
von Nitsrek
Ich war froh, dass ich mich an diesem Tag für meinen Lieblingsrock und den dicken grünen Pulli, der mir bis zur Hüfte reicht, entschieden habe. Ich trug Stiefel, die irgendwie gar nicht zum rest des Outfits passten, aber ich war noch nie nach der Mode gegangen. Mein Zauberstab steckte in dem Halfter unter meinem Ärmel und ich überlegte, ob ich einen Wärmezauber um meinen Kopf sprechen sollte.
Der frühe Apriltag war sonnig, der Himmel klar und wunderschön azurblau, aber der Wind war noch frisch. Malfoy schien der Wind, der seine platinblonden Haare in sein Gesicht wehte, nichts auszumachen. Er lief drei Schritte vor mir; seine Füße führten ihn sicher über den gepflasterten Weg.
Wir durchquerten rasch den Küchengarten und traten durch eine Hecke in einen größeren Gartenbereich, der mich an Bilder von Versailles erinnerte. Formschnitthecken, große Becken, die das Manor hinter uns spiegelten und Brunnen, die mich an die italienischen Bauten Berninis erinnerten.
In einer anderen Ecke wuchsen Blumen in verschiedenen Farben; ihr Duft ging jedoch in der kühlen Brise unter. Hinter einer anderen Hecke befand sich ein Baumgarten mit Reihen aus Kirschbäumen und Hartriegel, alle in Blüte.
Malfoy hielt schließlich inne und lehnte sich an den dicken Stamm eines Kirschbaums, die Hände in den Taschen, sein Auge auf den Himmel aus rosa und weiß gerichtet.
„Die meisten der Auroren wurden aus anderen Abteilungen einberufen. Es gibt nur wenige echte Auroren. Williamson, den du getroffen hast, ist einer von ihnen. Weasley ein anderer. Selbst Ex-Minister Shacklebolt wurde berufen. Nach dem Dunklen Lord hatte das Ministerium gehofft, dass es keine Auroren mehr bräuchte – zumindest nicht so viele, wie zur Verfügung standen. Viele sind vor und während der Letzten Schlacht gestorben. Und viele unserer Mitschüler, die Auroren werden wollten, waren einfach nicht geeignet. Viele wollten nur aus Rachegelüsten Auroren werden… Zu viele dumme Kinder, die nur Gerechtigkeit für sich und ihre Familien wollten… Potter gehörte auch dazu, obwohl ich annehme, dass er wirklich Talent hatte; zumindest wurde das behauptet. Bei Weasley auch. Viele in der Abteilung für Magische Strafverfolgung haben sich gefragt, warum du es nicht auch versucht hast.“
Malfoy grinste und sah mich an. Ich stand immer noch auf dem Weg.
„Wie heißt es so schön? Lieber Köpfchen als Muskelkraft“, erklärte ich traurig.
Trotzdem lachte Malfoy. „Ist wohl auch besser so, Granger.“
Ich runzelte die Stirn.
„Nach der Letzten Schlacht war ich sehr wütend. Ich hatte guten Grund. Und ich bin von Zuhause ‚weggelaufen’. Ich bin nach Amerika gegangen, wo ich ein paar Bekannte hatte und beantragte Staatsbürgerschaft. Außerdem bewarb ich mich als Auror. In Amerika ähnelt eine Tätigkeit als Auror stark dem Muggel-Militär. Man verpflichtet sich jahrelang jeden Tag zu trainieren, Fortschritte zu machen, den Körper und den Geist so zu stählen, dass es einem nichts mehr ausmacht zu töten. Ich fing zusammen mit über Hundert anderen Hexen und Zauberern auf unterster Stufe an. Ich wurde tyrannisiert wegen meiner Größe, meiner Haare, meinem Akzent… Aber nach zwei Monate gehörte ich zu den zehn Leuten, die es überhaupt durch das Basistraining geschafft hatten. Nach drei Monaten arbeitete ich bereits für die amerikanische Entsprechung der Abteilung für Magische Strafverfolgung, fing die Bösen und brachte sie manchmal auch um.“
Ich schloss meine Augen. Ron hatte mir erzählt, wie herzlos und geradlinig die amerikanische Seite sein konnte. Er hatte mich gewarnt – sollte ich jemals Amerika besuchen – auf ihre Gesetze zu achten. Man wollte in verzwickten Situationen nicht unbedingt auf amerikanische Auroren angewiesen sein. Sie waren ‚Männer des Gesetzes’, aber ihre Gesetze waren absolut und die Strafe für eine Übertretung kam schnell und unversöhnlich.
Ich fuhr mir wieder mit der Hand durch mein kurzes Haar und öffnete meine Augen, als Malfoy fortfuhr.
„Ich trat einer geheimen Organisation der Auroren bei, ähnlich der, für die Weasley jetzt arbeitet. Ich infiltrierte so genannte ‚Terroristen-Gruppen’ und nahm sie ‚auseinander’. Ich arbeitete mit dem AMC zusammen, wenn es um Verhaftungen und die Auslöschung gefährlicher Elemente ging. Ich arbeitete mit dem AMC zusammen, um jede Andeutung dunkler Magie nach dem Dunklen Lord im Keim zu ersticken. Selbst in Amerika hatte der Dunkle Lord tiefe Spuren in der Magischen Gemeinschaft hinterlassen. Bis heute gibt es Dinge, über die ich nicht sprechen kann. Was ich gesehen, getan habe. Ich war für das AMC ein unerwarteter Gewinn. Ich hatte die Letzte Schlacht überlebt, wurde aber nicht aus diesem speziellen Grund respektiert. Ich hatte mich als stark, mächtig und vor allem vertrauenswürdig bewiesen. Und alles hörte auf, als unser Ministerium nach Amerika kam, um mich zu holen. Das AMC wollte mich nicht kampflos gehen lassen, aber letzten Endes kam ich zurück nach England, um gegen den Dunklen Lord und seine Lakaien auszusagen. Es wurde erwartet, dass ich gegen meinen eigenen Vater aussagte, aber meine Worte verurteilten ihn nicht. Mein Vater war auch ein Opfer, aber ich werde nicht verherrlichen was er getan und gesagt hat, Granger…“
Ich richtete meine Augen auf den Pfad und die auf dem Boden liegenden rosa und weißen Blütenblätter.
„Du weißt so gut wie jeder andere, was vor dem Zaubergamot gesagt wurde. Mein Vater war kein Held, und erst später stellte ich fest, dass er auch kein Bösewicht war. Er hatte die falsche Seite gewählt und beinahe seine Chance vertan, das Ruder noch herumzureißen. Aber er hat es noch rechtzeitig geschafft.“
Ich blickte Malfoy an, dessen Auge in Richtung Blätterdach blickte.
„Nach dem Prozess machte Gumboil mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Ich konnte nicht zurück nach Amerika. Die Möglichkeit war mit meinem Weggehen versiegt. Ich hätte überall hin gekonnt – Frankreich, Australien oder Indien – aber Gumboils Angebot sprach mich an, also akzeptierte ich. Es war ein großer Rückschritt nach meiner Arbeit in Amerika, aber Gumboil lernte mich als seinen Nachfolger an, und das werde ich auch sein. Aber dank Potter bin ich nun wieder Auror. Und wenn man mich braucht, werde ich gehen.“
Ich griff an meinen rechten Arm und verlagerte mein Gewicht. „Gefällt dir deine Arbeit, Malfoy? In Amerika? Und hier?“
Malfoy lächelte dieses verschlagene, spitzbübische Lächeln. Ich spürte ein Flattern in mir und hasste mich dafür.
„Ja. Ich war nie der Typ, der sich hinter einem Stapel Bücher versteckte – nicht, dass das etwas Schlechtes wäre – aber ich bevorzuge Action. Ich mag es Leuten in die Augen zu sehen und zu erkennen, ob sie lügen. Nach einem Leben voller Ungerechtigkeit und Grausamkeit bevorzuge ich Gerechtigkeit. Ich mag meine Arbeit, Granger, weil ich damit beweisen kann, dass ich nicht Lucius Malfoys kleiner Monstersohn bin.“
Das schiefe Lächeln hatte sich in ein trauriges verwandelt und ich musste einfach wegsehen. Ich würde nun zugeben müssen, dass ich mich in Malfoy getäuscht hatte.
Malfoy atmete tief ein und lief von dem Baum aus an meine Seite. Lautlos setzten wir uns wieder in Bewegung.
Über den von Bäumen gesäumten Weg gelangten wir zu einer hohen Steinmauer. Dahinter lag ein sanft geschwungenes grünes Feld mit fressenden Schafen und Rindern. Das Bild verblüffte mich, da sich das Feld bis zum Horizont erstreckte. Ich sah keine Zäune oder Scheunen, aber links sah ich nur Bäume. Aus der Mauer hinter mir ergoss sich ein wirklicher Wald voller nackter, weißer Bäume. Und direkt am Waldrand entdekcte ich ein Gebäude, zweistöckig, aus dessen Kamin blauer Rauch waberte.
„Hier lebe ich, Granger“, sagte Malfoy neben mir und deutete mit seiner Hand.
Malfoy lief an der Mauer entlang, wo ein abgenutzter Weg aus Erde den Weg markierte. Der Steinweg hatte am Durchlass der Mauer geendet. Ich stand einen Moment lang still, nahm das Land, die Tiere, die Bäume, das Großartige in mich auf.
Malfoy rief mir zu, dass ich kommen sollte. Ich joggte den Weg entlang und lief hinter ihm. Als wir uns der Baumlinie näherten, sah ich, dass das Gebäude tatsächlich ein Stall war. Eine weitere Öffnung in der Mauer gewährte mir einen Blick auf einen anderen großen Garten mit Steinwegen, die zurück zum Manor führten.
Die Ställe waren nicht aufgegeben worden, sondern beherbergten Pferde in Boxen. Eine kleine Koppel befand sich zwischen dem Gebäude und den Bäumen, und als ich mich wieder dem Feld zuwandte, sah ich zwei Pferde, die herumrannten und zwischen den Schafen spielten. Ich fragte mich, wer sich um all das kümmerte. Doch sicher nicht die Elfen?
Das zweite Stockwerk des Stalls war mit einem Schieferdach bedeckt und hatte ähnliche Fenster wie meine hütte. Es war ein schöner Stall und als wir näher kamen, wieherten die Pferde darin und wandten uns ihre Köpfe zu. Als kleines Mädchen hatte ich Pferde geliebt, obwohl ich in einem Vorort lebte und nur ein einziges Mal bei einem Volksfest geritten war.
Über ein paar Holzstufen im Stall führte Malfoy mich in das Haus darüber.
„Vor ein paar hundert Jahren gab es Diener auf Malfoy Manor, demnach ist das hier die Unterkunft der Stallburschen. Nicht weit von hier gab es einen Schlafsaal für die Diener, in denen circa 60 Leute und ein Dutzend Familien Platz hatten. Zur Zeit meines Ur-Ur-Großvaters wurde der Schlafsaal jedoch abgerissen, um ein Heckenlabyrinth zu bauen…“, sagte Malfoy abwesend, während er mich vom Vorraum in ein kleines Wohnzimmer führte. Es hatte zu beiden Seiten Fenstern, eine eingebaute gepolsterte Bank unter den Frontfenstern, den Wald an der Rückseite, die Felder auf der Vorderseite.
Ich war erstaunt. An der Rückwand, zwischen den beiden Fenstern, befand sich ein großer Kamin aus Kalkstein, groß genug für Reisen durch das Flohnetzwerk. Gegenüber dem Eingang im hinteren Teil des Hauses war eine modernisierte Küche. Eine Tür führte in ein Badezimmer, das einfach magisch vergrößert sein musste. Obendrauf markierte ein Paar dünner Vorhänge ein provisorisches Schlafzimmer. Hinter dem mittig stehenden Bett in der Wand waren große Fenstertüren und ein Balkon, der einen schattigen Blick über die Felder und den Wald bot.
Ich war wirklich verblüfft. Es lag nicht nur am Aufbau der Unterkunft, sondern vor allem die Aufmachung. Eine alte Ledercouch in einem verschlissenen Rot stand vor dem Kamin, ein passender Lehnstuhl daneben. Ein Grammophon stand nahe den Frontfenstern neben der Bank und Stapel von Platten ruhten neben dem eingebauten Möbelstück. Bücherregale zierten die Wände, zusammen mit Muggel-Kunstwerken. Die Holzböden waren mit alten, ausgefransten Teppichen bedeckt und als ich in die Küche lief, entdeckte ich fleckenlose Stahltheken, ein Spülbecken und Glassschränke mit altem Geschirr darin.
Das Haus war eine Kombination aus Braun, Rot und Grün, was ihm einen rustikalen Anstrich gab – wie etwas, dass man in einem Landhaus-Stil-Katalog sehen würde.
Es war hinreißend.
„Du lebst hier?“, fragte ich ungläubig und wanderte zu dem Sofa vor dem schwach lodernden Kaminfeuer.
Malfoy zuckte mit den Schultern und trat in die Küche. „Hast du gedacht, ich wohne im Manor?“
Ich drehte mich um, setzte mich auf die Armlehne der Couch und verschränkte die Arme. Ich beobachtete Malfoy dabei, wie er Kaffeewasser in einem Topf auf einem antiken Holzofen aufsetzte. ER war das einzige Möbelstück, das nicht in den Stil der Küche passte. Ich nahm jedoch an, dass der Ofen magisch angepasst war.
„Du bist Draco Malfoy…“
„Und mein Vater ist immer noch Lord Malfoy“, knurrte Malfoy, während er den Ofen ohne Zauberstab entfachte. „Ich hasse London, ich würde nie dort wohnen. Also zog ich hier ein, als ich zurückkam.“
Ich verstand die Logik hinter Malfoys Aussage nicht, akzeptierte sie aber. Ich sah mich nochmals um und erkannte, dass Malfoy bereits hier gewohnt hatte. Man konnte immer anhand der Plätze der Dinge sagen, ob ein Haus bewohnt war oder nicht. Die schmutzige Kaffeetasse auf einem kleinen Schreibtisch neben dem Grammophon, abgelegte Kleidungsstücke auf dem Bett, soweit ich das durch die dünnen Vorhänge ausmachen konnte. Über das Badezimmer wollte ich mir keine Gedanken machen.
Ich stand auf, lief zum Grammophon und betrachtete die Platte auf dem Drehteller, wobei ein Lächeln meine Lippen dehnte. Nat King Cole… Ich ließ meinen zauberstab aus dem Ärmelhalfter gleiten und berührte damit das Grammophon. Vorsichtig senkte ich die Nadel herab und leise Musik driftete durch den Raum, hüllte alles in Wärme und Klänge.
Ich trat zurück und blickte zur Küche, von wo aus Malfoy mich mit seinem silbernen Auge beobachtete.
„Du überraschst mich, Granger. Nach the Clash hätte ich nicht gedacht, dass du Nat King Cole mögen würdest…“
Ich versteifte mich und erwiderte seinen Blick. „Ich mag viele unterschiedliche Dinge, Malfoy. Bei Musik ist es sehr stimmungsabhängig und mir stand der Sinn nach Nat King Cole. Ich bin überrascht, dass jemand wie du überhaupt weiß, wer das war…“
Malfoy runzelte die Stirn. Meine Bemerkung war unfair.
„Weil ich ein Reinblut bin?“
Ich wandte mich ab und öffnete meinen Mund, um mich zu entschuldigen.
„Ich habe schon während der Schule viel Musik gehört. Als ich nach Amerika ging, entdeckte ich Nat King Cole, Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Charlie Parker, Etta Jamens und so weiter, und Tatsache bleibt: Ich mag es. Aber ich mag auch David Bowie, die Rolling Stones, T-Rex, sogar die Ramones, die Buzzcocks – und eine Band namens Devo. Überrascht dich das auch?“
Ich biss in meine Lippe. „Aber das sind alles Muggel…“
Malfoy richtete sich auf, seine Hände an seiner schmalen Hüfte. „Und?“
Ich schüttelte den Kopf. Es war egal, wirklich. Für eine lange Weile sprachen wir nicht, selbst als Malfoy mir eine weitere Tasse sehr starken Kaffee gab und sich dann an die Theke lehnte, während ich auf der Armlehne saß. Nat King Cole sang leise weiter und seine Stimme schien die Spannung zwischen uns zu lindern.
„Warum ein Wyrm?“, fragte ich, als ich mich sicher genug dafür fühlte.
Malfoy grinste. „Ich dachte, das wäre offensichtlich, Granger.“
Auch ich grinste. „Draco…“
Beim Klang seines Namens wandete sein Blick zu meinem Gesicht, aber ich versuchte es zu ignorieren.
„Draco der Drache. Eine größere Art war nicht möglich, also hast du dich für einen Wyrm entschieden, ein Biest, das…“ Meine Stimme verklang und meine Haut kribbelte unter Malfoys Blick.
Nat King Cole sang weiter.
„Denkst du, dass Potter irgendwie die Vergangenheit ändern wird?“, fragte Malfoy abwesend und starrte in seine Kaffeetasse.
„Nicht wenn ich es verhindern kann“, antwortete ich mit großer Überzeugung.
„Du würdest also nicht zurückgehen und etwas ändern, wenn du könntest?“
Ich runzelte die Stirn. „Natürlich gäbe es da Dinge, aber nein. Vielleicht bin ich mit der Welt hier nicht glücklich, aber es ist meine Welt – eine Welt, in die ich geboren wurde. Und vielleicht bin ich auch nicht glücklich mit meinem Leben, aber es gehört mir und nur weil ich Ende zwanzig bin, heißt das nicht, dass mein Leben, meine Jugend oder mein Drang, an mir zu arbeiten weniger stark sind. Ich habe immer noch Träume, die ich erfüllt haben will…“
Ich fühlte mich plötzlich sehr deprimiert. Ich meinte alles, wie ich es sagte, aber mein Leben war bisher einsam gewesen und meine Träume waren in einer unerreichbaren Nische meines Gehirns verstaut gewesen. Ich wusste wirklich nicht, wie meine Träume aussahen oder was ich wollte.
Sie wollen Liebe, Akezeptanz, Glücklich sein, Miss Granger, wie konnten Sie nur etwas so Wichtiges vergessen?... flüsterte Severus.
„Und wie sehen deine Träume aus, Granger?“, fragte Malfoy, seine Stimme durch seine Kaffeetasse undeutlich.
Ich hatte gehofft, dass er nicht fragen würde.
„Oh, das Typische, glaube ich.“
Malfoy summte in seine Tasse. Er schluckte und sagte, „Du wirst ‚typisch’ schon definieren müssen, Granger, ich bin kein Mädchen.“
Ich rollte mit den Augen. Er hatte ja wohl während der Schulzeit genug Zeit mit Mädchen verbracht, um Ahnung zu haben.
„Karriere, Liebhaber oder Ehemann, ein Zuhause, Kinder, Familie – Glücklich sein.“
Malfoy starrte mich für lange Zeit mit seinem einem Auge an.
„All diese Dinge bedingen, ob du glücklich bist?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Manchmal, manchmal nicht. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass wir selbst für unser Glück verantwortlich seien, und jemand anders hat es mir vor nicht allzu langer Zeit bestätigt…“ Ich verlor mich einen Moment, weil ich Severus finster lachen hörte. „Aber du bist nicht deines Glückes Schmied, du musst wirklich dafür arbeiten. Mum und Dad haben immer zusammen gearbeitet, im Büro, daheim, an ihrer Liebe und für ihre Familie und dafür, mich auf jegliche Art unterstützen zu können. Das ist für mich Glück. Zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten.“
Malfoy stellte seine Tasse ab; sein Gesicht verfinsterte sich mit weit entfernten Gedanken. Für meine Augen wirkte er traurig und für nur einen Moment hatte ich Mitleid mit ihm.
„Potter hatte dieses Glück… Und er warf es weg, weil er die Vergangenheit nicht loslassen konnte. Jetzt ist alles Chaos…“, murmelte Malfoy.
Ich trank meinen Kaffee aus, um das Zittern meiner Lippen zu verbergen. Malfoy hatte recht. Harry hatte sein Glück erreicht, als er Voldemort besiegt hatte. Er hatte Glück erreicht, indem er das Mädchen heiratete, das er liebte. Er hatte Glück erreicht, weil er die Weasleys, die liebevollsten Menschen, die es gab, zur Familie hatte. Und er hatte Glück erreicht, weil seine Freunde ihn liebten. Scheinbar reichte das nicht aus. Und dafür konnte ich ihn hassen.
Ich war so in Gedanken verloren, dass ich nicht bemerkte, dass Malfoy vor mir stand. Als seine blasse Hand die Kaffeetasse aus meiner Hand nahm, keuchte ich. Ich leckte meine Lippen, beobachtete wie er sie auf die nächste Theke stellte und sich mir dann mit einem merkwürdigen Lächeln auf dem Gesicht zuwandte.
Er streckte seine Hand aus und ich – da ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte – nahm sie. Er zog mich sanft auf meine Füße und führte mich um das Sofa zu der Stelle zwischen Sofa und Grammophon.
„Ich habe Lust, etwas Untypisches zu tun, Granger. Ging es dir auch schon einmal so?“, fragte er und hielt immer noch zärtlich meine Hand als er sich mir zuwandte. Das Licht strömte durch die Fenster rechts von ihm und ließ seine Haare wie silberne Strähnen wirken, seine Narbe weniger wütend aussehen.
Ich schluckte schwer. „Von Zeit zu Zeit.“
Malfoy lächelte – das Lächeln, das mich immer vermuten ließ, das mit meinen Organen etwas nicht stimmte.
„Tanzt du, Granger?“
Ich blinzelte. „Was?“
„Tanzen?“
Ich nickte dümmlich.
„Weißt du, wenn ich das Gefühl habe, dass alles zuviel wird… Oder wenn mich etwas so frustriert, dass ich mich körperlich unwohl fühle, mache ich etwas Untypisches, so wie das hier…“
Nat King Coles ‚L-O-V-E’ begann und plötzlich lag ich in seinen Armen und tanzte mit ihm Quickstep. Mein Mund stand offen während wir tanzten, mein Körper rumpelte gegen das Sofa, er beinahe gegen das Grammophon. Er lachte mich an und die Narbe dehnte sich. Aber er lachte und das war für mich das komischste auf der ganzen Welt. Mein ganzer Körper war steif, weil er nicht wirklich verstand, was geschah. Mit Malfoy zu tanzen schien so unglaublich lächerlich, idiotisch.
Langsam, wie ein Gletscher, der zu Nichts schmolz, lächelte ich auch. Seine Hand hielt meine, sein Arm lag um meine Taille und unsere planlosen Tanzschritte – es war wirklich lächerlich.
Aber es spielte keine Rolle. Ich lachte. Es fühlte sich an, als hätte ich seit Jahren nicht gelacht. Es war schwer zu glauben, dass Draco Malfoy mit mir zu einem schnellen Lied von Nat King Cole durch sein Wohnzimmer tanzte und seinen Kopf vor Lachen nach hinten warf. Der Mann der mich festhielt, konnte nicht der Junge sein, der mich in der zweiten Klasse Schlammblut genannt hatte. Er konnte nicht der Junge sein, der in der vierten Klasse meine Zähne vergrößert hatte…
Wir keuchten vor Lachen und plötzlich löste sich die Welt auf. Harry Potter war unwichtig, die Tode unwichtig… das Einzige, was wichtig war, war der alberne Tanz und unser Gelächter.
Eine schwache Spur von Glück.
Und dann änderte sich das Lied.
Malfoy zog mich näher an sich und meine Brüste drückten sich an seine Rippen. Meine Wange lag auf seinem Herzen und sein Arm wand sich enger um meine Taille.
‚Stardust’, vielleicht mein Lieblingslied von Nat King Cole. Länge etwas über drei Minuten, aber als Malfoy mit mir tanzte, schien die Zeit stehen geblieben zu sein.
Ich wollte in Malfoys Taten nichts hinein interpretieren. Tanzen war eine Ablenkung von der kranken Welt, in der wir lebten und von den Situationen, die uns umschlangen. Dennoch roch er sicher und warm und in seinen Armen konnte ich mir fast erlauben meine Ängste vor der nahen Zukunft zu vergessen. Ich wollte seine Arme um mich spüren, in seiner Wärme und seinem Geruch ertrinken und ich wollte glauben, dass ich hier und jetzt immer sicher sein würde.
Ich seufzte, als Malfoy mit einer großen Hand über mein kurzes Haar in meinen Nacken strich; eine Geste, die mich besänftigte. Wir tanzten im Takt der Musik, meine linke Hand klammerte sich fest an den harten Muskel seiner Schulter, meine rechte Hand lag in seiner, mein Gesicht nahm ihn komplett auf.
Ich hatte Schmerzen. Es war lange her, dass ich das letzte Mal diese Schmerzen, diese schmerzhafte Sehnsucht verspürt hatte.
Malfoy zog mich näher, als ob er meinen ganzen Körper schützen wollte. Er ließ meine Hand los und fuhr an meiner Körperseite entlang, während ich die Rückseite seines Pullovers packte. Wir tanzten nicht mehr, sondern umarmten uns, und ich hatte keine Angst vor seiner Berührung.
Er trat einen Schritt zurück, legte einen Finger unter mein Kinn und hob mein Gesicht an. Ich starrte auf seine Narbe, sein silbernes Auge und das angedeutete Lächeln auf seinen Lippen. Selbst entstellte war er außerordentlich attraktiv, nicht mehr schön, aber anziehend auf eine imperfekte, fast brutale Art. Ich verdrängte meine Selbstzweifel und erwiderte sein Lächeln, während sein Finger warm unter meinem Kinn lag.
Das Lied war zu Ende und das nächste lief an, ein weiteres langsames Stück und Malfoy neigte seine Schultern nach vorne, wobei sich sein Gesicht meinem näherte. Ich schloss langsam meine Augen.
Ich hatte aus Wut gesagt, dass das hier nie wieder passieren würde, aber ich wollte es so sehr, dass meine Hände zitterten und mein Körper vor Verlangen nach seiner Berührung brannte.
Ich spürte seinen Atem auf meinem Gesicht, die Wärme seiner Lippen…
„Herr! Herr!“, quietschte eine winzige Stimme, begleitet von einem leichten Klopfen gegen die Bodendielen.
Der Zauber war vorüber.
Ich öffnete meine Augen und sah, dass Malfoy eine kleine Kreatur nahe der Tür anblickte. Er hielt mich fest, aber der Finger unter meinem Kinn verschwand.
„Squeak, verdammt nochmal, hör auf zu hüpfen!“
Der Elf – der, den ich bisher am häufigsten bei den Malfoys gesehen hatte – hörte auf herumzuspringen und brach in sich zusammen. Er starrte Malfoy aus übergroßen, ängstlichen blauen Augen an.
„Was ist?“, murrte Malfoy.
„Ein Anruf über das Flohnetzwerk, Sir, im Hautphaus. Williamson möchte Sie sprechen.“
Ich blinzelte und sah Malfoys Profil von der Seite aus an. Der Zauber war tatsächlich gebrochen.
„Ist das alles?“, fuhr Malfoy den Elf an.
„Ja, Sir. Squeak bittet um Verzeihung, Sir…“, schluchzte der Elf, bevor er verschwand.
Malfoy seufzte und schloss sein Auge, bevor er mich wieder ansah. Er drückte mich, was mich überraschte.
„Zeit, wieder normal zu sein, fürchte ich“, murmelte er und blickte in mein Gesicht. „Kümmerst du dich um das Grammophon, Granger? Ich kann Williamson von hier aus kontaktieren. Ich habe vorhin das Netzwerk geschlossen und die Klingel ausgeschaltet…“, seufte Malfoy.
Mit einem weiteren Drücken, das mich erstaunte, löste Malfoy sich von mir und hinterließ nur Kälte an meinen Armen und meinem Körper.
Ich bewegte mich wie von selbst, stellte das Grammophon ab, während Malfoy zum Kamin lief und mit Tom Riddles Zauberstab darin herum stocherte. Ich spürte wie mein Gesicht sich verzog, verstand aber nicht weshalb.
Malfoy warf etwas Flohpulver in das Feuer, kniete sich hin und rief ein paar Wörter in die Flamme. Ich setzte mich an den kleinen Schreibtisch, da meine Beine plötzlich schwach waren, während mein Gesicht vor Röte brannte. Ich hatte Tränen in den Augen und wusste, dass ich wollte, dass der Zauber anhielt, dass der Traum nicht aufhörte.
„Ist Granger sicher?“
Ich schüttelte meine frische depressive Stimmung beim Klang von Auror Williamsons Stimme ab. Von meinem Platz aus konnte ich das Gesicht von Malfoys Gesprächspartner nicht erkennen.
„Sie ist bei mir. Was ist passiert, Williamson?“, knurrte Malfoy, eindeutig alarmiert von Williamsons Ton und Frage.
Ich stand auf und benutzte den leichten Schreibtischstuhl um mich zu stützen.
„Potter… Er hat letzte Nacht Macmillan erwischt und irgendwie Informationen über Grangers Aufenthaltsort aus ihm rausgequetscht.“
Malfoy fluchte und ich trat näher, so dass ich Williamsons Gesicht über Malfoys Schulter sehen konnte.
„Macmillan stand unter Eid.“
Williamson nickte. „Und nun ist er im St. Mungo und kämpft um sein Leben. Potter hat es herausgefunden, indem er die Magie des Eides sprichwörtlich entzogen und Macmillans Verstand zerfetzt hat. Malfoy… das hat noch keiner getan. Macmillan hat Glück, dass er noch lebt, aber er wird nie wieder der gleiche sein, auch wenn er überlebt. Ich weiß, dass er einer deiner besten Leute war, aber Potter weiß jetzt, dass Granger auf Malfoy Manor lebt.“
„Er würde es nicht wagen hierher zu kommen, Williamson. Potter hat vielleicht eine Ahnung, wie man den Eid außer Kraft setzt, aber um unser Heim liegen jahrhunderte-alte Schutzzauber, bei denen er Jahre bräuchte, um sie zu lösen!“
„Es gibt noch mehr…“, sagte Williamson mit ernster Miene.
Malfoy ließ sich auf sein Hinterteil zurückfallen und fuhr mit einer Hand frustriert über seine rechte Gesichtshälfte.
„Raus damit…“
„Er ist in einen Tresor bei Gringotts eingebrochen, schon vor Wochen, aber wir haben es jetzt erst erfahren.“
Vor Wochen? Vor oder nach seinem Angriff außerhalb von Hogsmeade?
„Die Kobolde haben es nicht gemeldet, weil es der Tresor seiner Eltern war. Aber es ist wichtig, was er mitgenommen hat.“
„Was denn?“
„Einen Umhang.“
Malfoy lachte laut. „Einen Umhang? Ja und?“
„Seinen Tarnumhang“, warf ich ein und lief um das Sofa, um mich links neben Malfoy zu setzen. „Bei Merlin… Wann hat er ihn aus dem Tresor genommen?“, fragte ich Williamson, dessen Gesicht erst überrascht, dann amüsiert wirkte.
„Drei Tage bevor er Hogsmeade dem Erdboden gleich gemacht hat.“
Verdammt. Plötzlich ergab der Hinterhalt einen Sinn. Malfoy hatte Harry gespürt, konnte ihn aber nicht sehen. Ich auch nicht. Irgendwann, während wir uns zwischen den Bäumen versteckten, hatte er den Mantel abgelegt.
„Warum haben die Kobolde ihn nicht festgehalten, als er in Gringotts war?“, fragte Malfoy leicht verärgert.
„Du weißt wie sie sind. Voldemort selbst hätte in die Bank kommen können, und solange er einen Schlüssel hätte, würden ihn die Kobolde zu seinem Tresor führen“, sagte Williamson mit einem ironischen Lachen.
Malfoy und Williamson sprachen noch weiter, aber ich zog mich in eine abgeschiedene Kammer meines Verstandes zurück, eine Kammer, in der Severus wartete.
Er hat die drei Heiligtümer, jetzt muss er nur noch ‚den Tod besiegen’, was auch immer das heißen soll… schimpfte Severus.
„Das verstärkt seine Chancen, die Geschichte zu ändern“, sagte ich, wobei sich nur meine Lippen bewegten und kein hörbarer Laut für Williamson und Malfoy rauskam.
Es geht für ihn nicht nur einfach darum unsterblich zu sein, oder? Er will jemanden zu einer bestimmten Zeit wieder auferstehen lassen. Mit allen drei Heiligtümern müsste er sich nie Sorgen machen sein Leben zu verlieren, wenn er den Verlauf der Zeit ändern würde… sagte Severus ruhiger.
„Ja. Er ist ‚todsicher’, dass er es immer wieder versuchen kann, immer wieder jemanden auferstehen lassen kann, falls seine Aufgabe schief laufen sollte. Oder immer wieder jemanden töten kann…“
Sie glauben doch nicht, dass er versuchen würde mich zu retten? Ich will nicht gerettet werden, mir gefällt es hier… spottete Severus.
„In meinem Kopf? Habe ich denn gar keine Wahl?“
Nein. Sie haben eine Aufgabe zu bewältigen, Miss Granger. Ich bin hier, um Ihnen zu helfen… flüsterte Severus.
„Wer hat Sie in meinen Kopf gesetzt?“
Was glauben Sie denn?
Ich rollte mit den Augen, als Severus wieder in Schweigen verfiel. Ich wollte über seine letzte Frage nicht nachdenken. Es kam nur darauf an, dass Harry jetzt die Heiligtümer des Todes hatte und sie auch benutzen würde. Wie Grindelwald damals mit seinen Plänen, die Welt zu unterwerfen, war die Vorstellung von Harrys Plänen – oder meine Vermutungen – ebenso erschreckend. Und dass Harry nun die drei Heiligtümer hatte, bestärkte nur Malfoys Theorie, dass sich Harry nicht um die Konsequenzen einer Zeitreise scherte… Das verängstigte mich.
„Ich habe hier jemanden, der mit Granger sprechen will.“
Ich versteifte mich beim Klang meines Namens und blickte ins Feuer, um Williamson anzusehen.
„Wo sind Sie, Williamson?“
Williamson schüttelte den Kopf. „Vertraulich. Dieser Anruf kann nicht nachverfolgt werden. Nicht, dass ich glaube, dass Sie das vorhaben, Malfoy. Sagen wir einfach, ich bin nicht in England.“
Ich blinzelte und neigte meinen Kopf.
„Egal. Er war sehr geduldig, also lasse ich ihn jetzt…“
Ich rutschte vom Sofa um mich neben Malfoy zu knien, dann lehnte ich mich in Richtung Feuer. Ein Gesicht erschien und ich schrie, presste dann aber meine Hände über meinen Mund.
„Hey, Hermine…“
Ich konnte es nicht glauben. Ron…
„Wie geht es dir?“
Rons Gesicht war so ein Trost, aber ich sah, dass er seine Wut und seine Sorge kaum beherrschte. Seine Haare waren länger, so wie Bills, und steckten in einem Pferdeschwanz. Rote Stoppeln liefen über seinen Kiefer und seine Augen waren genauso blau, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ron war zu einem attraktiven Mann geworden und ich spürte ein zwickendes Bedauern tief in meinem Bauch.
Tränen liefen über mein Gesicht und langsam fielen meine Hände von meinem Mund ab, zeigten Ron meine bebenden Lippen.
„Mir… mir geht es gut…“
„Ich weiß was los ist, Hermine, du musst nicht lügen“, sagte Ron schroff, sein Gesicht steinig.
Ich räusperte mich und blickte auf meine Knie.
„Ich bin nur froh, dass er dich nicht… nicht…“, stammelte Ron.
„Ich weiß“, antwortete ich. „Ich lebe. Und ich werde ihn aufhalten, Ron.“
Ron atmete ein und nickte scharf.
„Ich wünschte nur, ich könnte bei dir sein, Hermine… Aber Mum… Sie ist krank seit George…“
Tränen rannen über meine Wangen.
„Weißt du, Hermine…“, begann Ron, zögerte jedoch, bis er meinen Blick auffing. „Wenn du musst… Töte ihn. Er wird nicht aufhören, das weißt du auch…“
Ich biss fest in meine Lippe.
Ich weiß nicht zu hundert Prozent was los ist, aber ich habe eine Ahnung. Und wenn ich wirklich recht habe… wirst du ihn nicht kriegen. Verstehst du mich, Hermine?“
Ich bewegte mich nicht. Ich konnte nicht anfangen ihm zu erklären, was Harry meiner Meinung nach vorhatte, es würde zu lang dauern. Aber Ron hatte recht. Harry würde nicht plötzlich seine Meinung ändern. Der Harry, den Ron und ich liebten, war fort.
„Und lass dir nicht von Malfoy in die Quere kommen.“
Ich blinzelte. Anscheinend konnte Ron Malfoy nicht neben mir knien sehen.
„Es gefällt mir nicht, dass du bei ihm bist, Hermine. Aber ich habe hier wohl nichts zu sagen, nicht wahr? Und ich kenne dich… Du wirst nicht aufgeben, selbst wenn ich dich anflehen würde… Ich kann nur nicht glauben, dass Harry…“ Rons Stimme brach. „Was er dir angetan hat, ist unverzeihlich, Liebes. Nicht nur Ginny und George, allein für das, was er dir angetan hat, würde ich ihn töten…“
Ron verschluckte sich und räusperte sich schnell, wandte den Blick ab, um etwas neben unserer Verbindung anzusehen und nickte.
„Ich muss gehen. Hermine, denk dran was ich gesagt habe. Und wenn alles vorbei ist, werde ich zu dir kommen, wenn du willst. Der Gedanke, dass du bei den Malfoys leben musst, macht mich krank – vor allem mit diesem Mistkerl Draco. Und es ist mir egal, wenn er das hier hört.“
Ron blickte in Richtung von Malfoy, konnte ihn jedoch nicht sehen.
„Und Malfoy, wenn ich herausfinde, dass du Hermine irgendetwas getan hast, werde ich dir das andere schöne Auge wegnehmen, das schwöre ich bei Merlin. Pass bloß auf sie auf!“, knurrte Ron.
Ich spürte Malfoys Lachen und hatte den Drang, ihm meinen Ellbogen ins Gesicht zu hauen.
„Hermine, Liebes… sei vorsichtig. Ich weiß, dass das eine dumme Aufforderung ist, aber bitte. Mum und Dad lassen lieb grüßen… und… Ich – ich liebe dich, Hermine.“
Ich nickte. „Pass auf dich auf, Ron.“
„Wir sprechen uns bald, Hermine…“
Ich nickte wieder und plötzlich war die Verbindung weg und Rons Gesicht verschwand in einer grünen Rauchwolke. Ich wischte mir die Tränen von den Wangen und setzte mich neben dem schwachen Feuer auf den Boden. Ich schlang meine Arme eng um mich und schloss meine Augen.
Ich hörte, wie Malfoy aufstand und zum Grammophon ging, wo er die Platte wechselte. Als ein langsames Lied anlief, umarmte ich mich noch fester. Ich bemerkte am Klang einer Steel-Gitarre, dass es sich um eine Aufnahme amerikanischer Country-Musik handelte und ein Teil von mir wunderte sich über Malfoys Musikwahl.
Ein Teil von mir dachte: Wie zur Hölle konnte sich Draco Malfoy, jahrelanger Muggelhasser, für Patsy Clines ‚A Church, a Courtroom an Goodbye’ entscheiden? Der Mann war einzigartig.
Langsam entwirrte ich meinen Körper und stand auf. Als ich mich umdrehte, stand Malfoy in der Küche und kochte wieder Kaffee. Ich wischte noch einmal über mein Gesicht und trat neben die Vorhänge zum Schlafzimmer, wo ich mich an die Wand lehnte, die die Küche vom Badezimmer trennte.
„Dir ist hoffentlich klar, dass unsere Situation sehr viel schlechter ist, jetzt, wo Harry alle drei Heiligtümer hat?“
Malfoy summte das Lied mit, einen temporeichen Song mit Patsy Clines amerikanischem Gejodel.
„Wir müssen nach London. Wir müssen die Zeit-Umkehrer sichern oder zerstören.“
Malfoy summte weiter, während er unsere Tassen auffüllte.
„Und jetzt weiß Harry auch noch wo ich bin und wer mich beschützt. Wir müssen uns verkleiden…“
Malfoy nahm seine Tasse und trank, während er sich gegen die Theke lehnte.
„Hörst du mir auch nur im Geringsten zu, Malfoy?“, schimpfte ich.
Er senkte seine Tasse und sah mich mit seinem funktionierenden Auge an. „Ich bin nicht taub, Granger. Und ja, ich verstehe was du sagst. Wenn Potter versucht, über die Grenzen der Malfoy-Ländereien zu treten, werden ihn nicht einmal die Heiligtümer des Todes retten. Die Zauber, die auf dem Land liegen, sind wahrscheinlich so alt wie die Heiligtümer, wenn nicht sogar älter. Sie sind jedenfalls älter als Hogwarts, also mache ich mir da keine Sorgen. Was das andere betrifft sehe ich keine Probleme mit meinem Vorschlag von vorhin. Mit Vielsaft-Trank übers Flohnetzwerk in die Mysteriumsabteilung reisen, tun, was getan werden muss und raus. Wenn Potter mitkriegt, dass er die Dinger nicht benutzen kann, wird er vielleicht schlampig… und dann… fassen wir ihn.“
Ich seufzte. Ich bezweifelte irgendwie, dass es so einfach wäre. Ehrlich gesagt war ich sogar ziemlich sicher, dass es nicht so einfach wäre. Harry war nicht dumm. Verrückt vielleicht, aber nicht dumm.
Die Zeit-Umkehrer zerstören – Merlin, ich wusste, dass ich nach Azkaban kommen könnte, wenn ich etwas zerstörte, was für das Ministerium so wichtig war. Es waren nur noch so wenige übrig und die Herstellung war eine Kunst, die nur ein paar Unbekannten zuteil wurde. Die beiden größeren Zeitumkehrer wurden aufgrund der großen Zeitspanne, die allein durch eine Umdrehung des Stundenglases zurückgelegt wurde, getrennt aufbewahrt. Nach den beiden würde Harry suchen. Es waren Meisterstücke der Chronologie, gefährlich und aufbewahrt in einer starken Kiste aus Koboldherstellung.
Ich biss in meine Lippe und beobachtete, wie Malfoy mit so sorgloser Miene schlürfte, dass ich ihn am liebsten geschlagen hätte.
„Das Wiesel liebt dich also noch… Wer hätte das gedacht?“, murmelte Malfoy in seine Kaffeetasse.
Ich schnaubte. „So meinte er das nicht, Malfoy. Er liebt mich als Freundin. Wir sind seit Jahren befreundet, da ist es nur natürlich, dass wir uns lieben.“
„Ah, du gibst also zu, dass du ihn liebst…“
Er versuchte, mich wütend zu machen.
„Liebe ist ein facettenreiches Konzept, Malfoy. Tut mir leid für dich, wenn du das bisher noch nicht selbst festgestellt hast.“
Ich stieß mich von der Wand ab, lief zum Grammophon und schaltete es aus. Dann ging ich zum Fenster, um auf die grünen Felder und die weißen Punkte darauf zu blicken.
„Warst du jemals verliebt, Malfoy?“, fragte ich und überraschte mich damit selbst.
„Ein paar Mal, aber es war immer qualvoll… also habe ich aufgehört, mich zu verlieben“, sagte er aus der Küche und trank immer noch seinen Kaffee.
„Eine Schande“, flüsterte ich und trat näher an das Fenster, so dass mein Atem die rautenförmigen Scheiben beschlagen ließ.
„Wie bitte?“, rief Malfoy.
„Nichts“, antwortete ich.
Ich lehnte meine Stirn gegen das Fenster und genoss die Kälte an meinem Schädel.
Alles fühlte sich sinnlos an. Harry aufhalten und meine Gefühle, wenn auch schwammig und verwirrend, für den lächerlichen Mann, der mich von der Küche aus anstarrte, aufhalten. Ich wusste nicht was ich wollte und mein Körper anscheinend auch nicht.
Ich schloss meine Augen und ließ das kühle Glas in meine Haut und Knochen reichen. Kurz darauf hörte ich das Klopfen von Regentropfen am Fenster und auf Dach, und als ich meine Augen öffnete, sah ich wie sich die Wolken häuften und dann auseinanderbrachen, um einen heftigen Frühlingsschauer zu produzieren. Ich richtete mich auf, entfernte meine Stirn vom Glas und trat zurück – stieß dabei gegen Malfoys Körper. Ich hatte ihn nicht gehört.
„Ah… Ich denke, wir müssen den Regen abwarten, bevor wir zurück zum Manor gehen…“, seufzte er und seine Hände umfassten meine Schultern, um mich zu halten.
Ich runzelte die Stirn. Wir hatten Zauberstäbe; wir konnten eigentlich alles in einen Regenschirm verwandeln oder einen Zauber sprechen, der uns trocken hielt. Ich wusste, dass Malfoy klug genug war, um das auch zu wissen, aber ich spürte, dass er Hintergedanken dabei hatte, uns noch etwas länger in den Stallungen zu halten. Also sagte ich nichts sondern nickte nur langsam, während meine Haut unter der Wärme seiner Hände kribbelte.
„Mittagessen… Erst einmal Mittagessen und dann vielleicht etwas ‚untypischen’ Spaß?“, schlug er leise vor, sein Atem warm gegen meine kurzen Haare.
Ich sagte nichts, zog aber die Augenbrauen zusammen. Ich konzentrierte meine Augen und konnte Malfoys Spiegelbild teilweise im Fenster sehen, als es außen durch den wachsenden Sturm dunkler wurde. Er starrte zurück.
„Über-Analysieren wird dich nur anstrengen, Granger. Wir haben einen Plan und werden uns dran halten. Mehr können wir jetzt nicht tun“, flüsterte er versichernd.
Ich wollte glauben, dass alles funktionieren würde. Einfach nur die Mittel zu unserer möglichen Zerstörung entfernen und das Problem wäre gelöst, oder? Ich biss in meine Lippe und blickte hinab auf die Fensterbank. Ich hatte gesagt, ich würde Harry aufhalten, aber was bedeutete das? Würde ich wirklich meinen besten Freund töten müssen? Nach dem, was Ron gesagt hat, würde er sicher nicht zögern Harry umzubringen, wenn es nötig war. Und Harry würde sowieso sterben, egal ob wir ihn fassten oder nicht. Es spielte keine Rolle, ob er die Heiligtümer hatte – wie schon bei den Drei Brüdern könnten die Heiligtümer gestohlen werden…
Der Druck von Lippen in meinem Nacken riss mich aus meinen Gedanken und ich sprang von Malfoy weg, wirbelte herum und starrte ihn dämlich an.
„Was tust du da?“, fragte ich unfreundlich.
„Etwas Untypisches. Dich von deinen Gedanken ablenken…“
Ich blinzelte, zog die Brauen zusammen und mein Mund wurde schmal. „Was hast du für ein Problem, Malfoy?“
Meine Worte klangen fremd, grob und abscheulich. Ich hatte nicht gewollt, dass es so schrecklich klang.
Malfoy versteifte sich, verschränkte die Arme vor der Brust und das schwache Licht, das durch das Fenster hinter mir fiel, ließ sein Gesicht und seine Narbe hässlicher wirken.
„Ich habe kein Problem, Granger. Das gleiche könnte ich dich fragen.“
Ich schüttelte den Kopf. „Du willst dich über mich lustig machen, Malfoy. Ich werde mich nicht auf dieses Spiel einlassen.“
Mit einer weiteren Drehung lief ich zur Tür, die in den Stall führte.
„Wohin gehst du, Granger?“, rief Malfoy und seine Stimme durchdrang meinen Brustkorb.
„Ins Manor. Es gibt Wichtigeres zu tun als deine Ablenkungsversuche ertragen zu müssen. Ich finde das nicht lustig“, knurrte ich.
Ich rannte fast die Holztreppe in den Stall hinunter, was die Pferde dort wiehern ließ. Außerhalb des Stalles fiel der Regen in Bächen, lief aus den Rinnen am Stalldach und formte damit Wasserfälle voller Dreck. Ich ließ meine Augen suchen und fand einen alten Hafersack aus Leinen und verwandelte ihn mit meinem Zauberstab in einen passenden Regenschirm. Meine Lederstiefel wurden zu Gummistiefeln und ich zog meinen Rock ein Stück hoch und band einen Knoten, damit er nicht durch den Schlamm der Felder gezogen würde.
Ich lief los, der Wind peitschte meinen Regenschirm und Regenböen machten mein Gesicht nass. Der Regen war eisig, der Wind ekelhaft kalt, aber ich stiefelte durch das matschige Feld zu dem Weg, der an der Mauer verlief und mich zurück in die Wärme der Küche des Manor führen würde. Ich ignorierte die erste Lücke in der Mauer, weil ich nicht wusste, wohin sie führte und bewegte mich so gut es ging zur nächsten Öffnung und in den Baumgarten, den ich vor circa einer Stunde durchquert hatte.
Meine Stiefel rutschten in der matschigen Erde des Pfades aus und ein paar Mal fiel ich fast hin. Ich keuchte vor Anstrengung, weil die eisigen Wände aus Wind mein Vorankommen behinderten und schließlich nahm mir der Wind meinen Regenschirm ab.
Ich hielt inne und beobachtete, wie der Schirm durch den wind schlug und dann über die Mauer außer Sicht geblasen wurde. Ich seufzte und rieb über mein nasses Gesicht. Ich hatte in letzter Zeit selten glück gehabt und fragte mich nun, ob ich überhaupt jemals Glück hatte.
Jeder Schritt tat weh, da der Schlamm meine Füße beschwerte und der Wind weiter meinen Körper angriff. Ich versuchte, mich mit den Gedanken an ein heißes Bad zu trösten, an heiße Suppe, vielleicht einem kleinen Nickerchen in einem warmen Bett.
Als sich der Knoten an meinem Rock löste, musste ich ihn selbst hochheben und hatte damit nicht mehr die Möglichkeit, mich auszubalancieren. Ich war nicht überrascht, als mein linker Fuß abrutschte und ich den Hügel hinunter ins Feld purzelte. Ich rollte nicht allzu weit, schaffte es jedoch mir den linken Knöchel zu verstauchen, indem mein Stiefel an einem großen Dreckklumpen hängen blieb. Ich lag mit dem Gesicht nach unten im Feld und schnaubte frustriert, während der Regen gegen meinen Rücken und meine nun verdreckte, matschige Kleidung hämmerte.
Und plötzlich weinte ich, als ob ich seit Jahrzehnten nicht mehr geweint hätte. Natürlich hatte ich in den letzten Monaten ein wenig geheult und fragte mich deshalb plötzlich, warum ich jetzt so emotional und albern war.
Ich rollte auf den Rücken, mit ausgestreckten Armen, und weinte so laut ich konnte, während ich mir wünschte, ich würde ein anderes Leben führen.
Ich war die größte Närrin auf dieser Welt. Ich wusste so vieles über viele Dinge, aber so wenig, wenn es darauf ankam. Harry Potter hatte mich zweimal fast getötet. Meine Welt zerbrach langsam. Ich hatte Harry und Ron verstoßen, obwohl ich sie mehr liebte als ich zugeben konnte. Und selbst jetzt reagierte ein Teil von mir immer noch auf Draco Malfoy, der soviel mehr war als ein nerviger kleiner Junge, der mich beschimpfte. Ich wusste nichts über Freundschaft, über Gefühle und am wenigsten über die Liebe.
Als die Regentropfen mein Gesicht aufweichten, zwang ich Severus gedanklich etwas Geistreiches zu sagen, um meine Depression zu durchbrechen, aber er blieb still.
Unter meinem klatschnassen Rücken spürte ich Hufgetrampel, doch ich ignorierte es. Wenn Malfoys Vieh mich zertrampeln sollte, wäre das ein passend dämlicher Tod, der mich auch nicht weiter stören würde.
Die Hufe blieben jedoch neben mir stehen und ich zuckte bei dem Matschen von Stiefeln auf dem sumpfigen Boden zusammen.
„Verdammt nochmal, Granger… Was zur Hölle ist bloß los mit dir?“, erklang Malfoys harte und verärgerte Stimme über mir. Er musste sich über mich gebeugt haben, denn ich konnte keine Regentropfen mehr spüren.
Ich öffnete meine Augen und fand einen vor Wut kochenden, sehr nassen Malfoy, der mich mit seinem linken Silberauge ansah. Seine Haare klebten an seinem Kopf und ein Reitumhang wehte über meine linke Hand. Als ich ihn anstarrte, veränderte sich sein wütender Gesichtsausdruck jedoch zu einem, der mein Herz ins Schlingern geraten ließ.
Malfoy kniete sich hin und zog mich an sich, als wäre ich ein Umhang der zu Boden gefallen war. Seine Hände fuhren über mein Gesicht und meinen Kopf, als würde er prüfen wollen, ob ich meinen Kopf gestoßen hatte; dann noch über meine Schultern und Arme. Gleichzeitig drückte er seine nassen Lippen gegen meine Stirn und Wangen, als ob er testen wollte, ob ich Fieber hatte. Ich gestattete ihm, mein Gesicht zu küssen, weil mir zu kalt und ich zu nass war, um ihn aufzuhalten.
Als er mich dann auf die Füße hob, fiel ich hin, weil mein linker Knöchel mein Gewicht nicht halten konnte. Malfoy grummelte undeutlich und nahm mich in die Arme. Wie von selbst legten sich meine Arme um seinen Hals und mein Gesicht drückte sich gegen seine feuchte Schulter. Er trug mich zu dem Pferd, das ihn getragen hatte, stellte mich auf meinem guten Fuß ab, stieg auf und zog mich hoch, so dass ich auf seinem Schoß saß.
Ich fühlte mich wie eine Heldin aus einem Jane-Austin-Roman und lachte in Malfoys Hals. Er versteifte sich kurz, umfasste mich fester und nahm mit der linken Hand die Zügel. Wir umrundeten den Hügel und ich sah, dass ich ziemlich weit vom Stall entfernt war und nur noch Schritte von der Öffnung in der Mauer entfernt gewesen wäre, wenn ich nicht ausgerutscht und weggerollt wäre.
Malfoy lenkte das Pferd mit einem leichten Druck gegen die Flanken des Tieres und ich keuchte, weil cih plötzlich das Gefühl hatte zu fallen. Meine Erfahrungen auf einem Besen fielen mir sofort ein. Ich mochte Fliegen nicht und ganz plötzlich mochte ich auch Reiten nicht mehr. Ich klammerte mich so fest es ging an Malfoy, schloss meine Augen und versteckte mein Gesicht an seinem Hals. Der ungleichmäßige Galopp des Pferdes machte meinen Knöchel schlimmer und ich fragte mich, ob er gebrochen war. Das wäre mein Glück. Nachdem Harry versucht hatte mich zu töten und ich einem verdeckten Fluch entkommen war, sollte mich ein gebrochener Knöchel nicht weiter stören. Aber ich war unglücklich, deprimiert, nass, dreckig, hungrig und fror. Ich hatte die Kontrolle über meine Welt verloren.
Malfoy führte das Pferd in den Schutz des Stalls und glitt mit einer anmutigen, geübten Bewegung aus dem Sattel, während er mich an seinen Oberschenkel drückte. Er flüsterte dem Pferd zu, trug mich die Stufen hoch und zurück in die trockene Wärme der Dienstbotenunterkunft.
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