gerissen. Und ich kann ihn so verstehen.“ Sie seufzte.
Sie gingen noch ein paar Schritte, dann verschwanden sie in einer Seitengasse von Hogsmeade in einem kleinen Café. Draco hielt ihr die Tür auf. Sie schaute ihn ein wenig irritiert an. Sie hatte sich eigentlich auf den Heimweg machen wollen. „Ich habe noch etwas für dich“, erklärte Draco und machte eine Kopfbewegung ins Café. So folgte sie seiner Einladung und die beiden setzten sich an einen kleinen Tisch weiter hinten. Draco half ihr aus dem Mantel und bestellte zwei Tee. „Es ergab sich bisher nicht die passende Gelegenheit. Deswegen habe ich damit gewartet“, erklärte Draco. Dann holte er einen säuberlich adressierten Briefumschlag aus seinem Umhang und legte ihn zwischen sie auf den Tisch. „Der ist von meinem Vater. Er hat ihn mir nach Andromedas Beerdigung gegeben.“
Hermine legte die Stirn in Falten und schaute ihn an: „Von deinem Vater?“, wiederholte sie. Draco nickte. „Warum schreibt dein Vater…“„Ich weiß es doch auch nicht, Hermine“, unterbrach er sie. „Deswegen hatte ich gehofft dabei sein zu können, wenn du ihn öffnest.“ Sie wusste einen Augenblick nicht was sie sagen sollte, doch dann nickte sie. Sie verstand ihn gut. Seit Draco sich sehr klar auf Harrys Seite geschlagen hatte, war sein Verhältnis zu seinem Vater alles anderes als das Beste.
Sie griff nach dem Umschlag. Draco hielt ihre Hand fest. Sie sah auf und er hielt weiterhin ihre Hand fest: „Du musst wissen, dass mein Vater dem glaubt was im Tagespropheten steht. Er glaubt wahrscheinlich wie Weasley, das wir beide wirklich irgendwie…“ Hermine lachte amüsiert auf nahm Dracos Hand und küsste seinen Handrücken. „Mach dir keine Sorgen, Draco. Ich werde Anfeindungen seitens deines Vaters verkraften, sollte er wirklich einen solchen Unsinn glauben.“ Draco lächelte und nickte. Trotzdem schien er besorgt.
„Was ist noch?“ Sie erkannte es. Draco schleppte noch irgendetwas anderes mit sich herum. Etwas Trübes lag über seinen Augen und er schien erschöpft. Er druckste ein wenig herum, dann rückte er mit der Sprache heraus:„Sie haben Astoria für nächste Woche zum Tee eingeladen.“ Dracos Miene verfinsterte sich. „Hast du noch nicht mit ihnen gesprochen?“, fragte Hermine verblüfft. Er war doch bereits vor Wochen im Grimmauld Place eingezogen. Er musste doch seinen Eltern erzählt haben, dass mit Astoria etwas nicht stimme.„Sie hören mir nicht zu!“, entgegnete Draco. „Sie wollen nichts davon hören, dass ich nichts mehr von dieser Angelegenheit wissen will. Meine Mutter plant praktisch schon die Hochzeit. Es interessiert sie nicht, was sie getan hat. Sie sehen in ihr bloß das perfekte Anhängsel an meiner Seite.“Hermine lächelte: „Nun sie wäre perfekt.“ Astoria war bildhübsch. Sie würde sich wirklich perfekt an Dracos Seite machen. Dummerweise war alles was hinter ihrer Fassade steckte am brökeln.„Sie ist ein Fluch!“, erklärte er barsch.
„Vielleicht solltest du…“„Warum kommst du nicht mit?“, fragte er dann etwas ruhiger.„Wohin mit?“, fragte sie irritiert.„Zu dem Treffen. Vielleicht hören sie mir dann besser…“„Draco, wirklich. Ich glaube wenn ich dort mit dir auftauche, machst du die Sache doch nur noch viel schlimmer. Sie würden wirklich glauben…“„Dann sollen sie das doch! Das ist mir egal. Aber ich will dieses Weibsbild nie, niemals wieder sehen!“ Er war verzweifelt. Seine Finger zitterten und sie griff nun ihrerseits nach seiner Hand.
„Dann sag ihnen die Wahrheit“, flüsterte sie. „Du solltest keine Angst davor haben.“ Draco schluckte. Er klammerte sich an ihre Hand und schien nicht zu wissen, was zu tun war. Mit dem Einzug im Grimmauld Place bei Hermine hatte er für sich selbst das Kapitel Astoria abgeschlossen. Er wollte sie nicht mehr sehen. Das ertrug er nicht einmal.
„Nun mach den Brief schon aus!“, drängte Draco. Er wollte sie ablenken. Sie sollte jetzt nicht über seine Probleme nachdenken. „Ach Draco“, murmelte sie und griff dann erneut nach dem Brief. Dieses Mal hielt er sie nicht davon ab ihn zu öffnen.
Fein säuberlich geschrieben und verschlossen, gab sich Hermine beim Öffnen ebenso viel Mühe ihn sorgsam zu öffnen. Sie faltete das Pergament sehr behutsam auf und strich das Pergament glatt. Draco beobachtete sie dabei sehr genau.
„Wird dich keiner beißen, wenn dem Blatt was passiert“, meinte er.„Ach wirklich. Und ich dachte schon das Blatt übersendet deinem Vater eine Mitteilung wie ich mit ihm umgegangen bin.“ Sie streckte ihm die Zunge raus. Draco grinste ein wenig. So etwas würde er seinem Vater glatt zutrauen.
Sie las die ersten Zeilen und mit jedem Wort das sie weiterlas verdunkelte sich ihre Miene. Draco wollte sie danach fragen, da klappte ihr der Mund auf.
„Das ist…“, Hermine fehlten die Worte. „Es tut mir furchtbar Leid, Hermine. Du weißt wie er ist. Du solltest das Ganze nicht so ernst nehmen.“
„Der Brief ist nicht von deinem Vater, Draco“, sagte sie kurz angebunden und starrte auf die feinen Buchstaben. „Der Brief ist von deiner Mutter.“ Sie hielt ihm das Pergament hin und er nahm es an. „Sie will mir Teddy wegnehmen!“ Hermines Hand zitterte etwas. „Das… das kann sie doch gar nicht, oder?“
Draco nahm sofort den Brief in beide Hände und überflog die Zeilen. Seine Mutter sagte, dass sie den Tod ihrer Schwester sehr bedauere und Hermine auch sehr dankbar dafür sei, was sie alles für den kleinen Teddy getan habe, doch sie fände es richtig das Kind nun in den Schoß der Familie zurück zu holen. Natürlich könne Hermine ihn jederzeit besuchen. Sie warte auf Nachricht darüber, wann sie Teddy vorbeibringen möchte.
Draco stand vom Tisch auf. Er schmiss zwei Galleonen auf den Tisch, was für zwei Tee reichlich zu viel war und ergriff seinen Mantel.„Wir gehen!“Sie blickte ein wenig erschrocken auf und nahm dann aber ebenfalls ihren Mantel und ergriff Dracos Hand, die er ihr hingehalten hatte. Er fragte die Bedienung ob man den Kamin benutzen könne und wenige Sekunden später reisten Draco und Hermine mit Flohpulver zum Herrenhaus der Malfoys.
Hermine fiel zuerst aus dem Kamin. Sie begann zu husten und schlug mit dem Kopf gegen einen hölzernen Bettpfosten.„AH! Verdammt!“ Sie rieb sich den Kopf und rappelte sich auf.„Miss dürfen nicht fluchen“, belehrte sie plötzlich eine piepsige Stimme. „Mrs. Malfoy mag es ganz und gar nicht wenn man im Haus flucht. Fluchen ist etwas ganz böses. So etwas tut man nicht. Das ist gar nichts für kleine Kinderohren!“ Hermine starrte den kleinen Elf völlig verdattert an. Mit nichts bekleidet als einem alten Lappen tapste das Ding von einem Fuß auf den anderen und verbeugte sich tief vor Hermine.
Hermine warf nur einen kurzen Blick durch das Zimmer. Braun getäfelte Wände. Schwere dunkelgrüne Vorhänge und ein Himmelbett, welches dem ihren damals in Hogwarts sehr ähnlich war. An den Wänden hingen Bilder, doch die Besitzer schienen augenblicklich alle nicht anwesend zu sein. Vermutlich da man annahm Draco wäre ohnehin nicht hier. Unter dem großen Fenster stand ein säuberlich aufgeräumter Schreibtisch.
Kinderohren? Das hatte Narcissa Malfoy ja schon gut eingerichtet. Alles wurde bereits darauf dressiert damit ein Kleinkind hier wohnen konnte. Sie atmete tief die Luft ein und aus um nicht die Beherrschung zu verlieren. Da stieg auch Draco aus dem Kamin. Seine Landung war bei weitem gemächlicher als ihre, aber Hermine war auch kein Fan von Flohpulverreisen.
„Mr. Malfoy, Sir. Welche Freude Sie zu sehen. Die Herrin wird so erfreut sein sie zu sehen.“ „Das glaube ich weniger“, knurrte Draco. Er griff Hermine bei der Hand und zog sie aus seinem Zimmer heraus. Dabei nahm er auf überhaupt nichts Rücksicht und ließ seine Zimmertür draußen auf dem Flur laut gegen die Wand poltern.
„Was beim Barte des Merlin geht dort oben vor?“, hörte man wenige Sekunden später Lucius Malfoy hinauf rufen. Draco zog Hermine den Flur entlang zur einer Eingangshalle von der zwei geschwungene Treppen links und rechts hinab ins Erdgeschoss führten. „Draco!“, Lucius Malfoy schien erstaunt seinen Sohn hier anzutreffen. Als er dann Hermine an seiner Hand erkannte verdunkelte sich seine Miene wieder: „Miss Granger!“ Er nickte ihr nur kurz zu.
„Wo ist Mutter?“, knurrte Draco aufgebracht. Lucius Malfoy zog die Stirn in Falten und verschränkte die Arme vor der Brust.„Ich denke nicht, dass ich es dir erlauben werde in diesem Ton mit deiner Mutter zu sprechen. Man hat dir ganz anderes Benehmen beigebracht. Vielleicht solltest du so langsam selbst einmal merken, dass der schlechte Umgang dir alles andere als gut tut.“
„Draco hob die Hand und drohte seinem Vater mit dem Zauberstab: „Du gehst mir jetzt aus dem Weg und wirst es nicht noch einmal wagen meinen Umgang anzuzweifeln.“ Lucius Malfoy schnaubte, war aber nicht schnell genug, dann Draco hatte bereits seinen eigenen Vater entwaffnet und stürmte mit Hermine an der Hand weiter durch die Halle in den Salon.
Hermine versprach augenblicklich alles die Sprache. Sie brachte keinen Ton heraus und war völlig verblüfft über Dracos Verhalten gegenüber seinem Vater. Sie fühlte sich dennoch sehr gut an seiner Seite. Es war gut ihn auf ihrer Seite zu wissen.
Draco schob die Flügeltür zum weiten Salon der Malfoys auf und blieb dann aber im Türrahmen wie angewurzelt stehen. Der Anblick der sich ihm bot war für Draco erniedrigend. Hermine drückte fest seine Hand. Sie war bei ihm. Sie würde ihn hier nicht alleine lassen.Mrs. Malfoy und Astoria Greengrass saßen gemeinsam in einer Mintgrünen Sitzecke und etliche Hauselfen hüpften um sie herum. Alle hielten sie Astoria irgendwelche weißen Tüchlein hin zeigten ihr unterschiedliche Pergamentbögen und präsentierten ihr unterschiedliche Farben von Tinte. Sie steckten in Mitten von Hochzeitsvorbereitungen, als Draco ins Zimmer stürmte.
„Kneif mich“, zischte Draco Hermine zu.„Ich glaube dafür solltest du dir einen anderen Zeitpunkt aussuchen“, zischte Hermine zurück.
Die Hauselfen schreckten auseinander. Alles fiel wild durcheinander zu Boden. Narcissa Malfoy war die erste die sich aufrappelte und ihnen entgegen trat.„Was ist das hier für ein Theater, Draco?“
Im gleichen Augenblick fing Draco an zu lachen. Hermine war zunächst ein wenig irritiert und auch seine Mutter schien ihn für verrückt zu halten. Doch Hermine wurde sehr schnell klar, dass er dies alles für einen Witz hielt.
„Ich frage mich gerade wer hier so ein Theater veranstaltet, Mutter“, erklärte Draco. „Ich hab hier jetzt zwei Dinge zu klären. Und danach werde ich wieder verschwinden. Und ich sage dir eines jetzt ganz deutlich, Mutter. Wenn sie…“ Draco deutete mit dem Zeigefinger in Astorias Richtung „…hier nicht verschwindet, dann wirst du mich in diesem Haus nie, absolut nie mehr wieder sehen.“ Narcissa Malfoy schnappte nach Luft. Hermine erkannte, dass sie den Tränen nahe war und unter Schock stand. Doch sie konnte es Draco nachempfinden.
Astoria Greengrass war aufgestanden. Ihr dunkles langes Haar war offen und reichte ihr beinahe bis zu den Hüften. Langes glattes Haar. Sie war schlank und besaß wunderschöne tiefe grüne Augen. Sie sah atemberaubend aus. Sie kam sehr langsam zu ihnen hinüber und blickte wirklich sehr traurig aus: „Draco…“, flüsterte sie. Doch Draco hob die Hand und machte wilde Handbewegungen die ihr deuteten den Mund zu halten. Nein, er würde ihr kein einziges Wort mehr zuhören. Das ertrug er nicht.
Hermine legte ihre Hand auf seine Schulter und flüsterte: „Es ist alles gut, Dray.“
Narcissa Malfoy zitterte am ganzen Leib und ließ sich zurück auf das Sofa sinken, auf dem sie zuvor gesessen hatte. Sekunden später betrat nun Lucius Malfoy den Salon.
„Was ist das hier für ein Aufstand, Draco. Und wenn Sie schon einmal hier sind, Miss Granger. Wo ist Ted?“
„Teddy wird dort bleiben wo er jetzt ist“, knurrte Draco seinen Vater an. Doch er wandte den Blick sofort wieder seiner Mutter zu: „Wie kommst du dazu ihr das Kind wegnehmen zu wollen? Wie oft hast du Teddy gesehen? Zwei Mal? Vielleicht drei Mal? Dieses Kind hat Angst und hat Eltern und Großeltern verloren. Teddy wird bei Hermine bleiben!“
„Aber wir…wir sind seine Familie, Draco. Alles was ein Kind braucht ist eine Familie“, sagte Narcissa Malfoy nun sanft. Draco schnaubte und schüttelte mit dem Kopf. „Nein, ich denke nicht dass ein Kind in diesem Haus sehr gut aufgehoben wäre. Zudem war es der Wunsch von Teddys Eltern, dass sich Hermine und Harry um Teddy kümmern wenn ihnen etwas geschieht.“
„Nun“, sagte Lucius Malfoy daraufhin spitz. „Warum haben sie das dann nicht bisher schon getan?“„Weil Andromeda sonst niemanden mehr hatte“, sagte Hermine. „Sie hat sich vielleicht mit ihnen versöhnt, aber ihre richtige Familie. Die Menschen mit denen sie ihr Leben verbracht hat, waren alle gestorben. Wir hielten es für das Beste, wenn sie sich um Teddy kümmert. Damit sie überhaupt noch einen Grund hatte weiter zu leben.“ Hermines Stimme begann zu zittern. Sie konnte nicht zulassen, dass man ihr Teddy wegnahm. Das konnten sie doch nicht tun.
„Ich bitte Sie, Mrs. Malfoy. Ich liebe dieses Kind. Ich bin bei dem Versuch Teddy zu retten fast gestorben. Sie können ihn mir nicht wegnehmen.“
„Sie haben mir bereits meinen Sohn genommen, Mrs. Ganger. Ich lasse es nicht zu, dass sie auch noch dieses Kind in sein Unglück stürzen“, keifte Narcissa Malfoy los.
„Sie hat überhaupt nichts getan“, plusterte sich daraufhin Draco auf. „Und dieser ganze Hochzeitsquatsch hier hat ab heute ein Ende. Ich werde Astoria…“ Es missfiel ihm allein ihren Namen auszusprechen. „…unter gar keinen Umständen heiraten. Und wenn ich für den Rest meines Lebens überhaupt nicht heirate.“
„Nicht heiraten?“, stieß Lucius Malfoy entsetzt aus. „Du bist ein Malfoy. Du bist unser einziges Kind. Es ist deine PFLICHT zu heiraten. Und wir haben uns bereits entschieden. Als Hochzeitstermin wurde mit Astorias Eltern der 31. Mai vereinbart. Ich werde dich selbstständig zu Trauung schleifen, mein Sohn.“
Draco starrte ihn an. Hermine atmete ebenfalls tief ein und aus und beobachtete Draco. Sie merkte wie er in sich zusammen sackte und sie ergriff seine Hand.
„Draco wird überhaupt nichts tun, was Sie ihm vorschreiben, wenn Sie nicht so langsam anfangen ihm zuzuhören“, polterte Hermine los. „Mir ist ganz gleich was Sie von mir halten Mr. Malfoy. Ich bin Muggelgeboren und vermutlich intelligenter und fähiger einen Zauberstab zu führen als etliche andere Zauberer die mir je begegnet sind. Sie können mich verurteilen und verabscheuen. Sie können glauben, dass ich diese fast-Ehe ruiniert habe auch wenn ich Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen kann, dass ich damit nichts zu tun habe. Ich liebe ihren Sohn. Ich liebe Draco wie einen Bruder. Und ansonsten habe ich mit meinem Liebesleben bei weitem selbst genug zu tun, als dass ich mir dabei noch Dracos komplizierte Probleme auf die Schulter heften würde. An allem was diese Beziehung zerstört hat ist Astoria ganz alleine schuld!“
Für einen Moment herrschte im Salon der Malfoys eisige Stimme. Draco blickte Hermine sehr stolz an, auch wenn er genau wusste, dass seine Eltern sich diesen Umgang nicht gefallen ließen. So langsam hatte er jedoch die Nase gestrichen voll. Wenn sie nicht zuhörten, dann würde er gehen. Draco liebte seine Mutter und zwang sich zu allem Respekt den der seinem Vater gegenüber aufbringen konnte. Augenblicklich war für ihn beides nicht so viel Wert wie seine persönliche Freiheit. Zum Glück stand Hermine ihm bei. Anderenfalls wäre er wahrscheinlich schon völlig durchgedreht. Er wollte nicht wissen, was dann passiert wäre.
„Du hältst dich wohl für sehr altklug“, meldete sich letztlich Astoria zu Wort. Sie trat nun an Narcissa vorbei und trat in Hermines Richtung. Sie hatte ihr Gesicht verzogen und man konnte ihre Abneigung für Hermine förmlich spüren. Wütend blickte sie Hermine an und setzte schon zu weiteren Worten an, da stellte sich Draco ihr in den Weg.
Unendlich verletzt und vor Zorn überkochend stand er da. Doch sein Gesicht verriet nichts von alle dem. Kalt wie Eis und emotionslos blickte er Astoria direkt in die Augen. Aus einem Seitenblick konnte Hermine wahrnehmen, wie Narcissa sich über dieses enge Aufeinandertreffen freute. Sie wechselte begeisterte Blicke mit ihrem Mann. Hermine jedoch wusste ganz genau, dass es anders war.
„Du hast ein Kind getötet“, sagte Draco langsam. „Ich habe dir absolut gar nichts zu sagen.“ Der Anflug eines Lächelns war von Astorias Gesicht sofort wieder verschwunden. Narcissa Malfoy schnappte ein weiteres Mal nach Luft und schlug sich die Hand vor den Mund.Astoria entgleisten nun völlig die Gesichtszüge. Ihr fehlten die Worte und sie griff nach Dracos Hand. Astoria wollte ihn festhalten und in den Arm nehmen, doch bei der ersten Bewegung die sie machte, wich Draco sofort einen Schritt von ihr zurück.
„Ich hab es für uns getan, Draco“, sagte sie entsetzt. Draco lachte auf und schüttelte verständnislos den Kopf. „Du warst so sauer. Ich dachte… ich dachte genau das wolltest du…“, sagte Astoria verzweifelt.
„Was soll das heißen, Draco?“, fragte Lucius entsetzt. „Sag mir auf der Stelle, dass du nicht von ihr verlangt hast das Kind… nur weil ihr noch nicht verheiratet seid.“ Lucius Malfoy rang ebenfalls mit der Fassung. Narcissa liefen nun wirklich Tränen die Wangen hinab und sie schniefte.„Wie konntest du das tun, Draco? Wir…wir hätten das schon hinbekommen. Eine Hochzeit…so was geht ganz schnell. Das wäre doch nun wirklich niemandem aufgefallen.“
Draco begann erneut zu lachen. Er wandte sich zu Hermine, doch sie konnte nur mit den Schultern zucken. Wie sollte sie ihm in dieser Situation helfen? Das war eigentlich etwas, dass sie nichts anging. Den letzten Schritt musste Draco nun alleine machen.
„Ich hab sie nicht… Merlin. Hast du ihnen das erzählt? Deswegen dieser ganze Aufstand?“, fuhr er Astoria barsch an. „Wie konntest du das tun? Du hättest ihnen die Wahrheit sagen müssen.“„Die Wahrheit?“, knurrte Astoria los. „Die Wahrheit ist doch, dass du mich hast sitzen lassen. Und selbst nachdem es dann weg war und nichts mehr zwischen uns stand hast du dich lieber in die Arme diese Undings gestürzt.“
Draco verlor die Fassung. Er ballte seine Hände zu Fäusten, hielt seinen Zauberstab feste umklammert und stürzte sich damit bald auf Astoria. Er bohrte ihr den Zauberstab gegen die Halsschlagader und zitterte am ganzen Körper. Astoria begann nun ebenfalls zu heulen und blickte Draco angstvoll an.
„Du…“, knurrte er atemlos. „Draco“, flüsterte Hermine eindringlich und trat an ihn heran. Die legte ihre Hand auf seinen Arm und trat neben ihn.„…du…du wolltest mir dieses Kind andrehen…“, brachte er fassungslos zustande.
„Draco, wenn ich mich recht erinnere gehören zur Zeugung eines Kindes immer noch zwei“, erklärte Narcissa ruhig. Sie hatte die Tränen beiseite gewischt und war nun ebenfalls an ihren Sohn heran getreten.
„ABER ES WAR DOCH ÜBERHAUPT NICHT MEIN KIND!“, entfuhr es Draco. Er bohrte noch immer seinen Zauberstab in Astorias Hals. Es fing ein wenig an zu bluten. Hermine umfasste jetzt Dracos Handgelenk und blickte ihn an.„Schau mich an, Dray!“, befahl sie. „Schau mich an und sag mir dass du auch zum Mörder werden willst.“ Er zuckte leicht zusammen und schaute sie dann an. „Denn wenn du das willst, dann lasse ich jetzt deine Hand los. Aber du bist besser als das, Draco. Du hast es nicht nötig dir die Hände schmutzig zu machen. Du warst fertig mit ihr!“, erinnerte sie ihn. Er zitterte noch immer, aber er verstand was sie sagte. Er warf Astoria einen aller letzten Blick zu und zog den Zauberstab dann zurück. Draco wandte sich ab von ihr, atmete tief ein und aus und richtete sich dann direkt an seinen Vater.
„Sie hat mich betrogen. Sie wollte mir dieses Kind unterjubeln, als wäre es meins. Und als ich es herausgefunden habe, da hat sie es umgebracht. So als könnte sie damit alles was sie getan hat auslöschen. Und das kann sie nicht. Ich werde dieses Weibsbild nicht heiraten!“ Lucius Malfoy sagte nichts. Narcissa griff nach Dracos Hand. Sie wollte ihren Sohn in den Arm nehmen, doch er zog sich zurück. Draco ergriff Hermines Hand. Er blickte seine Mutter knapp an: „Teddy bleibt wo er ist. Ansonsten siehst du mich nie wieder.“ Und mit diesen Worten spazierte er mit Hermine an der Hand aus dem Salon der Malfoys.
Niemand hielt ihn auf. Niemand rief ihm ein Wort nach.
Hermine warf einen kurzen Blick über ihre Schulter um zu sehen, wie Lucius Malfoy Astoria des Hauses verwies. Doch Draco zog sie weiter, wieder die Treppen empor und in sein Zimmer zurück. Dort ließ er sich auf sein Bett fallen.Draco weinte nicht. Doch er lag starr und stumm dar. Und Hermine saß an seiner Bettkante und strich ihm durch das kurze blonde Haar. So wie sie es an Teddys Bett immer tat.
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