
von Arphelia
Sanfter Regen nieselte vom Himmel herab, während sie aus dem Hogwarts Express stiegen, um hoffentlich nicht völlig durchnässt bei den Kutschen anzukommen. Wenn Padma ehrlich war, so war es hier am Bahnhof von Hogsmeade zu stehen, ein Gefühl wieder Zuhause zu sein. Nach der Schlacht um Hogwarts, würde sie nun in diesem Schuljahr ihr 7. Schuljahr nachholen. Ihr und Pavarti war es nicht einmal mehr vergönnt gewesen, das 6. Schuljahr richtig zu beenden, den noch vor der Beerdigung von Dumbledore, sind sie von ihren Eltern, aus Angst, abgeholt worden. Doch nun nachdem Voldemort für immer Vergangenheit war, konnten sie ihren Schulabschluss auf Hogwarts nachholen.
Die Ravenclaw sah sich auf dem Bahnsteig um und erkannte viele alte, aber auch neue Schüler. Sie freute sich für die Erstklässler, die nun ohne Sorgen und Lasten auf diese Schule gehen konnten. Nachdem sie ihren Blick weiter durch die Schüler streifen ließ, erkannte sie auch ihre Zwillingsschwester Pavarti. Sie winkte ihr und ging auf sie zu. Dabei musste sie jedoch gegen den Strom von Schülern ankämpfen, die zu den Kutschen wollten.
„Pavarti!“ Die Gryffindor blickte sich um und erkannte nun ebenfalls Padma. Während der Fahrt im Hogwarts Express waren sie gegen Ende in verschiedenen Abteilen gewesen und hatten sich aus den Augen verloren. Die Fahrt nach Hogwarts in den Kutschen, wollten sie jedoch zusammen verbringen, denn es war das letzte Mal, dass sie diese Fahrt machen würden.
„Ich hab dich schon gesucht.“, bemerkte Pavarti lachend, als ihre Schwester bei ihr angekommen war. Padma stimmte in ihr Lachen ein und zusammen gingen sie in Richtung der Kutschen.
Nicht alle aus ihrem Jahrgang holten ihren Schulabschluss nach. Eine von ihnen war auch Hermine Granger, die sehr erpicht darauf war, ihren Abschluss zu haben, was Padma auch verstand, denn die Gryffindor, würde sicher den besten Abschluss seit Jahrzehnten ablegen. Padma wusste, dass Ron und Harry ihren Abschluss nicht mehr nachholten, da sie schon in der Aurorenabteilung des Zaubereimnisteriums arbeiteten.
Zum Glück hatten die Kutschen bei solch einem Wetter Dächer, doch die nasse Kälte kroch trotzdem von den Füßen hinauf. Padma zog den Umhang noch dichter an sich heran. Sie fragte sich, wie es Anfang September schon so kalt sein konnte. Die Thestrale taten sich schwer bei dem schlammigen Boden, aber sie brachten die Schüler trotzdem sicher zum Schloss. Seit der Schlacht von Hogwarts sah Padma diese seltsamen Wesen auch, da sie dort einige Menschen hatte sterben sehen.
Die Bäume des Weges, den sie fuhren, wurden lichter und die Schwestern konnten einen Blick auf das beleuchtete Hogwarts sehen. Es war ein wunderschöner Anblick. Padma fiel es schwer den Blick davon abzuwenden.
„Es ist genauso schön, wie es früher war.“, meinte Pavarti leise und lächelte leicht zu ihrer Schwester. Diese nickte und erwiderte das Lächeln.
„Du hast Recht, der Wiederaufbau war erfolgreich. Ob es auch noch die ganzen Geheimräume wieder gibt?“, fragte Padma.
Die Zwillinge sahen sich an und grinsten. Sie wussten beide, dass Padma vom Raum der Wünsche gesprochen hatte, in dem sie in ihrem fünften Schuljahr bei den DA Treffen gewesen waren. Padma war sich sicher, dass ihre Schwester ausprobieren würde, ob es diesen Raum tatsächlich noch gab. Es war schon erstaunlich, wie alles, was die Gründer erbaut hatten und über tausend Jahre gehalten hatte innerhalb kurzer Zeit zerstört worden war. Deshalb war es um so seltsamer jetzt wieder das komplette Hogwarts zu sehen.
Die Kutschen hielten an und die Zwillinge stiegen neben den zwei Drittklässlern, die ebenfalls mit ihnen in der Kutsche gesessen hatten, aus. Sie reihten sich in den Strom der anderen Schüler, die so schnell wie möglich ins Trockene wollten, ein.
Trotzdem war es ein komisches Gefühl Hogwarts wieder ganz zu sehen und so als ob nichts gewesen wäre die Eingangshalle zu betreten. Als sie die Große Halle betraten überkam sie eine Gänsehaut. All der Schmerz und die Trauer lagen noch immer in den Gemäuern, das spürte sie und es ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken fahren. Kurz neben dem Eingang der Großen Halle, noch vor den Haustischen, schwebten Bilder von den verstorbenen Widerstandskämpfern. Die Zwillingsschwestern steuerten, wie viele der anderen Schüler, zu den Bildern. Padma ließ ihren Blick über die Portraits schweifen. Die meisten kannte sie. Was ihr besonders nahe ging war der Tod von Fred Weasley. Wenn sie daran dachte ihre Schwester verlieren zu müssen wurde ihr schlecht. Sie konnte sich den Schmerz, den George ertragen musste, kaum vorstellen.
Seufzend wandte sie sich von den Bildern ab, verabschiedete sich von ihrer Schwester und steuerte auf den Ravenclawtisch zu. Sie setzte sich zu Luna Lovegood, in deren Klasse sie nun war. Padma war eine der wenigen Ravenclaws, die ihr Abschlussjahr nachholte, denn die meisten hatten dies beenden können, zumindest, wenn sie reinblütig gewesen waren. Sie hatte zwar das Angebot bekommen, sofort als Aurorin anfangen zu dürfen, doch das hatte sie um ein Jahr verschoben, denn sie wollte ihren Abschluss trotzdem gerne noch offiziell erreichen.
„Hallo Luna, wie geht es dir?“, begrüßte sie das blonde Mädchen und lächelte leicht. Viele hatten Luna früher für verrückt und seltsam gehalten, doch nun hatten viele gesehen, dass sie eine sehr gute Hexe war. Nun, so war sich Padma sicher, würde sie nicht mehr geärgert werden. Padma hatte das Mädchen schon immer gerne gemocht und sich nichts aus dem Geschwätz der anderen gemacht. Luna wandte sich ihr zu und lächelte. Zuvor schien sie grundlos in die Luft gestarrt zu haben.
„Guten Abend Padma, schön dich zu sehen. Bist du auch schon so gespannt auf die Rede heute Abend von Professor McGonagall?“
Padma nickte zustimmend und erwiderte das Lächeln von Luna. Sie war tatsächlich gespannt, was die Schulleiterin dieses Jahr für eine Ansprache halten würde. Die anderen Schüler nahmen nach und nach Platz, bis alle an den Haustischen saßen.
Wie jedes Jahr wurde die Tür zur Großen Halle nach kurzer Zeit erneut geöffnet und McGonagall kam mit den Erstklässlern herein. Die Ravenclaw beobachtete die 11-jährigen, wie sie staunend die Halle betraten. Einige der Schüler sahen ängstlich aus, andere waren sich ihrer Sache sehr sicher. Als sie vorne ankamen, bekam jeder Schüler, einer nach dem anderen, den Sprechenden Hut auf den Kopf, der sie in die jeweiligen Häuser einteilte. Padma klatschte jedes Mal begeistert mit, wenn ein Schüler nach Ravenclaw kam. Sie erinnerte sich daran, wie sie die letzten zwei Jahre als Vertrauensschülerin die Erstklässler zum Gemeinschaftsraum gebracht hatte. Nun hatten diesen Posten andere Schüler aus Ravenclaw inne. Schülersprecherin war Hermine Granger geworden, was keinen besonders überrascht hatte, doch Padma fand, dass diese es verdient hatte.
Jeder der neuen Schüler hatte einen Platz in einem der Häuser gefunden und Professor McGonagall ging zum Podest, um dort ihre Rede zu halten.
„Ich begrüße alle Schüler ganz herzlich hier auf Hogwarts. Die Dunkelheit ist vorbei und Licht kehrt in unserer Welt wieder ein.“ Die Schulleiterin setzte zu einer kurzen Pause an und sprach dann weiter. Padma hatte das Gefühl, dass diese in der kurzen Zeit an all die gefallenen Hexen und Zauberer gedacht hatte.
„Ich möchte mich zuerst bei allen Helfern, die das Schloss wieder in seine alte Form zurückgebracht haben, bedanken. Ich freue mich sehr alle Schüler hier zu einem neuen Schuljahr begrüßen zu dürfen.
Doch es gibt immer noch Regeln, die eingehalten werden müssen. Darunter zählt der Verbotene Wald. Jedem Schüler ist es untersagt, den Wald zu betreten. Außerdem ist das Zaubern auf den Gängen verboten. Nun darf ich noch die neuen Lehrer dieses Jahr begrüßen. Zum einen Professor Stanton, der die Stelle des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste übernehmen wird.“
Die Schüler und auch die Lehrer klatschten, während ein junger Mann, Anfang dreißig, mit etwas längeren, braunen Haaren aufstand. Er sah freundlich, aber trotzdem streng aus. Padma war gespannt, wie er das Fach unterrichten würde, nachdem sie bisher jedes Jahr einen anderen Lehrer in diesem Fach gehabt hatte. Der Lehrer setzte sich wieder hin und die Schulleiterin fuhr mit ihrer Rede fort.
„Professor Ward wird das Fach Muggelkunde übernehmen.“ Eine Hexe, mittleren Alters, mit etwas zerzausten Haaren stand auf und lächelte schüchtern, als für sie geklatscht wurde. Schneller, als der Lehrer zuvor, setzte sie sich wieder hin. Der Applaus verstummte langsam, während McGonagall mit strengem Blick über die Haustische sah.
„Als letztes möchte ich Professor Lester begrüßen, die nun als Lehrerin für Verwandlungen hier in Hogwarts tätig sein wird.“ Padma war sich sicher, dass es McGonagall nicht leicht fiel, eine andere Lehrerin für ihr eigenes Fach einzustellen, doch die Lehrerin war sicher gut. Eine junge Frau, sicher erst Ende zwanzig, stand selbstbewusst auf und setzte sich, als der Applaus verstummte, wieder an den Lehrertisch.
„Und nun wünsche ich euch einen Guten Appetit.“, beendete Professor McGonagall ihre Rede und kurz danach erschien auf den Tellern und Schüsseln reichhaltiges Essen.
Alle Schüler hatten mittlerweile Hunger und türmten sich das Essen auf ihre Teller. Auch Padma hatte einen riesen Hunger und nahm sich einige Würstchen, Pasteten und Kartoffelpüree. Einige Schüler diskutierten und spekulierten über die neuen Lehrer, wie diese wohl sein würden. Doch Padma überkam ziemlich schnell die Müdigkeit, nachdem sie das letzte Würstchen von ihrem Teller hatte verschwinden lassen.
Die Schulleiterin stand auf, nachdem auch der letzte Schüler sein Essen beendet hatte und sah mit einem seltenen Lächeln zu den Schülern. „Ich wünsche uns allen nun ein schönes Schuljahr und eine gute Nacht.“
Kaum hatte sie geendet, standen die Schüler auf und machten sich auf den Weg zu den Schlafsälen. Es war jedes Jahr immer ein bisschen Chaos, bis die Vertrauensschüler sämtliche Erstklässler gefunden hatten, um sie zu den Gemeinschaftsräumen zu begleiten und ihnen alles zu zeigen. Padma und Luna standen auf und machten sich gemeinsam auf den Weg in Richtung des Ravenclawturms. Sie hatten einige Treppen vor sich und waren dabei auch nicht alleine, denn alle Ravenclaws machten sich nun in diese Richtung auf. Dabei war die Chance auch sehr groß, dass man dem Raben keine Frage beantworten musste, denn einer vor ihnen tat dies meist schon.
„Ich bin schon sehr gespannt, wie die neuen Lehrer sind.“, bemerkte Padma zu Luna, die sich, während sie die Treppen hinaufstiegen, mit einigen Portraits unterhalten hatte. „Ich glaube die Lehrerin für Verwandlungen ist sehr nett.“, meinte das blonde Mädchen, während sie den Westflügel des siebten Stocks entlang liefen.
Sie kamen zum Eingang des Gemeinschaftsraumes und die zwei Mädchen vermuteten schon, dass sie die Frage des Raben beantworten müssten, denn die meisten Schüler hatten es ziemlich eilig gehabt, doch dies tat gerade ein Junge mit kurzen braunen Haaren und braunen Augen. Es war Anthony Goldstein. Padma sah Anthony überrascht an. Sie hatte nicht gewusst, dass dieser ebenfalls seinen Abschluss nachholte. Seine Eltern waren beide Muggel, weswegen er Hogwarts nicht hatte besuchen können, doch er hatte ebenfalls das Angebot bekommen, direkt als Auror zu arbeiten.
„Nach euch.“, meinte Anthony zu den Mädchen und lächelte charmant. „Danke“, grinste Padma und ging nach Luna durch die Tür zum Gemeinschaftsraum. Dort war es nicht besonders voll, nur einige Siebtklässler trieben sich dort noch rum. Die meisten anderen Schüler waren jedoch sofort in ihren Schlafsaal gegangen.
„Ich bin müde.“, meinte Padma zu Anthony, der bei ihr und Luna stehen geblieben war. „Aber es ist schön, dass du auch in der siebten Klasse bist.“ Beide lächelten sich an. Durch ihre Tätigkeit als Vertrauensschüler war zwischen ihnen eine gute Freundschaft entstanden, die Padma sehr schätzte.
„Gute Nacht.“, sprach Luna zu Anthony, der sich ebenfalls noch von den beiden verabschiedete. Zusammen gingen die zwei Mädchen zum Schlafsaal.
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