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Fanfiction

Hinter dem Schleier - Fidelius

von September1st

Kapitel I

Fidelius


Ein kräftiger Windstoß riss meine Vorhänge auseinander und wehte mir einen Schwall Regen ins Gesicht. Erschrocken fuhr ich aus dem Schlaf hoch und stürzte zu dem offenen Fenster. Verärgert begutachtete ich die frisch gewaschenen Sachen, die nun völlig durchnässt dalagen. In Hogwarts hätte ich sie einfach mit einem Wink meines Zauberstabs trocknen lassen.
Doch es blieb auch keine Zeit mehr, sie auf herkömmliche Weise aufzuhängen. Professor McGonnagall würde schon um elf hier ankommen, um mich abzuholen. Also steckte ich die Sachen in eine Plastiktüte und schmiss sie mit einem gewaltigen Platsch in meinen übervollen Koffer.
Als ich die Küche betrat versuchte ich Petunias giftige Blicke so gut wie möglich zu ignorieren. Im Grunde hatte sie sogar Recht, überlegte ich missmutig, während meine Mutter Berge von Essen auf meinem Teller auftürmte.
Seit Beginn der Sommerferien hatte niemand mehr das Haus verlassen können, denn nur Dumbeldores Fidelius Zauber stand noch zwischen ihnen und dem Heer der Todesser. Eine ziemliche Einschränkung, gerade in den Ferien, zumal Petunia nicht das Geringste mit Zauberei am Hut hatte.
Doch so erging es nun allen Muggelstämmigen und wir konnten froh sein, dass diese Vorkehrungen getroffen wurden. Mir selbst passte es auch überhaupt nicht, nicht mehr den Hogwarts Express nehmen zu dürfen. Zu gerne hätte ich mich mit Alice über die Ferien ausgetauscht. Natürlich hätte ich in diesem Jahr eh nichts erzählen können, als „sechs Wochen in meinem Zimmer gehockt und zur Ablenkung gelernt“. Immerhin waren die neuen Schulbücher gleich zu Ferienbeginn eingeflattert, zusammen mit einer Schachtel Zitronenbonbons.
„Es ist Zeit, Schatz.“, sagte meinem Mutter. Dann umarmte sich mich und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Ich werd dich vermissen.“
Sanft strich ich über ihren bebenden Rücken. „Ich dich auch. Aber Weihnachten bin ich ja wieder da.“, versuchte ich sie zu beruhigen.
Mit einem Seufzer ließ sie mich los und nickte. „Schreib uns, hörst du?“
„Jede Woche.“, versprach ich und umarmte meinen Vater.
„Pass auf dich auf Kleines, ja?“, sagte er grinsend. Seine Vorstellung von Hogwarts war maßgeblich durch die Anekdoten der Potters geprägt worden, die es sich nicht hatten nehmen können ab und zu in den Ferien vorbeizuschauen. Immerhin waren Potter und sie ja „befreundet“.
Ächzend schleppte er den Koffer aus meinem Zimmer und hätte ihn mir fast auf die Füße fallen lassen. Es ärgerte mich, immer mehr, dass ich nicht zaubern durfte, doch mein Geburtstag war erst im Oktober.
Gespannt betrachtete ich, wie der Zeiger der Küchenuhr sich unnachgiebig auf elf zubewegte. Laut Klickend schritt der Sekundenzeiger voran und rastete mit einem lauten Knall ein. Ich zuckte zusammen, obwohl mir das Geräusch doch so vertraut war. Etwas nervös ging ich in den Flur und sah Professor McGonnagall würdevoll den Teppich entlangschreiten.
„Guten Tag, Mrs. und Mr. Evans.“, begrüßte sie meine Eltern höflich. Petunia hatte sich wutschnaubend verzogen.
„Ah, und da ist auch schon Miss Evans. Sehr gut, dann ist alles bereit.“ Zufrieden streckte sie ihre Hand nach mir auf. Den Koffer in der anderen ergriff ich sie und machte mich auf einen übelerregenden Flug gefasst. So fest ich konnte kniff ich meine Augen zusammen.
Knall!
Ein Beben fuhr durch meinen Körper und ich hatte das Gefühl das Gleichgewicht zu verlieren. Freudig öffnete ich die Augen und musste enttäuscht feststellen, dass ich mich immer noch zu Hause in unserem Flur befand.
Ein weiteres Krachen erschütterte das Haus. Ruckartig wandte ich den Kopf zum Fenster.
Spinners End brannte. Auf der Straße tummelten sich maskierte Todesser und steckten Autos, Bäume und Häuser in Flammen. Immer schneller folgten die Erschütterungen aufeinander. Ein gewaltiges beharrtes Etwas klatschte auf den Asphalt und erhob sich sogleich wieder. Erst beim zweiten Blick fiel mir auf, dass es Zehen hatte.
Ein Schrei entfuhr mir, als ich erkannte, dass dies keine Explosionen waren. Instinktiv richtete ich meinen Zauberstab auf den gewaltigen Fuß. „Riesen!“, schrie ich. Sie hatten Riesen geschickt, um die Gegend dem Erdboden glich zu machen.
McGonnagall hatte Mühe, meine Hand zurückzuhalten. „ Tun Sie das nicht!“, rief sie, doc ich hörte nicht.
Eine Kälte erfasste mich und ich spürte, wie meine Arme und Beine zusammenschnappten. Auch mein Mund ließ sich nicht mehr öffnen. Wütend funkelte ich sie an.
„Sie sind geschützt hier.“, erklärte McGonnagall ungeduldig. „Also verraten Sie sich nicht selbst, indem Sie etwas Unüberlegtes tun.“
Sie hatte Recht, das war mir klar. Mühsam regte ich mich ab, dann sammelte ich meine Gedanken und ließ den Gegenfluch wirken. Sogleich entspannten sich meine verkrampfen Glieder.
Mit wachendem Grauen beobachteten wir das Treiben auf der Straße. Die Gegend war nun nicht mehr wieder zu erkennen. Trotzdem machten die Todesser weiter offenbar auf der Suche. Nach mir.
„Wir sollten jetzt gehen.“, brach McGonnagall unvermittelt die Stille.
Fassungslos sah ich sie an. Mein Wohnort wurde gerade von seinen Anhängern dem Erdboden gleichgemacht und ich sollte einfach abhauen und meine Familie zurücklassen? Widerwillig schüttelte ich den Kopf, doch die Lehrerin hatte bereits meine Hand ergriffen.
„Es tut mir leid, Lily. Aber ich muss heute noch eine Menge Schüler ins Schloss bringen.“, erklärte sie und mit einem Knall entriss sie mir den Boden unter den Füßen.


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