Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Ăśber uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

The Fool, the Emperor and the Hanged Man - Kapitel 9

von Nitsrek

Ich keuchte, als meine Füße auf Boden trafen und ich mit dem Gesicht voran im Schlamm landete. Ich drückte mich vom Boden hoch und spuckte aus. Ich hyperventilierte und das dreckige Wasser in meinem Mund half mir nicht gerade bei der Atmung.

Dennoch zwang ich mich auf die Beine und wirbelte herum, wobei ich merkte, dass ich auf einer schlammigen Straße stand und sich die gehauenen Eisentore von Malfoy Manor und die überwucherte Steinmauer rechts neben mir befanden. Ich schluchzte vor Freude und stolperte zu den Toren, wo sich meine linke Hand um das alte, kalte Eisen schlang und die andere sich nur leicht um das Metall schloss, da ich in ihr immer noch meinen Zauberstab hielt.

Ich spürte Stech- und Brennflüche durch meine Hände wandern, aber das war mir egal. Ich zog an den Toren, rüttelte am Metall. Ich konnte spüren, wie meine Handflächen zu brennen begannen, aber ich zog und zog und keuchte, als meine Atmung durch den Schmerz knapper wurde.

Malfoy… Malfoy musste doch direkt hinter mir sein… aber ich rüttelte trotzdem mit all meiner Kraft an den Toren.

„Miss Granger?“, erklang eine seidige Stimme direkt zu meiner Rechten.

Lucius Malfoy war wie ein Geist durch die Tore getreten, sein bleiches Haar fiel um seine Schultern, seine Augen glitzerten im helleren Licht der Sonne von Wiltshire. Ich zog meine verbrannten Hände zurück und packte ihn vorne am Lederwams. Er war ähnlich angezogen wie vor all den Jahren in der Mysteriumsabteilung.

„Malfoy… er braucht Hilfe!“, schnaufte ich. „Heulende Hütte… Los!“, schrie ich ihn an.

Lucius’ Augen weiteten sich und ich merkte plötzlich, dass er mich an den Armen gepackt hatte und mich durch die Schutzzauber auf die wärmere Seite der Ländereien des Manor gezogen hatte.

„Gehen Sie ins Haus, Miss Granger. Sagen Sie Narcissa, sie soll das Ministerium verständigen. Laufen Sie… los!“, trieb Lucius mich an. Ein entferntes, leises Geräusch teilte dem noch logischen Teil meines Gehirns mit, dass Lucius Malfoy fort war.

Ich rannte los, meine Füße rutschten auf dem weißen Kies der Einfahrt. Mein Verstand wirbelte, während ich gegen die Tür ins Manor stürzte; eine weitere Folge von Flüchen verbrannte meine Hände wie weißes Feuer. Aber die Tür öffnete sich und ein Elf starrte mich verwirrt an. Ich ignorierte das Wesen und eilte in den Empfangssaal, wo mir ein erleichtertes Lachen entkam, als ich Narcissa Malfoy wie einen Geist die Treppe hinunter fliegen sah.

Ich rutschte über den Marmorboden und landete in einem Haufen in der Mitte des Raumes, da meine Beine schließlich nachgaben. Narcissa war sofort bei mir und kniete sich vor mich.

„Ministerium…“, keuchte ich. „Malfoy braucht Hilfe!“

Narcissas helle Augen verfinsterten sich und sie verschwand zu einem der beiden Flohnetzwerke der Empfangshalle. Mein Kopf pochte und mein Herz schien während meiner Flucht dort hinauf gewandert zu sein.

Ich drehte meinen Kopf langsam in Richtung Narcissa, die in den Kamin flüsterte. Was sie sagte ergab keinen Sinn, aber langsam realisierte ich, dass sie Codeworte benutzte.

Ich leckte meine trockenen Lippen und schmeckte Schlamm. Ich fragte mich, ob ich mich einfach hier auf dem Boden einrollen und mich ausruhen konnte. Aber die Sorge und Furcht, die mich aufzehrten, verhinderten jede Bewegung. Die Vorstellung von Harry… sie machte mir Angst. Aber was mich noch mehr ängstige war das Letzte, was ich vorm Apparieren gesehen hatte. Ein weißer Streifen, der Harry Potter in die Luft warf…

Ich schloss meine Augen, als meine verbrannten Finger zu meinen Lippen wanderten, wo das leichte Kitzeln des Kusses noch nachklang.

Malfoy… er musste sicher sein. Er würde jeden Moment durch die Türen hinter mir treten, mit einer Laune…

Aber er kam nicht.

Als eine kühle Hand meine umfasste, öffnete ich die Augen. Narcissa Malfoy lächelte mich traurig an und nahm meine Hände. Ich ließ meinen Zauberstab in die Falten meines weißen Mantels fallen, während Tränen in meinen Augen aufstiegen.

„Geht es Ihnen gut?“, fragte sie sanft und ihre Augen wanderten von meinem dreckigen Gesicht zu meinen geschwärzten Handflächen.

Ich schaffte ein Nicken.

„Potter?“, wagte Narcissa.

Ich nickte wieder, Tränen liefen über meine Wangen.

„Gott sei Dank sind Sie in Sicherheit, Miss Granger“, flüsterte Narcissa und zog ihren Zauberstab, um ihn über mein Gesicht und meine Handflächen zu bewegen.

Ich zuckte zusammen, als ein Heilzauber über meine Haut fuhr und meine Haut wieder zusammen nähte, so dass sich die beschädigte Schicht ablöste und auf den feinen Marmorboden fiel.

„Das Ministerium ist in Hogsmeade… es wird alles gut…“, flüsterte Narcissa so beruhigend wie möglich.

Ich schluchzte. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie alles gut werden sollte. Harry hatte wieder Jagd auf mich gemacht und Malfoy war noch nicht zurück.

Ich bewegte mich automatisch, während Narcissa mir auf die Beine half und meinen Umhang zur Aufbewahrung an einen Elf gab. Sie ließ meinen Zauberstab zurück in meinen Ärmel gleiten und fuhr dann mit mütterlicher Hand über mein Gesicht und meinen kahlen Kopf, nahm meine Hände und führte mich in die Küche.

Ich war nach Malfoy Manor zurückgekehrt, aber unter welchen Umständen… Die Sonne schien schwach durch das Fenster im Alkoven, aber sie heiterte mich nicht auf. Auch als mir eine Tasse Irish Coffee in die Hand gedrückt wurde, konnte ich nur daran denken, wie Harry meinen Namen schrie und an den Anblick, wie sein Körper durch die Luft flog.

Narcissa drängte mich zu trinken und ich gehorchte, schmeckte das bisschen Alkohol in der Bitterkeit des Kaffees. Ich trank lang und ließ den Alkohol durch mein Blut rinnen, bis meine Welt und meine Wahrnehmung wieder ins Jetzt zurückkehrten. Ich setzte die Tasse ab und betrachtete Narcissa, in deren Augen Sorge glänzte. Nicht um ihren Sohn… um mich.

„Draco hat uns erzählt, dass Heilerin Patil Sie geheilt hat“, sagte Narcissa und strich mit ihren Fingern über meinen kahlen Kopf.

Die Bewegung sorgte dafür, dass ich am liebsten wieder geweint hätte. Es erstaunte mich, wie zärtlich diese Frau sein konnte.

„Die Narben sind fast weg… und Ihre Haut wirkt gesünder…“

Ich nickte und biss in meine Unterlippe.

„Es wird bald vorbei sein, Miss Granger.“

Ich wandte meinen Blick ab. Ich wusste nicht genau, wie Narcissa Malfoy diese Worte meinte, aber irgendwie bestärkten sie mich.

„Nennen… nennen Sie mich Hermine“, flüsterte ich.

Die ganze Zeit hatte ich Narcissa Malfoy in meinem Kopf ‚Narcissa’ genannt… Malfoy nannte mich ‚Granger’, und nur ein paar Leute nannten mich ‚Jane’.

Ich war nicht wirklich Jane, nicht wirklich… Ich hatte mir selbst etwas vorgemacht, hatte versucht, mich zu verstecken, aber dann… in jenem Moment, mit Minerva, George und den ganzen anderen Toten, war ich einfach ‚Hermine’. Ich war immer Hermine gewesen… genauso, wie ich schon immer Der Narr war.

„Mach dir keine Sorgen um Draco. Ich habe gesagt, dass er ein hervorragender Polizist ist und ich habe dabei nicht übertrieben oder angegeben, Miss Gra-Hermine.“

Ich blickte Narcissa erneut an.

„Detective Chief Inspector ist nicht nur ein toller Titel und er bedeutet nicht, dass Draco nur ein ruhmreicher Wachtmeister ist. Nach dem Krieg ging er nach Amerika und begann dort seine Ausbildung zum Auror… Er wurde jedoch zurückgerufen, als er vor dem Zaubergamot aussagen musste. Sogar in Amerika wurde er als außergewöhnlich betrachtet und der einzige Grund, warum er nicht Abteilungsleiter ist, ist unser Familienstatus…“

Ich runzelte die Stirn, während Narcissas Blick abwesend, bedauernd wurde.

„Er wird Potter aufhalten, Hermine, Elderstab hin oder her. Draco ist ein außergewöhnlicher Mann… außergewöhnlich… wie du.“

Ich öffnete meinen Mund um etwas zu sagen, aber Narcissa tätschelte meine geheilten Hände und lächelte. Ich wollte so viele Fragen stellen, fand jedoch keine Worte. Stattdessen wandte ich mich meinem Irish Coffee zu und trank den Rest.

Meine Beine brannten vom Rennen, meine Brust vom Keuchen. Ich war müde, wusste jedoch, dass es nicht an einem viralen Fluch lag. Die Welle aus Emotionen, die ich gefühlt hatte, machte mich müde und ich lehnte mich in der Nische zurück, während Narcissa die Elfen rief, damit sie uns Abendessen brachten. Ich hatte nicht bemerkt, wie viel Zeit schon vergangen war.

Ich aß langsam, Narcissa neben mir. Wir sprachen nicht, aßen nachdenklich und versuchten, unsere Ungeduld zu ignorieren. Wir waren beide besorgt… Narcissa um ihren Sohn und ich, weil ich hoffte, dass Harry gefasst worden war.

Als wir unsere Nachspeise beendeten, flog die Küchentür auf und erschreckte damit die Elfen. Lucius Malfoy stürmte in die Küche, eine Vision in Schwarz, die mich an früher erinnerte. Sein Gesicht war aus Stein, aber seine Augen waren schneidend… und wütend.

Narcissa hielt mitten im Essen inne und ließ ihre Gabel mit einem Klappern zu Tisch fallen. Ich hielt ebenso inne, als Lucius näher kam und sich direkt in den Eingang der Nische stellte.

„Draco, ist er…?“, keuchte Narcissa und ihre Hände verkrampften sich in ihrem Schoß.

Lucius schüttelte den Kopf, seine hellen Strähnen wischten über seine Schultern. Narcissa entspannte sich sichtbar. Und ich überraschenderweise auch.

„Das Ministerium ist unterwegs. Draco hat Potter in Hogsmeade bekämpft, aber sobald das Ministerium erschien, apparierten beide. Das Ministerium kämpft, um auf der Spur zu bleiben. Potter flieht, Draco verfolgt ihn. Ich weiß nicht, wo sie sind…“, knurrte Lucius, während er seine Handschuhe auszog.

„Was soll das heißen?“, fragte ich ohne nachzudenken.

Lucius steckte seine Handschuhe in seinen Umhang und wandte sich mir zu. „Das Ministerium hat mir aufgetragen, nach Hause zu gehen. Ich gehöre offiziell nicht zur Ermittlung und arbeite auch nicht für das Ministerium. Ich wurde ausgeschlossen…“, zischte Lucius, seine Wut nicht auf mich, sondern auf das Ministerium gerichtet.

Narcissa warf mir einen Blick zu und schluckte. „Irgendwelche Verletzte?“

„Einige. Keine Toten, aber Hogsmeade wurde beinahe dem Erdboden gleich gemacht.“

Ich runzelte die Stirn. Nur Verletzte… ich dankte Merlin. Trotzdem schockte es mich, dass Hogsmeade attackiert worden war.

„Wo waren sie, bevor du…?“, fragte Narcissa sanft.

„York. Aber ich bezweifle, dass sie lange dort waren“, antwortete Lucius und bewältigte seinen Ärger, indem er ohne Zauberstab einen Stuhl beschwor und sich vor die Nische setzte.

„Und nun?“, fragte ich und schob Lucius die Kaffeekanne hin, falls er etwas trinken wollte.

„Wir warten. Mehr können wir nicht tun. Das Ministerium ist zufrieden, dass Sie hier sind, Miss Granger, und sie werden vorerst auch hier bleiben“, sagte Lucius, nahm die Kanne und schenkte sich starken schwarzen Kaffee ein.

Ich lehnte mich zurück und sah Narcissa in die Augen. Unter dem Tisch nahm sie meine Hand und ich spürte wieder diese Erleichterung. Ich war nicht allein… und nicht unwillkommen… und es lag nicht nur daran, dass ich unter Dracos Schutz stand. Es war ein merkwürdiges Gefühl, aber ich ignorierte es nicht.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Widerwillig nahm ich einen milden Schlaftrunk. Narcissa hatte darauf bestanden und argumentiert, dass ich meinen Schlaf bräuchte. Ich schlief in meinem Gästezimmer, stellte zufrieden fest, dass mein Kater auf mich wartete.

Malfoy war eine Minute lang ziemlich verärgert, bevor ich ihn hochhob und mein Gesicht an seinem weichen Fell rieb. Der Kater schnüffelte an meinem Gesicht, meinen Haaren und schlug dann leicht mit seiner Tatze gegen meine Nase. Ich lachte, Tränen in den Augen, während ich sein Fell streichelte und Entschuldigungen in seine grauen Ohren flüsterte.

Er schlief auf meinem Kissen, seine Nase an meinem Ohr. Ich spürte, dass er mich beschützen wollte, meine Albträume verzehren wollte… Ohne Sorgen schlief ich in meinem warmen Bett ein, behütet von meinem Kater.

Früh am Morgen jedoch riss mich etwas aus meinem Schlaf. Ich setzte mich überrascht in meinem Bett auf und erschreckte damit meinen Weggefährten, der leise fauchte. Das Zimmer war dunkel und ich blinzelte blind in die Schwärze. Ich konnte nicht ausmachen, was mich geweckt hatte, also horchte ich…

Ein Geräusch hallte durch das Manor, ein dumpfes Klopfen, gefolgt von lauten Stimmen weit unter mir. Ich warf die Decke zurück und zog meinen Zauberstab unter meinem Kissen hervor. Mein Kater rieb sich beruhigend an mir und ich strich abwesend über seine Wirbelsäule, bevor ich aufstand.

Ich sprach einen schwachen Lichtzauber und kroch aus dem Raum; mein weiches weißes Nachthemd wehte um meine Knöchel. Ich öffnete die Schlafzimmertür einen Spalt, so dass Kerzenlicht aus dem Flur in mein Zimmer fiel. Ich beendete meinen Zauber und schlüpfte ins Licht.

Im Empfangssaal waren Stimmen, viele Stimmen. Die Worte waren mir unverständlich, aber ich merkte an der Tonhöhe und am Ton selbst, dass manche Stimmen wütend, andere besorgt waren. Ich lief zur obersten Treppenstufe und blickte hinunter in den Empfangssaal, wobei mein Blick leicht von den Holzstufen verdeckt wurde.

„Das ist nicht die richtige Zeit zum Streiten, meine Herren!“, hörte ich Lucius schimpfen, die Wut kaum zurückgehalten.

„Wir müssen ihn wecken, Malfoy! Wir werden Potters Spur verlieren, wenn der DCI nicht wieder zu Bewusstsein kommt!“, schrie eine andere Stimme, männlich und mir unbekannt.

„Er ist ernsthaft verletzt, Herr Vizeminister, alles, was wir jetzt tun, könnte DCI Malfoy möglicherweise verletzen“, erklärte Wiscombe ruhig.

„Wir haben eine Spur, Herr Vizeminister, Malfoys Folgezauber ist immer noch aktiv… solange er lebt. Ich bezweifle, dass Potter es bemerkt…“, sagte eine andere männliche Stimme grummelig. Die Stimme kam mir bekannt vor.

„Das Wichtigste ist jetzt, dass die Abteilung weiter versucht Potter zu finden. Draco ist verletzt, und bis er geheilt ist, können wir nichts weiter tun“, seufzte Lucius. „Nun, ich bin mir sicher, dass sie für die nächsten Stunden beschäftigt sind. Lassen Sie meinen Sohn behandeln… er hat alles getan, was ihm möglich war…“

Ich flog die Stufen zum ersten Treppenabsatz hinunter, um einen besseren Blick zu bekommen.

Marcus Flint und Ernie Macmillan standen neben dem Vizeminister, einem Mann namens Lowell, der der Ministerin, Mafalda Hopfkirch, direkt unterstellt war. Wiscombe kniete nahe den Stufen, aber ich konnte von meinem Standpunkt aus nur seine Füße sehen. Lucius stand vor den drei Männern, immer noch in seinem schwarzen Umhang. Und Narcissa stand hinter ihm, ließ ihren Blick zwischen Wiscombe und dem Vizeminister hin und her wandern.

„Ich will Berichte, Malfoy. Ihr Sohn…“, spie der Vizeminister, „Ihr Sohn ist für die Festnahme von Potter wesentlich. Das Ministerium verlangt, dass er seine Pflichten bezüglich dieses Falles erfüllt!“

„Natürlich, Vizeminister. Sobald er wieder sprechen kann, werden ich Sie informieren,“ sagte Lucius in versöhnlichem Ton, wobei er sich leicht verbeugte.

Der Vizeminister lief zusammen mit Flint und Macmillan zum Flohnetzwerk, wo sie bald verschwanden. Sobald das Flohnetzwerk sich wieder beruhigt hatte, schien Narcissa schluchzend an Heiler Wiscombes Seite zu fliegen.

„Es ist schlimm, Madam…“, hörte ich Wiscombe flüstern.

Ich biss die Zähne zusammen und rannte die Stufen hinunter, meine Füße geräuschlos auf dem Teppich. Als ich mich dem Ende näherte, erstarrte ich bei dem Anblick auf dem Marmor.

Blut… so viel Blut, aber mich schockte nicht nur das leuchtende Rot auf dem weißen Marmor, sondern vor allem das Wesen, das es verströmte.

Nicht Malfoy lag am Ende der Treppe, sondern eine Kreatur. Sie hatte einen schlanken Körper, war sechs bis sieben Meter lang und war bedeckt aus einer Mischung aus weißem Fell und schillernden Schuppen. Ich blinzelte das Wesen und die Schnitte in seinen langen, schmalen Körper, in seinem Gesicht an. Seine echsenartigen Füße endeten in blutigen Krallen. Ich wusste, was es war… ein Wyrm, ein magischer, europäischer Drachen, der als ausgestorben galt.

„Hermine!“, schluchzte Narcissa und zwang mich, meinen Blick von der sterbenden Kreatur auf dem Boden abzuwenden.

Narcissas Gesicht war betroffen, aber ihr Ausruf zeigte keinen Schock über meine plötzliche Ankunft.

„Miss Granger… könnten Sie herkommen?“, fragte Wiscombe ruhig und stand auf.

Ich blinzelte, mein Zauberstab immer noch in meiner Hand. Ich trat die letzten Stufen hinunter und hielt mich an der Seite, um nicht in das Blut zu treten.

„Gut… Ich brauche Ihre Hilfe. Sie und Narcissa müssten ihn im Notfall mit einem sanften Spruch unter Kontrolle halten, während ich versuche, zu heilen, was geheilt werden kann…“

Ich verstand nicht und blickte umher, wobei ich bemerkte, dass Lucius plötzlich fehlte.

„Können Sie das tun, Miss Granger?“, fragte Wiscombe erneut mit etwas mehr Nachdruck.

Ich nickte, lief um den Heiler und stellte mich neben Narcissa. Sie legte einen Arm um mich und hielt mich fest, als wir unsere Zauberstäbe auf den Wyrm richteten.

„Seien Sie bereit. Er könnte sich umherwälzen und sein Schwanz ist wie eine Peitsche…“, warnte uns Wiscombe.

Ich runzelte die Stirn. Entweder hatte ich einen der merkwürdigsten Träume oder vor meinen Füßen lag tatsächlich ein Wyrm.

Von meinem Platz aus konnte ich sehen, dass vor allem die schuppige Unterseite des Wyrm verletzt war, aber das meiste Blut rann aus den Wunden an den weicheren Körperstellen an seinem Rücken. Der Wyrm erinnerte mich an die Darstellungen asiatischer Drachen, die gern als Motive für Teenager-Kleidung genommen wurden, aber dieser Wyrm wäre, wenn er nicht verletzt gewesen wäre, weitaus schöner und tödlicher… Lange Reißzähne wuchsen aus seinem langen Kiefer, seine Schnauze war lang und groß genug, um den Kopf eines erwachsenen Mannes zu zerbrechen. Sein Kopf erinnerte mich irgendwie an einen Hundekopf… Er hatte kurze Ohren, die an den Kopf angelegt waren und große Augen, von denen eines fürchterlich zugerichtet war, da ein Schnitt durch die rechte Gesichtshälfte lief.

„Also los…“, flüsterte Wiscombe sich selbst zu, kniete sich wieder hin und zog seinen Zauberstab.

Das goldene Leuchten riss mich ebenso aus meinen Gedanken wie das hunde-ähnliche Knurren, das von dem Wyrm kam. Magie schloss die Wunden entlang seines Rückens und das Blut verschwand ins Nichts. Aber während Wiscombe seinen Zauberstab bewegte, konnte ich sehen, dass nicht alle Wunden verheilten. Die rote Aura, die die Schnitte ausstrahlten, als Wiscombes Zauberstab über sie glitt, deutete an, dass ein starker Fluch die Ursache war.

Dennoch hatte die Blutung gestoppt und nur wunde Stellen blieben. Als Wiscombe sich vor den Kopf kniete, zögerte er.

„Er hat sein Auge verloren…“, sagte Wiscombe zu Narcissa und mir, was Narcissa schluchzen und zittern ließ.

Wiscombe seufzte und fing an die Wunden auf dem Gesicht des Wyrm zu heilen, als das Untier plötzlich auf seinen großen weißen Füßen stand und nur Zentimeter von Wiscombes Gesicht entfernt knurrte. Narcissa stellte sich neben Wiscombe, ihren Zauberstab auf den Wyrm gerichtet.

Das Tier war mindestens einanhalb Meter groß, die Vorderbeine erstreckten sich etwa einen Meter lang, die Hinterbeine weitere ein bis zwei Meter… was noch einen langen Schwanz übrig ließ, der sich wie der einer Katze hin und her bewegte und die Luft gewaltsam in Bewegung brachte.

„Ruhig… du bist daheim, Liebling… du bist daheim“, weinte Narcissa und streckte eine Hand nach dem Wyrm aus.

Und da verstand ich, etwas verspätet, dass das hier nicht nur ein mythisches Ungeheuer war, sondern ein Mann, der in einer komplexen Verwandlungsform feststeckte und nicht die Kraft hatte, den Zauber zu lösen. Der Wyrm war die Animagus-Form des Mannes, dessen Aufgabe es war, mich vor Harry Potter zu beschützen.

Die Atmung des Wyrm war mühsam und als er seinen langen Hals streckte, um mich mit seinem linken, unheimlichen silbernen Auge anzusehen, biss ich auf meine Lippe. Blut und zähe Flüssigkeit rann über die Seite seines Gesichts und ich biss fester zu, um nicht zu zittern.

Der Wyrm zwinkerte mir zu, bevor er sein Auge schloss und vor meinen Füßen zusammenbrach, wobei seine heiße Schnauze gerade noch meine nackten Zehen verfehlte.

„Warum kann er den Zauber nicht lösen, Wiscombe?“, heulte Narcissa, als der Heiler sich wieder Malfoys nässendem Gesicht zuwandte.

„Es ist kein Fluch… aber sein Gehirn hielt ihn in diesem Zustand fest, damit er überleben konnte. Er wird sich jeden Moment zurück verwandeln… jetzt, wo er weiß, dass er sicher ist…“

Ich konnte mich nicht bewegen und beobachtete Wiscombe, wie er versuchte, die Blutung am Auge des Wyrm zu stillen. Ich konnte nicht glauben, dass es Malfoy war. Und dann erinnerte ich mich an den weißen Streifen, der Harry in die Luft geworfen hatte…

Ich keuchte, als der Körper des Wyrm sich mit einem silbernen Blitz zurück in Draco Malfoy verwandelte. Er lag mit dem Gesicht nach unten, sein Rücken blutig zerfetzt, sein Haar rot gefleckt.

Narcissa eilte Wiscombe zur Hilfe und drehte Malfoy um, hielt seinen Oberkörper vom Boden weg. Malfoys Kleidung war ruiniert, das Halfter scheinbar durch einen Zauber und die Zauberstäbe beschützt. Auch seine Gliedmaßen, seine Brust und sein Bauch zeigten Schnittwunden. Was mich jedoch mit den Zähnen knirschen ließ und meinen Magen rotieren ließ, war die Wunde in seinem Gesicht. In menschlicher Form wirkte sie noch sehr viel schlimmer. Das Lid seines rechten Auges war gerissen, darunter konnte ich Teile eines zerstörten Augapfels sehen. Ich schlug eine Hand über meinen Mund und wandte mich ab.

„Lass die Elfen einen Raum vorbereiten, Narcissa. Ich brauche Heilsalben, Antiseptika… und eine ruhige Hand“, hörte ich Wiscombe Narcissa anweisen.

Narcissa wandte sich schluchzend von Malfoy ab und rief die Elfen, schluchzte Befehle.

„Miss Granger, mehr können Sie jetzt nicht tun. Vielleicht könnten Sie Narcissa Gesellschaft leisten…“, schlug Wiscombe vor, hob Malfoy hoch, sprach einen Zauber, um ihn schweben zu lassen und lief mit ihm die Treppe hoch.

Ich schluckte schwer.

„Lucius hat den Raum vorbereitet, Wiscombe. Squeak wird Sie hinführen“, sagte Narcissa, ihre Stimme schwer vor Tränen.

Ich beobachtete, wie der vertraute, pfirsichfarbene Elf an Wiscombes Hosenbein zog und beide die Treppe hoch in die zweite Etage führte. Als ich Malfoy nicht länger sehen konnte, wanderten meine Augen zu der Blutpfütze am Boden. Meine Lippen bebten beim Anblick des fast schwarzen Blutes auf dem Marmor und der kleineren Tropfen auf dem Teppich der Stufen. Ich wusste nicht, was mich mehr beschäftigte: Dass Malfoy ein Animagus in einer so außergewöhnlichen Verwandlung war oder der Schaden, den er erlitten hatte, nur damit ich unverletzt entkommen konnte.

Die Wärme in Narcissas Umarmung holte mich zurück in die Wirklichkeit. Und plötzlich realisierte ich, dass sie noch mehr Grund als ich hatte, schockiert zu sein… ihr Sohn wäre fast auf dem Boden des Empfangssaals gestorben.

Ich erwiderte ihre Umarmung und merkte, dass ich ebenso zitterte wie sie. Langsam nahm sie meine Hand und führte mich in die Küche. Wir trugen beide unsere Nachthemden, waren barfuß und ziemlich durcheinander.

Die Küche der Malfoys war für mich eine Art Zuflucht geworden und es fühlte sich merkwürdig an, sich im Manor sicher zu fühlen… aber die Küche mit ihrer kleinen Nische schien der sicherste Ort in meiner kleinen Welt zu sein.

Narcissa hielt meine Hand fest während wir uns setzten und dampfende Teetassen vor uns aus dem Nichts erschienen. Der duft nach Kamille und Honig verdrängte schnell den anhaltenden Geruch von Blut in unseren Nasen.

Auch während wir unseren Tee tranken, hielt unsere gemeinsame Stille an.

Die Sonne stieg auf, das rosa Licht schien durch die Fenster der Küche, die Elfen kamen langsam um Frühstück zu machen, während andere sich der Hausarbeit widmeten. Wir beobachteten sie lautlos, unser Zittern war abgeklungen, unsere Gehirne wurden durch den heißen Kräutertee müde und schläfrig.

Es war wohl neun Uhr, als der pfirsichfarbene Elf, Squeak, laut in der Küche direkt vor dem Alkoven apparierte, Narcissa erschreckte und mich keuchen ließ.

„Missus, der Herr erwartet Sie oben“, quietschte der Elf passender Weise, die Augen groß, die Hände vor dem Samtgewand.

Narcissa entließ meine Hand, glitt aus der Nische und blickte zu mir zurück.

„Komm, Hermine… schnell!“, flüsterte sie, als der Elf wieder verschwand.

Nach wenigen Momenten rasten wir die Stufen hinauf und einen Flur auf der zweiten Etage entlang. Vor einer Doppeltür sprach Lucius leise mit Wiscombe, der mit einem Taschentuch Blut von seinen Händen wischte, und einem anderen Mann, den ich nicht kannte. Der zweite Mann trug einen Umhang, der vermuten ließ, dass er ein Auror war… kein Polizist… ein Auror. Er war größer als Lucius und hatte lange schwarze Haare, die mit einer silbernen Spange gehalten wurden. Er hatte ein attraktives Gesicht mit blauen Augen und gebräunte Haut. Sein Umhang war dunkelrot und eine Marke, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, war an den feinen Stoff geheftet.

Als Narcissa und ich näher kamen, hielt der dunkelhaarige Auror inne und betrachtete uns interessiert.

„Es geht im gut, Liebes, aber Wiscombe braucht etwas Hilfe“, erklärte Lucius, als er den nervösen Ausdruck auf dem Gesicht seiner Frau entdeckte.

Narcissa seufzte und drückte meine Hand, bevor sie Wiscombe in das Zimmer folgte. Als die Tür geöffnet wurde, erhaschte ich einen Blick und sah einen großen Raum, der in verschiedenen Grüntönen dekoriert war; ein großes Bett stand in der Mitte. An den Wänden hingen Poster, alte Poster von Quidditch-Stars der letzten Dekade… Bilder von Drachen… und ich fragte mich, ob das Zimmer Malfoy gehört hatte, als er noch ein Junge gewesen war…

„Miss Granger, Sie sollten versuchen zu schlafen“, fing Lucius an und machte einen Schritt auf mich zu, als sich die Türen schlossen.

Ich richtete mich auf und wandte meine Augen dem älteren Malfoy und dem Auror mit dem dunklen Pferdeschwanz zu. Ich studierte den Auror genu, bemerkte die Falten um seine Augen und seinen Mund. Er war älter als ich, war aber immer noch sehr attraktiv. Ich kannte ihn jedoch nicht.

„Ah, ja, das ist Auror Williamson…“

Bevor ich nachdachte, fragte ich: „Warum ist er hier, Mr. Malfoy?“

Lucius machte einen weiteren Schritt, so dass er mich überragte, sein Gesicht steinern, seine Augen jedoch weich. „Das Ministerium hat beschlossen, die Auroren zu reaktivieren…“

Es dauerte, bis ich verstand, aber als es so weit war, spürte ich, wie mein Kiefer sich verkrampfte.

„Also…“, fing ich an.

„Das Ministerium will durchsetzen, dass Potter nicht länger in der Verantwortung der Polizei liegt. Am Nachmittag wird er als ‚Dunkler’ Zauberer eingestuft werden. Verstehen Sie, was das bedeutet?“, fragte Lucius leise und seine rechte Hand zuckte, als wüsste er nicht, ob er als Geste der Sorge eine Hand auf meine Schulter legen sollte.

Ich nickte. Ich verstand nur zu gut.

Die Auroren würden Harry töten, sobald sie ihn sahen. Es gäbe nur einen Prozess, wenn er sich ergeben würde… was nie passieren wird. Das Ministerium hatte nach Voldemorts Fall eine strenge Anordnung gegeben… wenn ein Zauberer als ‚Dunkel’ eingestuft wurde, war das Hauptziel diesen Magier zu eliminieren, koste es was es wolle. Die Nulltoleranz gegenüber größenwahnsinnigen Zauberern, die vorhaben Massenmorde zu begehen, schien nach Voldemort nur eine natürliche Reaktion zu sein. Aber in diesem Fall… Es war Harry…

Der Konflikt in meinem Inneren drohte mich aufzuzehren. Harry war mein Freund, aber auch mein Angreifer. Er war mein Freund, aber hatte meine Freunde getötet…

„Auroren aus Amerika und Australien werden kommen, um dem Ministerium zu helfen… es scheint, als würde jeder ein Stück von Potter abhaben wollen…“, flüsterte Lucius.

Ich ignorierte den leichten Triumph in der Stimme des Mannes und wandte mich Auror Williamson zu.

„Und Malfoy? Ihr Sohn?“, fragte ich und wollte Lucius Malfoy nicht ansehen.

„Er wird überleben. Und er wird den Auroren helfen. Er hat in Amerika die Ausbildung begonnen, das Ministerium wird ihn hier einsetzen.“

Ich biss in meine Lippe und sah zu Boden.

„Potter wird auch verletzt sein. Selbst mit seiner Macht wird er Zeit brauchen um zu genesen, und es gibt keinen Zauberer in diesem Land, der ihm helfen wird“, fuhr Lucius fort. Ich konnte spüren, wie seine Augen sich in meinen kahlen Kopf bohrten, aber ich ignorierte ihn wieder und schenkte nur seinen Worten Aufmerksamkeit. Meine Müdigkeit trat langsam hervor und ich drehte mich um, in der Absicht zu Bett zu gehen. Es gab nichts weiter zu tun… Ich hatte den Malfoys schon genug Arbeit gemacht…

Ich lief einige Schritte, bevor Lucius wieder sprach.

„Kommen Sie in ein paar Stunden wieder, Miss Granger. Draco wird sichergehen wollen, dass es Ihnen gut geht. Er macht sich große Sorgen…“

Ich nickte einmal und lief weiter zur Treppe mit dem einzigen Wunsch, zu schlafen und meinen Verstand zu leeren, um später klar zu denken. Als ich mich jedoch in mein Bett legte mit meinem Kater zu meinen Füßen, der wegen dem durchdringenden Duft nach Blut niesen musste, konnte ich nicht schlafen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich entschied, dass ich es satt hatte, zu weinen, aber ich tat es trotzdem. Ich wünschte, es gäbe einen besseren Weg meine Angst und meinen Frust auszudrücken, aber das einzige was mein Körper machte, war Tränen erzeugen und vor Schluchzen beben. Ich hasste mich für meinen Mangel an Kontrolle.

Stunden waren vergangen und es war schon fast Sonnenuntergang; eine rote Sonne warf ein warmes Leuchten in Malfoys Kinderzimmer. Ich fragte mich, warum er in einen Raum mit so einer Grabesatmosphäre gebracht wurde, mit verstaubten Fensterrahmen und sich lösenden Postern… lebte er nicht im Manor?

Ich ließ meine juckenden Augen durch den Raum wandern, während kalte Tränen Bahnen über meine roten Wangen zogen. Ich wollte nicht die Person sehen, die in dem schmalen Bett lag. Leider zogen meine Augen immer wieder zu Malfoy, egal wie sehr ich mich anstrengte.

Ich weinte lautlos, aus Schuld.

Malfoy lag sehr still auf dem Bett, die Kissen so arrangiert, dass er nicht flach auf der Matratze lag. Eine Decke lag über seinem nackten Oberkörper, der in dicken Verbänden steckte, die teilweise rosa gefärbt waren. Seine Hände waren samt Unterarmen auch eingebunden, und noch mehr Verbände lagen um seinen Kopf und verdeckten seine rechte Gesichtshälfte. Sein silbernes Haar stand durch die Verbände ab und kleine Kratzer zierten jede Hautstelle, die ich sehen konnte. Alles in allem sah es so aus, als ob Malfoy um sein Leben gekämpft und beinahe verloren hätte.

Ich fragte mich plötzlich, ob ich vor kurzer Zeit genauso schlecht ausgesehen hatte.

Neue Tränen arbeiteten sich von einem dunklen Ort in meinem Körper hoch und ich schloss meine Augen, drückte eine Hand auf mein sich verziehendes Gesicht.

Wiscombe hatte gesagt, dass Malfoy überleben würde, dass keine der Wunden schlimm genug war um sein Leben zu beenden. Es würde nur dauern, bis Malfoy wieder gesund war. Der Schaden an seinem rechten Auge jedoch war irreparabel und gäbe es keinen großen medizinischen Fortschritt in den nächsten Monaten, würde Malfoy nie wieder mit dem rechten Auge sehen können.

Narcissa hatte diese Nachricht nicht gut aufgenommen, aber immerhin genug Optimismus aufgebracht, um für das Leben ihres Sohnes dankbar zu sein. Lucius hatte nur finster drein geblickt und irgendwas über seine Vorfahren gemurmelt… Ich konnte nur Schuld spüren.

Ich hätte kämpfen sollen; ich hätte für mich selbst eintreten und an Malfoys Seite kämpfen müssen.

Einst hatte ich die nötige Stärke besessen und ich fragte mich, wo sie seit der Letzten Schlacht hin war.

Ihr Verstand ist Ihre stärkste Waffe, Miss Granger… flüsterte Severus, als ich vor Malfoys Bett in meine Hände schluchzte.

Würde mein Verstand mich retten? Würde mein Verstand in der Lage sein, Harry aufzuhalten?

Ich schnappte nach Luft.

„Kleine Jungs sollten nicht… sollten nicht weinen…“

Ich keuchte wieder und wischte mir die Tränen ab, um die Person auf dem Bett anzusehen.

„W-was?“, schluchzte ich.

Malfoy grinste, sein rechter Mundwinkel vom Verband verborgen; sein linkes Auge sah mich mit einem schwachen Leuchten an.

„Kleine Jungs…“, fing Malfoy mit rauer Stimme an.

„Ich hab’ dich gehört… Ich bin kein kleiner Junge…“, flüsterte ich und rieb mein Gesicht mit meinem Ärmel ab, während ich ans Bett trat.

„Aber du siehst wie einer aus…“, flüsterte er und zuckte zusammen, als er sich in eine sitzende Position hob.

Ich wollte ihm helfen, zuckte jedoch zurück als Malfoy seinen linken Arm hob um mich aufzuhalten. Ich konnte nur zusehen, wie er sich gegen die Kissen setzte.

„Kurze Haare, weite Kleidung, klein… du siehst aus wie ein kleiner Junge.“

Ich grinste. „Wenn du mich ärgern kannst, geht es dir also wieder besser?“, fragte ich und lief zurück an den Fuß des Bettes.

Malfoy knurrte und fuhr mit einer Hand über seine verbundene Brust. „Ich fühle mich beschissen. Und du?“

Ich blinzelte. „Ich?“

„Geht es dir gut?“, keuchte er und hob seine Hände vor sein funktionsfähiges Auge, um die Bandagen zu inspizieren.

„Mir geht’s gut…“, flüsterte ich und starrte auf meine Socken.

Malfoy summte zufrieden und tastete seine rechte Gesichtshälfte ab. „Es könnte mir besser gehen, nehme ich an. Ich kann nur hoffen, dass das Ministerium Schadensersatz für mein Auge zahlt.“

Ich versteifte mich und blickte Malfoy zögerlich an. Ich öffnete meinen Mund, aber mir fiel nichts ein was auch nur im Geringsten ermutigend gewesen wäre. Eigentlich fielen mir nur Worte der Entschuldigung ein. Also stand ich unbeholfen da und bewegte mich von einem Fuß zum anderen.

„Warum hast du mich geküsst, Granger?“

Ich versteifte mich erneut und hielt in meinem Gezappel inne, ballte meine Hände vor meinem Körper. Ich wagte es nicht ihn anzusehen.

„Natürlich… habe ich dich geküsst, also ist es wohl nur fair, wenn du auch mich küsst…“

Ich spürte wie mein Gesicht brannte.

„Diese ganze Küsserei… ein Außenstehender könnte fast vermuten, dass wir uns tatsächlich mögen…“

Meine Lippen bebten, also biss ich in das weiche Fleisch.

„Sag mir bitte nicht, dass du dich in mich verliebt hast, Granger…“, sagte er gedehnt mit seinem charakteristischen Malfoy-Tonfall, den ich gehasst hatte, als wir jünger waren. Dieser Tonfall kam einer Ohrfeige gleich… er hätte mich genauso gut ‚Schlammblut’ nennen können.

„Das geht einfach nicht…“

Ich spürte Blut in meinem Mund und an meinen Mundwinkeln. Und dann blaffte ich…

„Wie könnte ich jemanden wie dich lieben, Malfoy? Hm?“

Meine Augen blickten in seins und ich sah, dass sein Grinsen zu einer schmalen Linie wurde. Sein Auge weitete sich leicht, als er mich anblickte.

„Ich verabscheue dich! Ich habe dich schon verabscheut, als ich zum ersten Mal deine Stimme gehört, dein Gesicht gesehen und deinen Namen erfahren habe!“, schluchzte ich.

Ich hasste mich. Ich hatte schreien wollen, aber nach den ersten paar Worten, war meine Stimme zu einem rauen, Knochen zermürbendem Schluchzen geworden. Aber ich konnte nicht aufhören…

„Ich hatte tagelang Schuldgefühle… Ich habe mich schuldig gefühlt, weil ausgerechnet du mich retten musstest… weil du der Mutige sein und gegen Harry kämpfen musstest… weil deine Mutter ein so wundervoller Mensch ist… weil ich angefangen habe dich zu respektieren… und dich sogar ein wenig zu mögen…“

„Granger…“, flüsterte Malfoy und setzte sich ab, um näher zu mir zu rücken.

Ich wich zurück… weit weg von ihm und außerhalb seiner Reichweite.

„Wage es nicht, dich über mich lustig zu machen, Draco Malfoy! Wage es bloß nicht!“, bellte ich und erzielte endlich die Wirkung die ich wollte. Trotzdem weinte ich noch, weil ich verletzt war.

Mit einem letzten Blick auf Malfoy und seinen ramponierten Körper drehte ich mich um und rannte - wie so ein melodramatisches Flittchen - davon.

Ich rannte, bis ich wieder in meinen Gemächern war und dann ins Badezimmer, wo ich im Spiegel mein tränenübersätes, geschwollenes Gesicht sah. In der honigfarbenen Iris wirbelte Schwarz, als würde man mit hoher Geschwindigkeit Tinte in Honig einrühren.

Ihr seid beide Narren… seufzte Severus.

„Ich hasse ihn. Ich war ein Narr, zu denken, dass er…“, schluchzte mein Spiegelbild.

Dass er was? fragte Severus und seine Stimme hallte durch die Leere in meinem Verstand, die für ihn reserviert war.

Ich schüttelte wild meinen Kopf, als ob ich Severus Snapes Stimme schütteln wollte.

„Ich habe mich von der Situation mitreißen lassen. Post-traumatischer Stress… ein Syndrom… irgendwas… ist der einzige Grund, warum ich…“

Warum du ihn liebst?

„Nein! Es ist keine Liebe… Ich habe ihn geschätzt und ich wollte, dass er mich mag. Ich wollte glauben, dass er mich nach allem, nach Voldemort, nach all den Jahren, nicht nur als ‚Ding’ sehen würde!“, schluchzte ich in den Spiegel, wo die schwarze Tinte verrückt wirbelte.

Als Opfer sehen würde... meinst du.

Ich nickte, wobei Tränen auf meine Hände und die Marmoroberfläche des Schranks fielen.

„Ich habe mir solche Sorgen gemacht, Severus… wirklich… Ich wollte nicht, dass er meinetwegen stirbt. Ich wollte nicht, dass er nur wegen meiner Schwäche verletzt wird…“, weinte ich bitterlich.

Severus antwortete nicht, aber ich spürte, wie er in meinem Kopf nachdachte, grübelte. Ich ließ mein Kinn auf meine Brust sinken und wischte mit dem Handrücken über mein Gesicht. Ich wollte, dass Severus mich irgendwie tröstete, mir sagen würde, dass sich schon alles irgendwie klären würde und dass bald wieder Frieden herrschen würde. Aber ich wusste es besser. Severus war der Realist, die Stimme der Vernunft.

„Meine Gefühle würden nur im Weg stehen. Ich sollte einfach aufhören zu fühlen und alles daran setzen Harry zu stoppen. Albus hat es gesagt… ich habe alle Züge, also muss ich ihn auch stoppen“, flüsterte ich und sah wieder in den Spiegel.

Wenn du glaubst, dass das die richtige Lösung ist. Aber ich warne dich, es wird dir überhaupt nichts nützen deine Gefühle wegzuschließen. Ich kann nicht behaupten, dass ich weiß, was in Malfoys Kopf vorgeht, aber lehne seinen Schutz nicht ab. Er ist mächtig, sehr mächtig. Er hat geschworen dich zu beschützen und das musst du auch zulassen. Deine Gefühle sind eventuell fehl am Platz oder nicht, aber versteck’ sie nicht. Werde nicht so wie ich…

Ein tiefer, schmerzerfüllter Schrei brach von meinen Lippen, als ich in den Spiegel sah und die Schwärze aus meinen Augen wieder in meinen Kopf wanderte… Severus Snape war still. Und wieder einmal war ich allein.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich nahm in jener Nacht auch wieder einen Schlaftrunk, hatte aber trotzdem Albträume. Zweimal wachte ich schreiend auf und erschreckte damit meinen Kater, der sich den Rest der Nacht unter dem Bett versteckte. Ich legte mich fürchterlich unruhig zurück ins Bett und versuchte mich an meine Träume zu erinnern.

Die einzigen Bruchstücke, an die ich mich beim ersten Traum erinnerte, spielten in der Nacht, in der Sirius gestorben war. Harry, Ron und die anderen waren in der Mysteriumsabteilung. Ich hatte geträumt, dass Antonin Dolohov mich wieder töten wollte… nur dass ich nicht Dolohovs, sondern Harrys Gesicht sah. Ich erinnerte mich an die Schmerzen, die sein Fluch in mir ausgelöst hatte und wie das Blut auf die tiefschwarzen Todesser-Umhänge gespritzt hatte. Ich erinnerte mich daran wie ich zu Boden gefallen war… Harrys Gesicht über mir, höhnisch und auf ihren Tod wartend.

Ich erwachte keuchend und krallte meine Hände in mein Nachthemd.

Der zweite Traum war sehr viel schlimmer und keine Erinnerung an früher. Ich war in der Mysteriumsabteilung, genauer gesagt im Zimmer mit den Gehirnen, aber es war nicht während des fünften Jahres. Ich trug meinen Unsägliche-Umhang und stand in dem Raum. Ich erinnerte mich an Ron gedacht zu haben.

Im Zentrum des Raumes stand der grüne Tank, der durch eine unsichtbare Quelle beleuchtet wurde und kränkliches grünes Licht auf die Steinwände warf. In der eklig grünen Brühe schwebten zwölf weiße Gehirne wie schwimmende Stachelrochen in einer unsichtbaren Strömung.

Ich glitt durch meinen Traum, setzte mich an den nächsten Schreibtisch vor den Tank und bewegte meine Hände, als würde ich schreiben; ich hatte jedoch weder Feder noch Pergament. Die zwölf Gehirne schienen sich meiner Anwesenheit bewusst und flogen zur Wand des Beckens, bildeten eine Reihe, als ob sie mich anstarren würden. Natürlich hatten die Gehirne keine Augen, aber sie spürten mich.

Sie sprachen mit einer Stimme zu mir, eine Mischung aus männlichen und weiblichen Tönen, gerade so laut wie ein Flüstern. Ich verstand ihre Worte nicht, aber meine Hand schrieb, ohne dass ich auf den Tisch sah.

Die Gehirne verrieten mir etwas Wichtiges, etwas sehr Wichtiges… aber ich verstand es einfach nicht.

Plötzlich schwammen sie weg und ich konnte im Glas des Tanks eine Spiegelung sehen… eine verschwommene Form eines Menschen, der hinter mir stand. Ich drehte mich um und der Tisch und der Stuhl rutschten über den Steinboden.

Harry… Harry Potter stand direkt hinter mir. Seine Haare waren ein Chaos aus schwarzen Strähnen, sein rechtes Auge war verletzt, der Augapfel hing aus seiner Höhle heraus und ruhte an seiner hohlen Wange. Schneller als ich erwartet hatte packte mich eine blasse, mit Klauen besetzte Hand um den Hals und zog mich nach oben.

Harry knurrte mich an, zog mich an sich und sein Atem roch in meinem Gesicht wie verdorbenes Fleisch. Mit einem heftigen Stoß fiel ich mit dem Rücken auf den Schreibtisch… und bemerkte, dass ich nackt war. Mein Traum hatte mich entblößt.

Harry sprach, aber wieder verstand ich die Traumsprache nicht. Er berührte mit den blutigen Krallen an seinen Fingerspitzen meine Hüfte. Ich konnte mich nicht bewegen, nur zusehen, wie diese Finger zur Innenseite meiner Schenkel zogen und nach oben, dort wo sich meine Beine trafen…

Krallen gruben sich in meinen Körper, zerkratzten meine Gebärmutter… und ich schrie mich selbst wach…

Ich umarmte mich und schaukelte hin und her, dankbar, dass ich keine Schmerzen im Unterleib hatte. Ich musste wohl kaum erwähnen, dass ich aufgewühlt war und nicht mehr schlafen würde.

Ich stand auf und lief ins Badezimmer, wo ich mir ein siedend heißes Pfefferminzbad einließ. Malfoy, der Kater, beobachtete mich von der Tür aus, während ich mich so drehte, dass ich ihn sehen konnte. Meine Beine schwebten.

„Ich war eine faule Hexe, Malfoy“, sagte ich zu dem silbernen Kater.

Malfoy blinzelte mich an.

„Ich glaube nicht an prophetische Träume oder Träume, die versuchen, mir irgendeine kosmische Nachricht zu übermitteln… aber ich glaube an Träume die inspirieren.“

Malfoy, der Kater, schien mich anzulächeln, schloss seine Augen und zog leicht seine graue Nase kraus. Ich hörte ihn schnurren.

„Ich war so… so dumm.“

Malfoy gähnte.

„Man sollte meinen, dass ich in all den Jahren etwas gelernt hätte… emotional gereift wäre.“

Malfoy leckte sein Maul.

Ich seufzte und tauchte meinen Kopf unter. Ich war albern, melodramatisch und einfach nur… unreif. Abgesehen von den letzten Ereignissen gab es verschiedene Gründe für dieses Verhalten. Es wurde durch meine Unfähigkeit, mir selbst gegenüber ehrlich zu sein, nur bestärkt.

Ich war weggerannt. Ich hatte mich selbst aus der normalen, funktionierenden Gesellschaft zurückgezogen. Ich hatte Bindungen gemieden, die mich hätten reifen lassen. Ich hatte nicht geliebt, wie ich es hätte tun sollen. Ich hatte mich nicht gesorgt… Und jetzt zahlte ich den Preis für meinen Mangel an Gefühlen.

Ich wollte meinen geschorenen Kopf mehrmals gegen den Marmorboden des Badezimmers hauen… Ich wollte mir die Zunge raus schneiden, weil ich wie ein knauseriger Griesgram gesprochen hatte. Ich war nicht nur ein ‚Gehirn’, ich hatte auch ein Herz… dass ich angebrachter Weise die letzten zehn Jahre vergessen hatte.

Und nun zahlte ich den Preis.

Ich zog mich aus dem Bad, wickelte ein dickes Handtuch um meinen Körper, nahm meinen Zauberstab vom Waschbecken und tapste durch die kühle Luft des Schlafzimmers. Es war früher Morgen und ich beschloss Malfoy gegenüber Wiedergutmachung zu leisten, ihm meine Gedanken mitzuteilen und zu schauen, ob ich mit seiner Hilfe noch mehr Teile zusammenfügen konnte.

So sehr ich Puzzles auch liebte, es gefiel mir nicht, dass mein Leben nun eins war.

Ich zog mich an – dankbar, dass ich endlich andere Kleidung als eine Jeans und einen grauen Pullover hatte. Ich zog meinen schwarzen Lieblings-Leinenrock und einen dunkelgrünen Pullover an. Ich fand mein Zauberstabhalfter in meiner Manteltasche und band es um meinen rechten Unterarm. Ich steckte den Stab in das Leder und vergewisserte mich, dass der Walnuss- und Drachenherzfaser-Stab nicht aus Versehen heraus rutschte. Remus Lupin hatte ihn mir in Shell Cottage gegeben, als er uns auch die Neuigkeiten über seinen Sohn Teddy gebracht hatte.

Ich atmete tief ein und erlaubte mir nur einen kleinen Teil des Verlusts zu fühlen. Ich spürte, dass ich es mir endlich gestatten würde zu trauern, wenn ich einen weiteren schrecklichen Kampf überleben würde. So wie ich es schon vor Jahren hätte tun sollen.

Schreckliche Schlachten… standen uns bevor. Ich spürte es in meinen Knochen. Nur, dass ich diesmal nicht gegen irgendeinen ‚Dunklen Lord’ kämpfen würde; ich würde gegen meinen besten Freund kämpfen.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Erst fanden wir das ein bisschen peinlich, aber Daniel hat es mir wirklich leicht gemacht, und dann ist es bestens gelaufen. Mir hat es richtig Spaß gemacht … denn Daniel küsst sehr gut.
Katie Leung ĂĽber ihren Filmkuss mit Daniel Radcliffe