
von Nitsrek
Mein Abschlusszeugnis von V.I.R. las sich in etwa wie folgt: ‚Miss Grangers körperliche Eignung ist sehr viel höher als wir annahmen, als sie sich für die verkürzte Ausbildung einschrieb. Trotzdem hat sie Bedenken zu kämpfen und benutzt lieber ihren Intellekt, als eine offene Konfrontation einzugehen, und clevere Verhandlungstaktiken, um Situationen zu entschärfen, bevor es zu Ausschweifungen kommt.
Obwohl Miss Granger jede körperliche Untersuchung bestanden hat, schlägt dieses Komitee vor, ihr einen beratenden Posten zu geben. Dieser Posten sollte bestenfalls als ‚Vermittlerin’ eingestuft sein. Ihre Kommunikationsfähigkeiten, ihr Verständnis für alle magischen Disziplinen, ihre Vergangenheit als Mitglied des Ordens des Phoenix, ihre schnelle Auffassungsgabe, und ihre sture Entschlossenheit, allen Opfern und Beschuldigten Gerechtigkeit im Rechtssystem zukommen zu lassen, machen Sie zur perfekten Kandidatin für einen Posten als Britische Vermittlerin zwischen dem V.I.R. und seinen Muggel-Pendants, dem MI6, der C.I.A. und dem DGSE.
Miss Granger ist die erste Auszubildende, die seit dem Gründungsjahr des V.I.R. – 1666 – alle Rekorde bricht; strahlende Beurteilungen jedes Ausbilders, dem sie in ihrer fünfmonatigen Ausbildungen begegnet ist, sind diesem Dokument angehängt. Wir vom V.I.R. wünschen Hermine Granger für die Zukunft alles Gute und freuen uns auf Ihre Fortschritte an ihrer neuen Stelle innerhalb der Organisation.’
Es war vermutlich ein beeindruckendes Anschreiben, aber Gumboil und Williamson hatten es nicht einmal gelesen, als ich ihnen erzählt hatte, warum ich zur AMS zurückgekommen bin.
„Sie haben gesagt, dass ich als Vermittlerin arbeiten könnte, Gumboil. Hier bin ich, jetzt auch qualifiziert, bereit, und mit der Antwort auf Ihre Frage von vor fünf Monaten.“
Gumboil betrachtete mich zögerlich, und Williamson war ein wenig enttäuscht, dass ich nicht seinen Reihen beitreten würde.
Am Mittag des 31. Oktober hatte ich meine Ministeriumsangelegenheiten geregelt und auch mein Treffen mit Alex Roux hinter mich gebracht. Ich lief durch das Atrium, Drachenhaut-Stiefel klapperten auf dem Boden, als ich zu den Flohnetzwerken lief. Mein Umhang flatterte hinter mir her, zusammen mit meinen winzigen Zöpfen. Ich war eine Vision in Schwarz, bewaffnet, geschützt, und neueste Mitarbeiterin der AMS, V.I.R.-Vermittlerin, und Williamsons Vertretung als Hauptauror. Gumboil und Williamson konnten ihr Lächeln nicht unterdrücken, als ich meine Verträge unterzeichnete, obwohl ich ihnen in vielerlei Hinsicht übergeordnet war, wenn es um Zuständigkeiten ging.
„Sie hätten schon vor acht Jahren hier sein sollen, Granger“, sagte Gumboil, der gleich das ‚Miss’ vor meinem Namen fallen ließ. „Die Weasleys haben Ihre Fähigkeiten hoch gelobt, ebenso wie Potter – als der noch etwas wert war.“
Mein Gesicht blieb ausdruckslos.
„Ich bin sicher, dass Roux traurig über Ihren Verlust ist. Aber dass Sie die schriftlichen V.I.R.-Prüfungen nach nur einem Monat und die körperlichen innerhalb von vier Monaten bestanden haben, ist nur Zeichen ihrer Entschlossenheit“, fügte Williamson hinzu.
Ich sagte nichts.
Ich war keine Polizistin, keine Aurorin, ich war eine V.I.R.-Vermittlerin, was bedeutete, dass ich der Wachhund über alle Agenturen für Magische Strafverfolgung in dem mir zugewiesenen Bezirk war. Ich würde nicht kämpfen, ich würde keine Ermittlungen leiten, ich war nicht wie Draco oder Charlie jemand, der wörtlich gegen das Verbrechen kämpfen würde. Ich war die letzte Instanz des Gesetzes und die letzte Person, die - im Sinne des Wortes – kämpfen würde. Kämpfen konnte ich, aber würde ich das tun? Nicht, bevor jeder Polizist und jeder Auror tot war.
Die gesamte Ausbildung hatte dazu gedient, das ich im Notfall auf mich selbst aufpassen konnte, aber der größte Test war es, zu beweisen, dass alles, was ich durchgemacht hatte – der Krieg, Harry – meinen Sinn für Gerechtigkeit nicht beeinflusst und meine Auffassungsgabe und meinen Verstand nicht verdreht hatte. Es spielte keine Rolle, was Gumboil oder Williamson von mir dachten, ich war das ‚Gehirn’ der AMS, nicht die Muskeln.
Ich repräsentierte die Verbindung zwischen der AMS und jeder anderen Abteilung des Ministeriums, von der Mysteriumsabteilung bis hoch zum Büro des Ministers. Ich war eine Kriegerin ohne echte Waffe, außer dem Kopf auf meinen Schultern.
Als ich durch die Büros lief, konnte ich Blicke auf mir spüren. Ich wusste, dass das Männer-Frauen-Verhältnis in der Abteilung für Magische Strafverfolgung ungleichmäßig war, aber ich wurde leicht mit Männern fertig, meine beiden besten Freunde waren Männer. Ich hatte eine neue Marke in einer Brieftasche, die in meiner Manteltasche steckte. Mit dieser Marke konnte ich alle Mitarbeiter der Abteilung dazu bringen, auf die Knie zu fallen, zu betteln, und Männchen zu machen. Ich war die Person, die den Auroren sagte, wohin sie gehen mussten, den Polizisten, wo sie ermitteln sollten; ich war die rätselhafte Hand des Gesetzes der magischen Welt, die sich durch die Dunkelheit bewegte und Geheimnisse fraß. Deshalb ignorierte ich diese Blicke, so wie ich auch die Blicke im Atrium ignorierte.
Ich sah Draco nirgendwo.
Als sich jedoch der Portschlüssel der Einladung eine Stunde später aktivierte, stand ich schließlich auf der Einfahrt eines Manors, das ich kaum erkannte. Es war fast zehn Uhr und andere Gäste tauchten neben mir auf. Ein paar Leute kannte ich aus dem Ministerium, andere nicht. Ich erkannte Kingsley Shacklebolt, Millicent Bulstrode, Theo Nott, Blaise Zabini und viele ältere Gäste.
Das Manor wirkte nicht länger französisch, sondern eher – wie Lucius es gewollt hatte – wie ein traditionelles Anwesen. Es erinnerte mich an Stourhead, was ja nicht so weit entfernt war, und ich fragte mich, ob es die Wahl des neuen Stils beeinflusst hatte. Es gab ein zusätzliches Stockwerk mit kleineren Fenstern. Nur der zentrale Teil des Hauses erinnerte mich wirklich an Stourhead, vor allem die Veranda, aber das Manor war nicht nur palladisch, sondern auch durch den Stil der Cotswolds geprägt. Die Verkleidung war aus dunklem Stein, während der Eingangsbereich noch ungefähr so war, wie ich ihn in Erinnerung hatte, und dort sah ich Lucius und Narcissa ihre Gäste begrüßen.
Ein paar empörte Blicke trafen mich, aber wieder ignorierte ich sie, als ich zu dem erhöhten Eingang lief. Ich wartete, während mehr Gäste an mir vorbeiliefen, alle in feine Anzüge oder Kleider gehüllt. Ich hörte zu, wie Narcissa erklärte, dass niemand sich hätte chic machen müssen, da heute Abend eine Neuheit für die Kostüme sorgen würde.
Ich wartete unten an der Veranda, bis ich, der letzte Gast, draußen war, dann eilte ich dem Gast vor mir hinterher und stand plötzlich direkt vor dem Lord und der Lady des Manors. Im Licht der Lampe über der Tür bemerkte ich, dass Lucius und Narcissa mich eingehend beobachteten.
„Sind Sie gekommen, um einen Drachen zu erlegen, Miss Granger?“, spottete Lucius und seine Augen wanderten über meine Drachenhaut-Kleidung.
Ich grinste.
„Vielleicht. Verzeihen Sie meine Verspätung, Mr. Malfoy, Mrs. Malfoy“, sagte ich, legte eine Hand auf mein Herz und verneigte mich – Drachenjäger durch und durch.
Narcissa lachte und plötzlich lag ich in ihren Armen. Ich beobachtete, wie Lucius grinste und sich schnell ins Manor begab. Er trat durch die Tür, ein glitzernder Zauber umgab ihn, und plötzlich veränderte sich seine Kleidung und eine Maske legte sich auf sein Gesicht.
Ich verstand, was sie mit Neuheit gemeint hatten.
„Es ist so wundervoll, dich zu sehen, Liebes. Ich hatte schon befürchtet, du kommst nicht!“, rief Narcissa und hielt mich eine Armlänge von sich weg, um mein Gesicht zu studieren.
Die Schuldgefühle, die ich unterdrückt hatte, quollen hervor.
„Es tut mir leid. Ich wollte wirklich…“, begann ich und die Tränen belegten meine Stimme.
Narcissa strich mit einer blassen Hand über mein Gesicht.
„Es war schwer, Hermine, wir verstehen dich – du musst dich nicht entschuldigen.“
Ich schüttelte den Kopf. „Draco… ich…“
„Shhh…“, beruhigte mich Narcissa und umarmte mich. „Er ist auch hier.“
„Weiß er, dass ich da bin?“, fragte ich flüsternd.
Narcissa streckte mich wieder von sich. „Nein“, sagte sie mit einem frechen Lächeln.
Ich spitzte die Lippen. Das hätte ich mir denken können.
Wir sahen uns lange Zeit an, dann wurde Narcissas Gesicht ernst. „Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst, Hermine. Als wäre das ganze letzte Jahr nur ein Traum gewesen. Ich habe mich auch so gefühlt. Es ist ehrlich gesagt auch wie ein Traum, dich jetzt anzusehen. Ich will böse auf dich sein, Hermine, aber ich kann nicht. Draco allerdings…“ Sie brach ab.
Ich senkte meinen Blick auf meine Stiefel.
„Liebst du ihn?“, flüsterte sie.
Ich biss in meine Lippe. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Narcissa so geradeheraus fragen würde.
„Ich weiß es nicht.“
„Kannst du ihn lieben, wenn du es willst?“
Meine Augenbrauen zogen sich zusammen. „Ich will es.“ Ich hatte das Gefühl, Narcissa hatte meine Zunge verhext, so dass sie meine geheimsten Wahrheiten offenbarte.
„Ich weiß, dass er sich verändert hat. Du dich auch. Ich kann kaum glauben, dass du das Mädchen bist, das – um sein Leben kämpfend – von Draco hierher gebracht wurde. Und Draco – ich dachte anfangs, ich würde diese feurige Leidenschaft, die er einst hatte, nie wieder sehen, als er zu uns zurückkehrte. Deswegen musst du durch diese Tür gehen und es dir ansehen. Unser Draco ist nicht verloren“, flüsterte Narcissa und ihre Finger streichelten meine Wange.
Ich hob den Blick und versuchte ein Lächeln, aber es wurde nur eine Grimasse.
„Es ist Samhain, Liebes, und wenn wir uns zum Gehörnten Hügel schleichen, wirst du mit uns kommen.“
Narcissas Hand auf meiner Schulter lenkte mich zur Tür und ich konnte schon das Lachen der Leute hören, laute Musik und tanzende Füße. Ich blickte zurück zu der Frau, die ich wirklich gern hatte, und mein Herz wurde schwer bei dem Anblick der Tränen in ihren hellen Augen.
Ich trat durch die Tür und fühlte sofort einen magischen Windhauch auf meiner Haut. Als ich in den Empfangssaal trat, schien die Magie mich wie eine feine Flüssigkeit zu bedecken, und ich sah zu, wie die Drachenhaut zu einer Robe aus dem gleichen Stoff und in der gleichen Farbe, wie ich sie an Beltain getragen hatte, wurde.
Eine Maske bedeckte mein Gesicht, aber nicht meine Haare, und als ich mich zu dem vertrauten Bronzespiegel an der Wand des Saals umdrehte, sah ich ein merkwürdiges Gesicht zurück starren. Ich konnte durch die Maske durchsehen, als hätte ich gar keine auf, aber was ich im Spiegel entdeckte, erstaunte mich. Die Maske war in Drittel unterteilt. Die rechte Seite war das Gesicht eines kleinen Mädchens, das Auge geschlossen, der Mund geöffnet. Die Mitte war mein Gesicht, nur verändert durch einen leuchtend gelben Topas als offenes Auge. Die linke Seite war das Gesicht einer alten Frau, das Auge weit geöffnet und aus Tigerauge. Zusammen ergaben die drei Gesichter eines aus weißem Marmor, abgesehen von den Edelsteinen.
Ich trug die Gesichter der Schicksalsgöttinnen.
Das Kleid, was bei näherer Betrachtung doch keine Robe war, sondern eine griechische Tunika, hatte ein tiefes Dekolleté und einen tiefen Rückenausschnitt, entblößte die Innenseite meiner Brüste und das runde Mal auf der linken Seite. Meine Drachenhaut-Stiefel waren verschwunden, stattdessen trug ich leichte Sandalen. Meine Arme waren nackt, meine Zauberstäbe fort.
Ich verfiel sofort in Panik.
„Ist schon in Ordnung, Liebes“, klang Narcissas Stimme hinter mir.
Ich drehte mich um und fand mich einem weißen, fast ausdruckslosen Gesicht gegenüber. Es war im besten Fall verstörend. Narcissa trug ein wunderschönes, hellblaues Ballkleid, ihre Haare lagen in silbernen Locken auf ihrem Kopf.
„Deine Kleidung ist verwandelt worden, und wenn du deinen Arm berührst, wirst du feststellen, dass die Zauberstäbe noch da sind, nur unsichtbar“, sagte sie, ihre Stimme leiser durch die Maske.
Ich betastete meinen rechten Unterarm und – wie Narcissa gesagt hatte – spürte meine Zauberstäbe.
„Komm schon, der Tanz hat bereits begonnen…“ Sie nahm meine Hand.
Sie zog mich durch den Empfangssaal und führte mich durch einen breiten Korridor in einen Teil des Hauses, an den ich mich nicht erinnerte; andererseits war das Manor neu gebaut worden und nur der Empfangssaal wirkte noch bekannt. Wir betraten einen Salon, der in einen größeren Raum führte, eine Art Esszimmer, das heute Nacht als Ballsaal diente. Offene Türen bedeckten die Außenwand und führten auf eine Terrasse, die ich an jenem Morgen nach dem M.A.T.C.H.-Angriff betreten hatte.
Der Raum war ziemlich voll und am anderen Ende stand eine Gruppe von Musikanten, die – auch maskiert – ein Lied nach dem anderen spielten. Es war ein Ball, wie ich sie mir immer in Jane Austens Büchern vorgestellt hatte – eine ländliche Tanzveranstaltung. Maskierte Gäste saßen in dem Salon und an der Wand entlang, unterhielten sich rauchten und tranken, während Hauselfen durch die Menge eilten.
Als der Tanz endete, ließ Narcissa meine Hand los und ich stand allein da.
Ich entdeckte Lucius nahe der Terrasse, in einem dunkelblauen Umhang, der zu einem Gentleman des 18. Jahrhunderts passte; eine Falkenmaske auf dem Gesicht, die Augen Saphire, die im Licht der schwebenden Kerzen über der Zimmermitte funkelten.
Ich trat einen Schritt vor und wurde plötzlich von einem großen Mann in einem braunen Gehrock und weißen Leggins aufgehalten. Er trug eine Maske, die einem Jagdhund ähnelte, und ich fragte mich plötzlich, wie die Zauber auf der Eingangstür funktionierten.
„Auch wenn Eure Maske etwas beängstigend wirkt... bitte ich Euch um diesen Tanz, Lady.“
Obwohl sie gedämpft war, erkannte ich die Stimme. Theo Nott. Seine in einem Handschuh steckende Hand war mir entgegen gestreckt und er verbeugte sich, ich hatte keine andere Wahl. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich tanzen konnte. Als ich jedoch in der Reihe stand, gegenüber von Theo, bewegten sich meine Füße zur Musik. Ich hatte nie englische Volkstänze gelernt, dennoch tanzte ich, als wäre es mir in die Wiege gelegt worden.
Bald tanzte ich auch mit anderen Partnern, wob mich durch die Reihe, bis ich mich einer Maske gegenüber sah, die mich fast stolpern ließ. Ein schwarzer Handschuh packte meine Hand und wir tanzten, einander gegenüber.
Es war eine Drachenmaske, ein Diamant als linkes Auge, eine schreckliche Narbe über dem rechten. Die Maske war auch schwarz und ließ das Gesicht wie einen Schatten wirken. Als ich mich jedoch dem nächsten Partner zuwandte, sah ich einen langen, silbernen Pferdeschwanz am Hinterkopf des Mannes.
Er hatte mich nicht beachtet, obwohl er sicher einen Teil der Narbe an der Innenseite meiner Brust sehen konnte, wo der Stoff locker hing.
Der Tanz endete und ich machte einen Knicks vor Theo. Er hielt meine Hand und führte mich von der Tanzfläche; ich war zu abgelenkt mit dem Versuch, Draco zu beobachten, dass ich Theos Worten keine Aufmerksamkeit schenkte. Ein Getränk wurde in mein Hand gedrückt und ich starrte es dümmlich an. Wie sollte ich mit der Maske etwas trinken?
„Die Masken sind eine Illusion, verstehst du?“, erklärte Theo und nahm ein Glas von dem Tablett eines Hauselfen, der vorbei eilte. Er hob das Glas an seine Maske und es schien hindurch zu gleiten, als er den Kopf nach hinten bog und das Kristallglas leerte.
Ich neigte meinen Kopf; ein interessanter Zauber. Theo stellte sein leeres Glas auf die lange Vertäfelung und beharrte, dass auch ich etwas trank.
Rotwein.
Wieder erinnerte ich mich an Beltain und suchte den Raum nach der einzigen schwarzen Maske, die ich bisher gesehen hatte, ab. Meine Augen wanderten zu der Tür des Salons, und während ich austrank, lief ich um Theo herum und blickte in den Raum. Draco war nicht da.
„Möchtet Ihr noch mal tanzen? Ich verspreche, ich werde nicht noch einmal fragen…“
Theo war ihr immer wie ein anständiger Kerl vorgekommen, selbst für einen Slytherin. Ich gab wieder nach.
Ich tanzte noch drei Tänze – den letzten nicht mit Theo, sondern mit einem Mann mit einer merkwürdig bunten Maske, die einem Pfau ähnelte. Ich trank noch mehrere Gläser Wein, während ich den Raum immer wieder nach Draco absuchte.
Kurz darauf fand ich mich auf der Terrasse wieder, schwitzend, leicht angetrunken und frustriert. Ich war gekommen, wie Narcissa es gewünscht hatte, und ich wollte Draco wiedersehen. Ich wollte ihm zeigen, dass ich auf mich selbst aufpassen konnte, dass ich auf eigenen Füßen stand, und dass ich seiner Stärke würdig war, indem ich meine eigene zeigte. Ich lehnte mich an das Steingeländer der Terrasse und wusste, dass meine Begründung ziemlich dumm war.
Monate, in denen ich auf mich selbst vertrauen musste, um zu überleben, ließen mich merken, wie albern unreif ich war. Ich hatte mich gesorgt, was die Leute über mich dachten, obwohl nur wichtig war, was ich selbst über mich dachte. Ich war zu dem Schluss gekommen, dass ich mich nicht besonders mochte.
Während ich mich durch die Regenwälder Südamerikas gekämpft hatte, mich mit magischen Ungeheuern angelegt hatte und von dunklen Geistern gejagt worden war, hatte ich realisiert, dass ich meinen Kopf aus meinem Arsch ziehen und der Wahrheit ins Gesicht sehen musste. Ich war intelligent, stark, ich strahlte Vertrauen aus, und wie alle anderen Menschen dieser Welt, war ich es wert, geliebt zu werden. Warum brauchte ich eine Aurorenausbildung, um festzustellen, wer ich war? Es war zuviel des Guten, aber es funktionierte. Mir blieb nur noch übrig, den Mann zu finden, an den ich während all der Monate, in denen ich meinen Verstand und meinen Körper diesen wahnsinnigen Trainingseinheiten ausgesetzte hatte, gedacht habe.
Meine Augen suchten den Garten unter der Terrasse ab. Wie Narcissa schon gesagt hatte, hatte sich der Küchengarten rechts von mir zu einem Felsengarten verändert, aber das Heckenlabyrinth links von mir war das gleiche. Laternen beleuchteten die Wege, und das, was ich als die Mitte des japanischen Gartens ausmachte, war hell erleuchtet. Unter der Terrasse spazierten Paare, tranken, lachten.
Mit einem Seufzen trat ich von der Terrasse in die Gärten, hob den Saum meiner Tunika an, während ich über den kalten Boden lief. Ich betrachtete die Masken der anderen Gäste, und sah keinen der Malfoys.
Ich wirbelte in die Dunkelheit des Labyrinths - Laternen an jeder Kurve – und lief über den Kieselsteinpfad. Erinnerungen an das Chaos, das ich hier schon einmal vorgefunden hatte, ließen meine Finger zum Griff des Walnusszauberstabs wandern. Es war eine irrationale Reaktion und ich blieb gleich nach dem ersten Licht stehen. Ich hörte Gelächter aus dem Inneren, dann Schuhe auf den Kieselsteinen.
Ich schwankte einen Moment und bemerkte, wie betrunken ich wirklich war.
Das Knirschen von Füßen auf den Steinen – wenn auch vorsichtig und leise – ließ mich wieder herumfahren und die Spitze meines Zauberstabs bohrte sich in einen blassen hals. Ich kniff die Augen zusammen und starrte in eine schwarze Maske, deren Diamantauge im blauen Licht funkelte.
„Ich wollte eigentlich fragen, ob Ihr Lust habt, ‚finde das unartige, betrunkene Flittchen im Heckenlabyrinth’ zu spielen, aber Ihr seid anscheinend nicht in Stimmung.“
Seine Stimme war leicht gedämpft, aber als er seine Hände in einer passiven Geste hob, nahm ich den Zauberstab von seinem Adamsapfel und ließ ihn diskret in mein unsichtbares Halfter gleiten.
„Wir haben circa einanhalb Stunden, wenn Ihr Lust habt, Mylady“, sagte er leise, die Hände immer noch erhoben, und trat näher.
„Bis Mitternacht?“, flüsterte ich.
Die Drachenmaske nickte. „Hättet Ihr Interesse?“
Hinter meiner Maske grinste ich. „Aber Ihr kennt dieses Labyrinth besser als ich, also wäre es nicht fair.“
Er trat noch einen Schritt vor; ich einen zurück. In dem blauen Licht wirkten die Konturen der Maske sehr viel beängstigender, aber der lose geflochtene Zopf silberner Haare über seiner linken Schulter schien das Licht zu spiegeln, was ihn – durch den schwarzen Umhang darunter – sehr beeindruckend wirken ließ. Die Kleidung, der Umhang, die Weste, die geschlossen war, hatte er auch schon an Beltain getragen, und wieder machten mich die Zauber, die die Samhain-Gäste kostümierten, neugierig.
„Ich würde Euch einen Vorsprung lassen, Mylady“, sagte er mit einer Verbeugung, nachdem er endlich die Hände gesenkt hatte.
„Wie lang?“
Er richtete sich wieder auf und ich wusste, dass er hinter seiner Maske lächelte. „Eine Minute. Aber Ihr müsst ‚versuchen’, Euch zu verstecken, und ich muss Euch finden. Ich bin sicher, dass wir nicht die Einzigen sind, die spielen.“
Ich seufzte. Wenn er es so wollte…
Ich rannte los, bevor er sich bewegen oder sprechen konnte.
Ich lachte über die Albernheit der Situation. Meine Füße führten mich tief in das Labyrinth, vorbei an Pärchen, die im Schatten versteckt waren, und den lüsternen Geräuschen, die das Stelldichein begleiteten. Ich ignorierte die anderen Gäste, rannte mit leicht angehobenem Rock – schneller, als es sich vermutlich gehörte. Die Laternen wurden immer weniger, und nur das blasse orange Mondlicht beleuchtete den weißen Pfad.
Selbst hinter der Illusion der Maske fiel mir das Atmen schwer, und nachdem ich eine weitere Ecke umrundet hatte, stolperte ich in den japanischen Garten. Durch die Höhe der Hecken hatte ich nicht bemerkt, dass ich so nah dran war. Fackeln brannten am Wegrand und der Teich schien zu leuchten, in unheimlichem Grün.
Ich hielt inne, um den Garten zu bewundern; er war wie in meiner Erinnerung und ansonsten menschenleer.
Das Geräusch von Kieselsteinen auf anderen Steinen ließ mich für eine kurze Sekunde innehalten, und wieder rannte ich los, den Pfad entlang in Richtung Pavillon. Sandalen patschten über die Holzplattform und ich schlüpfte in den Schatten, als eine schwarze Figur in den Garten schoss, das Diamantauge im Fackellicht funkelnd. Aus der Dunkelheit beobachtete ich den entstellten Drachen, wie er durch den Garten lief; sein Umhang flatterte hinter der dunklen, festen Figur des Mannes, der sich darunter verbarg. Meine Atmung beschleunigte sich, als er im Schatten verschwand und nicht mehr zurückkam.
Ich machte einen Schritt nach vorne, immer noch halb im Schatten, und blickte über den Garten. Lautlos drehte ich mich auf meinen Fußballen.
Als sich Arme um mich schlangen und meine Arme an meinen Körper drückten, setzte mein Instinkt ein; ich wehrte mich – oder versuchte, mich aus der zermalmenden Umarmung zu befreien.
„Ich habe das Flittchen gefunden – Game over“, flüsterte eine Stimme und ich hielt inne. Ich musste meine wilden Instinkte kontrollieren, schneller Freund von Feind unterscheiden können. Ich wusste, dass das nur eine Sache der Übung war.
„Es war kein besonders langes Spiel, wisst Ihr?“, flüsterte ich.
„Stimmt, aber wir haben keine Zeit, ausführlich zu spielen.“
Gelächter erklang im Garten und nahe der südöstlichen Ecke erschienen zwei Figuren aus dem Labyrinth. Eine Dame in einem eleganten, dunkelroten Ballkleid stolperte zuerst in das Licht der Fackeln, eine rote Maske auf dem Gesicht und lange schwarze Locken fielen über ihre breiten, nackten Schultern. Ich war nicht sicher, wer die Frau war, aber der Mann in der Pfauenmaske folgte ihr, packte die Frau um die Taille und rang sie auf eine Bank nahe einem der Teiche nieder. Es war ein wirklicher Kampf, bemerkte ich; das Paar fiel mit verhedderten Gliedmaßen auf die breite Sitzbank.
„Blaise und Millicent. Interessant“, murmelte Draco Malfoy hinter mir.
Sein Griff lockerte sich und ich sah auf zur Drachenmaske. Er zog seinen Zauberstab aus seinem dunklen Mantel und entfernte damit seine Maske; das Gesicht des Drachen verschwand in schwarzem Rauch. Bald trug auch ich keine Maske mehr und unsere Blicke trafen sich, während er den Eibenstab wieder einsteckte.
Dracos Gesicht wirkte wieder jünger als damals, als er sich auf dem Friedhof gezeigt hatte, und ich fragte mich, welcher Zauber oder welcher Trank sein Gesicht wieder in das jugendliche verwandelt hatte, das ich so liebte. Natürlich blieb das merkwürdige, sich unterscheidende Auge, ebenso wie die Narbe, aber sein Gesicht wirkte ausdrucksstärker, die Ernsthaftigkeit, die ihn so fremd hatte wirken lassen, war verschwunden.
Ich öffnete meinen Mund, spürte aber sofort seinen Finger auf meine Lippen gedrückt, während seine andere Hand mich tiefer in den Schatten eines der orientalischen, grünen Pfosten der Laube zog. Sein Körper drückte gegen meinen Rücken und als er sich zu einem Flüstern an mein Ohr neigte, berührten seine Lippen meinen Hals.
„So…“, flüsterte er und zeigte auf Blaise Zabini und Millicent Bulstrode, „wird das Spiel gespielt.“
Ich beobachtete das Pärchen, das sich auch seiner Masken entledigte und sich anschließend küsste. Ich hatte Blaise Zabini seit Jahren nicht gesehen, wusste aber, dass er Leiter des St. Mungo war. Und Millicent? Ihr gehörte die halbe Winkelgasse, wenn auch unter einem anderen Namen.
Blaise drückte Millicent auf die Bank, seine in Handschuhen steckenden Hände berührten den Ausschnitt ihrer Robe, und mit einem Riss zerstörte er den Stoff, so dass ich ihre blassen, schweren Brüste, zusammen mit ihrem lüsternen Gesichtsausdruck sehen konnte. Als sich dunkle Lippen zu ihrem hals bewegten, abwärts zu einer rosigen Brustwarze, wollte ich meinen Blick abwenden.
„Sie haben sich in der Schule nie gemocht. Millie war nicht Slytherin genug, und Blaise dafür zu sehr“, flüsterte Draco und seine Finger strichen ein paar Zöpfe von meiner Schulter. Als seine Fingerspitzen auf meine Haut trafen, bemerkte ich, dass er die Handschuhe ausgezogen hatte – Haut an Haut.
„Trotzdem wirkt ihre Vereinigung so schön.“
Blaise riss weiter an Millicents Kleid, entblößte die glatte, elfenbeinfarbene Haut, die in schwarzen Locken endete; das Ziel von Blaises Küssen und seiner tanzenden Zunge.
Der Klang von Millicent Bulstrodes Stimme erschreckte mich, im Gegenzug drückte Draco mich gegen die Säule der Laube, meine Wange war an das grün bemalte Holz gepresst. Seine Hände lagen auf meinen Hüften, wanderten zu meiner Taille; ich schluckte, als seine Finger den Stoff meiner dünnen Tunika rafften.
Blaise Zabinis schlanker Körper war bald nackt vor meinen Augen und ich hielt bei seiner Schönheit den Atem an; seine Zöpfe fielen um sein Gesicht, verbargen Millicent, während er sie küsste. Dunkle Hände wanderten in ihre Kniekehlen, hoben sie an ihre Schultern. Ich erschauderte beim erotischen Anblick, als das dicke, steife Geschlechtsorgan in der Hexe, die auf den Fetzen des roten Ballkleids lag, verschwand. Millicent zischte bei der langsamen Penetration, ihre Hände packten Blaises Schultern.
„Und hier wird das Spiel interessant…“
Ich hatte Draco fast vergessen, bis seine Hände über meinen Oberkörper wanderten und seine Fingerspitze die Brandnarbe an der Innenseite meiner linken Brust nachfuhr.
Blaise knurrte, alle Zärtlichkeit verschwunden, seine Hüfte klatschte in heftigen Stößen gegen Millicents und entlockten ihr einen Schrei. Ich zuckte aus Gewohnheit bei dem Schrei zusammen, aber ich wusste, dass Blaise Zabini der Hexe nicht weh tat. Millicent war nie anmutig oder dürr wie ihre Klassenkameradin und beste Freundin Pansy Parkinson gewesen, aber sie war nicht unattraktiv. Ihr muskulöser Körper und der breite Kiefer waren in Kombination mit ihren Kurven, ihren Lippen, ihren dunkelblauen Augen und den wunderschönen, gewellten Haaren nicht unweiblich. Sie könnte Blaise Zabini zerstören, nicht anders herum.
Als sich Finger um meine linke Brust legten, merkte ich, dass ich dem Mann, der seine Hüfte an meinen Po drückte, mehr Aufmerksamkeit schenken musste als dem Pärchen, das es vor uns heftig miteinander trieb.
„Müssen wir uns das ansehen?“, fragte ich flüsternd.
Draco lachte leise.
Ich war erregt. Ich wusste, dass ich immer wieder meine Schenkel aneinander rieb, um die Flüssigkeiten, die an meinen Beinen hinabliefen, aufzuhalten. Als ich durch die Eingangstür des Manors getreten war, hatten die Verzauberungen wohl gewollt, dass ich keine Unterwäsche trug, und das ärgerte mich.
„Wir ‚müssen nicht’, aber wir ‚wollen’…“
Ich verkniff mir ein Stöhnen, als Draco seine Hüfte gegen meine drängte und ich seine Erektion an meinem Rücken spüren konnte; seine Hand knetete meine linke Brust, während Millicents Schreie von Blaises Stöhnen und Grunzen übertönt wurden. Meine Fingernägel gruben sich in die Säule, als die Hand von meiner Brust in den lockeren Ausschnitt meiner Tunika glitt. Der Stoff bewegte sich und ich wusste, dass er mich nun berühren konnte, aber er tat nichts dergleichen; seiner Fingerkuppen strichen nur über meinen Bauch, dann wieder nach oben in Richtung Hals.
„Wenn wir nur mehr Zeit hätten… Aber wir haben später noch Zeit“, flüsterte er, seine Hände drehten mich, bis mein Rücken an der Säule lehnte, der Anblick des Paares immer noch in meinen Verstand gebrannt.
„Nach dem Ritual“, flüsterte ich, richtete mein Kleid und meinen Verstand. Ich würde mich nicht von Draco Malfoy geistig verwirren lassen, so sehr ich ihn auch hatte sehen und es ihm erklären wollen, so sehr ich ihn auch wieder in mir spüren wollte; ich wusste, das alles mit der Zeit kommen würde – wenn alles geregelt war.
Draco grinste und drückte sich fester an mich, seine Erektion brannte an meinem Bauch. Meine Hände zuckten an meinen Seiten und langsam fanden meine Finger seine Schultern, wanderten zu der Lederweste unter dem Umhang zu den Sehnen seines Bizeps’. Er fühlte sich überall warm an, lebendig, real…
„Du bist gegangen, ohne dich zu verabschieden, Hermine“, murmelte er. „Ich war so wütend – circa eine Woche lang.“
Ich wandte den Blick ab.
„Und dann, nachdem die Wut langsam zu Zweifel geworden war, erhielt ich einen Brief von Pansy aus New York. Du wärst dort und ich sollte nicht kommen. Dann einen Brief von Weasley, der mir erzählte, was du tust.“
Ich seufzte.
„Was hat dich nur geritten, dieser Organisation beizutreten, Hermine? Was hat dich besessen, dass du ohne eine Wort abhaust, ohne Entschuldigung, ohne Abschied?“, flüsterte er, seine Hände quetschten meine Hüften, als würde er meinen Körper in seinen ziehen wollen.
Ich stählte mich und sah ihm in die Augen.
„Du. Du hast mir erzählt, du wärst nach Amerika gegangen, um dich zu verändern, um allen zu beweisen, dass du nicht Lucius Malfoys ‚kleiner Monstersohn’ bist. Ich bin gegangen, um mich mir zu beweisen. Hier stark zu sein“, flüsterte ich und deutete auf meine Schläfe, „ist nicht gut genug, wenn der Rest von mir schwach ist.“
Dracos Gesicht war ausdruckslos und die Geräusche des Liebesaktes schienen so weit entfernt.
„Du warst nie schwach, Hermine, weder im Körper, noch in der Seele oder im Geist. War die Ausbildung zur V.I.R.-Agentin notwendig, um dir diese Tatsache beweisen zu können?“
Ich grinste trotz der Sanftheit in Dracos Stimme.
„Ich bin jetzt an einer Stelle, wo ich nicht mehr den Schutz einer dritten Person brauche. Ich habe meinen Verstand und meinen Körper zu etwas geformt, das mir gefällt. Ich mag mich wieder.“
Draco zog mich noch näher, sofern das möglich war. „Mein Wunsch, dich zu beschützen, war umsonst?“
Ich runzelte die Stirn, lehnte sie an seine Schulter.
„Nein. Nein, ich wollte deinen Schutz, aber jetzt will ich nur noch deine Liebe, ohne die Angst, dass ich zerbrechen würde, sollte ich jemals dich oder deine Liebe verlieren.“
Draco versteifte sich in unserer Umarmung und ich spürte, wie ihn seine Wut durchlief, dann abklang. Ich fragte mich, was er wohl dachte. Nach fünf Monaten hatte ich nicht nur daran gearbeitet, mich zu ändern, sondern auch daran, die Frau zu werden, die neben einem Draco Malfoy bestehen konnte, eine Frau, um die er sich nicht sorgen musste, sondern die er von ganzem Herzen lieben konnte. Die Angst hatte uns schon einmal getrennt, selbst als wir zusammen waren; eine Angst, die es mir unmöglich machte, irgendetwas außer meiner eigenen Sterblichkeit zu begreifen. Ich war dem Tode gegenüber gestanden, nun musste ich die Liebe zulassen.
„Wir sollten gehen“, flüsterte er.
Ich blinzelte ihn an, unsicher, wie wir unbemerkt an dem ‚lauten’, leidenschaftlichen Pärchen vorbeikommen sollten. Ich realisierte jedoch – noch während Draco seinen Arm um mich legte – dass wir uns nicht bewegen mussten, sondern apparierten.
„Seit du weg warst, haben wir die Schutzzauber erneuert, so dass sie wieder wirken wie zu Großvaters Zeiten“, sagte Draco, nachdem ich bemerkt hatte, dass wir am Fuße des Gehörnten Hügels standen. „Heute Abend beenden wir den Zauber und lassen zukünftig nur noch jene mit Malfoy-Blut durch.“
Draco nahm meine Hand und wir liefen in Richtung Steinkreis. Ich blickte zurück in Richtung Manor, sah jedoch nur das schwache Leuchten der Laternen im Garten. Vor uns erhoben sich die Steine im Mondlicht, alt und still. Ich dachte über Dracos Worte nach.
Narcissa trug kein Malfoy-Blut in sich, da sie eine geborene Black war, und ich fragte mich, wie die Malfoy-Hochzeitsrituale aussahen. Vielleicht eine Blutsverbindung?
Auf unserem Weg zum Gipfel des Hügels blieben wir stehen und drehten uns zum Manor zurück. Unter uns begannen Lucius und Narcissa den Aufstieg – Narcissa hatte ihre Röcke gerafft und hielt sich an Lucius fest. Beide trugen keine Masken.
Am Gipfel angekommen nahm Narcissa meine Hand und zog mich von Draco fort in den Kreis, zu der Stelle, wo das Beltain-Ritual stattgefunden hatte.
„Wir dürfen sprechen. Beltain war ein heiliger Ritus. Samhain zwar auch, aber der Spaßfaktor ist größer…“ Narcissa lachte leise und strich wie eine Mutter über meine Haare.
Außerhalb des Steinkreises wurden von Vater und Sohn zwei Lagerfeuer entzündet, das nach Westen gerichtete leuchtend rot, das östliche merkwürdig silbern. Draco und Lucius standen im Süden und starrten in die Feuer; ihre hellen Augen spiegelten die Farben wider.
„Ich bin nicht sicher, wie viel du bereits über die uralten keltischen Riten weißt, Hermine, aber du weißt, dass wir Malfoys unsere Schutzzauber zur Sonnenwende verstärken. Samhain ist so ein Ritual, ebenso wie Beltain. An Samhain jedoch sagen wir auch die Zukunft unserer Ländereien voraus, nachdem wir die Feuer durchquert haben… Zuerst reinigen wir uns… Vor langer Zeit hat das jeder Angehörige der Malfoy-Familie getan, dann haben sie sich auf einen der äußeren Steine gesetzt. Der Lord und sein Erbe errichten die Schutzzauber, dann sagen wir die Zukunft vorher.“
Ich merkte während Narcissa sprach, dass auch sie leicht angetrunken war. Die Rötung ihrer blassen Wangen ließ sie jünger wirken, das Lächeln wirkte verspielt. Sie nahm wieder meine Hand und wir liefen zusammen nach Norden, in den inneren Kreis.
„Es gibt keine wirkliche Zeremonie, wir laufen einfach nur zwischen den Feuern.“
Narcissa stand rechts von mir und nach einem kurzen Drücken meiner Hand liefen wir durch den schmalen Abstand zwischen den magischen Feuern. Ich spürte ein magisches Kitzeln auf meiner Haut, als wäre ich durch ein unsichtbares Portal getreten, ungefähr so, wie beim Betreten des Manors vor ein paar Stunden. Auf der anderen Seite blickte ich auf meine nackten Hände und Arme, die wieder mit winzigen Runen verziert waren, goldleuchtend im Feuerlicht. Es war nicht die Rune, die ich an Beltain getragen hatte, stattdessen ähnelte sie einer alten futharkischen Rune namens ‚pertho’, was Glück und Schicksal bedeutete. Wenn man nach der nordischen Herkunft der Rune ging, bedeutete sie ‚orlog’, oder auch ‚wyrd’ – Schicksal.
Als Draco und Lucius durch die Feuer nach Norden liefen, sah ich keine Runen auf ihrer Haut, zumindest nicht so sichtbar wie bei mir. Narcissa war bedeckt von kleinen dunkelblauen Runen, aber ich war zu sehr vertieft in meine, um mich für ihre zu interessieren.
Die Rune bedeutete nicht wirklich ‚pertho’, denn sie hatte vier Punkte, oben, unten und an beiden Seiten.
„Jetzt, wo wir gereinigt sind, treten die Frauen aus dem Kreis“, flüsterte Narcissa und führte mich an den inneren Steinen vorbei.
Ich war immer noch damit beschäftigt, die Rune zu entziffern. Sie kitzelten auf meiner Haut, und als ich auf meine Brust sah, entdeckte ich eine größere Rune dort, wo einst Dracos Rune stand. Als ich wieder aufblickte, bemerkte ich, dass Lucius nahe bei uns stand und lautlos die Lippen bewegte; das Messer war gezückt und auf seine Handfläche gerichtet. Ich runzelte die Stirn und sah zu Draco, der seinen Vater nachahmte, eine silberne Klinge auf der Handfläche, lautlos einen Zauber murmelnd.
Mit einer schnellen Bewegung, die Narcissa und mich keuchen ließ, packten Vater und Sohn die Griffe der Messer und schnitten in ihre Handflächen, ungefähr so wie an Beltain. Mein Blick war auf Draco fixiert, dessen neues Auge sich in das Blut in seiner Handfläche brannte. Das rote und silberne Feuerlicht ließ das Blut merkwürdig leuchten, als Draco und Lucius ihre Handflächen drehten und Tropfen dickflüssigen Blutes auf die Steine unter ihren Füßen fielen.
Statt einer sichtbaren, fühlbaren Welle aus Magie in meinem Körper, spürte ich Magie unter meinen Füßen.
„Ein Blutopfer für den Boden, der die Familie nährt, ein Dank für die Ernte, für die Gesundheit der Tiere und der anderen Kreaturen auf unseren Ländereien“, erklärte Narcissa flüsternd. „Die Gäste werden es nicht bemerkt haben, aber wir wissen es… Wir wissen, dass unser Zuhause, der Boden, das Gras, die Bäume uns beschützt haben. Beltain war das Opfer für das Wachstum, Samhain ist das Opfer für die Ernte und Schutz vor dem Winter…“
Ich schluckte und nickte. Blutmagie – Generationen über Generationen von Malfoys hatten ihr Blut dem Grund gegeben, auf dem ich mich befand. Die Malfoys waren keine bösen, arroganten Menschen. Sie waren einfach nur Menschen, die dankbar waren für den Boden, auf dem sie geboren wurden und auf dem sie starben, dankbar für die Zusammenarbeit mit den magischen Kreaturen, den normalen Tieren…
Ich fragte mich, ob die Malfoys immer noch so verhasst gewesen wären, wenn jeder die Malfoys so kennen würde, wie ich sie kannte.
Narcissa drückte meine Hand und ich erwiderte ihren Blick. Mit einem Lächeln drehte sie mich zu den dunklen Feldern vor dem Manor, aber sie waren gar nicht dunkel.
„Deswegen lieben wir Samhain“, flüsterte Narcissa.
Die Hügel leuchteten silbern und golden, während Lichter wie auf dem Kopf stehende Regentropfen in leuchtenden Farben aufstiegen. Mein Mund formte ein Lächeln, noch während mir das Herz aufging.
„Magie – Wie die Generationen ihre Magie hinzufügen, so gibt das Land uns im Gegenzug Magie zurück. Hunderte von Jahren voller Magie treibt für ein paar Stunden aus dem Boden, von hier bis zu den Wäldern… Die Zentauren kommen auch, um es zu sehen…“
Schönheit, überwältigende Schönheit. Das Licht kam zu dem äußeren Steinkreis und ich hatte den Drang, wie ein Kind über die Felder zu rennen und zu versuchen, die unzählbaren Kugeln leuchtender Magie wie Schmetterlinge zu fangen.
„Was denkst du?“
Ich drehte mich zu Draco um.
Ich schüttelte den Kopf, mein Mund nutzlos offen. Draco lächelte dieses schiefe Lächeln, das ich vermisst hatte.
„Wir wollen mit alten Knochen spielen, machst du mit?“
Ich schnaubte. „Ihr benutzt Knochen, um in die Zukunft zu schauen?“
Draco grinste. „Mutter schon. Sie brachte die Tradition von ihrer Familie mit. Meine Großmutter hat Apfelschalen benutzt, meine Urgroßmutter hat Seherin gespielt und Tiere ausgeweidet…“
Draco Malfoys Sarkasmus amüsierte mich immer wieder. Und da wusste ich, als er meine Hand nahm und meine Runen las, dass ich ihn liebte und ihn lieben würde, bis mein letzter Atemzug mich verließ.
*****
Meine Berufswahl hatte Draco nicht überrascht, und während wir die leuchtenden Felder entlang liefen, meine Hand um seinen Arm, erzählte er mir, dass er nach Pansys Brief, in dem stand, wo ich mich befand, ein paar Beziehungen hatte spielen lassen, um zu erfahren, wie ich mich während der Ausbildung anstellte. Mit ‚Beziehungen’ meinte er Ron.
Ich war nicht böse, und auch nicht wirklich überrascht. Ich betrachtete die Spiegelung der schwebenden, magischen Kugeln in Dracos Augen. Irgendwie wusste ich, dass es keine Rolle spielte, wo ich hinging oder was ich tun würde, er würde es wissen. Draco war ein Mann der Information, so wie ich es gewohnt war, Informationen zu verbergen.
„Wenn dich das glücklich macht…“
„Tut es.“
„Und jetzt arbeitest du in der AMS?“
Ich nickte.
„Dann bist du zu Hause und wirst bleiben“, sagte er sanft.
Ich sagte nichts, sondern drückte meine Wange an seine Schulter. Ich würde zu Hause bleiben, solange ich wusste, wo das war und wer mich aufnehmen würde.
„Hochzeit im milden Winter – was meinst du, Granger?“
Er neckte mich mit meinem Nachnamen.
Dann legten wir uns auf die Felder direkt unter dem Gehörnten Hügel; die Lagerfeuer waren erloschen, Lucius und Narcissa zurück im Manor, wo sie mit den Gästen weiter feierten. Der magische Nebel über den Feldern leuchtete noch unter uns und um uns herum.
„Ein milder Winter wäre schön. Der letzte Winter im Norden war tödlich“, murmelte ich und starrte den roten Mond über uns an.
Draco rollte auf die Seite, sein Mantel lag unter uns, seine Weste war offen. Auf seiner Brust stand die gleiche Rune – Erbe – wie an Beltain. Seine unterschiedlichen Augen suchten mein Gesicht ab. Mein rechter Arm lag unter meinem Kopf, mein Ellbogen stieß in Dracos Schulter, als er sich bewegte.
„Und eine Hochzeit?“
Ich schloss die Augen. Woher hätte ich wissen sollen, dass Narcissa Malfoy nicht nur erfand, was sie in den Knochen sah, die sie auf die Steine zwischen den Lagerfeuern geworfen hatte?
„Wenn du darauf wartest, dass ich dir einen Antrag mache, wirst du lange warten müssen“, murmelte ich, meine Lippen zu einem schelmischen Lächeln verzogen.
Draco lachte, seine Finger schoben den Ausschnitt meiner Tunika auf und er starrte auf die große Rune über meiner linken Brust.
Ich öffnete meine Augen und blickte auf den silbernen Zopf, der nahe meinem Gesicht baumelte, während er die Rune und die kreisförmige Narbe betrachtete.
„Soll ich dir sagen, was sie diesmal bedeutet?“
Ich seufzte. „Du solltest mir sagen, warum ich diesmal durch eine Rune gekennzeichnet bin, obwohl deine Mutter mich nicht hypnotisiert und einen Zauber gesprochen hat.“
Draco sah mir ins Gesicht, lehnte sich völlig über mich, seine rechte Hand ruhte nahe meiner Taille.
„Ich könnte sagen, es ist ein Malfoy-Familiengeheimnis…“, flüsterte er, ‚dieses’ Lächeln auf den Lippen. „Aber was Mutter dir an Beltain erklärt hat, ist korrekt. An Samhain jedoch, dem Gegenstück zu Beltain, repräsentieren die Runen nicht, was du willst, sondern was du bist. Meine Rune ändert sich nicht, ich bin immer noch der Erbe. Mutters bedeutet ‚Lady’, Vaters immer noch ‚Lord’.“
Ich schluckte. „Und meine?“
Das Grinsen wurde breiter. „’Die Bestimmte’. Sicher erkennst du diese Rune, umgeben von den anderen Malen? ‚Schicksal’. Meine Vorfahren waren bei manchen Runen nicht sehr originell. Aber diese Male sind nicht nur Punkte.“
Er hob einen Finger, um das Kleid weiter zu öffnen, entblößte meine Brüste der Luft und seinem Anblick. Er drückte mit der Fingerspitze auf den ‚Punkt’ über der Rune und seufzte.
„Das ist mein Name…“
Dann auf die nächste. „Das auch.“
Auf den untersten ‚Punkt’, nahe dem weichen Teil meiner Brust. „Das auch.“
Dann auf die letzte. „Und das…“
Das Atmen fiel mir schwer, als er das letzte Mal berührte und ich starrte mit gerunzelter Stirn in sein Gesicht.
„Du konntest meine Rune vermutlich nicht sehen, da sie auf deinen Armen nur wie ein Punkt wirkt, aber auf deiner Brust ist sie ziemlich deutlich“, flüsterte er.
„Also bin ich…“
„Für mich bestimmt. Das hat das Ritual enthüllt.“
Die Schicksalsgöttinnen hatten gesprochen. Alles geschah aus einem Grund…
Alles ist schon einmal passiert, und alles wird wieder passieren…
Ich schüttelte den Kopf, nicht in Unglauben oder Unbehagen oder Weigerung, das zu akzeptieren, was Draco gesagt hatte. Ich schüttelte den Kopf, weil ich hier im Feld bemerkte, dass ich – selbst mit dem freien Willen – den Weg bis zu diesem Punkt beschritten hatte.
Ich konnte glücklich sein, trotz allem, dem Krieg und Harry. Die Närrin war nun die Herrscherin.
„Was denkst du?“, fragte ich und meine Hand zog an Dracos Haaren.
Draco zuckte zusammen und fiel nach vorne, bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war.
„Ich denke, Granger, dass ich mich schon vor langer Zeit entschieden habe. Während du den Ausblick auf das Ende der Welt genossen hast, hatte ich neun Jahre, um genau festzustellen, was ich wollte.“
Mein Lächeln war angespannt.
„Lass keine Schuld, die du dir selbst für irgendeine Sünde gibst, jemals dieses Lächeln verursachen“, knurrte Draco und seine Finger zogen schmerzhaft an meinen Zöpfen. „Ich will dich, Hermine. Es hat lange gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich es will – und in dieser Zeit existierten wir nicht zum selben Zeitpunkt in der Geschichte. Und jetzt sind wir hier, an Samhain, und leben. Und ich will dich.“
Ich leckte meine Lippen, meine Lungen schienen zu brennen.
„Die Frage ist: Was willst du?“
Ich grinste. „Ich habe fast alles, was ich immer wollte.“
„Fast?“
Ich nickte. „Ich habe Stärke in mir gefunden. Ich habe es geschafft, mir trotz meiner vielen Fehler zu vergeben. Ich habe herausgefunden, wie es sich anfühlt, zu lieben, so banal das klingt. Jetzt will ich nur noch einen Ort finden, an dem ich zu Hause bin“, flüsterte ich.
Dracos Gesicht war undeutbar, seine unterschiedlichen Augen bohrten sich in meine. Er zog sich zurück und ich runzelte die Stirn. Er brauchte jedoch nur Platz, um seine Weste auszuziehen, die er auf den leuchtenden Boden um uns herum fallen ließ. Er kniete sich neben mich, das Licht ließ seine Haut, die sich über seine Brust- und Schultermuskulatur spannte, leuchten. Er zog das Band aus seinen Haaren, schüttelte den Kopf, und die langen Silbersträhnen fielen über seine Schultern und den Rücken.
Ich setzte mich auf und blickte den Mann an meiner Seite an. Ich wusste, dass ich der Schönheit seiner scheinbar makellosen Haut, seinen breiten Schultern, den definierten Brustmuskeln und der Lederhose, die um seine schmale Hüfte hing, niemals würde widerstehen können. Er war das Musterbeispiel eines Mannes, nur ein paar Narben störten die Perfektion seines Gesichts, seines Rückens, seiner Fingerknöchel. Auch wenn ich ihn als schön betrachtete, sah ich ihn nicht als schwach an. Er trug seine Narben mit Stolz, er war ein Kämpfer, ein Krieger, und als ich die Finger seiner linken Hand berührte und sie vor mein Gesicht hob, wusste ich, dass er seine Fäuste nur einsetzen würde, wenn er das müsste.
Ich entließ seine Finger mit einem Grinsen und zog meine Sandalen aus. Ich zog den Gürtel von meiner Taille und mein Kleid schien sich automatisch zu schälen, bis ich auf Dracos Mantel saß, nur noch bedeckt von dem lila Stoff um meine Hüfte.
Dracos farblose Mundwinkel hoben sich, als er seine Hose aufknöpfte, sie aber nicht auszog. Stattdessen umarmte er mich und wir fielen zurück auf den Mantel. Ich lag in seinen Armen, legte mich auf ihn, meine Zöpfe fielen über sein Gesicht, als ich seine Lippen küsste, Wein schmeckte, Zitrusfrüchte schmeckte und Salbei roch.
Meine fünf Monate waren seinen neun Jahren gegenüber ungerecht.
Seine Hände schoben mein Kleid von meinem Körper, bis die kalte Nachtluft meinen Körper komplett mit Gänsehaut überzog. Ich stützte mich auf, um ihn anzusehen, seine blonden Haare auf der Dunkelheit des Mantels, während Licht uns umgab. Seine Hände fuhren an mein Gesicht, strichen mein karamellbraunen Strähnen zurück.
„Ich habe dich schon einmal gebeten und ich werde es wieder tun – bleib bei mir“, flüsterte er. „Bleib bei mir…“
Meine Brust zog sich bei den Gefühlen, die in seiner Stimme lagen, zusammen. Und ich tat, was ich schon vor fünf Monaten hätte tun sollen: Ich nickte.
Draco kicherte, als mein Gesicht sich verzog und rollte uns herum, damit meine Tränen nicht fielen. Seine Hüfte glitt zwischen meine Beine und nach einer Drehung kniff das Leder nicht mehr länger in die Innenseite meiner Oberschenkel. Meine warme Körpermitte wurde durch seinen Schwanz, der gegen meinen Unterleib drückte, nur noch mehr erhitzt.
Er hielt meine Handgelenke rechts und links von mir, seine Brustmuskeln spannten sich an, als er sich über mich beugte und die Spitzen seiner Platinhaare meine rechte Brustwarze kitzelten.
„Sag es laut…“, flüsterte er nachdrücklich.
Ich leckte meine Lippen, wollte mehr als alles andere meine Hüfte heben.
„Ich werde bei dir bleiben…“, keuchte ich.
Dracos Grinsen wurde wild, seine unterschiedlichen Augen leuchteten in der Magie um uns, die langsam verblasste. Mit einer leichten Bewegung seiner Hüfte glitt sein Schwanz in mich. Ich stöhnte, als er zwischen unseren Körpern hinab sah, vorbei an den dunklen und hellen Locken zu der Stelle, wo wir uns vereinten.
Er entließ meine Handgelenke aus diesem festen Griff und setzte sich auf seine Fersen, kniete vor meinen geöffneten Schenkeln. Er packte sein steifes, dickes Geschlechtsteil und fuhr mit der Spitze über meine feuchte Haut, neckte mich. Er blickte durch seinen Pony in mein Gesicht und das wilde Grinsen wurde sanft.
Ich wurde gefoltert. Nach fünf Monaten voller Fantasien…
In der Dunkelheit des Amazonasbeckens – dankbar, dass ich dieses dumme Buch gelesen hatte, das Lucius Malfoy mir geliehen hatte – schlief ich nachts, hoch auf einem Baum, und träumte von Draco Malfoy in mir, seinem Mund auf mir. Die Träume reichten von simpel bis sadistisch. Draco Malfoy hatte meine sexuelle Lust entfacht, und deshalb hatte ich die fünf Monate damit verbringen müssen, mich mit verschiedenen Wunschvorstellungen – wenn möglich – abzulenken. Ich gab dem ‚Gehängten’ die Schuld an manchen Fantasien und hatte keine Schuldgefühle mehr, das Buch gelesen zu haben. Nur die zweite Hälfte war wahrhaft pervers…
Ich knurrte, während Draco grinste und mich neckte, indem er seine klebrige Schwanzspitze über meinen Kitzler zog und kaum merklich in mich eindrang. In den fünf Monaten, die ich meinen Verstand und meinen Körper an seine Grenzen gebracht hatte, hatte ich gelernt, dass ich selbst die Initiative ergreifen musste, wenn ich nicht bekam, was ich wollte. Natürlich mochte ich es noch nie, geneckt zu werden.
Ich bewegte mich schnell, und zum ersten Mal seit unserem Aufeinandertreffen nach dem Krieg überraschte ich Draco Malfoy, indem ich ihn auf den Boden beförderte und mich über seine Hüfte kniete. Seine Hose lag um seine Knöchel, und als er mich mit offenem Mund anstarrte, spürte ich, wie meine Erregung ein neues Level erreichte. Sein Gesichtsausdruck hielt nicht lange, stattdessen verzog sich seine Augenbraue ärgerlich.
Als er jedoch gerade etwas sagen wollte, packte ich seinen Schwanz – womit ich ein Stöhnen verursachte – und ließ mich unvorsichtig auf ihn herab. Ich atmete laut aus, mein Kopf fiel nach hinten, während ich ihn tiefer aufnahm. Es war etwas schmerzhaft, aber ich wollte dieses volle Gefühl.
„Fuck!“, keuchte er, als ich mich auf ihm bewegte und meine Hüften rhythmisch bewegte. Meine Handflächen klatschten auf seine Brust, meine rechte Hand bedeckte die Rune über seinem Herzen.
Ich lachte und knurrte leise, als seine Hände zu meiner Hüfte wanderten und nach oben glitten, um meine hüpfenden Brüste zu erreichen. Ich starrte in seine merkwürdigen Augen, während ich über ihm schwebte. Durch meinen Blick erzählte ich ihm von den letzten fünf Monaten in meinem Leben. Ich erzählte ihm, dass ich für ihn stark sein wollte. Ich erzählte ihm, dass ich immer in seiner Nähe sein wollte. Ich erzählte ihm, wie falsch ich in vielerlei Hinsicht gelegen hatte. Ich erzählte ihm, wie verängstigt ich ohne ihn gewesen bin. Ich erzählte ihm, dass ich ihm und er mir gehören würde, wenn eine Hochzeit das war, was uns zusammen Kaffee trinken, Schallplatten hören, über unsere Leben reden und zusammen alt werden lassen würde.
Ich erzählte ihm, was für eine Närrin ich gewesen war; nicht zu merken, wie er – mein Herrscher – mich beschützt hatte.
Ich verlor mich und meinen Rhythmus, meine Hüfte prallte gegen seine, mein Körper fiel nach vorne. Er fing mich in seinen Armen auf, wie er es immer tun würde, während unsere Hüften immer und immer wieder brutal aufeinander trafen.
Einen Arm um meinen Nacken, den anderen um meine Taille, stöhnte er und erdrückte mich in seiner Umarmung. Mit einem leisen Wimmern aus seinem Mund zerbrach ich. Ich biss in seine Brust und er knurrte, rollte mich auf den Mantel, und meine Augen rollten zurück in meinen Schädel, während mein Körper sich wie unter Strom gesetzt anfühlte. Ich spürte Dracos Atem auf meinem Gesicht, dann auf meinen Rücken, als er mich auf seinen Schoß zog. Er trat seine restliche Kleidung ab, während mein Körper und mein Verstand schwebten.
Ich war auf meinen Knien, meine Hände zerknüllten seinen Umhang unter meinen Handflächen, als er wieder in mich eindrang. Ich kniete mich seinem Körper entgegen, unsere Gesichter blickten zum schwach beleuchteten Manor und über die dunklen Felder. Eine große Hand legte sich um meinen Hals, zwang meinen Kopf auf seine linke Schulter, während seine Finger meinen durchnässten Nervenknoten anstießen und er langsam in mich stieß.
„Zuhause…“, knurrte er.
Ich wimmerte, konnte gerade so atmen, aber nicht sprechen. Ich war in einer verwundbaren Position, aber mit jedem Stoß, jeder Berührung seiner Finger an meinem Kitzler, spürte ich, dass ich in der Position war, die Draco bevorzugte. Dominant, sorglos, unwiderstehlich, manchmal tyrannisch, aber sanft und liebevoll; Draco war der Herrscher.
„Das hier ist Zuhause…“
Ich keuchte, als seine Stöße langsam tiefer drangen und eine Stelle trafen, die alles außer ihn unlogisch erscheinen ließen.
„Wir sind… Zuhause…“
Seine Stöße wurden schneller und ich stöhnte kehlig, als ich etwas in mir nachgeben spürte. Als hätte ich keine Knochen fiel ich gegen ihn, seine Hand löste sich von meinem Hals, um mich aufrecht zu halten. Nässe bedeckte unsere Schenkel, aber Draco hörte nicht auf, selbst als er uns zur Seite lehnte und meine Haare aus dem Gesicht strich, um meinen Hals und meine Wangen zu küssen.
Er drehte meinen Körper und drang wieder ein, und ich schluchzte, als meine Sinne überflutet wurden von Draco Malfoys Wesen. Ich hielt ihn, meine Beine um seine Taille geschlungen, meine Arme um seinen Hals, und ließ ihn meinen Körper verehren. Seine Küsse waren verzweifelt; sein Stöhnen verriet seinen schwelenden Drang nach einem Abschluss.
„Liebe…“, keuchte er, nahm mein Gesicht in die Hände und küsste mich.
Ich summte; ich wusste, was er sagen wollte. Sein Körper, sein Gesicht, seine Augen sagten es klar und deutlich.
„Ich dich auch…“, flüsterte ich.
Dracos Rücken bog sich und seine Stöße wurden wild, und mit einem beängstigenden Brüllen füllte er mich; sein Körper leuchtete unter kaltem Schweiß. Seine Haare klebten feucht an seinem Gesicht, seine Augenbrauen waren zusammengezogen, sein Mund offen, jeder Muskel in seinen Schultern und seinem Hals angespannt.
Sein Samen schoss in mich, und als er aus meinem Körper glitt, fühlte ich die Flüssigkeit aus meiner Mitte auf seinen Mantel tropfen. Er brach auf mir zusammen und ich hielt ihn fest, zog den Mantel um uns. Die Magie, die vom Boden ausging, ähnelte nun Taunebel, der Mond stand höher am Himmel und war eher gelb als rot.
Unsere Haut war kühl und feucht, unsere Kleidung verteilt, und wir lagen unter freiem Himmel am 1. November 2008. Ich war genau da, wo ich sein wollte – auch wenn ich fror.
*****
„Alastor, das ist keine Entschuldigung hierfür!“
Alastor Gumboil saß hinter seinem Schreibtisch, als wäre er eine Barrikade. Der stattliche Mann hatte tatsächlich Angst vor mir, aber diese Tatsache durfte mich nicht ablenken.
„Wenn die Presse herausfinden sollte, dass ein paar unserer Männer die Gefangenen missbrauchen, wird das Ministerium keine andere Wahl haben, als diese Männer auch zu feuern, von dir und mir wahrscheinlich ganz zu schweigen. Die Öffentlichkeit mag diese Leute vielleicht nicht, aber es sind immer noch menschliche Wesen!“
Alastors Kinn wabbelte, als er mir endlich seinen Blick zuwandte, nachdem er die zehn Minuten meiner Tirade ein Loch in seine Bürotür gestarrt hatte.
„Ich verstehe, was Sie sagen, Granger. Aber was kann ich dagegen tun?“
Ich stand vor Gumboils Schreibtisch und lehnte mich, die Handflächen auf der Oberfläche, in Richtung des Mannes, der offiziell mein Vorgesetzter in der AMS war, in Wahrheit aber unter mir stand, wenn ich meine V.I.R.- Bescheinigung als Hauptermittlerin und meine Stellung als Aurorin erwähnte.
„Sie können diesen Menschen ihren Rechtsbeistand im Befragungsraum gestatten. Sie können Überwachung einführen und verdammt nochmal keinen Beamten einsetzen, dessen Familienmitglieder zu den Opfern zählen. Was zur Hölle haben Sie sich gedacht, als Sie Sky Bulstrode vor zwei Monaten Dennis Creevey befragen ließen?“
„Das war DSI Malfoys Entscheidung, nicht meine.“
Ich trat erstaunt von dem Tisch zurück.
Draco war auf Alastor Gumboils alte Stelle befördert worden, Gumboil war inzwischen DCS.
„Dann sollte ich das mit ihm besprechen?“
Alastor nickte.
Ich seufzte. „Das hätten Sie sagen sollen, Al.“
„Ich habe den Ausblick auf ihr rotes Gesicht genossen, Granger.“
Alastor setzte sich in seinem Stuhl zurück und faltete seine Hände unter seinem Kinn.
„Ich stimme in allen Punkten mit Ihnen überein, Granger. Wirklich. Leider können manche von uns sich nicht von der Tatsache lösen, dass diese Leute sich als inländische Terroristen gegen das Ministerium gewandt haben. So viele Leute waren betroffen, und Sie wissen vermutlich besser als ich, wie schnell Gefühle Logik übertönen können - Gerechtigkeit mal beiseite. Wir können nicht alle so sachlich denken wie Sie. Und was Malfoy betrifft, habe ich das Gefühl, dass auch er nicht zufrieden mit der Situation ist...“
Ich schürzte meine Lippen und warf eine Haarsträhne über meine mit Drachenhaut umhüllte Schulter.
„Ich will nur klarstellen, dass wir die Leute nicht einsperren können, solange wir ein paar Männer nicht davon abhalten können, ihre ‚Emotionen’ an ihnen auszuleben. Ich weiß nicht, ob Sie auf dem Laufenden sind, was die Ereignisse in der Muggelwelt betrifft, aber es gibt ein ziemliches Problem mit dem Konzept Habeas Corpus. Wir sind Briten und wir haben den Erlass unterzeichnet, es ist die Grundlage des Muggel- und des Magischen Rechts. Wir müssen den Leuten den Prozess machen und sie entsprechend verurteilen. Dieser Fegefeuer-Zustand wird uns den vollen Zorn des Zaubergamots einbringen, Al.“
Alastor nickte. „Ich weiß. Aber Sie müssen mit Malfoy sprechen. Sie sind unsere Verbindung zu V.I.R., Granger. Sie können etwas bewirken...“
Ich blinzelte Alastor an. Er hatte Recht. Ich vergeudete nur meine Zeit mit meiner Wut auf Al. Wenn ich die hundertzehn Insassen von Azkaban vor Gericht bringen wollte, musste ich nur Termine mit dem Zaubergamot ausmachen, rechtlichen Beistand organisieren und die Insassen überwachen lassen, bis das Zaubergamot den Prozess abhielt.
Ich nickte Alastor zu und drehte mich zur Tür.
Ich lief an ein paar Büroplätzen vorbei, Blicke folgten mir. Ich ignorierte sie, als ich zu dem großen Raum lief, der als Hauptquartier der Polizei im Ministerium diente.
„Hey, Granger! Hast du nicht in einer Stunde einen Termin?“, drang Marcus Flints Stimme von seinem Schreibtisch.
Ich blieb stehen und sah den Mann an. Ich blinzelte, bemerkte Flints Lächeln und grinste zurück.
„Also noch bis zur letzten Minute im Einsatz“, rief er mir zu.
Ich zuckte mit den Schultern und lief weiter den Gang lang, meine Augen waren auf die dunkle Eichentür mit den silbernen Worten „Draco S. Malfoy, Detective Superintendent“ gerichtet.
Ich erreichte sie und trat ein ohne anzuklopfen. Ich fand Draco Malfoy nicht hinter seinem Schreibtisch, der voller Pergamentstücke und benutzten Kaffeetassen war. Er stand vor einem verwandelten Spiegel, richtete seine Kleidung; ein schwerer Umhang über einer braunen Kordhose und einer grünen Tunika. Seine Haare hingen offen um seine Schultern. Sein Outfit unterschied sich von dem gewohnten grauen Anzug, der über der Lehne des einzigen Stuhls im Raum hing. Seit seine Haare lang waren, band Draco sie normalerweise zusammen, wie sein Vater, aber es offen zu sehen... Ich atmete tief ein und schloss die Tür hinter mir.
„Was tust du hier, Granger?“, knurrte er und drehte sich zu mir um.
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und verlagerte mein Gewicht auf eine Hüfte. Er nannte mich im Büro immer ‚Granger’.
„Wir haben in einer guten Stunde einen Termin...“, fing er an, sein Gesicht düster.
„Warum erfahre ich erst jetzt, dass Bulstrode Creevey misshandelt hat?“
Draco seufzte, der Ärger verschwand. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt...“
„Wann dann, Malfoy? Ich habe Al gerade meine Meinung gegeigt, nur um zu erfahren, dass ich mit der falschen Person spreche!“, knurrte ich.
Draco lief zu seinem Schreibtisch, schnappte sich seine Zauberstäbe und steckte sie in die Hosentasche. Sein Gesicht zeigte deutlich Ärger, aber ich gab nicht nach.
„Wenn die Presse davon erfährt... Bei Merlin, wir werden ein gewaltiges Problem haben.“
„Wir kümmern uns bereits darum, okay, Granger? Bulstrode wurde suspendiert, er ist ein guter Junge, und ich werde ihn nicht opfern, nur um den Zaubergamot oder V.I.R. zu besänftigen. Maßnahmen sind getroffen...“
„Was für Maßnahmen? Wir müssen diese Leute aus dem Weg schaffen. Azkaban ist kein Kerker!“
Draco wirbelte herum und packte meine Schultern, womit er mich überraschte.
„Schluss jetzt!“
Meine Augen waren groß, als ich in seine unterschiedlichen Augen sah. Er war wütend, beunruhigt, und ich wusste, dass er Recht hatte. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für diesen Kreuzzug... Wenn Draco sagte, dass er es in die Hand genommen hatte, musste ich ihm glauben, das wusste ich.
Ich entspannte mich unter seinen Händen. „Gut...“, sagte ich sanft. „Aber sobald wir zurück sind, werden wir diesen Leuten Rechtsbeistand organisieren und Prozesse einleiten - Medienzirkus hin oder her. Es muss aufhören.“
Die harte Linie von Dracos Mund wurde weicher und er grinste. „Einverstanden. Und jetzt beweg deinen Hintern hier raus. Ich bin sicher, dass Pans sich bereits ihre wenigen Haare rauft und vermutlich deinen Eltern Angst einjagt.“
Ich kicherte, als Dracos Hände von meinen Schultern zu meinem Gesicht glitten. Er drückte einen kleinen Kuss zwischen meine Augenbrauen und entließ mich. Wir sagten nichts, als ich das Büro verließ und seufzend die Tür schloss.
„Weniger als eine Stunde, Granger!“, rief Flint durch den Raum, schlüpfte in seinen Umhang und wandte sich zum Gehen.
Ich blickte auf die Uhr und biss die Zähne zusammen. „Scheiße!“
Ich würde zu meiner eigenen Hochzeit zu spät kommen.
~Fin
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