
von Peeves
Lily hastete mit ihrer Freundin Mary durch den Korridor. Ihre erste Stunde in diesem Schuljahr begann gleich und sie waren viel zu spät dran.
Schnell sprangen sie die Stufen der Kerkertreppe hinunter und kamen schließlich schlitternd vor der schweren Holztür zum stehen.
„Los, geh du voran. Dir zieht Slughorn doch eh keine Punkte ab“, sagte Mary ungeduldig und schob Lily zur Tür.
Als die beiden Gryffindors in den Kerker kamen, sah Professor Slughorn überrascht von seinem Kessel auf. Einen Moment lang sah er sehr ärgerlich aus, aber dann erkannte er Lily.
„Ah Lily. Ich hatte schon befürchtet sie würden heute gar nicht mehr auftauchen.“
Er lachte laut.
Lily lächelte und wollte Mary hinterhergehen, die möglichst unauffällig in die vorletzte Reihe gehuscht war, aber Slughorn hielt sie zurück, „Lily, warten sie. Was wollen sie denn da hinten in der dunklen Ecke? Kommen sie lieber hierher, nach vorn.“ Er wies auf den Tisch direkt vor dem Lehrerpult, an dem bisher nur ein Junge saß. Slughorn zwinkerte.
Lily ging nach vorn und stellte ihre Tasche neben den Tisch.
Von den Slytherins auf der anderen Seite des Raumes, kam ein lautes „Uäärh, der Arme.“
Und Mary warf Lily einen mitleidvollen Blick zu. Doch die, drehte Mary und den Slytherins unbeeindruckt den Rücken zu.
„Hi, Sev. Du sitzt dank Slughorn dieses Jahr also auch wieder in der ersten Reihe?“ fragte Lily gedämpft.
Severus lachte leise, „Sieht ganz so aus.“
Da räusperte sich Slughorn laut hinter ihnen und sagte, „Nun, dann wollen wir mal mit dem Unterricht beginnen. Zu Beginn habe ich ihnen diesen kleinen Trank vorbereitet. Seine Herstellung dürfte ihnen nach der langen Sommerpause nicht all so schwer fallen…“
Die Schüler holten rasch ihre Bücher und Zutaten aus den Taschen.
Nur James Potter saß reglos vor seinem Kessel und starrte hasserfüllt in die erste Reihe, wo Severus gerade Lily dabei half eine heruntergefallene Schachtel mit Affodilwurzeln aufzuheben.
„Hey“, James bester Kumpel Sirius, schippte ihm vor dem Gesicht herum, „Willst du auch irgendwann anfangen?“
James erschrak und sah verwirrt auf, „Was? Ach ja, natürlich.“ Zerstreut stellte er seinen Kessel auf und blätterte durch sein Buch, ohne zu wissen, welche Seite er überhaupt suchte. Hin und wieder sah er finster nach vorn.
Währenddessen beobachtete Lily gedankenverloren Severus dabei, wie er die ersten Zutaten zurechtlegte.
Sorgfältig schnitt er das Einhornhaar klein und holte dann sanft die Fläschchen mit Nieswurzsirup und Belladonnaessenz aus ihren Schachteln. Fast zärtlich träufelte er ein paar Tropfen von beidem in den Trank, die Stirn vor Konzentration gerunzelt.
„Dein Trunk des Friedens kocht über“ sagte er plötzlich ohne aufzusehen.
„Oh, danke“, sagte Lily etwas durcheinander und nahm hastig die Schöpfkelle um den leuchtend blauen Trank umzurühren.
Da trat Professor Slughorn von hinten an die Beiden heran.
„Das ist ja wunderbar“, sagte er laut und schnupperte erst an Severus‘ und dann an Lilys Gemisch, „Sehr, sehr schön. Diese beiden Tränke sind bis jetzt perfekt gebraut, aber ich hatte natürlich auch nichts anderes erwartet.“ Er lachte überschwänglich.
In der letzten Reihe rollte James genervt mit den Augen, bis ihn Sirius mit leuchtenden Augen in die Seite stieß. Er flüsterte etwas in James‘ Ohr, der nun auch anfing zu grinsen.
Schnell durchsuchten sie ihre Zutaten, bis James ein seltsames leuchtend grünes Kraut mit großen giftig aussehenden Beeren aus einer Schachtel zog.
„Na mal sehen, wie das unserem Zaubertrankmeister schmeckt“, sagte er gedämpft.
James sammelte ein paar Abfälle vom Tisch auf und Remus, der dem neuen Vertrauensschülerabzeichen auf seiner Brust gerecht werden wollte, sah misstrauisch herüber.
James versuchte möglichst unschuldig zuschauen, doch als Sirius leise, „Jetzt“, flüsterte, huschte er nach vorn.
Mit betont langsamen Schritten ging er auf den Mülleimer zu, die Abfälle und die Kraut fest in der Hand.
Am ersten Tisch, beugte sich in diesem Moment Severus zu seiner Tasche am Boden um etwas zu suchen.
James witterte seine Chance und schnippte im vorbeigehen, die Beeren in den unbeaufsichtigten Kessel. Schnell sprang er ein paar Meter weg, denn der Trank begann gefährlich zu blubbern und zu kochen.
Severus fuhr hoch. Entsetzt starrte er auf seinen bisher tadellosen Trunk des Friedens.
Verwirrt huschten seine Augen erst über die Arbeitsfläche, als liege da der Fehler, bis sein Blick an James hängen blieb, der ihn aus sicherer Entfernung beobachtete.
Severus‘ Augen blitzen gefährlich und seine rechte Hand zuckte schon zum Zauberstab, aber da kam Slughorn erstaunt angewatschelt.
„Was ist denn das, Severus?“ fragte er und blieb vor dem Funken sprühenden Kessel stehen.
„Nur ein kleines Experiment, Professor“, sagte Severus mit einem gezwungenen Lächeln.
Slughorn sah nicht wirklich überzeugt aus und James musste sich das Lachen verbeißen, als er den restlichen Abfall in den Mülleimer warf.
Schnell ging er zu seinem Platz zurück, an dem sich Sirius vor unterdrückten Lachen schüttelte.
Auch Peter kicherte vorsichtig. Nur Remus sah nicht sehr glücklich aus.
„James, das war nicht in Ordnung“, begann er ernst, doch Sirius unterbrach in sofort, „Ach was, James hat doch nur den Müll weggeschafft, Moony.“
Remus wollte etwas entgegnen überlegte es sich dann aber doch anders und wandte sich mit einem leichten Kopfschütteln wieder seinem Trank zu.
Severus rührte währenddessen hastig in seinem Kessel und versuchte das zu retten, was noch zu retten war. Das war nicht leicht, einerseits weil er nicht genau wusste, was genau schief gelaufen war und andererseits weil ihm vor Wut die Finger zitterten.
Denn Schuld an diesem lilafarbigen Gemisch in seinem Kessel, das eigentlich sonnengelb sein sollte, war eindeutig James Potter, da gab es für Severus gar keinen Zweifel.
Bis zum Ende der Stunde schaffte er es, noch einen halbwegs ansehlichen Trunk des Friedens zumischen. Er war zwar nicht ganz so blütenweiß wie Lilys Trank, aber trotzdem noch einen Fünfpunktebonus für Slytherin wert.
Das wischte wenigstens das spöttische Grinsen von den Gesichtern von James und Sirius, die beide nun ziemlich enttäuscht aussahen.
Besonders James Lächeln gefror schlagartig, als Lily Severus ein fröhliches, „Bis später“ nach rief.
~~
~~Slytherin Gemeinschaftsraum~~
Am Abend schmiss Severus seine Tasche in die Ecke des Gemeinschaftsraums und ließ sich in einen Sessel fallen.
In seinem Kopf tobte ein alt bekannter Kampf.
Sie ist ein Schlammblut…aber sie ist meine beste Freundin. Und ihre Eltern sind Muggel, genau wie ihre bekloppte Schwester. Trotzdem mag ich sie…aber mag sie mich auch? Vielleicht…zumindest sah sie nicht unbedingt unglücklich aus, als sie sich neben mich gesetzt hat, oder bilde ich mir das nur ein?
Ihr Blut wird dadurch, aber auch nicht reiner….
„Hallo, Sev. Was starrst du schon wieder so trübsinnig ins Feuer?“ Avery war aufgetaucht und setzte sich in den Sessel gegenüber.
„Wie? Ach, ich habe nur über Zaubertränke…….Hausaufgaben nachgedacht“, antwortete Severus schnell.
Avery sah verwirrt aus, „Und da hilft es, wenn man ins Feuer guckt?“
„Nein, natürlich nicht“, wollte Severus sagen, aber Avery hörte überhaupt nicht mehr zu. Er schnaubte laut und sagte dann, „Hausaufgaben, ich weiß nicht warum du die überhaupt machst. Slughorn hat doch eh nur Augen für das Schlammblut.“
Severus zuckte leicht zusammen als sich das Gespräch so plötzlich auf Lily lenkte. Avery war aber zum Glück nicht ganz so aufmerksam und er fuhr spöttisch fort, „Aber wahrscheinlich hat der Zaubertrankstreber einen Ruf zu verlieren, wenn er die Hausaufgaben nicht macht.“ Er kicherte.
„Haha…“, antwortete Severus trocken, „Sehr lustig.“
Avery legte die Beine auf den Tisch, „Im Ernst, Slughorn würde seinen zwei Lieblingen doch niemals Punkte abziehen.“
Severus zuckte mit den Schultern. Einen Moment schwiegen beide, dann sagte Avery nachdenklich, „Was Slughorn bloß an der findet?“ Er schaute gedankenverloren an die Decke.
„Ich meine sie ist ein Schlammblut“, sagte er, als Severus nicht antwortete, „...und das als Hauslehrer von Slytherin.“ Missbilligend schüttelte Avery den Kopf.
„Keine Ahnung“, sagte Severus leise und fragte sich selbst das Gleiche, „Naja, sie ist gut in Zaubertränke. Sie ist witzig, klug und….“
„Was?!“, Avery setzte sich kerzengerade auf, „Hast du gerade von.....von Evans gesprochen, Sev? Sie ist eine Schlammblüterin, schon vergessen?“
Severus wurde rot, „Ich.....ja......nein......Slughorn denkt das.“
Immer noch argwöhnisch sackte Avery zurück in seinen Sessel.
Nachdenklich starrte er sein Gegenüber an, das jetzt plötzlich mit großem Interesse eine Schar Erstklässler beobachtete.
Nach ein paar Minuten Schweigen sagte Avery schließlich, „Du sitzt in Zaubertränke doch nicht etwa freiwillig mit der da vorn, oder?“ Severus fuhr herum, seine Augen wurden schmal.
„Ich meine, du hast doch gesagt, ihr macht das nur weil Slughorn erwartet, dass seine zwei Zaubertrankstreber vor dem Lehrerpult sitzen. Deswegen redet ihr doch überhaupt miteinander, oder?“, fragte Avery mit hochgezogenen Augenbrauen, „Oder magst du sie, magst du das Schlammblut?“
„Nein! Was glaubst du denn? Ich mag doch kein Mädchen, dessen Eltern Muggel sind!“ sagte Severus scharf.
Avery grinste überlegen, „Ach so? Na dann, habe ich mir heute bestimmt nur eingebildet, dass du ihr manchmal ein kleines bisschen geholfen hast. Beim Aufsammeln von Pflanzenzeug, zum Beispiel und beim Saubermachen, nach der Stunde. Hast du ihr vielleicht auch ein paar Tipps für den Trank ins Ohr geflüstert?“ Avery lachte höhnisch auf, begeistert von seiner Theorie.
„Lily bekommt das auch allein hin“, sagte Severus, in dem verzweifelten Versuch das Gespräch zu beenden.
Überrascht platzte Avery heraus, „Lily?! Warum zum Teufel nennst du sie beim Vornamen?“ Stirnrunzelnd sah er seinen besten Freund an, als wüsste er nicht was er glauben sollte.
Severus wurde rot.
„Du glaubst doch nicht etwa, dass ich mich mit der abgeben würde?“ fuhr er Avery zornig an.
Aber Avery lachte nur, „Ich würde mir zumindest ernsthafte Sorgen um deinen Geisteszustand machen, wenn du das tun würdest.“
Severus schwieg missmutig und drehte sich wieder dem Feuer zu.
Avery seufzte, „Das du das immer alles so ernst nehmen musst.“ Dann schloss er entspannt die Augen.
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