Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Aus Vergangener Zeit - Kapitel 1 - Ein Brief macht Probleme

von Freaky-Angel

Aus vergangener Zeit - Kapitel 1 - Ein Brief macht Probleme

Es war ein kalter Januarmorgen, um nicht zu sagen, ein schöner und besonders kalter Januarmorgen. Es war einer dieser Morgen im Winter, die Hermine liebte. Meistens war es im Winter ja nass und kalt und trüb, aber an solchen Tagen, wie an diesem Morgen, da war der Himmel kristallklar. Nur vereinzelte Wolken hingen hier und da und es war bitterkalt. Hermine liebte es, wenn ihr an einem solchen Morgen der Wind durch die braunen Locken wehte und sie den Duft der Kälte einatmen konnte. Es war erfrischend und gab ihr so kurz nach Weihnachten und Neujahr immer etwas Beruhigendes: Es kündigte ihr den Alltag an. Den Alltag, ohne Hetzerei wegen Geschenke, die noch zu kaufen waren, und ohne belanglose Dinge, die sie noch zu organisieren hatte.

Die Weihnachten in den letzten zwei Jahren waren für Hermine sehr anstrengend gewesen. Sie hatte zusammen mit Harry bei den Weasleys gefeiert und es war für sie etwas ganz anderes gewesen, als die Weihnachten, die sie sonst immer zusammen mit ihren Eltern verbracht hatte. Hermine konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie sie zu Weihnachten während ihres ersten Schuljahres in Hogwarts nach Hause gefahren war. Am Weihnachtsmorgen hatte sie zusammen mit ihren Eltern unterm Weihnachtsbaum gesessen und gespannt alle Geschenke geöffnet und dann darauf gewartet, dass ihre Eltern ihre Geschenke öffneten.

Bei den Weasleys war das Ganze ganz anders abgelaufen. Sie hatte im Fuchsbau bei Ginny im Zimmer übernachtet und war morgens schon ganz früh recht unsanft geweckt worden. Schließlich war sie kurze Zeit später im Morgenmantel die Treppe heruntergekommen und hatte dabei zugesehen, wie alle Weasleys irgendwo im Wohnzimmer verteilt gesessen hatten und damit beschäftigt waren, die Geschenkpapiere auseinander zu reißen.
Hermine liebte diese Familie und es waren zwei tolle Weihnachten gewesen, aber zwei Menschen hatten ihr gefehlt. Menschen, die sie wohl immer vermissen würde: ihre Eltern. Nach Ende des Krieges hatte Hermine sich sofort mit Hilfe von Harry und Ron daran gesetzt, ihre Eltern wieder zu finden, aber sie war gescheitert. Es war ein sehr tiefer Schlag für die junge Hexe gewesen und sie hatte lange gebraucht, darüber hinwegzukommen. An Weihnachten war sie wieder damit konfrontiert worden und hatte sich zusammenreißen müssen, es zu überleben.

Plötzlich spürte Hermine, wie ihr jemand durchs Haar strich. Sie seufzte und schloss noch einmal die Augen. Sie hatte sonst nie Probleme damit, so früh aufzustehen, aber manchmal wünschte sie sich zurück nach Hogwarts, wo sie noch ein, zwei Tage frei hatten, bevor im neuen Jahr die Arbeit wieder losging. Die Finger verfingen sich in ihrem Haar und sie wandte den Kopf um.

„Hermine, geht es dir gut?“, wollte Ron wissen und blickte zu ihr hinab. Ihr Kopf war auf seinen Brustkorb gebettet und ihre rehbraunen Augen schauten müde zu ihm. Sie schenkte ihm ein Lächeln und zur Antwort küsste sie ihm unter dem Kinn entlang und legte ihren Kopf wieder auf seinem Oberkörper ab, um noch einmal die Augen zu schließen. Es herrschte Stille und Ron strich ohne ein weiteres Wort einfach weiter durch ihre Haare. Schließlich verharrte seine Hand auf ihrer Schulter und er küsste ihren Nacken. „Ich denke, wir müssen jetzt aufstehen.“

Nur murrend löste sich Hermine von Ron und beobachtete ihn, wie er aus dem Bett stieg und schließlich durchs Zimmer ins angrenzende Badezimmer ging.

Einen Augenblick lang blieb Hermine noch im Bett liegen, ehe sie sie schließlich selbst auf die Bettkante setzte und zu einem nahe stehenden Stuhl tappte, um sich anzuziehen. Schließlich ging sie zum Fenster gegenüber des Bettes und zog die Vorhänge weit auf, dann öffnete sie das Fenster. Sie verweilte dort ein paar Minuten, blickte hinab auf die schon sehr belebte Winkelgasse, bis sie sich schließlich dazu entschloss aufzubrechen.

Sie schob die Zimmertür auf und trat in ein ziemlich chaotisches Wohnzimmer. Im Raum war es noch dunkel und nur das Licht, das aus dem angrenzenden Raum hineinfiel, beleuchtete es. Vorsichtig schlängelte sich Hermine durch das Chaos. Die auf dem Boden liegende Kinderkleidung und die Scherzartikel waren auf dem ganzen Fußboden verstreut und wie schon so oft musste Hermine darüber schmunzeln.

Als sie die hell erleuchtete Küche erreichte, entdeckte sie eine ziemlich erschöpfte Angelina Weasley, die mit dem Kopf auf dem Küchentisch eingeschlafen war. Vor ihr auf dem Tisch standen Unmengen von Nuckelfalschen und Milchpulver bedeckte den Tisch. Hermine seufzte und war kurzerhand damit beschäftigt, die Flaschen in die Spüle zu stellen. Sie fragte sich, wie lange Angelina wohl schon dort lag und ob es in Ordnung wäre sie zu wecken, doch die Entscheidung wurde ihr abgenommen, als schließlich George die Küche betrat.

„Guten Morgen, Hermine“, begrüßte er sie leise und sie antwortete ihm ebenfalls mit einem gemurmelten „Guten Morgen!“
„Fred ist mitten in der Nacht wach geworden und wollte sich nicht beruhigen. Sie war ganz nervös und hatte Angst, dass er krank ist oder so. Nachdem er etwas getrunken hatte und auf ihrem Arm eingeschlafen ist, habe ich ihn in sein Bettchen gebracht, anscheinend ist sie kurz darauf selber eingeschlafen“, berichtete George ihr und lächelte Hermine matt an. Er schien selbst mehr als müde zu sein.

„Ich räume hier noch ein wenig auf, wenn du willst, aber ich muss gleich selbst los“, bot Hermine ihm an, doch George schüttelte mit dem Kopf und lehnte dankend ab. Ganz sanft strich er durch Angelinas Haar, bis sich ihr Kopf langsam hob und sie sich verschlafen umblickte.
„Fred?“, murmelte sie verschlafen und George lächelte sie an.
„Der schläft. Komm, ich bring dich ins Bett“, erklärte er und half ihr auf. Müde schlang sie ihre Arme um George und ließ sich von ihm aus dem Zimmer tragen.

Hermine betrat den kleinen Flur, in dem einzig und allein ein Schlüsselbrett und ein Kleiderhaken Platz fanden. Sie nahm ihren Schal vom Haken und wickelte ihn sich um den Hals, dann wollte sie sich ihren Mantel anziehen, als plötzlich Ron hinter ihr stand und ihr half.
„Sehen wir uns heute noch?“, wollte er von ihr wissen.
„Vielleicht“, sagte sie leise. „Ich habe mit Sicherheit einen Haufen von Arbeit auf dem Schreibtisch und Luna fände es sicher auch schön, mal wieder ihre Mitbewohnerin zu Gesicht zu bekommen.“
Ron nickte lächelnd und gab ihr einen sanften Kuss. „In Ordnung“, murmelte er. Dann öffnete Hermine die Wohnungstür und stieg die Treppe hinab auf die Winkelgasse.

Die Wohnung oben wurde bewohnt von Ron, Lee Jordan und George mit Angelina und ihrem gemeinsamen Sohn Fred. Zunächst hatten die Zwillinge dort nach der Schule mit Lee Jordan gewohnt, doch nach Freds Tod war alles ein wenig schwierig gewesen und Ron war zunächst nur dort eingezogen, um seinem Bruder unter die Arme zu greifen. Schließlich war letzten Sommer, kurz vor ihrer Hochzeit und kurz vor Freds Geburt, Angelina zu George gezogen und das Chaos war perfekt gewesen. Manchmal hatte Hermine sich gefragt, wie die drei eigentlich alleine hatten überleben können, aber mit Magie war eben mehr möglich, als man manchmal selber ahnte.

Hermine selber wohnte zusammen mit Luna in Muggellondon. Nachdem Hermine ihre Eltern nicht hatte wieder finden können, hatten ihr die Weasleys angeboten, im Fuchsbau wohnen bleiben zu können, doch das hatte sie von Anfang an nicht gewollt. Schließlich hatte sie ihr Erspartes zusammengekratzt und sich auf Wohnungssuche begeben. Luna hatte kurze Zeit später die Idee, eine kleine Wohnung in Muggellondon zu nehmen und die beiden waren zusammen mit Ginny dort eingezogen. Die Wohnung war um einiges kleiner als die der Jungs in der Winkelgasse und nach der Weasley Doppelhochzeit letzten Sommer war Ginny zu Harry nach Godric's Hollow gezogen.

Als Hermine die Wohnungstür aufschloss, fegte eine völlig zerzauste und aufgebrachte Luna an ihr vorbei. Auf der kleinen Kommode im Flur legte sie ihren Schlüssel ab und legte ihren Mantel und Schal beiseite, ehe sie Luna in ihr Zimmer folgte. Das blonde Mädchen hatte einen Karton auf dem Bett stehen und warf wie besessen Klamotten hinein.
„Hey, ist irgendwas nicht in Ordnung? Ziehst du aus?“, wollte Hermine verwundert wissen und beobachtete weiterhin Lunas Vorgehen.

Luna hielt in ihrer Bewegung inne und blickte zu Hermine. Erst jetzt bemerkte diese, dass sie ziemlich fertig aussah. „Nein, ich ziehe nicht aus. Aber du kannst mir einen Gefallen tun und Zacharias den Karton auf seinen Platz stellen“, erklärte Luna und knallte dann ein Buch in den Karton. „Und wenn er dir über den Weg läuft, dann sagst du ihm, dass er sich hier nicht mehr blicken lassen soll. Und wenn er es doch tut, dann werde ich ihn in den nächsten Monat hexen, das kannst du ihm versprechen!“ Luna war außer sich und warf sich auf ihr Bett, wobei der Karton schließlich auf dem Boden landete und den Inhalt dort verstreute.

Hermine war ein wenig schockiert über das Verhalten ihrer Freundin und setzte sich an ihre Bettkante. Ihr Körper bebte. Luna weinte. Hermine strich mit ihrer Hand über Lunas Rücken und diese robbte zu Hermine und legte ihren Kopf auf ihre Beine.
„Was ist passiert? Ich dachte, es wäre alles wieder in Ordnung?“

Luna schluchzte auf und schüttelte heftig mit dem Kopf. „Nichts ist in Ordnung. Ich war gestern mit Ginny im Tropfenden Kessel und habe ihn gesehen. Zusammen mit Parkinson!“ Das Mädchen verspannte sich und Hermine schloss einen Augenblick die Augen. Es hatte irgendwann so kommen müssen.

Zacharias Smith arbeitete ebenso wie Hermine im Zaubereiministerium in der Abteilung für Magische Strafverfolgung. Während Ron und Harry in der Aurorenzentrale tätig waren, arbeitete Hermine im Zaubergamot und Verwaltungsdienst. Einmal hatte Luna sie von der Arbeit abgeholt, weil sie gemeinsam in die Winkelgasse wollten und da war sie auf Zacharias getroffen. Hermine hatte das Ganze nicht gerne mit angesehen und hatte Luna schon gleich am Anfang gesagt, dass sie vorsichtig sein sollte, ob Smith es ernst meinte, denn so weit Hermine zu hören bekommen hatte, war es mit ihm noch nie wirklich gut ausgegangen.

„Du hattest von Anfang an Recht!“, schniefte Luna und blickte Hermine an. „Du hattest die ganze Zeit Recht und ich wollte nicht auf dich hören!“, schimpfte sie wütend.
„Ich hätte mich irren können. Um ehrlich zu sein, hätte ich selbst bald geglaubt, dass ich mich in ihm geirrt hatte!“, erklärte Hermine sanft und Luna setzte sich schließlich auf.
„Bei so was irrst du dich nie“, murrte sie. „Beim nächsten Mal höre ich auf deine Instinkte, dann brauchst du dich nicht mehr mit mir so rumzuquälen!“, beschloss Luna und kletterte aus dem Bett, um die Sachen wieder in den Karton zu schmeißen.
„Du redest Blödsinn, Luna“, entgegnete Hermine und stand ebenfalls auf.

„Danke“, flüsterte Luna und nahm ihre Freundin in den Arm, dann drückte sie ihr den Karton in die Hand: „Denk daran, was du ihm sagen sollst!“
Hermine lächelte und stellte Zacharias Überraschung neben ihrem Schlüssel auf der Kommode im Flur ab. Er würde sicher aus allen Wolken fallen, denn Luna hatte ihm gestern sicher keine Szene gemacht und der Gute wusste mit Sicherheit noch nichts von seinem Glück.

Eine halbe Stunde später, es war kurz nach sieben, kam Hermine in frischen Klamotten aus ihrem Zimmer in die Küche, wo Luna ihr einen Kaffee anbot und sie die warme Tasse dankend annahm. Oft saßen sie so morgens in der Küche und redeten über dies und das. Sie mussten beide bald los, Hermine ins Ministerium und Luna ins St. Mungo, wo sie im Labor als magische Naturforscherin arbeitete.

Schließlich mussten sie aufbrechen und Hermine zog sich ihren Mantel und Schal wieder an, holte benötigte Unterlagen aus ihrem Zimmer, schnappte sich den Karton für Zacharias und begab sich ins Wohnzimmer.
„Bis heute Abend“, rief sie Luna zu, bevor sie mit der einzig freien Hand nach dem Flohpulver griff, es in den Kamin warf und laut und deutlich „Zaubereiministerium“ verkündete.

Hermine schloss die Augen und vernahm das unangenehme Rauschen in ihren Ohren. Erst, als sie wieder festen Boden unter ihren Füßen spürte, schlug sie die Augen wieder auf und trat langsam aus dem Kamin. Sie hasste das Reisen mit Flopulver. Das war ihr noch nie bekommen, doch mittlerweile hatte sie sich an das merkwürdige Ziehen in ihrem Körper und das Rauschen in den Ohren gewöhnt und schloss einfach jedes Mal die Augen.

In der Eingangshalle des Zaubereiministeriums herrschte reger Betrieb. Aus allen Kaminen tauchten plötzlich Zauberer und Hexen auf, in anderen verschwanden sie wieder. Einige apparierten und so vernahm man auch stets und ständig das dafür typische Plop-Geräusch. Mit präzisen und routinierten Schritten trat Hermine direkt aus der Menge in Richtung der Fahrstühle. Allerdings ging sich der Weg heute um einiges schwerer als sonst, denn sie war mit Dingen beladen wie nie. Normalerweise hatte sie ein bis zwei Hefter unter ihrem Arm. Kurz vor den Fahrstühlen kam sie ins Straucheln und der Karton mit Zacharias Sachen hätte Bekanntschaft mit dem Boden gemacht, wenn ihn nicht jemand vorher aufgefangen hätte.

„Guten Morgen, Miss Granger“, meinte eine fröhliche Stimme. „Angesichts der Tatsache, dass Sie Ihre Sachen nicht alle selbst tragen können, haben Sie bestimmt nichts dagegen, wenn ich Ihnen etwas abnehme, oder?“
Hermine verdrehte die Augen. „Guten Morgen, Blaise“, begrüßte sie den ehemaligen Slytherin ebenfalls. Auf seine Frage antwortete sie nur damit, in dem sie ihm den Karton wieder abnahm.

„Es macht mir keine Umstände, dich nach oben zu begleiten“, erklärte Blaise. „Ich muss ohnehin zu euch in die Abteilung!“ Nur widerwillig überließ Hermine ihm den Karton. „Darf man fragen, was da drin ist?“
„Fragen schon“, entgegnete Hermine. „Ob du eine Antwort bekommst, ist eine andere Sache!“
Blaise lachte und die beiden quetschten sich in den beinahe überfüllten Fahrstuhl. Die Türen schlossen sich.

„Man munkelt, dass in eurer Abteilung neuerdings einiges schief geht, Blaise“, bemerkte Hermine. „Angeblich stehen bei euch einige Entlassungen bevor, weil die Mitarbeiter für unfähig gehalten werden.“ Sie beobachtete, wie er das Gesicht leicht verzog. Blaise schien innerlich mit sich zu kämpfen und sich selbst zur Ruhe zu zwingen.

„Irgendjemand hat es auf uns abgesehen“, erklärte er leise. Die anderen Zauberer im Fahrstuhl unterhielten sich alle zwar ebenfalls, aber anscheinend hielt Blaise es trotzdem für besser, leise zu sprechen. „Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass es diese Siebzehnjährigen waren, die ihre Volljährigkeit gefeiert haben, als die Brücke in Bristol eingestürzt ist. Und eine Woche später ein ähnlicher Fall in Birmingham?“ Blaise schüttelte den Kopf. Er schien besorgt. Auch wenn sie selbst bis heute Morgen noch Urlaub gehabt hatte, so wusste Hermine, wie angespannt die Stimmung derzeit in der Abteilung für magische Unfälle und Katastrophen war. Im Tagespropheten hatte es ein Zusatzblatt über die Vorkommnisse in Bristol und Birmingham gegeben und auch sie selbst konnte es sich nicht so ganz vorstellen, dass es ein Zufall gewesen sein sollte. Zwei Brückeneinstürze zwischen Weihnachten und Neujahr? Selbst die Muggel würden nicht an einen solchen Zufall glauben.

„Du solltest dir da mal keine Sorgen machen, Blaise“, versuchte Hermine ihm Mut zu machen. „Ich denke nicht, dass du ganz oben auf der Liste stehst.“ Blaise schnaubte.
Dann verkündete die Stimme des Fahrstuhls: „Zweiter Stock; Abteilung für magische Strafverfolgung“ und mit einem Bing öffneten sich die Türen und die beiden traten auf den Gang.

Hermine schritt voraus, den Gang entlang. Es war noch keine acht Uhr und die meisten Büros waren noch leer. Als Hermine schließlich eine Tür zum Zaubergamot und Verwaltungsdienst öffnete, saßen jedoch schon zwei ihrer Arbeitskollegen an ihren Plätzen, darunter auch Zacharias. Sie wünschte den beiden einen „Guten Morgen“ und durchquerte den Raum, in dem mehrere Schreibtische standen, um in ihr eigenes kleines Büro zu kommen.

Hermine war Leiterin des Verwaltungsdienstes und des Zaubergamot. Es hatte nicht lange gedauert, bis sie sich mit ihrer Arbeit zurecht gefunden hatte und war schnell mit schwierigeren Dingen und anspruchsvolleren Aufgaben beschäftigt worden, was ihr im Oktober letzten Jahres den begehrten Posten eingebracht hatte. Ihre Vorgängerin war aus Krankheitsgründen aus dem Berufsleben zurückgetreten und als ihr die Stelle angeboten worden war, hatte sie natürlich nicht nein gesagt.

„Du kannst den Karton auf den Schreibtisch stellen“, erklärte sie an Blaise gewandt. „Ich werde mich gleich darum kümmern. Danke!“ Sie legte ihre Unterlagen daneben ab und ging in Windeseile ihre Post durch. Sie bemerkte nicht, wie Blaise es sich auf ihrem Schreibtischstuhl bequem machte, erst, als sie sich zu ihm umdrehte und er sie angrinste, nahm sie es wahr.
„Warum hast du nicht gleich gesagt, dass du zu mir wolltest?“, fragte sie ihn.

Doch Blaise schüttelte weiterhin grinsend den Kopf. „Meinen Besuch bei dir habe ich gerade zwischen geschoben“, erklärte er. Hermine zog die Stirn kraus und blickte ihn verwundert, dennoch nicht uninteressiert an.
„Weißt du, als Weasleys Freundin und Potters beste Freundin hast du doch sicher eine menge Einfluss auf die beiden, oder?“
Augenblicklich verwandelte sich ihr Blick in Misstrauen. Auch wenn sich die Beziehung zwischen den Slytherins und Gryffindors nach Abschluss der Schule geändert hatte, so war es immer noch ein Instinkt, der nun wach wurde und Hermine war sich nicht sicher, was sie von Blaise' Frage halten sollte.
„Kein Grund zur Panik“, meinte Blaise. „Ich wollte dich nur um etwas bitten!“ Hermine seufzte und verdrehte die Augen.
„Kannst du nicht einmal mit den beiden reden?“, fragte er. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass etwas an der Sache faul ist und ich wollte gleich sowieso in die Aurorenabteilung, aber vielleicht könntest du trotzdem …?“

„Blaise, es ist absolut nicht meine Aufgabe zu entscheiden, ob es nötig ist, dass Auroren sich die Sache mal ansehen!“, entgegnete sie. Blaise stöhnte und stand von ihrem Stuhl auf. „Ich bin mir ziemlich sicher, sie wissen, was sie tun, und wenn es dort in der Abteilung momentan noch niemand für nötig hält, Auroren hinzuschicken, dann geht mich das nicht im Geringsten etwas an.“
Blaise hob abwehrend die Hände. „Verschone mich mit weiteren Ausführungen. Ich habe schon verstanden. Es war lediglich eine Bitte!“, erklärte er und verließ ohne ein weiteres Wort Hermines Büro.

Hermine seufzte. Eigentlich hatte er Recht. Mit Harry und Ron zu sprechen, war nicht die Welt. Aber sie vertraute auf deren Arbeit und wenn keiner der Auroren es für nötig hielt, dann würden sie sicher ihren Grund haben. Sie warf einen Blick in den angrenzenden Raum. Es saßen immer noch nur Zacharias und Dennis Odgen dort und sie beschloss jetzt mit Zacharias zu reden, ehe die gesamte Abteilung anwesend war.

Sie nahm den Karton vom Schreibtisch und ging quer durch das Zimmer auf seinen Schreibtisch zu, davor blieb sie stehen und stellte ihn auf der Tischkante ab. Der Besitzer des Schreibtisches sah auf. „Was ist das?“, fragte er verwundert. „Weihnachten war vor zwei Wochen!“, erinnerte er sie.

„Sieh es als nachträgliches Geschenk“, sagte Hermine. „Ich soll dir übrigens schöne Grüße von Luna ausrichten. Du sollst es nicht wagen, dich noch mal bei ihr blicken zu lassen, ansonsten hext sie dich in den nächsten Monat“, fügte sie scharf hinzu, dann streckte sie die Hand aus. „Den Wohnungsschlüssel hat sie vergessen, deswegen kümmere ich mich darum: Her damit!“

Völlig perplex starrte Zacharias sie an. Sein Mund war aufgeklappt und er erhaschte eine kurzen Blick auf seinen Kalender: „Wir haben den ersten April nicht vorverlegt, oder?“, fragte er langsam und seine Gesichtszüge verspannten sich immer mehr, als ihm klar wurde, dass Hermine das Ganze vollkommen ernst meinte. „Hör mal, Hermine, wenn das ein Scherz sein soll, dann ist es ein ganz bescheuerter, klar? Steht Luna irgendwo hinter der Tür und schreit gleich Überraschung?“

„Und ich hatte gedacht, die ganze Sache selbst wäre schon Überraschung genug für einen Morgen“, meinte Hermine spitz. „Und jetzt den Schlüssel, Smith.“ Zacharias spürte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Hermine anfangen würde lauter zu sprechen; das passierte für gewöhnlich sehr selten, denn Hermine behielt fast immer die Fassung und blieb ruhig. Wenn sie laut anfangen würde zu sprechen, würde sie sofort die Aufmerksamkeit aller Menschen bekommen, die, wenn auch nur zufällig, an der Raumtür vorbeigehen würden, und somit kramte er plötzlich in seiner Manteltasche und überreichte ihr den Schlüssel.

Ohne ein weiteres Wort drehte Hermine um und war auf dem Weg in ihr Büro. Zacharias ließ das natürlich nicht auf sich sitzen und folgte ihr schnellen Schrittes.
„Kannst du mir erklären, was das soll?“, fuhr er sie an, als sie schließlich hinter ihrem Schreibtisch saß und damit begann, ihre Post zu öffnen.
Sie blickte nur kurz auf. „Ich habe das getan und gesagt, was ich dir von Luna ausrichten sollte. Nicht mehr und nicht weniger“, sagte sie. „Wo wir das geklärt hätten, könnten wir uns wieder unserer Arbeit zuwenden?“

„Ach ja?“, bluffte Zacharias wütend. „Und warum in aller Welt sollte Luna das gesagt haben?“
Hermine schnaubte und blickte ihn durchdringend an. Ihre Blicke trafen sich und ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Weil Luna und Ginny dich gestern im Tropfenden Kessel mit Parkinson gesehen haben“, erklärte sie scharf und ihr Gesprächspartner riss die Augen auf. „Wenn du wirklich nichts Besseres zu tun hast, als in die Gegend zu starren, dann geh nach Hause, ansonsten setzt dich wieder an deinen Schreibtisch“, fuhr Hermine ihn an.

„Hör zu, ich kann das …“
„Ich habe kein Interesse an irgendwelchen Ausreden. Das solltest du mit Luna selber klären, allerdings würde ich mich vorsehen und sie in Ruhe lassen, sonst bekommen wir eine Menge Ärger!“ Hermines Augen funkelten ihn wütend an und Zacharias suchte ohne weitere Erklärungsversuche das Weite und schloss ihre Bürotür von außen.

Hermine warf wütend den Briefumschlag auf ihren Schreibtisch. „So ein Arschloch“, entfuhr es ihr. „Erklären … erklären … erklären kann man nachher immer alles. Und schön reden, aber ändern tut es dann doch nichts.“ Sie sprach mit sich selbst. Das tat sie normalerweise so gut wie nie. Nur wenn sie wütend und alleine war und jetzt war sie wütend. Luna zuliebe hatte sie in Zacharias das Gute gesehen und ihr auch gut zugeredet, wenn er mal fünf Minuten zu spät kam. Was man nicht alles tat als beste Freundin! Und am Ende hatte sie doch Recht behalten? Das war nicht fair. Sie hatte sich für Luna von Anfang an gewünscht dass sie Unrecht hatte und jetzt musste ihr Zacharias wirklich noch zeigen, dass sie als Miss Naseweis mal wieder Recht hatte.

Grummelnd öffnete sie alle Briefumschläge und sortierte sie nach der Wichtigkeit. Das war das Erste, was sie jeden Morgen tat, wenn ein Stapel Briefumschläge zu öffnen war. Erst danach ging sie den anderen Papierkram durch, denn man vorne auf ihrem Schreibtisch in ein Schubfach gelegt hatte. Mit diesem Gespräch war sie schon gleich wieder in ihrer mürrischen Alltagslaune, die sie immer bekam, wenn sie überarbeitet oder genervt war. Heute war sie wütend und es war, als hätte sie nie Urlaub gehabt.

Es klopfte mehrmals laut hintereinander. Hermine murmelte etwas, woraufhin es noch ein Mal klopfte und sie laut grummelnd „Herein“ rief. Sie war mit ihrer Post beschäftigt, als die Bürotür aufging und ein großgewachsener, schwarzhaariger, junger Mann das Büro betrat. Er schloss die Tür hinter sich. Hermine hob den Kopf an, als er vor ihrem Schreibtisch stehen blieb.
„Harry“, stieß sie begeistert aus. Sie erhob sich von ihrem Stuhl, legte die Sachen beiseite und schloss ihren besten Freund in die Arme. „Es ist toll, dich zu sehen. Wie geht es dir und Ginny?“ Es war eine provisorische Frage. Hermine stellte sie jedes Mal und bekam auch immer dieselbe Antwort, aber heute war es wirklich schon fast eine Woche her, dass sie Harry das letzte Mal gesehen hatte. An Neujahr um genau zu sein.

„Alles bestens, Hermine“, sagte Harry. „Wirklich. Ich wollte nur mal schauen, wie es meiner besten Freundin geht, von der ich seit letzter Woche nichts mehr gehört habe.“ Harry knuffte sie in die Seite und sie drehte sich lachend weg. Diese Spielereien würden wohl nie aufhören.
„Wir haben's wohl verpasst“, grinste Hermine. Sie hatte fast die gesamte Woche irgendetwas mit Ron unternommen und auch bei ihm übernachtet. Luna hatte sie auch nur sehr kurz zu Gesicht bekommen.
„Ist Ron denn schon da?“, wollte sie wissen.
„Nein.“ Harry schüttelte den Kopf. „Ich habe eine Eule bekommen. Bei denen in der Wohnung ist es wohl ein bisschen durcheinander!“, stellte Harry fest. Hermine seuftzte. Vielleicht hätte sie da bleiben sollen, um zu helfen. Fred war bestimmt sehr schnell wieder aufgewacht und hatte für das Chaos gesorgt. Angelina hätte ihre Hilfe sicher sehr gut gebrauchen können.
„Fred ist mitten in der Nacht wach geworden“, sagte Hermine und erklärte mit diesem Satz eigentlich alles, was dazu zu sagen war. Harry verstand sie.

„Sag mal, Zach hat ziemlich schlechte Laune. Gabs Zoff mit Luna?“, fragte Harry sehr beiläufig. Oh ja, Hermine konnte sich vorstellen, dass Zacharias sauer war. Aber dazu hatte er kein Recht. Erst recht nicht auf Hermine, denn wenn er so mit ihr umgesprungen wäre, dann hätte sie eine ganz andere Seite aufgezogen.

Hermine hatte sich seit dem Krieg sehr verändert. Die Tatsache, dass sie ihre Eltern nicht wieder gefunden hatte, hatte ihr sehr zu schaffen gemacht, und sie war froh gewesen, Ron und Harry an ihrer Seite zu wissen. Es war niemals leicht gewesen. Niemals. Aber Hermine hatte es, so gut sie konnte, zu verarbeiten versucht. Dass sie sich manchmal einsam fühlte und sich zurückzog, war wohl nur allzu gut verständlich. Hermine hatte im Krieg sehr viele Menschen verloren, die ihr etwas bedeutet hatten. Und sie hasste es deswegen, von Menschen, denen sie vertraute, hintergangen zu werden.

„Oh, Smith kann froh sein, dass ich nicht Luna bin. Ansonsten hätte er von mir ein paar Ohrfeigen bekommen, dass er sich die Ohren im Mungos wieder hätte ankleben lassen müssen!“, knurrte Hermine sauer. „Hat Ginny dir denn nicht erzählt, was passiert ist?“ Normalerweise erzählte Ginny Harry alles. Harry konnte man schließlich auch vertrauen, aber vielleicht hatte Ginny auch nur abgewartet, wie Luna reagierte, und deswegen nichts erzählt.

„Nein, hat sie nicht. Wieso? Was ist denn passiert?“, fragte er überrascht. „Ich nehme mal an, es gab dann Zoff?“
Hermine schnaubte. „Zoff würde ich es nicht nennen. Geredet haben sie ja anscheinend noch nicht, aber das werden sie wohl auch nicht mehr. Ginny und Luna haben Zacharias gestern im Tropfenden Kessel gesehen.“ Hermine sah ihren Freund ernst an. „Zusammen mit Pansy Parkinson.“

Harry sah seine beste Freundin verwundert an, als würde er nicht glauben wollen, was sie gesagt hatte. „Mit Parkinson?“, fragte er erstaunt. Nun schnaubte auch Harry und er schüttelte den Kopf. „Und ich habe so langsam ernsthaft geglaubt, ihm läge was an Luna.“
„Das habe ich auch“, sagte Hermine tonlos. „Das haben wir alle so langsam.“ Hermine schwieg kurz, bevor sie fort fuhr: „Mir tut Luna so Leid. Sie war heute Morgen so aufgelöst.“ Harry seuftze. Ihm ging es offenbar ähnlich.
„Ich würde ihm am liebsten den Hals umdrehen, aber mich geht das nichts an. Nicht, solange wir hier in der Abteilung sind.“ Harry verstand, was sie meinte, und nickte zustimmend. Es war gut, Harry zu haben. Denn Harry verstand einen immer. Manchmal kam es vor, dass er einen Augenblick länger brauchte, aber Harry war nun mal Harry.

Er nahm sie in den Arm und wandte sich dann zum Gehen. „Tut mir Leid, Mine. Aber die Pflicht ruft“, erklärte Harry und gab ihr einen knappen Kuss auf die Stirn. Er hatte die Klinke bereits in der Hand, offenbar hatte Harry es wie jeden Morgen sehr eilig, aber urplötzlich nagte es Hermine am Gewissen und so beschloss sie kurzfristig und spontan, sich Blaise' Bitte anzunehmen.

„Harry, sag mal, kann ich dich was fragen?“, wollte sie zögernd wissen. Sie wusste, dass sie Harry natürlich alles fragen konnte, aber dennoch. Harry ließ die Türklinke los und drehte sich schließlich langsam zu ihr herum. Er sah sie verwundert an. Auf diese Art begann Hermine sonst doch niemals eine Frage zu stellen.
„Blaise war heute Morgen schon hier“, sagte sie langsam. „Er machte sich Sorgen wegen der beiden Unfälle in Bristol und Birmingham“, erklärte sie ihm.
Harry stöhnte und fuhr sich mit der rechten Hand durch sein zerzaustes, schwarzes Haar, dass er momentan sehr kurz trug. Er hatte sich von Mrs. Weasley zu dieser Frisur überreden lassen.
„Ja, ich weiß. Es geht mich nichts an. Aber er war sehr verzweifelt und auch recht sauer, als ich ihm gesagt habe, dass ich mich nicht einmischen werde.“

„Warum machst du es dann trotzdem?“, wollte Harry wissen. Eine gute Frage, aber Harry kannte Hermines Antwort eigentlich schon. Schließlich ging es hier um Hermine und bei Problemen anderer war sie immer zur Stelle.
Hermine grinste ihren besten Freund leicht an. „Du kennst mich doch. Und Blaise kann schließlich auch nichts dafür.“
Harry überlegte einen Augenblick, dann nickte er zustimmend. „Ich weiß. Ich werde die Abteilung ein wenig ankurbeln, sich darum zu kümmern.“
Hermine lächelte dankbar. „Du bist ein Schatz, Harry“, sagte sie und küsste ihren besten Freund auf die Wange.
„Das wusste ich schon“, entgegnete er grinsend und streckte ihr frecherweise die Zunge heraus, dann verließ Harry schließlich Hermines Büro.

Innerlich fühlte Hermine sich ein wenig besser, nachdem Harry zu Besuch gewesen war. Vielleicht war Blaise noch ein wenig beleidigt, aber sie hatte Harry um das gebeten, was er ihr gesagt hatte. Vielleicht sollte sie ihm das sagen? Damit er ein wenig beruhigt war? Na ja, sie würde ihm heute bestimmt noch einmal über den Weg laufen. Blaise war wirklich ein Spaßvogel. Zu Beginn ihrer Ausbildung im Ministerium hatte er auch noch in ihrer Abteilung gearbeitet, aber irgendwie hatte Blaise keinen großen Spaß am Kontrollieren von Gesetzen gefunden. In der Abteilung für magische Katastrophen war er wirklich besser aufgehoben. Sie verstanden sich eigentlich sehr gut. Er stand Luna sehr nah und war darum öfter mal zu Besuch.

Der Vormittag verging sehr schnell. Hermine ertrank beinahe in ihrem Papierkram, aber das war normal. Sie kannte nichts anderes und die Arbeit tat ihr auch wirklich gut, um sich von allem anderen abzulenken. Manchmal war alles perfekt und so, wie es sein sollte in Hermines Seifenblase. Andererseits hatte natürlich auch sie Probleme wie jeder andere Magier in ihrem Alter. Aber es ging ihr gut. Sie war seit Ewigkeiten nicht mehr so glücklich gewesen. Zusammen mit Ron und Harry hatte sie alles durchgestanden, was ihr schwer gefallen war.

Es klopfte erneut an der Bürotür. Hermine hob den Kopf an, während sie den Besucher hereinbat. Zacharias schob die Tür auf und trat betreten ein. Sein Blick war ein wenig gesenkt. Hermine seufzte und verdrehte die Augen. Auf seine Ausführungen über das, was passiert war, konnte sie eigentlich sehr gut verzichten.
„Ich wurde eben in die Aurorenabteilung gerufen“, sagte Zacharias. „Es wurde entschieden, dass es sich wohl doch nicht um Unfälle handelte und du sollst dich darauf vorbereiten, dass wir es wohl demnächst auch mit einer Menge Arbeit im Zaubergamot zu tun bekommen“, erklärte er ihr.

Hermine runzelte die Stirn und blickte ihn skeptisch an. Er war in die Abteilung gerufen worden, damit man ihr diese Nachricht zukommen ließ? Sie bemerkte, wie er von einem Fuß auf den anderen tänzelte. Er war unruhig. Oh nein, Harry hatte ihn doch nicht zur Rede gestellt? Das war schließlich nicht das, worum sie ihren besten Freund gebeten hatte. Hermine fühlte sich sofort ein wenig schuldig. Das sollte doch keine Verschwörung gegen Zacharias werden. Natürlich war sie sauer gewesen. Aber das war immer noch eine Sache zwischen Zacharias und Luna.

„In Ordnung“, sagte Hermine langsam. „Sonst noch irgendwas?“, fragte sie und bemühte sich einen ruhigen und freundlichen Klang in der Stimme zu haben. Zacharias blickte sie an und hielt ihr dann zwei Briefumschläge hin. Hermine blickte ihn verwirrt an, stand auf und nahm ihm dann aber die beiden Umschläge ab.
„Was ist damit?“, fragte sie verwundert.

„Einen gibst du bitte Luna“, sagte er und seine Wangen wurden rot. Zacharias Smith wurde rot? Dass Hermine das noch erleben durfte! Rot werden war sonst nicht Zacharias' Art. Er sorgte sonst mehr dafür, dass andere wegen ihm rot wurden. Er war wirklich ein Meister darin, anderen zu schmeicheln oder auch dafür zu sorgen, dass sie sich unangenehm fühlten.
„Und der andere ist für dich. Lag auf meinem Platz, als ich zurückgekommen bin. Keine Ahnung, von wem der ist. Es steht dein Name drauf. Äh ... na ja, zumindest sollte es wohl dein Name sein. Vielleicht hatte es da jemand eilig oder wusste deinen Namen nicht so ganz genau. Ich nehme einfach mal an, dass mit H. Jane Grang du gemeint bist“, sagte Zacharias und verschwand dann aus dem Büro. Die Tür zog er wieder hinter sich zu und so war Hermine alleine.

Einen Moment stand sie starr da und versuchte zu verstehen, was Zacharias gerade gesagt hatte. Dann blickte sie auf die beiden Umschläge und legte den, auf den mit geschwungener Handschrift Luna stand, zur Seite. Zitternd betrachte sie den anderen Umschlag in ihren Händen.
Es gab keine Jane Grang. Nicht mehr. Nie mehr. Das hier musste ein sehr, sehr dummer Scherz sein. Aber wer konnte davon wissen? Hermine legte den Brief auf dem Schreibtisch ab und stützte sich mit beiden Händen darauf ab; sie blickte hinab auf das Pergament und schloss die Augen. Sie hatte niemandem davon erzählt, außer Harry und Ron.

Damals nach ihrer letzten Reise. Damals im Krankenflügel. Fast einen gesamten Tag hatten sie dort bei ihr gesessen und ihr zugehört. Und als ihr zum Weinen zumute gewesen war, hatten Ron und Harry ihre Hände gehalten und sie in den Arm genommen. Zwei wahre Freunde. Anfangs war es nicht einfach gewesen. Alles hatte sie an diese Reisen erinnert, aber Ron und Harry waren für sie da gewesen.
Wer hatte noch davon gewusst? Dumbledore. Aber der war tot. Severus Snape. Remus Lupin. Aber auch diese beiden waren tot. Hermine hatte es sehr viel Kraft gekostet, diese beiden zu verlieren. Es hatte sich zwar niemals etwas zwischen ihr und ihren beiden Lehrern verändert, allerdings war es trotzdem so gewesen, als würden zwei ihrer Freunde sterben. Professor McGonagall und einige anderer Lehrer waren natürlich auch eingeweiht gewesen, allerdings … Warum sollte einer ihrer ehemaligen Lehrer sie an das alles erinnern wollen? Wozu das Ganze?

Hermine starrte den Brief noch einen Augenblick an. Dann war es so, als könne sie hören, wie es in ihrem Kopf arbeitete, wie einzelne Hebelchen umgelegt wurden und wie ihr langsam, aber sicher etwas immer klarer wurde. Hermine kniff die Augen zusammen und riss sie dann wütend wieder auf.
„Malfoy“, flüsterte sie mit zittriger Stimme. Draco Malfoy. Er wusste alles. Er war der Einzige, der genauso viel über diese Dinge wusste wie sie selbst. Er war es gewesen, der sie damals dorthin geschickt hatte. Aber warum beim Barte des großen Merlin sollte er ihr eine solche Nachricht zukommen lassen?

Hermine war es egal, sie verstaute den Brief in ihrer Hosentasche und verließ hastig das Büro. Als sie die Abteilung betrat, sahen die anderen von ihren Schreibtischen auf und schauten sie verwundert an.
„Hat heute schon jemand Malfoy hier in der Abteilung gesehen?“, fragte Hermine.
Alle blickten sich nacheinander abwechselnd an, aber dann schüttelten alle die Köpfe. Hermine atmete tief durch. „Okay, ich bin mal kurz weg. Vielleicht dauert es auch ein bisschen länger“, sagte sie und verließ den Raum. Auf dem Gang kamen ihr immer wieder ein paar bekannte Gesichter entgegen, doch sie achtete nicht groß darauf.

Sie betrat den Gang weiter hoch ein etwas größeres Büro und blickte sich um. Sie hob ihre Stimme an und als sie sprach, wandten sich die Köpfe der Arbeitenden um. „Kann mir einer von Ihnen vielleicht sagen, wo ich Draco Malfoy finde?“, fragte sie laut. Einige wandten sich direkt wieder ihrer Arbeit zu, allerdings nickte ein Zauberer, der seinen Schreibtisch nahe der Tür hatte.

„Mr. Malfoy befindet sich in einem der Gerichtssäle, Miss Granger.“ Er blickte zu einer Uhr an der Wand. „Er dürfte gleich fertig sein. Vielleicht treffen Sie Ihn unten, Miss“, sagte der Zauberer freundlich und Hermine nickte ihm dankend zu.

Gerichtssäle. Gut, dann musste sie eben nach unten. Das konnte durchaus ein wenig länger dauern. Wer wusste schon, was Malfoy noch zu tun hatte, aber sie hatte Zeit. Sie würde warten. Aber sie konnte sich überhaupt nicht erklären, was hier vor sich ging. Was hatte sie Draco denn getan? Gar nichts, absolut nichts.

Sie konnte sich plötzlich sehr gut daran erinnern, wie Draco sie damals nach ihrem letzten Besuch in der Vergangenheit im Krankenflügel besucht hatte. Er war sauer und völlig aufgelöst gewesen. Sauer, weil er so dumm gewesen war zu glauben, sie könnte ihm dabei helfen. Aufgelöst, weil er einen neuen Auftrag bekommen hatte. Er hatte Hermine nicht erzählt, was die neue Aufgabe gewesen war. Wenn sie vorher gewusst hätte, dass er Dumbledore hatte umbringen sollen, dann hätte sie ihn natürlich davon abgehalten. Allerdings hatten sie danach auch niemals wieder ein Wort über all diese Dinge verloren. Niemals wieder. Weder zu Harry und Ron, noch zu sonst wem.
Nach dem Krieg hatten Hermine und Draco im Ministerium oft zusammen arbeiten müssen. Sie kamen miteinander aus, wie man eben miteinander auskommen musste, wenn man zusammen arbeitete. Ron und Harry verstanden sich sogar richtig gut mit dem ehemaligen Slytherin. Harry war es gewesen, der sich direkt nach dem Krieg für Draco eingesetzt hatte und Hermine wusste beim besten Willen nicht, was das sollte.

Als die Fahrstuhltür aufging, kam ihr Blaise entgegen und nahm sie in den Arm. „Danke, ich habe gewusst, dass du mit einem der beiden reden wirst“, erklärte er.
„Kein Problem, Blaise“, sagte sie und zusammen stiegen sie wieder in den Fahrstuhl. „Sag mal, hast du Draco heute schon gesehen?“, fragte sie.
Blaise blickte sie verwundert an. Sie sprachen normalerweise nie über Draco. Hermine erkundigte sich auch nicht nach ihm, weil es meist sie selber war, die ihn im Ministerium öfter zu Gesicht kam als sein bester Freund.

„Hat unten in einem der Gerichtssäle irgendwas zu tun. Top Secret und wohl sehr wichtig. Warum?“, wollte Blaise wissen.
„Und alles so wie immer?“, fragte Hermine. Über diesen Top-Secret-Fall wusste sie Bescheid. Sie hatte sich vor ihrem Urlaub noch mit Draco darüber unterhalten und sie war auch per Eule über alles Wichtige informiert worden. Eigentlich war es völlig unverschämt, aber es war Aufgabe des Ministeriums solche Dinge zu kontrollieren, aber Hermine konnte sich nicht vorstellen, dass Minerva McGonagall eine Verschwörung in Hogwarts plante. Niemand in Hermines Abteilung glaubte wirklich daran und an die Öffentlichkeit war davon auch noch nichts weitergegangen, aber dennoch war die Pflicht zur Kontrolle da.

„Er hat Stress. Sehr viel. Anscheinend auch zu Hause mit Astoria. Keine Ahnung, warum, aber bei ihm läuft anscheinend gerade alles ein wenig schief. Heute Morgen habe ich ihn nur kurz gesehen, gerade, als ich aus deinem Büro kam. Er war auf dem Weg nach unten. Er sah nicht gut aus.“ Blaise machte sich Sorgen um seinen besten Freund. Draco war also überabeitet, aber das erklärte immer noch nichts.

„Zehnter Stock; Gerichtssäle“, verkündete eine Stimme.

„Wir sehen uns, Blaise“, sagte Hermine schnell und stieg aus. Anscheinend gerade rechtzeitig, denn ihr kam eine Flut von Zauberern entgegen. Hermine trat schnell zur Seite, um vorbeizukommen. Lautes Geplapper war zu hören und Hermine vernahm das Aufblitzen von Kameras. Woher hatte die Presse von dieser Anhörung gewusst?

„Professor … Professor, bitte. Was sagen Sie zu diesen Anschuldigungen?“, hörte Hermine die Reporter mehrmals laut rufen, doch die Professorin störte sich nicht daran, ging an den Reportern vorbei. Hermien seufzte schwer. Da war wohl einiges schief gelaufen. Sie sah der alten Hexe nach, steuerte dann auf den Gerichtssaal zu, aus dem die Zauberer strömten.

„Und ich dachte, es sollte eine ruhige Anhörung sein. Top Secret“, murmelte Hermine vor sich hin. Es herrschte allerdings helle Aufregung. Irgendjemand hatte der Presse gesagt, was hier vor sich ging. Hermine vermutete, dass einige darüber wohl sehr sauer sein würden und Unrecht hatte sie damit nicht - als sie den Gerichtssaal betrat, standen Draco und einige andere Zauberer aus seiner Abteilung, die die Anhörung im Geheimen hatten abhalten wollen, zusammen und Draco meckerte lauthals herum.

„Ich muss mit dir sprechen, Malfoy“, rief Hermine laut in den Raum und die Zauberer drehten sich allesamt zu ihr herum. „SOFORT“, donnerte sie. Draco blickte sie starr an. Er schnaubte. Vermutlich dachte er, sie wollte über die Anhörung reden.
„Es war nicht meine Schuld, dass es hier plötzlich von Leuten des Tagespropheten nur so wimmelte“, rief er ihr gleich entgegen. „Ich habe genau das gemacht, was wir abgesprochen hatten. Du brauchst mich jetzt nicht so ankeifen, klar?“ Er war aufgebracht. Ganz eindeutig. Hermine konnte es ihm nicht übel nehmen und sie gab ihm natürlich Recht. Sie konnte sich nicht vorstellen, das Draco irgendwas an den Tagespropheten weitergegeben hatte. Nein, das konnte sie sich wirklich nicht vorstellen.

„Es geht nicht um diese Anhörung“, erklärte Hermine barsch, als er näher trat, aber immer noch laut genug, damit alle anderen im Raum sie verstehen konnten. Draco konnte sicher keinen Ärger gebrauchen und das Hühnchen, das sie mit ihm zu rupfen hatte, ging niemanden anderes etwas an. Draco sah sie verwundert an und legte den Kopf schief.
„Worum geht es?“, fragte er leise, als er sie erreichte. Seine Stimme war gesenkt. Er bemühte sich, ruhig zu bleiben.
„Nicht hier“, erklärte Hermine. „Ich muss mit dir sprechen. Sofort. Keine Widerrede, klar?“, sagte sie ernst und zog Draco am Arm aus dem Raum. Er folgte ihr. Anscheinend schien er nicht zu wissen, was sie wollte, aber das würde sie ihm schon noch begreiflich machen. Als sie einen leeren Gerichtssaal erreichten, verriegelte Hermine die Tür magisch und verschloss sie mit einem Zauber, der dafür sorgte, dass kein Wort von dem, was drinnen gesagt wurde, nach außen drang.

„Sag mal, willst du mich entführen, oder so?“, fragte Draco schief grinsend, während er die Aktion der jungen Hexe beobachtete. Er machte sich lustig. Schön, sollte er doch. Die Sache war aber alles andere als lustig. Er grinste weiterhin, als sie sich schließlich zu ihm umdrehte und so langsam wurden ihre Gesichtszüge wieder angespannter.

„Hast du mir irgendetwas zu sagen, Draco?“, fuhr sie ihn scharf an, woraufhin er einen Schritt von ihr wegtrat und sich schließlich mit dem Rücken gegen eine der Zuschauerbänke lehnte. Er hob abwehrend die Hände und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Hermine“, erklärte er. „Aber vielleicht kannst du mir ja sagen, warum wir hier sind?“, grinste er.

Hermine begann zu kochen. Er veralberte sie. Er machte sich lustig und hatte wie immer seinen Spaß dabei zu sehen, wie andere sich aufregten. Wütend zog sie den Briefumschlag, den sie heute Morgen bekommen hatte, aus der Hosentasche und kam auf ihn zu.
„Dann erklär mir mal bitte, was das hier soll“, sagte sie laut und drückte ihm den Umschlag in die Hand.

Draco zog die Stirn kraus und bobachtete Hermine. Sie drehte sich weg und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Sie schien irgendwie … verzweifelt? Draco betrachtete den Umschlag, der völlig gewöhnlich auszusehen schien, und drehte ihn vorsichtig um. Als er den Adressaten las, starrte er den Umschlag ebenso an, wie Hermine es zuvor getan hatte. „Woher kommt der?“, fragte er.

Hermine lachte leise auf und drehte sich wütend zu ihm um. „Das fragst du mich?“, blaffte sie ihn an. „Ich dachte, das könntest du mir vielleicht besser erklären als irgendjemand sonst!“
Draco blieb still stehen, er sah sie an. „Du glaubst, ich hätte dir diesen Brief zukommen lassen?“, fragte er völlig entgeistert.
„WER SONST?“, stieß Hermine laut aus. „Sag mir, Draco: Wer sonst sollte es gewesen sein? Harry und Ron vielleicht? Remus und Severus sind tot. Vielleicht McGonagall?“

Draco legte die Hände in den Nacken und schaute zur Decke hinauf. „Und ich stehe natürlich ganz oben auf der Liste der möglichen Zusender.“
„Niemand sonst weiß davon, Draco“, sagte Hermine mit leiserer Stimme. „Außer mit Harry, Ron oder dir habe ich mit niemandem jemals darüber gesprochen.“
Draco stieß einen merkwürdigen Ton aus und blickte sie enttäuscht an. „Und welchen Grund sollte ich haben? Welchen Grund sollte ich haben, dir einen solchen Brief zukommen zu lassen? Wo wir mittlerweile gut miteinander auskommen und niemals wieder darüber gesprochen haben?“, fragte er mit klarer Stimme.

Hermine schaute ihn schulterzuckend an. „Ich weiß es nicht“, wisperte sie.
Draco schüttelte schnaubend den Kopf. „Was steht denn drin?“, wollte er wissen und besah sich den Umschlag. Er war noch verschlossen. „Du hast ihn nicht gelesen?“, fragte er.
Hermine schüttelte den Kopf. Sie senkte den Blick und trat wieder näher. „Ich konnte nicht“, sagte sie. „Ich dachte, es wäre ein Scherz. Ich wollte ihn nicht öffnen.“

Hermine hörte, wie Draco tief einatmete. Sie schwiegen einen Augenblick, dann hielt Draco ihr den Umschlag hin. „Ich denke aber, dass es dann jetzt an der Zeit ist, ihn zu öffnen, Hermine.“


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Als ich das erste Harry-Potter-Buch las, habe ich mir meinen Bademantel angezogen und so getan, als ob ich Harry wäre. Ich rannte im ganzen Haus herum uuund... kann nicht fassen, dass ich das gerade erzählt habe.
Matthew Lewis