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Fanfiction

Coniunctio perpetua - Kapitel 34 — Die Weisheit eines Kneazels

von Alea_Thoron

DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.

Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der mich mit »Und wann schreibst Du endlich Deine eigene Geschichte?« erst dazu gebracht hat, diese Story Wirklichkeit werden zu lassen.


Coniunctio perpetua by Alea Thoron


Kapitel 34 — Die Weisheit eines Kneazels

Harry und Hermione hatten sich, wie viele andere ihrer Jahrgangsstufe auch, für die verkürzte Version des Schuljahres entschieden, um mit Hilfe von Tutoren ihre NEWTs vorzeitig abzulegen, da sie von Anfang an gespürt hatten, dass es ihnen nicht leicht fallen würde, sich wieder in den normalen Schulalltag einzufügen. Zu viel war auf den umliegenden Ländereien und in den Gemäuern von Hogwarts geschehen, zu viele ihrer ehemaligen Freunde würden niemals die Möglichkeit haben, hierher zurückzukehren, um ihr vorletztes oder letztes Jahr zu beenden, als dass die Überlebenden in ein unbeschwertes Dasein als Schüler zurückfinden konnten.

Auch so hatte es sich im Laufe der kurzen Zeit bereits herauskristallisiert, dass die Rückkehrer der siebenten Klassen überwiegend unter sich blieben. Zwei der wenigen Ausnahmen bildeten Ginny und Luna, die sich mehr ihnen anschlossen, als dass sie bei ihren eigenen Klassenkameraden zu finden waren. Die Rückkehrer hatten sich, mit der Erlaubnis des Schulleiters, einen ungenutzten Klassenraum als eine Art Gemeinschaftsraum zurecht gemacht, in dem sie sich unabhängig von der Hauszugehörigkeit treffen und miteinander reden oder einfach nur ungestört lernen konnten. Selbst alte Hausrivalitäten waren weitgehend begraben worden, obwohl die Slytherins sich noch immer für sich hielten und von dem Angebot dieses Gemeinschaftsraumes keinen Gebrauch machten. Doch Hauszugehörigkeiten, Blutstatus oder sonstige Dinge — nichts davon war heute noch wichtig, und doch blieben die Schatten der Vergangenheit für jeden von ihnen jederzeit allgegenwärtig.

Dennoch mussten Harry und Hermione sehr schnell feststellen, dass beide mit einem in vielen Bereichen des täglichen Leben eingeschränkten Dasein als Schüler nach einem Jahr, in dem sie auf sich selbst gestellt in der Wildnis um ihr Überleben gekämpft hatten, nicht so einfach umgehen konnten, wie sie sich insgeheim erhofft hatten. Obwohl Severus als Schulleiter gerade den Erwachsenen unter den Schülern — und insbesondere Harry, Hermione und Draco — so viele Freiheiten wie möglich gab zugestanden hatte, fühlten sie sich restringiert und manchmal auch bevormundet.

Noch mehr litt allerdings der blonde Slytherin unter seiner Rückkehr nach Hogwarts. Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, wurde er von den Mitschülern in seinem eigenen Haus oftmals wie ein Aussätziger behandelt. Wandten ihm die Einen den Rücken zu, weil seine Familie — wie nun nach der Verhandlung vor dem Zaubergamot allgemein bekannt war — schon während der einjährigen Terror-Herrschaft des Dunklen Lords und bei der Schlacht um Hogwarts nicht loyal zu Voldemort gestanden hatte, wogegen ihre eigenen Eltern oder Angehörigen nun gerade aufgrund ihrer eigenen Loyalität in Azkaban saßen, während sich seine auf freiem Fuß befanden, so distanzierten sich Andere von ihm, weil sie immer noch nicht glauben konnten und wollten, dass ausgerechnet ein Malfoy geläutert sein solle. Die Atmosphäre im Slytherin-Gemeinschaftsraum gefror deshalb jedesmal zu Eis, sobald Draco den Raum betrat. Für ihn war dieser von den anderen Häusern ins Leben gerufene Gemeinschaftsraum buchstäblich zu einem Zufluchtsort geworden, wo er nicht nur geduldet war, sondern sich akzeptiert fühlte.

Auch andere Dinge hatten sich nicht so entwickelt, wie Hermione gehofft hatte. Obwohl das Ministerium alles daransetzte, die auf der Flucht befindlichen Todesser aufzuspüren und dingfest zu machen, waren die bisher zu verbuchenden Erfolge kläglich. Immer wieder kam es zu Überfällen auf Muggel und Muggelgeborene, so dass Hermione es bisher nicht gewagt hatte, nach Australien zu reisen, um die Erinnerungen ihrer Eltern wiederherzustellen und sie zurück nach Großbritannien zu holen. Ungeachtet dessen, dass sie sich immer wieder sagte, dass ihr damaliges Vorgehen das Beste gewesen sei, was sie hatte tun können, obwohl es für sie ein großes persönliches Opfer bedeutet und der bisherige Verzicht Vernunft gebietende Gründe hatte, vermisste sie ihre Eltern schrecklich.

Es war für sie auch keinerlei Trost, dass Kingsley während des Quidditch-Benefiz-Spiels gereizt und entschieden frustriert gewirkt hatte. Sie hatte beiläufig mitbekommen, wie der riesige schwarze Mann mit dem goldenen Ohrring sich bitter über die Arbeitsweise des Ministeriums und die wenigen Fortschritte beklagt hatte und in dieser Verfassung sogar so weit gegangen war zu erklären, dass er kaum noch die Hoffnung habe, alle Todesser und Sympathisanten Voldemorts aufzuspüren.

Weihnachten war gekommen und gegangen. Mit den Ferien war im Schloss endlich auch so etwas wie Ruhe eingekehrt, obwohl sich weder Hermione noch Severus eine Atempause gönnten. Anfang Februar würden die Schüler, die sich für Tutoring entschieden hatten, ihre NEWTs ablegen, was für Hermione und ihre Freunde einen riesigen Berg an zusätzlichen Hausaufgaben und für Severus viel zusätzliche Planungsarbeit bedeutete.

Auch wenn sie tagtäglich neben ihren schulischen Verpflichtungen die Zauberstab-Bewegungen für den Destrue Coniunctiones weiterhin durchexerziert hatte, hatte Hermione bisher noch immer keine Möglichkeit gefunden, sie auszuführen, ohne ihren Zauberstab an dieser einen bestimmten Stelle mit einem Schmerzensschrei fallenzulassen. Inzwischen war sie felsenfest davon überzeugt, dass es irgendeinen Trick geben musste, der im Denkarium nicht zu erkennen gewesen war.

In der wenigen freien Zeit, die ihr zur Verfügung stand, durchsuchte sie deshalb Severus’ Privatbibliothek nach irgendeinem Anhaltspunkt. Harry hatte laut lachend den Kopf geschüttelt, als sie ihm, nachdem sie das erste Mal Severus’ Wohnräume betreten hatte, von ihrem neuesten Fund — einer Bibliothek größer und dunkler als die der Blacks — berichtete. Severus hatte ihren Enthusiasmus allerdings reichlich gedämpft, als er bezweifelte, dass sie dort etwas finden würde, das ihnen weiterhelfen könnte. Und er hatte, sehr zu Hermiones Unmut, bisher Recht behalten. Doch sie würde nicht aufgeben!

Gestern hatte sie sich sogar dazu durchgerungen, Albus Dumbledore aufzusuchen, um ihn um seine Hilfe zu bitten. Doch der Portrait-Dumbledore hatte — bis auf den Austausch einiger Höflichkeitsfloskeln — beharrlich geschwiegen, während er sie über den Rand seiner Halbmondbrille scharf gemustert hatte. Hermione vermutete, dass er sich trotz all seinem nach außen hin vorgegebenen Sinneswandel noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass sie die Flüche aufheben wollte.

Nun saß sie auf ‘ihrer’ Couch am Kamin in Severus’ Wohnzimmer und versuchte, die Unzufriedenheit und Enttäuschung zu überwinden, die sich nach diesem Besuch wie Steine auf ihre Seele gelegt hatten. Sie spielte geistesabwesend mit ihrem Zauberstab, ließ ihn zwischen ihren Fingern rollen. Tief in Gedanken versunken bemerkte sie nicht, dass jede ihrer Bewegungen bereits eine geraume Weile aus gelben, zusammengekniffenen Augen eindringlich beobachtet wurde.

Das flackernde Feuer warf tanzende Schatten an die steinernen Wände, und nur das Knacken der Holzscheite und das fröhliche Knistern der Flammen im Kamin durchbrachen die Stille des Wohnzimmers. Mit einem einzigen großen Satz sprang plötzlich ein großes rotes Fellbündel auf Hermiones Schoß und rüterte dort herum, bis es eine seiner exakten Vorstellung entsprechende Position gefunden hatte.

»Hallo, du Rumtreiber. Welchen Unfug hast du dieses Mal wieder ausgeheckt?«, fragte sie ihren Kater neckend und erhielt dafür prompt einen strafenden Blick, als ob Krummbein ihre Anschuldigungen verstanden hätte. Sie wollte ihm durch das wuschelige Fell streichen, doch er schien im Moment anderes im Sinn zu haben.

Krummbein setzte sich aufrecht hin, den buschigen Schwanz ordentlich um seinen Körper geschlungen, und schien seine Missy aufmerksam zu beobachten, starrte regelrecht in ihr Gesicht. Interessiert, fragend, geradezu erwartungsvoll. Als Hermione sich nicht rührte, nur über das merkwürdige Verhalten ihres Kneazels irritiert die Stirn runzelte, hob er eine Pfote und patschte damit erst gegen ihre Hand, in der sie den Zauberstab hielt, und dann gegen ihren Busen. Ungeduldig, beinahe ärgerlich.

»Was hast du denn?«, fragte sie neugierig.

Nachdem seine Missy immer noch keine Anstalten machte, seiner doch so offensichtlichen Anweisung nachzukommen, gab er ein lautes forderndes »Miiaauu!!!« von sich, während er seine Pfote — dieses Mal mit ausgefahrenen Krallen — mehrmals gegen die Stelle schlug, wo der Ring unter ihren Roben an seiner Kette hing, um sich dann unvermittelt auf die Hinterbeine zu stellen und mit den Zähnen an der Kette zu zerren.

»Au!!! Krummbein!!! Was soll das?«, entfuhr es ihr, als ihr Halb-Kneazel es schaffte, seine Krallen durch ihre Roben in ihre Haut zu bohren. Sie wollte gerade nach ihm greifen, um ihn kurzerhand unsanft nach unten zu befördern, doch dann hielt sie abrupt inne.

>Was, wenn …<, schoss ihr plötzlich eine Eingebung durch den Kopf. >Aber … das ist doch absurd …< Und doch wollte dieser Gedanke sich nicht aus ihrem Kopf vertreiben lassen. Sie sah auf Krummbein, der nun wieder gebannt in ihr Gesicht starrte. Ihr Kater wollte doch nicht ernsthaft andeuten …? Oder doch? Ja, sicher, er war ein Halb-Kneazel, aber …

Mit einem zweifelnden Kopfschütteln und einem weiteren Blick in kluge, gelbe Augen zog Hermione langsam den Ring an seiner Kette aus dem Ausschnitt ihrer Robe und betrachtete ihn. Wie damals konnte sie ihren Blick kaum von den filigran gearbeiteten goldenen Schlangen mit ihren smaragdgrünen Augen losreißen, die im Licht des Kaminfeuers aufblitzten. Und wie damals hatte sie das Gefühl, dass die beiden Schlangen ihr listig zuzublinzeln schienen — als würden sie sie genau zu dem ermuntern wollen, was ihr gerade durch den Kopf gegangen war. Ihr Herz flog ihnen zu, so, wie ihr Herz ihrem rechtmäßigen Eigentümer zugeflogen war.

Sie starrte gedankenverloren auf den Ring. >Einen Versuch ist es wert, oder nicht?<, dachte sie und streifte die Kette über ihren Kopf. Sie öffnete den Verschluss und ließ den Ring auf ihre Handfläche gleiten. Er wog schwer in ihrer Hand, viel schwerer, als sie es in Erinnerung hatte. Die smaragdgrünen Augen der Schlangen schienen sie zu bestärken, diesen einmal eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Krummbein, dessen Augen zwischen dem Ring und seiner Missy hin und her gewandert waren, warf ihr nun einen letzten, geradezu eindringlichen Blick zu, bevor er von ihrem Schoß sprang. Wenige Meter von ihr entfernt drehte er sich mit hoch erhobenem Schwanz zu ihr herum, als wolle er das folgende Geschehen weiter beobachten. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, dass er mit sich selbst äußerst zufrieden zu sein schien.

Hermione stand auf. Noch einmal hielt sie inne, als müsse sie sich vergewissern, dass sie sich nicht völlig zum Affen machte, doch hier war außer ihr nur Krummbein, so dass niemand sonst Zeuge werden würde, wenn sie sich lächerlich machte. >Was kann es schon schaden?< Nach einem letzten Blick auf den Ring und die beiden Schlangen, schob sie ihn langsam, wie magisch angezogen, über ihren Ringfinger bis zum mittleren Knochen, wo er jedoch einfach steckenblieb.

Im selben Moment glaubte sie, einen gleißenden Lichtblitz zu sehen und in ihrem Inneren tobte plötzlich ein Gefühlschaos, wie sie es noch nie erlebt hatte. Panik, Sehnsucht, Angst, Triumph, Verzweiflung, Euphorie stürzten wie ein Tornado gleichzeitig auf sie ein. Mit einem erschrockenen Aufschrei riss sie den Ring vom Finger und starrte auf die Schlangen, deren Augen sie verschlagen und triumphierend zugleich zu beobachten schienen.

»Was war das?«, wisperte sie fassungslos, während sie auf ihre Hände sah, die immer noch unkontrolliert zitterten.

Noch bevor sie einen wirklich klaren Gedanken fassen konnte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen und Severus stürzte herein. »Hermione!!!« Er stürmte mit wehenden Roben auf sie zu, um sie beschützend in die Arme zu reißen, so dass eine schwarze Wand ihr die Sicht versperrte.

Vor Schreck ließ sie den Ring fallen, der daraufhin über den Boden kullerte und unter dem Schrank verschwand. In seiner Stimme hatte so viel Sorge mitgeschwungen, so viel Angst … Doch im Moment konnte sie sich einfach nicht vorstellen, was ihn dermaßen beunruhigt haben könnte. Hier und jetzt drohte niemandem von ihnen irgendeine Gefahr. Gleichzeitig jedoch war es ein unwahrscheinlich gutes Gefühl, ihren Seelenvertrauten so nah bei sich zu wissen, an seiner Brust geborgen zu sein. Tief sog sie den Duft nach Liebstöckel ein, der seinen schwarzen Roben vom letzten Brauen immer noch anhaftete.

»Severus, was ist passiert?«, fragte sie, als sie den Kopf hob.

»Das sollte ich dich fragen. Es war so merkwürdig … Plötzlich glaubte ich, dass ich sofort nach dir suchen muss, weil du mich brauchst, obwohl ich im selben Augenblick wusste, dass dir keinerlei Gefahr droht. Was, in Merlins Namen, hast du gemacht?«

»Ich habe gerade …«, begann sie, um mitten im Satz verunsichert aufzuhören.

Severus zog eine Augenbraue nach oben. »â€¦ Was?«

»Krummbein …« Sie hielt inne. Konnte sie wirklich laut aussprechen, dass ihr Kater sie auf eine völlig verrückte Idee gebracht hatte? Und war es möglich, dass Severus etwas von ihrem Gefühlschaos gespürt hatte? >Konnte es sein, dass der Ring …?<

Er verzog das Gesicht. »Was hat unser haariges Ungetüm denn jetzt schon wieder angestellt?«

Hermione verdrehte die Augen, wusste sie doch, dass er ihren Halb-Kneazel als Mitbewohner vollkommen akzeptiert hatte und Krummbein beinahe ebenso sehr liebte wie sie. Oft genug hatte sie im letzten halben Jahr erlebt, wie ihr Kater auf seinen Schoß sprang, während Severus in seinem Lieblingssessel am Kamin saß und las, und er ihn gedankenverloren zu kraulen begann. Und noch etwas war ihr aufgefallen: Er beschwerte sich nie darüber, wenn lange rote Haare auf seinen Hosenbeinen zurückblieben, nachdem Krummbein ihm um die Beine gestrichen war.

»Nun … Du wirst mir kaum glauben …«

Krummbein suchte sich genau diesen Augenblick aus, um unter dem Schrank vorzukommen, unter den er sich eben noch geflüchtet hatte, als Severus hereingerauscht war. In seiner kleinen Schnauze trug er den Ring wie eine Trophäe vor sich her und strich Severus um die Beine.

»Du kleiner Rabauke, was trägst du denn mit dir herum? Das ist zur Abwechslung aber mal keine Wollmaus …«

Hermione runzelte die Stirn. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals eine Wollmaus in Hogwarts gesehen zu haben. Die Hauselfen würden vor Scham im Boden versinken und ihre Ohren bügeln, wenn … Dann sah sie das Lächeln in Severus’ Augen.

Severus beobachtete mit unbewegter Miene, wie Krummbein den Ring direkt vor seine Füße fallen ließ und dann beifallheischend zu ihm aufsah, als erwarte er eine Belohnung für sein selbstloses Handeln. Er hob den Ring auf, drehte ihn einen Moment nachdenklich in seinen Fingern und wandte sich dann Hermione zu. »Also, was hat dein Kater mit all dem zu tun?«

Fassungslos hatte Hermione dem sich ihr bietenden Schauspiel zugesehen. Nur einmal hatte sich Krummbein so merkwürdig wie heute benommen, damals, in ihrem dritten Schuljahr, als er Sirius mit seinem Körper vor ihnen beschützt hatte. Doch jetzt konnte sie sich auf das für Krummbein eigentümliche Verhalten keinen Reim machen. Aber — wie sollte sie etwas erklären, das sie selbst nicht richtig verstand? »Krummbein … Er benahm sich so seltsam.«

»Noch seltsamer als eben?«

»Ja … Es war, als würde er mir irgendwie zu verstehen geben wollen, dass ich zusammen mit dem Ring und meinen Zauberstab irgendetwas machen solle. Zumindest hat es so ausgesehen. Ich weiß, es ist schwer zu glauben …« Sie zuckte hilflos mit den Schultern, wusste nicht, wie sie es beschreiben sollte.

Doch Severus’ Gesichtsausdruck zeigte ihr, dass er sehr wohl glaubte, was sie sagte. »Du denkst an den Destrue Coniunctiones und die Zauberstab-Bewegungen — es mit dem Ring zu versuchen …? Du hast bereits …« Seine dunklen Augen wurden mit einem Mal noch dunkler.

Hermione konnte nur nicken, da ihre Kehle wie zugeschnürt war. Sie wusste nicht, wie er darauf reagieren würde, dass sie den Ring hatte überstreifen wollen, hatte im Vorfeld überhaupt nicht darüber nachgedacht, sondern war einfach nur ihrem Instinkt, ihrem ‘Bauchgefühl’, gefolgt.

»Meine Gefühle, die Angst um dich … sie kamen von dem Ring …«

Hermione schluckte hart, um ihre trockene Kehle zu befeuchten. »Ich habe versucht, den Ring auf den Finger zu schieben, doch ich konnte ihn nicht über den Mittelknochen bekommen. Dann glaubte ich für einen Moment, einen gleißenden Lichtblitz zu sehen und plötzlich tobte in meinem Inneren ein schreckliches Gefühlschaos — und dann kamst du auch schon hereingestürmt …«

Severus hatte bei ihrer Erklärung die Stirn gerunzelt, und Hermione konnte sehen, wie es hinter genau dieser Stirn zu arbeiten begann. So sehr er sich auch bemühte, er konnte sich nicht daran erinnern, dass Hermione jemals davon gesprochen hatte, den Ring schon einmal auf dem Finger getragen zu haben. An der Kette um den Hals, ja, ständig, aber am Finger? »Du hast den Ring niemals zuvor aufgesetzt, oder?«, fragte er beinahe ungläubig.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, noch nie.«

»Aber, jede Frau liebt es, Schmuck zu probieren …«, erklärte er im Brustton der Überzeugung. »Sagt Lucius!«, setzte er dann leise murmelnd hinzu und hob entschuldigend die Hände, als er ihren spöttischen Blick bemerkte.

»Malfoy, wer sonst!«, schnaubte sie anzüglich, doch es schwang keine Feindseligkeit in ihrer Stimme mit. »Der Ring gehörte mir nicht, Severus, auch wenn er auf magische Art verhindert hat, dass ich über ihn reden oder ihn irgendjemandem zeigen konnte. Das habe ich keine Sekunde vergessen«, antwortete sie nach einem Moment. Auch wenn sie ganz zu Anfang die Versuchung verspürt hatte, ihn anzustecken, war sie ihr nie erlegen.

Severus betrachtete versonnen den Ring, sah die beiden Schlangen, deren Smaragd-Augen ihm verschwörerisch zuzublinzeln schienen. >Nur bis zum mittleren Fingerknochen … Dieser Ring hat schon immer ein Eigenleben besessen; er handelt nicht ohne Grund …<, grübelte er. ‘Der Ring hat dich als seinen neuen Eigentümer anerkannt ... Er wird dir eines Tages den Weg zu deiner Seelenverwandten weisen.’, glaubte er plötzlich die Stimme seiner Großmutter wieder zu hören. Unvermittelt kam ihm ein Gedanke und er sah auf. »Ich vermute, dass der Ring selbst verhindert hat, dass du ihn richtig aufsetzen konntest. Vielleicht habe ich den Grund dafür gefunden«, äußerte er kryptisch, ohne ihr eine weitere Erklärung anzubieten.

Seitdem er entdeckt hatte, dass sein verloren geglaubter Ring sich Hermione offenbart hatte, war ihm bewusst gewesen, dass, wenn er wirklich eines Tages ein normales Leben führen wollte, nicht Lily, sondern diese junge Frau seine ihm bestimmte Seelenverwandte war. Hatten ihn damals noch Zweifel und Ängste geplagt, so war er sich nun absolut sicher, dass Hermione die Frau war, mit der er sein weiteres Leben verbringen wollte, unabhängig von dem Verhalten des Ringes und den Auswirkungen des Coniunctio perpetua und sogar unabhängig davon, ob sie vielleicht eines Tages in der Lage sein würden, einen oder beide Flüche aufzuheben oder nicht. In der letzten Zeit hatte er sich immer öfter damit beschäftigt, sich die Situation auszumalen, in der er ihr offiziell den Ring präsentieren würde. In diesem Moment spürte er, wie sich die Atmosphäre im Wohnzimmer zu verändern schien.

»Ich wollte dafür eigentlich ein stimmungsvolleres Ambiente schaffen …«, seufzte er beinahe unhörbar. Dann jedoch straffte er seine gesamte Gestalt und wandte sich Hermione zu. »Als ich vor über dreißig Jahren diesen Ring von meiner Großmutter bekam, war ich noch zu jung, um die gesamte Tragweite seiner Macht zu verstehen. Nachdem ich ihn Jahre später für unwiederbringlich verloren hielt, glaubte ich lange Zeit, seiner nicht würdig gewesen zu sein, denn der Weg, den ich für mein Leben eingeschlagen hatte, war weder ehrenhaft noch rechtschaffen. Ich war mir sicher, dass er dies schon damals gespürt und mich deshalb verlassen hätte. Jetzt jedoch, nachdem der Ring auf magische Weise seinen Weg zu dir gefunden hat, gibt es für mich keine Zweifel mehr. Es spielt keine Rolle, ob wir irgendwann in der Lage sein werden, die Flüche aufzuheben oder nicht, wichtig allein ist für mich, dass ich dich nie wieder verlieren will, dass ich mein Leben mit dir verbringen möchte, Hermione.«

Niemals zuvor hatte Severus seine Gefühle dermaßen offengelegt. Ihr Herz quoll über vor Liebe, doch da war ein Detail, eine winzige Kleinigkeit, die gar nicht so winzig war und die sie immer noch schmerzhaft vermisste. Sie hatte dieses Detail oft in seinen obsidianschwarzen Augen gefunden, wenn er sie nur ansah, hatte es in seinen Berührungen gespürt, wenn sich in einem Raum voller Menschen plötzlich wie zufällig ihre Hände trafen oder er federleicht ihren Körper streichelte, wenn er nachts neben ihr lag. Sie wusste, dass dieses winzige Detail unbewusst in jeder Sekunde ihr gemeinsames Leben bestimmte, doch sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass er es aussprach.

»Severus …«

In diesem Moment sank der Schulleiter der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, das gefürchtete Oberhaupt von Slytherin, vor ihr auf die Knie. »Ich … liebe dich, Hermione Granger …«, sagte er leise, aber fest, »würdest du mir die Ehre erweisen und die magische Verbindung mit mir eingehen?«

Da waren die Worte, auf die sie so sehnsüchtig gewartet hatte. Ihr größter Herzenswunsch wurde wahr, etwas, worauf sie niemals zu hoffen gewagt hatte. Schon seit Monaten wusste sie, dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen konnte. Dieser Augenblick war der bisher Schönste in ihrem Leben, und sie würde ihn für immer in ihrer Erinnerung festhalten. Sie würden irgendwann gemeinsam entscheiden, wann und wo ihre magische Handfasting-Zeremonie stattfinden würde, die ihrer beider Leben für immer verbinden würde.

Severus hatte nun in alter Tradition den Kopf so tief gesenkt, dass seine Haare wie ein Vorhang vor sein Gesicht fielen und sie den Ausdruck darin nicht erkennen konnte. Er war ein sehr verschlossener Mann, der nur äußerst widerwillig Gefühle zeigte, für den es nichts Schlimmeres gab, als sich freiwillig verletzbar und angreifbar zu machen. Doch nichts lag ihr ferner, als diese Verletzbarkeit auszunutzen. Ihr Herz und ihr Verstand kannten nur eine Antwort. »Ich liebe dich, Severus Snape, und ich wünsche mir nichts sehnlicher als das.«

Severus hob den Kopf und sah sie mit brennenden Augen an, in denen seine Emotionen nun intensiv zu erkennen waren. Dann griff er nach ihrer Hand und hauchte einen Kuss darauf. »Möge heute der erste Tag der besten Jahre unseres Lebens sein«, hörte sie seine Worte, die wie eine traditionelle magische Beschwörung klangen und es vermutlich auch waren. Sie beobachtete fasziniert, wie sich in diesem Moment in der Luft ein Band aus goldenen Flammen formte, das sich in Form einer Acht um ihre Handgelenke schlang.

Er stand langsam auf und zog sie dabei behutsam mit sich hoch. Sanft legte er dann seinen freien Arm um sie, beugte sich herunter und küsste sie voller Liebe, als wolle er die Verbindung damit besiegeln. Mit einem letzten Blick aus seinen obsidianschwarzen Augen, in denen sie wie in einem tiefen Brunnen versank, schob er ihr den Ring auf den Finger, ohne ihre immer noch durch das Band miteinander verbundenen Hände zu lösen. Und dieses Mal rutschte er ohne Schwierigkeiten über den Knochen ihres Fingers.

Hermione befürchtete für einen Augenblick, erneut diesen gleißenden Lichtblitz zu sehen und in das gleiche Gefühlschaos gestürzt zu werden, die sie beide bei ihrem vorhin gescheiterten Versuch wahrgenommen hatte, den Ring aufzusetzen, doch stattdessen spürte sie im selben Moment, wie sich magische Fühler auf der Suche nach ihrem Seelenverwandten in alle Richtungen ausstreckten und als sie ihn fanden, sich so starke Gefühle von Geborgenheit und Wärme in ihrem ganzen Körper auszubreiten begannen, wie sie es vorher noch nie erlebt hatte. Sie fühlte sich eins mit dem Ring, eins mit Severus. Nach über einem Jahr voller Unsicherheit und Angst fühlte sie sich zum ersten Mal wirklich heil und sicher. Innerer Frieden. Das war der einzige Begriff, der diesen Zustand beschrieb. Doch im nächsten Moment wurde dieses Gefühl in den Hintergrund gedrängt, als der magische Kern in ihrem Inneren anzuschwellen begann und sie glaubte, ihre magischen Fähigkeiten ins Unendliche wachsen zu spüren.

Verunsichert über die Mächtigkeit ihrer eigenen Emotionen beobachtete sie, wie das goldene Band um ihre Handgelenke sich in einem weißen Nebel auflöste und verschwand. Doch im nächsten Augenblick lenkte ein lautes Aufkeuchen von Severus sie ab. Er hatte das Gesicht voller Schmerz verzogen, griff sich an den linken Unterarm, dort, wo das Dunkle Mal in seine Haut eingebrannt war, und krümmte sich dann plötzlich zusammen. Sie schlang erschrocken die Arme um ihn und versuchte mit aller Kraft, ihn zu halten, was ihr jedoch nur mit Mühe gelang.

Noch niemals zuvor, außer in dem Moment, als das Dunkle Mal in seine Haut gebrannt worden war, war der Schmerz so intensiv gewesen. Obwohl Voldemort besiegt und vernichtet war, hatte sein Zeichen bis heute — wie bei Lucius und vermutlich allen anderen Todessern auch — weiterhin hartnäckig überdauert. Er hasste es mit der ganzen Kraft seines Herzens, wusste allerdings nach verschiedenen fehlgeschlagenen Selbstversuchen, dass es keine Möglichkeit gab, diesen Schandfleck auszumerzen. Es würde, so lange er lebte, das Zeichen seiner Schuld bleiben, eines Fehlers, den er niemals würde tilgen können. Er stöhnte laut, als der Schmerz sich ins Unermessliche steigerte, und hielt überrascht inne, als er so plötzlich verschwand, wie er gekommen war.

Ein anderes Gefühl machte sich plötzlich in seinem ganzen Körper breit. Er spürte eine heilende Wärme, die von Hermione auszugehen schien, die ihn immer noch angstvoll umklammert hielt. Noch während er sich mühsam wieder aufrichtete, glaubte er zu spüren, wie sich die klaffenden Wunden in seiner Seele zu schließen begannen, bis er glaubte, wenn er sie mit Händen greifen könnte, würde sie sich anfühlen, als wäre sie wieder vollkommen intakt, unversehrt — als hätte er niemals einen Menschen getötet, hätte sich niemals an Voldemort verkauft.

Ungläubig sahen sie einander an. Für beide war nicht zu ergründen, was mit ihnen eben geschehen war. Immer noch lag in Hermiones Augen ehrliche Besorgnis, doch die nackte Angst um ihn war verschwunden. Severus schob den linken Ärmel seiner Robe nach oben und knöpfte den Hemdsärmel auf, um dann unentschlossen zu verharren, was eigentlich nicht seinem Naturell entsprach.

»Was war mit deinem Arm, Severus?«, fragte sie besorgt. »Voldemort ist doch tot …« Hilflosigkeit sprach aus ihren Worten, wie auch aus ihrem Blick.

»Ich verstehe es nicht …«, antwortete er konsterniert.

Dann schob er mit einem einzigen schnellen Ruck den Ärmel seines weißen Hemdes nach oben. Vollkommen sprachlos starrte er auf seinen Unterarm. Dort, wo vor wenigen Augenblicken noch ein Totenkopf mit einer aus dessen Mund hervorkriechenden Schlange schwarz gegen seine blasse Haut herausgestochen hatte, fand sich nun kein Anzeichen mehr für irgendeine Art von Tätowierung. Die Stelle war ein klein wenig dunkler als die sie umgebende Haut, ansonsten jedoch völlig unauffällig.

»Das kann nicht sein! Es ist verschwunden!!!«

Langsam hob Hermione die Hand. An ihrem Ringfinger glitzerte der Schlangenring im Licht des Kaminfeuers. Ungläubig, beinahe argwöhnisch betrachtete sie ihn, bevor sie zögernd zu Severus aufsah. »Was, wenn seine Macht noch viel weiter reicht, als wir glaubten?«, fragte sie beinahe ängstlich. »Wenn er nicht nur den Seelenverwandten zeigt? Krummbein hat sich vorhin doch so seltsam benommen und ich hatte den Verdacht … Vielleicht war es das, was er mir vorhin auf seine Art sagen wollte. Er ist ein Kneazel …«

Keiner von ihnen bemerkte den roten Kater, der sich um den Sessel herumwand, als er seinen Namen hörte, und die Ohren spitzte.

»Du meinst, der Ring …«

»Es ist die einzig mögliche Erklärung. Der Ring hat das Dunkle Mal besiegt, hat es regelrecht ausgelöscht«, sagte sie schüchtern, da sie ihren eigenen Schlussfolgerungen noch immer nicht recht vertrauen wollte. »Ich war gestern Nachmittag bei Dumbledore …«, bekannte sie dann leise.

Severus schnaubte. »Weshalb? Du kennst seine Einstellung doch; wir haben von ihm nichts zu erwarten.« Er klang müde, als ob er dies schon viel zu oft wiederholt hätte.

Doch Hermione wiegte nachdenklich den Kopf. »Das habe ich bis eben auch gedacht. Aber vielleicht hat Dumbledore wirklich keine Tricks benutzt, um den Coniunctio perpetua aufzuheben, sondern seine magischen Fähigkeiten waren einfach nur stärker als meine. Er war zu seiner Zeit der größte lebende Zauberer der magischen Welt, der Einzige, den Voldemort wirklich fürchtete. Als ich ihn gestern aufgesucht und um Rat gebeten habe, schwieg er. Womöglich hatte er selbst keine Erklärung dafür, warum der Destrue Coniunctiones bei mir — und selbst bei Professor Flitwick — nicht funktioniert.«

Wieder fiel ihr Blick auf den Ring. »Lass es uns versuchen, Severus«, beschwor sie ihn. »Ich bin mir relativ sicher, dass der Ring irgendetwas in meiner Magie verändert hat. Es fühlt sich anders, viel stärker, an als zuvor. Vorhin, bevor du vor Schmerz geschrien hast, spielte sich in meinem Inneren etwas ab, was ich mir anders nicht erklären kann. Bitte, lass es uns versuchen.«

Zögernd nickte er.

Hermione atmete einige Male tief durch, ehe sie ihren Zauberstab aus dem Ärmel zog. >Es wird funktionieren! Ich weiß es. Es muss!!!<, machte sie sich selbst Mut und begann dann konzentriert, die Zauberstab-Bewegungen auszuführen. Noch bevor sie die Stelle erreichte, an der sie normalerweise ihren Zauberstab vor Schmerz fallen ließ, sauste plötzlich ein rotes Fellbündel hinter dem Sessel hervor, um sofort auf der gegenüber liegenden Seite hinter einem der großen Bücherregale zu verschwinden.

Dieses Mal ließ sie ihren Zauberstab vor Schreck fallen. »Krummbein!!!«, schimpfte sie laut, während sie ihren Zauberstab aufhob.

»Miiauuu«, kam eine durch die Bücher nur sehr gedämpfte Antwort aus dem Regal.

Wieder versuchte sie, sich zu konzentrieren, doch für einen Augenblick kamen die Zweifel zurück. Sie wünschte sich so brennend, dass es funktionierte, dass es schon beinahe schmerzhaft war. Dieses Experiment durfte nicht fehlschlagen, denn die Macht des Ringes war ihre letzte Hoffnung, die Flüche zu brechen, wie sie — wenn auch nur sehr widerstrebend — zugeben musste. Sie packte ihren Zauberstab in einem wahren Todesgriff, schloss die Augen und begann dann, die Bewegungen auszuführen. Erst als sie die Augen wieder öffnete, wurde ihr letztlich bewusst, dass sie die Bewegungen bis zum Ende durchgezogen hatte, ohne es auch nur zu merken.

Sie sah auf und begegnete Severus’ Blick, der in schneller Reihenfolge von verunsichert über hoffnungsvoll zu zuversichtlich wechselte.

>Jetzt oder nie!!!<, war das Einzige, was ihr durch den Kopf schoss. Sie würde sich später eventuellen Konsequenzen stellen. Bevor Severus auch nur die geringste Chance hatte, in irgendeiner Form zu reagieren, richtete sie ihren Zauberstab direkt auf ihn und begann, erneut die schwingenden und drehenden Bewegungen zu vollführen, während sie gleichzeitig laut und deutlich »Destrue Coniunctiones!« intonierte.

Das Prickeln von Magie lief ihr Schulterblatt entlang, doch es war kein Schmerz, den sie verspürte, nur ein leichtes Kribbeln. Dann beobachtete sie, wie Severus mit der Hand nach seinem Schulterblatt griff, und den geschockten Ausdruck auf seinem Gesicht. Sie konnte nicht nachvollziehen, ob er auf ihr eigenmächtiges Handeln entgeistert reagierte oder aufgrund irgendeines Schmerzes, den er fühlte. Doch vermutlich hatte er einfach nicht damit gerechnet, dass sie den Gegenzauber ausführen würde, sobald sie die Möglichkeit dazu hatte.

»Hermione …!«, flüsterte er fassungslos, während seine Augenbraue fast unter seinem Haaransatz verschwand.

Sie schloss die Augen und atmete tief durch. »Niemand wird dich jemals wieder durch diesen verdammten Fluch manipulieren können. Es ist vorbei!« Unendliche Erleichterung klang aus ihrer Stimme heraus, was das beinahe Unmögliche bewerkstelligte: Severus Augenbraue kehrte unwillkürlich in ihre ursprüngliche Position zurück und seine gerunzelte Stirn glättete sich sichtlich.

»Du hast nicht einen Moment in Erwägung gezogen, meine Meinung einzuholen?«, fragte er sie spöttisch, nachdem er sich einigermaßen von dem ersten Schock erholt hatte, um wenigstens teilweise zu überspielen, in welche Höhen sein Adrenalinpegel geschossen war.

Für einen Moment hatte er sich geradezu überrumpelt gefühlt, eine Empfindung, die er nicht sonderlich schätzte, bedeutete dies doch normalerweise, dass seine Pläne auf die eine oder andere Weise torpediert worden waren. Doch er konnte Hermione keine Vorwürfe machen, weil sie eine Problematik in einem regelrechten Handstreich endgültig gelöst hatte, an die er sich selbst ganz offensichtlich nur halbherzig herangewagt hatte. Als er ihr nun jedoch einen langen, forschenden Blick zuwarf, erkannte er, wie für einen Augenblick Verunsicherung und Zweifel über ihre Züge huschten, weil er mit seinem üblichen Sarkasmus auf etwas reagiert hatte, mit dem sie ihrerseits ausschließlich eine positive Veränderung im Sinn gehabt hatte. Severus fühlte sich mit einem Mal schäbig, doch bevor er den Mund öffnen konnte, sah er, wie Hermione die Schultern straffte.

»Nichts liegt mir ferner, als irgendetwas zu tun, was nicht deinem Wunsch entspricht, Severus. Doch ich möchte nicht, dass du dich jemals wieder fragen musst, ob eine Entscheidung, die du gerade getroffen hast, auch wirklich deine Entscheidung war«, stellte sie unmissverständlich klar, obwohl sie das Beben in ihrer Stimme nur schwer unterdrücken konnte. Auch wenn es ein impulsiver Entschluss gewesen war, hatte sie dennoch von vornherein gewusst, dass es ein Wagnis sein würde, über seinen Kopf hinweg diese Entscheidung zu treffen, und sie würde nun die Konsequenzen für ihr eigenmächtiges Handeln tragen müssen. Doch dann sah sie, wie er kaum merklich nickte, ohne den Blick von ihr abzuwenden.

Das war die Erklärung für ihre Handlungsweise, die er erhofft hatte und die er für sich auch akzeptieren konnte. Ihm war bewusst, dass er ein vielschichtiger Mann und der Umgang mit ihm ganz gewiss nicht einfach war. Er konnte im Nachhinein nachvollziehen, dass sie —und auch wenn sie es nicht zugeben würde — Angst vor seiner Reaktion gehabt hatte, Angst davor, dass er doch noch zurückschrecken könne, falls sie warten würde, um noch einmal mit ihm darüber zu diskutieren. Ganz langsam streckte er die Hand aus, während sein Blick über ihr Gesicht wanderte. Wie eine Katze kam sie seiner Bewegung entgegen, um ihre Wange in seine Hand zu schmiegen.

»Dann sollten wir jetzt vielleicht feststellen, ob der Gegenzauber auch erfolgreich war«, sagte er lächelnd.

Unendliche Erleichterung durchflutete Hermione. Severus hatte so lange geschwiegen, dass ihre Zweifel immer größer geworden waren. Doch jetzt wusste sie, dass dies der Überraschung geschuldet gewesen war und er ihre Handlungsweise nicht missbilligte. Sie griff nach seiner Hand und zog ihn quer durch das Schlafzimmer ins Badezimmer, bevor er es sich anders überlegen konnte.

Erneut hielt sie beinahe die Luft an, als sie den schwarzen Marmor an den Wänden, in dem sich das Licht der Kerzen spiegelte, und die riesige Badewanne erblickte. Vor dem großen geschwungenen Spiegel blieb sie stehen und schaute fragend in Severus’ obsidianschwarze unergründliche Augen, wie um ihn um Erlaubnis zu bitten, wartete geduldig, bis er endlich nickte. Dann zog sie ihren Zauberstab aus dem Ärmel und vollführte zielstrebig die komplizierten Zauberstab-Bewegungen, während sie gleichzeitig mit fester Stimme »Apparete signa!« warf. Doch der erwartete stechende Schmerz in ihrem Schulterblatt blieb aus.

Severus knöpfte sein Hemd auf und ließ es von den Schultern gleiten, während er sich mit dem Rücken halb zum Spiegel drehte. Auch er hatte eben keinen Schmerz verspürt, doch er wollte mit eigenen Augen sehen …

Er keuchte auf. Nicht einmal ein Schatten war zu entdecken. Dort, wo noch vor wenigen Monaten zwei ovale Zeichen mit Runen-Inschriften, ein magentafarbenes und ein purpurnes, zu sehen gewesen waren, befand sich nun nur blasse glatte Haut, ohne dass eine Spur irgendeiner Tätowierung zurückgeblieben war. Neben ihm war Hermiones Spiegelbild, das ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht zeigte.

Severus atmete mehrmals tief durch. ER WAR FREI!!! FREI!!!

*'*'*'*'*


Niemand von ihnen bemerkte das rote Fellknäuel, das sich hinter ihnen auf leisen Pfoten ins Bad geschlichen hatte, und versonnen jeder Bewegung seiner kleinen Missy, die viel zu schnell erwachsen geworden war, und dem dunklen Mann, dessen schwarze Hosen seit langer Zeit immer einige verirrte rote Haare zierten, mit leicht verengten Augen folgte. Wäre ein Kneazel in der Lage gewesen, erleichtert aufseufzen zu können, so wäre dies der richtige Moment gewesen, genau das zu tun.



Fortsetzung folgt …


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