
James Potter war schon immer ein Tunichtgut.
Vielleicht lag es daran, dass er James Sirius Potter hieß. Immerhin, man konnte kein Musterschüler sein, wenn man nach zwei der berüchtigten Rumtreibern benannt war, sein Vater Drachen zur Flucht verholfen hatte und die Onkel die Weasley Zwillinge waren.
In ihm floss das Blut, zwei der berüchtigsten Unruhestifter-Gruppen in der gesamten Hogwarts-Geschichte. Man konnte also beim besten Willen nicht erwarten, das er brav war.
Und genau aus diesem Grund, hatte sein Vater ihm zwar von der Karte des Rumtreibers erzählt, ihm aber nicht gesagt, wo sie war, oder gar das Passwort verraten um sie lesen zu können.
Doch James hatte genug. Er WOLLTE diese verdammte Karte. Mit ihr hätte er schon so manches Mal Nachsitzen verhindern können.
Es war die letzte Nacht der Sommerferien, bevor er das dritte Mal nach Hogwarts ging.
Al lag bestimmt noch wach in seinem Bett und dachte darüber nach, was wäre, wenn er nach Slytherin käme.
James gratulierte sich selbst zu diesem Einfall, da Al's Besorgnis ihre Eltern davon ablenken würde, dass James vermutlich zu zufrieden aussehen würde, da er heute Nacht die Karte klauen würde.
Er stand auf und schlüpfte in seine Hausschuhe.
Normalerweise hielt er nichts von Hausschuhen.
Hausschuhe waren was für Mädchen, die Angst hatten, sich den Zeh anzustoßen, und dabei der Nagellack abblätterte, oder für alte Leute, denen den ganzen Tag kalt war.
Doch heute waren die Hausschuhe nötig, denn sie dämpften die Geräusche, die seine Schritte auf dem Holzfußboden machen würden.
Er schlich sich auf den Dachboden. Dann wisperte er Alohomora, und das schmiedeeiserne Schloss, dass die Dachbodenluke versperrt hatte sprang auf.
Jame hatte nämlich herausgefunden, dass er durchaus in den Ferien zaubern konnte, allerdings nur dann, wenn seine Eltern im Haus waren.
Schließlich konnte man nur orten WO gezaubert wurde, nicht WER zauberte.
Er hatte die blasse Ahnung, das sein Vater die Karte hier aufbewahrte, denn erstens wusste sein Vater, dass sein Büro vor James nicht sicher war, zweitens hatte Harry Potter auch den Tarnumhang auf dem Dachboden aufbewahrt, drittens war sein Blick, als James ihn auf die Karte angesprochen hatte zu der Luke gehuscht und viertens, warum bei Merlin sollte der Dachboden sonst verschlossen sein?
Er ging hinein.
Lumos. Sein Zauberstab leuchtete auf und er sah sich um.
Vermutlich hatte hier seit dem Einzug keiner mehr aufgeräumt.
Es stapelten sich alte Stühle, Kisten, Zauberspruchbücher aus den Schultagen seiner Eltern die längst veraltet waren, und ganz hinten in einer Ecke: Ein Schreibtisch.
Er war schon ziemlich alt und wirkte auf den ersten Blick relativ verwahrlost, doch wenn man näher kam, sah man, dass sich doch noch jemand ab und zu darum kümmerte, was darin vorhanden war.
Aufgeregt ging James näher.
Er war so nah dran. Vermutlich war das der Ort, wo die Karte versteckt war!!!
Ein einfacher Aufrufezauber hätte vermutlich genügt, um die Karte zu bekommen, aber er dachte nicht daran, sein rechtmäßiges Erbe mit Zauberei zu sich zu bringen.
Nein, das würde er schön auf Muggelart machen, sozusagen um den Maraudern eine Ehre zu erweisen. Er gab sich Mühe dabei die Karte zu bekommen.
Er hatte seiner kleinen Schwester eine Haarnadel geklaut, mit der er jetzt im Schloss einer Schublade herumstocherte.
Es klickte einmal kurz und die Schublade war offen.
Es lag nur ein Eselsfellbeutel darin. James war fasziniert. Eselsfell war unglaublich nützlich, als Schutz gegen Diebe, doch dies war es nur, wenn man es mindestens einmal alle zwei Monatte berührte.
James war sich nicht sicher ob das bei diesem Beutel so war, doch es war immerhin einen Versuch wert.
Er öffnete den Beutel, griff hinein und zog etwas kleines, Rundes heraus.
Er hatte Glück.
Dann betrachtete er seine Beute. Es war ein Schnatz, der schon ziemlich alt zu sein schien, da seine Flügel zerfleddert waren und er nur noch ab und zu, schwach mit ihnen flatterte.
Ehrfürchtig sah James den Schnatz an.
Er wusste, was das war: Darin war der Stein der Auferstehung aufbewahrt gewesen. Es war der Schnatz, den sein Vater bei seinem ersten Quidditchspiel gefangen und fast verschluckt hätte.
Dieser Schnatz war eine Legende.
Vorsichtig legte James ihn wieder in den Beutel zurück, und zog einen kurzen Schwarzdornzauberstab heraus.
Er legte ihn ohne zu zögern wieder zurück. Was sollte er damit?
Und dann, endlich, ertasteten seine Finger ein Stück Pergament.
"Na los, James Potter, nimm mich... ich gehöre rechtmäßig dir!" schien ihm das Pergament zuzuflüstern.
Begeistert zog er das Pergament heraus.
Jetzt musste er nur noch sicher sein, das dies die Karte war!
Er tippte mit dem Zauberstab darauf und meinte:
"James Potter wünscht, dass du mir dein Geheimnis offenbarst."
Erst dachte er, nichts würde passieren, doch dann erschienen wie durch Zauberhand dünne Linien auf dem Papier, die sich zu einem Text formten:
Mr Moony empfiehlt, sich etwas besser über die Dinge zu informieren, die man stiehlt, um sich die Scham nachfragen zu müssen zu ersparen.
Verärgert runzelte James die Stirn.
Das war ihm auch keine sonderlich große Hilfe. Wieder sah er auf die Karte, die inzwischen eifrig weiter geschrieben hatte:
Mr Padfoot ist der Meinung, dass Mr James Potter ein Namensdieb ist, und rät ihm, sich einen eigenen zu suchen, bevor er Dinge verlangt.
Na toll. Jetzt ritt die Karte schon darauf herum. Was konnte er bitteschön dafür, das seine Eltern so unkreativ waren?
Doch anstatt auf seinen wachsenden Unmut zu achten, formulierte die Karte munter weiter:
Mr Prongs kann Mr Padfoot nur zustimmen, und fragt sich, wie so ein unkreativer Dieb jemals dieses Pergament in die Hände bekommen konnte.
Wie absolut charmant dieses Pergament war.
Vielleicht sollte man es mit Liebestrank tränken, damit es etwas freundlicher war.
Als er das letzte mal auf die Karte sah, vollendete die Karte gerade schwungvoll ihren letzten Satz:
Mr Wormtail rät Mr James Potter, lieber Lehrer in den Wahnsinn zu treiben, statt Dinge zu stehlen, und kann in den restlichen Punkten nur Mr Moony, Mr Padfoot und Mr Prongs zustimmen
Frustriert schnappte James sich die Karte.
Wenn dieses blöde Pergament ihm sein Geheimnis nicht offenbaren wollte, dann würde er es eben anders herausfinden.
Damit schlich er wütend zurück in sein Bett.
Die Karte hatte er in Socken eingewickelt und in die unterste Ecke seines Koffers geworfen.
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