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Fanfiction

Coniunctio perpetua - Kapitel 24 — Das Tribunal (Part 2)

von Alea_Thoron

DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.

Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der es sich trotz seiner schweren Krankheit nicht nehmen ließ, mein erster Kritiker zu sein.


Coniunctio perpetua by Alea Thoron


Kapitel 24 — Das Tribunal (Part 2)

Zacharias Goldstein, der Vorsitzende des Zaubergamots, wurde — wie alle anderen Anwesenden auch — von dieser Entwicklung der Ereignisse sichtlich überrascht. Alle Anwesenden begannen, fieberhaft miteinander zu flüstern. Kaum jemand in diesem Gerichtssaal schien zu wissen, auf welche Art es interpretiert werden sollte, dass Minerva McGonagall, die als Mitglied des Ordens des Phönix’ mehr als zwei Jahrzehnte gegen Voldemort gekämpft hatte, sich ungefragt als rechtlichen Beistand für einen Mann zur Verfügung stellte, der beschuldigt wurde, ein Todesser gewesen zu sein.

Nach einem flüchtigen Blick in Goldsteins Richtung, erkannte Hermione mit innerlicher Genugtuung, dass nicht nur er den Eindruck erweckte, davon nicht besonders angetan zu sein. Auch der Ankläger, Tiberius Ogden, konnte sein Befremden und den damit verbundenen Unwillen nur unzulänglich überspielen. Einen Moment glaubte Hermione, beide empört mit den Zähnen knirschen hören zu können. Immer noch spiegelte Goldsteins Blick unterdrückte Missbilligung wider und seine nächsten Worte bewiesen seine nur schlecht verborgene Verärgerung und seinen Widerwillen allein bei der Vorstellung, dass sich irgendjemand für den bisher nicht abgesetzten Schulleiter von Hogwarts einsetzen könnte.

»Professor McGonagall, es ist Ihnen doch hoffentlich bewusst, dass Sie für diese Anhörung als Zeugin geladen wurden und nicht, um einem mutmaßlichen Todesser das Händchen zu halten?«, presste er empört zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Für einen Moment hatte er damit gezeigt, dass seine Anklage auf Überzeugung beruhte, hatte erkennen lassen, dass er zu demjenigen Personenkreis gehörte, der den reißerischen Darstellungen im Tagespropheten mit seinen aufstachelnden und die Wahrheit verdrehenden Attacken immer noch blind vertraute und von den Berichten über Severus Snape in den übrigen magischen Printmedien nicht überzeugt worden war. Doch er hatte mit seinen Worten auch eine Grenze überschritten, was er sich in seiner Position eigentlich nicht leisten durfte. Madoc Rogers schüttelte bestürzt, ja, beinahe sogar entsetzt, seinen Kopf.

»Wie können Sie es wagen …!!!?«, begehrte Minerva vehement auf.

»Das ist doch …«

»Sie sollten sich schämen …!«

Aus allen Richtungen kamen lautstarke Unmutsäußerungen, ganz besonders von der Zeugenbank, und aus den Zuschauerreihen wurden sogar Buh-Rufe laut. Viele dort waren ungehalten und voller Empörung aufgesprungen und Goldstein merkte, dass er wohl in seiner Reaktion einen Schritt zu weit gegangen war.

»Ruhe! Meine Damen und Herren, bitte beruhigen Sie sich!« Kingsley Shacklebolt sah keine andere Möglichkeit, als sich vorsichtshalber einzumischen. Er hob die Hand, um die wütenden Proteste im Zaum zu halten, bevor sie sich zu einer offenen Rebellion ausweiten konnten, wobei er hätte riskieren müssen, dass irgendjemand die Nerven verlor und seinen Zauberstab zog. »Ruhe, bitte! Wir sollten abwarten, was die heutige Anhörung ergibt, Zacharias. Und ich denke, bis dahin solltest gerade du als Vorsitzender unvoreingenommen sein.«

Man konnte ohne große Anstrengung erkennen, wie unangenehm es Shacklebolt war, den Vorsitzenden des Zaubergamots in aller Öffentlichkeit zurechtweisen zu müssen. Er sah hinüber zu Minerva McGonagall, die ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst hatte und nicht bereit zu sein schien, so einfach über das eben Geschehene hinwegzugehen.

»Trotzdem, Minerva — in einem Punkt hat Zacharias recht. Du bist als Zeugin geladen worden und wirst sicherlich als solche noch aufgerufen werden. Wie willst du diese beiden Sachen miteinander vereinbaren? Und ganz abgesehen davon — beides zur gleichen Zeit ist selbst für eine Hexe wie dich unmöglich.« Kingsley sah sie fragend an.

McGonagall lächelte demonstrativ spöttisch. »Ganz einfach, Kingsley. Da ich mich als Zeugin der Verteidigung betrachte, kann ich sehr wohl in einer Doppelfunktion auftreten. Für den Fall meiner Vernehmung wird in dieser Phase meine Position von Miss Hermione Granger übernommen werden.«

Nicht nur von den Zuschauerbänken war daraufhin ein unüberhörbares Raunen zu vernehmen, das durch den gesamten Gerichtssaal lief. Ungläubiges Staunen zeichnete sich auf vielen Gesichtern ab, das auch vor den Mitgliedern des Zaubergamots nicht Halt machte. Auch wenn kaum einer der Zuschauer die im Atrium stattgefundene Konfrontation miterlebt oder auch nur davon gehört hatte, wurde doch vielen der Anwesenden sofort klar, dass dies eine überraschende Wendung der Ereignisse darstellte und dass sogar mindestens ein Mitglied des Goldenen Trios auf der Seite von Severus Snape stand.

»Ruhe, bitte!« Dieses Mal versuchte Zacharias Goldstein, das leise Gemurmel zu unterbinden. »Dann sollten Sie umgehend ihren Platz mit Miss Granger tauschen, denn ich möchte Sie als Erste zur Klärung der Vorkommnisse in der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei während Voldemorts Terror-Herrschaft vernehmen lassen«, erklärte er an Minerva gewandt, immer noch pikiert über den Rüffel des Amtierenden Zaubereiministers.

Mit einem Achselzucken übergab Minerva McGonagall Hermione einen geschrumpften Ordner und begab sich zu dem Stuhl, der für die Vernehmung der Zeugen vorgesehen war.

Doch Goldstein beachtete sie nicht weiter. Er wandte sich mit seinen nächsten Worten an Severus. »Schulleiter Snape, auch wenn dies — wie der Zaubergamot durch den Amtierenden Zaubereiminister angewiesen wurde —nur eine Anhörung ist, muss ich Sie bitten, auf dem Stuhl für den Angeklagten Platz zu nehmen.«

Severus seufzte innerlich. Er wusste, er musste sich fügen, also nickte er Ogden gezwungenermaßen zu, stand auf, ging zu dem berüchtigten Kettenstuhl hinüber und setzte sich widerstandslos in den Stuhl für den Angeklagten. Er war seit dem Moment, in dem er im Krankenflügel in Hogwarts aufgewacht war, überzeugt davon gewesen, dass dieser Augenblick unweigerlich kommen würde — hatte eigentlich schon viel früher damit gerechnet — und hatte inzwischen geglaubt, mental darauf vorbereitet zu sein. Doch nun fühlte er sich alles andere als vorbereitet, sondern zerrissen und ohne Hoffnung.

Nach außen hin völlig emotionslos, tobte in seinem Inneren ein gigantischer Orkan. Nur durch seine jahrelange Übung im Kreise der Todesser schaffte er es, seinen Gesichtsausdruck gelassen und frei von Besorgnis erscheinen zu lassen. Als er sich setzte, verschwamm alles um ihn herum zu einer undeutlichen wabernden Masse und er sah sich selbst vor sechzehn Jahren auf diesem Stuhl sitzen — nach dem ersten Verschwinden Voldemorts, kurz nach Weihnachten 1981. Er glaubte für einen Moment, wieder die Eiseskälte der Zelle in Azkaban spüren und das leise Tröpfeln von Wasser hören zu können, wie es von den Zellenwänden und der Decke seines dunklen Gefängnisses sickerte. Wahnsinnige Schreie von dem Irrsinn verfallenen Insassen dröhnten in seinen Ohren. Modergeruch stieg in seine Nase und eine Sekunde fürchtete er, sich übergeben zu müssen. Doch so plötzlich die Erinnerung gekommen war, genauso abrupt verschwand sie auch wieder. Zu seiner unbeschreiblichen Erleichterung fand er sich in der Realität des Jahres 1998 wieder.

Für einen Augenblick stockte Hermione der Atem. Sie erwartete jeden Moment, dass sich die magischen Fesseln des Sessels um Severus’ Handgelenke schließen würden, so wie sie es nur wenige Minuten zuvor bei Dawlish sofort getan hatten. Ohne es zu merken, griff sie voller Besorgnis nach Harrys Oberarm. Der Griff ihrer Hand war so stark, dass dieser schmerzvoll das Gesicht verzog. Ein kurzer Seitenblick sagte ihm jedoch, dass er sie besser nicht abschütteln sollte, wenn er ihre Anspannung und ihre aufkommende Panik nicht noch weiter verstärken wollte.

Doch irgendwann bemerkte Hermione, dass sie sich angstvoll an Harrys Arm geklammert hatte. Mit einem leise gemurmelten »Entschuldige.« ließ sie von ihm ab und ging zu Severus hinüber. So konnte sie nicht mehr sehen, wie Harry seinen schmerzenden Arm rieb und ihr besorgt hinterherblickte. Dann sah er jedoch, wie sie ihre Schultern straffte und demonstrativ das Kinn reckte.

Die Ketten an dem berüchtigten Stuhl klirrten nur leise, als Severus sich setzte, machten allerdings keinerlei Anstalten, sich in irgendeiner Form zu bewegen oder ihn gar zu fesseln. Hermione schuf aus dem Nichts einen weiteren Stuhl, der neben dem Kettenstuhl erschien. Sie setzte sich und schlug die Beine übereinander. Minerva McGonagalls Augen blitzten für einen Moment auf und sie konnte ein stolzes, erfolgssicheres Lächeln über das selbstbewusste Auftreten ihrer Lieblingsschülerin nur mit Mühe verbergen.

Tiberius Ogden stand nun auf und ergriff das Wort. »Madame McGonagall, Sie waren während Voldemorts Terror-Herrschaft als Stellvertretende Schulleiterin und Professorin für Verwandlung an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei beschäftigt. Bitte erzählen Sie dem Zaubergamot, wie und wann es zu der Übernahme von Hogwarts kam.«

»Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen, wenn Sie gestatten …?«

»Ich bitte darum«, antwortete er mit einer angedeuteten Verbeugung.

Für eine kurze Zeit hielt Minerva inne, um ihre Gedanken zu sammeln und einen weiteren Blick zu Hermione hinüberzuwerfen. »In den Abendstunden des 01. August 1997 — in etwa zu der selben Uhrzeit, als Rufus Scrimgeour und damit das Ministerium fiel — drang Severus unbemerkt in das Schloss ein und überrumpelte mich in meinem Büro«, erinnerte sie sich. »Er war überrascht, mich dort vorzufinden — genauso überrascht wie ich, dass er die Dreistigkeit besaß, in Hogwarts aufzutauchen. Nachdem er mich mit zwei blitzschnellen Flüchen außer Gefecht gesetzt hatte, konnte ich miterleben, wie er beinahe verzweifelt versuchte, das Portrait von Albus Dumbledore aufzuwecken, das immer noch in seinem gemalten Sessel schlief.«

»Er wollte mit Albus Dumbledore sprechen? Sind Sie sich sicher?«, erkundigte sich Ogden fassungslos, als ob er nicht glauben könne, was er hörte. »Das ist doch wohl …«

»Ja«, unterbrach ihn die Stellvertretende Schulleiterin brüsk, bevor er sich zu einer Aussage hinreißen lassen würde, die seinem aufgebrachten Tonfall entsprach und die er später vielleicht bereuen könnte. »Obwohl ich kein Wort verstehen konnte, weil er einen Susurratum-Zauber benutzt hat, der seine Worte zu einem Flüstern dämpfte.«

»Dann hat Albus Dumbledore also wirklich mit ihm geredet? Mit seinem Mörder?«, fragte er nochmals ungläubig nach. Und setzte nach einem kurzen Seitenblick auf den noch immer leeren Bilderrahmen tonlos hinzu: »Ich kann das kaum glauben.«

»Das Portrait ist nicht erwacht«, informierte ihn Minerva spitz.

»Oh, ich dachte …«

»Schulleiter Snape hat es eine ganze Weile versucht, aber Albus wollte nicht mit ihm sprechen — oder vielleicht konnte er es auch nicht. Allerdings geschah danach etwas für mich damals Unerklärliches. Kurz bevor Severus enttäuscht das Büro verließ, machte er eine Bemerkung, die entschieden nach einer Warnung klang und die er mir so eindringlich einschärfte, als ginge es um sein Leben — oder um meins.«

Ogden beugte sich mit gerunzelter Stirn vor. »Wieso hätte er Sie warnen sollen?«

»Das war etwas, was ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht verstanden habe«, gab Minerva offen zu. »Und noch viel weniger, warum er mich nicht ebenfalls aus dem Weg geräumt hat. Es wäre eine erstklassige Gelegenheit gewesen. Und für mich war er schließlich nur ein Todesser, derjenige, der Albus Dumbledore kaltblütig ermordet hatte. Ich glaube nicht, dass für ihn daran auch nur der leiseste Zweifel bestand. Wieso sollte er also ausgerechnet mich warnen?«

»Das war die Frage, die ich Ihnen gerade gestellt hatte«, warf Ogden dazwischen.

»Sehen Sie … Ich höre ihn immer noch mit unglaublichem Nachdruck sagen: ‘Verlasse auf keinen Fall Hogwarts!’, bevor er den Lähmzauber löste und genauso schnell verschwand, wie er gekommen war. Damals konnte ich mir das absolut nicht erklären, doch heute …«

Nach einem kurzen Blick auf einen inzwischen ziemlich irritierten Ogden setzte sie hinzu: »Charity Burbage war einige Wochen zuvor spurlos verschwunden und der Tagesprophet hatte gemeldet, dass sie ihr Amt als Professor für Muggelkunde niedergelegt hätte. Es hätte mich stutzig machen müssen, da sie mich als Amtierende Schulleiterin vor den Ferien über diese Veränderung nicht unterrichtet hatte. Doch damals bin ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, die Dinge zu hinterfragen. Die Zeiten waren allgemein bereits unsicher genug und die Ereignisse um den Angriff der Todesser in Hogwarts und Albus Dumbledores Tod hatten die Sache endgültig aus dem Ruder laufen lassen.«

Ogdens Stirnrunzeln verstärkte sich. »Verständlich, aber …«

An dieser Stelle entschied sich Hermione instinktiv, eine Frage an Severus zu stellen, obwohl sie Ogden damit unterbrach. »Würden Sie dem Zaubergamot erklären, aus welchem Grund Sie sich dazu entschlossen haben, in Hogwarts einzudringen?«, bat sie Severus.

Auch Minerva blickte fragend zu Severus hinüber. »Ich verspürte einen enormen Druck von deiner Seite aus … Wieso bist du dieses Risiko eingegangen, Severus? Du hättest im Ministerium bei Voldemort sein müssen. Und bis heute stelle ich mir die Frage, warum mir dieser doch eigentlich offensichtliche Sachverhalt die ganze Zeit nicht bewusst geworden ist«, wandte sie sich mit einem fassungslosen Kopfschütteln an ihn.

Nach einem kurzen Seitenblick auf beide antwortete Severus leise: »Es war ein abwägbares Risiko.« Doch Verständnislosigkeit in den Gesichtern der Menschen bewog ihn dazu, seine Bekundung weiter auszuführen. »Unter den Masken und in den Todesser-Roben waren und sind einzelne Todesser kaum von einander zu unterscheiden, ganz abgesehen von dem Chaos, das während des Angriffs auf das Ministerium herrschte — für eine Stunde zu verschwinden war deshalb nicht ganz so problematisch. Jeder andere Zeitpunkt wäre weitaus riskanter, wenn nicht gar selbstmörderisch gewesen.«

»Ganz im Gegenteil, es war ein großes Risiko«, beharrte Hermione.

»Viel gefährlicher für mich war deine Reaktion, Minerva«, wandte er sich an seine Kollegin. »Ich hatte nicht erwartet, jemanden in Albus’ Büro anzutreffen. Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass du gerade an der Hochzeitsfeier im Fuchsbau teilnimmst. Als ich dir wider Erwarten plötzlich gegenüberstand, musste ich mich auf den Überraschungsmoment verlassen und deine Gegenwehr im Keim ersticken. Ich war extrem erleichtert, dass ich in der Lage war, dich binnen kurzem außer Gefecht zu setzen. Mein einziges Bestreben zu diesem Zeitpunkt lag darin, mit Albus die neue Konstellation zu besprechen und euch eine Nachricht zukommen zu lassen, die durch den Blutigen Baron übermittelt werden sollte, ohne deren Herkunft preiszugeben.«

»Du hättest uns eine Eule …« Minerva hielt abrupt inne, als sie die Absurdität ihrer Bemerkung begriff. Severus’ spöttisches Lächeln, das sie daraufhin traf, hatte sie verdient, wie sie wusste.

»Glaube mir, wenn es mir möglich gewesen wäre, nur eine Eule zu schicken, um euch alle zu warnen, hätte ich diesen Weg sicherlich bevorzugt. Da diese Option jedoch ausschied UND deine Anwesenheit in Albus’ Büro für mich nicht vorauszusehen war … Ich hatte keine andere Wahl, als dich zu überwältigen …«

»Das ist dir dann auch bravourös gelungen, Severus«, meinte Minerva bei der Erinnerung daran erneut innerlich erschauernd. »Mit einem auf dich gerichteten Zauberstab — wobei du deinen eigenen gerade durch einen Expelliarmus an einen Mann verloren hast, den du für einen eiskalten Mörder hältst — und durch einen Impedimenta gelähmt bist du nicht mehr in der Lage, vernünftig zu denken oder gar die richtigen Zusammenhänge herzustellen.«

»Aha. damit erübrigt sich die Frage, warum Sie ihn nicht überwältigt oder getötet haben«, stellte Ogden fest.

»Hmpf«, schnaubte sie leise. »Ich hatte nicht die geringste Chance dazu. Er verschwand genauso schnell, wie er gekommen war und kehrte erst am 31. August 1997 in Begleitung von Alecto und Amycus Carrow zurück, nachdem er von Voldemort als Schulleiter eingesetzt worden war. Er stellte uns vor die Wahl, entweder die Schule sofort zu verlassen oder unter seiner Befehlsgewalt unsere alten Positionen wieder einzunehmen. Wir wurden unter enormen psychischen Druck gesetzt — nein, das ist so nicht ganz richtig — wir haben uns diesen Druck selbst geschaffen.«

»Was meinen Sie damit, Professor?«, fragte Ogden erstaunt.

Minerva sah ihn mit einem traurigen Lächeln an. »Nun … Wie Sie sich sicher vorstellen können … Einerseits hatten wir berechtigte Angst um unsere eigenen Familien und Freunde, andererseits wollten wir aber auch die uns anvertrauten Kinder vor Severus und den beiden Todesser-Geschwistern beschützen. Allein die Vorstellung, was mit den Kindern geschehen könnte … Es brauchte nicht viel, um sich vor Augen zu führen, welche dramatischen Auswirkungen eine Flucht der Lehrkräfte auf die Schüler und Schülerinnen haben würde. Doch uns war von vornherein klar, dass von diesem Tag an auch Hogwarts kein sicherer Hafen in der magischen Welt mehr sein würde, egal wie sehr wir uns darum bemühen würden.«

»Wie müssen wir uns die Lage in Hogwarts nach der Übernahme vorstellen, Professor?«, fragte Ogden.

»Sehr angespannt. Als erstes bekamen die Slytherins selbstverständlich Oberwasser …«

»Draco …!!!«, entfuhr es Hermione ungewollt, bevor sie sich selbst die Hand vor den Mund schlagen konnte. Nach einem schnellen Seitenblick auf Hermione schüttelte Severus beinahe unmerklich den Kopf, wie um sie daran zu hindern, den Reinblüter nochmals zu erwähnen.

»Ja … Draco — und seine Freunde.« Minerva McGonagall nickte bedauernd. »Wir haben zwar alles versucht, sie in ihre Schranken zu weisen, aber es gelang uns nicht, da wir keine merkliche Rückendeckung — egal durch wen — erhielten. Sie begannen, die Schüler aller anderen Häuser zu terrorisieren, sogar noch schlimmer als zu Zeiten von Dolores Umbridge.«

Sie sah, wie sich Ginny Weasley und auch ein paar andere Schüler, die sich unter den Zuschauern befanden, in der Erinnerung daran versteiften und sich ihre Gesichter verhärteten. Dieses letzte Jahr musste für sie alle ein Albtraum gewesen sein, der an niemandem von ihnen spurlos vorbeigegangen war. Doch es war an der Zeit, ein für allemal die Gespenster der Vergangenheit zu besiegen. Diese Anhörung war dafür die beste Möglichkeit.

»Und dann waren da noch die Carrows, die ohnehin Voldemorts Wertvorstellungen von reinem Blut in Hogwarts manifestieren sollten und dies auch mit brachialer Gewalt durchsetzten. Sie waren von Severus autorisiert worden, die Disziplinierung und Bestrafung der Schüler zu übernehmen und führten dabei ein unglaublich brutales Regime. Sämtliche Professoren von Hogwarts waren angewiesen, zu maßregelnde Schüler den Todesser-Geschwistern zu übergeben.«

»Sie durften selbst keine Strafen wie Nachsitzen oder Strafarbeiten verhängen?«, fragte Ogden ungläubig.

»Nein. Die beiden Todesser bedienten sich dafür derart drakonischer Strafen, dass dagegen sogar die Methoden der Züchtigung, die schon vor einem Vierteljahrhundert als zu brutal eingestuft worden waren und daraufhin verboten wurden, harmlos schienen. Schon lange vor Weihnachten entschieden wir anderen heimlich, nur noch in Ausnahmefällen überhaupt eine Meldung zu machen. Trotzdem gelang es uns nur bedingt, die Kinder zu schützen. Es gab so viele brutale Übergriffe auf die Schüler … so vieles, was wir nicht verhindern konnten … Selbst Filch, der immer dafür bekannt gewesen ist, ein Hardliner zu sein, wenn es um die Bestrafung von Schülern ging, stand eines Tages völlig außer Atem und zitternd vor mir.«

»Was ist geschehen?«

Minerva erschauerte im Nachhinein immer noch innerlich, wenn sie sich an diese Begebenheit erinnerte. »Er berichtete mir, dass Michael Corner, ein Siebtklässler aus Ravenclaw, versucht hatte, einen Erstklässler aus seinem Haus aus den Klauen der beiden Todesser zu befreien und dabei geschnappt wurde. Amycus Carrow befahl zur Abschreckung, dass die Bestrafung öffentlich erfolgen solle.«

»Öffentlich? Sie meinen doch nicht — vor allen Schülern und Schülerinnen von Hogwarts?«

»Doch, direkt vor dem Eingangsportal. Zu dem Zeitpunkt, als Argus Filch zu mir kam, hatten sie bereits mit der Bestrafung begonnen. Als ich dazu kam, lag Mister Corner bereits schreiend am Boden. Er wurde furchtbar gefoltert — zuerst nur mit dem Wabbelbein- und dem Flederwichtfluch, wobei sie zwischendurch auch eine neunschwänzige magische Katze benutzten und danach noch mit dem Cruciatus-Fluch, bis er halb wahnsinnig vor Schmerz war. Ich habe versucht einzugreifen, aber Severus hielt mich am Arm zurück. Viele gerade der jüngeren Kinder, die der Vollstreckung der Strafe beiwohnen mussten, weinten hemmungslos, und ich konnte absolut nichts tun.«

Noch jetzt war ihr das Grauen und die Empörung anzuhören und anzusehen. Für einen Moment hielt sie inne, bevor sie mehr zu sich selbst hinzusetzte: »Ein paar Tage nachdem die Carrows nach der Letzten Schlacht von Auroren festgenommen worden waren, fand ich im Büro von Amycus Carrow schriftliche Aufzeichnungen, in denen er jede einzelne Bestrafung in allen Einzelheiten festgehalten hatte. Es waren unzählige. Brutal. Grausam. Ohne Gnade. Er beschrieb detailliert jede seiner Foltermethoden. Es war einfach nur schrecklich.« Ihre Stimme klang leise und kummervoll.

»Wie verhielt sich Schulleiter Snape in dieser Situation?«

»Er muss erst nach mir gekommen sein. Ich sah ihn dann völlig regungslos mit verschränkten Armen neben mir auf der Treppe stehen. Damals glaubte ich, dass ihn das gebotene Schauspiel amüsieren würde. Nichts in seinem Gesichtsausdruck deutete darauf hin, dass er es abstoßend fand oder nicht billigen würde. Doch irgendetwas in seinen Augen war anders als sonst — irgendetwas, das ich nicht beschreiben kann.«

»Darf ich dazu etwas sagen?«, mischte sich eine junge Frau von der Zeugenbank ein.

Ogden war über die Unterbrechung alles andere als erfreut. »Sie können nicht einfach …?« Dann blieb sein Blick an den roten Haaren der jungen Frau hängen und er begann zu erahnen, dass er das einzige Weasley-Mädchen vor sich hatte.

»Ginny!!!«, zischte die Stimme von Molly Weasley wie zur Bestätigung seiner Vermutung in diesem Moment aufgebracht.

»Lass mich, Mum, ich weiß, was ich tue!«, ließ diese sich jedoch nicht beirren. »Mein Name ist Ginny Weasley, Schülerin in Hogwarts, und ich bin für heute ebenfalls als Zeugin in dieser Anhörung vor dem Zaubergamot geladen.«

»Miss Weasley, da Sie wissen, dass Sie nachher als Zeugin vernommen werden — hat es nicht bis dahin Zeit?« Ogden versuchte, nicht genervt zu klingen, hatte jedoch keinen großen Erfolg dabei.

»Sicher weiß ich das und nein, es hat keine Zeit!«, gab sie stoisch zurück.

»Nun gut, wenn Sie sich so sicher sind …«, sagte Ogden ergeben.

»Ich sah Professor Snape, wie er mit wallenden Roben aus der Eingangshalle ins Freie stürmte und abrupt mitten auf der Treppe verharrte. Für einen Moment habe ich geglaubt, er würde Carrow ins nächste Jahrtausend hexen, so wütend schien er zu sein. Ich habe ihn noch nie so außer sich erlebt. Aber dieses gesamte Mienenspiel dauerte nur ein oder zwei Sekunden, dann erschien wieder das übliche spöttische Lächeln in seinen Zügen. Damals hätte ich nicht einmal meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass ich das wirklich beobachtet habe, heute jedoch weiß ich, dass ich mich nicht getäuscht habe.«

»Ganz bestimmt nicht!«, erklang plötzlich eine junge männliche Stimme von den Zuschauerbänken. »Als ich zu mir kam …«

»Jetzt reicht es! Dies ist eine Anhörung vor dem Zaubergamot und kein Schmierentheater! Sie können sich nicht ohne aufgerufen worden zu sein hier einmischen«, donnerte Ogden. »Was erlauben Sie sich!« Er hatte ganz offensichtlich die Befürchtung, dass diese Anhörung aus dem Ruder zu laufen begann.

»Ich bin Michael Corner, derjenige, von dem hier gerade gesprochen wird. Und ich bin nicht als Zeuge geladen worden. Also wann soll ich Ihrer Meinung nach dann etwas dazu sagen?«

Diese Anhörung schien plötzlich einen völlig anderen Verlauf zu nehmen als geplant oder normalerweise üblich. Ohne dass Ogden oder Goldstein etwas dagegen tun konnten, wurde sie zu einer lebhaften Diskussion zwischen den Zeugen, Zuschauern und dem Ankläger des Zaubergamots, etwas, das sich wahrscheinlich noch niemals zuvor in der Geschichte des Zaubergamots ereignet hatte. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt begriffen sowohl der Ankläger als auch der Vorsitzende des Zaubergamots, dass dies niemals wieder zu einer gewöhnlichen Anhörung werden würde und der Lauf der Ereignisse nicht mehr aufzuhalten war. Mit einem Aufseufzen, das einer Kapitulation gleichkam, fügte Ogden sich in das Schicksal. »Also gut, in Merlins Namen, sagen Sie, was Sie zu sagen haben.«

»Als ich mitten in der Nacht zu mir kam,« begann Michael von vorn, »stand Professor Snape am Fußende meines Bettes. Niemand sonst war im Krankenflügel, nicht einmal Madame Pomfrey. Er hatte nicht bemerkt, dass ich aufgewacht war, so dass ich ihn unter halbgeschlossenen Lidern beobachten konnte. Zwar lag sein Gesicht im Schatten, so dass ich den Ausdruck darin nicht erkennen konnte, aber seine Hände waren zu Fäusten geballt. Ich konnte ihn leise vor sich hinmurmeln hören …«

»Konntest du verstehen, was er gesagt hat?«, unterbrach ihn Hermione, von seiner Ausführung überrascht. Diese Information war für sie vollkommen neu und sie fragte sich, warum sie bei ihren Vorbereitungen auf die heutige Anhörung nicht auf den Gedanken gekommen war, dass Michael Corner vielleicht ein hilfreicher Zeuge sein würde. Doch woher hätte sie auch wissen sollen, dass er Wahrnehmungen gemacht hatte, die Severus durchaus entlasten konnten. Aber auch Severus hatte kein Wort davon erwähnt, was sie irgendwie traurig stimmte.

Michael runzelte die Stirn. »Es war Latein, Hermione, das weiß ich mit Bestimmtheit, allerdings habe ich die einzelnen Worte nicht verstehen können. Ich habe nur gemerkt, dass diese furchtbaren Schmerzen — Merlin, hast du jemals diese unsagbaren Schmerzen verspürt, Hermione, selbst jede noch so winzige Berührung bedeutet unvorstellbare Schmerzen in deinem gesamten Nervensystem — von den Cruciatus-Flüchen auf wundersame Art nachließen.« Er erwartete keine Antwort darauf, doch als sie dennoch kam, konnte er den Horror in seinem Gesicht nicht verbergen.

Furchtbare Erinnerungen stiegen in diesem Moment in Hermione auf, Erinnerungen an ein Anwesen mit dem Namen ‘Malfoy Manor’, die sie am liebsten für immer vergessen würde. »Oh ja, ich weiß genau von was du sprichst, Michael«, entfuhr es ihr ungewollt und leise, doch nicht leise genug. Entsetztes Gemurmel in den Reihen der Anwesenden machte deutlich, dass ihre Bemerkung keineswegs untergegangen war. Obwohl nicht viele Menschen hier die Auswirkungen eines Cruciatus aus eigenem Erleben kannten, so wussten doch alle, dass die Verwendung dieses Fluches nicht umsonst unter schwere Strafe gestellt war. Severus sah, wie ein Mann wie Madoc Rogers gequält die Augen schloss.

Michael Corner nickte nur wissend. Doch er war mit seiner Aussage noch nicht fertig. »Kurz bevor Schulleiter Snape den Krankenflügel verließ, hörte ich, wie seine geschlossene Faust gegen die Wand knallte und er ein gequältes »Nein! Nicht das! Nicht so!« hervorstieß. Es klang so betroffen, so niedergeschlagen, beinahe gebrochen. Ich habe das damals nicht verstanden … habe meine Zweifel gehabt über das, was ich hörte und sah …«

»Ich kam zu spät, um noch irgendetwas verhindern zu können, Mister Corner. Um meine Aufgabe nicht zu gefährden und meine Tarnung nicht auffliegen zu lassen, hatte ich keine andere Wahl, als die Carrows gewähren zu lassen. Mir ist bewusst, was Ihnen widerfahren ist, doch damals konnte ich nicht anders handeln oder es gar verhindern. Es war ein Balanceakt … ein entsetzlicher Balanceakt, der auf Kosten Ihrer Unversehrtheit ging.«

Nur den wenigsten Menschen in diesem Gerichtssaal war in diesem Moment bewusst, dass dies Severus Snapes Bemühung war, sich auf seine Art und Weise zu entschuldigen. Die Wenigen, die es erkannten, waren darüber ziemlich überrascht, denn ein Severus Snape entschuldigte sich normalerweise nicht.

»Nach dieser unseligen Episode gab ich den Carrows den Befehl, jede Bestrafung von Schülern, die außerhalb des Unterrichts erfolgen sollte, zuvor von mir genehmigen zu lassen. Damit hatte ich dann die Möglichkeit, körperliche Strafen durch Unverzeihliche Flüche, Peitschen und ähnliches in relativ harmlose Dinge umzuwandeln«, erklärte Severus.

Er hob die Hand, als ein vielstimmiges — und zum Teil nicht eben zustimmendes — Gemurmel einsetzte. »Ich weiß, das Wort ‘relativ’ ist abhängig vom jeweiligen Standpunkt, aber mir waren in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden. Trotzdem habe ich alles in meiner Macht stehende getan, um die Schüler so gut wie möglich zu schützen«, setzte er hinzu.

Zacharias Goldstein hatte die ganze Zeit schweigend zugehört, wie es auch seiner Aufgabe als Vorsitzender des Zaubergamots entsprach. Doch jetzt betrachtete er Severus eindringlich, so unerbittlich, als ob er versuchen würde, in die Gedanken des Schulleiters einzudringen. Er räusperte sich.

»Da wir seit der Schlacht in Hogwarts und ganz besonders in den letzten Wochen von der schreibenden Zunft nur so überhäuft wurden mit der Berichterstattung über einen Mann, der angeblich zu den Rettern der magischen Welt zählt, sind die bisher hier geäußerten Tatsachen nicht gerade dafür sprechend, dass diese Berichterstattung auch der Wahrheit entspricht«, konnte er es sich nicht verkneifen, seine Meinung zu äußern.

Hermione war nicht die Einzige, die zutiefst erbost auffuhr. Ihr lautes »Einspruch! Es steht Ihnen nicht zu …« ging fast gänzlich in den lauten Unmutsäußerungen der Zuschauer und auch eines Teils seiner Kollegen unter.

Wieder fühlte sich Kingsley Shacklebolt genötigt einzugreifen. Nach einem missbilligenden Blick auf Goldstein versuchte er, die Ruhe im Gerichtssaal wiederherzustellen.»Ich denke, das war unnötig, Zacharias. Es tut mir leid und ich kann mich nur in aller Form für diese Worte entschuldigen.« Dieses Mal dauerte es entschieden länger, bis Ruhe einkehrte.

»Gab es denn keine Möglichkeit, auf den Schulleiter Einfluss zu nehmen?«, setzte Ogden dann seine Befragung von Professor McGonagall fort.

»Obwohl ich Stellvertretende Schulleiterin war, hatte ich das gesamte Jahr über wenig Kontakt zu Severus. Mir fehlten die Berührungspunkte und wenn ich ehrlich bin, habe ich versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Er hat sich nicht mit einem Wort oder auch nur einer Geste verraten. Sein Büro durfte von niemandem betreten werden, obwohl es eigentlich üblich gewesen wäre, dass jedes Mitglied des Lehrkörpers ungehinderten Zutritt haben sollte. Aus diesem Grund konnte ich auch nicht mit Albus Dumbledore Kontakt aufnehmen. Vielleicht hätte ich dann die Fehler, die ich begangen habe, vermeiden können.«

»Fehler? Welche Fehler meinen Sie?«, fragte Ogden überrascht.

»Du hast keine Fehler gemacht, Minerva. Wann glaubst du mir das endlich!?« Severus konnte sich nicht zurückhalten.

Professor McGonagall seufzte auf. »Oh doch! Ich hätte dir vertrauen müssen, Severus, ich hätte sehen müssen, dass du alles tust, um die Kinder zu schützen. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum Albus mich nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Hätte er es getan, wäre es uns gemeinsam sicherlich möglich gewesen, verschiedene Dinge abzuwenden. Doch er hat es aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, nicht getan.«

Severus klang verdrossen. »Ich habe dir schon mehrfach erklärt, dass er sowohl dich als auch mich schützen wollte, Minerva. Deine Reaktionen mussten echt aussehen. Du bist keine besonders gute Schauspielerin, und das wusste er. Stell’ dir vor, was geschehen wäre, wenn unser Plan für Hogwarts gescheitert wäre, weil ich meine Doppelrolle nicht hätte weiterführen können.«

Minerva nickte versonnen. »Ja, ich weiß â€¦ es hätte sicherlich weitaus schlimmer für Hogwarts und seine Schüler kommen können. Trotzdem, so habe ich dich völlig falsch eingeschätzt, habe dir Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo ich dich eigentlich hätte unterstützen müssen.«

Ogden blickte nachdenklich zwischen den beiden hin und her. »Ich denke, wir haben genug gehört. Wenn der Zaubergamot damit einverstanden ist, würde ich gern die Vernehmung von Madame McGonagall beenden. Haben Sie Ihrer Aussage noch irgendetwas hinzuzufügen?«

»Nein, es ist alles gesagt worden.« Minerva McGonagall schüttelte leicht den Kopf.

»Dann danke ich Ihnen für Ihre Aussage und möchte jetzt Miss Weasley in den Zeugenstand bitten.«

Professor McGonagall erhob sich und setzte sich nun neben Severus, nachdem Hermione ihren Platz verlassen hatte. Ginny dagegen warf Harry noch einen flüchtigen Blick zu, bevor sie zum Zeugenstand ging und dann ihre volle Aufmerksamkeit dem Ankläger, Tiberius Ogden, zuwandte.

»Ihr Name ist Ginevra Molly Weasley, wie wir vorhin bereits erfahren haben. Sie wurden als Zeugin vor den Zaubergamot geladen, um die Vorkommnisse in der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei während Voldemorts Terror-Herrschaft aus der Sicht der Schülerschaft zu schildern.« Ogden lehnte sich in seinem Hohen Stuhl zurück.

»Es war ein einziger Albtraum«, begann Ginny leise. »All meine muggelgeborenen Freunde durften nicht nach Hogwarts zurückkehren; sie mussten sich in irgendwelchen Verstecken verkriechen oder waren auf der Flucht. Wir anderen wurden regelrecht gezwungen, nach Hogwarts zurückzukehren. Gleich zu Beginn des Schuljahres begannen wir deshalb, unseren internen Widerstand zu organisieren.«

Ogden zog fragend eine Augenbraue nach oben. »Widerstand? Wie sah dieser Widerstand aus?«

»Neville Longbottom und ich ließen Dumbledores Armee wiederaufleben und alle verbliebenen Mitglieder schlossen sich dem Kampf gegen den Schulleiter und seine Todesser-Professoren an. Neville leitete unseren Widerstand, er war derjenige, der uns Hoffnung und Mut gab. Jeder von uns hat versucht, so gut wie möglich gerade die Jüngeren zu schützen und alles zu sabotieren, was der Schulleiter, die Todesser und die Slytherins taten.«

»Sie haben sich selbst damit in große Gefahr begeben«, gab Tiberius Ogden sehr ernst zu bedenken.

Ginny nickte nur. »Sicher, aber Harry, Hermione und mein Bruder Ron sind freiwillig ein viel größeres Risiko eingegangen. Und wir wollten ihnen helfen, soweit es uns von Hogwarts aus möglich war. Das war auch der Grund dafür, warum wir, das heißt einige Mitglieder von Dumbledores Armee, im Dezember in das Büro des Schulleiters eingebrochen sind, um Gryffindors Schwert zu stehlen und es auf irgendeine Art und Weise Harry zuzuspielen.«

Ogden hielt es nicht mehr auf seinem Hohen Stuhl. »Sie haben was getan?«, fuhr er vollkommen fassungslos auf. »Weshalb sollten Sie eine derartige Dummheit begehen? Entschuldigen Sie, aber ich habe keine andere Bezeichnung für eine solche Aktion.« Er konnte innerlich über so viel jugendliche Naivität nur den Kopf schütteln.

»Ich weiß, es war eine blöde Idee — Entschuldigung — aber wir wollten unseren Teil dazu beitragen, um V-Voldemort zu stürzen«, gab sie zerknirscht zu. »Niemand von uns hat damit gerechnet, erwischt zu werden und glauben Sie mir, es war der absolute Horror für jeden von uns, als wir ausgerechnet von Professor Snape überrascht wurden.«

»Schulleiter Snape hat Sie in seinem Büro aufgegriffen?« Vollkommen entsetzt verließ Tiberius Ogden seinen Platz und näherte sich dem Zeugenstuhl. »Nach dem, was Madame McGonagall vorhin ausgesagt hat, mussten Sie doch damit rechnen, eine extrem schwere Bestrafung zu erhalten.«

»Allerdings, und wir hatten panische Angst — aber es kam völlig anders. Er hat uns entsetzlich niedergemacht — mit diesem öligen, ironischen Tonfall, den ich schon immer so gehasst habe. Als wären wir irgendwelches ekelerregendes Getier, das er am besten unter der Sohle seiner Drachenlederstiefel zerquetschen sollte.« Noch in der Erinnerung daran lief es ihr kalt über den Rücken.

Doch dann wandte sie sich direkt an Severus Snape. »Ich hatte bisher keine Chance, Sie zu fragen, Professor, aber nach dieser schrecklichen Sache mit Michael habe ich nie verstanden, wieso wir — Neville, Luna und ich — für unseren Einbruch in Ihr Büro nur mit einem ‘Ausflug’ in den Verbotenen Wald bestraft wurden. Die Carrows müssen doch mit Sicherheit darauf gedrängt haben, uns nach allen Regeln der Kunst durch — wie sagen die Muggel immer dazu, Dad?«, wandte sie sich an ihren Vater, der neben Madoc Rogers saß.

Mister Weasley sah wohlwollend auf seine Tochter. »Durch die Mangel drehen«, half er mit stolzgeschwellter Brust aus.

»Ja, genau das meinte ich — uns nach allen Regeln der Kunst durch die Mangel zu drehen, um uns nicht nur zu bestrafen, sondern ein für allemal unseren Willen zum weiteren Widerstand zu brechen.«

»Die Carrows haben nichts davon erfahren, zumindest nicht bis kurz vor den Weihnachtsferien«, antwortete Severus leise. »Schon gar nicht über den Zweck Ihres Einbruchs. Leider waren einige Mitglieder von Dumbledores Armee nicht in der Lage, ein Geheimnis zu bewahren.«

»Soll das heißen … Sie haben nicht …?«

Severus schüttelte verneinend den Kopf. »Halten Sie mich für einen potentiellen Selbstmörder, Miss Weasley? Die Wände dieses alten Schlosses hatten zu allen Zeiten Ohren, allerdings ganz besonders in jenen Tagen. Sie waren doch dabei, als das Inquisitionskommando wieder eingeführt wurde. Und die Slytherins lagen überall auf der Lauer.«

Minerva McGonagall hatte bisher geschwiegen. Jetzt jedoch kam ein Thema zur Sprache, bei dem Severus sich selbst am Grimmauldplatz geweigert hatte, darüber irgendwelche Angaben zu machen. »Was ist hinter den verschlossenen Türen deines Büros abgelaufen, Severus?«, fragte sie bestimmt.

Es war für jeden im Gerichtssahl Zehn offensichtlich, dass Severus Snape nur äußerst ungern darüber sprechen wollte. Sie konnten sehen, wie es in ihm arbeitete, bevor er sich zu seinen nächsten Worten durchrang. »Zwei Tage vor den Weihnachtsferien erschien Amycus Carrow in meinem Büro. Es kam zu einer sehr heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf ich gezwungen war, meine gesamte Autorität als Schulleiter — welche Farce! — und rechte Hand des Dunk— Voldemorts in die Waagschale zu werfen.«

»Oh Severus!« Minervas Stimme war nur ein Flüstern und klang trotzdem betroffen und mitfühlend, da sie ahnte, worauf die Sache hinauslief.

Doch Severus warf ihr nur einen Blick zu, der ihr sagte, dass er ihr Mitleid weder wollte noch verdiente. »Er war der Meinung, mich zuerst provozieren und dann angreifen zu müssen. Um seiner Herr zu werden blieb mir zum Schluss nichts anderes übrig, als ihn mit mehreren Cruciatus-Flüchen in seine Schranken zu weisen, um ihm zu zeigen, wer in dieser Schule das Sagen hat und warum Voldemort mich als Schulleiter eingesetzt hat. Die ganze Situation hätte für uns alle in einer schrecklichen Katastrophe enden können, es hätte beinahe alles zerstört, wofür wir all die Jahre unter Einsatz unseres Lebens gekämpft haben.«

Ginny sah betreten zu Boden. »Das war allein unsere Schuld!«, flüsterte sie beschämt.

»Es ist vorbei, Miss Weasley! Und wir alle hatten sehr viel Glück dabei.« Severus klang beinahe tröstend.

Doch Severus hatte einen Teil der Geschehnisse verschwiegen, Dinge, die niemand wissen musste, schon gar nicht Ginevra Weasley und ihre Freunde. Diese ganze Angelegenheit war nicht nur für die Kinder zu einem Horrortrip geworden, sondern auch für ihn. Amycus Carrow hatte auf Rache gesonnen und seine Zeit war gekommen, als Voldemort nach dem Beginn der Weihnachtsferien ein Todessertreffen auf Malfoy Manor einberief. War Severus bis dahin auf einem schmalen Grat gewandelt, so musste er sich nun wie auf rohen Ashwinder-Eiern bewegen. Letzten Endes war er von einem äußerst wütenden Dunklen Lord mit der Peitsche der Carrows dafür bestraft worden, die Kinder nicht hart genug gestraft zu haben.

Tiberius Ogden drehte sich in diesem Moment zu den Mitgliedern des Zaubergamots herum. »Ich glaube, wir können auf eine weitere Aussage von Miss Weasley verzichten. Ich würde gern den Kriegshelden Harry Potter als nächsten Zeugen vernehmen.« Zacharias Goldstein nickte bedächtig.

Harry stand mit gesenktem Kopf auf und tauschte seinen Platz mit Ginny. Für ihn war es schrecklich, immer mit diesem Kriegshelden-Status bedacht zu werden, da er sich nicht wirklich als Held fühlte. Er hatte getan, was getan werden musste, nicht mehr und nicht weniger. Und er hatte sich von vornherein fest vorgenommen, seine Aussage so kurz wie irgend möglich zu halten.

»Mister Potter, erst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben …« begann er, kaum dass Harry sich gesetzt hatte.

Einen Moment hatte Harry das übermächtige Bedürfnis, ungehalten die Augen zu verdrehen. »Ich bin hier, weil ich — wie jeder andere von uns — als Zeuge geladen wurde«, unterbrach er Ogden gereizt. »Abgesehen davon wäre ich auch ohne eine persönliche Ladung hierher gekommen, da ich mich dafür verantwortlich fühle, demjenigen mit meiner Aussage zu helfen, der der Protagonist, die wirkliche Schlüsselfigur, dieser Geschichte ist.«

Hatten die meisten Anwesenden im ersten Moment bei Harrys ziemlich arrogantem Auftreten Ogden gegenüber entsetzt aufgekeucht, so lösten seine letzten Worte einen regelrechten Beifallssturm aus. Nur mit Mühe konnte Zacharias Goldstein die Ruhe wiederherstellen.

Tiberius Ogden wandte sich nun mit immer noch ziemlich verkniffenem Gesichtsausdruck an Harry. »Das sind große Töne, Mister Potter. Vielleicht sollten Sie uns an Ihrem Wissen teilhaben lassen.« Auch an seinen harschen Worten merkte man, dass und wie sehr er sich über ihn ärgerte.

Harry allerdings war unbeeindruckt. »Aufgrund Ihres bisherigen Verhaltens Professor Snape gegenüber, Mister Ogden, das für mich ganz offensichtlich die Einstellung des Ministeriums widerspiegelt, dürften Sie mir kaum übelnehmen, dass ich keine der vielgepriesenen positiven Veränderungen in dieser Behörde erkennen kann, die man uns nach dem Sturz Voldemorts versprochen hat. Gerade deshalb sehe mich gezwungen, meinem Unmut Ausdruck zu verleihen, dass es überhaupt zu dieser Anhörung gekommen ist.«

»Mister Potter …?!!!«

Doch Harry ließ sich nicht beirren. »Es ist etwas mehr als zweieinhalb Jahre her, dass ich das erste Mal in der magischen Welt als Lügner denunziert wurde, weil ich entgegen den Instruktionen des Ministeriums weiterhin erklärt habe, dass Voldemort zurückgekehrt ist und seine alte Macht anstrebt. Ich musste mich damals durch Dolores Umbridge, eine Frau, die noch bis heute Vormittag dem Zaubergamot angehörte, maßregeln lassen.«

Er stand auf und hob seine Hand hoch, so dass jeder sie sehen konnte. Auf seinem Handrücken waren deutlich sichtbar die Narben eingeritzt ‘Ich soll keine Lügen erzählen!’. Ein Raunen ging durch die Menge, als Harry nun das zeigte, was vorher nur Ogden gesehen hatte, und selbst Goldstein konnte ein entsetztes Aufkeuchen bei diesem Anblick nicht verhindern. Dieses Mal war es Harry, der mit erhobener Hand um Ruhe bat.

»Damals gewährte mir nur ein Mann in seiner Zeitung Gehör, Xenophilius Lovegood, der Herausgeber des Klitterers, der Einzige, der auch im letzten Jahr — unter Lebensgefahr für seine Tochter und ihn selbst — über die Manipulationen und Verbrechen Voldemorts und seiner Todesser zu berichten wagte, sieht man von Potterwatch ab. Und an diesen Mann und seine Tochter habe ich mich erneut gewandt, als ich einmal mehr ein Medium brauchte, das die Wahrheit auch abdruckt.«

Absolute Stille hatte sich ausgebreitet, es war, als wenn der gesamte Gerichtssaal den Atem anhielt. Selbst das Kratzen der Flotte-Schreibfedern auf den Pergamenten der Schreiberlinge war verstummt, so gebannt verfolgten die Anwesenden Harrys Worte.

»Ich hatte gehofft, dass meine Erklärungen im Klitterer eine Verhandlung oder auch nur eine Anhörung unnötig machen würden, da ich verhindern wollte, dass dieser Mann, ohne den ich niemals in der Lage gewesen wäre, Voldemort zu besiegen, einmal mehr in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, das er so sehr verabscheut. Leider ist mir dies nicht gelungen. Doch eines möchte ich ausdrücklich betonen: Es ist sein Verdienst, dass ich heute hier stehen kann, und glauben Sie mir, ich verdanke ihm nicht nur einmal mein Leben.«

Aus dem Augenwinkel sah Harry gerade noch, wie Professor Dumbledore in sein Portrait huschte. Er ergriff die Gelegenheit und setzte hinzu: »Da ich dem nichts hinzuzufügen habe, sollten Sie sich an Professor Dumbledore selbst wenden, wenn Sie irgendwelche weiteren Auskünfte zu der Rolle haben möchten, die Professor Snape während des Krieges gespielt hat. Er ist soeben in seinen Bilderrahmen zurückgekehrt.«

Ogden blickte in Gedanken versunken auf Harry. Er verspürte eine neue Hochachtung vor diesem jungen Mann, der gewagt hatte, offen an den geheiligten Fundamenten der magischen Welt zu rütteln. Ganz langsam siegte in ihm das Verstehen einer für ihn bisher unbegreiflichen Situation. Er schaute zu der jungen Frau mit den nur mühsam gebändigten wilden Haaren hinüber, die vorhin Severus Snapes rechtlicher Beistand gewesen war und nun immer noch mit verkrampften Händen auf der Zeugenbank saß. Zwei Drittel des Goldenen Trios — und beide Menschen kämpften mit allen verfügbaren Mitteln um die Zukunft eines Mannes, der in der magischen Gemeinschaft gefürchtet, wenn nicht gar verhasst war.

Es würde interessant sein zu hören, was der große Albus Dumbledore zu den von Kingsley Shacklebolt und den Zeugen gemachten Ausführungen zu sagen hatte. »Ich danke Ihnen, Mister Potter. Sie können wieder auf der Zeugenbank Platz nehmen«, entließ er Harry.



Fortsetzung folgt …


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