
von selliiWeasley
Hier auch gleich schon mein zweites Kapitel. Ich weiß, immer noch keine bekannten Harry-Potter-Stars...
Und falls es jemanden interessiert, der Austin in meiner Geschichte soll Austin Winkler sein, nur etwas jünger... und etwas hübscher. Was die Person Charlie angeht, habe ich sie mir komplett selbst ausgedacht. Ich würde mich sehr über Kommentare freuen
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Ich erhob mich von meinem Bett und tapste in das winzige Badezimmer gegenüber meines Zimmers. Wir, Charlotte, Mom und ich lebten in einer winzigen Wohnung, die direkt an den Bahngleisen der Londoner Straßenbahn lag. Jedes Mal, wenn die Bahn an unserer Wohnung vorbeibrauste, wackelte und bebte alles. Vor meiner Zeit auf Hogwarts war dies alltäglich für mich, ich gewöhnte mich so sehr daran, dass ich die stille in den Gängen des Schlosses manchmal als unheimlich empfand.
Die Wohnung war ein krasses Gegenteil zu meinem Leben dort. Wo es hier klein, modern und praktisch eingerichtet war, erschien in Hogwarts alles groß, prunkvoll und majestätisch. Trotz allem liebte ich beide Welten und konnte mich nicht recht entscheiden, in welche ich wohl eher passte.
Ich sah in den Spiegel über dem kleinen, rosa farbenen Waschbecken und sah mich an. Unter meinen großen, grünen Augen hatten sich riesige, dunkle Ränder gebildet, die zu meiner fast weißen Gesichtsfarbe sehr grotesk wirkten. Vielleicht hatte ich einmal Anlagen dazu gehabt, hübsch zu werden, doch seit dem tragischen Tod meines Vaters sah ich nur noch eine entsetzliche Leere in meinem Blick, den man früher oft als aufweckend und verspielt bezeichnet hatte. Meine hellblonden, langen Haare sahen zerzaust und ungepflegt aus, doch ich konnte so tun, als würde es zu meinem wilden, rockigen Style gehören und nicht zu der Tatsache, dass solch erhabene Sachen wie Körperpflege mir gepflegt am Allerwertesten vorbei gingen. Ich seufzte und schüttelte demonstrativ den Kopf, um mich von solchen Gedanken abzuwenden.
Auf dem kleinen Schränkchen links von mir befand sich mein schwarzes Kosmetiktäschchen. Ich nahm es und begann mir willkürlich mit einem stumpfen Kajal die Augen zu schminken. Ich machte meine Haare noch zerzauster, als sie ohnehin schon waren und verlies das Bad. Auf dem engen Flur hätte ich beinahe meine kleine Schwester, Charlotte umgerannt. „Hey, was bist du denn noch so spät wach?“ fragte ich sie. „Deine blöde Gitarre ist runter gefallen, da bin ich wach geworden“, antwortete sie und kratzte sich ein wenig ärgerlich am Kopf. Ich lächelte sie verlegen an. Charlotte war ein Ebenbild meiner Mutter. Sie hatte die gleichen geschwungenen Lippen und die gleichen Augen, welche ich von meinem Dad geerbt hatte. Charlotte war selbst für ihre süßen elf Jahre, sehr winzig. Ihren Namen hatte sie selbstverständlich auch von Dad, ich konnte froh sein, dass sie von ihren Freunden nicht ebenfalls Charlie genannt wurde. Ich streichelte ihre warmen, zerzausten Haare und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Geh wieder schlafen, Schatz. Ich werde noch ein wenig aus gehen.“ ,sagte ich sanft. „Aber es ist doch schon soo spät, und was ist, wenn dir etwas passiert? Du weißt, dass wir das Haus nicht verlassen dürfen.“, lallte sie schlaftrunken. Das war typisch Charlotte. Immer versuchte meine kleine Schwester auf mich aufzupassen. Ob ich einsam und allein sterbe, weil ich von meinen schrecklichen Erinnerungen eingeholt werde, oder, ob ich kaltblütig ermordet werde, weil ich von einem Todesser aufgegriffen werde, wo ist da der Unterschied? Fragte ich mich im stillen, wollte diese Antwort aber um keinen Preis meiner elfjährigen Schwester geben. „Ich komme klar“, sagte ich schlicht, da mir nichts besseres einfiel. „Mom ist bald da, geh wieder schlafen“, beruhigte ich sie. Sie sah mich noch einen Moment lang mit großen Augen an, gab schließlich auf und verschwand wieder in ihrem Zimmer.
Ich nahm meine Lederjacke vom Harken im Flur, klemmte meinen Zauberstarb zwischen meiner zerfledderten Jeans und den Pumps, und verlies die Wohnung. Vor der Wohnungstür blieb ich stehen und schloss die Augen. „Kolibri“ murmelte ich. Das war das geheime Passwort, um unsere Wohnung von jeglichen Todessern und Flüchen zu schützen. Ich spürte ein Knistern in meinem Rücken, wandte mich noch einmal um, und sah gerade noch, wie blaue Seile aus Licht sich um die komplette Wohnung zu legen schienen, einen Moment hell aufblinkten und dann verschwanden.
Ich musste mir keine Sorgen um meine kleine Schwester machen, da Dumbledore persönlich den Schutzzauber gelegt hatte, sodass er unmöglich gebrochen werden konnte.
Meine eigene Sicherheit, die in dieser dunklen, ungewöhnlich kühlen Augustnacht keinesfalls gewährt war, war mir scheißegal. Man konnte meinen, ich würde es regelrecht darauf ankommen lassen, angegriffen zu werden. Mein Onkel Richie, ein sehr guter Auror hatte mir, seitdem er letztes Jahr die Prüfung abgelegt hatte, alles beigebracht, was mir in solch einer Situation nützlich sein würde. Ich kannte viele Zauber und Flüche, die ich gegen Angreifer anwenden könnte und hatte das auch vor einigen Monaten im Ministerium bewiesen, als ich gemeinsam mit einigen anderen Mitgliedern der DA gegen die Todesser gekämpft hatte.
Mit meinen süßen sechzehn Jahren war ich zweifellos noch zu jung, um zu apparieren, weshalb ich den Weg durch die Innenstadt in die Winkelgasse mit der Bahn fahren musste.
Mit schnellen Schritten lief ich zur nächsten U-Bahn Station, die glücklicherweise nur eine Straßenecke weiter war. Wir lebten in einem gefährlichen Stadtviertel Londons, in dem ich mir eher um Diebe, Bettler und andere nichtmagische Bedrohungen Sorgen machen musste, vor allem in meinem Outfit.
Ich richtete meinen Blick stur geradeaus, als ich an zwei Pennern vorbeilief, die auf dem Bürgersteig saßen und sich eine Zigarette teilten. Neben ihnen eine Pfütze erbrochenes. Mein Herz klopfte schneller und vor meinem inneren Auge sah ich, wie einer der zwei mir die Hand um das Fußgelenk legte, sodass ich vor ihnen zu Boden fiel. Doch nichts dergleichen geschah, ich lief einfach vorbei.
Wie in Trance fuhr ich mit verschiedenen Bahnen, ging durch Seitenstraßen, die nur spärlich beleuchtet waren, und stand schließlich, ohne mich meines langen Weges bewusst zu sein, vor dem Tropfenden Kessel, und trat ein.
Eine Handvoll Leute waren hier, Hauptsächlich Zauberer der unteren Gehaltsklasse, und meistens auch nur einsame Seelen, die sich versuchten in ihren Gläsern zu ertränken. Keine Gruppen, die Lachten, und ausgelassen feierten, keine Drinks aufs Haus, kein üblicher Tumult, wie man es eigentlich gewohnt war. Tom der Wirt sah bleich und ausgezehrt aus und nickte nur traurig, als er mich zur Kenntnis nahm. Ohne etwas zu sagen beteuerte ich ihm, dass ich nur durchgehen wollte und betrat nach kurzem Zögern die Winkelgasse, die sich dunkel und verlassen vor mir darbot.
Während ich an Ollivanders völlig zerstörtem Laden vorbeieilte, überkam mich eine Welle von Kummer. Die Zeiten hatten sich geändert, das konnte man an allen Ecken sehen, hören und fühlen.
Eine Ratte huschte fast lautlos an mir vorbei. Ein paar weitere Minuten vergingen, in denen ich Laden um Laden hinter mir lies und mich fast dem Ende der langen Straße befand, da gab es zwischen dem Hintereingang zur Norkturngasse und einem Geschäft namens:“Barbettes kleines Hütestübchen“ eine weitere winzige Gasse, gerade so groß, dass man durchgehen konnte und dabei die kalten Backsteinmauern zu beiden Seiten streifte. Hier war es stockdunkel. Ich war kaum zehn Meter weit gegangen, da konnte ich auch schon die Töne einer leisen Gitarre vernehmen. Ohne zu zögern betrat ich die Musikerkneipe :“Zur Werwolfskralle“.
Das Stimmengewirr wurde augenblicklich lauter. So einsam und verlassen der Tropfende Kessel noch gewesen war, desto voller war es hier. Der Schankraum, in dem ich mich befand, war klein, Rund und wurde einzig und allein von zwei kleinen Laternen beleuchten, die zu beiden Seiten der Eingangstür befestigt waren. Hinter der Bar stand Tutti, der Inhaber und grinste mich träge an. Ich grinste zurück. Tutti war ende sechzig, aber im Herzen noch ein kleines Kind geblieben. Er hatte die Schule nie beendet und war froh, wenn ihm gerade einmal ein winziger Verwandlungszauber gelang. Trotz all seinen ulkigen Eigenheiten, wie zum Beispiel der Tatsache, dass er sich die Fingernägel schwarz lackierte oder, dass er Samstagsabends seine Gäste in einem gelben Pyjama bediente, war er ein Herzensguter Mensch, der keinem Knuddelmuff auch nur ein Schnurrharr krümmen konnte. „Ein Feuerwhiskey-Cherry-Mix für die hübscheste Dame, die an diesem Abend mein Lokal betrat?“, fragte er mit seiner hohen Stimme. Mein Grinsen wurde breiter. „Einen Doppelten, bitte!“, rief ich zurück.
Die leisen Gitarrenklänge ertönten erneut und ich ging durch eine kleine Niesche in ein Nebenzimmer, wo ich einen gutaussehenden, langhaarigen Mann vorfand, der Tief in seine Musik vertieft schien. Trotz der Kälte, die in diesem Raum herrschte (Tutti war seit einer Woche das Feuerholz ausgegangen), trug der junge Musiker nur ein Tank-top, welches seine muskulösen, tätowierten Oberarme zur Show stellte. Seine schwarzen Haare fielen ihm immer wieder lässig in die Augen. Einen Moment lang stand ich so da, beobachtete meinen Freund, und lauschte dem Klang eines einwandfreien Gitarrensolos, bis Austin mich bemerkte. Er legte die Gitarre weg, stand auf und schloss mich in seine starken, warmen Arme, die mir immer ein Gefühl der Geborgenheit gaben. „Wie lange standest du schon da?“, raunte er mir mit seiner tiefen, rauen Stimme ins Ohr und fuhr mit einem Finger langsam mein Rückrat herab. Ich schauderte, was von ihm ein hörbares Lächeln abverlangte. „Nicht sehr lange.“, flüsterte ich. Ich sah tief in seine dunklen, wunderschönen Augen, in denen ich so gerne versank. „Was machst du überhaupt hier, wir haben gleich eins. Deine Mutter wird sich Sorgen machen“. Das war ganz seine Art. Nach außen hin den wilden Rocker spielen, der gerne ein mal ein paar Gläser zu viel hob, aber in Wahrheit ist er ein stetig wachsamer, besorgter Mensch. Dies war vermutlich auch der Grund, warum meine Mum ihm im Umgang mit mir vollkommen vertraute. „Ich hatte Sehnsucht nach dir“, antwortete ich.
Dann spürte ich, wie eine kleine Hand sanft an meiner Jacke zog. Ich sah nach unten und erblickte Kalli, die Hauselfe der Werwolfskralle, die ein Tablett mit meinem Getränk in den Händen hielt. „Bitte Miss“, sagte sie mit pipsiger Stimme und ich nahm ihr das Glas ab. Der Whiskey brannte in meinem Hals wie Feuer, aber es tat mir gut und war genau das, was ich in diesem Moment gebraucht hatte.
Austin führte mich zu dem kleinen Tisch am Fenster, in dem einige Plakate über ausgebrochene Todesser hingen, schnappte wieder seine Gitarre und begann mir vorzuspielen, wobei er mir ununterbrochen in die Augen sah. Es kam mir ewig vor, dieser Moment. Irgendwann, ich bekam es nur am Rande mit, schlurfte Tutti in das Zimmer, steckte unbeholfen eine Kerze an und verschwand wieder. Austin hörte auf zu spielen und ich sah ihn fragend an. „Ich will dir was zeigen „ sagte er, legte zum zweiten Mal an diesem Abend seine Gitarre beiseite und setzte sich neben mich an den Tisch. Er holte seinen Zauberstab raus, nahm ihn in die Rechte und umfasste mit der Linken leicht mein Handgelenk. „Ich hab mal irgendeinen vermummten drüben im Pup in der Norkturngasse gesehen, wie er das seiner Frau gezeigt hat“, erklärte er und richtete die Zauberstabspitze auf die Flamme der Kerze. „Schließ deine Augen“, befahl er sanft und ich tat wie geheißen. „Und nun stell dir etwas vor. Irgendeine schöne Szene, oder ein Bild, das dir gerade in den Kopf kommt.“ Ich überlegte kurz und dachte dann an ein wunderschönes Meer, bei Mondschein, in dem sich die Sterne spiegelten, als wären auf dem Meeresgrund tausende glitzernde Diamanten. Ich dachte an ihn und mich, wie wir beide Arm in Arm an einem Felsen saßen und dieses wunderschöne Spektakel beobachteten. „Hast du?“, fragte er und ich nickte leicht. Er murmelte etwas und ich spürte, wie es ganz heiß wurde, an der Stelle, wo seine Hand meine Berührte. „Gut, dann öffne deine Augen.“
Als ich es tat, entwich ein leises „Ohh“ meiner Kehle. Die Flamme der Kerze wurde grüößer und größer und formte genau die Szene, die eben noch in meinem Kopf existierte. Wie ein Gemälde aus hellem Licht sah ich das Meer und uns in der Kerzenflamme. Es war wunderschön. Strahlend blickte ich zu Austin. „Gefällt es dir“, fragte er leise. Ohne eine Antwort warf ich die Arme um seinen Hals und küsste seine vollen, weichen Lippen.
Es war ein Abend, der mich fast so glücklich sein lies, dass es beinahe schmerzte. Ich war bei IHM, dem Mann, den ich über alles liebte, trank Alkohol, was mein Gehirn benebelte und mich abhielt an irgendwelche schrecklichen Sachen zu denken, und ich konnte einen Abend lang einfach nur ICH sein, weil in diesem Lokal alle Gäste mindestens genauso verrückt waren, wie ich selbst.
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