
von Zissy Malfoy
Die nächsten zwei Wochen dachte ich oft über meinen Beobachter, ich war mir sicher, dass es ein Mensch war, nach. Und wenn nicht, dann dachte ich an meine Eltern. Ich machte mir große Sorgen um sie und hatte manchmal, wenn ich wieder die ganze Nacht wachgelegen hatte, dunkle Ringe unter den Augen.
Doch dann machte eine Nachricht, die mich sofort ablenkte, die Runde: Es würde einen Weihnachtsball geben!
Natürlich war es bei alle, zumindest bei uns Mädchen, Gesprächsthema Nummer eins. Wer ging mit wem hin? Wer zog was an?
Mich hatte bis jetzt noch keiner gefragt. Diese Tatsache ärgerte mich. Und, dass Bella mit Rodolphus hingehen würde. Anscheinend hatten sie sich wieder vertragen. Ich konnte es nicht ertragen, wenn Bella etwas Besseres hatte als ich. Das war unfair, wir waren immerhin Schwestern!
Als ich mit Allie, die mit einem genauso dickem Durmstrang-Jungen zum Ball gehen würde, sie hatte gleich bei der ersten Anfrage ja gesagt, weil sie befürchtete, dass sie von keinem anderen mehr gefragt werden würde, und Stella, die auch noch von niemandem gefragt wurde, wieder mal durch die Gänge Hogwarts schlenderte, beschlossen wir, am nächsten Wochenende nach Hogsmeade zu gehen um uns schöne Kleider auszusuchen.
Meine Eltern konnten mir zwar kein Geld schicken, aber ich hatte immer noch ein paar Galleonen.
Bella hatte ihr Kleid schon. Sie hatte es gleich nachdem wir erfahren hatten, dass ein Ball stattfinden würde, gekauft. Es war rabenschwarz, der Rock, der bis kurz über die Knie ging war zerfetzt. Sie hatte den ganzen Abend lang damit angegeben. Außerdem hatte Rodolphus sie gefragt, ob sie mit ihm hingehen würde. War ja klar.
"Ich will ein Kleid mit viel Glitzer, damit ich auffalle", meinte Allie.
"Dann siehst du aus wie eine wandelnde Discokugel...", lästerte Stella und lächelte gemein.
Ich lachte als ich Allies Gesicht sah. Stella hatte ja sowas von recht.
"Stella, sei doch nicht immer so gemein!", heulte Alecto.
Stella verdrehte die Augen, zog einen kleinen Spiegel aus der Tasche ihres Rockes und betrachtete sich darin.
Ein paar Tage später liefen wir von Hogsmeade wieder nach Hogwarts zurück. Ein paar vereinzelte Schneeflocken fielen vom Himmel und es war klirrend kalt.
Ich hatte mir ein wunderschönes, zartrosa Kleid gekauft, das mit glitzernden Steinen bestickt war. Stella hatte sich ein sehr kurzes mit sehr weitem Ausschnitt genommen. Ich war mir nicht sicher, ob die Lehrer sie so gehen lassen würden. Und Allie hatte ihre Drohung wahr gemacht und ging als wandelnde Discokugel auf den Ball.
Mich und Stella hatte noch immer niemand gefragt, was Allie uns natürlich dauernd unter die Nase rieb.
Stella und Allie gingen ein Stück vor mir. Sie waren in eine Diskussion über ihre Frisuren vertieft, die sie tragen würden. Ich hatte mich schon entschieden. Also steckte ich meine Hände in die Taschen meines Mantels, damit sie nicht noch abfroren und lief ihnen hinterher.
Dann ertönten eilige Schritte hinter mir. Sie wurden immer lauter und hatten mich schließlich eingeholt. Ich blieb stehen.
"Hi", sagte Lucius.
"Was willst du?", fragte ich zurück.
"Du hast keine verkohlten Haarspitzen mehr..."
"Ja, ich hab sie rausgeschnitten."
"Wenn ich das bemerken darf, deine Haare sind schön wie eh und je!"
Oh ha, was wollte er? Ein Kompliment war das letzte, was ich erwartet hatte.
"Ich muss dann langsam weiter...meine Freundinnen fragen sich bestimmt schon wo ich bleibe...", meinte ich ausweichend und wollte schon weitergehen als er sagte: "Warte! Ich muss dich etwas fragen!"
Ungeduldig sah ich ihn an.
"Okay...würdest du...mit...", mehr konnte er nicht sagen, denn plötzlich rief jemand "Narzissa!"
Es war Milo. Überrascht sah ich den großen Kerl auf uns zulaufen. Er hatte einen langen Mantel aus Pelz und riesige Stiefel, ebenfalls aus Pelz, an. Igitt, die armen Tiere, die dafür sterben mussten!
Lucius sah sehr wütend aus. Als würde er gleich an die nicht vorhandene Decke gehen.
"Du bescheuerter Bulgare! Wir unterhalten uns hier gerade, siehst du das nicht? Kannst du überhaupt unsere Sprache, du dreckiges Schlammblut?", beschimpfte Lucius den Durmstrang.
Doch als Milo vor uns zu stehen kam, verstummte Lucius. Es war ihm wohl doch etwas zu gefährlich, jemanden mit diesem Körperbau zu beleidigen.
"Narzissa, gehst du mit mir zum Ball?", fragte Milo einfach grade heraus. Ich war völlig überrumpelt. Zuerst konnte ich gar nichts sagen. Ich stand bloß da und sah ins Nichts. Nach ein paar Sekunden wurde ich wieder wach und antwortete: "Gerne!"
Milo strahlte. "Wunderbar, bis dann!"
Und mit großen Schritten machte er sich wieder aus dem Staub.
Lucius starrte mich an. Sein Gesicht sah aus wie versteinert und seine Lippen waren zusammengepresst.
"Was wolltest du sagen?", fragte ich, freundlicher als sonst, weil gerade Milo mich eingeladen hatte.
"Nichts", sagte er, "Gar nichts, Narzissa."
Und ganz anders als sonst, er stolzierte sonst immer herum wie ein Pfau, schlurfte er mit hochgezogenen Schultern davon.
Erst jetzt bemerkte ich, dass Allie und Stella stehengeblieben waren und mich, Milo und Lucius beobachtet hatten.
Lucius drehte sich noch einmal zu mir um. Mit einem gewohnten hämischen Grinsen ging er direkt auf meine beiden Freundinnen zu.
Auch ich setzte mich in Bewegung.
"Hey, Stella!", rief der Blonde und meine ebenso blonde Freundin setzte ein sehr gekünsteltes Lächeln auf, das freundlich wirken sollte.
"Ja?"
"Du gehst mit mir zum Weihnachtsball. Ich warte vor der großen Halle auf dich", sagte Lucius im Befehlston.
Stella sah aus wie ein großer Karpfen. Ihre Augen wurden groß und glänzend, wie die eines Hauselfs, der Mund klappte immer wieder auf und zu ohne, dass irgendwelche Geräusche daraus drangen.
Schließlich schaffte sie es ein "Klar" zu hauchen.
"Schön. Ich freue mich schon", lächelte Lucius und mit einem letzten, tief verachtenden Blick ging er nun endgültig ins Schloss zurück.
Ich hätte heulen können vor Wut! Wieso fragte er Stella? Es gab viele andere Slytherin-Mädchen die liebend gerne mit ihm hingegangen wären. Egal wer, nur nicht Stella! Doch ich versuchte meine Wut nicht nach außen dringen zu lassen. Stattdessen machte ich einen herablassenden Gesichtsausdruckmund sagte: "Malfo? Du gehst allen Ernstes mit Malfoy auf den Ball?"
Doch Stella schien meine genauso herablassende Stimme gar nicht zu bemerken, sondern lächelte nur selig.
"Ist das nicht toll?"
"Ich meine, da habe ich jemand besseren abgekriegt. Milo ist Champion. Und außerdem zwei Jahre älter."
Jetzt schien sie endlich zu kapieren, was ich meinte und sah mich böse an.
"Nur weil du eifersüchtig bist? Glaub ja nicht, ich hätte nicht gemerkt, wie du ihn immer ansiehst! Du liebst ihn immer noch, das ist kaum zu übersehen. Und ich weiß auch, dass du uns damals angelogen hast. Du hast dich nicht von Lucius getrennt, sondern er von dir. Mein Bruder hat mir alles haargenau erzählt. Und wenn es dir nicht passt, dass Lucius mich jetzt mehr mag als dich, dann heul dich doch bei deinem ach so tollen Milo aus! Dieses widerliche Schlammblut kann mir gestohlen bleiben!"
Erschrocken starrte ich ins Nichts. Yaxley hatte es also doch gewusst und rumerzählt. Doch ich fing mich schnell wieder.
"Wer weiß es noch?", fragte ich und drehte nervös eine Haarsträhne um meinen Finger.
"Keine Ahnung, da musst du Lucius oder meinen Bruder fragen. Ich werde es nicht weitererzählen. Du hast Glück, dass ich so großzügig bin", zischte Stella.
"Halt den Mund! Sofort! Wehe, du nennst Milo noch einmal Schlammblut!", rief ich und zog meinen Zauberstab, "Und wehe, wehe dir, du erzählst die Geschichte zwischen mir und Lucius irgendjemandem!"
Auch Stella zog ihren Zauberstab. Wütend sahen wir uns in die Augen. Jede wartete nur darauf, dass die andere einen Fluch losließ.
Bis Allie die Stille durchbrach. "Leute...kommt schon, kein Grund, sich gleich zu duellieren..."
Stella ließ zuerst ihren Zauberstab sinken, danach ich.
"Nun gut. Ich gehe jetzt ins Schloss zurück. Allie?", murmelte ich.
Allie sah gequält von mir zu Stelle und wieder zurück. Ich war mir sicher, dass sie sich für mich entscheiden würde. Meine Familie war mächtiger.
Und richtig. Langsam schob sich die wandelnde Discokugel in meine Richtung.
"Schön! Ich hab eine Menge anderer Freundinnen!", kreischte Stella und stürmte davon.
Wir warteten kurz, dann folgten wir ihr hinauf ins Schloss. Den ganzen Weg sagten weder Alecto noch ich etwas. Ich vermutete, dass sie an den Streit gerade dachte. Doch ich konnte nur eines denken: Liebte ich Lucius wirklich noch?
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Naja... :| Kitsch und alles mögliche... ^^
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