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Fanfiction

Die Rumtreiberzeit - Sirius der Weise

von Kathi Weasley

„Stimmt es, dass James deinetwegen vorhat Quidditch hinzuschmeißen?“
„Ich hab gehört, dass du dich jeden Abend heimlich mit James im Schulsprecherbüro triffst.“
„Ist es wahr, dass James schon einen Verlobungsring für dich gekauft hat?“
Lily prustete in einer sehr un-Lily-haften Art ihren Kürbissaft über den Tisch, als sie die letzte Frage vernahm. Das geschätzt vierzehnjährige Mädchen, welches die Frage geäußert hatte, sah sie unverwandt neugierig an und erwartete anscheinend immer noch ihre Antwort. Als ob eine Saftfontäne über den Frühstückstisch noch nicht Antwort genug wäre.
Allem Anschein nach hatte die gesamte Schüler- und Lehrerschaft sämtliche Exemplare der Hexenwoche aufgekauft und als Must-Have an jede einzige Person in Hogwarts verteilt. Anders konnte Lily sich das Benehmen der Mädchen und Jungs auf Hogwarts nicht erklären.
Nach dem verstörenden Gespräch am gestrigen Abend mit den vier Hufflepuffs war ihr erst klar geworden, dass diese noch harmlos gewesen waren im Vergleich zu dem, was ihr nun blühen würde. Sie kam sich vor wie in einem 24-Stunden-Interview, nur dass die meisten Fragen nicht einmal halbwegs realistisch waren und mit der Zeit sogar lediglich noch abnormer wurden.
„Hast du schon immer so viel gefrühstückt? – Ein bisschen viel würde ich meinen. Bist du schwanger?“
Lily ließ klirrend ihren Löffel auf den Teller fallen. Von ihrer Seite erklang ein unterdrücktes Kichern und als sie den Kopf umwandte, erblickte sie Jules, die vergeblich versuchte ihr Lachen mit dem Ärmel ihrer Weste zu ersticken. Lily drehte sich genervt zu dem Fragensteller um und sah nun neben der Vierzehnjährigen noch ein anderes Mädchen stehen, welche herausfordernd auf sie herab schaute.
„Ver-schwin-det.“, sagte Lily mit zusammen gebissenen Zähnen. „Sofort. Sonst vergesse ich mich.“
Die Mädchen schien diese Reaktion nicht im Geringsten zu beindrucken oder einzuschüchtern. Im Gegenteil die zweite noch dazu gekommene Schülerin sah sie nun mit hochgezogenen Augenbrauen an und schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„An deiner Stelle würde ich uns nicht so behandeln, Ms. Schulsprecherin. – Sowas rutscht einem so schnell mal raus. Und wir reden doch so gerne, nicht wahr, Clary?“, meinte sie hochnäsig und stupste ihre Freundin an, die nun ebenso abschätzend auf Lily herabsah.
Lily zweifelte immer mehr an ihrem Verstand. Erst musste sie sich eine Verlobung und eine Schwangerschaft – Entschuldigung, aber frecher ging es ja wohl wirklich nicht! – andichten und nun sollte sie sich auch noch drohen lassen?! Das alles auch noch wohlbemerkt von Teenagern, die so hochnäsig wie grün hinter den Ohren waren.
Ein Blick auf die Hauswappen der beiden Unverschämten erklärte ihre Neugierde und Selbstüberschätzung: Ravenclaw.
„Das glaube ich gerne. Aber an eurer Stelle würde ich in Zukunft Drohungen dieser Art unterlassen, ich rede nämlich auch gerne und zwar besonders mit den Hauslehrern. Professor Flitwick freut sich immer über meinen Besuch.“, entgegnete Lily und drehte sich dann wieder zum Tisch um, um sich wieder ihrem Frühstück zu widmen.
Nach kurzem geschockten Luftschnappen vernahm sie wie die beiden Schülerinnen davon stöckelten und dabei wispernd über sie herzogen.
„Stimmungsschwankungen und Essen in Mengen. – Was sagt uns das, Clary?“, zischte Ravenclaw Numero Zwei ihrer Freundin zu und diese überlegte einen Moment.
„Dass sie gestern kein Abendessen hatte?“, schlug Ravenclaw Numero Eins vor.
Lily hörte einen dumpfen Schlag.
„Nein, verdammt!“, entgegnete die andere Schülerin zickig und stakste grummelnd davon ohne auf ihre nun schnell Entschuldigungen haspelnde Freundin weiter Rücksicht zu nehmen.
Lily schüttelte ungläubig über die beiden Hogwartsschülerinnen den Kopf und begann wieder ihren Haferbrei zu essen. Die nun lauthals lachende Jules neben sich versuchte sie auszublenden.

Es sollte aber nicht bei dem verstörenden Gespräch mit den Teenagern während dem morgendlichen Frühstück bleiben, denn im Laufe des Vormittags musste Lily mehr oder weniger erleben, wie ihre Mitschüler ebenfalls auf den Zug der pubertierenden Hogwartsschüler und –schülerinnen aufsprangen. Bereits nach zwei Stunden Hausaufgaben im Gemeinschaftsraum hatte sie ein Dutzend Fragen an den Kopf geschmissen bekommen, die allesamt so haarsträubend wie nervig gewesen waren. Somit war sie froh, als Jules ihr vorschlug im Schlafsaal noch ein paar geschichtliche Daten zu wiederholen, bevor sie zum Mittagessen aufbrechen mussten.
Das Resultat dieser Lerneinheit war jedoch eher ernüchternd als erfreulich.
„Ich bin einfach nicht für’s Auswendig-Lernen geschaffen.“, verteidigte Jules sich. Dabei klang sie aber eher so, als ob sie nicht nur Lily sondern auch sich selbst damit beruhigen und davon überzeugen wollte. „Ich improvisiere lieber.“
„Leider glaube ich nicht, dass sich bei dem Faktum, dass Wendeline die Ulkige sich 47mal und nicht 60mal fangen und verbrennen ließ im Laufe der Hexenverfolgung, viel improvisieren lässt.“, entgegnete Lily trocken und entlockte Jules ein Schnauben.
„Du würdest dich wundern.“, sagte sie und verstaute ihr Geschichtsbuch in ihrem Koffer. Lily tat es ihr gleich.
Um ihre Haare, die sie an diesem Morgen gewaschen hatte, noch einmal durchzukämmen, stand sie von ihrem Bett auf und ging ins Bad des Schlafsaals der Siebtklässlerinnen. Wie gewohnt griff sie nach ihrer Haarbürste und fuhr sich damit einmal durch die rote Mähne. Im Spiegel blickte sie sich dabei selbst ins Gesicht und bemerkte dadurch erst den kleinen Zeitschriftenartikel, der im unteren Eck des Spiegels angebracht worden war.

ENTHÜLLT: RENDEVOUS IM KERZENSCHEIN
Von Eliza Manchester
Jeder hat es herbeigesehnt, aber niemand wirklich erwartet. Jedoch konnte eine unserer vertrauenswürdigsten Quellen am Donnerstagabend beobachten, wie…

Das konnte doch nicht der Ernst ihrer Schlafsaalgenossinnen sein. Seufzend wollte Lily den Artikel der Schande vom Spiegel entfernen, aber dieser bewegte sich trotz starken Knibbelns an den Ecken keinen Zentimeter. Genervt probierte sie ihn mit einem Kamm weg zu schaben, aber wieder nahm der Zeitschriftenausschnitt keinerlei Schaden.
„Das gibt’s doch nicht!“, meinte sie und schmiss wütend den nun etwas verbogenen Kamm in das Waschbecken.
Sie hörte wie die Tür des Schlafsaals selbst aufgemacht und wieder zugeknallt wurde. Einen Moment später erklang auch schon die Stimme von Alice.
„Habt ihr schon den Verwandlungsaufsatz geschrieben?“, fragte sie und wühlte geräuschvoll in ihrem Koffer nach dem benötigten Lehrbuch.
Lilys Augenbrauen wanderten wieder zu dem Artikel im unteren linken Eck des Spiegels. Dann horchte sie erneut auf, als Jules‘ gedämpfte Antwort ertönte.
„Verzeih bitte, aber ich war in Sachen Wendeline die Ulkige gänzlich anderweitig beschäftigt.“, erklärte diese und Lily musste unwillkürlich grinsen.
Ihre Freundin hatte anscheinend zusätzlich zu den geschichtlichen Fakten ebenso die altmodische Sprache sich angeeignet. Alice war da offenbar auch ihrer Meinung.
„Äh – Okay? Ich schätze, du hast den Aufsatz dann also noch nicht geschrieben – holde Maid?“, hakte sie nach, wobei ihre Lippen bei den letzten beiden Wörtern spöttisch nach oben zuckten, und ein kurzes „Nein“ war die Antwort.
Lily trat wieder in den Schlafsaal und sah wie Jules alle vier Glieder von sich gestreckt auf ihrem Bett lag, während Alice mit gelangweilter Miene in ihrem Verwandlungsbuch blätterte. Sie verschränkte bei diesem Anblick unzufrieden bei dem Gedanken an den festgeklebten Artikel am Spiegel die Arme vor der Brust. Aufmerksamkeitserregend räusperte sie sich kurz und erweckte so wirklich Alice’ Interesse, welches wahrscheinlich sowieso nie wirklich dem Buch in ihren Händen galt.
„Alice-“, fing sie langsam an und ihre Freundin schlug mit einem Knall ihr Buch zu. „-du weißt nicht zufällig, wie dieser Lügenartikel über James und mich an unseren Spiegel gelangt ist oder?“
„Doch, doch.“, gab Alice sofort schulterzuckend zu und blickte weiterhin unschuldig zu Lily, die dieses Geständnis ungläubig zu Kenntnis nahm.
„Wie: Dann gibst du also zu ihn an den Spiegel gezaubert zu haben?“, fragte Lily verblüfft. „Einfach so?“
„Ich glaube, du hast da was falsch verstanden, Lils. – Ich habe ihn da nicht dran gezaubert.“, erklärte Alice und stand mit dem Buch in den Händen von ihrem Bett auf.
Jules erhob sich nun ebenfalls schwerfällig.
„Aber wer war es denn dann?“, fragte Lily verwirrt und erhielt eine ebenso kurze wie überraschende Antwort.
„Na, Melody.“, sagte Alice und verschwand dann so geräuschvoll, wie sie gekommen war, aus dem Schlafsaal.
Lily starrte verdutzt auf die Stelle, wo ihre Freundin eben noch gestanden hatte, bevor sie aus dem Raum gepoltert war. Melody. – Aber warum tat sie so etwas? Glaubte sie diese Lügen, die in dem Artikel ausgebreitet wurden wie Samenkörner auf einem Acker, etwa wirklich oder wollte sie die öffentliche Belustigung in Hogwarts über ihre neues Traumpärchen – welches wohlgemerkt noch gar nicht offiziell eines sein sollte, wenn es nach Lily ging – ihr zusätzlich noch in ihren vier gemeinsamen Wänden im Schlafsaal unter die Nase reiben?
„Ich bin nicht verwundert.“, meinte Jules, die Lily anscheinend bei ihren Überlegungen beobachtet und ihre Miene genau analysiert hatte.
„Wie meinst du das, Jules?“, hakte Lily vorsichtig nach und erhielt ein kurzes Schnauben als Antwort, gefolgt von einer Tirade über Melodys Machenschaften.
Jules holte aus: „Naja – Dieses ständige Maulen und Mosern über meine Freundschaft mit Sirius – nein, stopp halt. So richtig befreundet sind wir ja gar nicht. Aber Feinde sind wir auch nicht.“ Sie stockte in ihrer Erklärung kurz und runzelte ratlos die Stirn.
Lily räusperte sich vernehmlich, um Jules wieder daran zu erinnern, dass sie immer noch auf die Weiterführung ihres Plädoyes bezüglich Melody wartete.
„Hmm?“, schreckte Jules hoch und blickte ihre rothaarige Freundin verständnislos an. Dann ging ihr anscheinend ein Licht auf und sie schnippte laut mit einer Hand. „Achja stimmt. Also wo war ich? – Richtig: Melody, Maulen, Mosern. Die drei Ms. Bin wieder voll dabei. – Und dann zusätzlich noch diese neidischen Blicke zu dir und James. Das kann dir doch nicht entgangen sein.“
Lily runzelte die Stirn und kam nach kurzem Nachdenken jedoch nicht umhin sich einzugestehen, dass sie nichts dergleichen mitbekommen hatte.
„Warum sollte Mel neidisch auf James und mich sein?“, fragte Lily und schon eine Sekunde, nachdem sie die Frage laut ausgesprochen hatte, bildete sich eine mögliche Antwort in ihrem Kopf.
Konnte es sein, dass Melody für James mehr als kameradschaftliche Gefühle hegte oder gar in ihn verliebt war? Als Lily diese Frage laut äußerte, fing Jules an breit zu grinsen. Lilys Herzschlag verdoppelte sich bei dem Gesichtsausdruck ihrer Freundin. Dieses Grinsen konnte nur eines bedeuten.
„Ach Lily! – Melody und James lieben?! Das ist genauso unwahrscheinlich wie ein Rodeo mit Baby-Einhörnern. Nicht nur, dass Mel die Liebe nicht mal erkennen würde, wenn sie in Hula-Rock vor ihr Salsa tanzen würde. James fällt einfach auch nicht in ihr Beuteschema bei Jungs oder Männern.“, sagte Julia Bloom und zog ihre Freundin mit sich aus der Tür des Schlafsaals und die Wendeltreppe hinunter in den Gemeinschaftsraum.
Gryffindor-Grüppchen machten sich aus allen Ecken des Raumes zu dieser Zeit ebenso wie die beiden Siebtklässlerinnen auf den Weg zum Mittagessen in die Große Halle. Lily ließ sich vermeintlich unauffällig zur Sicherheit und Abwehr von neugierigen Blicken und nervigen Fragen die Haare wie einen Vorhang um ihr Gesicht fallen. Von ihrer Seite erklang daraufhin sofort ein leises Kichern.
„Hör auf zu kichern!“, zischte Lily sogleich, konnte jedoch weder Jules‘ Kichern noch die Röte, die sich langsam in ihr Gesicht schlich, damit eindämmen.

In der Großen Halle herrschte wie jeden Tag der Wocher reges Treiben. Schüler und Schülerinnen lachten, unterhielten sich und schaufelten die köstlichsten Speisen in sich hinein. James und Sirius lieferten sich augenscheinlich ebenso gerade ihr monatliches Wettessen, bei dem sie danach aussahen, als ob sie die Hälfte der Schüsseln und Tabletts auf ihren Schuluniformen entleert hätten. Das jetzige Schauspiel, was sich ihnen bot, stand dieser Aussage in nichts nach.
James tupfte sich, um den letzten Rest seiner Würde zu bewahren, mit einer Serviette den Mund ab, während Sirius seinen Kürbissaft in einem Zug leerte und einen verschmierten Mundabdruck am Glas hinterließ.
„Guten Appetit, Evans.“, wünschte er Lily gutgelaunt, als die sich ihnen gegenüber auf die Bank am Gryffindortisch fallen ließ.
Lily lächelte mild und ihre Lippen kräuselten sich wie die von Professor McGonnagal in ihren besten Zeiten.
„Welchen Appetit meinst du, Sirius?“, hakte sie spitz nach. „Meiner hat sich eben verabschiedet.“
Jules lachte sehr zu Sirius‘ Unzufriedenheit daraufhin kurz Beifall.
„Haha.“, grummelte er und erhob sich missmutig, um sich zwei Plätze weiter auf die Bank neben Remus fallen zu lassen.
Dort fing er an mit dem schlauen Gryffindor über die Verwandlungshausaufgaben, die für morgen anstanden, zu reden, was Remus Lupin offenbar sauer aufstieß. Mit eindeutigen Handbewegungen versuchte er Sirius wohl nun eindringlich die Wichtigkeit von eigenständigem Erarbeiten und Lernen des Schulstoffes bei den Hausaufgaben zu erklären.
Lily hätte nur zu gerne verstanden, was Sirius daraufhin erhitzt entgegnete, jedoch war dazu der Lärmpegel in der Halle doch zu hoch.
„Hat die Fragerei sich inzwischen eigentlich wieder gelegt?“, fragte James sie interessiert und seine Mundwinkel zuckten kurz hoch.
Schulterzuckend antwortete Lily nur: „Das ist Ansichtssache: Momentan bin ich der Grund für deinen Quidditchausstieg und dein abendliches Knutschvergnügen.“ Sie genoss es innerlich, wie sich James‘ Augen bei letzterem überrascht weiteten, deshalb fuhr sie auch mit ihrer Liste fort. „Außerdem esse ich wohl ab jetzt für zwei und – achja – wir werden heiraten!“
James‘ Mund klappte auf.
„Was? – ich – ich meine – Wie? – Wann? – ich-“, er verstummte kurzzeitig und fuhr sich durch die ohnehin schon verstrubbelten Haare. „Ich… steige aus Quidditch aus?“
Ein Grinsen machte sich auf Lilys Gesicht breit, als sie bemerkte, dass er sich die wohl am wenigsten beunruhigendste Aussage aus ihrer Aufzählung ausgesucht hatte.
„War das wirklich alles, was du gerade eben verstanden hast?“, fragte sie grinsend und James bekam einen leicht rötlichen Schimmer auf den Wangen.
Er murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, was wie „Zipfel-Zapfel“ klang und für Lily somit noch weniger Sinn machte als Melodys komisches Verhalten. Doch bevor sich nachfragen konnte, was sein Brabbeln zu bedeuten hatte, kam ihr wieder eine Mädchenstimme in die Quere.
„Sirius!“, rief die Blondine offen lächelnd und erregte so die Aufmerksamkeit von den in näherer Umgebung sitzenden Schülern und Schülerinnen. Sie quetschte sich neben ihn auf die Bank und begann sogleich ihn mit Fragen zu löchern.
Eigentlich war dies kein unbekannter oder ungewöhnlicher Anblick für die Gryffindors. Eigentlich.
Was jedoch für Jules überraschend war, war nicht einmal die Tatsache, dass die erwähnte Blondine ihre vorher thematisierte Schlafsaalgenossin war, sondern die Gegebenheit, dass diese einen ihr nur allzu gut bekannten Schal um den Hals trug, den sie gerade in diesem Moment auffällig richtete und so Sirius‘ Aufmerksamkeit damit zu erregen versuchte. Auch dieser schien keinen weitere Sekunde mehr mit der Inspektion des Aufzugs von Melody zu vergeuden, sondern kam ebenso wie Jules nicht umhin den Schal um Melodys Hals mit zusammen gezogenen Augenbrauen zu mustern.
Jules legte ihr Besteck, mit dem sie eigentlich gerade ihre Lasagne masakern wollte, beiseite und wollte gerade zu einer Erklärung bzw. einem nicht gerade freundlichen Vorwurf ansetzen, als Sirius mit einer gegrummelten Ausrede aus der Großen Halle verschwand. Natürlich hätte genauso gut auf Toilette gehen können, aber Jules beschlich in diesem Moment das ungute Gefühl, dass ihm der Schal nicht auf die Blase sondern auf den Magen schlug.
„Peter, ich habe dir jetzt schon – sage und schreibe – zehn Mal geraten, nicht immer den Brokkoli-Auflauf zu nehmen, wenn du gegen Brokkoli allergisch bist!“, schimpfte Remus väterlich und klopfte Peter, der aussah als ob er dem Erstickungstod nahe wäre, energisch auf den Rücken.
Jules wurde dadurch von ihrem Trübsinn und ihrer Verärgerung kurzzeitig zwar abgelenkt, aber beim nächsten Blick zu Melody, die sich nun mit höchst zufriedener Miene ihrem Kartoffelgratin widmete, zog sich ihr Bauch unangenehm zusammen vor angestauter Wut. Dass Melody sich nach so langer Freundschaft eine solche Gemeinheit erlaubte, war für Jules unerklärbar.

Den restlichen Nachmittag über schwebte Melodys rätselhaftes Verhalten über den Freundinnen wie eine düstere Regenwolke. Jedoch kam es an diesem Tag nicht mehr zum erhofften Regenguss. Melody gab sich alle Mühe ihren vier Schlafsaalgenossinnen aus dem Weg zu gehen und versuchte dies erfolgreich damit zu erreichen, indem sie dauerhaft um Sirius herumschlich. Obwohl Jules mit kurzen Blicken zu dem Rumtreiber erkannte, dass diesen das Benehmen von Melody ebenso nervte wie sie selbst machte es die Angelegenheit für sie nicht besser.
Der Tag ging somit in angespanntem Schweigen zu Ende, ob wegen den schwierigen Verwandlungs- und Zaubertränkehausaufgaben oder den anderen Umständen der Siebtklässler war nicht eindeutig zu beantworten.

„Ich glaube, ich war noch nie so enttäuscht.“, meinte Lily resigniert zu Jules, als sie beide beim Mittagessen in der Großen Halle saßen und in Zeitlupentempo ihre Kartoffeln vertilgten.
Jules neben ihr stellte mit Sicherheit gerade einen Rekord damit auf, die kleinsten Kartoffelstückchen der Welt zurecht zu schneiden und danach aufzuspießen. Auch wenn Letzteres ihr große Probleme bereitete.
„Warum?“, fragte sie nur mit konzentriert zusammen gezogenen Augenbrauen und Lily schnaubte belustigt.
„Ist das dein Ernst? – Das Einzig Gute, was dieser Tag bisher hervorgebracht hat, ist, dass Prof. Slughorn heute aus dem Schwärmen wohl gar nicht mehr rausgekommen ist.“, erwiderte Lily und blickte zu dem genannten Professor hoch an den Lehrertisch, an dem dieser gerade mit genussvoller Miene sein Mittagessen verspeiste und dabei immer mit Entzücken Prof. Sprout neben ihm zunickte.
„Weißt du, manche…“, Jules strich sich dabei kurz die Haare hinter das Ohr. „…wären froh, wenn sie so ein Lob bekommen würden.“, entgegnete sie und entlockte Lily damit ein breites Grinsen.
„Redest du dabei von dir?“, hakte sie nach und stupste Jules in die Seite, die ihren Gesichtsausdruck übernahm. „Was war denn heute überhaupt los? Den Trank hast du doch bereits in der Fünften aus dem FF gekonnt.“
„Ach es ist nichts. Nur Spinnereien – du kennst mich doch.“, Jules wischte den Einwand ihrer Freundin mit einem Handwinken ab und legte ihr Besteck beiseite. „Ich muss nochmal in die Bibliothek. Wir sehen uns später, Lils.“
Bevor Lily noch ein Wort dazwischen quetschen konnte, hatte Jules auch schon ihre sieben Sachen geschultert und war aus der Großen Halle raus geschlurft. Die Rothaarige schob sich seufzend ein Kartoffelstück zwischen die Zähne und konnte sich nur mal wieder über das rätselhafte Verhalten ihrer Freundin wundern.

Als Jules an diesem Nachmittag in die Bibliothek eintrat, hatten scheinbar sämtliche Ravenclaws dieselbe Idee wie sie gehabt und sich vor ihr an den Tischen zwischen den Regalen breit gemacht. Überall wimmelte es nur so von den blau-silbernen Hauswappen. Beim Hindurchquetschen durch die Gänge der Bibliothek grüßte sie mit einem Lächeln schnell Nathan und Aaron, die zweifelsohne gerade in ein hochwissenschaftliches Gespräch versunken waren, sie aber dennoch erfreut angrinsten. Dass Nathans Blick jedoch bei ihrem Anblick einen nachdenklichen Ausdruck annahm, bemerkte Jules nicht im Geringsten, war sie doch vielmehr immer noch mit der Schalangelegenheit beschäftigt.
Ein paar Ravenclaws in ihrer Nähe räumten gerade ihre Sachen vom Tisch und Jules vergeudete keinen weiteren Moment mehr mit Grübeleien sondern sicherte sich einen der freigewordenen Sitzplätze, um ihre Hausaufgaben zu beginnen.
Alleine das Durchlesen und Verstehen des Lehrbuchtextes erforderte ihre gesamte Aufmerksamkeit und Konzentration, weswegen sie nicht mehr weiter an die drei verheerenden S-Wörter dachte – Sirius, Schal und Schlamassel. Bis zu dem Moment als sie ein Geräusch vernahm, was einfach so gar nicht in die Lernatmossphäre einer Bibliothek passte und somit auffiel wie ein Vogelstrauß, der Schlambada zu tanzen versuchte.
Sie hob den Kopf ein Stück und erspähte durch die Lücken zwischen den einzelnen Büchern hindurch, wie zwei Schüler heftig miteinander flirteten und schließlich begannen sich zu küssen. Ihre Augen weiteten sich ein wenig, bei so viel öffentlicher Zurschaustellung von Zärtlichkeiten – oh oh, sie verbrachte eindeutig zu viel Zeit mit Lily. Kurz davor über sich selbst den Kopf zu schütteln, registrierte sie jedoch die Unverwechselbarkeit der schwarzen Lockenmähne des Typen.
Eindeutig: Der Typ war Sirius Black. – Soviel dazu, dass die S-Wörter aus ihrem Gedächtnis gestrichen worden waren. Solche Gedanken konnten selbst extrem schwierige Zaubertränkehausaufgaben nicht vertreiben.
Ihre Feder fiel ihr aus der Hand und sprühte kleine Tintenklekse auf ihr beschriebenes Pergament. Ein paar Wörter verliefen hässlich, was sie jedoch nicht weniger interessieren hätte können. Denn in diesem Moment, als sie zusah wie Sirius ein ihr unbekanntes Mädchen küsste – was bei Weitem nicht das erste Mal war – spürte sie es. Ein kleiner Stich, der eine schmerzende Stelle in ihrem Herzen zurückließ. Diesen Schmerz hatte sie bisher nur ein einziges Mal bereits erlebt und zwar, als sie im letzten Schuljahr Anthony Gardner mit einem anderen Mädchen gesehen hatte.
Konnte es wirklich sein, dass sie eifersüchtig war? Wenn es so wäre, würde das jedoch bedeuten, dass sie zudem Gefühle für Sirius hegte, die so eine Eifersucht überhaupt erst zustande kommen ließen. Aber war das möglich nach so vielen Jahren des Ärgerns und Stichelns?
Ihrem Empfinden nach arbeiteten die kleinen Rädchen in ihrem Kopf nun stärker als zuvor beim Lösen der Zaubertrankhausaufgabe. Schon immer war sie keine Expertin in Sachen Liebe gewesen, doch nun erschien ihr dieser Makel sehr viel schlimmer als vor wenigen Minuten noch. Lily war, seit sie denken konnte, die Romantikerin von ihnen beiden gewesen und konnte mit diesem Gefühls-Wirrwarr erheblich besser umgehen als sie.
Ihre Augen huschten wieder zu den beiden Turteltauben, aber diese waren bereits verschwunden.
„Wahrscheinlich ist ihnen eingefallen, dass das hier kein Freudenhaus ist.“, grummelte sie halblaut vor sich hin, ohne darauf zu achten, dass sich näherstehende Ravenclaws verstört zu ihr umdrehten.
Als allerdings eine ihr nur zu bekannte Stimme „So ähnlich“ antwortete, hob sie ruckartig den Kopf in Richtung des Sprechers. Sirius ließ sich ihr gegenüber auf einem Stuhl nieder und packte ebenso seine Schulsachen aus.
„Kann ich deinen Zaubertränkeaufsatz lesen, nachdem du ihn fertig hast?“, fragte er sie ungerührt.
Jules starrte ihn ungläubig an und bevor sie die Wörter, die in ihr hoch brodelten, wieder hinunter schlucken konnte, platzte es aus ihr heraus: „War das jetzt nötig? – Hast du nicht mal genug davon?“
Der Siebtklässler bemerkte nun anscheinend, dass Julia Bloom keineswegs zu einem freundlichen Gespräch über die Hausaufgaben aufgelegt war und schlug ebenfalls einen ernsten Ton an.
„Wüsste nicht, was dich das angeht.“, erwiderte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ihre Wut schwand ein wenig. Er hatte recht. – Was benahm sie sich jetzt auch wie eine eifersüchtige Freundin? Ihre Maßregelungen hatten aus seiner Sicht gesehen weder Hand noch Fuß und sie wollte ihm weder das eine noch das andere geben.
„Stimmt.“, gab sie leise zu.
Um ihren letzten Rest Würde zu bewahren, griff sie schnell nach sämtlichen Schulsachen, die sie um sich herum ausgebreitet hatte, und stand von ihrem Stuhl auf.
„Ich muss gehen.“
Sirius stand die Verwirrtheit ins Gesicht geschrieben: „Was? Aber warum denn?“
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Sirius solch eine Reaktion hinterfragen könnte. Also war Jules nun ebenso ratlos wie er über ihre eigenen Beweggründe. Sirius sah sie abwartend an, während sie fieberhaft nach einer glaubhaften Begründung in ihrem Gehirn fischte. Sie hätte sich für ihr „Ich muss gehen“ selbst ohrfeigen können. Einen Bonuspunkt für Sirius Black also für seine weise Frage.
„Ich muss noch meine Katze füttern.“, rutschte es ihr heraus offensichtlich ohne weitere Gedanken an den Wahrheitsgehalt und den Sinn dieser Erklärung zu verschwenden.
Ihre Beine trugen sie eilig aus der Bibliothek hinaus und in einen verlassenen Gang. Vorhin erst hatte es zur nächsten Unterrichtsstunde am Nachmittag gegongt. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und immer wieder hörte sie sich selbst, wie sie sagte: „Ich muss noch meine Katze füttern.“
Berühmte letzte Worte. Bestimmt würden sie in der Neuauflage ihres Geschichtsbuchs stehen in der Rubrik Dinge, die einfach keinerlei Sinn ergeben. Gleich neben sowas wie 1 + 2 = 4 (was aber wahrscheinlich im Geschichtsbuch fehl am Platz wäre). Das kam zumindest dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussage nahe, denn sie hatte weder eine Katze noch musste sie diese also füttern. Das Einzige, was sie hatte war Angst. Vor ihren Gefühlen, um genau zu sein.
Neuer Zwischenstand: Der weise Sirius Black führt mit einem Punkt, während seine verwirrte Kontrahentin Julia Bloom in der Region -10 herum tümpelt. Juhu.

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Hallo liebe Leser/-innen,
kurze Zwischenmeldung seit Langem mal wieder am Ende des neuen Kapitels: Eure Kommentare wurden alle im Thread beantwortet. Leider wurde das aus technischen Gründen (wahrscheinlich - bin ja kein Experte) nicht richtig im Forum angezeigt.
Das war's auch schon von mir an dieser Stelle.
Schönen Tag euch noch.


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