Hinter dem Schleier - Schuld
von September1st
Hey Ho,
wieder ein neues Kapitel - und ein langes noch dazu. Ich weiß selbst nicht so genau, wann ich die Zeit zum Schreiben gefunden habe aber voilà, hier ist das neue Kapitel. Wünsche viel Spaß beim Lesen und lass mal eine Familienpackung Taschentücher da.
@ LiaMalfoy: Dein neues Chap zu Perfect one kann ich leider nicht finden (Blindfisch). Verlink es mir doch, dann lese ich es gerne (und gebe auch ganz ungeniert meine Meinung ab;). Danke, dass du mich auf die Fehler aufmerksam gemacht hast, habe sie schon korrigiert. Vielleicht sollte ich mir die Chaps wirklich erst mal durchlesen aber es fällt mir unheimlich schwer, sie nicht gleich hochzuladen, sobald sie fertig sind.
Was Petunia angeht.........................
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Kaptiel IX
Schuld
Ein gleißend heller Lichtstrahl bohrte sich wie ein Hornissenschwarm in meine Augen. Schützend schlug ich die Hände vor mein Gesicht und lugte durch meine Finger. Die Welt vor mir schien seltsam verschwommen, als hätte jemand einen starken Weichzeichner über sie gelegt. Tatsächlich war meine Umgebung in einen subtilen Rotstich getaucht. Das grelle Licht war aber verschwunden.
Verwirrt setzte ich mich auf und stellte fest, dass ich in einem Bett lag. Neben mir steckte gerade Madam Pomfrey ihren leuchtenden Zauberstab weg und sah mich mit einer Mischung aua Mitleid und Strenge an.
„Trinken Sie das.“, befahl sie und stellte einen Becher auf dem Nachttisch neben meinem Bett ab.
Neugierig griff ich danach und begutachtete die zähflüssige Substanz. Sie hatte eine hellrosa Farbe und schimmerte im Licht verführerisch wie Perlmutt. Meine Finger zitterten leicht, während die den Becher ansetzte und ein paar Schlucke zu mir nahm. Eine Mischung aus Honig und Birne breitete sich in meinem Mund aus. Gierig nahm ich den Rest zu mir.
Augenblicklich erstarrten meine Hände und meine Glieder entspannten sich. Klirrend viel der Becher zu Boden und zerbarst, doch ich nahm es kaum wahr. Tatsächlich fühlte ich mich seltsam geborgen, als wäre ich eingehüllt in eine warme Decke. Ein seliges Lächeln stahl sich auf meine Lippen, ohne dass es einen Grund dafür gegeben hätte.
Kopfschüttelnd wandte sich Madam Pomfrey von mir ab. Verwirrt sah ich ihr nach und beobachtete, wie sie sich um andere Patienten kümmerte. Ein überraschtes Kichern entfuhr mir, als ich feststellte, dass ich mich im Klassenzimmer für Verwandlung befand. In einem Bett! Dabei fühlte ich mich pudelwohl.
Einige Minuten lag ich einfach nur da und Genoss das Gefühl vollkommener Glückseligkeit. Hin und wieder war es, als hörte ich einen schmerzerfüllten Aufschrei, doch ich nahm sie kaum war: Eine dicke Wand aus Watte umhüllte mich, sodass sie mir nichts anhaben konnten.
Es wunderte mich zunehmend, dass ich überhaupt hier war. Was hatte ich in einem Raum voller Verletzter zu suchen? Es ging mir gut! Sie sollten den Platz für jemanden nutzen, der wirklich verletzt war! Ich gehörte nicht hier hin.
Hinter mir fiel eine Tür ins Schloss. Poppy war also gegangen. Leise glitt ich unter dem weißen Laken hervor und schlich mich halb geduckt aus dem Klassenraum.
Auch im Flur lagen noch Menschen, doch ich beachtete sie kaum. Mit traumwandlerischer Sicherheit stieg ich die Treppen empor, fest entschlossen, einfach wieder in den Gemeinschaftsraum zu gehen.
„Lily!“, rief James und kam auf mich zugestürmt.
Ein Feuerwerk ging in mir hoch, als ich ihn sah. Lachend ließ ich mich in seine Arme fallen und genoss seine Nähe. Warum hatte ich das eigentlich nicht schon früher gemacht? Tief sog ich seinen Geruch in meine Lungen und legte meine Lippen auf seine.
Augenblicklich erstarrte er und schob mich mit sanfter Gewalt von sich weg. Verblüfft sah ich ihn an. Sein irritierter Gesichtsausdruck ließ mich ahnen, dass etwas nicht stimmte. Angestrengt suchte ich nach einem Grund, irgendeinem Hindernis, dass ihn hemmte, doch mir wollte nichts einfallen. Hatte er das nicht immer gewollt? „Was ist los mit dir?“
Doch James schüttelte nur den Kopf und hastete den Korridor entlang, direkt auf die Tür der improvisierten Krankenstation zu. Etwas außer Atem folgte ich ihm. Seine Reaktion enttäuschte mich und immer noch hatte ich das seltsam unbestimmte Gefühl, etwas Entscheidendes zu übersehen.
Ein halbes Duzend Flaschen in den Armen kam Poppy aus einem Nebenraum gestürmt. Sofort stürzte James sich auf sie. „Was haben Sie ihr gegeben?“, fragte er wütend.
„James!“, rief ich verwirrt und versuchte ihn von der Krankenschwester wegzuzerren. Seine Aggressivität war so unangebracht.
„Was haben Sie ihr gegeben?“, wiederholte er die Frage noch etwas lauter, packte sie am Kragen und schüttelte sie. Die Flaschen vielen klirrend zu Boden, zerbarsten und verspritzten ihren Inhalt schön gleichmäßig auf den polierten Steinfliesen.
Auf ein Schnippen von Madam Pomfreys Zauberstab erstarrte er. Vorsichtig lehnte sie ihn an mein Bett. „Schreien Sie nicht so, es gibt auch noch andere Leute als Sie auf dieser Welt.“, fuhr sie James an, während sie mich zu einem Stuhl bugsierte.
„Ich habe ihr den Trunk des Friedens, Peyote, Kratom (*) und Euphorieelexier gegeben. Zufrieden?“
Widerwillig schüttelte James den Kopf. „Nein.“, sagte er, „Es ist nicht richtig. Warum darf sie nicht um ihre Eltern trauern?“
Verwirrt sah ich ihn an. Meine Eltern? Bilder zuckten an meinem inneren Auge vorbei: Das Spiel, die Massenpanik, die Verletzten, das Gespräch mit Dumbledore. Ihre Eltern waren tot! Für immer.
Wieder und wieder konzentrierte sich Lily auf diesen einen Gedanken, doch die zu erwartende Wirkung blieb aus. Tatsächlich fühlte sie fast gar nichts, außer einem unangenehmen Ziehen in ihrer Magengrube. James hatte Recht: Sie konnte nicht traurig sein.
„Dafür wird noch Zeit genug sein.“, erwiderte Poppy stur. „Sie sollten ihr ohnehin erst einmal die jüngsten Ereignisse näher bringen. Immerhin sollte man doch wissen, was es nun schon wieder zu betrauern gibt. Vielleicht ist es sogar besser, wenn sie ein wenig mehr Zeit hat, das alles zu verdauen, bevor Gefühle ins Spiel kommen.“
---James POV---
Wütend starrte James die Krankenschwester an, dann blickte er zu Lily hinüber. Immer noch stand ihr dieses irre Grinsen ins Gesicht geschrieben. Ihre Züge schienen zu einer wächsernen Grimasse erstarrt und ihre Augen kippten immer wieder in endgegengesetzte Richtungen. Sie schrie nicht, sie weinte nicht, doch das hier konnte nicht besser sein.
Kurz sah er zu dem benachbarten Bett. Ein Mann lag dort, der mehr einem Stück Hackfleisch als einem Menschen ähnelte. Tiefe hellrote Furchen durchzogen seine blutverkrustete Haut. Eine seiner Augenhöhlen war leer und die längst nicht mehr weiße Bettdecke lag verdächtig flach dort, wo sein linkes Bein hätte sein sollen. Allastor Moody war knapp davongekommen - sein Vater hatte weniger Glück gehabt.
Seine Kehle schnürte sich zu und er spürte, wie eine einzelne Träne über sein Gesicht lief. Trotzig wischte er sie weg. Immerhin hatte er seit dem Vorfall in der Winkelgasse jeden Tag damit gerechnet. Er war darauf vorbereitet gewesen, soweit man es sein konnte.
„Was ist der Orden des Phönix?“, brach Lily unvermittelt die Stille.
„Was?“, fragte James perplex.
„Dumbledore hat davon gesprochen.“
„Das ist...“, erstaunt brach James ab. Er war davon ausgegangen, dass Lily - gerade Lily, die noch jeden Braten gerochen hatte - bestens darüber bescheid wusste. Nicht im Traum wäre ihm der Gedanke gekommen, dass das alles... und dann auch noch gänzlich hinter ihrem Rücken...
Schnell wich er ihrem fragenden Blick aus. Sein Magen brannte vor Scham. Warum hatte man sie im Glauben gelassen, allein dazustehen? Warum hatte er ihr nie etwas gesagt? War es nicht gerade in ihrer Position selbstverständlich etwas tun zu wollen - sich zu widersetzten? Dumbledore mochte diese Informationen behüten wie ein Drachenei, sei's drum! Er hatte die Nase voll von der ganzen Heimlichtuerrei.
„Also...“, setzte er an und begann zu berichten: Von der Idee eines organisierten Widerstandes, den Aufgaben des Ordens, die Abgrenzung zum vermutlich infiltrierten Zaubereiministeriums und allem Anderen, was er noch darüber wusste.
---Lilys POV---
Mit geschlossenen Augen lauschte ich aufmerksam seinen Worten. Hin und wieder zog sich meine Stirn unwillkürlich zusammen - meist bei einem besonders pikanten Detail - und bildete kleine Furchen in meiner Haut. Am liebsten hätte ich mich über den Orden aufgeregt, brachte aber nicht mehr, als flaue Überraschung zustande. Meine Gefühlswelt glich einem prall gefüllten Luftballon: Eine hauchdünne Schicht psychoaktiver Substanzen presste all das Leid, welches über mich hätte hereinbrechen müssen in ihrem inneren zusammen.
Abgeschirmt von jedweder wirklichen Epfingung kam ich mir vor, wie ein emotionaler Krüppel. Allein mein Verstand schien kaum beeinträchtigt zu sein, sodass ich mir jederzeit meines unangemessenen Verhaltens bewusst war.
Als James geendet hatte, schwirrten noch tausende Fragen durch meinen Kopf. Zu gerne hätte ich an diversen Stellen nachgehakt, doch mein Geist brachte kaum noch einen klaren Gedanken abseits der Widerstandsbewegung zustande.
Ich hatte kaum gemerkt, wie müde ich eigentlich war, so sehr hatte mich seine kleine Rede gebannt. Nun aber überfiel mich eine bleierne Schwere mit voller Wucht und drohte, mich jeden Moment in Morpheus Königreich zu entführen.
Schließlich gab ich auf und ließ mich in die Tiefen meines erschöpften Geistes zurücksinken. „Also hat Dumbledore eine kleine Privatarmee.“, murmelte ich und glaubte, mich irgendetwas von „Kurios!“, flüstern zu hören. Sicher war ich mir aber nicht, so fremd schien mir diese vermeintliche Realität zu sein, in der man mit einem Schlag seine ganze Familie verlieren konnte.
„WO IST SIE?!“
Ruckartig fuhr ich aus dem Schlaf hoch und konnte nichts sehen. Verwirrt rieb ich mir mehrmals die Augen, doch meine Umgebung blieb weiterhin in diffuse Schwärze getaucht. Allein ein paar winzig kleine Lichtpunkte zu meiner Rechten durchbrachen die Dunkelheit.
Ein gedämpftes Poltern erklang aus der Ferne. „Wo ist sie?“, schrie eine schrille Stimme aufs Neue.
Trotz ihrer Schärfe hatte die Stimme etwas Unreales. Sie gehörte nicht hier hin, fühlte sich an wie eine verblasste Erinnerung aus einem längst vergessenen Traum.
Ich spürte, wie ich langsam wach wurde. Offenbar war es bereits tiefe Nacht. Unter mir konnte ich das sterile Bettzeug ertasten, welches ich untrennbar mit Krankenhäusern in Verbindung brachte. Also befand ich mich immer noch im Verwandlungsklassenraum.
Langsam richtete ich mich auf, überkreuzte meine Beine und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Meine Eltern waren tot. Auf die Nachricht hin war ich zusammengebrochen, weshalb man mich unter starke Beruhigungsmittel gesetzt hatte - so weit so schlecht.
Ob sie wohl noch wirkten? Wie ein Blitz zuckte er Gedanke durch meinen Kopf und vertrieb alle Müdigkeit. War ich noch ruhiggestellt oder verloren die Tränke ihre Wirkung?
Konzentriert rief ich mir das Bild meiner Eltern in Erinnerung. Ich fühlte mich unwohl dabei aber eine echte Reaktion blieb aus aber vielleicht war das auch nur eine Frage der Intensität.
Wieder und wieder stellte ich mir die Ereignisse in immer groteskeren Formen vor und stellte triumphierend fest, dass es mir dabei immer schlechter ging. Nicht mehr lange und die Wirkung würde vollends von mir abfallen. James hatte Recht: Es war Falsch, nicht einmal seine Eltern zu betrauern nur weil es bequemer war.
„LASST MICH ENDLICH ZU IHR! ICH BIN IHRE SCHWESTER!“
Mit einem durchdringenden Knall flog die Tür zum Klassenraum auf. Eine dürre Gestalt im geblümten Sommerkleid stürmte hinein gefolgt von zwei Männern, deren Zauberstäbe nur spärlich die Umgebung erleuchteten.
Trotzdem blendete das Licht mich, sodass ich sie erst nur verschwommen erkennen konnte. Suchend ließ sie ihren Blick schweifen und kam dann, die Hände in die Seiten gestützt auf mich zugestürmt. Erschrocken wich ich zurück.
„Ja, da verkriechst du dich, Missgeburt.“, keifte Petunia und baute sich vor mir auf. „Drehst einfach durch und knockst dich aus, anstatt Verantwortung zu übernehemen. Verantwortung! Weißt du überhaupt, was das ist?“
„Tuni.“, murmelte ich schwach.
Doch Petunia machte nur eine wegwerfende Handbewegung. „Nein, Lily. Ich denk gar nicht dran, mich von dir und deinem Pack...“, unwirsch deutete sie auf ihre beiden aufgebrachten Begleiter, „auch nur noch ein einziges Mal beschwichtigen zu lassen. Es ist genau das, was mich in diese Lage gebracht hat und die ganze Zeit habe ich es gewusst. Ich habe es gewusst!“, schrie sie halb triumphierend, halb verzweifelt und stieß eine Faust in die Luft.
„Aber natürlich.“, fuhr sie ohne nennenswerte Pause fort, „Natürlich wollte niemand auf mich hören: Nicht Mum oder Dad und am allerwenigsten du, du verdammtes Miststück. Dachtest wohl, du wärst was Besonderes. Dachtest, du würdest was reißen können, fernab dieser verfluchten Arbeitersiedlung. Lebst auf unsere Kosten in diesem verdammten Schloss und lässt es dir gut gehen während wir anständigen Leute hart für unser Auskommen arbeiten müssen! Als ob du etwas Besonderes wärst.“
Vollkommen außer sich schrie sie, tobte vor sich hin und trat dann und wann gegen das eiserne Bettgestell. Speicheltropfen flogen in mein Gesicht. Angewidert wischte ich sie weg. Mehr konnte ich Petunias Worten dank Beruhigungsmitteln jedoch nicht abgewinnen - sie prallten einfach an mir ab.
Im Gegensatz zu den beiden Zauberern, die ich nun als James und Professor Slughorn erkannte. Aufgebracht starrten sie Petunia an. „Aber aber, meine Liebe.“, legte Slughorn mit milder Fassungslosigkeit ein, „Jetzt beruhigen Sie sich doch. Ihre Schwester hat es doch genauso schlimm getroffen wie Sie.“
Doch Tuni ließ sich nicht beirren. „Mich beruhigen?“, setzte sie ihre Schimpfkanonade fort. „Ihre Sippschaft hat meine Eltern getötet und jetzt sperren Sie mich in diesem vermaledeiten Schloss ein, weil eine verdammte Terroristenmeute hinter mir her ist und erwarten da allen Ernstes, dass ich ruhig bleibe?“
Zitternd deutete sie direkt auf mein Gesicht. „DU!“, schrie sie und straffte ihre Schultern. Einige Sekunden verharrte sie schwer atmend in dieser Position und schien mit sich zu ringen. Dann atmete sie ein letztes Mal durch, die Mine einer Märtyrerin aufgesetzt - bereit, sich jeden Moment in die Luft zu sprengen.
Ihr ganzer Körper schien vor Energie zu beben. „DU BIST SCHULD!“, schrie sie.
„Ohne dich wären Mum und Dad noch am Leben.“
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* Beide Planzen sind in der Muggelwelt verboten, das sie u.a. Meskalin enthalten.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Ich bin Potterianer der ersten Stunde.
Rufus Beck