
von Arphelia
Padma wandte ihren Blick von Anthony ab und sah auf die Wand vor ihnen, die gerade die Schatten einer Tür formte. Kurz darauf entstand eine große Holztür, die nur darauf wartete geöffnet zu werden. Der Ravenclaw legte seine Hand auf die Klinke. Er öffnete die Tür einen Spalt und steckte seinen Kopf durch.
"So wie es aussieht, wurde der Raum nie zerstört!", bemerkte Anthony, als er sich wieder zu ihr wandte. Padma kannte diese Türe nur zu gut. Im fünften Schuljahr waren sie hier immer heimlich hindurch gegangen, um sich zur DA zu treffen. Professor Umbridge hatte solche Treffen von Gruppen verboten, doch davon hatten sie sich nie abhalten lassen. Eigentlich war sie froh, damals der DA beigetreten zu sein. Sie hatte dort viel gelernt.
"Komm schon, trau dich!", forderte er sie auf und betrat den Raum nun ganz. Er riss sie damit aus ihren Gedanken, so dass sie kurz brauchte, um wieder zu wissen, wo sie sich befand. Anthony hielt ihr seine Hand hin, die sie erfasste. Sanft zog er sie in den Raum hinein, der sich immer den Wünschen dessen anpasste, der ihn rief. Padma fragte sich, was für einen Raum er sich gewünscht hatte. Der Raum war sehr schlicht eingeräumt. Große Fenster kleideten die Wände ringsherum und überall waren kleine Sitzgruppen mit gemütlichen Sesseln verteilt. Auf dem Boden lagen große Teppiche. Auf seltsame Art glich er dem Gemeinschaftsraum der Ravenclaws.
"Das ist ja wundervoll", flüsterte Padma ehrfürchtig und sah zu Anthony, der sie nickend anlächelte. "Ich wollte dir die schönen Seiten von Hogwarts zeigen." Er machte eine kurze Pause. "Ich werde dir helfen, das alles zu verarbeiten."
Die Schwarzhaarige wusste nicht so recht was sie sagen sollte. Sie wusste ganz genau, was er meinte, doch war sich nicht sicher, ob er ihr dabei helfen konnte. Natürlich, sie waren gut befreundet, doch Padma hatte es bisher nicht einmal geschafft mit ihrer Schwester darüber zu reden, wie sollte sie da mit Anthony darüber reden können? Sie konnte sich nicht mal erklären wieso, aber irgendwie war es ihr in diesem Moment unangenehm hier alleine mit Anthony im Raum der Wunsche zu stehen. Sie löste sich aus dem Griff seiner Hand und wich ein paar Schritte zurück. Erneut begann ihr Herz zu rasen und sie verlor den Blick für die Realität. Eine schrecklicheKampfszene, bei der ihre Schwester fast von einem Todesser getötet worden war kam ihr in den Sinn. Es war hier oben im siebten Stock gewesen. Nur der Protego von Padma hatte sie vor dem Tod gerettet. Sie malte sich aus was passiert wäre, wenn der Todesfluch ihre Zwillingsschwester getroffen hätte.
Erst als Anthony sie an den Schultern packte und leicht schüttelte kam sie wieder zurück in die Realität. "Padma... Padma, was ist los mit dir?", rief er schon fast. Sie sah ihn mit weit geöffneten Augen an, ohne zu antworten. Ihr war schlecht und sie hatte das Gefühl sich gleich übergeben zu müssen. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um, verließ den Raum der Wünsche und rannte davon.
Padma öffnete ihre Augen und sah sich um. Draußen dämmerte es bereits. Daraus schloss sie, dass der nächste Morgen anbrach. Sie fand sich nicht wie gewohnt in ihrem Himmelbett im Mädchenschlafsaal, sondern auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum. Da erinnerte sie sich daran, wie sie sich dort am Abend zuvor hingelegt hatte. Doch zugedeckt hatte sie sich nicht. Sie blickte die saphirblaue Decke an, die auf ihr lag. Ob Anthony das gewesen war? Sie musste sich erneut bei ihm entschuldigen. Wieder einmal hatte sie ihn ungerecht behandelt, obwohl er ihr nur helfen wollte. Padma setzte sich auf. Um diese Zeit verirrte sich noch kein Schüler in den Gemeinschaftsraum, doch sie wollte auch nicht hier bleiben, bis es der erste tat. So stand sie auf, legte die Decke zusammen und verließ den Ravenclawturm. Sie musste erstmal ein Bad nehmen.
Später im Verwandlungsunterricht saß Padma neben ihrer Schwester. Ab und zu blickte sie zu Anthony, jedoch nur so kurz, dass dieser ihren Blick nicht erwidern konnte. Das wollte sie auch gar nicht. Sie schämte sich dafür, wie sie mit ihm umgegangen war und der Unterricht war ein denkbar schlechter Zeitpunkt, solche Dinge zu klären. Die Professorin vorne erklärte etwas über die Verwandlung von Menschen. Dieses Thema hatten sie bereits in der sechsten Klasse behandelt, doch nun in der siebten Klasse wurde es um einiges intensiver behandelt. Zum Teil hatte sich Padma den Stoff bereits selbst angeeignet, da sie ja nicht wusste, wie sich der Krieg entwickeln würde und ob sie ihre Ausbildung in Hogwarts überhaupt beenden konnte.
"Warum sitzt du nicht bei Anthony?", fragte Pavarti überrascht. Sie war sich sicher, dass ihre Schwester und ihre Freundinnen ihr bereits eine Beziehung mit Anthony andichteten. Eigentlich war ihr das auch egal, aber wenn sie ihm aus dem Weg ging wollte sie nicht ständig darüber ausgefragt werden.
"Wir... ", fing Padma an, kam jedoch zum Ende, da sie von Pavarti unterbrochen wurde. "Ihr habt euch gestritten?"
Die Ravenclaw drehte sich zur Seite und musterte sie mit bösem Blick. Sie hasste es, wenn ihre Schwester sie unterbrach. "Nein wir haben uns nicht gestritten!" Sie machte eine kurze Pause, um nicht noch lauter zu werden und damit den Unterricht zu stören. "Ich bin einfach abgehauen...und jetzt...gehe ich ihm aus dem Weg.", erzählte Padma und man merkte ihr an, dass es ihr unangenehm war.
"Abgehauen? Wo wart ihr denn?"
Sie zögerte kurz. "Du musst es für dich behalten!" Pavarti nickte. "Also gut...wir waren im Raum der Wünsche."
Der Gryffindor stand für kurze Zeit der Mund offen. "Wirklich? Den gibts noch?"
"Ja wir waren gestern dort und...jedenfalls bin ich dort abgehauen..."
Ihre Schwester sah sie verwirrt an. "Wieso?"
Doch die Frage blieb unbeantwortet, denn die Professorin war auf sie aufmerksam geworden. "Miss Patil würden Sie bitte nach vorne kommen und der Klasse zeigen, wie man einzeln Körperteile des Menschen verwandelt?"
Padma nickte und stand auf. Eine Schülerin aus Hufflepuff stand dort als Versuchsobjekt. Dieser schien diese Rolle jedoch gar nicht zu behagen. Nachdem sich Padma gegenüber der Schülerin aufgestellt hatte, zog sie ihren Zauberstab und richtete ihn auf die Hufflepuff. Ohne zu sprechen, wirkte sie den Zauberspruch und die Schülerin erhielt eine rosa Schweinenase. Die Schüler in dem Klassenzimmmer brachen in Gelächter aus.
Die Schüler strömten mittags in Richtung der Großen Halle. Wenn der Unterricht zu Ende war, konnte man in den Fluren und Gängen kaum noch laufen, da so viele Schüler unterwegs waren. Völlig in Gedanken ließ sich Padma von dem Strom von Zauberkunst hinab zur Großen Halle treiben. Sie hatte es nur ihrer Erfahrung mit den Treppen zu verdanken, dass ihr dort nichts passierte, während sie gedankenverloren nach oben starrte. Pavarti hatte sich in den Gryffindorturm verabschiedet, da sie noch irgendetwas holen wollte. Eigentlich hatte sie ihrer Schwester gar nicht richtig zugehört. Ihre Gedanken waren bei Anthony. Sie musste es dringend wieder gut machen.
Kaum hatte sie ihre Gedanken beendet, fand sie sich in der Großen Halle wieder. Kurz ging ihr Blick zur verzauberten Decke, denn sie hatte sich überlegt an diesem Nachmittag ein bisschen spazieren zu gehen. Bei diesem Regenwetter entschied sie sich jedoch ziemlich schnell wieder um. Padma steuerte den Ravenclawtisch an und ließ ihren Blick schweifen. Sie entdeckte Anthony, wie er bereits am Tisch saß und Pastete aß. Im ersten Moment wäre sie am liebsten umgedreht und sofort wieder aus der Großen Halle gegangen, doch ihr wurde klar, dass sie sich dieser Situation früher oder später stellen musste. So ging sie also auf den Ravenclaw zu und setzte sich gegenüber von ihm. Als er sie sah, lächelte er leicht.
„Hallo Padma.“, begrüßte er sie und wandte sich dann wieder seiner Pastete zu.
„Hey Anthony.“ Padma nahm sich ebenfalls eine Pastete von einem der Tabletts und schenkte sich Kürbissaft in den Becher ein, der auf ihrem Platz stand. Nachdem sie die Karaffe mit dem Kürbissaft wieder weggestellt hatte, sah sie wieder zu Anthony.
„Anthony… hör mal zu…“, begann sie, wurde dann jedoch von ihm unterbrochen. „Hast du das gelesen?“ Er hielt den Tagespropheten hoch und zeigte ihr einen Artikel. An diesem Morgen hatte sie den Tagespropheten noch nicht gelesen, nachdem sie auch nicht beim Frühstück gewesen war. Die Schlagzeile war „Todesser gesichtet!“ Darunter war ein Bild von zwei augenscheinlichen Todessern, wie sie am Eingang der Norkturngasse standen und miteinander redeten. Padma kannte sie, da sie an der Schlacht ebenfalls beteiligt gewesen waren. Mit großen Augen sah sie zu Anthony.
„Wurden sie nicht alle verhaftet und nach Askaban geschickt?“, fragte sie ihn, ihre Absichten, sich bei ihm zu entschuldigen, längst vergessen.
„Nicht alle. Einige kamen frei, indem sie sich mit dem Imperius Fluch herausredeten.“, erklärte er. Padma merkte wie ihr Puls stieg.
„Mach dir keine Sorgen. Hier auf Hogwarts sind wir sicher.“ Anthony lächelte sie an.
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