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Fanfiction

Coniunctio perpetua - Kapitel 33 — Ein neuer Anfang

von Alea_Thoron

DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.

Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der mich mit »Und wann schreibst Du endlich Deine eigene Geschichte?« erst dazu gebracht hat, diese Story Wirklichkeit werden zu lassen.



Coniunctio perpetua by Alea Thoron


Kapitel 33 — Ein neuer Anfang

»Draco …«, grüßte sie leise, als sie ihn erreicht hatte. Er sah absolut nicht zufrieden oder glücklich aus. Noch immer waren die Spuren seiner Azkaban-Haft in seinem Gesicht sichtbar, nein, nicht die Spuren von Misshandlungen, wie Hermione sie bei seinem Vater gesehen hatte, sondern Zweifel und eine für ihn ungewöhnliche Verunsicherung, die sie in seinen Augen erkannte. Er schien allein hierher gekommen zu sein, da von seinen Eltern weit und breit nichts zu sehen war.

»Hermione …«, antwortete er kaum hörbar. »Es tut mir leid … Ich hätte nicht hierher kommen sollen«, setzte er bedrückt hinzu. Niedergeschlagen wollte er sich herumdrehen, um zu gehen, doch Hermione hielt ihn am Arm zurück. Sie ahnte, was ihn bewegte. Die Zeit in Azkaban und die Dinge, die auf Malfoy Manor geschehen waren, hatten ihn eindeutig verändert. Das war nicht der Draco, den sie von früher kannte.

»Es macht keinen Sinn davonzulaufen, Draco. Wir alle müssen uns den Dingen stellen, die geschehen sind. Die Anderen …«

»Sie hassen mich …« flüsterte er. »Zu Recht …«

»Ich glaube nicht, dass jemand von uns dich hasst«, erklärte sie nachdenklich. »Du hast doch am Morgen nach der Schlacht mit Neville und Luna und anderen das Eingangsportal repariert. Hattest du dabei das Gefühl, dass sie dich hassen?«

Er hob überrascht den Kopf und schluckte hart. »Nein, aber …«

»Du willst doch sicherlich in ein paar Tagen hierher zurückkommen, um am Ende des Schuljahres deine NEWTs abzulegen. Meinst du nicht, dass dies heute eine gute Gelegenheit wäre, festzustellen, wo du stehst?«, fragte sie zurückhaltend.

Draco scharrte unschlüssig mit seinem Schuh im Kies. »Ich weiß einfach nicht …« Er hielt inne, als ob er überlegen müsse, wie er sich ausdrücken sollte, um zu erklären, was ihn bewegte. »Ich weiß einfach nicht, wie ich nach all dem, was ich gesagt und getan habe, jemals wieder ohne Schuldgefühle anderen Menschen gegenübertreten kann. Werde ich es irgendwann schaffen, meine eigenen Anschauungsweisen vollständig zu verändern, jetzt, wo ich weiß, was ich weiß?«, brach es aus ihm heraus.

Hermione hörte keinerlei Selbstmitleid in seiner Stimme, nur Selbstzweifel und die verzweifelte Hoffnung auf ein Leben danach. Etwas, von dem sie wusste, dass sie es sich alle sehnlichst wünschten.

»Wie kann ich meine eigenen Ängste und Alpträume überwinden, um wenigstens irgendwann einmal den Anschein eines ‘normalen’ Lebens aufzubauen?«, sprach er in diesem Moment genau das aus, was sie gedacht hatte. Dann jedoch blickten seine grauen Augen sie an, als wollten sie in ihre Seele schauen, und seine nächste Frage erschreckte sie zutiefst. »Wie willst du es schaffen, die Alpträume und Ängste hinter dir zu lassen, die du schon allein mit meinem Anblick verbindest?«

»Oh, Draco …« Auch wenn Draco sich über all die Jahre wie ein verhätschelter, arroganter Bastard verhalten hatte und als Harrys ernsthafter Widersacher galt, so sah Hermione doch die Qual in seinen Augen, als er sich an die Ereignisse in Malfoy Manor zu erinnern schien. »Du bist dafür nicht verantwortlich, Draco«, antwortete sie eindringlich. »Weder du noch deine Eltern haben das getan, sondern deine Tante. Und du weißt genauso gut wie ich, dass sie verrückt war, nicht zurechnungsfähig, vollkommen irr.« Sie sah wie Draco schaudernd nickte.

»Sie ist nicht einmal davor zurückgeschreckt, ihre eigene Schwester mit dem Cruciatus-Fluch zu foltern …Ihr schrilles, hysterisches Lachen …« Seine ohnehin nur leise Stimme verlor sich.

»Nicht dein Anblick oder der deiner Eltern … nein, das ist es nicht. Es ist die Erinnerung an diesen Raum, an den Gestank dieses Werwolfs nach Schweiß, Dreck und Blut, an seine dreckstarrenden Hände mit den langen, gelblichen Fingernägeln, an Bellatrix’ irres Lachen, während sie den Fluch wirft. Das sind die Dinge, die ich in meinen Alpträumen erlebe. Zum Glück habe ich jemanden gefunden, dem es nichts ausmacht, dass ich Ängste und Alpträume habe, der mit mir zusammen dagegen ankämpft, den Mann, mit dem ich mein Leben verbringen möchte«, beantwortete sie dann seine Frage.

»Weasley, hmpf …«

Hermione schüttelte gedankenverloren den Kopf. »Nein, Draco, ich weiß nicht, wie du darauf reagieren wirst, aber … Ich bin mir nicht sicher, ob du davon gehört hast … Nun, ich meine … «

»Granger!!! Spuck’s aus!!!« Er verdrehte die Augen und klang geradezu belustigt über ihre Stammelei. Auch das war nicht der Draco, den sie von früher kannte.

»Severus …« Sie musste sich räuspern, ehe sie weitersprechen konnte. »Severus Snape.«

Vollkommen ungläubig schaute er sie mit offenem Mund an, und es dauerte eine geraume Weile, ehe er sich zumindest ein wenig gefangen hatte. »Das ist nicht dein Ernst, oder? Eine Gryffindor, wie sie im Buche steht, und ein Slytherin bis ins Mark …«

Sie grinste schelmisch. »Wenn ich es schaffe, euren König der Schlangen zu betören, dann solltest du es doch schaffen, die Löwen zu zähmen, von Raben und Dachsen ganz zu schweigen.«

Für einen Moment sah sie ein Funkeln in seinen Augen, doch es erlosch genauso schnell, wie es gekommen war und machte wieder seiner Unsicherheit und Befangenheit Platz. Nach einiger Zeit nickte er zaghaft.

»Dann komm, das Spiel wird gleich beginnen …« Sie griff leicht nach seinem Arm und lotste ihn vorsichtig in Richtung des Quidditch-Feldes, während sie immer wieder seine kurzen Seitenblicke bemerkte, die er ihr zuwarf.

Die neu errichteten, viel größeren Tribünen barsten fast unter der Menge der begeisterten Zuschauer. Hermione zog Draco an der Hand hinter sich her die Treppe hinauf. Sobald ihre Freunde sie entdeckt hatten, begannen sie, ihr zuzuwinken, um ihr zu signalisieren, dass sie ihren Platz freigehalten hatten. Sie konnte spüren, wie die Bewegungen des blonden jungen Mannes hinter ihr immer zögerlicher wurden, je näher sie den anderen ehemaligen Schülern kamen. Der Ausdruck in den Gesichtern ihrer Freunde wechselte von hocherfreut (über das Eintreffen von Hermione) zu überrascht (dass sie Draco im Schlepptau hatte) und dann zu ratlos und reserviert.

Der Einzige, der über Dracos öffentliches Auftreten so kurz nach seiner Verhandlung nicht verwundert, sondern darüber durchaus erleichtert zu sein schien, war Harry, der sich vorerst jedoch abwartend im Hintergrund hielt. Er hatte gerade eben noch mit Neville gesprochen, als Hermione zusammen mit Draco auftauchte, war ihr jedoch dann sofort gefolgt, um sich in ihre Nähe zu stellen. Im ersten Moment hatte sie vermutet, dass er sie vor dem blonden Mann beschützen wolle, doch als er sich stattdessen neben ihn stellte, erkannte sie, dass er damit dem Slytherin Schutz bieten wollte, der möglicherweise nicht jedem hier willkommen sein würde.

Die für einen Moment unangenehme Situation wurde ausgerechnet von Luna entkrampft. »Hallo, Draco.«

»Luna …« Draco klang beinahe flehend. »Ich schwöre beim Leben meiner Eltern, ich wusste es nicht …« Er hatte bereits in der Verhandlung vor dem Zaubergamot immer wieder beteuert, dass er nicht gewusst hatte, dass Luna von den Todessern nach Malfoy Manor verschleppt worden war. Obwohl Voldemort als Demonstration seiner Machtposition, zur Abschreckung — um aufzuzeigen, was mit in Ungnade gefallenen Gefolgsleuten geschehen würde — und zu seinem eigenen Amüsement Dracos Zuhause in sein Hauptquartier umgemünzt und Draco seit dem Sommer immer wieder die Folterungen von Olivander mitangehört hatte, hatte er nicht geglaubt, dass auch Luna ebenfalls in der Zelle im Kellergeschoss festgehalten werden könnte. Trotzdem verspürte er Schuldgefühle, und diese Schuldgefühle waren echt.

Das Mädchen mit den hüftlangen, schmutzigblonden Haaren starrte Draco mit silbrig-grauen Augen in ihrer eigentümlichen Weise an und zur Überraschung aller schlang sie völlig unerwartet die Arme um ihn. »Ich glaube dir«, versicherte sie ihm mit ihrem entrückten Lächeln. »Du kannst es wiedergutmachen, wenn du mich im nächsten Frühling für einen Tag nach Wiltshire einlädst.«

Fassungslos sprach Draco das aus, was ihm als erstes in den Sinn kam. »Du willst freiwillig nach Malfoy Manor zurückkehren? Nach all dem …?«

Auch Hermione konnte es kaum glauben, doch Luna lächelte nur. Einmal mehr wurde Hermione klar, warum sie vor dieser jungen Frau Hochachtung empfand. Es war noch nicht allzu lange her, dass sie sich selbst genau diese Frage gestellt und keine wirkliche Antwort darauf gefunden hatte. Sie blickte zögerlich zu Harry hinüber, der zu ahnen schien, welche Gedanken ihr eben durch den Kopf geschossen waren und was gerade sie vorhin dazu bewegt hatte, Draco mit hierher zu bringen, und der ihr nun für die anderen unmerklich zunickte.

»Ich habe mir sagen lassen, dass der Frühling in Wiltshire wunderschön sein soll. Als ich da unten eingesperrt war, habe ich Pfaue rufen gehört und mein Vater hat mir erzählt, dass in eurem Garten eine kleine Kolonie von Schnatzern leben soll, die als beinahe ausgestorben gelten«, antwortete sie verträumt.

Genau in diesem Moment schallte die zuletzt durch den Untergrund-Radiosender PotterWatch in der gesamten magischen Gemeinschaft des Landes bekannt gewordene Stimme von Lee Jordan, den Minerva McGonagall als Überraschungs-Kommentator angeheuert hatte, über das Quidditch-Feld und das Spiel begann.

Hermione wusste nicht, wie Severus es geschafft hatte, die Mannschaft der Ballycastle Bats zu engagieren. Sie hatte innerlich kichern müssen, als sie vor ein paar Stunden erstmals die Umhänge mit dem knalligen Bild einer scharlachroten Fledermaus quer über der Brust gesehen hatte. Trotzdem sie ihn inzwischen viel besser kannte, konnte sie nur mutmaßen, dass Severus einen recht makaberen Sinn für schwarzen Humor besaß und ein wenig auf seinen Status als Schulleiter und einen der hinter vorgehaltener Hand auf seine Person gemünzten beleidigend gemeinten und gehässigen Schimpfnamen anspielte. Der Captain und Treiber der Bats, Finbar Quigley, ein bulliger Rothaariger mit einem mitreißenden dröhnenden Lachen, der seine irische Abstammung nicht einen Augenblick verleugnen konnte, und den sie beim Mittagessen kennengelernt hatte, war ihr von der ersten Sekunde an sympathisch gewesen. Sie hatte schon lange nicht mehr so viel und so aus vollem Herzen gelacht.

Hogwarts dagegen hatte eine Mannschaft aus ehemaligen Schülern aufgeboten. Oliver Wood, der von seinem Team Puddlemere United für dieses Spektakel bereitwillig freigestellt worden war, war als Hüter zurückgekehrt und bewies eindrucksvoll, warum er inzwischen dort zu den Stammspielern gehörte. Marcus Flint, der sich zur Überraschung aller nicht Voldemorts Todessern angeschlossen, sondern mit seiner Mutter und der kleinen Schwester ein Jahr im Untergrund zugebracht hatte, und Angelina Johnson leisteten als Jäger hervorragende Arbeit, da sie ihre Mannschaft immer wieder auf Schlagdistanz heranbrachten.

Sie wurden von Katie Bell frenetisch angefeuert, die zwar aufgrund des Fluches, der sie in der Letzten Schlacht getroffen hatte, noch immer nicht wieder richtig laufen konnte, sich dieses Spiel jedoch nicht hatte entgehen lassen wollen. Auch andere in der Schlacht um Hogwarts Verletzte, die immer noch im St. Mungo’s behandelt wurden, hatten es sich nicht nehmen lassen, bei diesem wohl in die Annalen von Hogwarts und natürlich auch in Hogwarts: A History eingehenden Spiel persönlich dabei zu sein. Eine halbe Tribüne war ausschließlich für sie reserviert gewesen, doch inzwischen waren überall die Heilerinnen mit ihren unverwechselbaren weißen Hauben zu sehen, da sich ihre Schutzbefohlenen — wenn es ihnen möglich gewesen war — unter ihre Freunde gemischt hatten. Dann entdeckte Hermione auch Dennis Creevey. Um seinen Hals baumelte die Kamera seines Bruders und seine Augen waren rot gerändert, aber er hielt sich tapfer.

Anfänglich hatten sich fast alle Slytherins auffällig abseits gehalten. Hermione hatte in einiger Entfernung nur Millicent Bulstrode und den hoch aufgeschossenen Blaise Zabini gesehen, die sich mit einigen gleichaltrigen Ravenclaws unterhielten. Entgegen ihrer früheren Gepflogenheiten, stolz und selbstbewusst aufzutreten, versuchten die meisten Slytherins nun, sich so unauffällig wie möglich zu benehmen. Nachdem sie jedoch feststellen konnten, dass sie trotz ihrer Zugehörigkeit zum Haus Slytherin von den Anderen nicht gemobbt wurden, begannen sie ganz langsam, ihre Hemmungen zu verlieren und mischten sich ebenfalls unter ihre Schulkameraden, wenn auch in größeren Gruppen und sehr vorsichtig.

Hermione war überrascht gewesen, wie wenige der Slytherins trotz ihres großspurigen Auftretens und ihrer öffentlichen Verunglimpfung von Muggelgeborenen und der Schmähung von Dumbledore und seinen Methoden als Schulleiter sich Voldemort und seinen Todessern angeschlossen hatten. Außer Draco, der unter dem Druck der Bedrohung seiner Familie trotz der dadurch verursachten Zweifel seines Vaters am dunklen Master zusammengebrochen war, hatte aus ihrer Jahrgangsstufe einzig Pansy Parkinson freiwillig das Dunkle Mal genommen.

Ein Aufschrei der Menge ließ Hermione aus ihren Gedanken auffahren. Sie sah einmal mehr hinüber zu ihrem besten Freund. Harry, dessen lebenslanges Spielverbot von Kingsley Shacklebolt endlich vor ein paar Tagen aufgehoben worden war, hatte dennoch auf seinen Platz zugunsten von Ginny verzichtet, die gerade mit einem halsbrecherischen Manöver dem Schnatz hinterherjagte, ihn jedoch knapp verfehlte. Auch der Sucher der Ballycastle Bats war nicht erfolgreicher und musste unverrichteter Dinge seinen Besen wieder nach oben ziehen. Sie sah, wie Harry seine Unterhaltung mit Neville und Draco wieder aufnahm, während er mit den Augen weiterhin Ginny verfolgte.

Über drei Stunden dauerte das Spiel nun schon, und es wogte jetzt äußerst heftig hin und her. Dann ging alles sehr schnell. Die Mannschaft von Hogwarts war bis auf zehn Punkte an die Bats herangekommen, als Ginny erneut den Schnatz entdeckte. Sie setzte zu einen ungebremsten Sturzflug an, der Erdboden kam in rasender Geschwindigkeit immer näher und die Zuschauer auf den Tribünen begannen ohrenbetäubend zu johlen, als der kleine silberne Ball abrupt die Richtung änderte und steil nach oben zog. Der Sucher der Bats konnte nicht mehr so schnell reagieren, streifte den Boden und wurde im hohen Bogen vom Besen geschleudert. Ginny dagegen schaffte es im letzten Moment, den Stiel ihres Besens nach oben zu ziehen. Sie raste dem Ball hinterher, streckte die Hand aus und fing den Schnatz, während ihr Gegner schwankend und laut vor sich hin schimpfend auf die Beine kam und sich den Dreck von der Robe klopfte. Die Zuschauer waren außer sich vor Begeisterung, der Jubel grenzenlos. Kaum jemand hatte erwartet, dass die kurzfristig zusammengewürfelte Mannschaft von Hogwarts in der Lage sein würde, gegen ein etabliertes Team der Quidditch-Liga zu bestehen.

Auch wenn Hermione Quidditch ansonsten nicht allzu viel abgewinnen konnte — sie hatte sich zu Anfang auch mehr für ihre Umgebung als für das Geschehen auf dem Spielfeld interessiert — bereute sie es nicht, dieses Spiel gesehen zu haben. Die Begeisterung ihrer Freunde hatte sie zu guter letzt doch angesteckt und sie sah, dass auch Draco sich völlig entspannt hatte. Er stand nun zwischen Harry und Luna, die immer noch seine Hand hielt. Und es schien Draco nicht gerade unangenehm zu sein, wie Hermione leise lächelnd feststellte.

Sie wusste aus jahrelanger Erfahrung, dass die meisten ihrer Freunde sich jetzt irgendwo zusammensetzen würden, um den doch überraschenden Sieg gebührend zu feiern und das Spiel dabei in allen Einzelheiten zu analysieren. So schön es für sie auch gewesen war, wieder Zeit mit ihren Freunden zu verbringen, sehr schön sogar, so genau wusste sie auch, dass ihr Interesse an Quidditch diesen Test nicht bestehen konnte. Es würde nicht lange dauern, ehe sie sich entsetzlich langweilen, die Augen verdrehen und sich ihren eigenen ‘Spielplatz’ — früher ihre geliebte Bibliothek — suchen würde. Die anderen würden sie sicherlich nicht unbedingt vermissen, wenn sie jetzt unauffällig verschwand.

Da auch Severus voll und ganz ausgelastet sein würde, schlenderte sie langsam die Treppen hinunter, ohne genaues Ziel, und fand sich bald schon auf halben Weg zum Verbotenen Wald und zu Hagrids Hütte wieder. Das sicherlich immer noch anhaltende Gejohle von den Tribünen war bis hierher nicht mehr zu hören. Da sie sich daran erinnerte, auch Hagrid unter den Zuschauern beim Quidditch-Spiel gesehen zu haben, setzte sie sich ins Gras, lehnte sich auf die Ellbogen zurück und hielt einen Moment mit geschlossenen Augen ihr Gesicht in die Sonne, um die nach der ganzen Aufregung willkommene Ruhe zu genießen.

Plötzlich verschwand die Sonne, obwohl noch eben keine Wolke am Himmel zu sehen gewesen war, und sie öffnete irritiert die Augen. Sie blickte direkt in das Gesicht von Ron, was sie spontan zusammenzucken und sich aufrichten ließ. Seitdem Severus ihr von seinen Plänen und denen des Lehrerkollegiums, die Wiedereröffnung der Schule durch ein Quidditch-Spiel zu feiern, berichtet hatte, hatte sie vermutet, dass er auch die Weasleys, und damit natürlich auch Ron, eingeladen hatte. Doch sie hatte gehofft, um eine direkte Begegnung mit … ja, das war er wirklich gewesen … einem ihrer beiden besten Freunde herumzukommen, da sie eine weitere Auseinandersetzung mit ihm befürchtete.

Ron musste aus ihrem Mienenspiel und der eindeutigen Körpersprache seine eigenen Schlüsse gezogen haben, die ihn jedoch wohl in die richtige Richtung schubsten, denn er zeigte ihr seine leeren Hände, mit den geöffneten Handflächen nach oben. »Bitte, Hermione, ich will nur mit dir reden.«

»Ron … Ich denke nicht …«, versuchte Hermione ihn davon abzuhalten, ein Gespräch zu beginnen.

Er kniete sich vor ihr auf den Boden. »Meine Mum schickt mich, um dich zu holen.«

»Deine Mum?« Jetzt verstand sie überhaupt nichts mehr.

»Sie möchte mit Sna— Professor Snape und dir sprechen.« Er hatte sich gerade noch rechtzeitig genug selbst korrigiert, wie er wusste, als der Ansatz eines Stirnrunzelns aus Hermiones Gesicht verschwand.

>Was konnte Molly Weasley von ihnen wollen? Außer Severus wieder mit bösen Blicken zu traktieren …< Genau diese Gedanken spiegelten sich sicherlich auch in ihrer Miene wider, denn Ron setzte mit schuldbewusstem Gesicht hinzu: »Sie will euch selbst sagen, was passiert ist … Ich habe mich angeboten, dich zu suchen, weil ich mich bei dir entschuldigen möchte.«

»Ron …«

»Was ich getan habe … und was ich gesagt habe, ist unentschuldbar. Ich weiß, dass ich einen riesigen Fehler gemacht habe, Hermione. Ich war verletzt und — eifersüchtig. Eifersüchtig auf deine schulischen Erfolge, auf deine Fähigkeiten, auf deine Loyalität …« Er hielt sie auf, als sie ihm offensichtlich widersprechen wollte, »â€¦ doch, Hermione, ich schäme mich immer noch dafür, dass ich euch im Wald der Weltmeisterschaft einfach sitzen gelassen habe.«

»Du bist aber dann zurückgekommen, Ron«, sagte sie eindringlich, »Und du hast wichtige Informationen mitgebracht, an die wir sonst nie gekommen wären.«

»Das entschuldigt es nicht!« Er schüttelte den Kopf. »Und dann hast du Professor Snape das Leben gerettet … Das und als du all meine Zukunftspläne für uns über den Haufen geworfen hast … In diesem Moment hab’ ich einfach rot gesehen …«

Hermione hatte bisher mehr oder weniger stumm zugehört, schnaubte jedoch jetzt laut. »Das hast du ziemlich deutlich gezeigt!«

»Ich weiß â€¦ und ich bin ganz sicher nicht stolz darauf. Es war dumm und kindisch«, antwortete er tief beschämt. »Aber, du musst mir glauben, Hermione, es tut mir entsetzlich leid. Ich wollte eine gemeinsame Zukunft für uns …«

»Es gibt kein ‘uns’, Ron …«, versuchte Hermione ihm freundlich, aber bestimmt beizubringen. »Ich …«

Doch er unterbrach sie. »Das ist mir nicht verborgen geblieben.« Unendliche Trauer schwang in seiner Stimme. »Ich hab’ euch gesehen … Im Ministerium. Erst, als du ihn vor den Auroren zu schützen versucht hast, und dann im Gerichtssaal, während der Aussage von Dumbledore und danach. Ich musste mitansehen, wie deine Augen leuchteten, wenn du ihn angeschaut hast … Und noch schlimmer: Ich hab’ gesehen, auf welche Art er dich angeschaut hat …«

Hermione schloss einen Moment gepeinigt die Augen. »Ach, Ron! Jahrelang hatte ich gehofft, dass du mich endlich wahrnimmst — und nicht nur als Kumpel oder beste Freundin oder wandelndes Lexikon für die Hilfe bei deinen Hausaufgaben. Als es dann endlich so weit war, musste ich entsetzt feststellen, dass unsere Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft auseinanderklafften wie Tag und Nacht. Vielleicht hätten wir das noch irgendwie auf die Reihe bekommen, hätten irgendeinen Kompromiss gefunden, aber …«

»Es ist gut, Hermione, du brauchst dich nicht zu rechtfertigen. Ich möchte nur, dass du weißt, dass es mir leid tut und dass ich — wenn du mir irgendwann verzeihen kannst — gern weiterhin dein Freund sein möchte. Einer deiner beiden besten Freunde«, setzte er hoffnungsvoll hinzu. »Und nun komm, Mum wartet.« Er stand auf und streckte ihr die Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen.

Nur sehr zögerlich griff Hermione nach dieser Hand; sie fühlte sich genau so an, wie sie sie in Erinnerung hatte: Schwitzig und weich. Sie musste unwillkürlich lächeln und fasste stärker und dann auch ohne Bedenken zu, um sich von Ron hochziehen zu lassen.

Gemeinsam gingen sie hinüber zum Schloss. Auf den Eingangsstufen saßen eng umschlungen Bill und Fleur, die sie bereits erwarteten. Beide standen auf und Bill schloss Hermione fest in die Arme, um sie dann an seine Frau weiterzureichen, die ihr nach einer weiteren festen Umarmung einen Kuss auf beide Wangen gab.

Als Bill sie auf Armeslänge von sich weg hielt, um sie eingehend zu mustern, deutete Fleur plötzlich strahlend auf Hermiones Kehle, wo noch bis vor wenigen Wochen die Erinnerung an die hässliche Episode mit Bellatrix deutlich sichtbar gewesen war. »Oh, Cherie, zzieh nur, dieszze ‘ässlische rote Narbe ischt weg.«

Hermione lächelte beide glücklich an. »Ja, Poppy Pomfrey hat die Narbe mit Diptam behandelt. Aber … Bill, ohne dich … Ohne deine Fähigkeiten als Fluchbrecher … Ich weiß nicht, ob ich mich jemals richtig bei dir bedankt habe …«

Doch der ältere Weasley schüttelte nur abwehrend den Kopf. »Das brauchst du nicht. Deine strahlenden Augen nach der Anhörung waren für mich Dank genug.«

»Dann bist wenigstens du mir nicht böse?«

Er schaute sie lange und sehr eindringlich an. »So gern ich dich auch als richtiges Familienmitglied in unserer Familie begrüßt hätte — ich bin mir nicht sicher, ob du mit meinem kleinen Bruder wirklich glücklich geworden wärst«, antwortete er nach langem Nachdenken.

»Hmpf!«

Ein lautes Schnauben erinnerte ihn daran, dass genau dieser kleine Bruder nur zwei Schritte entfernt jedes Wort gehört hatte.

»Snape ist mit Sicherheit kein gut aussehender und einfach zu handhabender Mann, aber wenn ich daran denke, wie enorm seine magischen Fähigkeiten sind und wie tief verwurzelt seine Loyalität ist …« Bill wiegte gedankenverloren den Kopf. »Du bist ihm in beiden Dingen ebenbürtig, Hermione, und noch in vielem mehr. Dein Verhalten während des Krieges …«

Fleur zupfte ihn behutsam am Ärmel seiner Robe. »Molly wartet …!«, erinnerte sie ihn mit einem bedeutungsvollen Blick. Jeder von ihnen wusste, wie ungern Molly Weasley wirklich wartete.

»Du hast Recht, wir sollten besser gehen«, stimmte Hermione zu.

Doch er schüttelte den Kopf. »Nein, meine Eltern möchten mit dir und Professor Snape allein sprechen. Sie sind unten in den Dungeons«, antwortete er. »Du wirst sicherlich bald verstehen, warum«, setzte er hinzu, als er sah, wie sich ihre Stirn sorgenvoll zu runzeln begann und sie ihm widersprechen wollte.

Besorgt — viel besorgter, als sie sogar sich selbst gegenüber zuzugeben bereit war — hastete Hermione die Treppe zum Eingangsportal hinauf und verfiel sogar kurzzeitig in einen Dauerlauf durch die Eingangshalle. Der Weg in die Kellergewölbe von Hogwarts schien sich plötzlich endlos zu ziehen. Erst als sie sich bewusst machte, dass nicht nur Molly, sondern auch Arthur auf sie warteten, beruhigte sich ihr rasender Herzschlag ein wenig. Arthur Weasley war immer derjenige gewesen, der seine Frau noch ein wenig besänftigen oder wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen konnte.

Etwas langsamer lief sie nun die Treppe hinunter, die zu Severus’ Wohnung führte und berührte mit der Spitze ihres Zauberstabes den Vollmond auf dem Bild. Kaum wurden in dem dunklen rohen, fast unbehauenen Stein die Umrisse der Tür und der Türklinke sichtbar, murmelte sie beinahe unhörbar »Pugnator lucis!« — Severus hatte das Passwort immer noch nicht geändert — vor sich hin, um die Banne zu senken und drückte sofort die Klinke herunter.

Auch wenn sie innerlich immer noch extrem angespannt war, würde sie sich dies nicht anmerken lassen, hatte sie sich auf dem Weg hier herunter fest vorgenommen. Aus diesem Grund durchquerte sie gemessenen Schrittes den spärlich mit Fackeln beleuchteten Flur. Sie konnte leise Stimmen aus dem Wohnzimmer vernehmen, die auf eine ruhige Unterhaltung hindeuteten. Das Gefühl von Erleichterung breitete sich in ihr aus, auch wenn eine gewisse Beunruhigung weiterhin blieb. Nach außen hin gelassen und beherrscht betrat sie das Wohnzimmer.

Arthur und Molly saßen gemeinsam auf der Couch am Kamin — Arthur hatte wie so häufig in letzter Zeit seinen Arm um die Schulter seiner Ehefrau gelegt — während Severus es sich in seinem Lieblingssessel sichtlich bequem gemacht hatte. Alle drei hatten Tassen vor sich stehen und ein weiteres Gedeck schien auf sie, Hermione, zu warten. An seiner Körpersprache und der lockeren Atmosphäre konnte Hermione erkennen, dass Severus sich keinerlei Sorgen um seine Sicherheit zu machen schien, und der Rest der Anspannung fiel von ihr ab und machte Erleichterung Platz.

»Molly, Arthur …«, grüßte Hermione dennoch zurückhaltend.

Arthur Weasley erhob sich augenblicklich, kam um den kleinen Couchtisch herum und schloss Hermione fest in die Arme, was diese vorerst vollkommen aus der Fassung brachte, als sie daran dachte, wie sich die Weasleys in den ganzen Wochen verhalten hatten. Ein paar Sekunden später fühlte sie sich in eine weitere Umarmung gezogen und an einen weichen Busen gedrückt. Völlig irritiert schaute sie — sobald sie wieder Luft bekam — von einem zum anderen, um dann, hilflos und fragend die Schultern zuckend, zu Severus zu blicken. Dieser jedoch zog nur eine Augenbraue nach oben; allerdings konnte sie erkennen, dass in seinen Augen keinerlei Spott lag.

Wieder wanderte ihr Blick zu den Weasleys. Molly griff vorsichtig nach Hermiones Hand, so, als ob sie von deren Seite aus Widerstand erwarten würde. »Wir sind heute nicht nur hierher gekommen, um das Benefiz-Spiel zu sehen …«, begann sie zaghaft, während ihr Blick unstet zwischen Severus und Hermione hin und her wanderte. Dann schwieg sie eine geraume Weile, öffnete immer wieder den Mund und schloss ihn wieder, ehe es aus ihr herausbarst: »Wir waren in Azkaban!«

Arthur griff vorsichtig nach dem Arm seiner Ehefrau, die wieder zu weinen begonnen hatte, und führte sie zurück zur Couch. »Ist gut, Molly, ist ja gut. Schscht«, versuchte er sie zu trösten.

Unter Tränen sah sie zu ihm hoch. »Nein, nichts ist gut, Arthur. Einer meiner Söhne ist tot, ein weiterer ist ein Todesser und der dritte … der dritte beschimpft und verletzt sogar physisch die Frau, die er angeblich liebt. Und er war noch nicht einmal Manns genug, zu dem zu stehen, was er getan hat«, sprudelte es unter weiteren Tränen aus ihr heraus. »Was, um Merlins willen, habe ich falsch gemacht?«

Niemand wagte, auch nur einen Laut von sich zu geben. Jeder in diesem Raum wusste, dass Molly nichts falsch gemacht hatte, dass sie jedoch in diesem Zustand auf niemanden von ihnen hören würde, auch wenn eventuelle beschwichtigende Worte noch so gut gemeint sein mochten.

Severus setzte sich wieder in seinen Sessel, und Hermione erwog einen Moment, sich auf die Lehne zu Severus zu setzen, verwarf diesen Gedanken jedoch sofort wieder. Sie wollte das Unheil nicht herausfordern, wollte Molly nicht provozieren. Langsam ging sie zu dem anderen, noch freien Sessel, setzte sich und goss sich eine Tasse Tee ein, während sie ihre Umgebung unauffällig beobachtete.

»Wir waren in Azkaban …« flüsterte Molly. »Kingsley hat uns die Besuchsgenehmigung und den Portschlüssel besorgt. Ich weiß noch immer nicht, wo sich dieses … dieses ‘Etwas’ … befindet. Diese Steilküste … Der Pfad durch die Klippen … Das tosende Meer vor uns … Schon der Anblick dieses dunklen Bauwerks — wie eine Zitadelle — vom weit entfernten, gegenüberliegenden Strand aus … Es war so furchtbar.« Sie schauderte — und nicht nur sie.

»All die Zeit habe ich alles nur für einen bösen Traum gehalten, habe geglaubt, irgendwann aufzuwachen und zu erkennen, dass ich in einem Wahnwitz aus Alptraum und Illusion gefangen bin. Doch nichts geschah. Wir wurden in einen Raum geführt … so kalt … so abweisend …« Ihre Stimme, die mit jedem Wort langsam wieder fester wurde, konnte den tiefen Schmerz nicht verbergen.

»Sie führten Percy in Ketten herein. Das war nicht mehr mein Junge, der Junge, den ich geboren und großgezogen hatte. Vor mir stand ein völlig Fremder — höhnisch, herablassend, erbarmungslos.« Sie sah auf, begegnete Severus’ Blick. »Ich war so dumm, Severus. Ich habe dir die Schuld dafür gegeben, dass Percy zu den Todessern, zu Voldemort übergelaufen ist. Doch dem ist nicht so …«

Severus hielt seine undurchdringliche Miene aufrecht, obwohl Hermione ahnte, wie sehr diese Worte ihn getroffen haben mussten. Sie wünschte sich für einen kurzen Moment wider besseren Wissens, sich doch auf seine Sessellehne gesetzt zu haben, wusste jedoch auch, dass er sie jetzt wohl kaum an sich heranlassen würde.

Arthur legte Molly die Hand auf den Arm. Er hatte die ganze Zeit schweigend zugehört, sah, wie seine Frau sich quälte, hatte jedoch auch die Emotionen gesehen, die sich in Hermiones Gesicht widergespiegelt hatten. »Lass’ mich weiter erzählen«, bat er leise. Sie nickte nur.

»Das erste Wort, das über seine Lippen kam, als er sah, wer seine Besucher waren, war «Blutsverräter!», den Rest möchte ich hier gar nicht erst wiedergeben. Was ich aus seinen Schmähungen und Hasstiraden herausfiltern konnte, war, dass er meine abnorme Affinität zu Muggel-Dingen hasse, dass er uns für unser armseliges Leben verachtete. Er sei im Hauptquartier, in Malfoy Manor, gewesen und habe mit eigenen Augen gesehen, wie Reinblüter von Rechts wegen leben sollten.«

Hermione dachte an ihre eigenen Besuche im Fuchsbau zurück, als sie während so vieler Schulferien dort zu Gast gewesen war. Sie hatte es immer genossen, dort zu sein, hatte erlebt, wie viel Liebe und Geborgenheit die Weasleys ihren Kindern gaben, auch wenn das Geld vielleicht knapp war. Sie konnte nicht verstehen, dass Percy das alles mit Füßen trat. Sicher, die Malfoys waren reich, und sie bezweifelte nach allem, was sie in den letzten Wochen und Monaten gesehen hatte, dass es Draco an Liebe und Geborgenheit gefehlt hatte, aber Reichtum war nicht alles.

Arthur saß gedankenversunken da, völlig gefangen in seinen Erinnerungen. »Das war nicht unser Sohn, der da vor uns stand … Doch zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir das nicht eingestehen, wollte die Wahrheit auch nicht sehen. Nur so kann ich mir erklären, dass ich dann einen riesigen Fehler gemacht habe.«

»Welchen Fehler???«, fragte Hermione erstaunt. Sie hatte sich eigentlich zurückhalten wollen, doch die Worte waren ihr einfach so herausgerutscht.

»Ich habe ihn unterschätzt!«, antwortete Arthur leise. »Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich auf das verlassen, was als allgemeine Kenntnisse über Azkaban in der magischen Gemeinschaft geläufig ist: Dass die inhaftierten Gefangenen dort ihre Zauberkräfte verlieren, weil diese durch das Ministerium magisch an ihren Zauberstab gebunden werden und dieser in Verwahrung genommen wird …«

Hermione runzelte die Stirn. »Das kann ich mir nicht vorstellen. Sirius konnte sich auch ohne seinen Zauberstab in seine Animagus-Gestalt verwandeln …«

Severus warf ihr einen schnellen Blick zu. »Arthur hat Recht. Es wird allgemein als Tatsache angesehen und vorausgesetzt, dass es so abläuft …«

Hermione konnte seine Zweifel an dieser in der Zaubererwelt, und selbst in Büchern verbreiteten Lehrmeinung heraushören, aber zu Severus’ Überraschung hakte sie nicht nach. Doch er wusste, dass sie ihre diesbezügliche Frage ganz sicher nicht vergessen würde. Er freute sich bereits jetzt auf die zu erwartende Diskussion.

Arthur dagegen nickte leicht. »Ich war … Wir waren felsenfest davon überzeugt. Jedenfalls — ein Wort gab das andere, die Beschimpfungen wurden immer schlimmer und es wurde auf beiden Seiten immer lauter. Plötzlich traf ein nonverbaler >Stupify!< Molly mitten in die Brust. Ich habe im ersten Moment nicht einmal begriffen, was vor sich geht, habe geglaubt, dass Molly sich zu sehr aufgeregt hat und ihr Herz … Bis ich unversehens einen entsetzlichen Schmerz verspürte, wie noch nie zuvor in meinem Leben, und zu Boden stürzte. Er hatte es irgendwie geschafft, einen nonverbalen >Crucio!< zu werfen. Meine Schreie müssen die Wachen alarmiert haben …«

»Er hat euch angegriffen?« Hermione konnte es nicht glauben. Fassungslos beugte sie sich nach vorn.

Molly sah geradezu elend aus, Arthurs Gesicht dagegen wirkte wie versteinert. »In seinen Augen war so viel Hass … Als sie ihn abführten, schwor er unter ohrenbetäubendem Gebrüll, dass sein Dunkler Lord zurückkehren und uns alle vernichten würde. Als ersten diesen Verräter — Snape, und danach gleich … das … das … Schl-Schlammblut. Und er selbst würde dabei nicht nur müßig danebenstehen.« Arthur hatte es kaum über sich gebracht, diese Drohungen — auch wenn es nur leere Drohungen waren — zu wiederholen, und besonders die Schmähung war ihm nur schwer über die Lippen gekommen.

»Oh Merlin …!«, flüsterte Hermione, während Severus nur gequält die Augen schloss.

Die Matriarchin der Weasley-Familie, die bei der Schilderung der Ereignisse völlig in sich zusammengesackt war, versuchte sich nun aufzurichten und die Schultern zu straffen, was ihr jedoch nur bis zu einem gewissen Grad gelang. Jeder konnte erkennen, dass sie all ihren Mut brauchte, um Severus in die Augen zu sehen.

»Ich habe mich beeinflussen lassen, Severus, obwohl ich es hätte besser wissen müssen. Percy und Charly … Sie waren sich so sicher, klangen so überzeugend, als Ron uns erzählte, dass du am Leben bist. Und Ron … Ich habe nicht begriffen, dass er dich aus einem ganz anderen Grund dermaßen abgrundtief hasste. Nur Bill und meine einzige Tochter haben die ganze Zeit versucht, mir für ihre Handlungsweise die Augen zu öffnen, doch ich war zu blind und zu verbohrt in meinen Anschauungen. Über Monate habe ich einfach vor dem Offensichtlichen die Augen verschlossen.«

Arthur legte ihr besänftigend die Hand auf den Arm, doch sie war nicht zu bremsen. »Nachdem Percy als Todesser entlarvt wurde, habe ich mir selbst einzureden versucht, es wäre dein Einfluss gewesen, der ihn in die Arme von V-Voldemort getrieben hätte und die Schuld dafür auf dich abgewälzt … Heute weiß ich, dass du über all die Jahre nur eine Rolle gespielt hast, nur leider viel zu gut. Ich weiß, dass die Leute dich immer zu Vielem für fähig gehalten haben, Severus …«

Beschämt senkte sie die Augen, ehe sie ganz leise hinzusetzte: »â€¦ aber nach dem, was in Azkaban geschehen ist, musste ich mir endlich eingestehen, dass kein Einfluss dieser Welt dazu ausgereicht hätte, Percy dazu zu treiben, seine Eltern anzugreifen, wenn er es nicht selbst wirklich gewollt hätte. Niemand von uns trägt die Schuld, nur er selbst! Es war einzig und allein seine Entscheidung, das Dunkle Mal zu nehmen.«

»Molly …« begann Severus, doch er wurde sofort von ihr unterbrochen.

»Und dann kam auch noch die Sache mit Hermione dazu …«

Molly sah, wie Hermione auffahren wollte und schüttelte nur leicht den Kopf.

»Nein — nicht, dass du Severus das Leben gerettet, sondern dass du Gefühle für ihn entwickelt hast … Und er für dich …«, sagte sie leise. »Ron … Er ist erst vor zwei Wochen mit der ganzen Wahrheit herausgerückt …« Sie seufzte schwer. »Ich konnte einfach nicht fassen, was er getan hatte. So haben wir unsere Kinder nicht erzogen … Ich schäme mich so sehr dafür, wie ich euch behandelt habe. Vielleicht könnt ihr mir eines Tages verzeihen …«

*'*'*'*'*

An diesem Abend lag Hermione noch lange wach.



Fortsetzung folgt …

A/A: »Pugnator lucis!« (Kämpfer des Lichts)


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