
von Kathi Weasley
„Ich schenk dir meine Liebe und du schenkst mir dein Herz. Ohne dieses Leiden und auch den ganzen Schmerz. Oh ich bitte dich, geh auf mein Angebot ein, denn dieser Kessel voll Liebe wird nicht mehr lange heiß sein.“, erklang es aus einem Wecker im Schlafsaal der Siebtklässlerinnen und Lily saß sofort aufrecht in ihrem Bett.
Während sie sich verschlafen über die Augen rieb, erklang von einem Nebenbett ein grummelndes Geräusch und Jules‘ Kopf tauchte unter ihrer Bettdecke auf.
„Mach das auf der Stelle aus, Lily!“, fauchte sie, während ein Radiosprecher nun fröhlich bekannt gab: „Guten Morgen überall in der Zaubererwelt! Während sie nun vielleicht gerade in das Badezimmer gehen, bringen wir ein bisschen Stimmung in ihren Tag. Freuen sie sich auf-“
Jules stürzte aus ihrem Bett, stolperte zu Lilys Wecker und schlug kräftig einmal oben auf den Schalter, was den Radioreporter verstummen ließ.
Daraufhin ertönte ein Lachen und Glucksen aus den übrigen Betten im Schlafsaal und Alice stimmte zum Unmut von Jules freudig Celestina Warbecks eben gespieltes Lied an: „Ich schenk dir meine Liebe-“
„Alice!“, knurrte Jules warnend, während die Angesprochene grinsend zu ihr sah und meinte: „Was denn? Also ich find das süß.“
Jules schlug sich genervt auf die Stirn und schnappte sich grimmig ihre Anzieh- und Waschsachen, um sich im Bad fertig zu machen. Als sie die Tür zu machen konnte sie nur noch hören, wie Alice und Melody gerade wieder anfingen zu singen.
Nachdem Jules das Bad wieder einigermaßen beruhigt verlassen hatte, wartete sie noch bis ihre Freundinnen fertig angezogen waren und dann machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Frühstück, wobei sie auf dem Weg Frank und die Rumtreiber aufgabelten, die allesamt ziemlich verschlafen aussahen.
In der Großen Halle saßen noch nicht allzu viele Schüler, nur die Jüngeren, die gestern nicht auf dem Ball waren, saßen schon aufgeweckt quasselnd an ihren Haustischen. Die Siebtklässler setzten sich an den Tisch der Gryffindors und begannen langsam ihr Frühstück. Leise fingen sie an über den Ball zu reden.
„Wie lief eigentlich der Abend mit Remus, Annie?“, fragte Lily ihre Freundin gerade mit einem Seitenblick auf den Rumtreiber, der Annabeth grinsend zuzwinkerte.
Die Angesprochene erwiderte, während sie sich Kaffee einschenkte, langsam: „Ja, eigentlich ganz gut. Wir haben uns wirklich gut verstanden. Er weiß so viel über Astronomie!“
Lächelnd blickte sie Lily an, deren Mund sich ebenfalls zu einem Lächeln verzog.
Schmunzelnd wandten sich die beiden wieder ihrem Frühstück zu, wobei Annabeth noch eine Frage an Lily richtete: „Weißt du, wie es bei Jules lief? Sie hat so einen unglücklichen Eindruck gestern gemacht.“
Lily zuckte unwissend die Schultern und wandte sich ihrer besten Freundin nun zu, die gerade mit Heißhunger eine Waffel nach der anderen verspeiste.
„Wie war’s denn gestern mit Nathan?“, gab Lily die Frage von Annabeth weiter an ihre Freundin.
„Schön. Übrigens habt ihr den Ball wirklich super vorbereitet! Glückwunsch noch, Queeny.“, neckte Jules ihre Freundin und stieß sie grinsend in die Seite.
Lily grinste stolz und sah zu James, der mit Sirius, Remus und Peter die Köpfe zusammen gesteckt hatte. Vor ihnen lag eine Zeitung.
Lily fragte sogleich neugierig in die Runde: „Hat jemand von euch vielleicht den Tagespropheten von heute schon gelesen?“
Melody hielt ihr verträumt die Zeitung hin, die sie gerade gelesen hatte, und meinte zu Alice, die sie gerade etwas gefragt hatte: „Ja, er war wirklich süß. Aber leider passte es nicht ganz. - Naja, aber jetzt habe ich wenigstens einen guten Freund gewonnen.“
Alice klatschte voll zufrieden mit der Antwort in die Hände und winkte Frank über den Tisch hinweg zu. Dieser erwiderte lächelnd ihren Handgruß und zauberte der kleinen Gryffindor somit ein Lächeln auf das Gesicht. Lily wandte sich währenddessen dem ‚Tagespropheten‘ zu, der schon mit einem riesigen Foto eines Mannes lockte.
WIEDERHOLTES EINGREIFEN VON ALASTOR MOODY
Von Margarete McMorgan
Der Top-Auror des Aurorenbüros Alastor Moody oder, wie man ihn meistens nennt, ‚Mad-Eye‘ hat wiedermal durch sein mutiges Agieren die magische Gesellschaft gerettet und von ein paar Gefolgsleuten des Unnennbaren befreit. Diese waren gerade dabei sich durch gewaltsames Einbrechen Zugang zu einem Muggelwohnhaus im Norden Londons zu verschaffen, als Mr. Moody sie durch geübte Zauberei davon abhielt. Nachdem er die Lage vor Ort gesichert hatte, gab er seinen Kollegen vom Aurorenbüro Bescheid und verließ den Tatort, um Bericht im Ministerium zu erstatten. Der Zaubereiminister informierte nach kurzem Gespräch mit Alastor Moody den Muggelpremierminister, um die nicht-magische Bevölkerung von dem Vorkommnis in Kenntnis zu setzen. Dieser ergriff seinerseits die nötigen Maßnahmen, Englands Volk zu beschützen und informierte sogleich auch die Polizei, eine ausführende Gewalt der Muggel. Nach diesem Einsatz des Auroren Moody startete der Minister einen Aufruf an alle zukünftigen Berufseinsteiger. „Durch solche Eingriffe der Auroren wird zunehmend klarer, dass zurzeit eine geeignete und ausreichende Verteidigung der Gesellschaft wichtiger wird. Deshalb bitten wir die Zauberschüler, sich für einen Beruf als Auror zu entscheiden, da im Moment mehr Auroren als jemals zuvor benötigt werden. Die bevorstehende Gefahr ist nun fast greifbar und somit wird ein Schutz umso wichtiger.“, gab der Minister mit ernster Miene der Presse bekannt. Fraglich ist, ob sein Aufruf auch wirklich erwidert wird, da viele durch die Gefahr verängstigt werden könnten. Jedoch ist klar, dass Alastor Moodys wiederholtes Eingreifen ein möglicher Wendepunkt für die magische Gesellschaft sein könnte.
Mit ernstem Gesichtsausdruck ließ Lily die Zeitung sinken und schob ihren Teller von sich weg. Hunger hatte sie jetzt keinen mehr.
Sie tippte ihre beste Freundin an der Schulter an, die sie fragend ansah.
„Hast du das schon gelesen?“, sprach sie sie auf den Artikel an, worauf Jules den Kopf schüttelte und antwortete: „Nein. Wieso worum geht’s?“
„Moody hat Todesser aufgehalten, die in ein Muggelwohnhaus einbrechen wollten.“, erwiderte Lily und blickte vielsagend auf ihre Freundin, die stirnrunzelnd den Zeitungsartikel überflog.
Nach kurzem Zögern sagte sie: „Ich denke nicht, dass damit deine Eltern gemeint sind, Lils. Ich meine: im Norden Londons? Denkst du wirklich?“
Lily zuckte mit den Schultern und sah missmutig in ihre Teetasse.
Während sie beunruhigt in der roten Flüssigkeit rührte, wechselte Jules geschickt das Thema, um ihre Freundin auf andere Gedanken zu bringen: „Können wir dann nochmal in die Eulerei gehen? Ich muss noch einen Brief an meine Mum abschicken. Schließlich weiß ich ja jetzt, wo mein Dad versteckt ist-“
Lily hob daraufhin überrascht den Blick und fragte erstaunt: „Achja? Woher denn?“
„Von Sirius Black.“, meinte Jules und trank einen Schluck Kaffee. Alice, Melody und Annabeth unterhielten sich gerade über den Unterricht, während Lily ihre Freundin nun mit verdutztem Gesichtsausdruck ansah.
„Er?!“, stellte sie sofort die Antwort ihrer Freundin in Frage, worauf Jules nur abwehrend antwortete: „Ja, wir hatten gestern Abend eine kleine - Unterhaltung.“
Lily nickte und trank in einem Schluck ihren Tee aus, der nun nur noch lauwarm war. Danach machte sie sich mit Jules auf den Weg zur Eulerei, nachdem sie sich aus ihrem Schlafsaal Pergament und Feder geholt hatten.
Dort angekommen schrieb Jules schnell den Brief an ihre Mutter, während Lily kurz entschlossen ein paar Zeilen für ihre Eltern aufsetzte, um sich nach deren Befinden und Petunias Geburtstag zu erkundigen. Danach banden sie ihre Briefe an 2 der Schuleulen und stapften über die Ländereien zur Schule zurück. Auf dem Weg dorthin kamen ihnen die Rumtreiber entgegen, die, so fanden sie heraus, gerade zu Hagrid, dem Wildhüter, gingen. Lily und Jules mochten den Halbriesen und letztes Schuljahr hatten sie schon so manchen angenehmen Nachmittag mit Tee und Felsenkeksen, die sie aber nicht angerührt hatten, bei ihm verbracht. Jetzt jedoch lehnten sie das Angebot eines Besuchs ab und liefen über die Brücke wieder zur Schule. Nachdem sie dort ihre Freundinnen wieder gefunden hatten, machten sie sich noch eine schöne Zeit bis zum Mittagessen, wo dann auch die Rumtreiber wieder zu ihnen stießen. Diese schienen in ziemlich nachdenklicher Stimmung zu sein, denn sie flüsterten mit ernsten Blicken miteinander.
„Was denkst du von dem, was Hagrid erzählt hat? Diese Gruppe.“, fragte James gerade, worauf Remus hin und her gerissen den Kopf wiegte.
„Ich weiß nicht. Aber ich denke, wenn Dumbledore dabei ist, kann er ja nicht so falsch sein, oder?“, antwortete er letztlich, was James mit einem Nicken erwiderte, denn er erinnerte sich an Hagrids Worte.
Rückblick: Besuch bei Hagrid
Als die vier Freunde das Gelände zu Hagrids Hütte hinunter stapften, sahen sie schon von Weitem die große Gestalt des Wildhüters, der anscheinend gerade die Kohlköpfe und Kürbisse umsorgte. Grinsend gingen sie weiter und wurden sogleich lautstark von Rubeus Hagrid begrüßt.
„Hallo, ihr vier! Lust auf’n Tässchen Tee? Ich wollt‘ grad reingehen und einen aufsetzen, wisst ihr.“, sagte der Halbriese mit seiner tiefen Stimme und die Rumtreiber nahmen sein Angebot sofort an, da sie froh waren der Kälte zu entgehen.
Also folgten sie Hagrid in seine beschauliche Hütte und ließen sich auf der Bank dort nieder.
„Wie läuft’s so, Hagrid?“, fragte James, während er sich in der Hütte umsah.
Es sah immer noch wie letztes Jahr dort aus, bloß war der Raum um ein paar aufgehängte Hühner mehr gewachsen.
„Naja, hab im Moment viel zu tun. Die ganzen Kohlköpfe und Kürbisse vertragen die Kälte nicht gut und deswegen muss ich ständig zur Stelle sein. Hab schon überlegt, ob ich nicht ma‘ Dumbledore frag, ob er nich‘ was dagegen weiß, aber ich will ihn ja auch nich‘ belästigen.“, erwiderte er, während er geräuschvoll eine Wasser in einen Topf füllte und diesen über das Feuer hing.
Danach setzte er sich ihnen gegenüber und sah sie erwartungsvoll an.
Remus, der mit einem Finger einen kleinen Käfer vom Tisch schnippte, fragte den Wildhüter nun interessiert: „Nun ja, Hagrid, weißt du, vielleicht kann man mit düngen oder so irgendwas erreichen? Wir können ja mal Frank zu dir runter schicken, der kennt sich mit sowas aus.“
„Ansonsten hilft nur noch eine Decke.“, mutmaßte Sirius, wobei seine Mundwinkel dabei hoch zuckten.
Hagrid grinste ihn fröhlich an und schien von ihren Vorschlägen sehr angetan zu sein.
Er fing wieder an zu erzählen: „Ja, vielleicht sollt‘ ich des mal versuch’n. Habt ja recht. Es is‘ aber auch schwer im Moment. Diese ganzen neuen Vorschriften un‘ Hogsmeade is‘ auch nich‘ mehr des gleiche wie früher. Man merkt’s ziemlich, dass was aufzieht. Dumbledore is‘ letztens auch runter zu mir gekommen un‘ hat mir ‘nen Platz in so ‘ner Gruppe angeboten, aber ich darf da nich‘ so drüber reden. Und außerdem hat er den Rotkappen so ‘nen tollen Zauber verpasst, damit die nich‘ mehr-“
„Was für eine Gruppe, Hagrid?“, fragte James neugierig und auch die anderen Drei schienen nun hell wach.
„Ich darf des nich‘ sagen. Des is‘ streng geheim, wisst ihr? Dumbledore hat extra gesagt, ich soll nichts verraten.“, wehrte Hagrid sie schnell ab und stand auf, um nach dem Teewasser zu sehen.
Während er nun mit dem Topf herum hantierte, tauschten die Rumtreiber einen kurzen Blick.
„Wir müssen mehr über diese Gruppe herausfinden.“, flüsterte James und seine Freunde nickten zur Bekräftigung.
Sie sahen schnell auf, als Hagrid, der nun anscheinend versuchte sie von seinem Versprecher abzulenken, bis zum Rand gefüllte Teetassen und selbstgebackene Felsenkekse auf einem Teller vor ihnen abstellte und anfing über seine neuesten Probleme mit den Zentauren zu reden. Die Jungen nickten nun hin und wieder und warfen manchmal Fragen ein, aber eigentlich waren sie in Gedanken immer noch bei dieser mysteriösen Gruppe. Nachdem sie ihren Tee ausgetrunken hatten, machten sie sich schlussendlich auf den Weg zurück zum Schloss, wobei der Halbriese ihnen fröhlich nachwinkte.
Rückblick: Ende
Remus griff nun immer noch nachdenklich zu seiner Gabel, um sich einen Löffel Suppe aufzutun, jedoch wurden in diesem Moment die Haupt- durch die Nachspeisen ersetzt. Seufzend griff der Werwolf nun nach einem Biscuitkuchen, während James ihn grinsend ansah. James schob sich gerade eine Gabel Siruptorte in den Mund, während Sirius, der auch schon begonnen hatte zu essen, ein Stück Schokoladenkuchen nach dem Anderen verdrückte.
Peter, der bei den Eclairs zugriff, fragte James: „Ist eigentlich schon festgelegt, wann das erste Quidditchspiel ist?“
„McGonnagal hat gesagt jetzt im November wird eins sein.“, antwortete dieser und trank etwas Kürbissaft nach.
Dann stand er mit Sirius auf und die beiden gingen nach einem Gruß zu ihren Freunden aus der Halle in Richtung Gryffindorgemeinschaftsraum. Remus und Peter aßen noch langsam fertig, bevor sie den beiden folgten und so konnten sie zufällig noch mit den Mädchen hochlaufen.
Beim Treppensteigen fragte Remus Lily: „Sag mal, hast du schon mal etwas von einer Organisation gegen Du-weißt-schon-wen gehört?“
Misstrauisch sah Lily ihn an, wobei sie, wie Remus bemerkte einen kurzen Blick mit Jules tauschte, die nun auch aufmerksam geworden war. Bevor die Angesprochene jedoch antwortete, strich sie sich, um Zeit zu gewinnen, sorgfältig eine Haarsträhne hinter das Ohr.
„Nun. Ja, hab ich tatsächlich.“, erwiderte sie nach kurzem Überlegen, setzte aber sofort neugierig nach: „Wieso fragst du?“
Der Rumtreiber senkte seine Stimme und antwortete grinsend: „Hagrid ist da mal wieder was rausgerutscht. Er sagte, Dumbledore hätte etwas damit zu tun.“
„Wirklich?“, fragte Jules nun und sie blickte Lily kurz an, denn diese meinte nun versöhnlich zu ihr: „Ich glaube, das ist die gleiche Gruppe, von der deine Mum dir geschrieben hat! Dieser - wie heißt das nochmal?! Orden des Falken?“
„Phönix.“, berichtigte Jules sie schnell, was Lily mit einem Schulterzucken abtat.
„Naja, auf jeden Fall, ist es dasselbe.“, sagte sie und stieg eilig die letzten Treppenstufen hoch, um dann vor dem Porträt der fetten Dame stehen zu bleiben.
Nach einem kurzen Passwortaustausch mit dieser schwang das Porträt nach innen und sie traten in den rot-goldenen Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Alice, Lily, Jules und Annabeth suchten sich einen Platz nah am Kaminfeuer und ließen sich auf zwei der flauschigen Sofas nieder, während Remus und Peter nun nach oben in den Schlafsaal der Jungen wanderten, da weder Sirius noch James irgendwo im Raum zu sehen waren. Gähnend zog Annabeth ihre Beine an und legte ihren Kopf darauf ab, während sie Remus nachsah, der die Treppe zu den Schlafsälen gerade nach oben verschwand.
Als er nicht mehr zu sehen war, fragte sie leise: „Denkt ihr, das ist ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass er heute nicht mit mir spricht?“
Ihre Freundinnen wechselten einen Blick und Alice erwiderte mit sanfter Stimme: „Remus ist schüchtern. Lass ihm Zeit! Das legt sich bestimmt.“
Annabeth sah ungläubig in ihre blauen Augen, die nun warm zurücksahen. Alice zwinkerte ihr lächelnd zu und verschwand danach zu Frank, um ihm bei einem Spaziergang über die Ländereien Gesellschaft zu leisten.
Lily gähnte und meinte nach einem kurzen Augenblick Schweigen zu ihren Freundinnen: „Kommt, die Aufsätze machen sich leider nicht von alleine.“
Augen verdrehend stand Jules auf und holte ihre Schultasche aus dem Schlafsaal, denn Lily hatte ja eigentlich recht.
Sie setzten sich an einen Tisch und fingen an, nacheinander die Aufsätze für Verwandlung, Zaubertränke, Astronomie und Verteidigung gegen die dunklen Künste zu schreiben. Entsprechend spät waren sie dann auch erst fertig, denn als sie die Federn weglegten, machten sich gerade alle Schüler des Gemeinschaftsraumes auf den Weg zum Abendessen. So folgten sie der Schülermenge nach unten in die Halle und füllten ihre knurrenden Mägen wieder mit verschiedenen Köstlichkeiten. Danach lernten sie noch schnell für die morgigen Fächer und legten sich dann müde in ihre Betten.
Die nächsten Tage waren überraschend ereignislos, was für viele der Siebtklässler eine ungewohnte Sache war, hatten sie doch immer gesagt bekommen, dass das letzte Schuljahr das Schlimmste war. Umso mehr freuten sie sich über die verhältnismäßig ruhigen Tage, in denen sie mal wieder angesammelte Aufgaben erledigen konnten. Melody nutzte die freie Zeit, um ihre Beziehung zu Josh zu pflegen, Alice machte mit Frank Planungen bezüglich der Einrichtung ihrer gemeinsamen Wohnung, Annabeth las ein Buch, welches ihr Remus geliehen hatte, und Lily und Jules saßen in einer Ecke und unterhielten sich über die bisherigen Schultage. Bei Lily war anscheinend heute mal wieder ein Tag der Zurückerinnerung und deswegen schwelgten sie in Erinnerungen an lustige Schultage.
Als Jules gerade mal wieder anfing mit „Und weißt du noch als-?“, deutete Lily mit der Hand auf ein Fenster des Gemeinschaftsraums und machte sie auf etwas aufmerksam: „Sieh doch! Ist das nicht deine Eule?“
Jules wandte sich um und sah wie ein kleines schwarzes Käuzchen gegen die Fensterscheibe mit dem Schnabel klopfte.
„Du hast recht!“, meinte sie zu Lily und ging zum Fenster, um es zu öffnen und die kleine Eule rein zu lassen. Die flog auf den kleinen Tisch in ihrer Sitzecke und streckte ein Bein aus als Zeichen, dass Jules nun den Brief abmachen konnte. Schnell band diese den Brief vom Bein der Eule und steckte ihr einen Eulenkeks zu, den sie sich von ein paar Drittklässlerinnen, die am Schwarzen Brett standen, genommen hatte. Missbilligend kniff Lily den Mund zusammen und besah sich den kleinen Kauz, der nun gierig den Keks verschlang. Klackernd ließ er danach seinen Schnabel noch einmal ertönen, kniff Jules leicht in den Finger und verschwand durch das Fenster in Richtung Eulerei. Jules, die den Brief gerade auffaltete, machte noch das Fenster zu, bevor sie sich hinsetzte, um ihn zu lesen.
Liebe Julia,
du weißt gar nicht wie froh ich war, als ich deinen Brief gelesen habe!
Es war wirklich allerhöchste Zeit, dass der Orden einen Anhaltspunkt zu dem Versteck von Simon bekommt. Sie hätten es fast aufgegeben. Noch dazu haben die Blacks immer noch fest behauptet, dass sie von alldem nichts wüssten. Wie unerhört!
Als sie jedoch dann das Versteck gefunden haben, sind sie auf einmal ganz kleinlaut geworden. Aber wie es immer ist: Irgendwie haben sie es mal wieder geschafft sich aus der Affäre zu ziehen, als es drauf ankam. Zumindest hat das Ministerium sie nicht gefangen genommen.
Wie dem auch sei: Vielen Dank, Julia!
Simon, der übrigens gerade neben mir liegt, richtet dir liebe Grüße aus und möchte, dass du diesem Sirius Black seinen größten Dank aussprichst. Ein netter Junge, wie ich finde!
Pass auf dich auf.
Liebe Grüße,
Mum und Dad
„Das klingt ja gut!“, sagte Jules, als sie den Brief sinken ließ und hielt ihn Lily auffordernd hin.
Die Augen der Schulsprecherin huschten schnell über das Pergament und schließlich meinte sie erleichtert: „Das ist wirklich mal eine gute Nachricht. Komm, das müssen wir sofort den anderen sagen!“
Zusammen standen sie auf, jedoch hielt Jules Lily am Arm fest und bestimmte: „Moment. Ich möchte es zuerst Sirius sagen. Ich bin ihm das schuldig.“
Nickend registrierte Lily ihr Argument und lief zu Alice, um die gute Nachricht schon mal weiterzugeben. Jules ging nun auf James und Sirius zu, die sich über einen Plan eines Quidditchfelds gebeugt anscheinend über eine neue Spieltaktik unterhielten. Als sie näher kam, begrüßten sie die beiden schwungvoll und James wollte sofort die Taktik für sie erklären, jedoch brach sie seinen Redefluss ab.
„Später vielleicht, James. Könnte ich mir kurz Sirius ausleihen? Ich bring ihn dir auch heil wieder.“, fragte sie und blickte unsicher zu Sirius, der sie nun verdutzt musterte.
„Natürlich.“, antwortete James überrascht, beugte sich aber kurzerhand wieder über den Spielplan.
Jules ging Sirius voran aus dem Gemeinschaftsraum in ein leeres Klassenzimmer und drehte sich dort wieder zu dem nun vollends verwirrten Sirius um.
„Also, was ich sagen wollte ist-“, begann Jules und knetete nervös ihre Hände, während Sirius nun mit immer breiter grinsender Miene zu ihr sah. Selbstsicher steckte er die Hände in die Hosentaschen und spazierte auf sie zu. Unsicher blickte sie ihn an und streckte ihm mit einem nervösen Lächeln den Brief hin. „Les selbst.“, vertonte sie die Geste und setzte sich auf einen Tisch.
Sirius nahm das Pergament, faltete es auf und beim Durchlesen wurde sein Grinsen immer breiter.
Zuletzt gab er ihr den Brief wieder und meinte mit eine durchtriebenen Grinsen: „Ich bin also ein netter Kerl ja?!“
Feixend sah er das Mädchen an.
Diese jedoch sah ihn nun mit erhobenem Finger, aber lächelnd an und erwiderte: „Denkt meine Mum! Nicht ich.“
„Das kommt alles noch. Keine Sorge.“, prophezeite er ihr lachend. „So wie ich das sehe, bist du auf einem guten Weg, das auch zu denken.“
„Wie kommst du denn da drauf?“, fragte sie überrascht und strich sich ausweichend eine Strähne hinter das Ohr.
Sirius jedoch brach in kurzes Lachen aus und antwortete erklärend, während er die einzelnen Punkte an der Hand abzählte: „Das ist ganz einfach: 1. Du sagst nicht mehr Black zu mir. Wofür ich dir übrigens sehr dankbar bin. 2. Du schreist mich in letzter Zeit gar nicht mehr an. Wirklich seltsam und irgendwie unheimlich, wie ich zugeben muss, da sogar Lily James manchmal noch anbrüllt. 3. Die bösen Blicke sind auch weniger geworden. 4. Du bedankst dich bei mir. Ziemlich nett gegenüber jemanden, den du ja überhaupt nicht magst oder?! Achja und 5. Einen Sirius Black muss man einfach mögen. – Findest du nicht, dass das alles irgendwie darauf hindeutet, dass du doch nicht so schlecht von mir denkst?“
Fragend blickte er zu ihr und sie grinste ihn daraufhin an.
„Naja, vielleicht bist du doch gar nicht so verkehrt.“, lenkte sie ein, bereute es jedoch gleich wieder, da Sirius nun ein Grinsen aufgesetzt hatte, das nicht selbstgefälliger hätte sein können.
„Siehst du. War doch gar nicht so schwer!“, sagte er und fing an zu lachen, angesichts ihrer nun folgenden Rede.
„Genau das ist der Grund, warum ich es dir nicht sagen wollte! Dein Ego muss nicht noch gefördert werden. Es ist ohnehin schon groß genug.“, erklärte Jules und ließ sich vom Tisch rutschen.
Sirius stoppte zu lachen und sprach mit erhobenen Händen: „Okay, okay, tut mir leid. Ich hör ja schon auf. Wo ich doch gerade erfahren habe, dass du mich magst, will ich das jetzt nicht gleich wieder auf’s Spiel setzen.“ Er zwinkerte ihr grinsend zu, was sie die Augen verdrehen ließ. „Naja, um auf’s eigentlich Thema zu kommen: Das mit deinem Vater ist echt toll! Ich hab doch gewusst, dass er dort ist. Schön, dass ich dir helfen konnte.“
Jules nickte nun mit strahlender Miene und antwortete: „Ja. Sag mir in nächster Zeit mal Bescheid, wenn du Hilfe brauchst. Schließlich bin ich dir jetzt wieder was schuldig.“
Lächelnd zwinkerte sie ihm zu und wandte sich schließlich der Tür zu, um wieder in den Gemeinschaftsraum zurück zu kehren.
Jedoch hörte sie nach ein paar Schritten wie Sirius ihr etwas nachrief: „Du bist manchmal gar nicht so übel. Sollte öfter mal passieren, wenn du mich fragst. Das ist ganz eindeutig viel angenehmer als deine sonst zickige Art.“
Grinsend schüttelte sie den Kopf und wandte noch einmal den Kopf zu dem nun breit grinsenden Sirius, der lässig ans Pult gelehnt immer noch im Klassenzimmer stand.
„Jetzt weiß ich auch, warum du nie länger als drei Tage eine Freundin hast: Du bist furchtbar schlecht im Komplimente geben.“, stellte sie fest und ging nun endgültig aus dem Raum, während Sirius lachend noch zurück blieb. Erleichtert atmete sie durch und trat, nachdem sie das Passwort gesagt hatte, in den Gemeinschaftsraum ein.
Gerade als sie sich wieder zu Lily setzen wollte, stürmte ihr diese schon besorgt entgegen und sprach sie vorwurfsvoll an: „Wo warst du denn so lange?!“
„Ich hab dir doch gesagt, dass ich mit Sirius reden musste. Das hat sich eben ein wenig hingezogen.“, erklärte Jules und deutete auf den Black, der gerade durch den Eingang des Gemeinschaftsraums kam und zu James ging, der immer noch über sein Miniatur-Quidditchfeld gebeugt da saß. Laut begrüßten sich die beiden wieder und Jules musste grinsen.
Doch Lily fand das anscheinend nicht lustig, denn sie meinte nur Nase rümpfend: „Hingezogen, ja?!“
Augen verdrehend drehte sich Jules von ihrer besten Freundin weg und ging zu Alice, die gerade mit Frank über einer alte Ausgabe vom Tagespropheten brütete.
„Hey, Alice. Na, wie läuft die Planung?“, fragte Jules, während sich die Angesprochene nun zu ihr wandte und sie anlächelte.
„Oh, wirklich gut! Frank und ich haben wirklich fast immer denselben Geschmack. Nicht wahr, Frankie?!“, antwortete Alice und blickte nun auffordernd zu Frank, der mit geknickter Stimme erwiderte: „Ja, Alice.“
„Gut.“, sagte Alice und wuschelte ihrem Freund durch die Haare, was dieser mit einem mürrischen Blick bemerkte. Jules grinste über das Verhalten der beiden und sah sich im Gemeinschaftsraum nach Lily um. Als sie ihre Mitschüler beobachtete, musste sie unwillkürlich an Nathan und seine Ravenclaw-Freunde denken.
Sie entschied sich nach kurzem Zögern nach ihnen zu suchen. Wenn sie Glück hatte, waren sie nicht in ihrem Gemeinschaftsraum.
Lily, die ihre Freundin noch aus dem Gemeinschaftsraum gehen sah, beäugte das misstrauisch, dachte sich jedoch nichts dabei, da James Potter sie gerade mal wieder vollends vereinnahmte. Sie hatte ihn eben auf die noch ausstehenden Patrouillen angesprochen und deswegen war er ziemlich aus dem Häuschen geraten.
„Wirklich, Lily. Das können doch auch die Vertrauensschüler übernehmen.“, bekräftigte er gerade, was ihm einen strafenden Blick von Remus einbrachte.
Lily stemmte die Hände in die Hüften und zischte: „Das ist ja mal wieder typisch. Wenn’s ans Arbeiten geht, will sich der große James Potter drücken. Aber nicht mit mir! Heute Abend, 21 Uhr, Potter. Mein Accio ist übrigens sehr gut, Potter, und ich scheue nicht davor ihn bei Menschen anzuwenden.“
James sah sie ungläubig an und Sirius konnte sich nun nicht mehr auf dem Sessel halten, sondern lag auf dem Boden und lachte laut. Auch Remus konnte sich bei Lilys entschiedenem Blick ein Grinsen nicht verkneifen, während Peter leise kichernd neben ihm saß. Lily widmete James noch einen bestimmten Blick und stapfte dann durch den Gemeinschaftsraum zu der Treppe die zu den Schlafsälen der Mädchen führte. Vor sich hin grummelnd ließ sie die drei lachenden und den bestürzten Rumtreiber zurück und verschwand hinter der Schlafsaaltür der Siebtklässler.
Gerade als sie sich entschlossen hatte, ein Bad im Vertrauensschülerbad zu nehmen, ging die Tür auf und Jules kam lächelnd in den Schlafsaal.
„Hey, Lily. Hier bist du also.“, sagte Jules, während sie eilig zu ihrem Bett lief und sich darauf warf. „Was hältst du davon, wenn wir morgen Abend mit ein paar Ravenclaws was unternehmen? Nathan meinte, der Raum der Wünsche wär eine gute Idee.“
Lily wandte sich zu ihrer Freundin um und warf ihr Duschzeug wieder in ihren Koffer.
„Ich weiß nicht. Solche Spontanideen laufen meistens schief.“, überlegte Lily und strich sich zerknirscht eine Strähne hinter das Ohr.
Jules sah mit hochgezogener Augenbraue zu ihr und sagte, während sie sich aufrichtete und Pergament, Feder und Tinte aus ihrer Schultasche kramte: „Nur bei mir. Das sind Ravenclaws. Sind die nicht die Hundertprozentigen, alles Durchdenkenden und überhaupt Vorsichtigsten auf der Schule?“
Grinsend und mit ihren Schulsachen bewaffnet, trat sie wieder auf die Schlafsaaltür zu und verschwand mit einem „Komm bitte mit runter. Alleine schaff ich Zauberkunst nie“ aus dem Schlafsaal. Erschöpft nach diesem Gespräch setzte Lily sich wieder auf ihr Bett und holte nach einem Seufzen ihr Zauberkunstbuch aus ihrer Tasche. Danach stand sie auf und stieg die Treppen in den Gemeinschaftsraum wieder hinab, wo ihre beste Freundin auch schon an einem Tisch auf sie wartete.
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