
von Arphelia
Hallo!
Das zweite Kapitel ist da und ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
@Trüffelschweinchen
Danke für deinen Kommentar. Schön, dass dir die Geschichte gefällt. Dann kannst du schon mal auf das kommende Kapitel sehr gespannt sein :)
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Langsam öffnete Padma am nächsten Morgen die Augen und erblickte die saphirblauen Vorhänge ihres Himmelbetts. Es erschien ihr wie eine Ewigkeit, dass sie diese das letzte Mal erblickt hatte. Es war am Ende der sechsten Klasse gewesen, vor inzwischen fast anderthalb Jahren. Mit der rechten Hand schob sie die Vorhänge beiseite, um sich danach auf die Bettkante zu setzen. Drei der anderen Mädchen waren bereits aufgestanden und saßen sicher schon beim Frühstück in der Großen Halle.. Eigentlich war es für die Ravenclaw eher unüblich so lange zu schlafen, denn sonst war sie oft die erste, die aufstand. Doch sie schob diese Tatsache auf die lange Fahrt vom Vortag.
Der zweite September war ein Mittwoch, weswegen die Schule noch in derselben Woche begann. Padma war froh über den sofortigen Schulanfang, denn sie befürchtete, dass sie zu sehr über die vergangenen Geschehnisse nachdenken würde. Sie zog sich ihre Schuluniform an und wagte einen kurzen Blick aus dem Fenster. Das Regenwetter schien sich auch an diesem Tag nicht verziehen zu wollen. Es regnete immer noch Bindfäden und eine klamme Kälte durchzog das ganze Schloss. Plätze am Kamin waren zu dieser Zeit besonders beliebt, wie Padma feststellte, als sie den Gemeinschaftsraum betrat. Einige Schüler hatten sich dort bereits eingetroffen und suchten ihre letzten Materialien für den Unterricht raus oder tauschten noch die Erlebnisse der Sommerferien aus. Die Siebtklässlerin ging durch den Gemeinschaftsraum und verließ ihn dann auch schon wiederin Richtung der Großen Halle, um dort noch ein Frühstück vor dem Unterricht einzunehmen.
Vor dem Ravenclawturm entdeckte sie zwei Erstklässler, die ziemlich verzweifelt aussahen. Anscheinend hatten sie schon einige Zeit vor der Tür zum Gemeinschaftsraum gewartet, doch wohl das Rätsel des Raben nicht lösen können. Dass Padma nun herauskam und ihnen somit die Chance hereinzugehen gab, schien ihre Laune um einiges zu erhellen. Es war nicht unüblich, dass auch Erstklässler in Ravenclaw ab und zu so ihre Probleme mit den Rätseln des Rabens hatten, denn man musste sich an seine Art erst gewöhnen.
Bereits noch im siebten Stock, kurz vor den Treppen traf die Ravenclaw auf Hermine Granger, die wohl gerade ebenfalls auf dem Weg zur Großen Halle war. Als sich die zwei erkannten, lächelten sie einander zu.
„Hallo Padma",wurde sie von der Gryffindor begrüßt.
„Hallo Hermine, bist du auch auf den Weg zur Großen Halle?“
„Ja ich wollte gerade frühstücken gehen.“
Padma nickte und so stiegen sie zusammen die Treppen ins Erdgeschoss hinab. Das Gespräch zwischen den zwei Mädchen war allerdings eher einseitig, denn Hermine erzählte ihr allerhand über den Stoff, den sie dieses Jahr noch lernen würden. Wie sie selbst schien sie das Thema des Krieges wohl eher zu meiden, was ihr allerdings nicht unrecht war. Bisher hatte sie noch mit keinem über die Ereignisse wirklich tiefergehend gesprochen, nicht mal mit ihrer Schwester.
In der Großen Halle angekommen verabschiedeten sich die zwei Siebtklässler und gingen zu den jeweiligen Haustischen. Padma sah ihre Schwester am Gryffindortisch sitzen und winkte dieser kurz zu. Danach machte sie sich zum Ravenclawtisch auf, um sich dort neben Luna zu setzten, die gerade in ein interessant aussehendes Buch vertieft war.
„Guten Morgen Luna.“, begrüßte sie ihre Mitschülerin und nahm sich einen Toast.
„Einen schönen guten Morgen, Padma. Hast du gut geschlafen?“ Luna sah von ihrem Buch auf und lächelte sie an.
„Ich fürchte fast zu gut.“, meinte Padma und grinste leicht. Dann schenkte sie sich etwas Saft in ihren Becher und sah zur Decke der Großen Halle. Auch bei der verzauberten Decke regnete es ohne Unterlass und man könnte fast meinen, es regnete auch hier in die Halle. Eigentlich wartete sie auf die Post, die heute sehr spät zu kommen schien. Sie selbst hatte keine Eule, sondern eine Katze als Haustier, trotzdem bekam sie den Tagespropheten täglich geliefert. Auf die Zeitung morgens wollte sie nicht verzichten.
Kurz nachdem sie den Blick von der Decke wieder abgewandt hatte, kamen viele patschnasse Eulen in die Halle hinein geflogen und ließen Päckchen, Briefe und Zeitungen fallen. Eine Zeitung landete auch neben Padma, die diese sofort entrollte und interessiert las. Es gab einige Seiten, wie den Sportteil, den sie regelmäßig übersprang, da Quidditch sie einfach nicht besonders interessierte. Sie war nicht übermäßig gut im Besen fliegen – es reichte für den alltäglichen Bedarf. Aber länger als benötigt wollte sie sich nicht auf einem Besen aufhalten.
„Ah, Miss Patil!“, hörte sie plötzlich eine Stimme rufen und legte den Tagespropheten auf die Seite. Professor Flitwick, ihr Hauslehrer, war mit strahlendem Gesicht auf sie zugekommen und stand nun neben ihr. Dabei war er allerdings nicht größer, obwohl sie saß.
„Schön, Sie wieder auf Hogwarts zu sehen. Es ist erfreulich zu hören, dass Sie ihren Abschluss nachholen werden. Ich bin mir sicher, Sie werden ihre UTZ-Kurse mit Bravur meistern.“
Padma lächelte gerührt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass der Lehrer sich so über ihre Rückkehr nach Hogwarts freuen würde. „Danke, Professor Flitwick“, meinte sie nur, bevor der Professor weitersprach und mit einem Wisch seines Zauberstabs ihren Stundenplan hervorzauberte. „Wie ich sehe, haben Sie einige UTZ-Kurse belegt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.“
Noch bevor die Ravenclaw etwas darauf antworten konnte, war der kleine Lehrer auch schon wieder verschwunden. Mit schnellem Blick überflog sie ihren Stundenplan und widmete sich dann wieder dem Tagespropheten. Seit Ende des Krieges berichtete der Tagesprophet ständig über den Krieg. Welche Zauberer, Hexen und Muggel dabei ums Leben gekommen waren. Als Padma die Seiten aufschlug schien sich eine kalte Hand um ihr Herz zu legen. Sie legte den Toast weg, den sie gerade in der Hand hatte, doch der Appetit war ihr sichtlich vergangen. Sie hatte die ganzen Toten immer noch nicht verkraftet und glaubte auch nicht, dass sie dies so schnell schaffen würde.
„Du hast Verwandlung auch gewählt. Dann können wir ja gleich zusammen dorthin gehen.“, meinte Luna, die sich gerade über ihren Stundenplan gebeugt hatte und sie aufmunternd ansah. Sie schien immer zu merken, wenn es einem schlecht ging, obwohl Padma kaum eine Miene verzogen hatte. Die schwarzhaarige Ravenclaw nickte leicht und versuchte wieder in die Realität zurück zu kommen. Die eisige Hand um ihr Herz schien sich allerdings trotzdem nicht lösen zu wollen. Seufzend faltete Padma den Tagespropheten wieder zusammen und steckte ihn in ihre Tasche. Danach stand sie auf und sah Luna auffordernd an.
„Hast du keinen Hunger mehr?“, fragte das blonde Mädchen.
Padma schüttelte nur den Kopf, signalisierte ihrer Freundin allerdings auch, dass sie keine weiteren Fragen mehr wollte. Sie wusste, dass Luna das verstehen würde.
Die zwei Ravenclaws machten sich auf den Weg zum Klassenzimmer für Verwandlung. Im Verwandlungshof im zweiten Stock bogen sie um die Ecke und nahmen im Klassenzimmer platz. Das Klassenzimmer war schon ziemlich voll, so dass nach kurzer Zeit die neue Lehrerin für Verwandlung den Raum betrat. Sie sah ziemlich jung aus für eine Lehrerin, denn die meisten anderen Lehrer auf Hogwarts waren schon ziemlich alt. Mit freundlichem, aber strengem Blick sah sie zur Klasse.
In der zweiten Stunde hatten sie Pflege magischer Geschöpfe. Padma hatte das Fach seit der dritten Klasse belegt und es machte ihr immer noch ziemlich viel Spaß. Doch bei diesem Regenwetter war es nicht unbedingt eine Freude den Weg hinab zum Rand des Verbotenen Waldes zu laufen, um dann die ganze Unterrichtsstunde im Regen zu stehen. Doch auch das brachte die kleine Gruppe, die das Fach für ihre ZAGs nicht abgewählt hatte, hinter sich.
Fröhlich plaudernd gingen die fünf Schüler schnellen Schrittes wieder zurück ins Schloss. Das Mittagessen stand an.
In der Eingangshalle vor der Großen Halle blieb Padma neben Luna stehen. „Ich hab keinen Hunger, ich werde noch etwas in Bibliothek gehen.“, erklärte sie der kleinen Ravenclaw, die sie prüfend ansah. Sie hätte nie gedacht, dass die Rückkehr nach Hogwarts ihr so auf den Magen schlagen würde, doch sie brachte keinen Bissen hinunter. Was sollte sie dann in der Großen Halle, wenn sie die Zeit auch sinnvoll nutzen konnte.
„Bist du dir sicher? Du hast heute noch nicht viel gegessen.“, entgegnete das blonde Mädchen und sah sie prüfend an. Padma konnte eine Spur Sorge in ihrer Stimme erkennen. Doch die Schwarzhaarige winkte ab und lächelte leicht. „Heute Abend werde ich sicher richtig Hunger haben.“
„Bis später.“, verabschiedete sich Luna und bog in die Große Halle ab.
Padma atmete kurz durch und machte sich dann auf den Weg zur Bibliothek. Dort würde sie sich ablenken können, dessen war sie sich sicher. Während sie durch die verschiedenen Gänge lief, traf sie einige Schüler, die gerade auf den Weg zum Mittagessen waren. Wenn sie einen Schüler kannte, grüßte sie nur kurz und ging dann weiter. Sie wollte sich jetzt nicht in ein Gespräch verwickeln lassen.
Erneut bog sie um die Ecke und lief in einen Gang hinein, den sie nur zu gut kannte. Die Ravenclaw blieb stehen und kaum, dass sie sich umsah, kamen schreckliche Erinnerungen in ihr auf. Sie erinnerte sich daran, wie sie zusammen mit den anderen Schülern die ganzen Todesser und Anhänger Voldemorts bekämpft hatte. Viele verschiede Zauber flogen durch die Luft und nur knapp an ihr vorbei. Der eine oder andere tödliche Zauber war auch dabei gewesen.
Das Atmen fiel Padma immer schwerer, weswegen sie sich an die kalte Steinwand lehnte, um nicht ganz umzukippen. Für kurze Zeit schloss sie ihre Augen. Ihre Ohren rauschten und sie hatte das Gefühl, dass ihr Körper immer schwerer wurde. Doch plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Voller Schreck über die plötzliche Berührung zückte sie ihren Zauberstab und feuerte, ohne lange zu überlegen, einen Stupor Zauber ab. Die Hand verschwand von ihrer Schulter und sie wich ein paar Schritte zurück. Padma war froh, den der sie bedroht hatte abgewehrt zu haben, doch plötzlich merkte sie, dass sie doch in der Schule war und sie hier gar keiner bedrohen wollte. Wer sollte das schon tun? Doch wen hatte sie dann mit dem Stupor Zauber getroffen? Sie ließ ihren Blick zu dem bewusstlosen Schüler neben ihr gleiten und erkannte voller Schreck, dass es Anthony war, der dort lag. Die Ravenclaw schrie vor Schreck auf und wich erneut ein paar Schritte zurück. Sie war unfähig etwas zu unternehmen.
Durch den Aufschrei wurden einige Schüler und auch ein Lehrer darauf aufmerksam. Eine Traube bildete sich um den bewusstlosen Ravenclaw. Padma fühlte, wie sie am ganzen Körper zitternd dastand. Die Schüler tuschelten wild umher und stellten die kühnsten Gerüchte auf. Doch als Professor Stanton, der neue Lehrer für Verteidigung der dunklen Künste, das Geschehen betrat und streng über die Schüler blickte, wurde es plötzlich wieder ruhig. Er hatte wohl beobachtet, dass Padma etwas abseits stand und nicht zu den Schaulustigen gehörte, jedoch wohl etwas damit zu tun haben musste. Der Lehrer kam auf sie zu und musterte sie. Ihm entging auch nicht, dass sie ihren Zauberstab immer noch in der Hand hatte.
„Können Sie mir erklären, was hier passiert ist?“, fragte der Professor mit nachhaltiger Stimme, die keine Ausrede duldete.
„Ich..ich…“, stotterte die Ravenclaw verwirrt. Wie hatte sie so etwas nur anrichten können? Warum hatte sie sich von ihren Gefühlen und Erinnerungen leiten lassen, ohne darüber nachzudenken? Die Schüler starten sie an und begannen erneut zu tuscheln. Professor Stanton sah sich unter den Schülern um und entdeckte einen Hufflepuff Vertrauensschüler.
„Sie bringen den Schüler bitte umgehend in den Krankenflügel. Ich werde mich nachher nach ihm erkundigen!“ Der Vertrauensschüler nickte verantwortungsbewusst und widmete sich Anthony. „Und Sie kommen mit in mein Büro.“
Noch bevor Padma ein letztes Mal einen Blick auf Anthony richten konnte, hatte der Professor sie schon am Arm gepackt und zog sie mit. Nach kurzer Zeit ließ er sie bereits los, als er sicher war, dass sie ihm nun folgen würde.
Nach einigen Korridoren und Treppen waren sie im Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste angekommen. Sie gingen die letzten Stufen zum Büro hinauf. Die Gedanken von Padma kreisten und sie fragte sich, wie das hatte passieren können. Wie hatte sie sich so sehr in die Erinnerungen hineinsteigern können? Der Professor bot ihr einen Platz vor dem Schreibtisch. Für Padma schien die Zeit, bis sie hier her gekommen war, ewig vorgekommen, doch sie wusste, dass es nur wenige Minuten gedauert hatte, bis sie nun in dem karg eingerichteten Büro des Professor saß. Der Lehrer hatte sich nicht hingesetzt, sondern hatte sich an den Schreibtisch gelehnt und sah sie eindringlich an.
"Wie ist Ihr Name?"
"Padma Patil.", antwortete die Ravenclaw und konnte so langsam wieder einen klaren Gedanken fassen.
"Miss Patil können Sie mir erklären, wie es dazu kommt, dass ein Schüler neben ihnen bewusstlos auf dem Boden liegt?" Padma sah in die Augen des Professors. Sie wusste nicht recht was sie sagen sollte, denn sie machte sich große Sorgen um Anthony. Warum hatte es ausgerechnet ihn getroffen?
"Haben Sie den Schüler angegriffen?", fragte der Lehrer weiter, nachdem sie ihm keine Antwort gegeben hatte.
"Ich... es war keine Absicht. Ich dachte..." Padma hörte abrupt auf. Sie war sich sicher, dass der Professor das für eine Ausrede halten würde.
"Wie kommen Sie bitte dazu einen Schüler mit einem Stupor Zauber anzugreifen?" Der braunhaarige Mann löste sich von dem Schreibtisch und baute sich vor ihr auf. "Miss Patil, das ist keine Kleinigkeit! Sie werden sich dafür verantworten müssen!" Dem Mädchen fiel es immer schwerer die Tränen zurückzuhalten. Als er erneut ansetzen wollte, ging die Tür des Büros auf und der kleine Professor für Zauberkunst betrat das Büro. Man sah dem Professor für Verteidgung gegen die dunklen Künste an, dass es ihm ein wenig missfiel, von dem Hauslehrer unterbrochen zu werden. Doch er setzte eine höfliche Miene auf, während er sprach. "Ah Professor Flitwick, wie ich sehe wurden Sie von dem Vorfall unterrichtet."
"Jawohl Professor Sanston. Als Hauslehrer werde ich mich um die Sache kümmern.", sprach Flitwick und der andere Lehrer stimmte ihm nickend zu.
"Miss Patil, bitte folgen Sie mir." Kurz darauf fand sie sich im Büro ihres Hauslehrers wieder.
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