
von Peeves
Merry Christmas
Grünliches Licht fiel durch die hohen Fenster im Gemeinschaftsraum der Slytherins.
An das magisch verstärkte Glas, drückten die trüben Wassermassen des schwarzen Sees.
Hin und wieder schwamm ein schuppiges Wesen vorbei.
An den äußeren Mauern wuchsen Algen und andere Seepflanzen hinauf.
Es war dunkel im Raum. Nur die ebenfalls grünlichen Lampen erhellten den Raum.
Am gemütlichsten war es daher, bei der Sitzgruppe direkt am Kamin.
Dort saß gerade eine Gruppe von Jungen.
Der kleinste von ihnen war der strohblonde Barty Crouch. Er ging fast unter, in dem Schatten des hünenhaften Mulciber, der neben ihm saß.
Dem Feuer am nächsten saß mit unbewegtem Gesicht, Regulus Black. Seine dunklen grauen Augen blickten herrisch von einem zum anderen. Sein Blick blieb kurz an Severus hängen, der abwesend auf den Tisch starrte.
Die anderen schauten gerade gespannt zu dem letzten im Bunde, Avery.
Aufgeregt flüsterte er, „Es wird nicht mehr lange dauern, bis der Dunkle Lord die Macht übernimmt.“
Mulciber nickte, „Es wird eine große Ehre sein, ihm als Todesser zu dienen.“
Regulus lachte spöttisch auf und auch Severus sah ungläubig auf.
„Und du glaubst wirklich, der Dunkle Lord würde dich nehmen? Bist du nicht letztes Jahr fast durch die Zauberkunst und die Verwandlungsprüfung gefallen?“
Barty kicherte und Mulciber lief vor Zorn rot an.
„Dem Dunklen Lord sind Zensuren egal, für ihn zählt nur die Treue, mit der man ihm dient“, stieß er hervor.
„Und wie willst sie ihm beweisen? Indem Schlammblüter mit bunten Funken erschreckst?“, stichelte Regulus weiter.
Mulciber griff wütend nach seinem Zauberstab, aber Regulus hatte seinen schon in der Hand und ließ ihn lässig in der Hand kreisen. Mulciber zögerte angesichts dieser Unerschrockenheit.
Andere Schüler ließen sich von ihm meist leicht einschüchtern, aber nicht so, der schmächtige, ein Jahr jüngere, Regulus.
Schnaubend steckte Mulciber seinen Zauberstab wieder weg.
„Ach, hört doch auf ihr beiden“, fuhr Avery dazwischen, „Stellt euch lieber mal vor, wie es sein würde, wenn wir ihm, als seine treuesten und angesehensten Anhängern, dienen würden.“
Seine Augen glänzten vor Begeisterung.
Bartys Augen wurden rund wie Galleonen.
Verschwörerisch senkte Avery die Stimme, „Er würde uns an seinen größten Geheimnissen teilhaben lassen.“
„Und er würde uns mächtige schwarze Magie lehren“, fügte Muciber, mit einem trotzigen Seitenblick auf Regulus, hinzu. Der bei diesem Worten inne hielt.
Auch Severus sah ihn interessiert an.
„Wir werden die sein, denen es gut geht. Während die Schlammblüter und Blutsverräter um ihr Leben fürchten müssen. Wir sollten ihn unterstützen, möglichst sofort“, fuhr er fort.
Die anderen Jungen schwiegen. Barty starrte Mulciber mit leicht geöffnetem Mund an.
„Die Frage ist nur…wie wir mit den Anhängern des Dunklen Lords Kontakt aufnehmen können. Damit wir ihm beweisen können, was in uns steckt. Wir müssen nur aufpassen, dass niemand etwas mitbekommt“, flüsterte Mulciber entschlossen.
Avery löste sich aus seiner Starre und fragte ungläubig, „Du willst…du willst dich den Todessern anschließen…jetzt schon? Wenn du noch in der Schule bist?“
Mulciber zuckte geringschätzig mit den Schultern, „Je früher, desto besser. Dann können wir nach der siebten Klasse, richtig durchstarten.“
Erwartungsvoll schaute er in die Runde. Doch nur Avery sah annähernd begeistert aus.
„Also, wer ist dabei?“ fragte Mulciber fordernd. „Avery?“
„Naja…“, antwortete er zögernd, „Das klingt nicht schlecht. Wir könnten es probieren.“
Ermutigt stimmte Mulciber zu, „Und du, Regulus?“
„Ähm…“, Regulus sah sich hilfesuchend zu Severus um. Sie wechselten einen Blick voller Zweifel.
Es war eine Sache, den dunklen Lord hier im Freundeskreis zu bewundern und ihn insgeheim vielleicht auch zu unterstützen, aber den Todessern beitreten, im Alter von vierzehn und fünfzehn Jahren. Das war etwas ganz anderes.
„Kommt schon“, sagte Avery drängend, „Wir könnten den Gryffindors mit ein paar neuen schwarzen Flüchen richtig einheizen.“
„Richtig“, entgegnete Mulciber, „Und an wem glaubt ihr, wird der Dunkle Lord die hochrangigen Positionen in der Zauberwelt vergeben, wenn er erst einmal an der Macht ist? Natürlich an seine treuen Anhänger. Wir würden alle, angesehene Männer werden, der Stolz unserer Familien.“
Regulus Augen weiteten sich. Für einen kurzen Moment stand ihm die Gier auf das blasse Gesicht geschrieben.
„Also, wer macht mit?“ fragte Mulciber erneut und streckte seine Hand vor.
Avery schlug sofort ein und auch Regulus hob den Arm, doch er zögerte kurz.
„Denk an die Ehre, Regulus. Reines Blut wäre endlich wieder etwas wert.“ Averys Stimme klang zuversichtlich und fest.
Kurz entschlossen legte Regulus die Hand, auf die der anderen.
Der nächste war Barty, er schrumpfte zusammen unter den Blicken der Älteren. Hastig drückte er die zitternden Finger auf Regulus‘.
Er sah furchtbar verängstigt aus.
Trotzdem war jetzt nur noch einer übrig. Alle Blicke ruhten auf Severus.
Sein Arm war halb ausgestreckt. Er wollte direkt nach Regulus einschlagen. Aber dann war ein rothaariges Mädchen in seinem Geist erschienen und die Frage, was es wohl von dieser Entscheidung denken würde.
„Unsere Familien werden ein angenehmes und ruhiges Leben führen“ sagte Avery, „Die, die wir lieben wären für immer in Sicherheit.“
„Was man von den Schlammblütern nicht behaupten kann“, lachte Mulciber höhnisch und die anderen Jungen stimmten ein.
„Von mir aus“, antwortete Severus mit zusammen gebissenen Zähnen, „Ich bin dabei.“ Mit einer schwungvollen Geste, schlug schließlich auch er ein.
~~
Am Abend nach dem Gespräch mit seinen Freunden, stieg Severus allein die Treppe zu Slughorns Büro hinauf.
Seine Gedanken drehten sich immer noch um die Abmachung, der er im Gemeinschaftsraum zugestimmt hatte.
Aber mit jedem weiteren Schritt, machte die finstere Grübelei Platz für Aufregung.
Der heutige Abend, sollte ein ganz besonderer werden.
Severus hatte eine Idee, wie er Lily überraschen wollte. Eine Art vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Er musste nur den nötigen Mut dafür aufbringen.
Sein Herz schlug, vor Anspannung, gefühlte zehn Mal schneller als sonst.
Er wollte sich mit Lily vor dem Portrait der Fetten Dame treffen, damit sie dann gemeinsam zur Party gehen konnten.
Als Severus dann in den Korridor einbog, in dem die Gryffindors ihre Schlafsäle hatten, sah er sie schon von weitem.
Sie trug ein dunkelgrünes knielanges Kleid.
Das lange rote Haar fiel ihr offen auf die Schultern.
Lily sah fantastisch aus. Die anderen Mädchen neben ihr, waren in Severus Augen nur blasse Schatten.
„Hallo, Lily“, sagte er schließlich mit trockenem Mund.
„Hallo“, antwortete sie lächelnd und Severus bekam den Eindruck, dass auch sie ziemlich nervös war.
„Du siehst toll aus“, sagte er und konnte nicht verhindern, dass er rot wird.
Lily sah ehrlich erfreut aus und nahm ihn bei der Hand, „Danke.“
Und gemeinsam gingen sie zu Slughorns Büro.
Auf dem Weg begegneten sie noch weiteren Gästen. Viele von ihnen drehten sich misstrauisch um, als trauten sie ihren Augen nicht.
„Sie werden wieder reden, nach diesem Abend“, flüsterte Severus.
Doch Lily zuckte gleichgültig mit den Schultern, „Das machen sie auch so schon.“
Als sie die Tür zu Slughorns Räumlichkeiten erreicht hatten, begrüßte sie der Gastgeber höchstpersönlich.
„Ah, Lily und Severus. Schön, dass sie hier sind“ rief er laut und fröhlich.
Sie grüßten Slughorn höflich zurück und er sagte augenzwinkernd, „Es sind wieder ein paar sehr interessante Leute hier, die ich ihnen unbedingt vorstellen muss.“
Lily und Severus lächelten gekünstelt und liefen dann hastig hinein in die Menge, als er von neuen Gästen abgelenkt wurde.
„Na das kann ja heiter werden“, murmelte Severus. Doch Lily lachte, „Ach was, das wird schon.“
Es waren schon sehr viele Schüler hier. Wie schon auf dem Korridor, tuschelten einige hinter vorgehaltenen Händen, als Lily und Severus vorbeiliefen.
Unter den Slug-Club Mitgliedern, waren aber auch einige Erwachsene.
Die meisten von ihnen, hatte man schon einmal in der Zeitung gesehen. Sie liefen mit gewichtiger Miene durch die Schülerschar und bedachten alle mit einem hochmütigen Blick, die es wagten, sie anzusehen.
An der einen Seite des Raumes war eine Bühne aufgebaut und eine Gruppe von Musikern, spielte schwungvolle Tanzmusik.
Überall im Raum gingen weiß gekleidete Kellner herum, mit silbernen Tabletts auf den Armen.
Einer von ihnen reichte Lily und Severus ein Begrüßungsgetränk.
Dann bahnten sie sich den Weg zu einem der Fenster. Hier war es etwas ruhiger.
Aber Zeit zum durchatmen blieb kaum, denn schon watschelte Slughorn auf sie zu, mit zwei wichtig aussehenden Zauberern im Schlepptau.
Die beiden waren anscheinend irgendwelche Zaubertrankexperten vom Ministerium und in der nächsten halben Stunde, mussten sich Lily und Severus, einen Vortrag über die Qualitäten der Zaubertrankzutaten, aus anderen Ländern anhören.
Als diese Zauberer genug erzählt hatten, brachte Slughorn, wie aus dem Nichts, einen neuen Gesprächspartner, herbei.
Alles in allem, war der Abend eher anstrengend als lustig.
Lily und Severus hatten in der ganzen Zeit, nur wenige Worte miteinander gewechselt.
Slughorn hatte immer wieder neue berühmte Persönlichkeiten, für sie aufgetrieben.
Erst gegen elf, wurde es etwas ruhiger.
Die meisten Gäste, von weiter her, waren bereits gegangen, genauso die jüngeren Schüler.
Allem Anschein nach, würde sich die Gesellschaft bald auflösen.
Severus und Lily saßen in einer Sitzgruppe in der Nähe der Bühne. Und sie waren zum ersten Mal an diesem Abend allein.
Severus witterte seine Chance. Er hatte seinen Plan nicht aus den Augen verloren und jetzt war der beste Zeitpunkt dafür.
Er beugte sich leicht hinüber zu Lily.
„Lass uns kurz Luft schnappen, okay?“ flüsterte er, „Ich will dir etwas zeigen.“
Lily stand auf.
„Was willst du mir denn zeigen?“ fragte sie neugierig.
Aber Severus lächelte nur und sagte knapp, „Überraschung.“
Dann nahm er sie bei der Hand und zog sie zur Tür.
An der anderen Seite des Raums, fiel Mary MacDonald fast das Butterbier aus der Hand, als sie sah, wie die Beiden im dunklen Korridor verschwanden.
„Was ist denn?“ fragte Sirius überrascht und drehte sich um.
Dann fiel ihm die Kinnlade herunter.
Ein Glück James ist nicht da und sieht das nicht, dachte er nur, bevor er sich wieder Mary zu wandte.
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