Hinter dem Schleier - Kristallglas
von September1st
So, neues Chap
Dieses Kapitel ist sozusagen das Ende von Akt I, ich bin also auf ca. 1/3 der ganzen Geschichte und zuversichtlich, sie bis Weihnachten abgeschlossen zu haben. Da bald wieder die Schule anfängt, wird sich mein Tempo jedoch etwas verringern, ein Upload pro Woche wird aber mindestens drin sein (versprochen).
Viel Spaß beim Lesen (auch an meine geliebten Schwarzleser ;)).
@ LiaMalfoy: Voll ins Schwarze, würde ich sagen. Vielleicht war es einfach zu offensichtlich. Ich freue mich sehr, dass du dranbleibst und hoffe, dass die folgenden Kapitel deine Fragen zufrieden stellend beantworten werden.
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Kapitel VIII
Kristallglas
Schweigend folgten wir Professor McGonnagall zum Schloss. Sorgsam achtete ich darauf nicht zu stolpern, denn mein Gleichgewicht hatte sich vollkommen verabschiedet: Was konnte Dumbledore uns so wichtiges mitteilen wollen? Noch nie hatte sie sein Büro betreten, geschweige denn außerhalb ihrer schulischen Pflichten mit ihm gesprochen.
Schon in der Nähe des Schlossprotals konnte man Blutspuren erkennen. Geschockt blieb ich stehen und griff an meine pochende Schulter.
„Du blutest ja immer noch.“, stellte James besorgt fest.
„Sie hätten sagen sollen, dass sie verletzt sind, Miss Evans.“, erklärte McGonnegall zückte ihren Zauberstab und tippte kurz auf die Wunde.
Augenblicklich breitete sich eine angenehme Wärme in meiner Schulter aus und der Schmerz verebbte. Nahtlos fügten sich sie Wundränder zusammen und ließen den Schnitt vollends unter neue Haut verschwinden.
Dankbar nickte ich und öffnete die schwere Tür.
Die Eingangshalle hatte sich in eine Art Lazarett verwandelt. Notdürftig heraufbeschworene Matratzen lagen über den ganzen Boden verteilt, doch immer noch waren es nicht genug, sodass einige der Verwundeten sich eine teilen mussten. Um sie herum befand sich eine Bannkreislinie, die offenbar nur die Lehrer durchqueren konnten. Darum hatten sich zahlreiche Schüler versammelt. Überall klebte Blut.
„Lasst mich durch!“, ertönte eine glockenhelle Stimme. Arg zerzaust tauchte Alice Blondschopf in der Menge der Schlaulustigen auf. Energisch kämpfte sie sich mit ausgefahrenen Ellbogen durch die Menge. „Lasst mich durch! Das ist meine Mutter.“
Geschockt sah ich, wie sich ein Durchgang bildete und Alice ungehindert durch den Bannkreis auf eine kleine etwas rundliche Frau zustürmte, die stocksteif dalag, als wäre sie versteinert worden.
„Kommen Sie, Miss Evans. Wir haben keine Zeit.“, drängte McGonnagall sie. Flüchtig fuhr sie sich über die Augen und eilte schon weiter zur großen Treppe. Doch ich merkte kaum, wo wir eigentlich hingingen.
Meine Gedanken waren bei Alice und ihrer Mutter. Immer wieder kam es vor, dass Angehörige von Schülern umkamen, doch Alice stand mir so nah wie nur wenige, was sich schon daran zeigte, dass ich ihre Zauberereltern überhaupt kannte.
Das Büro lag mehr als verwinkelt und ich hatte schon das Gefühl, McGonnagall würde uns an der Nase herumführen, als sie vor einem besonders hässlichen Wasserspeier stehen blieb.
„Salbeipastillen.“, sagte sie deutlich.
Verwirrt sah ich sie an, doch der Wasserspeier trat grunzend zur Seite und gab den Eingang gehorsam frei. Salbeipastillen! Ein seltsames Passwort aber Dumbeldore war nicht gerade für Konformität bekannt.
„Treten Sie ein, Miss Evans.“, schallte es von der Tür.
McGonnagall machte keine Anstalten zu gehen, nickte mir aber auffordernd zu. Ein vier Augen Gespräch also. Die Vorstellung beunruhigte mich nur noch mehr. Was war nur passiert?
Eine warme Hand umschloss die meine und drückte sie kurz. Überrascht sah ich zu James hinüber, der nur kurz nickte. „Du schaffst das.“, murmelte er und ließ auch schon wieder los. Nur mühsam konnte ich mich davon abhalten, mich festzuklammern.
Meine Feigheit ärgerte mich. War ich nun in Gryffindor oder was? Trotzig sammelte ich all meinen Mut und öffnete die Tür. Wie von Geisterhand schwang sie nach innen auf. Angewurzelt blieb ich im Rahmen stehen und bestaunte den hohen kreisrunden Raum.
Die Wände waren gepflastert mit dunklen Bücherregalen. Überall im Raum standen wackelige Ziertischchen, auf denen noch fragilere Gerätschaften aufgestellt waren. In einer Vitrine befand sich ein goldenes Instrument, das einem Skalpell erschreckend ähnlich sah.
„Ich bitte Sie noch einmal aufs Herzlichste einzutreten, Miss Evans, wenngleich der Anlass dieser Audienz mehr als betrüblich ist.“
Verunsichert ging ich auf den ausladenden Eichenholzschreibtisch in der Mitte des Raumes zu. Dahinter schaute Dumbledore mich ernst über die Gläser seiner Halbmondbrille an. Sein Blick schien mich zu durchbohren. Vorsorglich verschloss ich meinen Geist - auch der tollste Schulleiter hatte kein Anrecht, meine Gedanken zu durchstöbern.
Mit konzentrierter Mine zeichnete er einen üppig gepolsterten Sessel in die Luft. Auf ein kurzes Schnippen seines Zauberstabs materialisierte er sich direkt hinter mir. „Setzen Sie sich doch.“, forderte er sie auf und ließ zugleich den Sessel noch ein wenig weiter zu mir hinrutschen.
Schnell nahm ich Platz, ehe der Sessel mich noch umwerfen würde und sah schnell wieder zu Dumbledore auf. Stocksteif saß er dort, den Kopf auf die runzeligen Finger gestützt und fixierte mich mit seinem Blick.
Mit einem tiefen Seufzer ließ er noch zwei Tassen dampfenden Tee erscheinen - dem Geruch nach eine Mischung aus Kamille und Baldrian. Ein Schauer lief Lily über den Rücken.
„Heute Morgen ist es einer Reihe von Todessern gelungen, alle magischen Schutzmaßnahmen zu umgehen und das Hauptquartier des Phönixordens, sowie zahlreiche andere geschützte Häuser zu überfallen.“
„Nein.“, murmelte ich. Meine Kehle zog sich zusammen und die Härchen auf meinen Armen stellten sich zu einer Gänsehaut auf. Vor meinem inneren Auge erschienen bereits die rußgeschwärzten Trümmer meines Elternhauses.
„Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen Miss Evans, dass Ihre Eltern bei den Anschlägen ermordet wurden.“
Ein klaffender Riss ins Leere tat sich in meinem Inneren auf. Ich spürte, wie mir übel wurde, merkte aber kaum den Eimer, der sich plötzlich unter meinem Kinn befand. Meine Eltern waren tot! Ich war elternlos - verwaist!
Widerwillig schüttelte ich den Kopf. „Nein!“, rief ich aus, „Das ist nicht möglich. Das Haus war doch durch einen Fideliuszauber geschützt und der Geheimniswahrer...“, stockend brach ich ab. Kalte Wut stieg in ihr auf. Waren sie verraten worden?
„War ich selbst.“, beendete Dumbledore den Satz. „Weshalb ich es mir nicht anders erklären kann, als durch ein gewaltiges Meisterstück schwarzer Magie. Offenbar hat Voldemort,“, ich zuckte zusammen, „einen Weg gefunden dieses magische Siegel zu umgehen.“
Ungläubig schüttelte ich den Kopf, wieder und wieder, als könnte ich es dadurch ungeschehen machen. Heiße Tränen liefen meine Wangen herab und hinterließen einen salzigen Geschmack in meinem Mund. In meinem Magen schwelte ein Feuer - brennend und doch eiskalt zugleich.
Dumbledore öffnete seinen Mund, doch seine Worte drangen nicht mehr zu mir durch. Alles, was ich hörte, war das Blut, das durch meinen Kopf rauschte. Immer lauter schwoll das Geräusch an, bis es unerträglich wurde. Krampfhaft kniff ich die Augen zusammen und presste so fest ich konnte die Hände auf meine Ohren.
Wie Kristallglas explodierte der Schmerz in mir und bohrte sich in unzähligen Splittern in mein Fleisch. Der Lärm in meinem Kopf verdichtete sich mehr und mehr zu einem markerschütternden Klirren. Blut sickerte an meinen Fingern herab, bis sie auf etwas Feuchtes am Ende des Gehörgangs stießen.
Die Ränder meines Gesichtfelds zerfaserten. Meine Kehle schien immer weiter zuzuschwellen. Panisch schnappte ich nach Luft und übergab mich. Wie ein Geschwür breitete sich die Dunkelheit aus und umfing mich mit verrotteten Armen.
Es gab kein Zurück.
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PS.: Eine Berührung des Trommelfells löst heftige Schmerzen und akute Übelkeit aus und kann zu Ohnmachtsanfällen führen.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Als ich das Buch las, sah ich es sofort vor mir. Für mich war klar, wie der Film aussehen würde.
Alfonso Cuarón über den dritten Harry-Potter-Film