
von PadfootBlack
So, ich wage mich dann doch noch mal, nachdem ich doch tatsächlich die ein oder andere Bitte bekommen habe, hier weiter zu machen.
Vielen Dank dafür Leute :)
2. Unschöne Begegnungen
„Natürlich! Ich bin nicht derjenige, der immer unpünktlich kommt!“ Sirius war nun fast bei seinem Freund angekommen. Er trat um eine große, schlanke Hexe herum und wollte sich lässig auf den freien Stuhl zu James’ Linken fallen lassen, da erstarrte er mitten in der Bewegung. Um ein Haar hätte er sogar die Butterbierflaschen fallen lassen.
„Moony!“ beinahe entsetzt starrte Sirius seinen Freund an, der neben James saß und bisher stets von irgendwem verdeckt gewesen war.
James’ Blick huschte kurz zwischen den beiden hin und her, dann begann er laut zu lachen, erhob sich von seinem Stuhl, nahm Sirius die Flaschen ab und drückte ihn auf den Stuhl hinunter.
„Was ist denn mit dir los?“ lachte er „Du tust ja grade so als hättest du einen Geist gesehen!“
James setzte sich wieder und versuchte seinen Lachanfall unter Kontrolle zu bringen. Sirius starrte noch ungläubig auf den schmalen, braunhaarigen Jungen hinüber, der ihm gegenüber saß. Remus Lupin sah alles andere als gesund aus. Und das war auch kein Wunder, immerhin waren seit dem letzten Vollmond gerade Mal 2 Tage und 2 Nächte vergangen.
„Verdammt Moony! Was machst du hier!?“ Sirius klang tatsächlich etwas wütend.
James lehnte sich zurück und zog etwas überrascht die Augenbrauen nach oben. „Was ist dir denn geschehen Pad? Freu dich doch lieber, dass er hier ist!“
„Ach Klappe, Prongs! Moony man, du gehörst ins Bett! Du siehst furchtbar aus! Du hättest nicht herkommen sollen …“ mit jedem Wort wich der Ärger aus Sirius’ Stimme und Besorgnis machte sich darin breit. Ihm gefiel nicht, dass Remus sich hier her bemüht hatte. Natürlich, er war froh seinen Freund zu sehen, doch dieser strapazierte seine Gesundheit doch mehr als gut für ihn war.
Nun war es an Remus zu grinsen, auch wenn das nur halb so überzeugend war wie das von James zuvor „Mach dir um mich mal keine Sorgen, ich komme schon klar!“ ganz bewusst hatte er die gleichen Worte gewählt wie sie Sirius in seinem Brief verwendet hatte. „Außerdem wollte ich dich heute unbedingt sehen. Nur für den Fall, dass du ab heute Abend für den Rest der Sommerferien weg gesperrt wirst!“ seine Worte waren eigentlich nicht gerade amüsant, da ein ganzer Teil Wahrheit in ihnen steckte, doch sein müdes Grinsen und die Tatsache, dass ausgerechnet Remus es mit solch trockenem Humor hervor gebracht hatte – Sirius hob überrascht eine Augenbraue.
Neben ihm prustete James auch schon los und es dauerte keinen Augenblick länger da schallte das Gelächter der drei Jungen fast schon durch die halbe Winkelgasse.
„Okay, okay“ Sirius hob noch immer lachend abwährend die Hände „Überzeugt. Ich gebe mich geschlagen, vielleicht war das doch keine so schlechte Idee von dir hier her zu kommen. Zumal“ Sirius hörte schließlich auf zu lachen, dafür machte sich ein seltsames Funkeln in seinen Augen breit „zumal James so wenigstens gezwungen war pünktlich zu kommen.“ Grinste er dann .
James riss die Augen weit auf und schlug Sirius dann spielerisch mit der geballten Faust gegen die Schulter. „Ich glaub dir geht’s zu gut, Black! Werd ja nicht unverschämt!“
Diesmal war es an Sirius loszuprusten.
Erst nach einer ganzen Weile hatten sich die drei Freunde wieder einigermaßen beruhigt.
Sirius lehnte sich zurück und musterte die Butterbierflaschen. „Mensch, hätte ich gewusst, dass du auch kommst hätte ich natürlich drei Flaschen mitgebracht.“ Murmelte Sirius nachdenklich.
Remus grinste. „Und weil ich wusste, dass du das nicht weißt, habe ich vorgesorgt!“ triumphierend angelte er nach seinem Rucksack und zog 4 Flaschen heraus.
„Grandios!“ Sirius klopfte seinem Freund leicht auf die Schulter. „Was würden wir nur ohne dich machen, Remus?“
„Sehr viel mehr Nachsitzen, vermute ich.“ Lachte dieser nur, öffnete drei der Flaschen und gab zwei an James und Sirius weiter.
Sirius nahm die Flasche dankend entgegen und nahm sogleich einen großen Schluck.
Ja, genau so sollten Sommerferien sein. So und nicht anders!
Bevor er jedoch auch nur anfangen konnte Trübsal zu blasen, lehnte James sich etwas vor. „Du Moony, … eins verstehe ich aber immer noch nicht. Warum hast du 4 Flaschen eingepackt?“ James runzelte verwirrt die Stirn.
„Och man, Prongs!“ Sirius verdrehte die Augen „Das ist doch klar … sag’s ihm Moony!“
Nun war es an Remus sich zurück zu lehnen. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und sah seine zwei Freunde wissend an. „Ganz einfach. Ich dachte mir, dass Pad zwei Flaschen mitbringen würde. Und zusammen mit meinen vieren sind das sechs – also für jeden zwei.“
Sirius machte eine unwirsche Handbewegung in James’ Richtung. „Siehste James, hab ich doch gesagt! Ganz einfach!“
James starrte Sirius ungläubig an. Dann wurde Sirius von einer Serviette im Gesicht getroffen. „Tu du mal ja nicht so als hättest du das vorher verstanden!“ James streckte ihn die Zunge raus.
Sirius sah ihn unschuldig an und streckte sich dann einmal ausgiebig. „Ich habe Hunger!“ verkündete er dann mit ernster Miene.
„Na das war ja auch wieder klar!“ lachte James und sah sich dann aber auch gleich nach Florean Fortescue, dem Besitzer des Eissalons um.
„Pad, wie er leibt und lebt.“
Einige Minuten später hatte jeder nicht nur ein Butterbier sondern auch einen riesen Eisbecher vor sich stehen. Genüsslich löffelten sie eine Zeit lang schweigend vor sich hin, dann warf James Sirius einen Blick über seinen Eisbecher hinweg zu.
„Sag mal Pad, ist dir nicht warm mit deiner Jacke? Ich schwitze ja ohne und trotz Eis schon fast so warm ist es hier.“
Ein dunkler Schatten huschte über Sirius’ Gesicht, er gab sich jedoch alle Mühe sich nichts weiter anmerken lassen.
„Neee, is schon okay so …“ murmelte er und richtete seinen Blick wieder auf seinen Eisbecher.
„Sirius“ Remus klang ernst und die Besorgnis in seiner Stimme war auch nicht zu überhören. „Man kann deine blauen Flecken am Handgelenk trotz Jacke sehen. Und ich denke ich habe recht in der Annahme, dass die Jacke das schlimmste verdeckt.“ Remus runzelte die Stirn. „Pad. Wir sind deine Freunde.“ James legte ihm eine Hand auf die Schulter „Und wir wissen was bei dir zu Hause abgeht. Du brauchst dich vor uns nicht zu verstellen, dass weißt du.“
Sirius schloss für einen Moment die Augen und atmete einmal tief durch. „Wisst ihr … und genau das hier ist der Grund weshalb ich meine kleinen Verletzungen nicht offen zur Schau stelle. Wenn ich etwas nicht gebrauchen kann, dann ist es Mitleid. Ändern tut das nämlich auch nichts, okay?“ entgegnete Sirius mit belegter Stimme.
„Ach verdammter Drachenmist!“ fluchte James „Ich wünschte du könntest mit zu mir kommen. Einfach raus da aus diesem Loch.“
Sirius grinste matt. Wie immer wenn es sich um ihn und seine Familie drehte versuchte er Scherze zu machen und über irgendwelche flachen Witze das Thema zu wechseln. „Yeah. Da wir hier aber nicht bei ‚Wünsch dir was’ sind, muss ich heute Abend pünktlich zum Essen zu Hause sein.“
„Sirius, im Ernst! Irgendwas muss doch mal passieren!“ James sah ihn mit einer Mischung aus Besorgnis und Verzweiflung an.
„Hör zu James. Du kannst an der Sache nichts ändern, klar? Ich werde das einfach durchstehen so wie ich es bisher immer getan habe und bei Merlin werde ich nächstes Jahr 17 und dann können die mich gern haben. In Ordnung? Und nun lasst uns von was anderem reden, ich bin nicht einen Tag vor meiner Familie geflüchtet um dann die ganze Zeit über sie zu reden.“ Sirius zwinkerte seinen Freunden zu, diese waren jedoch nur sehr geringfügig überzeugt von seinen Worten, sahen aber ein, dass es keinen Sinn machte weiter mit ihm darüber zu diskutieren.
Sirius löffelte ein wenig weiter aus seinem Eisbecher, dann richtete er sich wieder auf, nahm einen Schluck Butterbier und sah erwartungsvoll zu James und Remus hinüber. „Und, nun erzählt schon, wie waren eure Ferien bisher?“
Remus verdrehte nur gespielt genervt die Augen und widmete sich wieder seinem Eis. Das seine Ferien bisher alles andere als Gut gewesen waren, war ja mehr als eindeutig.
„Also gut,“ James legte den Löffel zur Seite „Ich habe“ fuhr er mit äußerst wichtigen Miene fort „absolut nichts gemacht als Gefaulenzt.“ James grinste breit.
Ein kurzes Lachen kam über Remus Lippen und Sirius grinste breit „War ja klar Potter! Also hattest du bisher mal wieder angenehme Ferien.“
„Kann ich nicht bestreiten. Wobei sie mit dir zusammen noch besser gewesen wären.“ James zwinkerte Sirius zu. Und da dieser keine Lust hatte wieder auf diese kleine Spitze einzugehen, verdrehte er nur kurz die Augen „Natürlich. Und deine Eltern hätten sich bedankt, dass wir ihr Haus in die Luft gesprengt hätten.“ Spöttelte Sirius.
James zuckte mit den Schultern „Warum nicht? Meine Mutter jammert schon lange, dass sie eine neue Küche will.“
„Eine neue Küche ist aber nichts im Vergleich zu einem neuen Haus, Prongs!“ gab Remus zu bedenken und fuchtelte dabei mit seinem Löffel vor James Nase herum.
„In Ordnung. Wollen wir uns noch ein bisschen umsehen?“ James schob seinen leeren Eisbecher demonstrativ von sich und streckte sich genüsslich.
„Müssen wir sogar, Prongs. Wenn ich nicht mit ein paar neuen Sachen nach Hause komme, blüht mir was.“ Sirius fuhr sich durch die Haare und winkte dann zu Florean Fortescue hinüber. Als dieser an ihren Tisch kam und James und Remus nach ihren Geld greifen wollten, machte Sirius eine abfällige Handbewegung. „Lasst mal stecken Jungs. Das geht auf mich.“
„Hey, danke, Pad!“
„Das musst du aber nicht machen, Sirius …“ murmelte Remus fast verlegen.
Sirius grinste den jungen Werwolf herausfordernd an. „Remus Lupin! Glaubst du ich würde etwas tun, wenn ich es tun müsste!?“
Remus lachte kurz auf „Wohl eher weniger. Ich danke dir.“
James und Sirius hatten irgendwann mal beschlossen sich immer damit abzuwechseln ihren Freunden Essen und Trinken zu spendieren. Im Grunde taten sie das nur jedes Mal so sorgfältig, da sie Remus jeden noch so kleinen Pence in der Tasche lassen wollten. Sie selbst hatten beide genug Geld und Peter, naja, Peter stammte nicht aus so reichen Verhältnissen wie die beiden, aber arm waren auch seine Eltern nicht. Bei Remus sah das aber wieder ganz anders aus.
„Lasst uns mal da rüber, ich brauche ein neues Besenpflegeset!“ ertönte da auch schon James’ Stimme ein paar Meter von ihnen entfernt.
Sie verbrachten den ganzen Mittag damit in den Geschäften die verrücktesten Sachen anzusehen und zu kaufen, suchten sich dann für ihr Mittagessen einen etwas ruhigeren Platz nur um sich danach wieder mitten ins Getümmel zustürzen und weiter einzukaufen.
„Prongs!“ Sirius stieß seinen Freund sachte mit dem Ellenbogen in die Rippen.
„Mh? Was ist?“
„Sieh mal wer da drüben seine Nase in ein Buch steckt. Willst du nicht hingehen und hallo sagen?“ Sirius grinste schelmisch.
James regte den Hals ein wenig und auch Remus drehte sich nun von dem Bücherregal weg und sah erwartungsvoll zwischen Sirius und James hin und her.
Letzterer drehte sich nun jedoch wieder ruckartig zu seinen Freunden um. „Sei still, Pad. Erinnerst du dich noch an den letzten Schultag? Ich glaube sie wird immer noch tierisch sauer auf mich sein deswegen und ich habe keine Lust darauf, dass sie mir hier eine Szene macht!“
„Aaah!“ Remus musste gar nicht weiter suchen um zu wissen, wer da drüben stand.
Sirius ließ James jedoch nicht so einfach davon kommen „Sei doch nicht so! Immerhin wird sie spätestens im 7ten Schuljahr sowieso mit dir ausgehen, also kannst du doch schon mal etwas Vorarbeit leisten. Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn du sie mal außerhalb der Schule triffst.“ Und noch bevor James reagieren konnte, hatte Sirius sich auf die Zehenspitzen gestellt. „Hey Evans! Hier drüben!“ Mit einem freudigen Lächeln winkte Sirius dem rothaarigen Mädchen zu, dass bei dem Klang ihres Namens das Buch in ihrer Hand zu klappte und sich umsah.
Der neugierige Ausdruck auf ihrem Gesicht wurde von einem genervten Augenrollen abgelöst. Da Sirius ihr aber nach wie vor grinsend zuwinkte, kam sie nun doch langsam zu den drei Maraudern herüber.
„Was willst du denn, Black? Ich … ooh, Potter!“ War ihre Stimme erst nur genervt gewesen, hatte sich bei ihren letzten zwei Worten eine deutliche Abneigung darin ausgebreitet.
„Evans.“ James versuchte möglichst positiv zu klingen und deutete mit einem leichten Lächeln eine Verbeugung an. „Schön dich hier zu sehen.“
Allerdings war das genau das Falsche. Die rothaarige junge Hexe blitzte ihn wütend an.
„Potter werd endlich mal erwachsen! Du bist so ein … so ein … so ein Mistkerl!“
James sah sie halb überrascht, halb eingeschüchtert an, so etwas ähnliches hatte er ja erwartet. Er hob abwehrend die Hände „Hey, hey, was habe ich denn jetzt schon wieder gemacht?“ brachte er dann, sogar ein wenig verärgert, hervor.
„Was du …!? Ich fasse es ja nicht! Erinnerst du dich noch an den letzten Schultag? Wirklich, du bist so ein arroganter, selbstverliebter, verzogener … argh!“ wütend drehte sie sich zu Sirius um. „Und du bist keinen Deut besser, Black! Ihr seid alle solche Kleinkinder!“ wetterte sie weiter, dann wirbelte sie herum und stapfte wutschnaubend davon.
„Ja klar, verteidige die Bazille ruhig! Wer hat dich denn Schlammblut genannt!?“ rief James ihr wutentbrannt hinterher.
Sirius und Remus wechselten besorgte Blicke und zerrten ihren Freund dann ohne ein weiteres Wort aus dem Laden. James hatte durch seine Worte mehr Aufmerksamkeit auf sie gezogen als gesund war.
„Oh man Prongs“ erst als sie ein paar Meter weiter waren, blieben Sirius und Remus stehen und ließen auch ihren Freund wieder los. „das war nicht ganz geschickt …“
„Ach was weißt du schon!?“ fuhr James, der eben noch den Kopf hatte hängen lassen, Sirius zornig an. „Wärst du nicht so dämlich gewesen und hättest nach ihr gerufen, wäre das doch alles nicht passiert!“ die Worte hatten kaum seinen Mund verlassen, da biss James sich auch schon auf die Zunge. Remus sah ihn mit einer seltsamen Mischung aus Unglauben und Verständnis an, Sirius jedoch starrte seinen besten Freund nur entgeistert an.
Dann wurde Sirius’ Gesicht mit einem Mal komplett blank, weder Zorn, noch Enttäuschung oder sonst irgendetwas waren darin zu sehen.
„Verdammt!“ murmelte James.
Sirius jedoch sah ihn nur ausdruckslos an „Vielleicht sollte ich besser gehen …“ brachte er nüchtern hervor und drehte sich auch schon um. Was konnte er denn schon dafür, dass Evans so schlecht auf James zu sprechen war? Aber wenn James es so wollte …
Er wandte sich zum Gehen um.
„Nein! Pad, verflucht! Warte! Das war nicht so gemeint! Ich … ich …“ James hatte Sirius an der Schulter ergriffen und dieser drehte sich nun doch unwillig noch einmal um und sah James erwartungsvoll an.
„Ich war der Idiot.“ Murmelte James nun kleinlaut. „Ich hätte nicht so überreagieren sollen. Du kannst ja im Grunde nichts dafür. Ich war nur grade so … ach man! Es tut mir leid Pad! Wirklich! Wir haben uns doch noch nie gestritten und, und …“
Sirius begann wieder zu grinsen „und ein Mädchen wird definitiv nicht für unseren ersten Streit verantwortlich sein.“
Auf dem Gesicht seines besten Freundes breitete sich unendliche Erleichterung aus. „Och man Pad, ich dachte schon …“ der Rest des Satzes blieb ungesagt, da sich die beiden Jungen im nächsten Moment in den Arm nahmen und Sirius seinem besten Freund freundschaftlich auf den Rücken klopfte.
„Vergeben und vergessen.“ Grinste Sirius und sah dann zu Remus hinüber.
Dieser hatte den ganzen Wortwechsel über nur schweigend daneben gestanden, was eigentlich nicht ganz seine Art war, wenn Sirius und James drauf und dran waren sich zu streiten. Aber Sirius war sofort klar, weshalb Remus noch schweigsamer war als sonst, er sah jetzt nach dem recht langen Tag noch blasser aus als noch am Morgen.
„Moony, vielleicht solltest du langsam dein Bett aufsuchen, der Tag war ja doch irgendwie lang und du siehst ziemlich blass aus.“ Meinte Sirius besorgt.
Remus nickte müde „Ja, ich denke ich werde mich mal hier von euch verabschieden. Bis ich dann in meinem Bett bin“ er gähnte herzhaft.
„Prongs“ Sirius zog seinen besten Freund am Ärmel „du solltest Moony nach Hause bringen. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken“ „Quatsch nicht Pad!“ unterbrach ihn Remus energisch. „Nur weil ich ein Problem habe, musst du doch nicht gleich den Rest deines so gut verplanten Nachmittages opfern!“
Sirius winkte ab „Ist schon okay, ich werde noch ein, zwei Teile kaufen, damit ich einen Grund habe, so lange weg gewesen zu sein und dann muss ich auch schon nach Hause … Abendessen ruft.“ Die letzten Worte klangen etwas mürrisch, denn freuen tat sich Sirius bestimmt nicht auf das gemeinsame Essen mit seiner Familie.
James nickte. „In Ordnung. Wir bleiben wie gewohnt in Kontakt, mal sehen wann wir uns wieder treffen können.“ Er zwinkerte Sirius aufmunternd zu.
„Und wie gesagt, lass dich nicht kleinkriegen, Pad!“
„Niemals! Marauderehrenwort!“ Sirius hob ehrvoll die Hand.
„Dann machs mal gut!“ „Wir sehen uns, Pad.“
„Macht’s besser! Bis die Tage, Jungs.“ Sirius winkte seinen Freunden noch kurz nach bis diese in der Menschenmasse verschwanden.
Dann drehte er sich um und machte sich auf den Weg zu Flourish & Blotts.
Er betrat den Laden und blieb wie angewurzelt stehen. Eine Regalreihe weiter links war schon wieder der rote Pferdeschwanz von Lily Evans zu sehen.
„Muss die denn überall sein.“ murrte Sirius und ging dann in die andere Ecke des Ladens. Allerdings würde er sich gleich noch wünschen, lieber zu Lily Evans hinüber gegangen zu sein.
„Ach sieh an! Wen haben wir denn hier! Ganz alleine, Cousinchen?“ Sirius schloss kurz die Augen und verdammte sich selbst dafür, dass er ausgerechnet hier her hatte kommen müssen. Ohne sich umzudrehen wusste Sirius sofort wem die höhnende Stimme gehörte.
„Ach Bellatrix! Wie gut dich nicht zu sehen!“ warf er ihr dann entgegen ohne sich zu ihr umzudrehen.
„Suchst du etwa Ärger, Spinner?“ die tiefe Stimme von Rodolphus Lestrange drang an sein Ohr.
„Pff, wolltest du mir grade drohen, Lestrange?“ Sirius drehte sich nun doch um und sah Rodolphus Lestrange entschlossen an.
„Vielleicht.“ Entgegnete dieser mit einem verärgerten Unterton in der Stimme. „Darfst du denn überhaupt hier alleine rumrennen? Nicht dass du wieder deine sogenannten Freunde getroffen hast!?“
„Zufälligerweise, darf ich und zufälligerweise geht es dich einen feuchten Dreck an was ich mache und was nicht!“ erwiderte Sirius herausfordernd.
„Aber, aber Cousinchen“ mischte sich Bellatrix nun mit einer zuckersüßen Stimme ein. „Sei doch nicht so unfreundlich. Und nebenbei bemerkt, ich glaube meinen Onkel würde es brennend interessieren mit wem du dich hier getroffen hast!“ sie lächelte ein gefährliches Lächeln.
Sirius’ Herz setzte für einen Moment aus und kurz verschlug es ihm die Sprache. Wussten sie etwa davon? Hatten sie ihn zusammen mit James und Remus gesehen?
„Ich weiß, dass du dich mit deinen drei Idiotenfreunden nicht treffen darfst und ich wette Orion wäre mir sehr dankbar, wenn ich ihm erzähle, dass du die drei doch getroffen hast.“
Sirius fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatten ihn nicht gesehen. Bellatrix sprach von drein, aber Peter war ja gar nicht dabei gewesen … sie bluffte also nur.
Neuen Mut gefasst sah Sirius seine Cousine abfällig an „Ich bitte dich, wie willst du das denn beweisen? Ist doch lächerlich.“
Bellatrix sah ihn kurz irritiert an, denn mit diesem Widerstand hatte sie nicht gerechnet. Dann fasste sie sich jedoch wieder und entgegnete hämisch „Nun, wem wird er wohl mehr glauben? Dir oder mir?“
Sirius hielt den Atem an. Sie hatte Recht. Es war egal, ob er gesehen worden war oder nicht, wenn Bellatrix zu Orion ging, würde dieser ihr jedes Wort glauben – und das sogar dankbar. Sirius hatte nämlich das Gefühl, dass es Orion deutlich Spaß machte ihn zu bestrafen, ihn leiden zu sehen und so nach jedem Grashalm griff, der sich ihm bot.
Bellatrix entging Sirius’ Unbehagen selbstverständlich nicht und ein gehässiges Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. „Siehst du, Cousinchen?“
Sirius biss sich auf die Lippe, starrte kurz auf den Boden und sah dann wieder Bellatrix an.
„In Ordnung … was willst du?“ murmelte er mit unterdrückter Wut.
Bellatrix hob scheinbar überrascht eine Augenbraue. „Was ich will? Sirius, wie kommst du denn auf die Idee, dass ich etwas von dir will?“ fragte sie mit zuckersüßer Stimme.
Sirius verdrehte nur genervt die Augen, erwiderte jedoch nichts weiter.
„Aber wenn du schon so fragst … Was meinst du Rodolphus?“ Sie drehte sich zu ihrem Freund, der nun ein fieses Grinsen aufgelegt hatte, um.
„Nun, mir würde da schon so einiges einfallen …“ antwortete der Gefragte händereibend.
Bellatrix lachte kurz auf, dann drehte sie sich wieder zu Sirius um.
„Ach weißt du, Cousinchen, ich habe gerade gute Laune“ ihre eine Hand griff nach der von Rodolphus, was Sirius innerlich aufstöhnen ließ â€“ es war ja klar gewesen, dass die beiden früher oder später zusammen gehören würden – „für heute soll es genügen, wenn du mir in Zukunft nicht mehr in die Quere kommst. Benimm dich und ich schweige. Ansonsten …“ ich Lächeln war noch immer zuckersüß, doch Sirius empfand gerade das bei seiner Cousine gefährlich.
Sirius fuhr sich durch die schwarzen Haare und nickte dann einmal kurz. „Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich muss pünktlich zum Abendessen zu Hause sein und muss noch etwas erledigen.“
Bellatrix trat einen Schritt zur Seite und ließ Sirius an sich vorbei gehen. Er war schon fast hinter dem nächsten Regal verschwunden, da hielt ihn die Stimme seiner Cousine noch einmal auf. „Ach und Sirius! Könntest du meinem Onkel und meiner Tante ausrichten, dass wir alle die Einladung dankend annehmen!?“
Sirius hob nur kurz eine Hand und verschwand dann so schnell es ging zwischen den Bücherregalen.
Einladung? Was war denn nun schon wieder los? Etwa wieder ein ‚Familientreffen’ von den wieder alle wussten nur Sirius mal wieder nicht?
Er seufzte. Sollte tatsächlich wieder die ganze Verwandtschaft kommen, war er geliefert … das würde der reinste Spießrutenlauf werden. Aber darüber konnte er sich noch Gedanken machen, wenn es soweit war.
Etwas später verließ Sirius mit ein paar Büchern den Laden und machte sich auf den Weg zurück zum tropfenden Kessel um von dort über das Flohnetzwerk nach Hause zu kommen.
Als er den Schankraum betrat war Tom der Wirt gerade dabei ein paar Tische abzuwischen. Der Raum war nun von den üblichen Stammgästen gefüllt, die abends hier etwas tranken.
„Na Jungchen, einen schönen Tag gehabt?“ fragte er Sirius gut gelaunt.
Dieser lächelte so gut er konnte. „Im Grunde sehr schön ja. Bis die Tage, Tom!“
So ganz gelogen hatte Sirius ja nicht, bis Bellatrix und Rodolphus aufgetaucht waren, war der Tag sehr gut gewesen – na gut der kleine Zwischenfall mit Evans, aber das zählte nicht.
Sirius klopfte sich die Asche von der Hose bevor er aus dem Kamin ins Wohnzimmer der Familie Black trat.
Sein Blick fiel sofort auf die große Standuhr. Viertel vor sechs. Er war also gerade rechtzeitig zurück gekommen.
Erleichtert machte sich Sirius auf den Weg zur Tür, um seine Sachen nach oben zu bringen.
„Faszinierend“ hielt ihn die kalte Stimme seines Erzeugers an der Tür auf. Sirius fuhr erschrocken herum, hatte er sich hier doch alleine gewähnt.
Orion erhob sich aus dem Sessel der in der hintersten Ecke des Raumes stand und kam auf Sirius zu. „Ich muss zugeben, ich bin überrascht, dass du tatsächlich pünktlich gekommen bist.“ Gab er zu als er direkt vor seinem Sohn stehen blieb. „Solltest du etwa langsam doch mal zur Vernunft kommen?“
Sirius starrte ihn entgeistert an und noch bevor er drüber nachdenken konnte öffnete er den Mund „Ich bin nicht der unvernünftige in diesem Haus!“ warf er Orion an den Kopf und griff im gleichen Moment nach der Türklinke.
Es krachte und Sirius fand sich mit schmerzendem Kopf auf dem Boden wieder. Die dicke Holztür hatte Sirius’ gewicht mehr entgegen zusetzen gehabt als der Schreibtisch in Orions Zimmer, so dass Sirius sich die Lippen am Türgriff aufgeschlagen hatte und sich mächtig den Kopf gestoßen hatte als ihn Orions Schlag traf.
„Verscherz es dir nicht gleich wieder Bürschchen!“ drohte Orion kalt „Verschwinde auf dein Zimmer und sei pünktlich wieder unten.“ Einen prüfenden Blick später fügte er noch hinzu „und es könnte auch nicht schaden, wenn du dich umziehst. Deine Mutter würde sich freuen.“
Sirius setzte schon zu einer bissigen Antwort an als er Orions Blick auffing.
Es war heute Abend besser, er würde einfach nach oben verschwinden und nichts weiter sagen.
So schnell es ging, ohne das es nach direkter Flucht aussah, rappelte er sich auf und verließ das Zimmer. Er eilte die Treppe hinauf in sein Zimmer, schloss die Tür und lehnte sich erst einmal dagegen.
Ein paar tiefe Atemzüge später drückte Sirius sich von der Tür weg. Seine Einkäufe wurden nur achtlos auf das Bett geworfen, wegräumen könnte er sie später immer noch, dann verließ er sein Zimmer auch schon wieder und suchte das Bad auf.
Seine Lippe hatte einen recht beachtlichen Riss von der Begegnung mit der Türklinke davon getragen und die Blutung begann jetzt erst wirklich zu stoppen.
Sirius drehte den Wasserhahn auf, fing mit den Händen etwas Wasser auf und wusch sich dann vorsichtig das Gesicht.
Einen Augenblick lang stand Sirius noch vor dem Waschbecken. Seine Hände hatten den Rand des Beckens umklammert, er zitterte.
Nur mit Mühe konnte er sich daran hindern etwas Dummes zu machen wie zum Beispiel den Spiegel zu zerschlagen. Er war stocksauer und machte daraus gerade auch keinen Hehl. Allerdings würde er sich wieder beruhigen müssen, denn in wenigen Minuten war das Abendessen angerichtet und da er noch in dem Moment als Orion den Vorschlag machte sich entschlossen hatte sich nicht umzuziehen, würde er gleich noch einiges über sich ergehen lassen müssen.
Sirius holte einmal tief Luft und begab sich dann nach unten.
Zu seiner Überraschung war Orion der einzige der seinen Platz schon eingenommen hatte. Walburga stand noch mitten im Raum und dirigierte Kreacher durch die Gegend und von Regulus war weit und breit noch nichts zu sehen.
Da ihn das aber nicht weiter interessieren sollte, setzte er sich einfach und wartete schweigend bis Walburga sich auch setzte und fünf Minuten später auch Regulus die Küche betrat.
„Ah Regulus Schätzchen, da bist du ja. Dann können wir ja anfangen.“
Sirius verdrehte bei Walburgas Worten die Augen. War ja zu erwarten, dass man auf Regulus wartete und nicht ein Wort über sein Zuspätkommen verlieren würde.
Orion schien Sirius’ Reaktion nicht entgangen zu sein, denn er lehnte sich ein Stück nach vorne, fixierte seinen erstgeborenen und sagte „Wolltest du gerade etwas sagen, Sirius?“
Der angesprochene hob kurz die Augenbrauen und wurde dann wieder ernst.
„In der Tat, das wollte ich.“ Begann Sirius und fing sich gleich einen überraschten Blick seines Erzeugers ein. „Ich soll von Bellatrix ausrichten, dass alle eure Einladung annehmen und kommen werden.“ Orions Blick wurde ungläubig. „Woher ..?“ begann er, wurde jedoch sofort von Sirius unterbrochen. „Ich habe sie und Rodolphus – wundervolles Pärchen übrigens – heute in der Winkelgasse getroffen.“ Den Spott in seiner Stimme konnte Sirius letztlich doch nicht ganz unterdrücken, allerdings brauchte er sich keine weiteren Sorgen machen, denn kaum hatte er das letzte Wort gesagt, schlug Walburga auch schon erfreut die Hände zusammen.
„Wundervoll! Ich wusste doch, dass die beiden perfekt zusammen passen!“ Ja, beides widerliche Schlangen fügte Sirius in Gedanken hinzu.
„Dann werden ja tatsächlich alle kommen die eingeladen sind, Orion! Ich werde Kreacher dann gleich morgen erste Anweisungen für die Vorbereitungen geben.“
"Es sind noch drei Wochen bis dahin." warf Orion gelangweilt ein. Walburga jedoch war Feuer und Flamme und das ganze Essen über wurde über nichts weiteres als die anstehende Familienfeier gesprochen. Regulus beteiligte sich wie immer eifrig, Orion, dem die Euphorie seiner Frau wohl etwas zu übertrieben erschien, warf nur hin und wieder etwas ein und Sirius aß schweigend sein Abendessen, hoffend, dass er so schnell wie möglich unbehelligt vom Tisch verschwinden konnte.
Wenig später bot sich dann tatsächlich für Sirius die Gelegenheit auf sein Zimmer zu verschwinden. Dort angekommen eilte er auch sofort zum Fenster, denn zu seinem Erstaunen sah dort draußen eine Eule und wartete scheinbar schon ungeduldig auf ihn.
Er nahm ihr den Brief ab und öffnete ihn irritiert.
Der Brief kam von James so viel war klar, denn es war seine Eule Attila, doch warum hatte James ihm jetzt schon geschrieben? Er hatte eigentlich erwartet frühestens morgen was von ihm zu hören.
Hey Pad!
Hoffe du bist gut zu Hause angekommen?
Biste überrascht schon einen Brief von mir in den Händen zu halten? ;-)
Wollte dir auch nur kurz was mitteilen. Haben nämlich auf unserem Rückweg so ein Plakat von den Weird Sisters dieser ganz neuen Rockband gesehen.
Die geben in 2 Wochen ein Konzert in der Winkelgasse und es gibt noch Karten. Ich weiß, dass wird wohl nicht einfach, aber was denkst du, könntest du einen Abend frei kriegen?
Remus war nicht sehr begeistert von der Idee, da er meint, dass du dir damit wohl mehr Böses als Gutes einhandelst, aber ich bin ja zuversichtlich.
Machs gut Alter!
Prongs
Sirius starrte eine Zeit lang schweigend auf den Brief. Dann kritzelte er eine kurze Antwort auf die Rückseite und schickte Attila wieder auf den Rückweg.
Das wäre schon eine tolle Sache … aber ob er Orion darum überhaupt bitten konnte? Und wenn er sich einfach aus dem Haus schlich?
Dann wäre er in sehr ernsthaften Schwierigkeiten, sobald sein Erzeuger das herausfand.
Sirius ließ sich auf sein Bett sinken und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Erst einmal würde er den nächsten Tag ins Land ziehen lassen müssen, dann konnte er sich Gedanken darüber machen, ob es sinnvoll – und vor allem gesund – war Orion zu fragen.
Seine Gedanken kreisten noch eine ganze Weile um den heutigen Tag, seine Freunde und Bellatrix’ Drohung. Schließlich war er jedoch so müde, dass er einschlief ohne sich vorher noch umzuziehen.
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