
von PadfootBlack
Verhängnisvolle Vollmondnacht
Es war nur so ein Gefühl. Aber das Gefühl ließ ihm keine Ruhe.
Er konnte einfach nicht still sitzen bleiben, die Hände in den Schoß gelegt … er musste wissen ob es James, Lily und dem kleinen Harry gut ging.
Mit einem Satz sprang er auf, schnappte sich die schwarze Lederjacke die an dem Kleiderhaken hing, war im Nu raus aus der Tür und saß auf seinem Motorrad.
Der Motor heulte protestierend auf als der Zündschlüssel energisch im Schloß herum gedrehte wurde. Reifen quietschten und schon erhob sich das tiefschwarze Motorrad in die Luft.
Normalerweise fühlte er sich hier oben in der Luft frei – frei von allem beklemmenden, frei von den Sorgen, die die Welt zu dieser Zeit plagten.
So aber nicht jetzt. Jetzt fühlte er sich eingeengt, eingeengt von diesem Gefühl, dieser quälenden Ungewissheit – und das erste Mal seit er dieses Motorrad hatte, kam es Sirius unendlich zu langsam vor.
Dann endlich erreichte er Godric’s Hollow.
Und im gleichen Moment wusste er, dass etwas nicht stimmte. Sein Gefühl hatte ihn nicht betrogen – er sah das Haus aus der Luft heraus. Das Haus, das eigentlich durch den Fidelius Zauber unsichtbar sein sollte.
Sirius’ Gedanken überschlugen sich. Sie waren verraten worden …
Nahezu brutal brachte Sirius die Maschine zum Stehen und noch bevor sie endgültig gehalten hatte, sprang er ab.
Er eilte auf das kleine Gartentor zu und noch im Lauf entdeckte er das volle Ausmaß der Zerstörung – ein ganzer Teil des Daches war wie weggeblasen, einfach nicht mehr da.
Das Gartentor fiel wieder klappernd hinter Sirius zu. Dieser kam allerdings gar nicht bis zur Haustür, da kam eine riesige Gestalt aus dem Haus auf ihn zu - Hogwarts Wildhüter Hagrid.
Und in seinem Arm ein kleines, schreiendes Bündel – Harry.
Sirius eilte auf die Beiden zu.
„Hagrid! Was ist …“ Sirius erstarrte.
„James. Lily. Sind sie …?“
Hagrid schüttelte langsam den Kopf. In seinen Augen schimmerten Tränen.
„Ich soll den kleinen Harry zu Dumbledore bringen. Er soll ... er soll zu seinen ... letzten ... lebenden Verwandten ...“ schniefte Hagrid.
Sirius biss die Zähne aufeinander.
Langsam beugte er sich über das Bündel in Hagrids Armen. Seine Hand zitterte als er sie ausstreckte um das Gesicht des kleinen Harrys zu berühren.
Kaum entdeckten die grünen Augen des Jungen Sirius verstummten die Schreie.
Grüne Augen trafen schwarze.
Vorsichtig strich Sirius eine Haarsträhne zur Seite und entdeckte eine blitzförmige Narbe auf Harrys Stirn.
Er schluckte.
Als er sich schließlich nach einem schier endlosen Moment von Harrys Anblick – James’ schwarzen Haaren und Lilys grünen Augen – lösen konnte, sah er zu Hagrid auf.
„Nimm mein Motorrad!“ es lag nicht annähernd so viel Bestimmtheit in seiner Stimme, wie es ihm lieb gewesen wäre, statt dessen lag ein Zittern darin.
„Nimm es und bring ihn von hier weg! … ich brauche es so oder so nicht mehr …“
Während Hagrid zu dem Motorrad ging, stand Sirius nur stumm da, sah den beiden nach bis sich das schwarze Motorrad erneut in die Luft erhob.
Dann drehte er sich mit einem Ruck um und eilte auf das Haus zu. Doch bevor er die Haustür öffnete, hielt er kurz inne und schloss die Augen.
Er hatte Angst. Angst vor dem was nun vor ihm lag. Angst davor, seine Freunde tot vorzufinden.
Er öffnete die Augen wieder und zitternd fand seine Hand die Türklinke.
Kaum hatte er die Tür geöffnet, sah er ihn auch schon.
Dort lag er, sein bester Freund - James.
Mit wenigen Schritten war Sirius bei ihm, ging neben ihm in die Knie.
Aus den schwarzen Augen seines Freundes war jedes Leben gewichen, das Funkeln, das sonst darin zu finden gewesen war, war erloschen. Ausgelöscht durch einen verrückten, machthungrigen, schwarzmagischen Zauberer.
Sirius’ Augen glitzerten verräterisch als er James die Brille abnahm, vorsichtig seine Augen schloss und ihm schließlich wieder umsichtig, fast schon zärtlich, die Brille wieder aufsetzte.
Alles in Sirius schien sich zusammen zu ziehen. Seine Kehle schnürte sich zu, erschwerte ihm das Atmen, während die Tränen beständig seine Augen füllten.
Langsam erhob er sich wieder, seine Glieder fühlten sich steif an … so als wollten sie ihn am Gehen hindern, ihn hier halten, hier bei seinem besten Freund.
Doch nicht nur sein Freund lag hier in diesem Haus.
Mit einem mehr als beklemmenden Gefühl ging Sirius weiter, erreichte schließlich Harrys Kinderzimmer.
Der Anblick der sich ihm bot, ließ ihn in dem Türrahmen versteinern.
Das halbe Dach des Zimmers war wie weggesprengt. Von hier drinnen sah es fast noch schlimmer aus als von außen.
Doch das war nicht der Grund dafür, dass es Sirius erneut die Tränen in die Augen trieb.
Gegenüber der Tür, direkt vor dem Kinderbett lag Lily reglos auf dem Boden.
Sie hatte ihren Sohn bis zum letzten Moment beschützt. Sie und James hatte es das Leben gekostet. Doch Harry hatte wie durch ein Wunder überlebt.
Während Sirius hinüber ging, um ein weiteres mal, diesmal neben Lily, in die Hocke zu gehen, sah er das Schauspiel regelrecht vor sich:
Harry in seinem Bettchen, Lily stand schützend davor, vollkommen unbewaffnet stellte sie sich dem grausamsten Zauberer aller Zeiten, um ihren über alles geliebten Sohn zu beschützen. Voldemort der durch die Tür kam … ein grüner Lichtblitz … und ein weiteres Leben wurde ausgelöscht.
Sirius streckte seine zitternde Hand nach ihrem Gesicht aus, strich ein paar rote Haarsträhnen zur Seite und schloss dann auch Lilys Augen mit einer vorsichtigen Bewegung.
Wie in Zeitlupe erhob er sich wieder.
„Lily …“ Sirius’ Stimme war rau. „… es tut mir so Leid. Ich hätte es verhindern können … hätte ich nur nicht vorgeschlagen zu tauschen ...“
Er schluckte.
„Verzeih mir. Ich werde auf Harry Acht geben … ich werde ihn immer beschützen … mit meinem Leben …“ seine Stimme brach.
Nach weiteren Augenblick in dem er nur da gestanden hatte und Lily angesehen hatte, verließ er mit einem letzten Blick auf die grausige Szene den Raum, ging wieder hinunter.
Auf der letzte Stufen blieb er stehen und ließ sich dann auf den Treppenstufen nieder.
Sirius’ Blick war auf seinen Freund gehäftet, der dort auf dem Boden lag.
Fast als würde er schlafen … nein … er schläft nicht.
Nein. Er hat auch nichts schlafendes an sich!
„Prongs“ Sirius musste schlucken bevor er seine Stimme wieder fand und trotzdem war sie nicht sehr viel mehr als ein raues Flüstern als er weiter sprach.
„Was war ich nur für ein Idiot. Wie konnte ich eure Sicherheit nur aus der Hand geben … euer Leben einfach so aushändigen. Es fühlt sich fast so an als wäre ich es gewesen, der euch verraten hat … der euch getötet hat.“
Schweigend saß er da, sah nur auf seinen Freund hinab, verlor dabei jedes Gefühl für Zeit – es hätten Minuten verstreichen können, genauso gut aber auch Stunden … oder auch Tage.
Dann, als wäre er plötzlich aus einer Starre erwacht, sprang Sirius wieder auf.
„Ich werde ihn finden! Ich werde ihn finden und dann wird er dafür bezahlen was er getan hat, dafür was er euch angetan hat!“
„Ich verspreche dir Prongs, ich werde ihn dafür zur Rechenschaft ziehen!“
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