
von Kathi Weasley
Als sie am nächsten Morgen aufwachten, begrüßte sie ein kalter Luftzug. Jules, die sich deswegen sofort die Decke bis zum Kinn hochzog, hörte wie aus einem anderen Bett gedämpft eine Stimme erklang.
„Wer hat das Fenster aufgemacht?!“, fragte Melody und Jules lachte, genauso wie Alice, die sich eine Weste von ihrem Nachttisch hangelte.
Kleinlaut ertönte aus einem anderen Bett eine Stimme, die Lily gehörte: „Ich wollte, dass wir frische Luft im Zimmer haben. Es war so stickig hier drin. Melody, könntest du dein Parfüm vielleicht in Zukunft im Bad versprühen? Es hat hier gerochen wie in einer Räucherkammer.“
Empört schnaubte die Angesprochene auf, schlug ihre Bettdecke zurück und stapfte beobachtet von Jules, Alice und Annabeth durch den Schlafsaal zu Lilys Bett.
„Wie war das?“, fragte sie mit Schlitzaugen und Lily sah nervös zu ihr auf.
Da sie durch das verärgerte Auftreten ihrer Freundin sich nicht mehr traute, sich zu wiederholen, übernahm Jules das für sie.
„Dein Parfüm riecht wie eine Packung Räucherstäbchen. Und zwar welche von der billigen Sorte.“, sprach sie direkt und zog sich die Decke über den Kopf, was das Lachen ihrer Freundinnen jedoch nicht dämpfte.
Melody fand das aber gar nicht lustig, denn sie stapfte nun verstimmt in das Badezimmer und schlug laut die Tür hinter sich zu. Lachend tauchte Jules wieder unter ihrer Decke auf und grinste Alice an, die ihr einen Daumen hoch zeigte.
Nach dem Streit am Morgen ging Melody nur mit Annabeth zum Frühstück und ließ Alice, Jules und Lily im Schlafsaal zurück. Diese kamen dadurch erst später nach und wurden von einer gefüllten Großen Halle empfangen. Angesichts des kalten Wetters hatten die meisten sich mit dicken Schals und Pullovern ausgestattet und sogar so manches Niesen und Schniefen war schon zu hören. Der Winter war nun auch ganz in Hogwarts angekommen. Die Gryffindors ließen sich Zeit beim Frühstück, da weder das Wetter draußen, noch die Aussicht auf einen Lern-Nachmittag ihren Elan für diesen Tag antrieb. Jedoch verließen sie nach einiger Zeit doch die Halle, um die begehrten Plätze am Kamin im Gemeinschaftsraum ergattern zu können. Froh darüber einen freien Sessel am Feuer erspäht zu haben, lief Alice schnurstracks durch den Gemeinschaftsraum, jedoch ließ sich vor ihrer Nase Frank gerade in ihm sinken.
Gespielt verärgert stampfte sie mit dem Fuß auf und meinte strafend zu ihrem Freund: „Da wollte ich hin, Frankie!“
Der Angesprochene sah sie daraufhin nur grinsend an und klopfte nach kurzer Zeit nur auffordernd auf sein Bein als Aufforderung, dass sie sich einfach darauf setzen sollte. Alice lachte kurz auf und setzte sich lächelnd auf den Schoß von dem Longbottom, der sie zufrieden in den Arm nahm. Kichernd legte sie ihre Arme um seinen Hals und stupste seine Nase mit ihrer an, was er grinsend bemerkte. Frank fuhr ihr lächelnd über den Rücken und drückte sie fest an sich, während sie ihren Kopf an seine Schulter kuschelte.
Froh hielt er sie in seinen Armen und fuhr mit seinen Händen über ihren Rücken.
Dass man sie die ganze Zeit beobachtet hatte, registrierte er gar nicht.
Sirius, der sich seit dem Nasenstupsen nicht mehr einkriegen konnte, kugelte sich schon fast am Boden, was Remus missbilligend die Nase rümpfen ließ.
„Sirius reiß dich doch mal zusammen!“, sprach er anklagend und beäugte seinen Freund strafend. Ein Grinsen war Sirius‘ Antwort, während er Peter anstieß.
„Stell dir mal vor, wir würden das bei Schniefelus machen! Das wär eine ziemlich fettige Angelegenheit.“, sagte er und Peter nickte zustimmend.
„Allerdings.“, bekräftigte er nochmals und nahm von James einen Lakritzzauberstab entgegen, der diese gerade unter ihnen verteilte.
Als er gerade abgebissen hatte, hörte er wie James gerade leise sagte: „Wir müssen nächstes Mal eindeutig wieder vorsichtiger sein, wenn wir uns um Moonys kleines pelziges Problem kümmern.“
Die drei anderen Rumtreiber waren nun sofort hellhörig geworden und sahen James verwundert an. Sirius, der die Dringlichkeit nicht ganz verstand, fragte lachend: „Wieso denn? Es ist doch alles gut gegangen. Ich hab dir von Anfang an gesagt, dass es nicht schlimm ist, wenn wir mal die Heulende Hütte verlassen, aber du wolltest mir ja nicht-“
„Nicht schlimm?! Tatze, da waren Schüler, verdammt! Wenn da was passiert wäre, dann hätten wir mordsmäßigen Ärger bekommen.“, erklärte James hitzig und Remus nickte bei seinen Worten mit ernster Miene.
„Aber es ist doch nichts passiert!“, entgegnete Sirius verteidigend, während Peter ihm beipflichtete.
James sah hilfesuchend zu Remus und dieser blickte schuldbewusst auf den Boden.
Nach einer Weile rang er sich doch noch zu ein paar Worten durch: „Was James sagt, stimmt, Sirius. Wir hätten das nicht machen sollen. Denkt doch mal an den Vorfall mit Snape. Es hätte sonst was passieren können!“
Nachdenklich und betrübt biss er von seinem Lakritzzauberstab ab, wobei Peter das hungrig beobachtete. Er hatte seinen in der Aufregung schon längst verputzt und James schien die bittenden Blicke des kleinen Rumtreibers zu übersehen. Sirius und James kauten ebenfalls geräuschvoll die Lakritze und blickten nachdenklich die Leute im Gemeinschaftsraum an, wobei James‘ Augen kurz zu Peterhuschten, als er dessen Magen knurren hörte. Als sie jedoch ihre Süßigkeiten aufgegessen hatten, beschlossen sie noch einen kurzen Abstecher in die Küche zu machen, bevor das Mittagessen anfing, da Peters Magen nun schon gefährlich laut knurrte.
„Kommt, bevor uns Peter noch anfällt.“, witzelte Sirius und zog den Angesprochenen lachend mit sich, während James und Remus ihnen folgten.
Während die vier den Gemeinschaftsraum verließen, sahen Lily und Jules ihnen misstrauisch nach.
Nachdem sie endgültig verschwunden waren, wandte Lily den Kopf wieder ihrer Freundin zu und fragte: „Hast du das gehört?“
Jules nickte stumm und ging in Richtung der nun freien Sessel, um sich zu setzen. Sie spürte wie Lily es ihr gleich tat und antwortete leise: „Ja, natürlich. Aber was ist das kleine pelzige Problem von Lupin? Irgendeine Idee, Lils?“
Auffordernd sah sie hoch und erntete einen ratlosen Blick, der ihrem wahrscheinlich ähnlich war.
„Ich kann mir im Moment nichts darunter vorstellen. Remus hat, soweit ich weiß, kein Kaninchen. Seine Familie könnte sich ein Haustier auch nicht leisten, fürchte ich.“, erklärte Lily langsam und setzte eine nachdenkliche Miene auf, die meistens auch im Unterricht bei einer kniffligen Fragestellung ihr Gesicht zierte.
Jules, die wusste, dass man sie in solchen Momenten besser in Ruhe ließ, wartete geduldig die Gedankengänge ihrer Freundin ab. Dabei sah sie zufällig, wie Annabeth am Schwarzen Brett gerade etwas anschrieb. Als sie aufstehen wollte, um die Anschrift zu lesen, platzte es aus Lily heraus.
„Oh mein Gott, warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen?! Das ist es!“, jubelte Lily flüsternd und mit vor Aufregung glitzernden Augen.
Jules, die sich nicht gleich von der Euphorie ihrer Freundin anstecken ließ, fragte mit gerunzelter Stirn: „Wovon genau sprichst du jetzt?“
Die Frage war, wie sie fand berechtigt, da im Moment eine Menge Fragen noch offen standen und eine Antwort verlangten.
Lily sah aufgeregt zu ihr und erklärte: „Von den Rumtreibern, natürlich.“
Das „Ach wirklich“ von Jules an dieser Stelle wischte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung fort.
„Nein, hör zu. Ich glaub, ich weiß jetzt, in welche Tiere sie sich verwandeln. James oder ‚Krone‘ ist der Hirsch, den wir gesehen haben, ganz klar! Er wusste auch, dass wir draußen waren, da er als Hirsch sehr schnell ist. Peter war ziemlich sicher ein kleines Tier, denn er musste die Peitschende Weide lahm legen.“, fuhr Lily nun mit ihrer Erklärung fort, die aber anscheinend noch eine höchst brisante Frage aufwarf.
„Aber wozu? Warum das Ganze? Wieso springen vier Siebtklässler mitten in der Nacht als Tiere im Verbotenen Wald herum? Das ist doch suspekt.“, fragte Jules und in ihrem Gesicht konnte man förmlich das Fragezeichen ablesen.
Plötzlich brach Lily in lautes Gelächter aus und schloss, als sie sich wieder beruhigt hatte: „Und hier kommen wir wieder auf Remus‘ pelziges Problem zu sprechen.“
Anschließend nickte sie besiegelnd und Jules erwiderte immer noch verwirrt: „Du meinst also, das alles machen die nur, um Lupin bei seinem Kaninchen-Problem zu helfen?“
„Er hat kein Kaninchen!“, berichtigte Lily sie genervt und Jules fragte ebenso Zähne knirschend zurück: „Und was hat er dann?“
Lily schlug sich resigniert an die Stirn und antwortete Hände ringend: „Auf jeden Fall kein Kaninchen.“
Nach dieser Antwort lehnte sie sich geschafft in ihrem Sessel zurück und bemerkte, wie Jules es sich ebenfalls in ihrem Sessel bequem machte.
„Also, nochmal zusammen gefasst: Wir haben es mit Animagi zu tun. James ist ein Hirsch, Pettigrew ein sehr kleines Tier, Sirius ein-“
„-dummer Hund-“
„-okay, ein Hund und Lupin hat ein kleines pelziges Problem, aber kein Kaninchen-Problem. Stimmt das so?“
Fragend sah sie zu Lily, die sie nickend ansah, was Jules tief durchatmen ließ. Erleichtert setzte sie sich in ihrem Sessel auf und grinste Lily an.
„Sirius ist also ein dummer Hund?!“, grub sie nach und Lily lachte laut auf.
„Ja, wieso? Denkst du, da etwa anders?“, erwiderte Lily immer noch lachend und Jules stimmte nun mit in ihre Lachen ein.
Dabei schüttelte sie als Antwort den Kopf und Lily schlich ein breites Grinsen auf das Gesicht. Lachend saßen die Mädchen in ihren Sesseln, was ihnen einige merkwürdige Blicke einbrachte, aber schließlich wurden sie von Annabeth unterbrochen, die ihnen etwas mitzuteilen hatte.
„Ich hab eine Liste für Muggelkunde-Nachhilfe ausgehängt. Gute Übung für die UTZ-Prüfungen, oder?“, erzählte sie munter und Lily nickte sofort, wenn auch mit schuldbewusster Miene, da sie selbst keine Nachhilfe gab.
Zeit zum Grübeln ließ Annabeth ihrer Freundin aber auch nicht, da sie gleich weiter fragte: „Wollen wir zum Mittagessen gehen?“
Lily nickte erfreut und auch Jules schien von der Idee angetan, also gingen sie zielstrebig durch den Gemeinschaftsraum zum Porträtloch, stießen dieses auf und stiegen die Treppen hinunter.
In der Großen Halle herrschte, wie schon am Morgen, reges Treiben und Gerede. Vom Gryffindortisch vernahm man schon von Weitem das laute Lachen von James und Sirius, die sich mit Remus und Peter schon hingesetzt hatten. Obwohl die Speisen noch nicht aufgedeckt waren, saßen fast alle Schüler schon an ihren Tischen und warteten hungrig das Auftauchen des Essens ab. Nachdem sie sich umgesehen hatten, ließen die Mädchen sich auf freie Plätze in der Mitte des Gryffindortischs sinken. Als Lily gerade zum Eingang der Halle blickte, bemerkte sie Alice und Frank, die gerade Händchen haltend zum Mittagessen erschienen und sich auf zwei Plätze in ihrer Nähe setzten. Das Erscheinen ihrer Freunde brachte Lily zum Lächeln und sie musste sich mal wieder eingestehen, dass ihre Freundin es nicht besser hätte treffen können. Seufzend wandte sie sich wieder Jules zu, die gelangweilt angefangen hatte, Melody mit ihrer Gabel in die Seite zu piksen.
„Lass das!“, fauchte diese sie nun auch schon verärgert an, was Jules zum grinsen brachte.
Entschuldigend blickte Lily zu Melody, die genervt feststellte: „Du bist so ein Kindskopf, Jules. Hättest du dir nicht den Charme von Sirius abschauen können?“
Daraufhin verschwand das Grinsen wieder von Jules‘ Gesicht und sie drehte ihren Kopf zu Lily, die sie mit peinlich berührt ansah.
„Hat sie gerade wirklich gesagt, dass ich keinen Charme habe?“, fragte Jules mit wütender Miene, wobei sie noch verärgerter wurde, als sie Lilys Antwort hörte.
„Ja, hat sie.“, erwiderte Lily kleinlaut und Jules rammte ihre Gabel mit einer ruckartigen Bewegung in die Tischplatte.
Lily atmete erleichtert auf. Die Gabel hätte schließlich jetzt auch in Meldoys Arm landen können.
Melody lächelte Josh, der am Hufflepufftisch saß, zu.
Als plötzlich an allen Haustischen die Speisen auftauchten, zog Jules mit Lilys Hilfe ihre Gabel wieder aus der Tischplatte, um sich etwas zum Essen auf den Teller zu tun. Lily musste angesichts der immer noch verstimmten Miene ihrer Freundin breit grinsen, während sie sich selbst einen Pfannkuchen auf den Teller legte. Danach aßen die Freundinnen stumm ihr Essen, während lautes Tellerklirren und Besteckgeklapper um sie herum tobte.
Als das Mittagessen beendet war, verließen die Schülerinnen und Schüler die Halle wieder und machten sich in kleinen Grüppchen wieder auf den Weg in ihre Gemeinschaftsräume. Lily und Jules folgten unauffällig den Rumtreibern, in der Hoffnung vielleicht einen weiteren Hinweis aufschnappen zu können. So stiegen sie gemächlich die Treppen hoch, während sie versuchten nicht in die Hacken ihrer Vorderen rein zu laufen. James, der anscheinend vom Essen zu voll war, lief in einem Tempo, das wie Lily fand, schon nicht mehr zumutbar war. Fast schleichend erklomm er die Stufen und Sirius musste sich deswegen schon am Treppengeländer festhalten. Als die Treppe sich auch noch bewegte, klammerte James sich mit grünlicher Miene an das Geländer, was Remus tadelnd betrachtete.
„Vielleicht hättest du das vierte Stück Schokoladenkuchen doch weglassen sollen. Mit den Frikadellen vorher war das nicht so eine gute Mischung.“, warf er spitz ein, was ihm einen strafenden Blick von James einbrachte, der schon versucht war, sich die Hand vor den Mund zu halten.
„Ich glaub, dafür ist es jetzt zu spät, Moony.“, entgegnete Sirius, während er sich Lachtränen aus den Augen wischte. James würdigte ihm einen missmutigen Gesichtsausdruck, der seinen besten Freund nur noch mehr zum grinsen brachte. Daraufhin erklang ein Kichern hinter ihnen und die Freunde drehten sich überrascht um.
Schlagartig verwandelte sich James‘ Gesichtsfarbe von grünlich zu rötlich und seine Hand fuhr abwesend zu seinen Haaren, während er verlegen stammelte: „Lily. Ha - Hallo.“
Die Angesprochene hob breit grinsend eine Hand, während sich eine Andere auf ihre Schulter legte und sie festhielt. Jules, die schon die ganze Zeit über, als sie hinter ihnen gelaufen waren, leise lachen musste, prustete nun haltlos los. Während sie in lautes Lachen verfiel, ergriff James wieder die Übelkeit. Lily beäugte seine wandelnde Gesichtsfarbe mit gerunzelter Stirn und bot sogleich einen Ausweg aus der Misere an.
„Ich hab, glaub ich, noch einen Trank gegen Übelkeit oben in unserem Zimmer. Wenn du möchtest, kann ich-“, erklärte sie und James nickte heftig, während Remus kopfschüttelnd mit Peter seinen Freund beobachtete.
Lily zuckte lächelnd mit den Schultern, als sie seinen Blick bemerkte, und ging an den Rumtreibern vorbei zum Porträtloch. Schnell sprach sie das Passwort und trat in den Gemeinschaftsraum ein, während Jules ihr mit den Jungen als Schlusslichter folgte. Immer noch lachend half Jules Sirius den grünlich angelaufenen James in einen Sessel zu hieven, während Remus den Trank von einer gehetzten Lily entgegen nahm.
„Aber nicht alles auf einmal!“, bläute Lily ihm ein, was er mit einem Kopfnicken als verstanden erklärte. Remus zog den Korken von der Phiole und reichte sie weiter an James, der hastig danach griff und den Inhalt gierig hinunter stürzte.
„Halt! Stopp! Nicht so-“, rief Lily erschrocken aus, jedoch war es schon zu spät, denn James übergab die nun leere Phiole wieder Remus, der sie mit entschuldigendem Blick Lily wieder hinhielt. „-viel. Das hätte für vier Leute reichen können.“
Kopfschüttelnd und besorgt betrachtete sie James, dessen Gesichtsfarbe sich langsam wieder normalisierte.
Er atmete tief durch und rieb sich über den Bauch, während Sirius ihn fragte: „Geht’s wieder?“
Seine Augen huschten dabei kurz zu einem Blumentopf, in dem im Moment ein Gummibaum prächtig wuchs.
Doch James antwortete kurzatmig: „Ja, alles klar. Das war aber was! Ich glaub, ich könnt jetzt glatt noch etwas vertragen.“
Grinsend sah er seine Freunde an, die ihn nun mit offenen Mündern anstarrten. Daraufhin brach er in lautes Gelächter aus und erwiderte: „Ihr solltet mal eure Gesichter sehen!“
Sirius atmete geräuschvoll aus und griff sich gespielt entsetzt ans Herz, was seinen Freund zum Grinsen brachte.
Nun da James wieder durch den Trank aufgepäppelt, aber manchmal immer noch etwas blass um die Nase, war, überredeten in Remus und Sirius hinaus zu gehen, um frische Luft zu schnappen. Peter, der sich beim Mittagessen einen Apfel mitgenommen hatte, kaute aufgeregt, hielt aber kurz inne, damit er bemerken konnte, ob es ihm durch den Apfel schlecht ging. James‘ Gesundheitszustand machte ihm Sorgen, denn er aß selbst gerne und viel. Als er kein mulmiges Gefühl im Magen verspürte, biss er genussvoll von seinem Apfel ab und kaute erleichtert, während er seinen 3 Freunden hinaus folgte. Jules sah ihnen grinsend hinterher und wollte gerade hoch in ihren Schlafsaal gehen, als Lily sie an ihrem Pullover mit hinaus zog.
„Komm schnell! Wir müssen ihnen folgen.“, zischte sie und bugsierte Jules ungelenk durch das Porträtloch.
„Lils, ich mag nicht bei dem Wetter Detektiv spielen. Animagus hin oder her, es ist kalt draußen und ich hab nur meinen Pulli an.“, sagte Jules und zog an ihrem Pullover herum, der, wie Lily auffiel, wirklich nicht warm genug für die jetzige Kälte aussah.
Seufzend zog Lily ihren Zauberstab und schwenkte ihn, während sie laut befahl: „Accio Jacke und Schal.“
Danach warteten sie kurz, hörten aber schon bald Tumult im Gemeinschaftsraum, was Jules dazu veranlasste, mit dem Passwort das Porträtloch zu öffnen. Jedoch bekam sie dadurch ihre fliegende Winterkleidung überraschend in das Gesicht.
„Uff.“, stöhnte sie, als sie auf den Boden fiel und eine grüne Jacke in ihrem Gesicht landete. Unter der Winterkleidung begraben, hörte sie Lily laut lachen, die ihr Missgeschick grinsend mit angesehen hatte.
Angestrengt schob sie die Kleidung von sich und setzte sich auf, während Lily sich wegen ihrer missmutigen Miene nun nicht mehr einzukriegen schien.
Glucksend fragte Lily, während sie ihre Jacke vom Boden aufhob: „Ist dir jetzt warm genug?“
Daraufhin bekam einen grün gemusterten Schal ins Gesicht geworfen und Jules stand genervt wieder vom Boden auf. Gerade als sie vom Boden aufgestanden war, bemerkte sie, dass das Porträtloch die ganze Zeit über offen gestanden hatte und alle mit ansehen konnten, wie sie unter Winterklamotten begraben wurde.
Lachend kam nun auch gleich Alice auf sie zu und sagte grinsend: „Also dass deine Jacke so umwerfend ist, ist mir noch gar nicht aufgefallen.“
Danach kicherte sie albern und Jules war dadurch versucht, ihr den zweiten Schal über den Mund zu binden.
Lily hielt sie jedoch an der Kapuze ihres Pullovers fest und fragte erinnernd, während sie immer noch manchmal gluckste: „Wollten wir nicht eigentlich etwas erledigen?“
Jules drehte sich mit dem Schal in der Hand zu ihr um und grummelte, während sie Alice noch einen genervten Blick zuwarf: „Meinetwegen. Los, gehen wir.“
Sie zog ihre Jacke an und band sich ihren Schal nachlässig um den Hals, während Lily schon fertig angezogen mit grüner Jacke und grün gemustertem Schal auf sie wartete. Als Jules ebenfalls bereit für die Kälte draußen war, stiegen sie die Treppen zur Eingangshalle hinunter.
Unten angekommen, hieß sie auch schon ein kalter Luftstoß willkommen und die Mädchen zogen ihre Jacken enger um sich. Als sie nach draußen traten, war die Luft sehr eisig und Lily sah hoch in den Himmel, der vollkommen weiß war.
Ihr war so, als ob der Schnee ihr geradezu „Huhu, ich komme!“ vom Himmel aus zu rief. In diesem Moment traf sie auch schon eine Schneeflocke auf die Nase.
Ein Grinsen schlich ihr auf das Gesicht und als Jules lächelnd in den Himmel deutete, bemerkte Lily, dass es angefangen hatte zu schneien. Lachend gingen sie weiter und sahen kurz darauf vier Gestalten, die in der Nähe des Sees unter einem Baum saßen.
„Die werden sich noch eine gehörige Erkältung einfangen.“, prophezeite Lily, als auch schon ein lautes „Lily“ ertönte.
Grinsend ging sie auf James zu, der es sich auf einem Baumstumpf gemütlich gemacht hatte.
Innerlich war sie jedoch enttäuscht darüber, dass sie nicht noch unbemerkt ein paar Fetzen von seinem Gespräch mit Sirius aufschnappen konnte. Sie sah zu Jules, die sich schon wieder wegen irgendetwas mit Sirius in die Haare gekriegt hatte.
„-wette, du würdest es nicht hinbekommen, mich zu schlagen. Ich bin nämlich ein exzellenter Werfer.“, sprach Sirius gerade zu Jules, die ihn zweifelnd mit hoch gezogenen Augenbrauen anblickte und dabei die Arme verschränkte.
„Achja? Davon hab ich aber noch nicht viel mitbekommen.“, entgegnete sie und Sirius brach in bellendes Lachen aus.
Er strich sich mit einer lässigen Handbewegung die Haare aus dem Gesicht und sagte: „Nunja, ich prahle nicht damit. Ich will ja keinen verschrecken.“
Daraufhin lachte auch Jules los und stieß Lily an, die sich gerade mit James unterhielt.
„Ist Sirius angeberisch?“, fragte sie grinsend und der Black sah siegessicher zu Lily, die ihn ebenfalls grinsend anblickte.
Zu Jules‘ Überraschung schüttelte Lily auf ihre Frage hin den Kopf und sagte: „Nur unter der Woche und am Wochenende.“
Sirius legte fragend den Kopf schief und musterte sie kurz danach beleidigt, als er den Sinn ihrer Antwort begriffen hatte. Lachend sahen ihn seine Freunde an, was ihn dazu brachte mit einzusteigen, da er eigentlich nicht nachtragend war. Während er lachte, sah er zu Jules, die seinen Blick aber nicht bemerkte. Dabei fiel ihm auf, wie hübsch sie war, wenn sie lachte und er kam nicht umhin sich zu wünschen, dass er immer der Grund dafür war, nur damit er sie öfter so sehen konnte. Während er zu ihr sah, bemerkte er nicht, wie Lily ihn mit einem misstrauischen Gesichtsausdruck beobachtete.
Als sie ihr Gelächter gestoppt hatten, sahen sie um sich herum dichten Schnee fallen und lachend rannten sie über das verschneite Gelände von Hogwarts. Jules streckte lachend die Arme aus und drehte sich lachend im Kreis, was Lily breit grinsen ließ.
Dass ihre Freundin manchmal nicht ganz knusper war, war ihr schon öfters aufgefallen. Sie sah zu den Rumtreibern, die nun versuchten Schneebälle nach einander zu werfen, aber bald bemerkten, dass dafür der Schnee noch nicht reichte.
Lily zog ihre Jacke etwas enger um sich und sah sehnsüchtig zum Schlossportal. Wie gerne würde sie jetzt im Gemeinschaftsraum sitzen und am warmen Kamin ein Buch lesen. Frustriert seufzte sie und schüttelte ihre vom Schnee feuchten Haare aus ihrem Kragen. Danach steckte sie ihre eisigen Hände in ihre Jackentasche und wollte wieder zurück zur Schule gehen, als sie spürte wie ihr etwas Kaltes den Nacken hinunter lief. Beunruhigt ertastete sie die kalte Stelle und langte genau in etwas Nasses. Als sie ihre Finger wieder hervor zog, erkannte sie, dass es anscheinend geschmolzener Schnee war.
Wann hatte sie ein Schneeball getroffen?
Genervt wischte sie ihre Finger an ihrer Jacke ab und wollte jetzt erst recht in die Schule gehen, um sich ihren nun nassen Pullover auszuziehen und gegen einen trockenen einzutauschen, aber ihr Plan wurde durchkreuzt von einem plötzlichen Schrei und einem darauf folgendem Stoß.
„Pass doch auf!“, fauchte Lily verärgert, da sie direkt in einem Schneehaufen gelandet war und schon spürte, dass ihre Hose dadurch nass geworden war.
Besorgt kam James zu ihr und fragte mit forschendem Blick: „Alles in Ordnung, Lily?“
Sie sah mürrisch zu ihm hoch und blickte geradewegs in seine braunen Augen, die sie warm ansahen.
Fasziniert sah sie in seine strahlenden Augen und vergaß dabei ganz ihre nasse Hose. Und auch die Antwort, die sie ihm eigentlich noch schuldig war.
Das wurde ihr jedoch kurz darauf zum Verhängnis, da James, als er ihr aufgeholfen hatte, verwundert zu ihr sah und sie darauf aufmerksam machte.
„Ähm - Lily?“, fragte er unbeholfen und deutete etwas vage in die Richtung ihrer nassen Hose.
Lily sah ihn verwundert an und fragte nervös lächelnd: „Was denn? Ist irgendetwas mit mir?“
Sie musterte ihre Kleidung und gerade in diesem Moment fiel es ihr wieder ein.
Fluchend brieten ihre grauen Zellen ihr gedanklich eins mit der Bratpfanne über und Lily selbst spürte schon wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg.
James, der anscheinend immer noch dachte, sie wüsste nicht, was er gemeint hatte, sprach nun peinlich berührt weiter, denn auch ihm schien diese Situation sehr unangenehm zu sein: „Deine Kleidung ist ein bisschen weiß – äh – nass, meinte ich natürlich, vom - vom Schnee.“
Er wuschelte sich unsicher grinsend durch das Haar und Lily spürte, wie ihr trotz nasser Kleidung etwas wärmer wurde. Deshalb lächelte sie ihn schüchtern an, konnte sich aber wegen der peinlichen Situation nicht verkneifen, die Augen beschämt nieder zu schlagen, damit sie seinen Blick nicht sehen musste.
Ihre Tollpatschigkeit schien heute keine Grenzen zu haben. Eine neue Welle Besorgnis erfüllte sie jedoch, gerade als sie auch schon ein Rufen hörte, was sie die Augen aufmachen ließ.
„Lily, warum bist du so nass? Hinfallen und tollpatschig sein, ist doch eigentlich eher mein Part.“, rief Jules, die Lily von hinten eine Hand auf die Schulter legte und sie angrinste.
Lily sah zu ihr und ihr fiel wieder der Grund ihres Unglücks ein.
„Jemand hat mich angerempelt und dadurch umgestoßen.“, klagte sie und blickte vorwurfsvoll über das Gelände, als ob sie den Übeltäter noch in der Nähe erwartete.
Als sie jedoch bemerkte, dass keiner sich ihrer Wut und ihrem Ärger stellte, sah sie wieder zu Jules, die sie immer noch grinsend musterte.
„Tja, also ich richte das jetzt mal kurz für dich, okay? Sonst könnte das noch peinlich für dich werden.“, sagte Jules und zwinkerte Lily zutraulich zu, die sie nun wütend anblickte.
Kurz darauf spürte Lily auch schon die Auswirkung eines Wärmezaubers und merkte, dass ihre Kleidung nun wieder trocken war.
Dafür dass sie darauf nicht selbst gekommen war, hätte sich Lily gegen die Stirn hauen können. Natürlich tat sie dies aber nicht, sondern sah dankbar zu Jules, die sie freundlich in die Seite kniff.
Danach rieb Jules sich bibbernd über die Oberarme und sagte zu den Rumtreibern, die sich nun vollständig vor den beiden Mädchen versammelt hatten: „Ich glaube, wir müssen euch jetzt alleine spielen lassen. Lily und ich brauchen unsere Hände noch zum Schreiben.“
Dabei hielt sie ihre Hände hoch, die schon ganz blaue Fingernägel hatten. Die Jungs sahen grinsend zu ihr und entließen sie ins Schloss, jedoch konnte Sirius es nicht lassen, Jules noch einen Schneeball in den Kragen zu werfen. Während sie in lautes Kreischen ausbrach und sofort wieder zurück stürzen wollte, lachte Lily laut los und hielt sie an einem Arm fest, damit sie endlich zusammen in die Schule gehen konnten. Mürrisch und nun missgelaunt schüttelte Jules den ganzen Weg zum Gemeinschaftsraum an ihrer Jacke herum, um den Schnee aus ihrem Nacken zu vertreiben, obwohl er ihr dadurch in kalten Bahnen den Rücken hinunter lief. Als sie im Gemeinschaftsraum waren, verschwand Jules stampfend die Treppe zu den Mädchenschlafsälen hinauf. Alice, die mit Frank zusammen in einen Sessel gekuschelt saß, sah ihrer Freundin grinsend hinterher und kurz darauf zu Lily, die ebenfalls breit grinste. Sie setzte sich dem Pärchen gegenüber in einen Sessel und wurde sogleich mit einer Frage bombadiert.
„Was ist mit Jules los?“, platzte es aus Alice heraus und Frank wurde durch ihre aufgeregt hohe Stimme so erschreckt, dass er sie fast von seinem Schoß warf.
Vorwurfsvoll drehte sie sich zu ihm um und er erwiderte ihren Blick so entschuldigend, dass sie sich mit einem kleinen Lächeln im Gesicht wieder Lily zuwandte.
„Also? Was war?!“, fragte sie noch einmal nachdrücklich und Lily sagte grinsend: „Black mal wieder.“
Alice schüttelte lachend den Kopf und Frank schlich ein schelmisches Grinsen auf das Gesicht.
Dann brach er in lautes Lachen aus und Alice knuffte ihn in die Seite, während sie fragte: „Was ist? Sag schon!“
Frank grinste und sagte: „Das schreit nach einer Erkältung.“
Daraufhin lachte Alice los und umarmte ihn fröhlich, während Lily sich taktvoll entfernte. Sie ging, wie ihre Freundin kurz zuvor, hinauf in den Schlafsaal, wo Melody und Annabeth gerade eine Partie Zauberschach auf dem Boden spielten, während um sie herum Süßigkeiten verstreut waren. Lily begrüßte sie und sah sich nach Jules um, die, wie Lily gerade entdeckt hatte, auf ihrem Bett lag und mit griesgrämiger Miene eine Quidditchzeitschrift las. Als sie Lily bemerkte, legte sie die Zeitschrift auf ihren Nachttisch und setzte sich auf, während Lily sich auf den nun freien Platz auf ihrem Bett niederließ. Lächelnd sah sie ihre Freundin an und Jules erwiderte ihren Blick mit einem leichten Lächeln. Während Lily ihr nun von dem Gespräch mit Alice erzählte, lachte Jules laut auf und Lily kam nicht drum rum, ihr von Sirius‘ Miene zu berichten, die er gehabt hatte, als er draußen zu ihr gesehen hatte. Daraufhin wurde Jules wieder sehr nachdenklich, da sie mit dieser Reaktion nicht wirklich etwas anfangen konnte. Lily ließ sie deswegen in Ruhe und verzog sich hinter eines ihrer Bücher, wofür sie sich ein paar Süßigkeiten von Annabeth erfragte. Danach gingen sie gemeinsam noch hinunter zum Abendessen, bevor sie nach kurzem Geplauder auch schon ins Bett gingen.
Der letzte Tag des Wochenendes ging unter dem hektischen und angestrengten Erledigen der immer noch unbearbeiteten Hausaufgaben unter und so legten sich die Schüler und Schülerinnen schon bald in ihre Betten, um am Morgen ausgeschlafen zu sein.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel