
von cal50cartridge
Ein lautes Kratzen ließ Harry aus dem Schlaf schrecken. Er griff nach seiner Brille auf dem Nachttisch und sah sich in seinem Zimmer um. Als er den Blick zum Fenster wandte zuckte er zusammen. Zwei bernsteingelbe Augen sahen ihn durchdringend an, eingerahmt von einem weißen Gesicht, welches bei dem hellen Vollmondlicht fast blendete. Harry stand auf und ging langsam auf die schneeweiße Eule, die auf seiner Fensterbank saß, zu. Für ein, zwei Momente glaubte er wirklich seine geliebte Hedwig da zu sehen und wenn er nicht bei ihrem Tod vor sieben Jahren dabei gewesen wäre, er würde beschwören das dies seine Schneeeule war. Doch dann erkannte er das Siegel von Hogwarts auf ihrer Brust. Harry öffnete das Fenster und die Eule hüpfte Geschickt auf seinen Nachttisch und streckte ihm ihr Bein entgegen. Harry nahm das zusammengerollte Pergament und belohnte das Tier mit ein paar Eulennüssen die er für solche Fälle immer in einer Schublade aufbewahrte. Immer noch verschlafen öffnete er das Pergament und bekam den nächsten Schreck. Dicke Blutflecke prangten auf dem Brief. Außer dem Datum stand nur ein Wort in krakeliger Schrift auf dem Blatt. Sourcow. Saure Kuh? Harry sah die Eule verwirrt an doch diese legte nur den Kopf schief und zwickte ihn sanft in die Hand, genau wie Hedwig es immer getan hatte. Dann steckte sie den Kopf unter den Flügel und schlief offenbar ein. Irgendetwas kam Harry an dieser Eule bekannt vor . Außerdem roch sie nicht so penetrant nach Eulenmist wie die anderen Schuleulen. Gedankenverloren kraulte er ihr Gefieder. Doch er driftete ab. Harry sah auf das Datum des Briefs. 14. Februar, Valentinstag. Das lag über einen Monat zurück. Das Blut und dieses seltsame Wort brachten ihn um den Schlaf. Und warum war dieser Brief mit einer Schuleule aus Hogwarts gekommen? Als er am Morgen aufstand fühlte er sich wie gerädert. Um den Kopf einigermaßen frei zu bekommen beschloss er die drei Straßen zum Ministerium zu laufen anstatt zu apparieren. Er grüßte den alten irischen Gemüsehändler über dessen Laden Harrys Apartment lag und ging durch die langsam auflebenden Straßen Londons. Niemand hätte vermutet, dass der junge Mann mit Basecap, Bomberjacke und Jeans einer der berühmtesten Zauberer war die es je gab. An einer Kreuzung sah Harry sich kurz um und ging dann die Treppe zu einer öffentlichen Toilette hinunter. Er war früh dran und nur wenige andere Zauberer und Hexen standen vor den Kabinen die hinunter ins Atrium führten. Er grüßte ein paar bekannte Gesichter und stieg schließlich in eine der Kloschüsseln. Nachdem ein Kamin ihn ausgespuckt hatte sah Harry sich erneut um. Zum ersten mal fiel ihm auf wie sich das Ministerium seit Voldemorts Sturz verändert hatte. Zugegeben das Atrium an sich war nahezu unverändert wieder aufgebaut worden, so wie es vor der Machtübername durch die Todesser ausgesehen hatte. Der Brunnen der magischen Geschwister, der Glaskasten mit dem Wachzauberer und die Aufzüge. Der einzige Unterschied waren die beiden Getränkeautomaten neben der langen Reihe von Kaminen. Und dennoch war irgendwie alles anders. Die dunkeln Umhänge waren Verschwunden, die meisten Ministeriumsangestellten trugen Pullover und Jeans oder Anzüge. Lediglich einige ältere Beamte trugen weiterhin die traditionelle Kleidung. Harry warf zwei Knuts in den Kaffeeautomaten zu seiner linken und betrat mit einem dampfenden Becher einen der Aufzüge. In der Aurorenzentrale übergab die Nachtschicht gerade an die ablösenden Kollegen. Uniformierte Beamte, deren Uniformen sich stark an den Vorbildern ihrer Muggelkollegen orientierten, standen oder saßen in den Büros und unterhielten sich gedämpft. Harry grüßte auch hier und dort einige Leute als er den langen Flur bis zu seinem Büro hinunterlief. Leider war Ron noch nicht da und so musste er sich gedulden. Als er gerade zu seinem Handy greifen wollte um Ron zu kontaktieren passierte es. Urplötzlich war es als hätte jemand das Radio voll aufgedreht denn urplötzlich erschallte Iggy Pops „Real Wild Child“ durch das komplette Büro. Harry fuhr herum und wollte im nächsten Moment im Boden versinken. Da stand Ron, in einem scheußlichen Kastanienbraunen Anzug mit einer genau so scheußlichen Kastanienbraunen Krawatte. Den Zauberstab lässig erhoben und mit einer viel zu großen verspiegelten Fliegerbrille auf der Nase. Zum Glück reagierten die anderen Auroren gar nicht auf diese Aktion. Nach sechs Jahren die Ron und Harry hier schon gemeinsam Dienst schoben hatten sich alle daran gewöhnt das Ron zwischendurch eine Show abziehen musste. Da Ron auch dieses mal keine Beachtung geschenkt wurde senkte er seinen Zauberstab, die Musik verstummte und er kam auch endlich zu Harry ins Büro nicht ohne vorher einen Umweg über die Kaffeemaschine zu machen. Als er endlich saß und Harry ernstes, verschlafenes Gesicht bemerkte schien er zu merken das etwas in der Luft lag.
„Was ist passiert?“ fragte er. Harry warf ihm den blutigen Brief auf den Schreibtisch und fing an zu erzählen was letzte Nacht vorgefallen war. Ron besah sich den Brief genauer. „Sourcow?“ fragte er und sah Harry mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Was soll das denn heißen?“
„Keine Ahnung. Was glaubst du warum ich aussehe als hätte ich die letzte Nacht nicht geschlafen. Wir müssen damit auf jeden Fall zum Chief. Mal sehen was der dazu sagt.“ Antwortete Harry. Er nahm das Blatt Pergament wieder an sich und beide gingen zum Büro von Chiefinspector Cyril Lightowl, dem Leiter der Aurorenzentrale. Seine Sekretärin eine junge rothaarige Hexe namens Kendra Fallsback begrüßte sie.
„Ah gut das ihr da seid. Der Chief will euch sofort sehen wenn er kommt. Er muss noch jemanden aus dem Atrium abholen. Geht ruhig schon rein.“
Harry und Ron betraten das Büro ihres Vorgesetzten und nahmen auf zwei Stühlen vor seinem Schreibtisch Platz. Da Rons Kaffeebecher schon wieder leer war ging er kurzerhand zum Aquarium des Chiefs in dem Ernest, sein geliebter Goldfisch schwamm, und füllte ihn mit Wasser auf. Mit einem Schwenk seines Zauberstabes wollte er es in Kaffee verwandeln doch statt mit einem koffeinhaltigen Heißgetränk war seine Tasse plötzlich mit Kieselsteinen gefüllt. Harry lachte herzlich darüber als eine Stimme die beiden zusammen zucken ließ, die sie seit beinahe sieben Jahren nicht mehr gehört hatten. „Verwandlung war noch nie ihre Stärke Weasley.“ Wie von der Tarantel gestochen drehten die beiden sich zur Tür und hinter ihrem untersetzten Chief stand niemand anderes als Minerva McGonagall, ehemals Lehrerin für Verwandlung und seit Voldemorts Sturz Schulleiterin an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei. Mit offenen Mündern starrten Harry und Ron sie an. Plötzlich lächelte sie und sagte: „Wollen sie ihre alte Lehrerin denn nicht begrüßen?“ Beide sprangen gleichzeitig auf um ihr die Hand zu schütteln doch der Chief unterbrach das Wiedersehen. „Miss Fallsback hat gesagt sie hätten wichtige Informationen für mich. Also was gibt’s?“ Er setzte sich hinter seinen Schreibtisch und lauschte aufmerksam Harry Geschichte während er gleichzeitig den blutigen Brief betrachtete. Nachdem Harry fertig war überreichte er ihn Professor McGonagall die nun gar nicht mehr lächelte sondern sehr ernst und traurig dreinsah. „Das passt leider zu dem weswegen ich sie sprechen wollte Detectives. Professor McGonagall ist leider nicht ohne Grund die weite Strecke nach London gereist aber ich denke das sollte sie ihnen besser selbst erklären. Bitte Professor.“
Professor McGonagall sah kurz auf das Pergament und sagte dann an Harry und Ron gewandt: „Ja in der Tat hat mein Besuch einen mehr als ernsten Hintergrund. Heute Morgen wurde die Leiche einer Schülerin am Rande des verbotenen Waldes gefunden. Soweit wir dies beurteilen konnten wurde sie schwer misshandelt. Über die genaue Todesursache wissen wir leider noch gar nichts da wir kein fachkundiges Personal zur Verfügung haben. Ich möchte, dass sie die Ermittlungen durchführen. Niemand kennt sich besser in den Geheimgängen und den Ländereien von Hogwarts aus als sie beide mit Ausnahme vielleicht von Hagrid und Fred Weasley aber ohne die entsprechende Ausbildung wird auch unser Wildhüter geschweige denn ein Scherzartikelverkäufer ziemlich schnell im trüben fischen.“ Mit diesen Worten schloss sie ihre Erzählung und sah die beiden an. Harry und Ron waren geschockt. Sie sahen hinüber zum Chief der ebenfalls mehr als beunruhigt aussah. Dann aber gab er sich einen Ruck. „Sie brechen heute noch auf. Dr. Granger von der Gerichtsmedizin ist bereits auf dem Weg um die Leiche zu untersuchen. Alles weiter erfahren sie dort. Gehen sie jetzt nach Hause und packen Sie das nötigste ein. Das Lehrerkollegium hat bereits den Schutzbann um Hogwarts erweitert sodass sie im Umkreis von 30 Meilen nicht apparieren können. Man will den Täter so an der Flucht hindern. Nehmen sie ihren Dienstwagen und fliegen sie nach Hogwarts. Verlieren sie keine Zeit meiner Herren. Das Leben von zwei Schülern steht auf dem Spiel. Das wäre alles. Sie können jetzt gehen.“ Die zwei standen auf, verabschiedeten sich von Professor McGonagall und verließen das Büro. Sie holten Dienstmarken, Zauberstäbe und die neu eingeführten Dienstwaffen, normale Muggelpistolen die allerdings spezielle Munition verschossen die besonders für Gegner geeignet war an deren Haut Flüche und Zauber abprallen, wie Riesen oder Werwölfe, und zudem leichtere Schutzzauber durchschlagen konnte, aus ihrem Büro und verließen die Aurorenzentrale in Richtung Atrium ohne ein Wort zu wechseln. Erst als sie auf dem Ministeriumsparkplatz standen sagte Harry: „ Na dann also back to the roots.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel