
von Kathi Weasley
Am nächsten Morgen schlurften die Siebtklässler müde hinunter zum Frühstück, da, obwohl erst eine Woche Schule war, alle ziemlich geschlaucht waren. Nachdem sie sich alle gestärkt hatten, gingen sie gemächlich über das Hogwartsgelände, da ihre nächste Stunde bei Prof. Kesselbrand stattfand. Die begrüßte sie relativ forsch und legte sofort mit dem Unterricht los. Wie abgesprochen arbeiteten Jules, Lily und Alice mit Annabeth zusammen, während Melody sich zu Sirius gesellte.
Sie arbeiteten eine Weile still mit denen ihnen zur Verfügung stehenden Tieren, als Jules Annabeth leise fragte, was sie sich schon die ganze Zeit über gefragt hatte: „Wieso hast du eigentlich vorher nie so richtig was mit uns gemacht?“
Die Angesprochene sah sie hin und hergerissen an, antwortete aber schließlich: „Naja - ich wollte mich keinem aufdrängen. Ich bin eher schüchtern, weißt du, und deswegen fällt es mir auch etwas - schwer, auf andere zuzugehen.“
Die drei Mädchen hörten ihr aufmerksam zu und Lily, die Einfühlsamste von ihnen, sagte sanft: „Wir haben nichts dagegen, wenn du ab jetzt öfter was zusammen mit uns unternimmst. Es ist echt lustig mit uns!“
Annabeth lächelte glücklich und ließ zu, dass Lily sie in den Arm nahm.
Jules tat es ihr nach, genauso wie Alice, und fragte Annabeth dann: „Aber wenn du jetzt zu uns gehörst, brauchst du unbedingt einen Spitznamen! Sei mir nicht böse, dein Name ist echt schön, aber etwas lang - Wie wär’s mit Annie? Oder doch Beth? Was denkst du?“
Annabeth lachte ein glockenhelles Lachen und meinte, dass die beiden Spitznamen schon okay seien und sie sich einen aussuchen könne.
„Okay, dann, Annie, hab ich nur noch eine Frage an dich. Sie ist eigentlich die Wichtigste. Pass auf: Magst du Black?“, fragte Jules, worauf ihre Freundinnen lachten und Annabeth nur grinsend den Kopf schüttelte. „Du bist dabei!“
Sie umarmte ihre neue Freundin noch einmal, was jedoch nun endlich die Aufmerksamkeit von Prof. Kesselbrand erregte, denn sie wurden daraufhin nur harsch von ihr zu recht gewiesen: „Jetzt aber hopp-hopp! Sie haben ja noch nicht mal richtig angefangen! Mir scheint hier wird zu viel getratscht und zu wenig gearbeitet! An die Arbeit, sonst werde ich ihr gemütliches Kaffeekränzchen auseinander reißen. Diese Gruppe dort drüben bietet sich zum Tausch an.“
Die Mädchen sahen in die gedeutete Richtung zu – Überraschung! – den Rumtreibern und Melody, die gerade herzlich lachten und zwar nicht über ihr Pflegetier, das sich gerade im Matsch wälzte. Die Mädchen drehten sich genervt weg von ihnen und kümmerte sich den Rest der Stunde gehorsam um ihr magisches Geschöpf.
Danach gingen sie zu ihren nächsten Stunden und verbrachten so einen weiteren lustigen und anstrengenden Tag im Unterricht.
Am Abend war es letztendlich aber trotzdem wieder Zeit für Jules, James und Sirius zum Nachsitzen anzutreten. Dafür führte Prof. McGonnagal sie wieder in das Pokalzimmer, damit sie ihre Arbeit fortsetzen konnten – die staubigen Pokale waren unendlich viele.
Als sie mal wieder einen besonders staubigen Pokal säuberte, fragte sie sich ernsthaft, ob Filch denn jemals überhaupt einen Staublappen in die Hand genommen hatte oder nur die Beine in seinem Büro bei einer Tasse Kaffee hoch legte. Sie schrubbte ewig bis die Aufschrift auf dem Pokal endlich wieder sichtbar wurde.
Diese lautete:
POKAL für
Tom Vorlost Riddle
Für besondere Verdienste um das Wohl der Schule
Während sie das eingravierte Hauswappen sichtbar machte, zuckte sie unwissend mit den Schultern. Der Name des Schülers kam ihr unbekannt vor.
Slytherin
Sie schnaubte ungläubig. Dass ein Slytherin sich für die Schule einsetzen konnte, war ihr vollkommen neu. James sah gelangweilt zu ihr, während er seinen Pokal so heftig schrubbte, als ob er eine Wunderlampe wäre.
„Was hast du denn da für einen? Meiner ist so verdreckt, als ob ihn jemand in Dreck geschmissen hätte!“, beschwerte er sich lautstark, was sie schmunzeln ließ. Sie stellte den Pokal in die dafür vorgesehene Vitrine und ging zu ihrem besten Freund rüber.
„Lass mal sehen.“, forderte sie ihn auf, worauf sie einen bräunlichen Pokal hingehalten bekam, der über und über mit Schmutz bedeckt war.
Jules lachte laut los, wurde jedoch sofort wieder still, als sie Sirius sah, der, an die Wand gelehnt, schlief.
„Ich glaub, ich spinne! Wir rackern uns hier ab und er-! Er sitzt da und schläft! Ich meine: Wieso?!“, entrüstete Jules sich und stapfte wie eine Fünfjährige mit dem Fuß auf.
James zuckte nur mit Schultern, um seine Freundin nicht wütender zu machen, aber man sah ihm deutlich an, dass er nur zu gern los gelacht hätte. Um keinen Streit heraufzubeschwören, sagte er deshalb beruhigend zu Jules: „Lass ihn doch. Er ist eben müde.“
Das Mädchen sah ihn ironisch an und meinte: „Echt?! Das hätte ich jetzt nicht gedacht! – Sag mal, kann er sich denn nicht einmal normal benehmen?“
James, der nun wirklich genervt war von der – seiner Meinung nach – Überreaktion von Jules, verteidigte Sirius: „Aber er macht doch gar nichts!“
Jules schlug sich mit der Hand an den Kopf und widersprach: „Aber genau das ist es doch! Er macht nichts und wir müssen alles machen! Dieser – dieser - dieser Nichtstuer!“ Sie sah James wütend an, was diesen zum Lachen brachte.
Jedoch fiel schon bald eine zweite Stimme in sein Lachen ein, denn Sirius, der ihnen anscheinend zugehört hatte, konnte sich nun nicht mehr zurückhalten.
„Du solltest dich mal selbst sehen!“, prustete er und hielt sich den Bauch, während er bellend weiter lachte. „Das war wirklich zu süß -“
Jules starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an und stotterte schließlich: „Ich - Du bist wirklich - Das ist echt - BLACK! Ich bin nicht süß! Und jetzt hör gefälligst auf zu lachen!“
Das brachte Sirius jedoch nur dazu noch lauter zu lachen.
Jules wandte sich daraufhin mit einem bösen Blick zu James, der sofort sein Lachen stoppte und mit entschuldigender Miene zu ihr sah. Diese deutete mit dem Finger auf Sirius und fauchte zu ihrem besten Freund: „Jetzt mach was!“
James nickte nur geschäftig und ging zu Sirius, um ihm eine Kopfnuss zu verpassen.
„Tatze, hör auf! Wenn Melody vorbei läuft, wird sie noch denken bei dir sind nicht mehr alle Nadeln an der Tanne!“, meinte er zu seinem besten Freund, worauf Sirius sofort ruhig wurde.
„Aber du musst zugeben, dass sie eben ziemlich süß war! Hast du gesehen, wie sie aufgestampft hat?“, ließ er trotzdem nicht locker, weil er genau wusste, dass Jules das nur noch wütender machte. James grinste und nickte.
Jules bedachte sie mit noch einem bösen Blick und murmelte: „Ihr seid doch beide Banane.“
Das brachte die beiden Rumtreiber wieder zum Lachen, was anscheinend ziemlich laut war, denn plötzlich ging die Tür auf und kein anderer als Prof. McGonnagal stand in ihr. Sie sah äußerst mürrisch zu den Dreien und rügte sie: „Jetzt reicht es aber! Ich bitte um ein bisschen weiniger Gelächter und etwas mehr Arbeit! Mr. Potter, säubern sie sofort diesen Pokal! Ich habe sie hierher geschickt, um sie zu reinigen und nicht, damit sie sie noch dreckiger machen! Ich wette, sie haben sich davor nicht die Hände gewaschen.“
Sie sah James anklagend an, der nun etwas herumdruckste und irgendetwas wie „Doch nicht gleich so rumbrüllen“ murmelte.
Prof McGonnagal fuhr nun weiter mit ihrer Anklage fort: „Das dachte ich mir schon. Mr. Black, nehmen sie Haltung an und lümmeln sie sich nicht so in die Ecke! Ach und Ms. Bloom, ich hätte von ihnen etwas mehr erwartet, dass sie diese beiden in Zaum halten. So – ich denke, sie können für heute gehen. Aber morgen sehe ich sie wieder hier und diesmal bitte mit etwas mehr Elan!“
Sie sah sie nacheinander mit zusammengekniffenen Augen an, worauf sie alle gehorsam nickten und durch die Tür in das große Schloss verschwanden.
Als sie oben in ihrem Gemeinschaftsraum waren, halfen ihnen ihre Freunde noch schnell bei den Hausaufgaben, damit sie sich ins Bett legen konnten. Kaputt und schläfrig machten sie sich bettfertig und schon bald hörte man die ersten ruhigen Atemzüge von einschlafenden Siebtklässlern und Siebtklässlerinnen.
Am nächsten Tag wachte James früh mit dem Gedanken an sein abendliches Treffen mit Lily auf und weckte somit auch gleich die anderen Rumtreiber. Sirius, der morgens schwer aus dem Bett kam, wurde von einem Wasserstrahl aus Remus‘ Zauberstab geweckt, was seine Stimmung nicht gerade hob.
Sofort wetterte er los: „Was soll das, Moony? Jetzt ist meine Frisur voll im Eimer! Es will ja nicht jeder so aussehen wie Krone.“
Dieser schaute ihn daraufhin unsicher an und wuschelte sich durch das ohnehin schon unordentliche Haar.
„Du weißt genau, dass die sich nicht anders legen, Tatze. Außerdem sieht es doch SO schlimm nun auch wieder nicht aus. – Oder, Moony?!“, rechtfertigte sich James nun und sah Hilfe suchend zu Remus, der eifrig nickte und sofort bekräftigte, dass James‘ Haare wirklich okay aussahen.
Sirius, der nach der Aktion, eben immer noch etwas verstimmt war, ging mürrisch ins Bad und zog sich an.
Als sie alle fertig angezogen waren, gingen sie hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo sie auf Frank und Alice trafen, die sich gerade strahlend begrüßten.
„Hey, Alice.“, sagte Frank gerade, als die Rumtreiber an ihm vorbei gingen.
Alice sah mit strahlenden blauen Augen zu ihm auf und erwiderte glücklich: „Hey, Frank.“
Sie umarmten sich und folgten danach den vier Jungs zum Frühstück.
Die restlichen Siebtklässlerinnen saßen schon dort, als sie ankamen, woraufhin sich Alice kurzzeitig von Frank verabschiedete, um zu ihren Freundinnen zu gehen.
„Hallo, Leute! Ist heute nicht ein wundervoller Tag?“, begrüßte sie die Mädchen, die sie größtenteils nur müde anschauten, als ob sie ihre gute Laune für übertrieben hielten.
Jules antwortete ihrer Freundin, nach einem getauschten Blick mit Lily, grinsend: „Kommt drauf an. Wenn du strömenden Regen als wundervoll erachtest, dann schon.“
Annabeth, die auch bei ihnen saß, lachte, während Alice nur weiter lächelte und mit einer ausschweifenden Bewegung mit den Armen erwiderte: „Ja, Regen ist doch toll! Die Blumen werden gegossen und die Luft ist so frisch danach! Es ist einfach wundervoll!“
Sie seufzte und ihre Augen zuckten zu dem Longbottom, der sich gerade bei den Rumtreibern sein Marmeladenbrötchen einverleibte. Ihre Freundinnen sahen sich an und prusteten daraufhin gleichzeitig los, was einen Milchschauer auf Alice regnen ließ, die sofort lauthals „Ih!“ loskreischte. Alice sprang von der Bank auf und floh zu Frank, der schon besorgt zu ihr sah. Annabeth und Jules klatschten sich lachend ab und widmeten sich wieder ihrem Frühstück, bevor sie zu ihrer ersten Unterrichtsstunde aufbrachen.
Lily, Annabeth und Jules machten sich schwatzend auf den Weg in den Keller, um Prof. Slughorns Unterricht beizuwohnen. Angespornt von Lily, die unbedingt als Erste dort sein wollte, sprinteten sie die restlichen Treppen hinunter und schließlich musste sich Julia Bloom an dem Treppengeländer der Kellertreppe abstützen, um schwer atmend zu Luft zu kommen.
„Auszeit!“, schnaufte sie und hielt sich die Seite.
„Aber wir sind doch gleich da.“, rechtfertigte Lily sich und deutete auf eine 10m entfernte Tür, die schon geöffnet war und das Lachen ihres schnurrbärtigen Professors heraustrug. „Professor Slughorn ist sogar schon da! Komm schon!“
Sie zog ihre sich sträubenden Freundinnen mit sich und trat in den von Rauch erfüllten Raum. Horace Slughorn empfing sie schon, schickte sie aber sofort wieder weg.
„Gehen sie, meine Lieben, gehen sie! Der Unterricht heute fällt aus. Eine Erstklässlerin hat ihren Trank zum Explodieren gebracht.“, sagte er und sah Lily nickend an, die nun eilig aus dem Raum verschwand. So hatten sie also zwei Freistunden und waren noch recht ausgeruht, als sie zu ihrem nächsten Unterrichtsfach mussten.
Lily, die noch zu Prof. Dumbledore berufen worden war, beauftragte Annabeth und Jules sie bei dem Professor für Muggelkunde zu entschuldigen. Sie erklärten sich einverstanden und verschwanden lachend zu ihrem Unterricht.
Als sie gerade mal eine halbe Stunden über die Medien der Muggel gesprochen hatten, traf Lily schon gehetzt im Klassenzimmer ein und setzte sich schnell auf ihren Platz.
„Und was wollte Dumbledore?“, fragte Jules leise, während sie die Überschrift Der Fernseher von der Tafel abgeschrieben hatte.
Danach legte sie ihre Feder weg und sah Lily abwartend an, welche nur kurz antwortete: „Er wollte mich nur daran erinnern, den Ball für Halloween mit Potter vorzubereiten.“
„Achso.“, entgegnete ihre Freundin und wandte sich wieder dem Professor zu, der nun wieder mit einem Zauberschwung den Rest des Stundeneintrags an die Tafel zauberte.
Annabeth fand die Nachricht von einem Ball jedoch schon viel interessanter, denn sie flüsterte aufgeregt zu Lily: „Ein Ball?! Das ist ja toll!“
Sie bekam glitzernde Augen und lächelte und Jules fragte sich gedanklich, warum sie das so selten tat. Verstört sah Lily zu ihrer neuen Freundin und meinte verstört: „Findest du? Also ich denke, das ist vollkommen überflüssig. Die Siebtklässler werden doch sowieso nicht kommen, weil alle für ihre UTZ-Prüfungen lernen wollen. Im Oktober sind es nur noch ein paar Monate! Ich hab bis jetzt nur die ersten fünf Schuljahre wiederholt! Ich muss dringend anfangen.“
Jules sah Lily mit offenem Mund an und entgegnete gespielt bestürzt: „Oh bei Merlin, ich hab noch gar nicht angefangen! Und es sind ja nur noch - ungefähr sieben Monate bis zu den Prüfungen!“
Sie grinste und haute Lily spielerisch auf die Schulter, die sich sofort die Stelle rieb.
„Komm mal wieder runter, Lils! Du hast noch genug Zeit! – Bei dem Ball bin ich allerdings in gewisser Weise deiner Meinung. Bälle sind wirklich etwas komisch.“, fuhr sie fort und schrieb von der Tafel das Angeschriebene ab.
Annabeth tat es ihr gleich, fragte aber gleich weiter Lily nach dem Ball aus: „Wisst ihr schon, ob es auch ein Motto gibt? Haben schon welche Partner? Hoffentlich hat er noch niemanden mit dem er-“
„Wer hat noch niemanden?“, fragten Lily und Jules gleichzeitig und sahen beide neugierig grinsend zu Annabeth, die nun beschämt auf den Tisch schaute und murmelte: „Niemand.“
Jules schaute sie ungläubig an und fragte mit ironischer Stimme: „Könntest du diesen Niemand vielleicht genauer präzisieren? Wie wär’s mit seinem Namen?“
Annabeth schüttelte schnell und hektisch den Kopf und sah zu ihrem Muggelkundeprofessor, der gerade lebhaft das Aussehen eines Fernsehers beschrieb, als ob sie Hilfe von ihm erwartete. Dabei warf sie in ihrer Zerstreutheit ihre Mitschriften vom Tisch und war so eine Weile damit beschäftigt, ihre herum kullernden Sachen aufzuheben. Lily und Jules sahen sich mit einem Wir-kommen-darauf-nochmal-zurück-Blick an und hörten ihrem Professor zu, der auf ihre Unaufmerksamkeit nun aufmerksam geworden war.
„Nun aber wirklich! Passen sie doch bitte auf oder unterhalten sie sich wenigstens so, dass ich es nicht gleich merke!“, sagte er, jedoch mit gutmütiger Miene, die seine Zurechtweisung gleich viel milder wirken ließ. Sie nickten alle drei und passten nun besser auf, besonders Lily, die nun anscheinend Schuldgefühle wegen ihrem Rüffler bekommen hatte. Annabeth saß den Rest des Muggelkundeunterrichts still auf ihrem Platz und sah aus dem Fenster, während die Gespräche über den Fernseher ohne sie weiter liefen.
Sie kaute nachdenklich auf ihrer Feder herum. Wenn Remus Lupin wüsste, dass sie gerade von ihm gesprochen hatte, dann wäre das der Grund für sie ins Ausland zu aus zu wandern oder aber im Boden zu versinken. Beide Möglichkeiten waren ziemlich respektabel im Angesicht der Umstände. Jedoch war sie froh, dass er nicht über ihren Fauxpas eben Bescheid wusste. Er war schließlich so nett und freundlich. Sie wollte in seiner Gegenwart fast einen Knicks machen, da sie das Gefühl hatte, nur so seinem Verhalten ebenfalls gerecht zu werden. Verständlicherweise unterdrückte sie dieses Gefühl stetig. Denn wie blöd würde sie denn ansonsten aussehen? Sie seufzte leise, wurde aber von der Schulklingel, die den Stundenwechsel ankündigte, unterbrochen und machte sich auf den Weg zu ihrem nächsten Unterricht.
Zum Glück ging die restliche Zeit zum Mittagessen relativ schnell um, deshalb konnten sie sich schnell für die übrigen Schulstunden stärken, die sich zwar hinzogen, aber auch rumgingen.
Als die Klingel zum Schulstundenende zum letzten Mal an diesem Tag ertönte, stürmte James dicht gefolgt von Sirius aus dem Klassenraum.
„Mann, das hat vielleicht gedauert! Hätte Flitwick sich nicht ein bisschen kürzer fassen können?!“, beschwerte er sich, während Sirius zustimmend nickte.
Die Beiden machten sich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum, kamen aber durch die schwatzende Schülermenge schlecht voran und wurden so schon kurz darauf von Peter und Remus eingeholt, die noch sitzengeblieben waren, um mit Prof. Flitwick zu reden – Peter wegen schlechter Leistung, Remus wegen guter.
Als sie von den drängenden Schülern hinter ihnen weiter geschoben wurden, sagte Sirius grinsend zu James: „Ist da etwa jemand nervös wegen seinem Date mit Evans?!“
James sah grinsend zu ihm, erwiderte aber nichts, aber sein Gesichtsausdruck sagte schon alles, was Sirius wissen wollte. Seinen Kumpel hatte es wirklich total erwischt.
Sirius ging kopfschüttelnd weiter, während Remus ihn in ein Gespräch verwickelte. Peter lenkte James ein wenig ab, indem er mit ihm über Quidditch redete, was für ihn eine große Leistung war, da Sport eigentlich nicht so sein Fall war.
James war die ganze Zeit bis zu seinem ersehnten Treffen mit Lily, die ihn den ganzen Tag nur mit mürrischer Miene gemustert hatte, aufgeregt und konnte sich so überhaupt nicht auf seinen Aufsatz für Slughorn konzentrieren, der leider auch noch fällig war. Ständig musste Remus ihn verbessern, wenn er auf einmal von Lilyaugen statt Käferaugen oder Lily-Potter-Blut anstelle von Salamanderblut schrieb. Zuletzt nahm er James sogar den Aufsatz mit den Worten „Ich schreibe ihn für dich fertig. Das ist ja nicht mehr mit anzusehen, was du da vor dich hin faselst!“ ab, was Sirius mit verärgertem Gesichtsausdruck aufschauen ließ.
„Moony, wenn ich auch etwas von Melody-Wurzeln schreibe, machst du meinen dann auch?!“, fragte er hoffnungsvoll, doch Remus würdigte ihn anklagend und berichtigte ihn: „Über so etwas macht man keine Witze, Tatze! Er liebt Lily schließlich wirklich.“
Bei diesen Worten musste der Werwolf schmunzeln und James selbst bekam wieder einen verklärten Gesichtsausdruck, bei dem nur noch die Herzchen in den Augen fehlten, um das Bild perfekt zu machen. Es war offensichtlich für die drei übrigen Rumtreiber, dass mit ihrem Freund erst wieder nach dem Schulsprechertreffen etwas anzufangen war.
Sirius schüttelte den Kopf und verteidigte sich nun gegen Remus‘ Aussage: „Man kann Menschen auf verschiedene Art und Weise lieben.“
Der Angesprochene stützte seinen Kopf auf der Hand auf und wandte sich dann seufzend James‘ Aufsatz zu. James selbst starrte noch eine Weile lächelnd in die Luft und merkte erst, als es fast zu spät war, dass er schon längst in den Schulsprecherräumen sein müsste.
Abgehetzt kam er letztendlich 30 Minuten nach verabredeter Zeit bei ihrem Treffpunkt an, wo ihn schon eine griesgrämige Lily Evans erwartete, die verärgert mit ihrem Fuß auf und ab tippte und ein Zitronengesicht machte.
„Potter.“, begrüßte sie ihn und man konnte förmlich ihre Zähne knirschen hören, als sie ihre vollgeschriebenen Pergamente rascheln ließ, die sie anscheinend in seiner Abwesenheit schon eifrig beschrieben hatte.
„Was ist das denn alles?“, fragte James bestürzt, als er ihre Utensilien sah.
Er ließ sich recht erschüttert auf den freien Stuhl ihr gegenüber fallen. Ergeben wartete er auf eine Antwort, die nicht schlechter für ihn hätte ausfallen können. Anscheinend zog er wirklich immer die A-Karte. Er sollte sich niemals mehr auf Kartenspiele einlassen.
„Ich war so freundlich und habe alle Sachen, die für den Ball erledigt werden müssen, zusammen geschrieben.“, fing sie an. „Das-“, fuhr sie fort und übergab ihm ein Dutzend Pergamente. „-sind deine Aufgaben. Diese hier-“, erklärte sie weiter und zeigte auf einen ungefähr gleich großen Stapel vor sich. „-sind meine. Da du nicht da warst, als wir das planen wollten, musst du dich wohl mit deiner Liste alleine auseinander setzen. Viel Spaß noch und einen schönen Abend, Potter!“, endete sie ihren Vortrag, während vor ihr nun ein schockierter Siebtklässler saß, der sie mit offenem Mund anstarrte.
James sah beunruhigt auf seine Liste und ihm stockte der Atem: SO viele Sachen für einen kleinen Ball, die er auch noch übernehmen musste. Lily verkniff sich ein Lächeln, als sie die Reaktion ihres nervigen Klassenkameraden beobachtete.
Da sie aber sein Zuspätkommen noch nicht vergessen hatte, sagte sie, während sie ihre Pergamente in ihre Umhängetasche stopfte, leichthin zu James: „Das wirst du schon schaffen. Ich hab dir schließlich extra die einfacheren Aufgabenbereiche zugeteilt!“
James, der sich in der Zwischenzeit das erste Pergament durchgelesen hatte, fragte sie verärgert: „Was soll das denn, bitte: 25. Ordentlich gekleidetes Auftreten! (Das gilt auch für dich!)? Willst du damit sagen, ich bin sonst nicht ordentlich angezogen?“ Er zeigte auf sich selbst und Lily ließ ihren Blick an ihm auf und ab wandern.
Natürlich sah er eigentlich gar nicht so schlecht angezogen aus. James Potter hatte sich nach dem Unterricht umgezogen und trug nun ein kariertes Hemd, das nicht reingesteckt war, zu einer ausgewaschenen Jeanshose, was, wie selbst Lily zugeben musste, nicht schlecht an ihm aussah. Zu dem Ganzen hatte er schon etwas mitgenommene Turnschuhe an. Lily, die ihn nun schon eine Weile betrachtet hatte, sah nun in sein Gesicht und bemerkte verärgert, dass er sie schon wieder angrinste.
Ja ja – So ein Grinsen am Abend brachte einen schon in missliche Lagen. Ein ziemlich unreimer Reim zugegeben, aber so passte es für Lily am besten. Sie schnaubte auf und fragte sich wiedermal, womit sie diesen nichtsnutzigen Proleten nur verdient hatte. Diesen zugegeben gut aussehenden nichtsnutzigen Proleten. Nichtsdestotrotz konnte sie auf dieses nervige Grinsen nur zu gut verzichten.
Sie antwortete dementsprechend fauchend: „Ja, genau das meine ich, Potter! Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich habe noch zu tun.“
Nachdem sie ihr letztes Wort beendet hatte, drehte sie sich auf dem Absatz um und ging auf die Tür zu. Gerade als sie hinaus gehen wollte, blickte sie sich noch einmal kurz um und sah verwundert, dass James immer noch auf seinem Stuhl saß und einen ziemlich verzweifelten Ausdruck im Gesicht hatte. Fast schien es ihr so, als würde er weinen.
Aber ein James Potter, der kalt wie eine Kugel Eis war, weinte sicherlich nicht. Nein. Niemals. Das konnte nicht sein. Nope.
Sie trat nun endgültig aus der Tür in die leeren Gänge des Schlosses. Die Siebtklässlerin ließ die schwere Tür geräuschvoll hinter sich zu fallen und machte sie sich langsam auf den Weg zu ihrem Gemeinschaftsraum, nichts ahnend, dass sie eine weitere Hoffnung von James Potter auf eine Beziehung zwischen ihr und ihm zunichte gemacht hatte.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel