
von Kathi Weasley
Da Wochenende war, genossen die meisten Schüler die Freiheit spät aufzustehen und ließen sich erst zum Mittagessen blicken. Die Mädchen aus der 7. Klasse hätten es garantiert auch so gemacht, wäre nicht eine gewisse Rothaarige mit ihnen im Zimmer, die jeden Tag ganz nach Motto ‚Morgenstund hat Gold im Mund.‘ oder aber ‚Carpe Diem – Nutze den Tag.‘ lebte.
So war es für ihre Zimmergenossinnen keine Überraschung, aber eine nervenaufreibende Angelegenheit, als lauthals ein Lied der Schicksalsschwestern aus einem verzauberten Wecker an Lilys Nachttisch um 8.00 Uhr morgens ertönte. Sofort kam ein Kissen von einer bestimmten Braunhaarigen auf Lilys Bett geflogen und traf sie am Kopf.
„Lily, muss das wirklich sein?“, krächzte Jules verschlafen und setzte sich in ihrem Bett auf. Die Angesprochene tat es ihr gleich und wischte sich schlaftrunken über die Augen.
„Wir müssen aber aufstehen. Frühstück. Komm schon.“, murmelte die Angesprochene, während sie in ihre Pantoffeln schlüpfte, und ging langsam zum Bad.
Die anderen Mädchen im Schlafsaal sahen ihr dabei zu, während sie gähnend und mit kleinen Augen in ihren Betten saßen.
„Das-“, fing Alice an, „-ist-“, machte Melody weiter, „-echt-“, sagte Jules und schließlich stöhnten sie alle drei zusammen: „-unnormal.“
Danach sahen sie sich an und kicherten.
Während Alice kichernd in ihrem Bett saß, schmiss sie ihre Bettdecke von sich. Nun da sie schon so fröhlich und wach waren, konnten sie schließlich nicht mehr weiter schlafen und so gingen sie nacheinander ins Bad und wanderten mit Annabeth zusammen hinunter zum Frühstück, bei dem nur sehr wenige schon waren.
Die frühe Stunde hatte aber zum Vorteil, dass sie freie Auswahl beim Frühstück hatten, was natürlich gleich wieder von Jules, die heute noch Quidditchtraining hatte, ausgenutzt wurde. Aber auch die anderen genossen das Rumtreiber-freie Frühstück und aßen genüsslich ihre morgendliche Mahlzeit.
Als sie fertig gegessen hatten, lasen sie noch den Tagespropheten, was aber durch einen plötzlichen Zwischenruf unterbrochen wurde: „Hey, Melody!“ Das blonde Mädchen drehte sich verwundert um, da sie niemals erwartet hätte, dass diese Stimme sie rufen würde.
Sie erblickte Sirius, der ihr zuzwinkerte und sagte: „Willst du mit mir zusammen sein?“
Melody war wie vor den Kopf gestoßen, denn sie hatte schon längst nicht mehr damit gerechnet, dass Sirius sie das fragte. So hauchte sie nur schwer hörbar für ihn: „Ja. Sehr gerne - Sirius.“
Der Schwarzhaarige grinste sie an und deutete auf den Platz neben sich, als Zeichen dafür, dass sie sich hinsetzen sollte. Natürlich kam sie seiner stummen Bitte gerne nach und nahm ohne einen Rückblick zu ihren Freundinnen neben Sirius Platz.
Lily, Alice, Jules und sogar Annabeth sahen ihr mit offenen Mündern hinterher und schließlich fand überraschenderweise Annabeth die richtigen Worte für diese Situation: „Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“
Lily, Alice und Jules sahen sie verwirrt an, stimmten ihr dann aber nickend zu und Jules fragte das hellbraunhaarige Mädchen noch: „Hey, in welchen Kursen bist du eigentlich?“
Das schüchterne Mädchen antwortete nur: „Verwandlung, Zaubertränke, Pflege magischer Geschöpfe, Kräuterkunde, Zauberkunst und so.“
Jules nickte bei jedem Fach und meinte dann erfreut: „Cool, das hab ich auch gewählt. Hast du Lust in Pflege magischer Geschöpfe mit uns dreien zusammen zu arbeiten? Ich glaube irgendwie, dass wir unsere Vierte im Bunde gerade verloren haben.“
Annabeth grinste und sagte erfreut: „Ja, sehr gerne!“
Jules lächelte sie freundlich an und sagte abschließend: „Gut, dann sehen wir uns ja dann!“
Das Mädchen nickte und winkte ihnen zum Abschied, während sie das letzte Stück von ihrem Toast aß.
Die drei Siebtklässlerinnen gingen gerade aus der Großen Halle hinaus, als hinter ihnen eine Stimme ertönte: „Hey, Jules! Warte mal!“
Die Angesprochene drehte sich um und sah sich James gegenüber, der auf sie zugehetzt kam. „Was ist denn, James?“, fragte sie und sah den Schwarzhaarigen neugierig an.
„Ich wollte dich nur dran erinnern, dass du-“, begann James, doch Lily unterbrach ihn genervt.
„Das ist doch wohl nicht dein Ernst, Potter!“, sagte sie und sah ihn ungläubig an, während James nur verwirrt zu ihr sah und stotternd meinte: „Doch - ich denke schon. Warum auch nicht?!“
Lily schüttelte den Kopf und erwiderte trocken: „Also, dass du mich ständig damit löcherst, ist ja schon nervig, aber dann auch noch Jules da mit reinzuziehen, ist einfach nur lächerlich! Wieso lässt du es nicht einfach bleiben?“
James war jetzt vollends verwirrt und blickte mit erschrockenem Gesichtsausdruck zwischen Lily und Jules hin und her.
„Aber ich wollte doch nur-“, fing er von neuem an, doch Lily sagte nur wütend: „Spar’s dir, Potter! Das Schulsprechertreffen kannst du übrigens vergessen. Das mach ich alleine.“
Nach diesen Worten drehte sie sich auf dem Absatz um und ging über die Treppen nach oben, während sie Alice, die sich gerade auf den Weg zu Frank machen wollte, mitschleifte.
James sah seiner langjährigen Traumfrau schockiert nach und blickte dann immer noch von-den-Socken zu Jules vor ihm, die sofort anfing zu lachen.
„Was gibt’s da zu lachen? Ich find das gerade gar nicht lustig. Ich meine, was war das denn eben?! Was sollte das?!“, fragte James, was Jules nur noch mehr zum Lachen brachte, doch schließlich antwortete sie unter Kichern: „Sie hat gedacht, du wolltest mich daran erinnern, dass ich sie fragen soll, ob sie mit dir ausgeht.“
James sah sie verdattert an und stotterte dann: „Sie hat gedacht, dass ich - ich soll dich - wegen ihr - Wie kommt die auf sowas?“
Die Hexe lachte noch lauter und hielt sich schon den Bauch vor Lachen.
„Naja, so unwahrscheinlich ist das jetzt nicht, das musst du zugeben!“, keuchte sie, während sie ein weiteres Glucksen unterdrückte, worauf James sie nur vorwurfsvoll ansah und beteuerte: „So weit wird es nicht kommen, glaub mir, obwohl-“
Er dachte kurz nach unter lautem Lachen von Jules, die sich nun schon an seiner Schulter festhielt, um nicht umzufallen.
„Naja, das jetzt mal beiseite. Ich wollte dich eigentlich nur daran erinnern, das Quidditchtraining heute um 15.00 Uhr nicht zu vergessen. Es ist das 1. Training und ich will, dass alle da sind, wenn wir mit den Neuen spielen. Alle bedeutet übrigens, dass du auch da sein musst, ist das klar? Ich will nämlich dieses Jahr den Pokal gewinnen und du doch auch oder?“, fuhr er fort, wobei Jules während seiner Rede das Lachen vergangen war und sie zuletzt nur noch stumm nickte.
„Yes, Sir! Verstanden, Sir!“, salutierte sie, was James zum schmunzeln brachte und er erwiderte ihre Armeesprache ebenso mit einem „Gut, wegtreten!“, was Jules mit einer spöttischen Verbeugung sofort befolgte und sie ging die Treppen nach oben, wie es Lily ein paar Minuten vor ihr getan hatte.
James grinste, während er ihren Schritten folgte, doch wischte der Gedanke an Lily ihm das Lächeln vom Gesicht und eine unglückliche, verzweifelte Miene nahm ihren Platz ein.
Wieder mal schien er es sich mit ihr verpatzt zu haben. Dabei hatte er sie doch sogar schon soweit gehabt, dass sie eingewilligt hatte, sich mit ihm zu treffen. Bezüglich der Schulsprecherdinge natürlich. Er hatte aber wirklich nicht ahnen können, dass sie ihn so missverstehen würde. Kein rational denkender Mensch würde schließlich auf so abstruse Gedanken kommen. – Zumindest hatte er das bis eben noch geglaubt. Lily hatte schließlich ein paar Sekunden früher noch das Gegenteil bewiesen. Aber James hatte ja schon immer gewusst, dass sie kein normaler Mensch war. – Im positiven Sinne versteht sich. Trotz allem fuchste es ihn wahnsinnig, dass er eine Gelegenheit, mit Lily alleine zu sein, verloren hatte.
James fuhr sich verärgert durch die Haare, als ihm jemand eine Hand auf die Schulter legte und sagte: „Na, Stress mit Evans?!“
Sofort war der Schwarzhaarige wieder wachsam und zückte seinen Zauberstab, was sich, als er sich umgedreht hatte, als weise Entscheidung herausstellte, denn hinter ihm hatten sich Snape, Mulciber Avery und noch zwei andere bullige Slytherins aufgebaut, die ihn hämisch grinsend musterten.
„Wüsste nicht, was dich das angeht, Schniefelus.“, entgegnete James grinsend, während Snape ihn nun abschätzend musterte.
Schließlich ging er auf ihn zu und raunte: „Lily ist vielleicht nicht mehr meine Freundin, aber das heißt noch lange nicht, dass ich zulasse, dass du jetzt mit ihr abhängst, Potter!“
James sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und entgegnete ungläubig: „Und du glaubst wirklich, dass sie interessiert, was du denkst? Sogar du müsstest inzwischen durch deine fettigen Haare bemerkt haben, dass Lily keinen Wert auf die Meinung von schmierigen Slytherins gibt, erst recht nicht, nachdem wie du sie behandelt hast!“
Severus Snape schnaubte wütend und zischte, wie eine Schlange, zurück: „Auf deine scheint sie auch nicht gerade viel zu geben, Potter. Das hat man ja gerade gesehen.“
Seine Freunde lachten im Hintergrund hämisch und Snape tat es ihnen gleich, nachdem er bemerkt hatte, dass seine Aussage bei den Slytherins Gelächter ausgelöst hatte. James wurde dagegen immer wütender und sah überhaupt nicht so aus, als würde er an der Situation gerade irgendetwas witzig finden.
„Das geht dich gar nichts an, Schniefelus! Man belauscht andere Leute übrigens nicht bei Gesprächen.“, wies er den schwarzhaarigen Slytherin zurecht, was diesen jedoch noch mehr zum Grinsen brachte, denn er antwortete: „Diese Worte von dir zu hören, Potter, verwundert mich. Warst nicht du es, der immer gern andere bei Unterhaltungen belauscht hat und sich auch noch eingemischt hat?!“
James verzog die Lippen zu einem Grinsen und ließ seinen Zauberstab auf Snape zeigen. „Euch will ich gar nicht belauschen. Ich werde noch früh genug erfahren, was Du-weißt-schon-wer als nächstes anstellt und, glaub mir, sollte ich ihm begegnen, kann ich nicht garantieren, dass du und deine Freunde ihn wiedersehen werdet.“, stellte James klar und nun lachten die Slytherins wirklich.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass du Ihn aufhalten kannst, oder? Aber du hast ja noch deine Freunde, oder? Wo sind die eigentlich jetzt? Sonst seid du und Black doch unzertrennlich. Hat er sich wohl auch von dir abgewendet, hmm?!“, machte Snape sich über ihn lustig, was die Slytherins hinter ihm hoch mehr zum Lachen brachte, was ihnen jedoch schnell wieder verging, denn genau in dem Moment, als James etwas Biestiges erwidern wollte, stellte Sirius sich neben ihn und antwortete statt ihm: „Nein, ganz und gar nicht. Nicht, dass es dich etwas angehen würde, aber Krone und ich verstehen uns prächtig, was man ja von dir und deinen Schlangen nicht gerade behaupten kann. Hab ich nicht neulich noch gesehen, wie sie dir die Unterhose hochgezogen haben?!“
James lachte und berichtigte seinen besten Freund: „Das waren wir letztes Jahr, Tatze! Sie haben ihn mit dem Kopf ins Klo getaucht.“
Sirius wandte sich zu ihm und nickte, als er sich erinnerte, danach erwiderte er in Gedanken versunken: „Ja, stimmt! Das waren noch Zeiten-“
Während Sirius gedankenverloren in die Gegend starrte, wirkte Snape von Sekunde zu Sekunde wütender und fauchte nun richtig mies gelaunt: „Und wenn schon, das geht euch gar nichts an! Überhaupt: Das ist immer noch unsere Sache. Woher wollt ihr denn wissen, dass ausgerechnet ich das war?“
James und Sirius, der wieder aufmerksam geworden war, sahen sich gegenseitig an und lachten los, was bei einer Unterhaltung mit Slytherins noch nicht oft vorgekommen war, weshalb sich jetzt auch ein paar Zuschauer um sie herum stellten.
Sirius beantwortete letztendlich doch Snapes Frage und meinte nur: „Nun ja, du wirst es vielleicht noch nicht bemerkt haben, Schniefelus, aber du hast einfach einen unverwechselbaren Fettfilm auf deinen Haaren, deiner Nase und naja - eigentlich überall! Du bist wirklich leicht wiederzuerkennen, was ich aber ziemlich nervig finde, denn ich würde dich liebend gern mal übersehen, glaub mir.“
Der Angesprochene war anscheinend so genervt von den beiden, dass er einen Fluch auf Sirius abzielte, der diesem jedoch gekonnt auswich und gleich darauf einen eigenen Zauber auf den Slytherin abschoss. Severus Snape, der noch nie so gut im Duellieren wie die Rumtreiber gewesen war, wollte dem Zauber noch ausweichen, wurde dann aber doch getroffen und konnte sich nun nicht mehr halten vor Lachen.
Während er sich nun schon vor Lachen auf dem Boden kugelte und die komischsten Verrenkungen machte, was die Leute, die um die Duellanten herumstanden, sehr amüsant fanden, stieß er in Gedanken wüste Beleidigungen gegen die Gryffindors aus. Dieser Kitzelfluch, mit dem sie ihn belegt hatten, verhinderte leider, dass er sich in Echt aussprach. Ebenso dass er den Gegenfluch nannte.
Sirius und James brüllten vor Lachen und riefen dadurch noch mehr Schüler und Schülerinnen aus der Großen Halle heran, die durch den Lärm neugierig geworden waren. Die anderen Slytherins, die als Eskorte von Snape mitgekommen waren, standen verloren im Eingang zur Großen Halle und sahen zu, wie ihr Hausmitglied sich vor allen blamierte. Auf die Idee ihm zu helfen kamen sie aber nicht, ob es an Dummheit oder einfach an der Tatsache, dass sie ihm nicht helfen wollten, lag, konnte man nicht herausfinden. Wahrscheinlich an beidem.
Der Auflauf vor der Essenshalle fiel aber schließlich doch den Lehrern auf und so kämpfte sich eine hochrote Professor McGonnagal durch die Schülermenge und rief dabei entzürnt: „Was soll das denn hier? Ich verbiete mir diesen Lärm! Potter, Black, sie beide folgen mir sofort in mein Büro!“
Sirius stoppte kurz zu lachen und erwiderte dagegen: „Aber Professor, er hat angefangen! Außerdem haben wir doch schon Nachsitzen diese Woche!“
Die Professorin sah ihn erstaunt an und fragte ihn: „Achja, bei wem denn, wenn ich fragen darf?“
James grinste die Verwandlungslehrerin an und antwortete ihr: „Na, bei ihnen! Eine Woche lang, wissen sie noch?!“
Er sah die Professorin grinsend an, die darauf nur schnell sagte: „Ob ich das noch-?! Natürlich, weiß ich das noch! Erlauben sie sich nicht zu viel, Potter, oder es werden zwei Wochen daraus! Na gut, dann werde ich sie heute noch einmal davon kommen lassen, aber ich möchte nicht, dass sie in den nächsten Tagen irgendwie auffallen, ist das klar?!“
Sirius und James nickten und meinten gleichzeitig: „Glasklar, Professor!“
Die Angesprochene nickte zufrieden und sagte zu dem am Boden lachenden Severus Snape: „Nun hören sie schon auf zu lachen, Mr. Snape! Finite!“
Sie richtete ihren Zauberstab auf den Slytherin, worauf dieser nun erschöpft auf dem Boden lag und schnell atmend versuchte wieder aufzustehen.
Als der schwarzhaarige Slytherin schwerfällig aufgestanden war, sah er noch einmal in Richtung der Professorin, die nun schnellen Schrittes davonging, und zischte dann wütend: „Das werdet ihr mir noch büßen!“
James und Sirius sahen einander an und begannen zu grinsen.
„Schniefelus, wie wir ja gerade gesehen haben, lassen deine Duellierfähigkeiten schwer zu wünschen übrig. Also nimm’s uns nicht übel, wenn wir jetzt nicht vor Angst schlottern.“, erklärte Sirius grinsend, worauf Snape nur erwiderte: „Wir machen euch fertig!“
Daraufhin meinte Sirius: „Deine Freunde haben dir gerade eben auch nicht geholfen. Wieso sollten sie es also auf einmal tun?!“
James sah dem schwarzhaarigen Slytherin zu wie er den Mund auf und wieder zu machte, anscheinend versucht etwas zu sagen, aber letztendlich nur zu seinen Freunden ging und zu ihnen sprach: „Kommt! Wir gehen.“
Die bulligen Slytherins folgten ihm, obwohl manche von ihnen wohl mit dieser Ansage nicht einverstanden waren, ihren verärgerten Mienen zufolge.
James und Sirius grinsten sich an und der Bebrillte sagte zu seinem Freund, während sich um sie herum die Zuschauermenge auflöste: „Danke, dass du gekommen bist, Tatze.“
Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern und erwiderte wegwerfend: „Kein Ding, Krone.“
James nickte nur und legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter, während er sagte: „Ich weiß, dass das schwer für dich ist. Dich gegen deine Familie zu wenden, gegen deinen Bruder - Ich wüsste nicht, was ich machen würde.“
Sirius nickte und murmelte aber: „Meine Eltern sind mir egal, nur um meinen Bruder tut es mir leid, weil er jetzt mit meiner alten Hexe von Mutter und meinem Griesgram von Vater allein zuhause ist. Aber ihm hat das alles noch nie so viel ausgemacht wie mir: Dieser ganze Reinblutwahn, die Morde, diese Verachtung von Muggelgeborenen - Das ist nichts für mich. Ich hoffe, er entscheidet sich richtig.“
Er sah seinen Freund besorgt an und seufzte.
James gab ihm einen Klaps auf die Schulter und munterte ihn auf: „Er wird sich richtig entscheiden. Glaub mir, Tatze.“
Sirius nickte und fing wieder an zu grinsen, als er sagte: „Na komm, wir müssen langsam mal hoch, sonst bekommen wir am Montag noch eine Ansprache von McGonnagal, weil wir die Hausaufgaben nicht haben!“
Er ging zu den Treppen und fing an zum Gemeinschaftsraum zu gehen, während ihm ein missmutiger James folgte, der die ganze Zeit vor sich hin murmelte.
Sirius meinte manchmal Wörter raus hören zu können wie „Keine Lust“ oder aber „Remus abschreiben“, worauf er nach hinten zu seinem Freund rief: „Remus lässt uns nicht mehr abschreiben, das weißt du doch! Seit wir vorletztes Jahr einmal seine Verwandlungshausaufgaben aus Versehen in den Kamin geworfen haben, leiht er uns nicht einmal mehr seine Feder.“
Hinter ihm gab James ein Schnauben von sich, aber er klang schon einlenkender.
„Na schön, machen wir halt Hausaufgaben, aber Zauberkunst ist total schwer!“, erinnerte der Brillenträger seinen besten Freund, der sich geschockt zu ihm umdrehte und ungläubig fragte: „Haben wir da denn etwas auf?!“
James nickte und nun sagte Sirius etwas, worauf James ihn mit offenem Mund ansah, nämlich: „Frag doch Evans mal, ob sie uns ihren Aufsatz gibt!“
„Lily würde uns nicht einmal ihre Radiergummifussel geben! Sie hasst uns!“, wehrte James die Aussage außerdem ab, worauf Sirius kopfschüttelnd die Hand hob und ihn berichtigte: „Nein, sie hasst dich. Warum sollte sie mich hassen?!“
Der Angesprochene erklärte ihm traurig: „Naja, vielleicht, weil du ständig Mädchen abschleppst und sie dann wieder wegwirfst wie alte Socken.“
Sie gingen weiter und Sirius schien über James‘ Erklärung nachzudenken. Als sie vor dem Portrait vom Gryffindorturm stehen blieben, sagte Sirius: „Klingt einleuchtend.“
James nickte und trat mit einem „Alraune!“ zur Fetten Dame in den Gemeinschaftsraum ein, wobei Sirius ihm auf dem Fuße folgte.
Der Gemeinschaftsraum war ziemlich voll, da alle Gryffindors die meiste Zeit am Wochenende dort verbrachten, vor allem wenn es draußen kälter wurde. James und Sirius fanden schnell Remus und Peter, die in einer Ecke saßen und lernten.
„Hey, Moony, könntest du uns vielleicht mal zeigen, was du in Verwandlung geschrieben hast? Wir kommen da gerade nicht weiter.“, fragte Sirius und setzte hoffnungsvoll seinen Hundeblick auf, der aber anscheinend bei Remus nicht funktionierte, da dieser ohne von seiner Lektüre aufzublicken antwortete: „Nein, wir wissen doch alle drei sehr gut, was das letzte Mal passiert ist, als ich euch meine Hausaufgaben ausgeliehen habe. – Genau, sie sind zu Asche geworden und McGonnagal hat mich dafür nachsitzen lassen. Das war das erste und das letzte Mal, dass ich das gemacht habe.“
Er blätterte die Seite um und las weiter, während Sirius ihn enttäuscht ansah. James zuckte nur mit den Schultern und murmelte so etwas wie „Ich hab’s dir doch gesagt!“, während er sich in einem Sessel niederließ und sich umsah.
Sirius betrachtete in grinsend und raunte ihm zu: „Na, auf der Suche nach Evans?!“
„Ja, wo ist sie denn nur?!“, fragte James ihn verzweifelt, worauf Sirius angesichts seiner gestressten Miene lachte und nur wegwerfend meinte: „Ist doch jetzt egal. Komm, lass uns noch eine Partie Zauberschach spielen, bevor du uns wieder auf dem Quidditchfeld herum jagst.“
James blickte strafend zu seinem besten Freund und sagte nur missmutig: „Na gut, aber was ist - was ist, wenn ihr was passiert ist?!“
Sirius lachte weiter, doch Remus, der sich bei Sirius‘ Lachen anscheinend nicht mehr auf sein Buch konzentrieren konnte, mischte sich nun auch ein, indem er auf James‘ Frage antwortete: „Ihr ist nichts passiert. Sie ist nach oben in ihren Schlafsaal gegangen, weil sie wegen irgendwas wütend war.“
Dabei sah er James durchdringend an und erinnerte ihn lehrerhaft: „Ich habe dir doch gesagt, dass du sie erst mal nicht mehr nach einem Date fragen sollst! James, wieso-“
„-Ich hab gar nichts gemacht, okay?! Sie hat überreagiert.“, unterbrach ihn James frustriert, wobei er seine Stimme senkte, da gerade Melody herüber gekommen war und sich nun mit Sirius unterhielt.
„Hey, Sirius.“, begann sie, worauf Sirius sie grinsend musterte.
Wenigstens sah sie hübsch aus, auch wenn man das von ihrem Intelligenzquotienten nicht sagen konnte. Aber vielleicht konnte man sich sowas ja auch schön küssen mit der Zeit.
„Hi, Süße. Kommst du später nochmal vorbei? Krone und ich müssen noch etwas besprechen wegen Quidditch.“, bat er die Blonde und drückte ihr einen Kuss auf den Mund, worauf diese nur überrascht nicken und davongehen konnte.
Sirius sah ihr grinsend nach, spürte jedoch nicht die zweifelnden Blicke seiner Freunde. Remus seufzte erschöpft auf und schüttelte den Kopf, Peter sah der Blonden hinterher und fragte sich seinem Gesichtsausdruck zufolge wohl gerade ‚Was hat er, was ich nicht habe?‘ und James blickte Sirius an und sagte ernst: „Bitte, tu ihr nicht weh!“
Daraufhin wurde er von seinen drei Freunden erstaunt angesehen und der Schwarzhaarige fragte seinen bebrillten Freund: „Wieso sollte ich ihr wehtun?“
Der Potter entgegnete nur in einem Tonfall als wäre die Antwort offensichtlich: „Natürlich, bemerkst du das nicht, aber du verletzt Mädchen, indem du ständig mit ihnen Schluss machst. Außerdem: Melody ist eine von Lilys besten Freundinnen, also fällt das dann nur wieder auf mich zurück, wenn es ihr schlecht geht.“
Der Angesprochene stöhnte genervt, sagte mit einer Hand an der Stirn, als müsste er sich den Kopf halten, so etwas wie „Ich wusste, das hängt wieder mit Evans zusammen“ und stand auf, um ihre Besen zu holen, da er bemerkt hatte, dass es schon Zeit für das Quidditchtraining war.
Als er wieder im Gemeinschaftsraum war, schrie James quer durch den Raum: „Hey Jules! In 10 Minuten will ich dich auf dem Quidditchfeld sehen.“
Die Angesprochene, die noch nicht einmal umgezogen war, nickte nur, als ob das kein Problem für sie wäre, und rief bestätigend zurück: „Okay, Käpt’n!“
James grinste ihr noch im Vorbeigehen zu und widmete Lily ein Lächeln, während Sirius ihn durch das Porträtloch schob.
„Ich geh ja schon!“, meinte James, hielt sich am Geländer der Treppe fest, die er beinahe runtergefallen war, und stieg sie hinab.
Sirius hinter ihm lachte bellend und tat es ihm gleich. Unten angekommen wanderten die beiden über die Felder zu den Türmen des Quidditchfeldes. Auf einmal wandte sich Sirius grinsend an James und mit einem „Wer als letzter da ist, ist ein stinkender Gartengnom!“ flitzte er schnell in Richtung Gryffindorumkleide davon, während der Bebrillte flink seinen Besen schulterte und ihm mit den Worten „Na warte, du Hund!“ nachlief. Trotzdem war Sirius als Erster bei der Umkleide, musste aber auf James warten, da er das Passwort zum Raum hatte. Nachdem dieser schwer atmend bei seinem Freund eingetroffen war, öffnete er die Tür mit einem „Wronski-Bluff“ und die beiden zogen sich um, wobei in den nächsten Minuten die anderen Spieler nacheinander eintrudelten. Der Kapitän der Gryffindorquidditchmannschaft zählte durch, musste aber zu seiner Unzufriedenheit feststellen, dass jemand fehlte.
Gerade als er in den Raum schreien wollte, um nachzufragen, wer denn hier die Uhrzeit nicht lesen konnte, raunte Sirius ihm zu: „Hey, wo ist denn Bloom? Ich dachte, du hättest ihr Bescheid gesagt, wann-“
„Hab ich auch!“, erwiderte James genervt und schrie lauter: „Mann, wo bleibt die nur?!“
Die neue Treiberin Lara Dixon schaute verwirrt von ihrem Besen auf, den sie gerade polierte, und stellte ihm eine Gegenfrage: „Wo bleibt wer?“
Sirius lachte und zwinkerte der schwarzhaarigen Treiberin zu, die nun ihn fragend ansah, was ihn endlich dazu veranlasste ihr zu antworten: „Bloom. Die kleine Braunhaarige, die Jägerin ist. Klingelt es?“
Das Mädchen nickte, verbesserte ihn aber: „Du meinst Julia?“
Der Angesprochene nickte widerwillig, während James aufseufzte.
„Das Warten bringt doch nichts. Wir fangen ohne sie an. Kommt, Männer-“, sagte er und ging seiner Mannschaft voran aus der Umkleide, wobei Sirius hinter seinem Rücken noch etwas hinzu setzte: „-und natürlich Frauen!“
Die beiden Mädchen kicherten, wobei James vor ihnen murmelte: „Womit hab ich das nur verdient?!“
Draußen angekommen, sah James hoch und zu seiner Verwunderung und Verärgerung erblickte er eine Gestalt, die oben ihre Runden auf ihrem Besen zog.
Dass es hier noch mit rechten Dingen zu ging, bezweifelte er sehr. Erst hatte er Ärger mit Lily, dann bekam er es mit Snape und seinen halbstarken Freunden zu tun und jetzt machte sich anscheinend jemand einen Spaß daraus, ihm das Quidditchtraining zu versauen.
Er stieg wütend auf seinen Besen und brüllte dabei los: „Was fällt dir ein jetzt auf dem Quidditchfeld zu sein? Die Gryffindors trainieren jetzt!“
Die Gestalt über ihm stoppte und blieb in der Luft schweben. Ein feiger Slytherin hätte jetzt den Abflug gemacht.
Eine Antwort folgte sofort: „Ich weiß, deswegen bin ich ja hier, James!“
Ein Lachen ertönte und nun erkannte er endlich, wer die Fliegerin war. Es war Julia Bloom, die grinsend auf ihrem Besen saß und ihm zuwinkte. Diese Erkenntnis traf James, aber sein Zorn ließ sich trotzdem nicht mehr stoppen: „Du bist zu spät!“
Das Mädchen sah mit blitzenden Augen zu ihm und entgegnete: „Ich kann auch wieder gehen, wenn du willst. Ich will aber sehen, wie du mit denen da unten -“, sie nickte zu dem Rest der Mannschaft, die nun alle zu ihnen hinauf blickten, „-allein zu recht kommst.“
James sah sie lange ernst an, sagte aber nichts, sondern drehte sich um und rief ihr im Wegfliegen zu: „Komm nicht nochmal zu spät!“
Das Mädchen grinste und beeilte sich zu ihm aufzuschließen, da das Training nun begann. Als sie fertig waren, war das Licht in der Großen Halle schon von weitem zu erkennen und die Essensgeräusche von Hunderten von Schülern hallte durch das Schlossportal zu ihnen leise hinüber, was vor allem Sirius und James dazu brachte, sich wie der Blitz umzuziehen und zu verschwinden.
In der Halle saßen bereits ihre restlichen Mitschüler und sie setzten sich schnell zu ihnen, bevor das Abendessen von dem Nachtisch abgelöst werden konnte. Jules ließ sich gerade neben Lily auf die Bank fallen, als der Kartoffelbrei vor ihr verschwand und ein cremiger Schokoladenpudding nun auf seinem Platz war.
„Nein!“, rief sie nur laut, was mit lautem Gelächter um sie herum quittiert wurde, jedoch schob ihr Lily daraufhin nur ihren Teller hin, auf dem noch etwas Essen lag.
„Hier, iss! Ich hab sowieso mehr Hunger auf Wackelpudding. Der sieht heute besonders gut aus, finde ich.“, sagte die Rothaarige gutmütig, worauf sie eine fest Umarmung von Jules bekam, die sofort anfing den Teller leer zu essen. Lily sah kopfschüttelnd zu ihrer Freundin und tat sich etwas von dem grünen Wackelpudding auf.
Plötzlich drangen aus all den Essgeräuschen die Stimmen von James und Sirius herüber zu ihnen und Jules fragte Lily, nachdem sie heruntergeschluckt hatte: „Willst du wirklich die ganze Arbeit der Schulsprecher alleine machen? Ist das nicht ein bisschen viel, ich meine, die Arbeit ist ja nicht ohne Grund für zwei?“
Die Angesprochene stocherte ein wenig in ihrem Wackelpudding herum, bevor sie antwortete: „Ja, will ich. Besser alleine, als mit Potter. Der wäre mir sowieso nur ein Klotz am Bein. Außerdem hab ich ja dich!“
Sie schielte zu ihrer Freundin hinüber, die sie mit einem entgeisterten Blick musterte. Die Braunhaarige deutete mit ungläubigem Blick mit dem Zeigefinger auf sich selbst und wiederholte geschockt: „Mich?! Lily, bei aller Liebe, aber ich weiß nicht genau, ob ich dir da helfen kann. Ich hinke schon wieder bei den Hausaufgaben hinterher und in Geschichte der Zauberei verstehe ich schon jetzt nichts mehr! Außerdem hab ich auch noch James, der mir im Nacken sitzt und vermutlich sein Henkerbeil auspackt, wenn ich nicht zum nächsten Training erscheine, und McGonnagal, die ihre Adleraugen in mich bohren wird und mich in ein Nadelkissen verwandelt, wenn ich in den nächsten Wochen irgendwas falsch mache! Tut mir leid, Lils, aber ich weiß nicht genau, ob ich da auch noch Zeit für Schulsprechertreffen habe.“
Die Rothaarige sah geknickt aus, was Jules zu der entscheidenden Frage veranlasste: „Wieso gehst du nicht einfach zu James und sagst ihm, dass er dir doch helfen soll?“
Lily schüttelte energisch den Kopf und fuchtelte wild mit den Händen, während sie ihre Freundin zu recht wies: „Nein, auf gar keinen Fall! Da mach ich mich ja total lächerlich. Das klingt ja so als ob - ich seine Hilfe bräuchte! Ich benötige aber keinen James Potter, um den Ball vorzubereiten, den Dumbledore angeordnet hat, die Patrouillen zu machen, die Passwörter zu ändern und – und - und-!“, sie seufzte leise und murmelte kaum hörbar: „Wie soll ich das alles alleine nur schaffen?!“
Jules wusste nicht, ob die Frage an sie oder aber an Lily selbst gerichtet war, legte ihrer geknickten Freundin aber den Arm um die Schulter und flüsterte leise: „Frag ihn. Er hilft dir. So schlimm ist er wirklich nicht. Weißt du noch letztens? Da hast du dich doch gut mit ihm unterhalten! Na komm schon, Lils. Frag ihn, bitte, ich halte es nicht aus, dich so fertig zu sehen! Bitte, Lils!“
Die Rothaarige seufzte noch einmal und nickte schließlich. Nachdem Jules sich davon überzeugt hatte, dass ihre Freundin sich wieder beruhigt hatte, aßen sie nebeneinander zu Ende und standen auf, um nach diesem anstrengenden Tag endlich in ihre weichen Federbetten zu kommen. Wenig später lagen sie alle friedlich schlafend in ihren Schlafsälen, wobei die Nacht bei den Jungs gelegentlich durch ein lautes Schnarchen von Sirius oder aber ein gemurmeltes „Lily“ von James unterbrochen wurde.
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