
von cal50cartridge
Der nächste Morgen war ein Samstag. Harry erwachte früh. Die Sonne ging gerade erst auf. Im ersten Moment wusste Harry nicht wo er war doch dann viel ihm alles wieder ein. Die fette Dame, der Gemeinschaftsraum, sein Himmelbett. Interessanterweise war er trotz des langen Tages gestern richtig ausgeschlafen. Ihn packte der Drang das Schloss zu erkunden. Wie früher. Er zog sich an und schlich sich durch den noch leeren Gemeinschaftsraum. Auf dem leeren Gang fing er an zu rennen. Das hatte er früher nie gemacht. Er rannte die stillen Gänge entlang, ohne Ziel.
Erst eine laute Stimme ließ ihn verstummen: „Hahaaaa welch Rüpelei zu nachtschlafender Zeit. Ich fordere Satisfaktion ihr Unhold!“ Sir Cadogan auf seinem dicken grauen Pony hoppelte über sein Bild, sein Schwert wild über den Kopf schwingend. Harry strahlte ihn an. „Sir Cadogan…Schön sie wieder zu sehen! Gut sehen sie aus. Ich bin es, Harry Potter.“ Sir Cadogan plumpste vor Schreck von seinem Zossen. „Harry Potter! Ist es denn die Möglichkeit. Mein alter Schlachtgefährte und Waffenbruder! Verzeiht meine unflätige Bemerkung. Was führt euch zu mir?“ Harry sah zu wie der Ritter vergeblich versuchte wieder aufzusteigen was aber aufgrund der Rüstung misslang. Irgendwann gab er auf und schob das heruntergeklappte Visier seines Helmes wieder hoch. „Wie man hört wurde eine Maid dahingemeuchelt, seid ihr hier um den schäbigen Feigling zu stellen und zu hängen?“ Harry nickte. „So könnte man das sagen Sir.“ Sir Cadogan stand gerade und warf sich in die Brust. „Ihr habt meine vollste Unterstützung Mylord.“ Harry lächelte glücklich. Am liebsten wollte er nie wieder weg von hier, diesem Ort an dem er von allen so herzlich empfangen wurde. Er sah zu seiner linken eine Treppe. Der Astronomieturm…von dort konnte man sicherlich den Sonnenaufgang wunderbar beobachten. Er salutierte und verabschiedete sich von Sir Cadogan und ging langsam die steinernen Stufen hoch. Oben angekommen blinzelte er. Die Sonne schien ihm direkt in die Augen. Sie stand noch tief, ragte gerade über die Bäume des Waldes hinaus. Langsam ging er zur Brüstung stützte sich drauf und ließ seinen Blick über die Ländereien schweifen. Er schloss die Augen und fing an einen alten Billy Joel Hit zu pfeifen. „She hides like a child but she’s always a woman to me….“
„HEY Fremder!“ Die Stimme hinter ihm ließ ihn herum fahren. Bevor er erkennen konnte wer das gesagt hatte knallte er mit dem Schädel gegen einen Balken der aus einer Säule des Turms hervorragte.
„HIMMELSACKZEMENTKREUZGRANATENABERAUCHNOCHMAL!“ konnte er noch hervorbringen. Dann gingen bei ihm die Lichter aus.
Harry wurde wach als ihm jemand eine saftige Ohrfeige gab. Er stemmte die Augen auf doch er musste seine Brille verloren haben denn er sah nur eine verschwommene Gestalt über sich, die ihm irgendwie seltsam bekannt vorkam. Und offenbar hatte diese Gestalt rote Haare. Verstört tastete er nach seiner Brille und setzte sie wieder auf. Das konnte doch nur ein Traum sein! Das war unmöglich…warum ausgerechnet hier? Er öffnete den Mund.
„Gi….Ginny?“ Sie lächelte ihn aus ihren strahlenden Augen an. „Da du dich noch an meinen Namen erinnerst scheint dir nichts passiert zu sein. Kannst du aufstehen?“ Sprachlos und mit immer noch offenem Mund rappelte Harry sich hoch. Unfähig irgendwas zu sagen starrte er sie einfach nur an. Er glaubte immer noch an einen Traum oder zumindest an eine sehr reale Illusion. Doch plötzlich spürte er wie sich dröhnender Kopfschmerz breit machte. Am liebsten hätte er sich gleich wieder hingelegt. Also kein Traum. Er streckte die Hand aus und berührte Ginnys Wange. Auch keine Illusion. Aber dann war das hier real! Im selben Momment erhielt er den Beweis als Ginny auf ihn zu trat und in die Arme schloss. So als wäre sie von einem gewonnen Quidditch Spiel nach Hause gekommen. Keine Überraschung, keine Angst war in ihren immer noch lächelnden Augen zu sehen. Auch der Rest ihres Gesichts lächelte. Endlich fand er seine Fähigkeit zu sprechen wieder. „Aber wie…was…wieso bist du hier?“ Ginny grinste noch breiter und deutete an sich hinunter. „Rate mal du Genie.“ Erst jetzt sah er, dass sie ein komplettes Quidditchoutfit trug. „Ich bin seit diesem Schuljahr die neue Besenfluglehrerin und Quidditchschiedsrichterin hier. Madam Hooch wollte endlich in den wohlverdienten Ruhestand. Und da ich gerade in der Gegend war…naja wie das eben so ist.“ Den letzten Satz sprach sie aus als wäre es das normalste der Welt. „Aber wieso ausgerechnet hier?“ sie sah ihn etwas verschämt an. „Heimweh? Hast du dich nie gesehnt hier wieder hin zu kommen?“ Doch das hatte er. Aber die Arbeit, die Gedanken an Ginny hatten dieses Gefühl unterdrückt. Erst jetzt wo er sowieso hier war kam alles auf einmal. Sie muss seinen glasigen Blick bemerkt haben denn Ginny wechselte plötzlich das Thema. „Ihr seid hier um den Mord an Juliette auf zu klären stimmt‘s?“ Harry nickte. „Wir sind gestern Abend angekommen. Wir werden auch mit dir reden müssen. Als Quidditchschiedsrichterin hast du sicher Kontakt zu ihr gehabt oder?“ Er war schon wieder in seiner Rolle als Verbrechensbekämpfer versunken. Ginny sagte nichts. Sie ging nach vorne zur Brüstung, dort wo Harry vorher gestanden hatte und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Dann hob sie den Kopf und fragte: „Habt ihr schon was über den Brief rausgefunden?“ Harry betastete seine Beule und besah sie sich in einem der blanken Messingteleskope die in einer Halterung an der Wand steckten. „Nein noch nicht, der ist bei Hermine zu einer Blut….aber warum weißt du überhaupt davon? McGonagall selbst hatte doch noch nicht mal Ahnung das das Ding existiert.“ Er drehte sich zu Ginny um.“Hast du mir die Eule geschickt?“ Sie lehnte nun nicht mehr an der Brüstung sondern stand auf ihr und hatte ein verschmitztes Grinsen aufgesetzt. Das gleiche Grinsen wie damals kurz bevor sie gegangen war und er sieben Jahre nichts von ihr gehört hatte.“So könnte man es auch sagen.“ Im nächsten Moment ließ sie sich nach hinten fallen. Harry schrie erschrocken auf. Er stürzte zur Brüstung und wollte nach Ginnys Hand greifen. Doch so weit kam er gar nicht, denn direkt vor ihm schoss ein weißer Blitz in den Morgenhimmel. Er erschrak sich so sehr, das er nach hinten kippte und auf den Po fiel. Schwer atmend folgte er mit den Augen wie die Schneeeule eine Schleife vor dem Turm drehte und dann direkt auf ihn zu flog. Sie wurde immer größer und größer und plötzlich war sie verschwunden und Ginny stand wieder vor ihm. Quicklebendig und immer noch das Grinsen im Gesicht. Harry keuchte auf. „ Aber dann….dann warst du….Du hast mir den Brief gebracht und uns während der Fahrt verfolgt?“ Ginny lachte auf. „Verfolgt würde ich nicht sagen….nennen wir‘s eher begleitet. Und mit meinem lieben Brüderchen habe ich auch noch ein Wörtchen zu reden. „Warum verfolgt uns dieses dumme Tier?“ Ich glaub‘ es hakt.“ Sie lachte weil Harry sie immer noch mit offenem Mund anstarrte. „Was ist los mit dir Harry? Du tust so als wär ich ein Gespenst.“ Harry fand seine Sprache wieder. „Hätte ich nicht gerade gemerkt das ich dich berühren kann ohne eine kalte Dusche zu kriegen, wäre ich mir da auch gar nicht so sicher.“ Brabbelte er. Ginny lächeln verschwand zwar nicht, fror aber etwas ein als sie sagte: „Ehrlich gesagt hab ich ein wenig mehr Wiedersehensfreude erwartet.“ Sie reichte Harry die Hand und zog ihn wieder auf die Beine. „Ja natürlich freu ich mich…Ich meine es ist toll dich zu sehen, du siehst einfach fantastisch aus. Es ist nur….es kommt alles so plötzlich. Du, dieser Brief und der Mord. Wie passt das alles zusammen?“ Jetzt hörte Ginny endgültig auf zu lächeln. Sie sah betreten zu Boden. „Ich hab ihn gestern in den Umkleidekabinen beim Quidditchfeld gefunden. Das war noch bevor ihre Leiche gefunden wurde. Ich habe erst gestern Abend bei meiner Rückkehr erfahren, dass sie tot ist. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen und natürlich habe ich am allerwenigsten an Mord gedacht. Also beschloss ich, dir den Brief zu bringen. Sorry das ich dir nichts gesagt habe, aber ich hatte Angst das du mich gleich wieder raus schmeißt nach dem was ich damals abgezogen habe.“ Harry sah ihr direkt ins Gesicht und er sah auf einmal wieder die Elfjährige die bei seinem ersten Aufenthalt im Fuchsbau kein Wort rausbekommen hatte und gleich wieder aus der Küche gestürmt war. „Du willst mir erzählen das du von Hogwarts nach London geflogen bist nur um einem Auror diesen Brief zu bringen?“ Er hob eine Augenbraue. „Wieso hast du ihn nicht McGonagall gezeigt?“ Wieder sah Ginny zu Boden als sie murmelte: „Naja….vielleicht habe ich auch nur einen Vorwand gesucht um dich zu sehen Harry. Und wenn ich Minerva davon erzählt hätte, glaube ich nicht, dass sie mich hätte gehen lassen.“ Sie drehte sich um und stellte sich wieder an die Brüstung des Turms. Ihre Schultern zuckten und Harry traute seinen Ohren kaum als er ihr leises schluchzen wahr nahm. „I….Ich….Ich wollte eigentlich schon viel früher zurück kommen. Aber ich hatte Angst davor was die anderen sagen würden. Und am meisten Schiss hatte ich davor dir wieder unter die Augen treten zu müssen.“ Harry starrte sie fassungslos an, was sie natürlich nicht sehen konnte, da sie mit dem Rücken zu ihm stand. Jeden gottverdammten Tag hatte er gehofft, dass sie wieder bei ihm vor der Tür stand. Jeden einzelnen, beschissenen Tag. Klar waren andere Frauen in sein Leben getreten, sogar mehr als manch einer vermutet hatte. Einmal war er nach einer feuchtfröhlichen Weihnachtsfeier bei den Weasley mit einer Cousine von Fleur im Bett gelandet. Aber keine dieser bedeutungslosen Affären konnte es mit diesen 1,70m reine Power aufnehmen. Er wollte kein Püppchen, dass bei einem abgebrochenen Nagel einen Herzinfarkt bekam und er wollte auch kein graues Mäuschen das ständig zu Hause hocken und reden wollte. Er wollte eine Frau die auch mal Armdrücken spielte, eine Flasche Feuerwhisky im Schrank hatte und beim Quidditch keine blöden Fragen stellte. Er wollte Ginny! Langsam trat er hinter Ginny, legte ihr wie ein Hund das Kinn auf die Schulter und sagte vorsichtig: „Was hältst du davon wenn wir noch mal bei null anfangen? Lass uns abwarten was passiert.“ Ihr Kopf hob sich vorsichtig. Sie drehte sich um und sah ihn an. Immer noch glitzerten Tränen in der Morgensonne, die langsam höher gestiegen war. Aber sie lächelte wieder ein wenig. Auch Harry grinste als er sagte: „Weisst du eigentlich das du mich fast zu Tode erschreckt hast als du auf der Fensterbank saßt? Ich dachte du wärst der Geist von Hedwig.“ Jetzt lachte sie sogar. „Und ich wollte dir deine ekelhaften Eulennüsse am liebsten vor die Füße kotzen.“ Jetzt lachten beide. Die Spannung löste sich merklich und beide konnten gar nicht aufhören. Plötzlich ließ ein Husten sie verstummen. „Ähem….Wir wollen euer Wiedersehen ja nicht trüben, aber wir müssen noch einen Mordfall aufklären.“ Hermine stand an der Tür zur Treppe und sah den beiden amüsiert zu. Ron stand neben ihr und sah etwas weniger amüsiert aus. Ginny strich sich verlegen durch das Haar und entfernte sich ein, zwei Schritte von Harry. Harry schob seine Brille wieder gerade auf die Nase und rieb sich über die Stelle wo seine Narbe noch schwach zu erkennen war. Er bemühte sich um einen sachlichen Ton als er sagte: „Ja natürlich, ihr habt vollkommen recht. Wir sollten uns an die Arbeit machen. Ginny wir werden später auf dich zurück kommen und dir ein paar Fragen stellen.“ Sie versuchte genau so sachlich und ernst zu antworten: „Ja natürlich. Ich muss mich jetzt sowieso um den Unterricht nächste Woche kümmern. Wir sehen uns später.“ Beide Versuche ernst zu klingen misslangen kläglich. Sie fühlten sich auf eine gewisse Weise ertappt. Obwohl doch überhaupt nichts passiert war. Ginny verabschiedete sich lächelnd von Hermine und Ron, kletterte auf die Brüstung und einen Augenblick später flog die weiße Eule in Richtung des Quidditchfeldes davon. Harry drehte sich zu den beiden anderen um, wo keine Spur von Überraschung zu sehen war. Wieder hob er fragend eine Augenbraue. „Ihr habt‘s die ganze Zeit gewusst oder?“ fragte er grinsend. Jetzt lächelte auch Ron. „Wir mussten versprechen dir nichts zu sagen.“
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