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Fanfiction

Coniunctio perpetua - Kapitel 25 — Das Tribunal (Part 3)

von Alea_Thoron

DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.

Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der es sich trotz seiner schweren Krankheit nicht nehmen ließ, mein erster Kritiker zu sein.


Coniunctio perpetua by Alea Thoron


Kapitel 25 — Das Tribunal (Part 3)

»Hiermit wird die Anhörung gegen den Schulleiter Severus Snape fortgesetzt«, erklärte Zacharias Goldstein mit offizieller Stimme. »Professor Dumbledore, ich danke Ihnen, dass Sie meiner Aufforderung gefolgt sind.«

Albus Dumbledores gemalte blaue Augen betrachteten Goldstein mit einem amüsierten Funkeln über die kleine Halbmondbrille auf seiner scharf gekrümmten Nase hinweg. »Nun, Sie haben mich bei einer Partie Zauberschach gegen meinen alten Freund Nicolas Flamel unterbrochen. Obwohl — wenn ich ehrlich sein soll, haben Sie mir einen guten Dienst erwiesen, da ich gerade dabei war, meine letzte Tüte Zitronenbonbons an ihn zu verlieren, also machen Sie sich keine Sorgen.« Dumbledore setzte sich bedächtig in den Sessel in seinem Portrait, putzte dann ein imaginäres Stäubchen von seiner Robe und sah sich eingehend in seiner neuen Umgebung um.

»Ich freue mich, dass ich behilflich sein konnte«, murmelte Goldstein spöttisch. »Damit übergebe ich das Wort wieder an Mister Ogden, den Ankläger«, sagte er dann laut.

»Schulleiter Dumbledore«, begrüßte Tiberius Ogden ihn. »Es tut mir leid, dass ich Sie in Ihrer wohlverdienten Ruhe stören muss, aber unser Amtierender Zaubereiminister, Kingsley Shacklebolt, hat beantragt, Sie als Zeugen vor dem Zaubergamot in der Anhörung gegen Severus Snape zuzulassen. Diesem Antrag wurde stattgegeben.«

»Nun, ich hatte gehofft, dass es niemals so weit kommen würde«, seufzte Dumbledore. »Aber es ist wohl an der Zeit, die Geschehnisse um Voldemort offenzulegen. Ich bin bereit, Ihre Fragen zu beantworten.« Seine Augen blickten nun ernst.

Ogden klang immer noch leicht verschnupft, obwohl er offensichtlich versuchte, dies zu unterdrücken. »Wir haben in den letzten Stunden mehrere Zeugenaussagen gehört, darunter auch die von Mister Potter. Es ist für meine Person dabei eine Frage offengeblieben, die ich, bevor ich mit meinem bereits vorhandenen Fragenkatalog beginne, den ich in den letzten Stunden erstellt habe, klären möchte.«

In Dumbledores gemalte Augen kehrte für einen Augenblick das gewohnte Zwinkern zurück, während sie erst über die Menge schweiften und dann über einzelne Personen in der unteren Sitzreihe wanderten. »Ah — ja. Sie brauchen sie nicht auszusprechen. Ich vermute, Sie waren ein wenig … überrascht über die Tatsache, dass der Retter der Zaubererwelt nicht mehr der kleine, umgängliche Junge-der-überlebte ist? Und auch darüber, dass verschiedene Zeugen für Severus Snape Partei ergriffen haben?«

»Es war … unvorhersehbar.« Der Ankläger hatte Mühe, die richtige Wortwahl zu treffen.

»Das bezweifle ich. Dort drüben auf der Zeugenbank und hier auf dem Stuhl des Angeklagten sitzen Menschen, die unvorstellbar Grausames erlebt und durchlitten haben. Sie sind durch die Hölle gegangen. Doch nur einer von ihnen hatte keine andere Wahl, als die ihm schon als Kleinkind aufgebürdete Aufgabe — Voldemort zu vernichten — anzunehmen, weil die magische Gemeinschaft es von ihm erwartete, weil dies über seinen Kopf hinweg von uns allen zu seinem Schicksal bestimmt worden war. Drei andere Menschen stellten sich an seine Seite, weil für sie echte Freundschaft und Loyalität von größerer Bedeutung waren und sind als die — ganz sicher reale — Gefahr für ihr eigenes Leben.« Dumbledores Augen blickten Ogden jetzt direkt an.

»Nun, ja, aber …«

»Sie müssen sich endlich von der Vorstellung verabschieden, dass Mister Potter oder irgendjemand, der ihm nahesteht, gegen das Zaubereiministerium arbeitet. Diese jungen Leute mögen jung an Jahren sein, aber sie wissen genau, wofür sie einstehen. Und sie haben jedes Recht dazu, ihre eigene Meinung zu vertreten. Wenn sie Schulleiter Snape heute entlasten, dann haben sie sicher sehr gute Gründe dafür, Gründe, die Sie wahrscheinlich bisher nicht kennen, die ich jedoch bereit bin, mit meiner heutigen Aussage offenzulegen.«

Ogden war für einen Moment vollkommen perplex, bevor er sich zusammenriss und kurz auf das Pergament in seiner Hand sah. »Dann ist es also zutreffend, dass Sie noch in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1995 Severus Snape in den Inneren Zirkel Voldemorts zurückgeschickt haben, dass diese Rückkehr auf Ihren Wunsch hin geschah?« Er schaute auf.

Dumbledore nickte. »Ja, das ist korrekt. Severus Snape ist auf meinen Wunsch hin zu Voldemort zurückgekehrt.«

»Sie haben nach dem Verschwinden Voldemorts in der damaligen Verhandlung vor dem Zaubergamot am 29.12.1981 ausgesagt, dass Professor Snape für den Orden als Spion gearbeitet hat. Mussten Sie nicht davon ausgehen, dass irgendjemand der Todesser Voldemort darüber informiert hat, so dass sein Leben in Gefahr sein würde?«

»Ihm und mir war von Anfang an bewusst, dass er bei einer Rückkehr sowohl seine Gesundheit als auch sein Leben riskieren würde. Als er an diesem Sonntag Vormittag nach Hogwarts zurückkam …«

»Nein, Albus, bitte nicht!«, fiel ihm Severus beschwörend ins Wort.

»Doch, Severus. Auch das muss endlich zur Sprache kommen. Es wird Zeit, dass die Öffentlichkeit erfährt, was du all die Jahre freiwillig auf dich genommen und ertragen hast.« Dumbledore blickte ihn väterlich an.

»Das geht niemanden etwas an!«, zischte Severus ungehalten.

Bei Hermione rasselten in diesem Moment sämtliche Alarmglocken. In den letzten Wochen hatte sie gelernt, trotz seiner zur Schau getragenen Maske sowohl in Severus’ Gesicht als auch in seiner Körpersprache zu lesen. Nun sah sie dort Besorgnis und Verlegenheit, etwas, worauf sie sich keinen Reim machen konnte. Was konnte so schlimm sein …

»In diesem Punkt irrst du dich«, sagte Albus leise, aber bestimmt, und wandte sich wieder an Ogden. »Severus kam am Sonntag Mittag nach Hogwarts zurück. Voldemort hatte keinen Hehl aus seinem Unmut darüber gemacht, dass sein strategisch bestplatzierter Todesser mit zwei Stunden Verspätung und erst nachdem Harry entkommen war an seine Seite zurückkehrte. Die Konsequenzen dafür waren schrecklich. Als er damals zurückkam — nein, zurückkroch — war sein Oberkörper nicht nur voller Striemen und sein gesamter Körper von mehreren Runden Cruciatus gezeichnet, sondern …«

»NEIN!!!«, ließ ein Aufschrei Dumbledore verstummen. Severus war aufgesprungen. »Hör’ auf!!! Hör’ bitte auf!« Die letzten Worte kamen nur noch als ein flehendes Flüstern heraus.

Hermione zuckte — wie viele andere im Saal — bei seinem Aufschrei erschrocken zusammen. Sie hatte mit vor Entsetzen geweiteten Augen Dumbledores Bericht über jenen Tag gelauscht. Noch wie heute erinnerte sie sich an die Nacht davor, als Dumbledore Severus Snape einen Auftrag erteilt hatte. Keinem der damals im Krankenflügel von Hogwarts Anwesenden war es zu diesem Zeitpunkt möglich gewesen, die Art oder gar die Tragweite dieses Auftrages zu erkennen. Doch so seltsam es auch klang, weitaus mehr war Hermione der Ausdruck in Severus’ Augen in jener Nacht in Erinnerung geblieben: Während seine Züge vollkommen unbewegt geblieben waren, hatte sie in seinen Augen Schmerz und Hoffnungslosigkeit zu sehen geglaubt. Nun verstand sie — wenigstens zum Teil — warum. Er hatte gewusst, was ihn erwarten würde.

Bis zu dieser abrupten Unterbrechung hatte sie die gesamte Zeit argwöhnisch und zunehmend besorgt Severus und seine instinktiven Reaktionen auf Dumbledores Worte beobachtet. Das leichte Zittern war unübersehbar, das seinen gesamten Körper durchlief. Er hatte, als der gemalte Dumbledore zu sprechen begann, qualvoll die Augen geschlossen; seine Finger waren dermaßen ineinander verkrampft, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Jetzt jedoch war für sie keinerlei Zweifel mehr vorhanden, dass viel mehr in jener Nacht geschehen sein musste, Dinge, von denen er nicht wollte, dass sie an die Öffentlichkeit drangen — um keinen Preis. Erfahrungen, die zu schmerzhaft, zu intim waren, die niemanden etwas angingen. Und doch fragte sie sich, was noch schlimmer sein konnte als das, was Dumbledore eben berichtet hatte.

Sie hatte sich niemals irgendwelchen Illusionen hingegeben, wenn es darum ging, Voldemorts Perversionen als das zu betrachten, was sie waren — Perversionen. Zweifellos hatte er ebenso Spaß an sadistischem Quälen wie die Kommandos, die er durch das Land schickte, um Muggel und Muggelgeborene zu foltern oder auf grausame Weise abzuschlachten.

Hermione hatte sich niemals eingehend Gedanken darüber gemacht, wie Todesser-Treffen abliefen und was dort geschah. Vor ihrem geistigen Auge tauchte plötzlich das Bild auf, wie Severus nach der Letzten Schlacht vor ihr bewusstlos im Krankenflügel gelegen hatte. Sie sah erneut die vielen sich kreuzenden weißen Linien auf seinem Brustkorb vor sich, die davon zeugten, wie oft er irgendwelchen brutalen Flüchen ausgesetzt worden war. Dies war der Beweis dafür, dass Voldemort selbst vor seinen loyalsten Anhängern nicht Halt gemacht hatte. Ganz langsam verstand sie. Er fühlte sich durch das Geschehene über alle Maßen gedemütigt und erniedrigt. Und sie erkannte in diesem Moment eines ganz genau: Niemand, absolut niemand, sollte jemals erfahren, was Voldemort ihm in jener Nacht wirklich angetan hatte.

Hermione sah das Mitleid in Dumbledores gemalten Augen. Ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, stiegen der alte Groll und die Verärgerung über ihn erneut in ihr auf, die Bitternis, die sie in seinem Büro empfunden hatte. War es Gleichgültigkeit oder Gedankenlosigkeit, dass er Severus bis ins Innerste bloßstellte, oder war er einfach nur ehrlich versucht, der magischen Welt vor Augen zu halten, durch welche Qualen Severus wirklich gegangen war, um sie zu retten. Aber wenn dies so war, musste er von allen Menschen am Besten wissen, dass Severus eine solche Zurschaustellung niemals gewollt hatte, diese sogar fürchtete. Für einen Moment konnte sie Augenkontakt zu Severus herstellen. Was sie dort entdeckte, bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen.

Dumbledore schien endlich begriffen zu haben, dass er kurz davor gestanden hatte, zu weit zu gehen. Er blickte erneut auf Severus, der immer noch voller Beklemmung auf seine nächsten Worte wartete. »Sein Zustand war entsetzlich, glauben Sie mir«, sagte er mit einem besorgten Blick auf Severus abschließend.

Tiberius Ogden jedoch hatte nichts von diesem stummen Austausch wahrgenommen. »Wenn er für Sie — beziehungsweise für den Orden — als Spion gearbeitet hat …«

»Das hat er!«

»â€¦ woher haben Sie dann die Sicherheit genommen, dass Severus Snape wirklich auf Ihrer Seite steht und nicht in Wirklichkeit seine Spionagetätigkeit auch für Voldemort ausübt — als Doppelagent sozusagen?« Er blickte zweifelnd von Dumbledore zu Snape und wieder zurück.

Dumbledore schüttelte nachsichtig den Kopf. >Zu viele Zweifler und viel zu wenige Mitstreiter<, dachte er traurig. »Selbstverständlich musste Severus auch Informationen an Voldemort weitergeben, allerdings sind diese von mir ganz speziell dafür ausgesucht worden. Oftmals handelte es sich dabei um Andeutungen, Hinweise, an denen nur ein Körnchen Wahrheit war, manchmal waren es allerdings auch bewusst richtige Informationen, die Voldemort erhalten sollte, um es Severus zu ermöglichen, seine Position unter den Todessern und im Inneren Zirkel zu festigen und Voldemorts Vertrauen in ihn zu stärken. Nicht nur einmal war es der sprichwörtliche Tanz auf dem Drahtseil. Doch manchmal muss man auch Kompromisse eingehen. Die von Severus mitgebrachten Indizien und Auskünfte hingegen waren es jedoch wert. Und sie waren alle echt!«

»Das ist schwer zu glauben! Wie konnten Sie so sicher sein?«

»Ich war mir absolut sicher. Ich habe ihm immer vollkommen vertraut. Als Severus im April 1980 zu mir nach Hogwarts kam, um mich zu warnen, dass Voldemort auf der Jagd nach Lily Potter und ihrem Sohn war, und um mich zu bitten, nein, geradezu anzuflehen, beide vor Voldemort zu verbergen …«

Ogden hob die Hand. »Einen Moment, Professor Dumbledore. Vielleicht wäre es für uns alle nachvollziehbarer, wenn Sie von Anfang an erzählen würden … und …« Er erwog einen Moment, ob seine Entscheidung richtig war. »â€¦ Severus Snape zeitgleich mit Ihnen vernommen wird.« Er wandte sich nun direkt an Severus, der immer noch auf dem Stuhl des Angeklagten saß. »Schulleiter Snape, sind Sie bereit, uns gemeinsam mit Professor Dumbledore die nächsten Fragen zu beantworten?«

Severus hatte immer gehofft, dass es niemals so weit kommen würde, dass er gezwungen sein würde, sein persönliches Leben in der Öffentlichkeit auszubreiten. Viele Dinge waren so tief in seinem Inneren vergraben, so vertraulich, ja, intim, dass er sich nicht vorstellen konnte, sie zu irgendeinem Zeitpunkt mit irgendjemandem zu teilen — selbst nicht mit Hermione. Und ein großer Teil davon hing mit Albus Dumbledore zusammen. Und doch würde nun genau dieser Abschnitt seines Lebens von völlig Fremden unter die Lupe genommen. Dieser Tag heute würde all seine Kraft beanspruchen, dies alles hier würde ihm an die Substanz gehen. Jetzt, in diesem Moment, wünschte er sich nichts mehr, als dass Hermione ihn in der Heulenden Hütte hätte sterben lassen.

Er nickte nur schweigend, als er bemerkte, dass Ogden ihn immer noch fragend ansah.

Ogden betrachtete ihn forschend. »Bitte erklären Sie uns, wie Sie auf den Gedanken kamen, dass Voldemort Lily Potter und ihren Sohn töten wollte.«

Severus atmete tief durch. >Die Stunde der Wahrheit.< »Knapp zwei Wochen vor meinem achtzehnten Geburtstag, am 28.12.1977, wurde ich von Lucius Malfoy zu meinem ersten Todesser-Treffen mitgenommen. An diesem Tag nahm ich das Dunkle Mal«, begann er und allein die kurze Erinnerung an ‘sein erstes Mal’ ließ ihn erschauern, doch er unterdrückte die Regung.

»Es dauerte nicht lange, bis Voldemort meine Fähigkeiten als Tränkebrauer erkannte und sich zunutze machte, so dass ich sehr schnell in den Rängen aufstieg, bis ich am 12. August 1980 in den Inneren Zirkel aufgenommen wurde. Eine meiner weiteren Aufgaben bestand darin, für den Dunklen Lord in der Nähe von Hogwarts — in Professor Dumbledores Umfeld — als Spion zu arbeiten. Dafür hatte ich in Hogsmeade eine Stelle in der Apotheke angenommen. Ich trieb mich viel in Hogsmeade herum …«

»Sie sollten Professor Dumbledore ausspionieren, eh… überwachen?«, fragte Ogden bestürzt.

»Ja, Voldemort wollte so viele Informationen wie möglich über seine Aktivitäten. Albus Dumbledore war sein gefährlichster Feind und galt nicht nur in der magischen Gesellschaft als der mächtigste Zauberer aller Zeiten. Mitte März 1980 habe ich eher durch einen Zufall eine Unterhaltung zwischen ihm und einer Bewerberin für die Professorenstelle für Wahrsagen belauscht. Während des Bewerbungsgespräches kam es zu einem Zwischenfall. Die Bewerberin, Sybill Trelawney, wie ich erst später erfuhr, fiel in Trance, in der sie eine Prophezeiung machte, die sich um den Dunklen Lord und eine weitere unbekannte Person drehte … Ich hatte nichts Eiligeres zu tun, als Voldemort davon zu berichten …« Einen Moment schloss Severus gequält die Augen. >Was wäre gewesen, wenn …< Er wagte nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken.

»Voldemort nahm die Prophezeiung sehr ernst. Nur ein paar Tage später wurden einige Mitglieder des Inneren Zirkels ausgesucht — Mulciber, Rosier, ich selbst und die drei Lestranges — die die Personen überprüften, deren Namen er uns nannte. Insgesamt waren wir fast ein Jahr lang auf der Suche. In den ersten Wochen konnten wir einen Großteil der Personen ausschließen, aber trotzdem blieben mehrere Namen übrig, die allerdings die Kriterien der Prophezeiung alle nicht voll erfüllten …« berichtete er.

Dumbledore mischte sich ein. »Anfang April 1980 kam Severus zu mir nach Hogwarts. Er berichtete mir, dass er die Prophezeiung an Voldemort verraten hatte und welche Maßnahmen Voldemort daraufhin ergriffen hatte. Ich begann, eigene Nachforschungen anzustellen, die leider alle in die selbe Richtung führten …«

Ogden jedoch runzelte die Stirn. »Was ich nicht verstehe, ist, warum Sie sich überhaupt so kurz danach bereits an Albus Dumbledore gewandt haben. Es konnte schließlich zu diesem Zeitpunkt nicht klar sein, wer die Person in der Prophezeiung sein würde …«

»Viele, die mich aus meiner Schulzeit kennen, wissen, dass ich schon als Erstklässler ein Anhänger Dunkler Magie war. Irgendjemand hat einmal von mir behauptet, ich beherrschte — schon bevor ich nach Hogwarts kam — mehr Flüche als ein Siebtklässler.« Er seufzte leise, ehe er sichtlich bedrückt zugeben musste: »Das entspricht leider der Wahrheit. Was wohl durch Mister Potter inzwischen ebenfalls allgemein bekannt sein dürfte, ist, dass ich in meiner Schulzeit keine wirklichen Freunde hatte, abgesehen von Lily Evans, die ich schon vor Hogwarts gekannt habe. Was mich in die Fänge Voldemorts trieb, war nicht unbedingt seine Ideologie, sondern in erster Linie die Hoffnung, ehrliche Freundschaft zu finden und die Möglichkeit, offen und ungestraft Dunkle Magie auszuüben …«

>…und zu entwickeln.<, dachte er bitter. Einen Moment hielt er inne. Er hatte schon viel zu viel von sich selbst preisgegeben. Doch er wusste auch, dass es kein Zurück gab. Gerade seine eigenen Ausführungen würden über seine Zukunft entscheiden. Und er wollte eine Zukunft, die nicht Azkaban beinhaltete. Seine Zukunft saß dort drüben auf der Zeugenbank, so hoffte er mit jedem vergehenden Tag mehr.

»Was ich jedoch fand, war Standesdünkel, blanker Hass auf Muggelgeborene, Misstrauen, Neid und Missgunst untereinander, kriecherische Unterwürfigkeit gegenüber Voldemort, Masochisten mit krankhafter Freude an Folter und Mord — unglaubliche Perversionen. Es dauerte nicht lange, und ich fühlte mich restlos betrogen. Ich hatte mich mit der Weitergabe der Prophezeiung profilieren wollen, was mir auch gelang. Ich nahm an der Suche nach der Person teil, die darin genannt worden war und musste mitansehen, wie die Kommandos Verbrechen verübten, die monströs und absolut nicht erforderlich waren. Bei einem dieser von Voldemort nicht instruierten Überfälle Ende März 1980 geschah etwas …«

Seine Stimme versagte ihm den Dienst. Er konnte den Horror, den er in jener Nacht hatte miterleben müssen, nicht aussprechen. Zu schlimm waren die Erinnerungen an jene junge Frau, jene Muggelgeborene. In einem immer wiederkehrenden Alptraum in nicht wenigen Nächten sah er Blut an seinen Händen kleben, das in Wirklichkeit an seinen Händen nicht existiert hatte. Doch so sehr er sich auch bemühte, er war im Traum nie in der Lage, es abzuwaschen.

Ogden sah ihn mitfühlend an. »Ich verstehe«, sagte er leise. »Sie müssen das nicht aussprechen.«

Severus schluckte. Er hatte niemals Mitleid gewollt. Schließlich war es seine eigene Schuld, dass er solche Szenen hatte sehen müssen.

Doch Dumbledore nahm für ihn den Faden auf. »Severus arbeitete seit dieser Zeit als Spion für den Orden. Im Frühjahr 1981 kam es zu einem weiteren Versuch des Ordens, den Dunklen Lord zu vernichten. Der Schlag, an dem sowohl die Potters als auch die Longbottoms beteiligt waren, der alles entscheiden sollte und doch erfolglos war, fand Ende März statt. Erst im Nachhinein wurde selbst mir klar, dass es sich bei der in der Prophezeiung genannten Person nur um ein sehr junges Mitglied aus diesen beiden Familien handeln konnte, und eine davon war — Lily Potters Sohn.« Dumbledores Gesicht war bekümmert. Für einen Moment schien er so gramgebeugt, als ob er noch einmal die Last der ganzen Welt auf seinen gemalten Schultern tragen würde.

Severus sprach aus seinen Gedanken heraus. »Etwa drei Monate später machte Albus Dumbledore den Vorschlag, mich als Professor für Zaubertränke in Hogwarts einzustellen. Dies würde für meine Spionagetätigkeit sehr von Vorteil sein, da ich mich dann zwischen Voldemorts Hauptquartier und Hogwarts hin und her bewegen könne, ohne Argwohn zu erregen. Der Dunkle Lord war äußerst erfreut, seinen Spion auf diese Art in Hogwarts eingeschleust zu wissen …« Kurze Zeit war ein sarkastisches Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen, das jedoch schnell wieder verschwand.

Nachdenklich setzte er dann hinzu: »Voldemort brauchte etwas länger als Albus, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nachdem nur noch zwei Namen auf der Liste standen, wurde die letzte Auswahl durch den Dunklen Lord höchstpersönlich getroffen. Voldemort legte die Informationen der Prophezeiung so aus, dass sie den Sohn der Potters betreffe, den er demzufolge töten müsse. Ich habe Voldemort auf Knien angefleht, Lily zu verschonen …«, murmelte er beinahe unhörbar.

Für einen Augenblick sah er sich selbst völlig verzweifelt auf den Knien vor Voldemort, bereits gezeichnet von mehreren Runden des Cruciatus-Fluches, und hörte, wie er mit zitternder, brüchiger Stimme seinen Master anflehte, ihr Leben zu verschonen. Er hörte wieder das kalte höhnische Lachen des Dunklen Lords, als dieser den nächsten Cruciatus auf ihn warf, bis Severus bäuchlings im Dreck lag; wie ein Fötus zusammengerollt, zuckend, schreiend vor Schmerz. »Ein Schlammblut … also wirklich, Severus. Welch eine Verschwendung deiner Gene. Nun … in Anbetracht deiner Verdienste … vielleicht …«

Der Portrait-Dumbledore nickte bekümmert. »Am 23.10.1981 kam Severus nach dem Todesser-Treffen zu mir und berichtete mit von Voldemorts Entscheidung, Lily Potters Sohn zu töten. Er schwor, dass er alles tun würde, worum ich ihn bäte, wenn ich dafür Lily beschütze. Ich …«, er zögerte kurz, »â€¦ ich erklärte ihm, dass meine Bedingung wäre, dass er sein Leben und seine Loyalität ausschließlich in den Dienst des Ordens stelle und er für den Orden, und nur für den Orden als Spion arbeiten würde. Er nahm an. Sein einziger Wunsch war, dass ich geheim halte, was ihn dazu brachte, sich verlässlich für den Widerstand im Kampf gegen Voldemort und für Harrys Überleben einzusetzen …«

Doch Ogden war nicht zufrieden gestellt, wie er nachhaltig mit seinen nächsten Worten bewies. »Nun, ich kann erkennen, was ihn dazu brachte, zu Ihnen zu kommen, Dumbledore, noch dazu, wo ich weiß, was Mister Potter in der Schlacht von Hogwarts über Severus Snapes Liebe zu Potters Mutter gesagt hat. Aber wenn ich ehrlich sein soll, verstehe ich nicht, was einen Mann wie Severus Snape bewogen haben sollte, nach Lily Potters Tod weiterhin für den Orden zu arbeiten — abgesehen von seinem verständlichen Schmerz und dem eventuellen Hass auf Voldemort. Eine ‘Liebe’ allein reicht nicht für ein gesamtes Leben. Erinnerungen verblassen, und mit der Zeit wird auch die größte Liebe nur noch zu einer schwachen Erinnerung und selbst der erbittertste Hass kann sich relativieren. Ich kann nicht glauben, dass Sie, ausgerechnet Sie, sich auf derartig vergängliche Motive verlassen haben sollten.«

Dumbledores Gesicht zeigte einen verletzten Ausdruck. Hermione konnte sich nicht entscheiden, ob sie diesen Gesichtsausdruck für echt halten sollte oder nicht. Trotzdem erweckte Dumbledore nicht gerade den Eindruck, sonderlich glücklich darüber zu sein, dass Tiberius Ogden ihm unlautere Handlungen unterstellte, denn darauf lief dessen Rückfrage eindeutig hinaus. Abgesehen davon passte es ihm gar nicht, dass der Ankläger derartig entschlossen nachbohrte. »Liebe ist kein schwaches Motiv, Ogden. Harry Potter wurde durch die Liebe seiner Mutter, einem der stärksten ältesten Zauber der Welt, vor dem Todesfluch gerettet. Daran sehen Sie, wie stark Liebe sein kann«, antwortete er sichtlich verärgert.

Ogden betrachtete Dumbledores Gesicht für einen Moment nachdenklich. »Das mag Ihre Erklärung für die Öffentlichkeit sein, Dumbledore … Was würde geschehen, wenn ich die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal ausschließe?« Ein lauernder Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.

Diese Bekundung ließ die Zuschauer au den Rängen in wütende Proteste ausbrechen. »Ruhe! Beruhigen Sie sich, oder ich lasse den Saal räumen.« Die mit dem Sonorus-Zauber verstärkte Stimme des Vorsitzenden schallte durch den Raum. »Ruhe! Ruhe!!!« Nur mit Mühe gelang es ihm, wieder für Ordnung zu sorgen.

In Dumbledores Augen kehrte das obligatorische Zwinkern zurück. »Es würde nicht allzu viel ändern. Ich habe Severus immer vertraut«, erklärte er lächelnd, und dieses Mal war Hermione sich sicher, dass er dies nur erstklassig zu spielen versuchte.

»Ich glaube Ihnen kein Wort. Wie konnten Sie sich Seiner so sicher sein?«, bohrte Ogden unnachgiebig.

»Ich wusste es einfach!«, erwiderte Dumbledore schlicht.

»Trotzdem beantwortet dies nicht meine Frage. Ihr ‘Wissen’ in allen Ehren, Professor Dumbledore, aber Sie mussten doch irgendeinen Beweis dafür haben, dass Sie ihm vertrauen können«, sagte er schneidend. »Und ich will diesen Beweis!«

Hermione konnte sehen, wie Dumbledore sich mit zwei Fingern seinen Nasenrücken entlangfuhr, um ihn zu massieren. >Kann ein Portrait Kopfschmerzen bekommen?<, fragte sie sich und verwarf diesen Gedanken sofort als absurd. Dem alten Schulleiter wurde offensichtlich langsam klar, dass er in Bedrängnis geriet. Selbst sie hatte niemals seiner Aussage geglaubt, dass er Severus einfach so vertraut habe. Und doch konnte und wollte sie sich gar nicht vorstellen, was Dumbledore getan hatte, wollte nicht wissen, zu was dieser Mann noch fähig gewesen war.

»Albus!?« Severus’ Stimme war nur ein Flüstern. »Was hast du …?«

»Es tut mir leid, Severus, das musst du mir glauben!«, sagte Dumbledore beschwörend. »Aber ich musste sicher sein. Es ging doch nicht um mich oder dich, so viel hing davon ab … ich konnte doch nicht einfach darauf vertrauen — ohne irgendeine Absicherung, ohne …«

»Spar’ es dir!«, antwortete Severus kalt. Niemals zuvor hätte er sich vorstellen können, dass Dumbledore ihn dermaßen hintergehen könnte. Doch hatte er es nicht verdient? Hatte er es nicht selbst herausgefordert? Niemand hatte ihn damals gezwungen, sich Voldemort anzuschließen. Aber es hatte auch niemanden gegeben, der ihn zurückgehalten hatte.

»Nun?«, fragte Tiberius Ogden. »Was ist wirklich geschehen?«

Dumbledore seufzte tief, während er zu Severus hinüberschaute. »Als Severus damals zu mir kam, um mich zu warnen, habe ich zwar seine Geschichte geglaubt, jedoch nicht seiner Motivation vertraut. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein hervorragender, nein, meisterlicher Okklumentiker, wahrscheinlich der Beste nach mir, und auch seine Legilimentik-Fähigkeiten waren enorm, aber ich musste sicher gehen. Aus diesem Grund habe ich mich damals entschlossen, seine Beweggründe sowohl mit meiner eigenen Legilimentik als auch mit ein paar Tropfen Veritaserum zu überprüfen.«

In Severus brachen die letzten Reste seiner alten Welt zusammen. Auch wenn er es niemals zugegeben hätte, war er in seinem Inneren gerade darauf stolz gewesen, dass Dumbledore ihm damals auf sein Wort hin vertraut hatte, dass er dieses Wort niemals angezweifelt hatte. Seitdem er die Anstellung in Hogwarts angenommen hatte, hatte er alles getan, um Albus Dumbledore zu unterstützen.

»Sie haben was getan? Veritaserum? Einzig und allein das Ministerium oder der Zaubergamot haben das Recht, diesen Zaubertrank zu verabreichen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu verwerten. Die Gesetzeslage dahingehend ist eindeutig!«, entrüstete sich Ogden erbost.

»Das ist mir bekannt!«, schnaubte Dumbledore. »Was hätten Sie denn in meiner Lage getan? Das Risiko war zu groß, als dass ich mich auf eine einfache Erklärung hätte einlassen können.«

Ogden schüttelte frustriert den Kopf. »Und Sie wissen nichts davon, haben nichts davon bemerkt?«, wandte er sich an Severus.

»Severus weiß nichts davon, da ich ihn danach jeweils mit dem Obliviate-Zauber belegt habe«, antwortete Albus an seiner Stelle freudlos.

»Jeweils?«, fragte Tiberius Ogden nach.

Man konnte erkennen, wie unangenehm berührt Dumbledore war, sich in seiner Hast versehentlich verplaudert zu haben und nun diese Tatsache offenlegen zu müssen. »Ich habe diese Prozedur mehrfach wiederholt — von Zeit zu Zeit, wenn ich glaubte, dass es notwendig wäre«, gab er dann sehr zögernd und sichtlich niedergeschlagen zu.

Ungläubiges Schweigen folgte diesen Worten. Fast jeder hier in Gerichtssaal konnte nachvollziehen, welche Brisanz diese Aussage hatte. Ein Mann wie Dumbledore, ehemals sogar Großmeister im Zaubergamot, jemand, der an vielen Gesetzen der magischen Welt mitgewirkt oder sogar ihre Entstehung angestoßen hatte, musste zugeben, dass er selbst sich nur bedingt daran gehalten hatte. Er konnte zwar für den widerrechtlichen Einsatz von Veritaserum nicht mehr belangt werden, aber seine Reputation litt auch im Nachhinein enorm.

>Wieso glaube ich ihm nicht, dass das alles gewesen ist?<, fragte sich Hermione beklommen. >Was hat er noch zu verbergen? Dumbledore hat zwar nach der Letzten Schlacht versucht zu erklären …< Sie sah hinüber zu Severus und fand in seinen Augen die gleichen Zweifel, die auch sie umtrieben.

»Es gibt etwas, das unbedingt noch ausgesprochen werden muss«, erklärte Dumbledore sehr leise. Er machte in dem Moment auf Hermione den Eindruck, als ob es ihm äußerst schwer fallen würde weiterzusprechen.»In der Halloween-Nacht, als die Potters starben und Voldemort verschwand, gab es kein Todesser-Treffen. Voldemort handelte ohne vorherige Absprache mit seinen Todessern, ohne dass irgendjemand von ihnen wusste, was er in jener Nacht erledigen wollte. Severus hatte das Prickeln eines erlöschenden Fidelius-Zaubers gespürt und war außer sich vor Sorge gemeinsam mit Hagrid sofort nach Godric’s Hollow appariert. Er war es, der Harry unter den Trümmern des Hauses fand und ihn sofort zu mir nach Hogwarts brachte …«

Harry sprang auf, bevor ihn irgendjemand zurückhalten konnte. Doch Ginny packte ihn hart am Arm. »Warte!«, zischte sie.

Und Dumbledore fuhr fort: »Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich dann etwas tat, was mich heute zutiefst beschämt, wenn ich daran denke, wie sehr ich selbst an die Macht der Liebe glaube. Noch in jener Nacht ließ ich Severus Snape den Unbrechbaren Eid ablegen, das Leben von Lilys Sohn — wenn es erforderlich sein sollte — mit seinem eigenen Leben zu schützen.« Aus den gemalten Augen tropfte eine einsame Träne.

Ein Aufkeuchen ging durch die Zuschauer, das auch vor dem Zaubergamot nicht Halt machte. Severus’ Kiefer begannen vor unterdrücktem Zorn zu mahlen. Hatte es sich für ihn vorhin noch so angefühlt, als ob die letzten Reste seiner alten Welt von Dumbledore zerstört worden waren, so wusste er nun, dass mit dem öffentlichen Bekenntnis Dumbledores zu diesem Eid sein letztes Geheimnis, das er all die Jahre voller Scham für sich behalten hatte und von dem er niemals erwartet hätte, dass es einmal offenbart werden würde, von Dumbledore mitleidlos hinausposaunt worden war. Er hatte sich damals zutiefst gedemütigt gefühlt. Doch ein Verräter, ein Krimineller wie er durfte sich nicht über Auflagen gleich welcher Art beschweren. Dies war die schwerstwiegende Konsequenz für all seine Handlungen gewesen. Erst damals hatte er endgültig verstanden, dass man sich Vertrauen verdienen musste. Doch das hier fühlte sich nicht nur wie Verrat an — es war Verrat.

Doch Dumbledore schien mit der Erleichterung seines Gewissens noch nicht fertig zu sein. »Falls Sie sich fragen sollten, warum Severus niemals einen Unbrechbaren Eid erwähnt hat — nun, heute kann ich es verstehen. Zu der damaligen Zeit jedoch habe ich nicht einmal begriffen, was ich angerichtet habe. Ich habe mir immer sehr viel auf meine Menschenkenntnis eingebildet. Doch bei ihm habe ich völlig versagt. Erst nach Jahren habe ich mir eingestehen müssen, dass dies nicht der richtige Weg war. Ich hätte mich mit einem Versprechen zufriedengeben müssen.«

Harry hatte genug gehört. Er löste sich aus Ginnys Griff und ging unbeirrbar und nachdrücklich auf den Mann zu, den er viele Jahre als seine Nemesis bezeichnet hatte. Er streckte ihm ohne das geringste Zögern die Hand entgegen, die Severus nahm, nachdem er aufgestanden war.

Erst in diesem Moment registrierte Severus, dass auch Hermione herübergekommen war und nun neben ihm stand. Das Bild, das sie damit vermittelte, war eindeutig. Ihr Blick zuckte hinüber zu dem Portrait, das inzwischen seine gemalten Augen auf ihre Person gerichtet hatte.

>Ich glaube Ihnen nicht, dass das alles ist!<, sagten Hermiones Augen zu Dumbledore. >Da ist doch noch mehr! Ich schwöre Ihnen, ich werde einen Weg finden, nach Hogwarts zu kommen!< Nein, dieses Mal würde sie den alten Mann nicht so einfach davonkommen lassen, sie würde nachbohren, würde sich nicht so leicht abspeisen lassen. Vertrauen!? Sie hatte vor einem Jahr auf die schmerzhafte Tour begreifen müssen, dass die Welt weder schwarz noch weiß war, sondern alle Schattierungen von Grau enthielt. Und Dumbledore hatte in diesem Lernprozess eine bedeutende Rolle gespielt.

In ihren Augen sah Dumbledore die stahlharte Entschlossenheit einer Frau, die man nicht mehr täuschen konnte, die er nie wieder so leicht würde abschütteln können, wie noch vor ein paar Wochen in seinem ehemaligen Büro. Wenn er noch dazu in der Lage gewesen wäre, wenn er noch einen Körper gehabt hätte, dann würde es ihm bei diesem Blick kalt über den Rücken laufen, das wusste er. Er sah ein Versprechen, ein Versprechen, das er nicht mochte, das Versprechen, ihn unerbittlich zu jagen und sei es bis ans Ende der Welt, um die Wahrheit herauszufinden.

Es war noch nicht lange her, dass er Kingsley Shacklebolt vor ihr gewarnt hatte. ‘Jeder, der versuchen sollte, sich Hermione Granger entgegenzustellen, wird eine der mächtigsten Hexen dieses Jahrhunderts zur erbitterten Gegnerin bekommen, Kingsley.’ hörte er sich selbst sagen. Jetzt musste er feststellen, dass er blind gewesen war, seine eigenen Worte außer Acht gelassen hatte. Er war zu weit gegangen! Dumbledores Portrait nickte wissend. Und doch war da noch etwas, das er in Ordnung bringen musste, bevor er sich ihr stellte.

Dumbledore erhob sich aus seinem gemalten Sessel. »Ich möchte hiermit ein für allemal klarstellen, dass Severus Snape immer in meinem Auftrag gehandelt hat. Auch die Umstände, die zu meinem Tod führten, bildeten dabei keine Ausnahme. In meinem letzten Lebensjahr habe ich einen einzigen, wenngleich tödlichen Fehler begangen. Ohne Severus’ Fähigkeiten in Dunkler Magie hätte ich vielleicht noch einen Monat überlebt. Er verschaffte mir beinahe ein ganzes Jahr. Ich nahm ihm das Versprechen ab, mich zu töten, falls sich eine Gelegenheit bieten würde, dadurch unsere Pläne zur Vernichtung Voldemorts zu fördern. Er hat sich monatelang erbittert dagegen gesträubt, doch ich blieb hart. Ich möchte noch hinzufügen, dass wir ohne Severus Snape und seinen selbstlosen Einsatz für das ‘Greater Good’ niemals die geringste Chance gehabt hätten, diesen Krieg zu gewinnen.«

Absolute Stille lag über dem Gerichtssaal. Nur langsam lösten sich die Anwesenden aus ihrer Erstarrung. Hier und da war ein entsetztes Aufkeuchen zu vernehmen, doch die meisten mussten erst einmal verdauen, was sie in den letzten Stunden erfahren hatten. Doch ein Bild würde sich ihnen wohl für immer in ihr Gedächtnis einprägen, das Bild der drei so unterschiedlichen Menschen, die gemeinsam in der Mitte des Raumes standen: Der-Junge-der-Voldemort-zweimal-überlebt-hatte, Schulter an Schulter mit einem heldenhaften ehemaligen Todesser, der wiederum seine Finger mit den Fingern einer Muggelgeborenen verschränkt hatte.

Und dann geschah etwas, was dieser Gerichtssaal in seiner Geschichte noch niemals erlebt hatte. Menschen mit der unterschiedlichsten und abenteuerlichsten Bekleidung, ohne Ansehen der Standes oder der Schicht, erhoben sich schweigend von ihren Plätzen, bis der gesamte Gerichtssaal Zehn stand, und begannen zu applaudieren, erst nur einzeln, dann immer mehr, bis ein ohrenbetäubendes Tosen durch den Saal lief. Minutenlang war an eine Fortsetzung der Anhörung überhaupt nicht zu denken.

»Ruhe! Ruhe!!!« Zacharias Goldstein, der Vorsitzender des Zaubergamots, schaffte es auch nach mehreren Versuchen nicht, die Ordnung im Gerichtssaal wiederherzustellen. Als er begriff, dass er gegen die Menge im Moment nichts ausrichten konnte, lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und wartete. Es dauerte eine ganze Weile, bis endlich Ruhe einkehrte.

Tiberius Ogden wandte sich erneut an den Portrait-Dumbledore. »Haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen?«, fragte er.

Dumbledores blaue Augen blickten nachdenklich zu Severus Snape und blieben dann an Hermione Granger hängen. Er wirkte erschöpft, obwohl ein Portrait sicherlich keine Ermüdung verspüren konnte, und auf seiner Stirn hatte sich eine tiefe Falte gebildet. »Mehr möchte ich dazu nicht sagen«, antwortete er leise, wohl wissend, dass es damit noch nicht zu Ende sein würde. Langsam erhob er sich und verließ sein Portrait.

Severus erschauerte innerlich. Er warf Hermione einen flüchtigen, kaum wahrnehmbaren Blick zu, den sie nicht bemerkte, da sie immer noch Dumbledore misstrauisch beobachtete. In ihrem Gesicht sah er ein Stirnrunzeln, das ihm verdeutlichte, dass auch ihr Dumbledores Seitenblick und die merkwürdige Wortwahl nicht entgangen waren.

Goldsteins Blick schweifte erst über seine Kollegen des Zaubergamots und danach auch über die Zuschauer. »Ich danke Albus Dumbledore für seine Aussage. Der Zaubergamot wird sich nun zur Beratung zurückziehen.«

Daraufhin erhoben sich die Mitglieder des Zaubergamots, um in einen angrenzenden Raum miteinander zu diskutieren und zu einem Urteil zu kommen. Die Minuten zogen sich hin und wurden zu einer Stunde. Die Menschen im Gerichtssaal Zehn wurden immer unruhiger und ungeduldiger. Kaum jemand konnte sich vorstellen, weshalb der Zaubergamot so lange für eine Beratung brauchen würde. Hermione hatte ihre Hände nervös ineinander verkrampft, obwohl dies keinen Unterschied machte, denn ihre Finger waren trotzdem eiskalt.

Die Anspannung wuchs ins Unermessliche und Hermione war kaum noch in der Lage, ihre Nerven unter Kontrolle zu halten. Als sich die kleine Seitentür des Beratungsraumes endlich nach fast eineinhalb Stunden öffnete und die Mitglieder des Zaubergamots schweigend ihre Plätze wieder einnahmen, wurde sich Hermione zum ersten Mal wirklich bewusst, dass die nächsten Sekunden über die Zukunft des Mannes entschieden, den sie liebte. Sie sah zu Severus hinüber.

Jemand, der ihn nicht sehr gut kannte, würde zweifellos behaupten, er besäße unbestrittene Ähnlichkeit mit einer Sphinx. Doch Hermione war in der Lage, hinter diese Fassade zu schauen und bemerkte, wie angespannt die Muskeln in seinem Gesicht waren, wie sehr er sich um die Selbstbeherrschung bemühte, die ihn all die Jahre davor bewahrt hatte, sein Leben zu verlieren. Seine Kiefer waren fest aufeinandergepresst und sie sah, wie sein Adamsapfel sich auf und ab bewegte, als er mehrmals krampfhaft schluckte.

Dann erhob sich Zacharias Goldstein. Augenblicklich kehrte Ruhe ein.

»Sind die Mitglieder des Zaubergamots zu einer Entscheidung gekommen?«, fragte Kingsley Shacklebolt. Auch ihm war die Anspannung der letzten Stunden ins Gesicht geschrieben.

»Ja«, antwortete Goldstein. »Doch bevor ich das Urteil des Zaubergamots verkünde, möchte ich einige notwendige Erläuterungen abgeben.« Für einen Augenblick schwieg er, während er seine Augen erst langsam über die Zuschauer schweifen ließ, bevor er sie fest auf Severus richtete.

»Niemals zuvor habe ich während einer Verhandlung oder auch einer Anhörung eine derartige Höllenfahrt der Gefühle durchlebt — und vermutlich nicht nur ich. Vor uns steht ein Mann, der in seiner Jugend einen einzigen, wenn auch für sein Leben entscheidenden Fehler beging, den, sich einem anderen Zauberer anzuschließen, der sich als das Böse schlechthin entpuppte. Ein Mann, der für sich selbst zu spät erkannte, worauf er sich eingelassen hatte und der für die Begleichung seiner vermeintlichen oder möglicherweise auch wirklich existierenden Schuld bis an die Grenze seines Selbst gegangen ist und darüber hinaus.«

Goldstein hielt einen Moment inne, als er sah, wie viele der Anwesenden zustimmend nickten. »Die magische Gemeinschaft hat letztendlich den Kampf gegen einen der dunkelsten Zauberer der Geschichte — wahrscheinlich sogar den dunkelsten überhaupt — gewonnen. Und das ist nicht zuletzt das Verdienst dieses Mannes hier, über den wir heute urteilen sollen. Jetzt, in diesem Augenblick, frage ich mich, ob wir uns wirklich das Recht anmaßen dürfen, ein Urteil über diesen Menschen zu fällen, ob es uns zusteht zu richten.«

Die Zuschauer und auch die Mitglieder des Zaubergamots hielten die Luft an. Die sprichwörtliche zu Boden fallende Stecknadel hätte in diesem Moment ein Erdbeben ausgelöst. Noch nie waren in der tiefstgelegenen Ebene des Zaubereiministeriums Worte wie diese vernommen worden, und es war unwahrscheinlich, dass sich eine solche Begebenheit bis in eine ferne Zukunft wiederholen würde.

Goldsteins Stimme erfüllte plötzlich klangvoll den Raum und riss die Anwesenden damit aus ihren eigenen Überlegungen heraus. »Der Schulleiter der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, Severus Snape, wird — und das einstimmig — von allen Anklagepunkten freigesprochen«, verkündete er nun würdevoll und feierlich das Urteil des Zaubergamots. »Hiermit ist sein Name durch den Zaubergamot von jeglicher Anschuldigung und jedem ihm zur Last gelegten Verbrechen rehabilitiert und sein bislang eingefrorenes Vermögen und seine beschlagnahmten Besitztümer werden freigegeben. Gleichzeitig wird ihm der Titel ‘Held des Ersten und Zweiten Krieges gegen Voldemort’ verliehen sowie auf einem feierlichen Empfang des Ministeriums der Orden des Merlin Erster Klasse.«

Auch Tiberius Ogden erhob sich nun von seinem Platz. »Dieses Urteil entspricht auch meiner Überzeugung. Ich erhebe keine rechtlichen Einwendungen«, erklärte er fest.

Jubel wollte aufbranden, doch Zacharias Goldstein hob noch einmal die Hand. »Es gibt nur noch zwei Sachen, die ich — für meine eigene Person — abschließend sagen möchte.« Mit diesen Worten wandte er sich entschlossen Severus zu. »Als erstes möchte ich mich bei Ihnen für mein vorheriges Benehmen in aller Form entschuldigen, aber ich war überzeugt davon, dass Sie den Todessern angehören, und dass die Berichte in den Zeitungen nicht der Wahrheit entsprechen. Es tut mir leid. Und dann — ich möchte Ihnen danken, Schulleiter Snape. Für meine Freiheit, meine körperliche und seelische Unversehrtheit, die Möglichkeit, mich frei bewegen zu können, und das wiedergewonnene Recht, in dieser Welt leben zu dürfen. Vielleicht verstehen Sie mich besser, wenn ich hinzusetze, dass ich … muggelgeboren bin. Es gibt nur ein Wort dafür: Danke!«

Der daraufhin ausbrechende Beifallssturm war unbeschreiblich. Hermione merkte nicht einmal, wie Tränen der Erleichterung über ihr Gesicht liefen. Sie vergaß, wo sie sich befand, als sie sich zu Severus umwandte, seinen Kopf mit ihren Händen umschloss und ihn auf den Mund küsste. Die Welt um sie herum versank.



Fortsetzung folgt …


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