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Fanfiction

Coniunctio perpetua - Kapitel 32 — Begegnungen

von Alea_Thoron

DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.

Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der mich mit »Und wann schreibst Du endlich Deine eigene Geschichte?« erst dazu gebracht hat, diese Story Wirklichkeit werden zu lassen.

A/A: Kurz nachdem mein Vater starb, bekam ich von der künstlerisch unheimlich talentierten bids ein wundervolles Geschenk, um mich ein klein wenig zu trösten und aufzumuntern. Das Bild zeigt Harrys neue Eule Tamarin aus dem jetzigen Kapitel. Es ist unter dem Link
http:// xxopfanxx. deviantart.com/art/Aleas-Tamarin-209828806 (Leerzeichen herausnehmen)
zu finden.


Coniunctio perpetua by Alea Thoron


Kapitel 32 — Begegnungen

Wenige Stunden nachdem sie erneut in Dumbledores Erinnerungen eingetaucht waren — sie hatten von vornherein gewusst, dass es mit einem Mal nicht getan sein würde — hatte Hermione in Severus’ Wohnzimmer damit begonnen, die Zauberstab-Bewegungen nachzuvollziehen, die sie vorher im Denkarium gesehen hatte. Sehr schnell musste sie allerdings feststellen, dass es dieser Zauber wirklich in sich hatte. Nicht die Worte, die einfach waren, oder deren Betonung, sondern die hochkomplizierten Zauberstab-Bewegungen bereiteten ihr Kopfzerbrechen. Noch niemals zuvor hatte sie solche Schwierigkeiten damit gehabt, komplizierte Bewegungen aus dem Handgelenk heraus auszuführen. Jedes Mal, wenn sie an einen bestimmten Punkt der Bewegungen kam, verspürte sie einen stechenden Schmerz, als ob die Knochen in ihrem Handgelenk brechen wollten, und dieser Schmerz schoss geradewegs hinauf bis zur Schulter. Mehrmals hatte sie sogar bereits ihren Zauberstab deswegen mit einem spitzen Schmerzensschrei fallengelassen.

Nach einer relativ kurzen Diskussion hatten sich die beiden noch am selben Vormittag dazu entschlossen, Minerva McGonagall über die Entwicklung in den letzten Stunden aufzuklären und auch Filius Flitwick, der als Professor für Zauberkunst einen riesigen Erfahrungsschatz in seinem Unterrichtsfach besaß, in die gesamten Geschehnisse seit Severus’ Flucht aus Hogwarts kurz nach der Letzten Schlacht einzuweihen. Es hatte sich als die richtige Entscheidung erwiesen. Der kleine Zauberer war zu Anfang vollkommen fassungslos gewesen, als er von Dumbledores Machenschaften erfuhr, hatte sich jedoch vor Hermione fast bis zum Fußboden verbeugt, nachdem er nun die Rolle kannte, die Hermione bei Severus’ Rettung gespielt hatte.

Nachdem er sich die Erinnerungen aus dem Denkarium mehrfach angesehen hatte, erklärte er sich sofort dazu bereit, mit Hermione den kompletten Zauberspruch zu erarbeiten. Und selbst er war der Meinung, dass er noch nie zuvor einen Zauberspruch mit derartig komplizierten Zauberstab-Bewegungen gesehen hatte. Schritt für Schritt begannen sie gemeinsam, nun in einem ungenutzten Klassenraum, die Zauberstab-Bewegungen in einzelne, relativ kurze Segmente zu zerlegen, um es ihr zu erleichtern, sich die Bewegungen einzuprägen, die notwendig waren, um die Flüche zu neutralisieren. Doch es war und blieb äußerst schwierig, und der Schmerz trug nicht dazu bei, die Angelegenheit problemloser zu gestalten.

Irgendwann konnte Filius es einfach nicht mehr mitansehen. Er zog seinen eigenen Zauberstab aus dem Ärmel und begann, selbst die Bewegungen auszuprobieren, ließ jedoch ebenfalls seinen Stab mit einem erschreckten und schmerzvollen Quieken an der selben Stelle fallen, an der auch Hermione jedes Mal gescheitert war. Kopfschüttelnd über seine eigene vermeintliche Unfähigkeit kehrte er in das Büro des Schulleiters zurück, um sich nochmals die Erinnerung anzusehen, konnte jedoch auch dann keinen Fehler entdecken.

Vollkommen ratlos und ein Gutteil verlegen musste er schließlich eingestehen, dass er mit seinem Latein am Ende war. Er hatte keine Erklärung dafür, wie Dumbledore es schaffte, diese Bewegung ohne Schwierigkeiten auszuführen, während die Bemühungen einer der mächtigsten Hexen dieses Jahrhunderts, wie Hermione gerne bezeichnet wurde, und sogar eines gestandenen Zaubererduellanten wie ihm selbst immer und immer wieder fehlschlugen. Doch beide waren sich einig, dass es irgendeinen Trick geben musste und sie nicht aufgeben würden, bis sie sowohl eine Erklärung als auch eine Lösung für das Problem gefunden hatten. So vergingen die nächsten Tage ohne Erfolg und Hermione fühlte sich immer niedergeschlagener.

Und es wurde auch nicht dadurch einfacher, dass Harrys neue Eule, Tamarin, alle Flügel voll damit zu tun hatte, mindestens zweimal pro Tag zwischen Grimmauldplatz und Hogwarts hin- und herzufliegen, auch wenn es auf keiner der beiden Seiten wirklich etwas Neues zu berichten gab. Vier Tage nach ihrer letzten Begegnung mit Dumbledore, bei der sie sich die Erinnerungen in voller Länge angesehen hatten, versuchte Hermione vorsichtig herauszufinden, ob Severus dazu bereit wäre, eine Kopie von dem Pergament, in dem es auch um den Jungen-der-Voldemort-zweimal-überlebt-hatte ging, an Harry zu schicken. Sie hatte sich im Vorfeld auf eine lange Diskussion eingestellt, vielleicht sogar auf einen heftigen Kampf, doch Severus überraschte sie, als er mit einem einzigen »Geminio!« alle Rollen kopierte und via Eulenpost auf die Reise schickte.

Sie hatten Harry weder gesehen noch persönlich gesprochen, seit sie das Büro des Schulleiters in der Nacht nach der Anhörung fluchtartig verlassen hatten. Nur Tamarin hatte die Verbindung zwischen ihnen mit Muskelkraft aufrechterhalten. Doch sowohl Severus als auch Hermione konnten sich immer noch gut an den entgeisterten Gesichtsausdruck von Minerva McGonagall und Harrys bestürztes Mienenspiel erinnern, beider Blick starr auf die Pergamente und Bücher gerichtet, die Severus damals gerade aus ihrem Versteck in der Wand gezogen hatte.

Minerva schien seit jener Nacht ziemlich verschnupft, jedoch noch erheblich mehr enttäuscht und schockiert zu sein. Die früher so strenge Hexe war in sich gekehrt und sehr still, wenn sie ihnen bei den Mahlzeiten oder in den Korridoren von Hogwarts begegnete. Dessen ungeachtet ließ sie nie eine Gelegenheit verstreichen, sich nach Hermiones Fortschritten bei den Zauberstab-Bewegungen zu erkundigen. Sie schien regelrecht einen siebten Sinn entwickelt zu haben. Wann immer Hermione oder Severus — oder auch beide — die Wohnung in den Kellergewölben verließen, liefen sie ihr in die Arme, wo sie sie sofort nach ihren weiteren Plänen und dem Stand ihrer Vorbereitungen für die Beseitigung der beiden Flüche auszufragen begann. Doch sie sprach sie niemals darauf an, was sie in dem Versteck gefunden hatten.

Harrys verbittertes und trauriges Gesicht war erst am späten Abend im Kamin erschienen, nachdem er die Kopien der Pergamente erhalten hatte. Er hatte davor Stunden gebraucht, um sich so weit zu beruhigen, dass er in der Lage war, ihnen ohne wütendes Schnauben in jedem zweiten Satz gegenübertreten zu können. Maßlose Enttäuschung und unbändiger Zorn kämpften zu diesem Zeitpunkt in seiner Gefühlswelt immer noch um die Vormachtstellung. Grimmig hatte er ihnen jede Hilfe zugesagt, die er bieten konnte — egal, was sie fordern würden. Doch dies waren nicht ihre wirklichen Probleme, wie sie bald feststellen mussten.

*-*-*-*


Severus hatte inzwischen auch seine Pflichten als Schulleiter wieder aufgenommen, und auch wenn er froh über die Ablenkung war, gab es doch auch einige Dinge, die ihm ernstliches Kopfzerbrechen bereiteten, nicht zuletzt … Albus.

Obwohl er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, war er mit der Situation in seinem neuen alten Büro alles andere als glücklich. Nach Albus’ Erklärungen vor wenigen Tagen — bei der Erinnerung daran zog sich etwas in seinem Inneren immer noch schmerzhaft zusammen — hatte er sich bisher noch nicht überwinden können, mit ihm zu sprechen. Das lähmende Schweigen zwischen ihnen zerrte mit jedem vergehenden Tag mehr an seinen Nerven, auch wenn er dies niemals zugeben würde, doch er hatte sich bisher noch nicht zu einer Entscheidung durchringen können, wie er Albus gegenübertreten sollte. Er war noch lange nicht so weit, ihm mit relativer Unbefangenheit zu begegnen und er wusste nicht, ob sich das er sich jemals überwinden und wieder dazu in der Lage sein würde. Zu viel war geschehen … Immer wieder kehrten seine Gedanken in diesen Momenten zu Hermione zurück und er war dankbar dafür, sie an seiner Seite zu wissen. Zum Glück ließ ihm seine Arbeit tagsüber nur wenig Raum für Grübeleien.

Einen nicht unbeträchtlichen Zeitaufwand erforderten nicht zuletzt die beständigen Anfragen des zwölfköpfigen Schulbeirates, der nicht nur seine Entscheidungen hinsichtlich der Berufung der neuen Professoren erwartete. Viele andere, zum Teil sehr außergewöhnliche Dinge waren in diesem Jahr zu bedenken, bei denen die Mitglieder des Schulbeirates nicht nur ein Mitspracherecht hatten, sondern geradezu gefordert waren, Severus mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen. In manchen Situationen wünschte er sich insgeheim Lucius zur Unterstützung, der sowohl mit seinem Einfluss — auch wenn er diesen oftmals nicht für positive Veränderungen, sondern zu seinem eigenen Vorteil eingesetzt hatte — als auch aufgrund seiner konstruktiven Ideen in seiner ehemaligen Funktion nicht zu unterschätzen gewesen war. Doch Lucius war in Azkaban, genau wie Draco und dessen Mutter, und damit nicht greifbar.

Severus seufzte hörbar auf, rieb sich über die brennenden Augen und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Zu lange hatte er bereits auf das Pergament auf seinem Schreibtisch gestarrt, ohne wirklich etwas von dessen Inhalt wahrzunehmen. Aber er wusste auch, dass er es nicht leisten konnte, seine Pflichten schleifen zu lassen, nur weil er im Moment noch keine Antwort auf viele Fragen gefunden hatte. Es entzog sich seiner Kenntnis, ob vor ihm schon einmal ein Schulleiter vor einem derartigen Berg von Problemen gestanden hatte, aber dies spielte auch keine Rolle. Seine Probleme wurden nicht kleiner, wenn er sich nicht endlich an die Arbeit machte.

In diesem Jahr kam nicht nur die in ‘normalen’ Zeiten relativ einfache und für jeden Schulleiter obligate Koordinierung der verschiedenen Fächer und Unterrichtspläne zwischen den Professoren auf ihn zu — nein, dies waren ganz sicher keine normalen Zeiten. In diesem Schuljahr würden auch die Kinder nach Hogwarts zurückkehren, die im letzten Jahr hier nicht erwünscht gewesen waren — Muggelgeborene — oder Halb- und Reinblüter, die sich hatten verstecken müssen oder das letzte Schuljahr aus welchen Gründen auch immer nicht hatten beenden können. Daher würde gerade die siebte Klasse fast die doppelte Anzahl an Schülern aufzunehmen haben. Allein schon diesen Schülern gerecht zu werden, würde sich mit Sicherheit sehr kompliziert gestalten, da sie alle die besten Voraussetzungen für ihre NEWTs erhalten mussten. Es war vielleicht doch eine Überlegung wert, ob man sie nicht auf zwei siebente Klassen verteilen sollte, oder ob vielleicht durch Tutoring manchen Schülern ermöglicht werden konnte, ihre Abschlussprüfungen vorzeitig abzulegen. In jedem Fall würde beides viel zusätzliche Arbeit für alle Mitglieder des Lehrkörpers bedeuten.

Ganz ähnlich sah es auch bei den Neuzugängen für dieses Jahr aus. Nach einem Blick in das altertümliche dicke Pergamentbuch, in dem die magische Feder seit der Zeit der Gründer jede Geburt eines magischen Kindes registrierte, musste er feststellen, dass auch die erste Klasse dieses Jahr aus weitaus mehr Schülern als sonst bestehen würde. Allein dort würden sie sich auf mehr als ein Drittel Kinder einzurichten haben, die jetzt bereits zwölf Jahre alt waren, jedoch im vorigen Jahr — unter Voldemorts Herrschaft — nicht aufgenommen werden durften. Severus erinnerte sich, wie er im August 1997 — bei seinem heimlichen Besuch in Hogwarts — die Namen aller zukünftigen muggelgeborenen Kinder durch einen selbst entwickelten Zauber unkenntlich gemacht hatte. Nachdem er gestern den entsprechenden Gegenzauber geworfen hatte, konnte Minerva nun ihren Pflichten als Stellvertretende Schulleiterin nachkommen und die Briefe an die voraussichtlichen Erstklässler, die nicht muggelgeboren waren, für die Eulen versandfertig machen und die anderen unter den Senior-Professoren aufteilen, die die Muggelgeborenen und deren Familien zuhause besuchen würden, um die Briefe persönlich zu überbringen und alle aufkommenden Fragen zu beantworten.

Nein, seine Probleme wurden sicherlich dieses Jahr nicht kleiner, sie waren einfach nur anders gelagert. Hatte er im vorigen Jahr alles darangesetzt, die Schüler vor dem Wahnwitz seiner Todesser-Professoren zu bewahren, so kämpfte er nun mit den Tücken der Bürokratie und der Engstirnigkeit der magischen Welt mit ihren teilweise recht antiquierten Anschauungen und immer noch vorhandenen Vorurteilen. Obwohl … Vorurteile …

Was ihn wirklich vom ersten Tag seiner ‘zweiten Amtsübernahme’ an verwundert hatte, war, dass ihn nicht eine Sekunde das Gefühl überkam, nicht akzeptiert zu werden. Weder die Mitglieder des bestehenden Lehrkörpers in Hogwarts noch ein Zauberer oder eine Hexe des Schulbeirates stellten zu irgendeinem Zeitpunkt seine Position als Schulleiter in Frage, ganz im Gegenteil. Niemals zuvor hatten sich so viele Hände mit dem Wunsch zu helfen nach ihm ausgestreckt.

Die umfangreichste und für einen Schulleiter außergewöhnlichste Aufgabe, die keinerlei Aufschub duldete, war die ständige Überwachung und Koordinierung des Wiederaufbaus der Schule, um die rechtzeitige erneute Eröffnung der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei im September sicherzustellen. Viele der alten Banne aus den Zeiten der Gründer und folgender Generationen von Professoren und frisch graduierten Schülern waren in der Letzten Schlacht unwiederbringlich zerstört worden — ein Verlust, der nur schwer zu kompensieren war.

Obwohl es viele helfende Hände gab und auch das Schloss seine archaischen magischen Selbstheilungskräfte aktiviert hatte, waren auch die Wiederaufbauarbeiten an dem uralten Gemäuer noch immer nicht abgeschlossen. Die bereits wieder bewohnbaren Teile des Schlosses und die dazugehörigen Ländereien wurden von vielen ehemaligen Schülern und deren Familien und auch von Nicht-Schülern bevölkert, Menschen, die sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hatten, Hogwarts wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Doch gerade die vielen Fremden sollten sich in naher Zukunft ausgerechnet für ihn, Severus, als ein äußerst lästiges und ziemlich unliebsames Übel entpuppen., Sicher, er als Schulleiter besaß ohne Zweifel die Autorität, sie hinauszuwerfen, aber — wenn er ehrlich war — hatte er nicht das Herz dazu.

Weder er selbst noch Hermione ahnten zu diesem Zeitpunkt, dass ihnen das Schlimmste allerdings noch bevorstehen würde. Dann — völlig unerwartet und ohne jegliche Vorankündigung — erschien am 10. Juni ein weiteres Buch von Rita Skeeter. Die erste Edition von Snape: Schurke oder Heiliger war bereits innerhalb eines Tages restlos vergriffen, und die Verkaufszahlen explodierten mit jeder weiteren Auflage. Der Tagesprophet, der Severus’ Freispruch nur eine winzige Randnotiz gewidmet hatte, überschlug sich nun geradezu mit Lobpreisungen über die sogenannte ‘Biographie’. Skeeter musste dieses Machwerk — genau wie das Buch über Dumbledore — nicht zuletzt dank ihrer Flotte-Schreibe-Feder in Rekordzeit zu Pergament gebracht haben, da seit der Letzten Schlacht erst wenige Wochen und seit der Anhörung erst sechs Tage vergangen waren. Es entpuppte sich als ebenso reißerisch und steckte in gleicher Weise voller Lügen und Halbwahrheiten wie ihre früheren intellektuell anspruchslosen Geschmacklosigkeiten. Nicht, dass irgendjemand von einer Schmierenreporterin wie Skeeter etwas anderes erwartet hätte.

Dafür bewerkstelligte sie mit diesem Machwerk einen buchstäblichen Run auf den Schulleiter von Hogwarts, so dass das Leben hier im Schloss nun zu einem regelrechten Spießrutenlauf für ihn wurde. Je mehr wahrheitsgetreue Informationen die Menschen glaubten, über den Ex-Todesser und Ex-Spion Severus Snape erhalten zu haben — und es war erschreckend, wie viele Hexen und Zauberer immer noch den geistigen Ergüssen einer Skeeter vertrauten — umso unverfrorener und aufdringlicher benahmen sie sich. So musste Hermione hilflos mitansehen, wie Zauberer und Hexen, die ihn seit seiner Rückkehr nach Hogwarts erst nur von Weitem beobachtet, ihm zum Teil recht argwöhnische Blicke zugeworfen und hinter vorgehaltener Hand über ihn geflüstert hatten, sich nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf ihn stürzten, um ihn mit Fragen zu bombardieren. Manche der Hexen gingen seitdem sogar so weit, abends nur leicht bekleidet durch die weit verzweigten Kellergewölbe zu schleichen, immer auf der Suche nach dem Eingang zu seiner Wohnung. Nur den starken Bannen und einigen Verwirrungszaubern war es zu verdanken, dass es bisher keiner von ihnen gelungen war, auch nur in die Nähe des Zugangs zu gelangen.

Auch die Eulen überschlugen sich regelrecht, ihre Post abzuliefern. Der kontinuierliche Strom an Briefen, der sich nach Wochen, die seit Harrys Interview im Klitterer vergangen waren, endlich etwas reduziert hatte, jedoch niemals völlig abgerissen war, nahm ein Ausmaß an, das nicht mehr tolerierbar war. Doch im Gegensatz zu damals brachten die Eulen nun neben einer großen Anzahl von Danksagungen und Heiratsangeboten — Severus’ Schnauben war Hermione genug an Information über den Inhalt der betreffenden Briefe — auch zunehmend Heuler. Nur Severus’ jahrelangem Misstrauen war es zu verdanken, dass der Eiter des Bubotublers, der sich in einem der Briefe befand, weder ihm noch Hermione Schaden zufügen konnte. Zwei Tage lang hatten sie in ihrer Verzweiflung über den Ansturm und auch die damit verbundenen Gefahren die Eulen einfach ins Ministerium umgeleitet, doch Kingsley hatte bei seinem Besuch per Flohnetzwerk halb ärgerlich, halb mitleidig erklärt, dass die Bearbeitung derartiger Briefsendungen nun wirklich nicht zu den Aufgaben seiner Dienststelle gehörte.

*-*-*-*


Zwei Tage nach Shacklebolts unerwartetem Flohnetz-Besuch hatte eine Eule Hermione bei ihren Übungen zum Destrue Coniunctiones unterbrochen, die ihr Ladungen als Zeugin für die Tribunale der gesamten Malfoy-Familie überbrachte.

Auch Severus hatte eine Eule bekommen, und Hermione hatte die Veränderung an ihm sofort bemerkt. Er hatte sich danach wieder ein Stück in sich selbst zurückgezogen, war sehr schweigsam geworden. Sie hatte Severus unter halbgeschlossenen Lidern wachsam und angespannt beobachtet. Nur wer wirklich in seinen oberflächlich gelassenen Zügen lesen konnte, sah die Wahrheit tief verborgen darunter — in seinen Augen. Er konnte nicht leugnen, dass sich sein Herz voller Sorge zusammenzog, wenn er an seinen alten Freund und dessen Familie dachte — und ganz besonders an seinen Patensohn Draco.

Sie hatte Draco zuletzt nur wenige Stunden nach der Letzten Schlacht noch in Hogwarts gesehen, wie sie sich erinnerte, als er beim Wiederaufbau geholfen hatte. Draco war danach unter Hausarrest gestellt worden, doch aus einer Randnotiz im Tagespropheten wusste sie, dass auch er — wie schon seine Eltern noch in der Großen Halle sofort nach dem Sturz Voldemorts — kurz darauf verhaftet und nach Azkaban überstellt worden war.

So wenig sie auch von seinem Vater immer gehalten hatte — Poppy hatte ihr schließlich erzählt, welch großen unerfreulichen Beitrag gerade Lucius Malfoy zu Severus’ Aufstieg zum Todesser geleistet hatte — so wenig hatte sie seit Ende des Krieges gewollt, dass Narcissa oder Draco in einem Loch wie Azkaban schmorten. Sie erinnerte sich noch an ihre eigene Überraschung, als Draco sie damals in Malfoy Manor nur äußerst widerwillig identifiziert hatte, nachdem Fenrir Greyback und seine Greifer sie im Forrest of Dean geschnappt hatten. Und auch Narcissa Malfoy hätte in der Letzten Schlacht eine andere — für Harry tödliche — Entscheidung treffen können …

Hermione schob ihren Zauberstab in den Ärmel zurück. Sie übte abends auch hier in Severus’ Wohnzimmer in den Kellergewölben weiter und hatte inzwischen recht große Fortschritte gemacht — Filius’ Worte, nicht ihre. Und doch gab es immer noch diese eine berüchtigte Stelle bei der Zauberstab-Bewegung, die Hermione bisher trotz all ihrer Fähigkeiten nicht bewerkstelligen konnte. Dies hier hatte absolut nichts mit albernem Zauberstab-Gefuchtel zu tun, wie sie mit einem ironischen Seitenblick auf Severus konstatierte, der es sich mit der heute von einer offensichtlich gestressten Eule einfach vor seinen Füßen fallen gelassenen neuen Ausgabe seiner Fachzeitschrift Angewandte Zaubertrankkunde in seinem Lieblingssessel am Kamin bequem gemacht hatte.

Als hätte er ihren Blick gespürt, schaute Severus auf. »Falls dieser Blick bedeuten sollte, dass du glaubst, ich hätte meine Meinung über den dilettantischen und häufig aberwitzigen Gebrauch von Zauberstäben geändert, irrst du dich gewaltig«, bemerkte er mit einem sarkastischen Lächeln.

Sie schüttelte innerlich nur den Kopf. Wie schon so oft hatte sie das Gefühl, dass Severus in ihr wie in einem offenen Buch lesen konnte, ohne dass er dafür Legilimentik anwenden musste. Betont langsam schlenderte sie zu ihm hinüber, um sich dann mit einer katzenhaften Bewegung auf seinen Schoß gleiten zu lassen. »Nicht jedem ist die Fähigkeit zur Verwendung nonverbaler Magie gegeben, Severus. Und du solltest froh darüber sein.«

»Hmpf.« Die Zeitschrift rutschte vergessen und unbeachtet hinunter, um mit einem leisen Platschen auf dem Parkett aufzuschlagen, als sich seine Arme um sie schlossen. Severus merkte es nicht. Seine Konzentrationsfähigkeit stürzte von jetzt auf gleich ins Bodenlose. Er, dem es über viele Jahre dank seiner Fähigkeiten gelungen war, Voldemort über seine wahre Überzeugung zu täuschen, konnte seine Gedanken plötzlich nicht mehr lange genug fokussieren, um mental einem kultivierten Gespräch zu folgen. Ihr Duft raubte ihm den Atem und das für ihn noch immer nicht selbstverständliche Gewicht auf seinen Oberschenkeln und ihre unbewussten kleinen Bewegungen ließen seine unteren Regionen zu einem eigenen — reichlich eifrigem — Leben erwachen.

Für einen kurzen Moment hielt Hermione verwirrt über seine Reaktion inne, bis sich die spürbare Ursache für sein offensichtliches Dilemma hart gegen ihren Oberschenkel presste. In ihren Augen blitzte es triumphierend auf, und sie konnte ein schelmisches Grinsen nur mit Mühe unterdrücken. Noch weniger gelang es ihr, ihren seit einiger Zeit recht ausgeprägten Spieltrieb — wenn es um Severus ging, wohlgemerkt — noch länger zu beherrschen. Ihr kleiner spielerischer Test, ob ihre Gedankengänge der Wahrheit entsprachen, mündete in den erhofften Erfolg, als sie prompt ein tiefes Knurren als Antwort erhielt.

»Du kleine Hexe!« Er schloss sie fester in die Arme und begann, mit ihrer lockigen Mähne zu spielen, während er kleine Küsse auf ihr Haar verteilte. Sie schmiegte ihren Kopf in seine Halsbeuge. Dies war eine Position, in der sie stundenlang verharren konnte. Doch seine nächsten Worte holten sie abrupt in die Realität zurück.

»Hast du immer noch nicht genug?«, fragte er sie.

Etwas in seiner Stimme brachte sie dazu, sofort den Kopf zu heben, um in seinem Gesicht zu forschen, doch in seinen schwarzen Augen war ein Ausdruck, den sie nicht zu deuten wusste.

»Wie meinst du das?« Ihre Zunge war schneller als ihr Verstand. Kaum hatte die Frage ihre Lippen verlassen, begriff sie, auf was er hinauswollte. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht. Sie war nicht Dumbledore! Sie entschied sich vorzugeben, den Sinn seiner Frage nicht verstanden zu haben und falls erforderlich, irgendwie ins Lächerliche zu ziehen. In Wirklichkeit wollte sie nicht glauben, dass er einfach so aufgeben wollte, noch dazu so kurz vor dem Ziel.

»Warum gibst du es nicht auf?«, bestätigte seine nächste Frage ihre Vermutung. »Es spielt für mich keine Rolle mehr. Du bist nicht Albus. Ich weiß, dass du mich mit dem Fluch niemals unter Druck setzen würdest.« Seine Stimme war leise, so leise, dass sie Mühe hatte, ihn überhaupt zu verstehen.

»Natürlich nicht. Aber kannst du dir nicht vorstellen, dass mein Ehrgeiz geweckt worden ist?«, fragte sie. »Was Dumbledore gekonnt hat, muss ich auch können! Nicht umsonst hat man mir immer unterstellt, die mächtigste Hexe meiner Generation zu sein. Wenn nicht gar des Jahrhunderts. Und du hast mich Miss-Know-It-All genannt. Ich habe also einen Ruf zu verteidigen«, merkte sie verschmitzt an, was ihren Worten die Schärfe nahm.

Severus’ Augenbraue wanderte derartig in die Höhe, dass sie fast unter dem Haaransatz verschwand. »Du besitzt neuerdings ein gesundes Selbstbewusstsein, oder?«

Sie sah zu ihm auf und lächelte schelmisch. »Ich hatte schließlich in den letzten Wochen einen der besten Lehrmeister auf diesem Gebiet. Aber im Ernst, ich möchte auf jeden Fall alles dafür tun, um diesen Fluch — beide Flüche — aufzuheben.«

»Ich will dich nicht verlieren, Hermione.« Die Worte waren kaum zu verstehen, nur ein Hauch, so dass sie sich im ersten Augenblick nicht einmal sicher war, ob sie sie überhaupt gehört hatte.

Erst in diesem Moment erkannte Hermione, was ihn wirklich zu einer solch aberwitzigen Vorstellung trieb — was ihn freiwillig in Betracht ziehen ließ, niemals frei zu sein. Wie groß musste seine Angst sein, wenn Severus sogar bereit wäre, den Fluch weiterhin auf sich lasten zu lassen, nur um zu vermeiden, seine Gefühle für sie zu verlieren. Albus Dumbledore hatte ganze Arbeit geleistet.

»Dieser Fluch ist nicht der Auslöser für deine Gefühle mir gegenüber, Severus«, behauptete sie mit einer Bestimmtheit, die sie innerlich nicht mehr wirklich besaß. Ganz langsam, genährt durch viele trügerisch sanfte, aber auch harsche Worte — Steter Tropfen höhlt den Stein! — waren auch in ihr die ersten Zweifel heraufgekrochen, ob nicht doch ein Körnchen Wahrheit in den Aussagen Dumbledores enthalten sein könnte. Trotzdem versuchte sie sich mit aller Kraft gegen diese Gedanken zu wehren und dies auch nach außen zu zeigen. »Dumbledore irrt sich! So, wie er sich in der Vergangenheit schon öfter geirrt hat«, setzte sie mit einem harten Lachen hinzu.

Doch die Zweifel in seinen Augen blieben bestehen und Hermione wusste, dass nur die wirkliche Aufhebung des Fluches — nein, beider Flüche — für sie beide endgültig Gewissheit bringen konnte. Sie schwor sich, dass sie ihre Anstrengungen intensivieren würde, diese verdammten Zauberstab-Bewegungen zu erlernen …

*-*-*-*


Lange hatte Severus zusammen mit seinen Kollegen überlegt, ob und wenn ja, auf welche Art und Weise sie den Abschluss der Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten in Hogwarts zelebrieren sollten. Schließlich hatten sie sich dafür entschieden, am letzten Samstag im August ein großes Quidditch-Benefiz-Spiel auszurichten. Vor ein paar Tagen hatte sie erfahren, dass mit dem Geld eine Stiftung gegründet werden sollte, die sich um die überlebenden Opfer Voldemorts — ganz besonders um die vielen Waisen — kümmern sollte.

Die Karten für das Ereignis, obwohl zum Teil zu horrenden Preisen, waren sehr schnell vergriffen gewesen. Hermione grinste im Nachhinein immer noch, als sie sich daran erinnerte, wie Kingsley Shacklebolts dunkles Gesicht für einen Moment jede Farbe verloren hatte, nachdem Severus ihm erklärt hatte, wieviel er für einen Platz in der Ehrenloge — genau genommen die Tribüne für die Professoren und deren Gäste — anlegen müsse. Doch Hermione vermutete nicht ganz zu Unrecht, dass es auch genügend Freikarten für diejenigen gab, die es sich nicht leisten konnten, hunderte von Galleonen für einen wohltätigen Zweck zu spenden, mochte er auch noch so sozial gemeint sein.

Der große Tag war sehr schnell gekommen. All jene, die in der Schlacht um Hogwarts auf der Seite des Lichts gekämpft oder sich am Wiederaufbau der Schule in irgendeiner Form beteiligt hatten und deren Angehörige, die Schüler und Schülerinnen, die im nächsten Jahr die Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei besuchen würden mit ihren Familien und dazu viele Offizielle des Ministeriums hatten sich eingefunden, um auf diese Art mit dem Lehrerkollegium die erneute Eröffnung der Schule zu feiern.

Trotz der vielen Menschen, die sich im Moment auf den Schlossgründen aufhielten, war es im Schloss selbst vollkommen still, als sich Hermione eine Stunde vor Anpfiff des Spiels aus den Kellergewölben aufmachte, um ihre Freunde zu suchen. Wie immer, wenn es um Quidditch ging, war sie reichlich spät dran — obwohl sie sich dieses Mal auf das Spiel freute, wie sie zugeben musste. Sie wollte gerade quer durch die Eingangshalle in Richtung des Eingangsportals hasten, um sich ihren Freunden anzuschließen, die schon lange auf einer der Tribünen einen Platz für sie freihielten, als sie aus dem Augenwinkel eine fliederfarbene Robe und einen Mann mit langen weißen Haaren zu erkennen glaubte, der zwischen den offenen Flügeltüren zur Großen Halle stand und beschützend um irgendjemanden, der vor ihm stand, die Arme gelegt hatte.

Sie blieb stehen. »Mister Rogers?«, fragte sie schüchtern.

Der weißhaarige Zauberer drehte sich herum, als er angesprochen wurde, und Hermione konnte sehen, dass es sich wirklich um Madoc Rogers handelte und dieser nicht allein war. Neben ihm stand nun eine junge blonde Frau, um die er leicht den Arm gelegt hatte. Hermione schätzte sie auf Anfang zwanzig.

»Miss Granger, welche Freude.« Seine Augen strahlten auf, sobald er sie erkannte. "Darf ich vorstellen: Das ist Tabetha, meine Enkelin. Tabetha, das ist Miss Hermione Granger, die junge Frau, die sich im Ministerium so vehement für Schulleiter Snape eingesetzt hat.«

Hermione reichte der jungen Frau die Hand. »Ich freue mich, Sie kennenzulernen.« Ihr fiel die furchtbare Blässe in Tabethas Gesicht auf und sie erinnerte sich dann, dass Madoc Rogers im Ministerium erwähnt hatte, dass seine gesamte Familie mit Ausnahme seiner jüngsten Enkelin Voldemort zum Opfer gefallen war.

»Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wo … Er … sein Leben ausgehaucht hat …« Der dicke Kloß in ihrer Kehle machte ihr das Sprechen beinahe unmöglich. »â€¦ mich davon überzeugen, dass dieses Monster wirklich tot ist«, flüsterte sie und in ihren Augen stand ein entsetzlicher Schmerz.

Madoc Rogers schlang den Arm fester um seine Enkelin, drückte sie tröstend an sich und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe. »Schscht, Kleines, er wird nie mehr zurückkommen. Dafür haben Miss Granger und Mister Potter gesorgt … Auch wenn dies für viele Hexen und Zauberer nur ein geringer Trost sein kann …«, setzte er mehr zu sich selbst hinzu.

»Sie haben Ihre Ausbildung nicht hier in Hogwarts gemacht, oder?«, wandte sich Hermione an Tabetha.

»Nein, ich war in Beauxbatons und habe dort vor drei Jahren meinen Abschluss gemacht. Der Palast ist so vollkommen anders als dieses Schloss, viel heller, viel prächtiger.« Sie schauderte.

»Dann kennen Sie vielleicht auch Fleur Weasley«, fragte Hermione, um sie ein wenig abzulenken. » Fleur Delacour«, setzte sie hinzu, als Tabetha fragend die Stirn runzelte.

»Oh, die Veela, na ja, zum Teil Veela. Ja, sie war ein Jahr unter mir«, antwortete sie lächelnd. »Wir haben uns aus den Augen verloren, als sie nach London ging, während ich in Cannes blieb. Dann hat sie wirklich diesen Mann geheiratet, den sie beim Trimagischen Turnier kennengelernt hat?«

Jetzt war es an Hermione zu lächeln. »Ja, Bill. Sie haben inzwischen sogar schon eine Tochter. Ich könnte mir vorstellen, dass die beiden heute auch hier sind.«

Tabethas Augen leuchteten für einen Moment auf. »Es wäre schön, sie wiederzusehen …« In ihrer Stimme schwang so viel Sehnsucht — nach ihrem früheren Leben, wie Hermione nur vermuten konnte.

»Dann gehen wir sie suchen, Schatz«, sagte ihr Großvater und griff nach ihrer Hand. Er warf Hermione einen sowohl bedauernden als auch entschuldigenden Blick über die Schulter zu, doch diese nickte nur verstehend, während sie sich nun ebenfalls auf die Suche nach ihren Freunden machte.

Schon von Weitem konnte sie das Jauchzen und ausgelassene Freudengeheul vom Quidditch-Feld heraufschallen hören, obwohl das Spiel noch nicht einmal begonnen hatte. Doch die Begeisterung war unüberhörbar und Hermione vermutete, dass sie nicht nur mit dem anstehenden Match zu tun hatte. Sie hatte gerade in dem ganzen Getümmel ihre Freunde entdeckt, als sie abseits des ganzen Rummels eine recht einsam und verloren wirkende Gestalt erblickte, die ihr sehr vertraut vorkam — Draco Malfoy. Unschlüssig blieb sie stehen.

Flashback


Nichts an dem in schmuddelige graue Sträflingsroben gekleideten Jungen, der ein paar Minuten vor seinen Eltern in Ketten vor den Zaubergamot geführt wurde, hatte Hermione an das verzogene arrogante Balg erinnert, das Draco über all die Jahre in Hogwarts gewesen war. Er war bleich gewesen, viel bleicher als sonst, schien jedoch trotzdem mit aller Macht zu versuchen, seine sicherlich vorhandene Angst unter Kontrolle zu halten. Nur die verkrampften, zu Fäusten geballten Hände zeigten, unter welch enormer innerer Anspannung er stand. In seinen Augen war totale Hoffnungslosigkeit zu lesen, als wäre er felsenfest davon überzeugt, dass er die nächsten Jahre in einem dunklen feuchten Loch in Azkaban verbringen würde, wie Hermione erschüttert feststellte.

Auch von dem hochherrschaftlichen Gehabe seiner Eltern war nichts übriggeblieben. Die vergangenen Monate in dem berüchtigten Zauberergefängnis hatten auch bei ihnen tiefe Spuren hinterlassen, ganz besonders jedoch bei Narcissa Malfoy, die Hermione seit ihrer letzten Begegnung in der Großen Halle extrem abgemagert und gealtert erschien. Sie schluchzte leise vor sich hin, während sie von den Auroren reichlich unsanft nach vorn gezerrt wurde.

Lucius dagegen schien — zumindest nach außen hin — relativ gefasst zu sein. Die Zeit in Azkaban hatte nicht gerade dazu beigetragen, die deutlich sichtbaren Beweise seiner Misshandlungen durch Voldemort unkenntlich zu machen. Obwohl — für einen Augenblick glaubte Hermione, frische Verletzungen an seinen Handgelenken gesehen zu haben, und als der Ärmel seiner Sträflingsrobe versehentlich hochrutschte, wusste sie, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Schaudernd erinnerte sie sich an den Abend des verhängnisvollen Ordenstreffens und an das, was Kingsley ihnen unabsichtlich über die Verhörmethoden des Ministeriums bei Todessern erzählt hatte. Lucius Malfoys Augen, die hektisch zwischen seiner Frau und seinem Sohn hin und her flackerten, die er seit seiner eigenen Verhaftung nicht mehr gesehen hatte, zogen sich voller Schmerz über den erbarmungswürdigen Zustand seiner Familie zusammen.

Zu ihrer eigenen Überraschung hatte Hermione einen Anflug von Mitleid verspürt, etwas, mit dem sie eigentlich nicht gerechnet hatte. Doch ein Blick hinüber zu Harry hatte ihr gezeigt, dass auch an ihm dieser Anblick nicht einfach so abgeprallt war. Schon vor den Verhandlungen war der Junge-der-Voldemort-zweimal-überlebt-hatte sich sicher gewesen, dass er weder seinen Erzfeind aus Schulzeiten noch dessen Mutter auch nur einen weiteren Tag in Azkaban sehen wollte.

Von Severus’ vorsichtigen Bemühungen, mit ihr über die Malfoys zu sprechen, wusste Hermione, dass Lucius und Narcissa schon mehr als zwei Jahre — seit Lucius’ Misserfolg im Kampf um die Prophezeiung im Ministerium — einen eventuellen Sieg des Dunklen Lords geradezu gefürchtet hatten. Niemand von ihnen hatte diesen Sachverhalt laut auszusprechen gewagt, aber ihre Körpersprache und die unsteten, verstohlenen Blicke erzählten eine eigene Geschichte. Sie waren in Voldemorts Gunst innerhalb kürzester Zeit rapide gesunken, bis sie sich letztendlich tiefer als die tiefsten Verliese von Hogwarts reichten wiederfanden.

Um wieviel schlimmer musste sich diese Situation jedoch auf ihren Sohn ausgewirkt haben. Aufgewachsen in einer Reinblüter-Familie, erzogen in der Denkweise von Todessern, unterwiesen, die Überlegenheit von reinem Blut über alles zu stellen, hatte er — wie diese seine gesamte Generation — nicht nur seine Kindheit verloren, sondern auch seine kindliche Unschuld. Sein Verhalten in der Schlacht um Hogwarts war das letzte verzweifelte Aufbäumen eines Siebzehnjährigen gewesen, seine geliebten Eltern vor weiteren Misshandlungen oder gar dem sicheren Tod zu retten, wobei er zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, ob diese überhaupt noch lebten. Hermione verspürte ehrliches Bedauern für ihn.

Mit neuer Entschlossenheit, allerdings ohne die Wahrheit zu beschönigen, hatten sowohl sie als auch Harry mit ihren Zeugenaussagen alles darangesetzt, wenigstens ihrem ehemaligen Schulkameraden eine Haftstrafe zu ersparen.

Erstmals hatte Severus dabei auch eine Schilderung der Ereignisse auf Malfoy Manor durch das Goldene Trio direkt erhalten, die ihm noch im Nachhinein das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er war sich sehr wohl darüber im Klaren, dass — falls Bellatrix überlebt hätte — er schon allein aufgrund der Folterung von Hermione alles darangesetzt haben würde, sie zur Strecke zu bringen. Und er wusste, dass er dabei bis an die Grenzen seiner Selbstbeherrschung getrieben worden wäre — und darüber hinaus. So gut kannte er sich selbst. Einmal mehr wurde ihm dadurch bewusst, wie viel ihm diese junge Frau inzwischen bedeutete. Erst als Hermione nach ihrer Aussage nach seiner Hand griff, wurde er aus seinen düsteren Gedanken gerissen.

Keiner der drei Malfoys versuchte, seine oder ihre Rolle während Voldemorts erneutem Aufstieg und seiner Terror-Herrschaft im letzten Jahr zu bagatellisieren oder gar zu leugnen. Zum einen wäre es sinnlos gewesen, es gab zu viele Beweise, zu viele Zeugen, zum anderen wurde es mit jeder verstreichenden Minute ihrer Aussagen immer offensichtlicher, dass jeder von ihnen mit diesem Teil ihrer Vergangenheit ein für allemal abzuschließen versuchte.

Mit leiser Stimme und ohne seine frühere aristokratische Affektiertheit erzählte Lucius, wie sich die Spirale aus Machtdemonstrationen und Repressionen nach dem Desaster im Ministerium immer rasanter gedreht hatte. Nachdem Voldemort sie quasi zu Gefangenen in ihrem eigenen Herrenhaus gemacht und ihn letztendlich sogar gezwungen hatte, ihm seinen Zauberstab auszuhändigen, begann allmählich ein Umdenken stattzufinden. Von Voldemort unentwegt verhöhnt, wenn Lucius ohnmächtig mitansehen musste, wie der Dunkle Lord seine geliebte Ehefrau, Narcissa, für Lucius’ vermeintliche Unzulänglichkeiten und Fehler bestrafte und sie beide beinahe zu Tode folterte, spürte er seine eigenen Verletzungen kaum. Mochten beide auch immer noch davon überzeugt gewesen sein, dass ihre Welt mit den über viele Generationen überlieferten und bewährten Traditionen der Reinblüter untergehen würde, wenn Schlammblüter gleichberechtigt wären, so war nun eine Zukunft unter Voldemorts Herrschaft etwas, was sie noch weitaus mehr fürchteten. Die begründete Angst um seine Ehefrau und später um seinen einzigen Sohn hatte selbst Lucius einsehen lassen, dass Voldemort auch vor ‘Reinem Blut’ nicht zurückschreckte. Der einzige, wenn auch schwache Trost in dieser Zeit sei gewesen, seinen Sohn, dem sie ihre Befürchtungen und Ängste niemals anvertraut hatten, um ihn nicht noch mehr in Gefahr zu bringen, in relativer Sicherheit in Hogwarts zu wissen.

Zu keinem Zeitpunkt hatte er damit gerechnet, dass ihm der Zufall ausgerechnet das Goldene Trio persönlich in die Hände spielen würde. Die nachfolgenden Ereignisse in Malfoy Manor waren das letzte Aufbäumen gewesen, um das vorhandene Misstrauen und die — wie allein die beiden Malfoys wussten — berechtigten Zweifel des Dunklen Lords an ihrer Loyalität zu zerstreuen, die bereits vor langer Zeit zu bröckeln begonnen hatte. Auf Geheiß seines Masters auch Monate später nach wie vor stablos, um des Überlebens seiner eigenen Familie willen und mit Bellatrix in ihrem Zuhause, hatte er keinen anderen Ausweg gesehen, als zu versuchen, alle drei so schnell wie möglich an Voldemort auszuliefern. Was geschah, nachdem das Goldene Trio völlig unerwartet von Dobby befreit worden war, hatte sich für immer tief in seine Seele eingebrannt.

Als Lucius Malfoy seine Aussage beendet hatte, die er auch im Namen seiner Familie vorgenommen hatte, war es im Gerichtssaal Zehn vollkommen still gewesen. Selbst hartgesottenen Hexen und Zauberern unter den Zuschauern waren die Schilderungen unter die Haut gegangen. Er mochte über all die Jahre ein hervorragender Schauspieler gewesen sein, aber hier und jetzt konnte jeder erkennen, dass sein Schuldbewusstsein echt und seine Worte, von Reue und Beschämung getragen, glaubwürdig waren. Die Befragung von Narcissa Malfoy war danach selbst für den Ankläger, Tiberius Ogden, eigentlich nur eine reine Formsache gewesen.

Draco allerdings musste sich den Fragen stellen, die die Ereignisse in Hogwarts während seines sechsten und siebenten Schuljahres und seine eigene Rolle dabei betrafen. Auch er beschönigte nichts, gestand jedoch auch ein, dass ihn in erster Linie die Bedrohung des Lebens seiner Eltern durch Voldemort, und ganz besonders seiner Mutter, dazu getrieben hatte, sich damit abzufinden zu haben, das Dunkle Mal akzeptieren zu müssen. Angst und Verzweiflung hatten ihn in seinen beiden letzten Schuljahren in das verwandelt, was er durch die Reinblüter-Erziehung seiner Eltern gelernt hatte zu verabscheuen: Ein Ungeheuer, ein Mann, der Handlungen begeht, die ihm tief in seinem Inneren zuwider sind.

Der Zaubergamot hatte sich danach tief bewegt zu seiner geheimen Beratung zurückgezogen.

Draco war unter Bewährungsauflagen noch am selben Tag aus Azkaban entlassen worden, während Narcissa aufgrund ihrer Handlungsweise in der Schlacht um Hogwarts und unter Berücksichtigung dessen, dass sie kein Dunkles Mal trug, ohne Umschweife freigesprochen und ebenfalls sofort auf freien Fuß gesetzt worden war.

Wie zu erwarten gewesen war, hatte die Beratung des Zaubergamots über Lucius Malfoys Fall die längste Zeit in Anspruch genommen. Später war durchgesickert, dass seine Aussage und nicht zuletzt sein Auftreten eine äußerst kontroverse Diskussion unter den Hexen und Zauberern ausgelöst hatte. Ein Teil von ihnen war der Meinung gewesen, dass für das Oberhaupt der Malfoy-Familie angesichts seiner jahrelangen Zugehörigkeit zu Voldemorts Todessern und seiner exponierten Stellung im Inneren Zirkel — wenn man von dem letzten vergangenen Jahr einmal absah — durchaus eine längere Haftstrafe in Azkaban angemessen wäre. Einige wenige Hardliner hatten sogar vehement den Kuss des Dementors gefordert, waren jedoch glücklicherweise letztendlich überstimmt worden. Lucius war zu zwei Jahren Hausarrest und anschließenden scharfen Bewährungsauflagen verurteilt worden und erst nach Zahlung einer empfindlichen Geldstrafe aus Azkaban entlassen worden.

Hermione war erleichtert gewesen — nicht für sich, sondern für Severus.

Flashback Ende


Hermione starrte noch immer zu Draco hinüber, gab sich dann jedoch innerlich einen Ruck und ging langsam in seine Richtung. Falls sie wirklich mit Severus zusammenbleiben sollte — und es sah ganz danach aus — würden auch Draco und seine Eltern zu ihrem Bekanntenkreis gehören. Sie würde niemals von Severus verlangen, Draco als seinen Patensohn fallenzulassen oder seine Freunde aufzugeben — und das waren die Malfoys für ihn unbestreitbar — nur weil sie selbst während des Krieges in ihrem Haus schlimme Erfahrungen gemacht hatte. Ob sie allerdings jemals wieder Malfoy Manor betreten würde … nun, das stand auf einem anderen Blatt Pergament.




Fortsetzung folgt …


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