
von Zissy Malfoy
Wie gerne hätte ich meinen Eltern jetzt geschrieben! Doch das war unmöglich.
Ich saß auf meinem Bett im Gemeinschaftsraum in meinem wunderschönen Ballkleid und wartete, bis wir endlich gehen konnten. Stella, mit der ich mich noch nicht vertragen hatte, war schon gegangen. Natürlich wollte sie so schnell wie möglich zu ihrem Lucius. Ich hätte etwas gegen die Wand werfen können!
Allie war noch im Badezimmer und machte sich die Haare. Ich trug eine elegante halb hochgesteckte Frisur, sodass meine Haare, die mir sonst bis kurz über den Po gingen, nur die Hälfte meines Rückens bedeckten. Auf meinem Kopf waren sie kunstvoll zusammengesteckt und magisch befestigt. Es hatte furchtbar lange gedauert, sie so hinzubekommen.
Wiedereinmal starrte ich die mamornen Fliesen des Fußbodens an. Ich hatte in den letzten vier Tagen so oft so dagesessen, dass man die Stelle, an der ich, steif und unbeweglich für lange Minuten, gesessen war fast sehen konnte.
Ich forscht in meinen Gedanken, in meinem Hirn, ob ich irgendwas fand, das darauf hinwies, dass ich Lucius immer noch liebte. Es fühlte sich nicht so an wie beim letzten Mal. Ich war mir nicht sicher, ob das, was ich empfand wirklich Liebe war. Es war anders. Wenn ich an ihn dachte, dann wurde ich nicht auf einmal ganz aufgeregt und musste die ganze Zeit Lächeln. Es war eben anders. Ich war noch nicht oft verliebt gewesen, deshalb hatte ich nicht wirklich Erfahrung.
Dann schweiften meine Gedanken ab. In richtung Mom und Dad, die irgendwelche Muggel oder Schlammblüter töteten folterten oder was weiß ich. Was, wenn einer der beiden starb? Wenn sie nach Askaban gesteckt wurden? Manchmal dachte ich, dass das Leben als Todesser zu gefährlich war. Wenn man nun auf der anderen Seite wäre...? Würde man besser geschützt werden? Nein! Sowas sollte ich nicht denken! Wenn der dunkle Lord auch nur für den abruchteil einer Sekunde in meinen Geist eindringen würde, wollte ich gar nicht wissen, was meinen Eltern, oder Bella zustieß.
"Bist du so weit?", fiepste Allie. Sie war ganz aufgeregt. In ihrem glitzernden Kleid sah sie wirklich aus wie eine Diskokugel. Ich hoffte nur für sie, dass der Junge aus Durmstrang das nicht genauso sah und sich lieber jemand anders suchte. Sie würde wieder ein riesiges Drama daraus machen.
"Klar...", murmelte ich. Ich hatte Angst davor, Lucius mit Stella zu sehen. Eifersucht? ... Ein Anzeichen für Liebe?
Ich gab mir aber einen Ruck und freute mich auf einen schönen Abend mit Milo.
"Kommst du jetzt endlich?", maulte Alecto und vorsichtig, um mein Kleid nicht irgendwie zu ruinieren, erhob ich mich.
"Endlich", murmelte Allie.
Ich folgte ihr durch die Tür des Schlafsaales und die Treppe hinunter, immer drauf achtend, nicht auf den Saum meines Kleides zu treten.
Im Gemeinschaftsraum warteten noch ein paar Jungs, auch Yaxley, der wahrscheinlich auf die furchtbar eingebildete Abigail wartete. Ich hätte mich am liebsten auf ihn gestürtzt. So wütend war ich, denke ich, noch nie auf irgendjemanden gewesen. Wieso musste er es nur unbedingt herumerzählen?
Die meisten starrten uns, hauptsächlich mich, an. Schnell kontrollierte ich in einem Spiegel, der neben mir an der Wand hing noch mal, ob mein Make-Up in irgendeiner Weise verschmiert, veronnen oder sonst was war. Nichts. Gut. Mit erhobenem Haupt stolzierte ich an den Jungen vorbei, wohlwissend, dass sie sich alle fragten, wieso sie mich nicht gefragt hatten. Ich war hübsch, intelligent, zu gewissen Leuten nett und die Ex von Lucius.
Da haben sie wohl Pech gehabt. Ich hätte beinahe mit den Schultern gezuckt, aber ich konnte es mir gerade noch verkneifen.
Vorsichtig trat ich hinaus auf den Gang. Niemand war zu sehen. Ich hatte einen Moment erwartet, Lucius und Stella zu treffen. Doch dann fiel mir ein, dass er in der Eingangshalle auf sie wartete.
Auf dem Weg zur großen Halle fiel mir ein, dass Milo gar nicht gesagt hatte, wo wir uns treffen. Wahrscheinlich auch in der Eingangshalle.
Allie neben mir schnaufte, weil sie ihr Kleid zwei Nummern zu klein gekauft hatte und schlanker auszusehen. Das war eine besonders dumme Idee. Jetzt sah sie aus, als hätte man eine Knackwurst als Diskokugel verkleidet.
Da kam uns ein rundliches Etwas entgegen.
"Das ist er!", jauchzte Allie und trippelte auf das Etwas, das sich als ohr Begleiter entpuppte, zu.
"Alecto...", nuschelte der Durmstrang. Er war nicht viel größer als ich, hatte dunkelbraunes, kurzgeschorenes Haar und war ziemlich dick.
"Johann...", flüsterte Allie, als hätte sie gerade den Mann ihrer Träume erblickt.
Dann streckte er ihr seinen Arm entgegen und Allie ließ mich mutterseelenallein in dem Korridor stehen. Tolle Freundin!
Jetzt wieder mürrisch raffte ich mein Ballkleid und ging weiter.
Als ich am oberen Ende der Treppe, die runter in die Eingangshalle führte blieb ich stehen. Es waren so ziemlich alle Schüler versammelt. Auch die aus Beauxbatons und Durmstrang.
Milo konnte ich nirgendwo entdecken, also machte ich mit einfach auf den Weg nach unten. Ich konnte Bella sehen, die mit Rodolphus redete. Sie hatte anscheinend jetzt schon viel Spaß. Rodolphus' Bruder Rabastan stand ganz an der Wand und sah wütend drein. Ich konnte kein Mädchen sehen, das mit ihm hier sein könnte, also nahm ich an, dass er keine gefragt hat. Wahrscheinlich hätte jede 'ja' gesagt. Seine Augen waren manchmal sehr faszinierend und fast hypnotisierend. Doch ich ließ meinen Blick weiter schweifen. Ich entdeckte Andy, die mit irgendeinem Schlammblut aus ihrem Haus gekommen war. Sie war zwar meine Schwester und in gewisser Weise hatte ich sie lieb, aber manchmal war sie eine Schande für die Black-Familie. Doch ihr Kleid war wunderschön. Sie hatte es in den Gryffindor Farben Arot und gold gehalten. Ihre hellbraunen Haare waren ähnlich wie meine hochgesteckt, nur hatte sie Perlen in ihr Haar geflochten. Ganz im Gegensatz zu Bellas Outfit. Es war nachtblau, so dunkel, dass es schon fast schwarz wirkte. Der Rock war kunstvoll zerrissen und die Ärmel hingen in Fetzen von den Armen. Ich hoffte ernsthaft, dass es so sein sollte und nicht, dass es auf dem Weg in die Eingangshalle passiert ist. Ihr Haare trug sie so wie immer: lockig, verwuschelt und dunkelbraun.
In einer anderen Ecke standen Yaxley und Abigail, die es wohl endlich geschafft hatte, sich von ihrem Spiegelbild loszureißen. Sie redeten mit Yaxleys bestem Freund: Lucius. Stella lächelte wieder aufgesetzt und hielt, wie ich mit Schrecken und unglaublicher Wut bemerken musste, Lucius Hand. Noch ein Zeichen dafür, dass ich ihn noch liebte ... Na toll! Mittlerweile war es klar geworden. Stella hatte, so ungern ich das zugeben wollte, recht. Was nun? Lucius liebte mich aber nicht.
"Narzissa!", sagte plötzlich eine Stimme direkt neben mir. Ich zuckte zusammen.
"Milo!"
"Gehen wir?", fragte er und ich wunderte mich wiedermal darüber, dass er so toll Englisch sprach.
"Klar...", seufzte ich und sah ein letztes Mal zu Lucius hinüber.
Aber ich musste diesen Anfangstanz mit Milo tanzen, da er ja ein Champion war.
Wir stellten uns hinter Rachel, die mit einem Durmstrang-Jungen gekommen war, und vor Nicole, die mit ihrem Freund Xenophilius Lovegood dastand, redte und lachte. Ich persönlich fand diesen Lovegood ja sehr merkwürdig und sehr, sehr unter meiner Würde.
Ein bisschen aufgeregt war ich schon. Aber ich war gut im Tanzen. Es machte mir großen Spaß herumzuwirbeln und die anderen mit meinem Können zu beeindrucken.
Endlich öffnete sich das große Tor zur großen Halle und Musik fing an zu spielen. Kurz blickte ich atemlos in die so vertraute und doch so veränderte Halle.
Die Wände waren über und über mit glitzernden und funkelnden Eiskristallen überzogen. Alle paar Meter waren riesige Kerzen daran befestigt, die den Saal in ein wunderschönes, goldenes Licht tauchten und deren Flammen sich überall spiegelten. Doch sie waren nicht die einzige Lichtquelle. Die üblichen, tausenden Kerzen, die normalerweise herumschwebten waren durch einen unglaublich großen und mit Eiszapfen behangenen Luster ersetzt worden, an dem furchtbar viele, ganz kleine Lichter leuchteten. Außerdem fielen Schneeflocken von der Decke, die aber bevor sie unsere Köpfe berührten dahinschmolzen. Am Ende der Halle, wo sonst der Lehrertisch stand, war eine Bühne aufgebaut. Auch sie war mit Eiskristallen geschmückt. In der Mitte des Raumes war eine Tanzfläche freigelassen worden, rundherum standen runde Tische. Der Boden gefiel mir aber m besten. Überall war Schnee, der doch nicht da war. Und man tantzte auf einem Spiegel, der in den Boden eingelassen worden war. Links neben der Bühne war ein Buffet aufgebaut. Aber was für eines! Man konnte gar nicht aufzählen, was alles auf dem langen Tisch stand. Viele, riesig große, zehn-stöckige Torten, unzählig viele Partyhäppchen, eine atemberaubende Eisskulptur, die Hogwrts darstellte, ... Und, und, und. Doch es war nicht sicher vor Allie.
Dann ertönte die Stimme Dumbledores: "Champions und ihre Begleitung, bitte eröffnet den Ball für uns!"
Und gefolgt von Nicole und ihrem Freak traten wir in den Festsaal ein. Milo legte den Arm um meine Hüfte und, die Musik fing wieder an zu spielen. Ich hatte gar nciht bemerkt, dass sie aufgehört hatte, so fasziniert war ich von diesem Wunderland.
"Bereit?", flüsterte der Durmstrang und lächelte.
Ich nickte. Wir fingen an zu tanzen. Wirbelten herum, lenkten alle Blicke auf uns. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Und es war anders als sonst. Ich war es gewöhnt, vom allen bewundert zu werden, aber das war anders. Ich hörte, dass ein paar Schüler miteinander tuschelten.
"Sieh mal, Narzissas Kleid! Ist es nicht wunderschön?" - "Ja, sie sieht aus wie eine Prinzessin. Und ihr Haar erst!" - "Ist doch klar, dass so eine wie sie, einen wie Milo Zdrakvka bekommt."
Ich strahlte. Und auch Milo schien sehr zufrieden.
Als wir den Eröffnungstanz beendet hatten kamen auch die anderen Schüler auf die Tanzfläche aus Spiegel. Ich hatte erwartet, dass er ziemlich glatt sein würde, aber der Boden war das genaue Gegenteil.
Jetzt kam eine Band auf die Bühne und spielte ein paar schnellere Songs. Ich stand gerade am Rand der Tanzfläche und beobachtete zuerst Allie, die mit ihrem Johann rumrollte und glitzerte, dann mit zusammengekniffenen Augen Lucius und Stella. Ich biss mir auf die Unterlippe. Langsam wurde mir bewusst, wie sehr ich Stella inzwischen hasste. Wenn sie jemals wirklich meine Freundin, beste Freundin wohlgemerkt, gewesen wäre, dann würde sie jetzt nicht mit meinem Ex, den ich vermitlich immernoch liebte, am Weihnachtsball tanzen. Ich merkte auch, dass sie immer wieder schadenfroh zu mir hinübersah.
Ich konnte nicht mehr hier stehenbleiben. Wütend machte ich ein paar Schritten nach vorne auf die zwei Blonden zu als ...
"Pass doch auf!", schrie ich. Jemand war in mich hineingerannt und hatte Kürbissaft über mein wunderschönes Kleid geschüttet.
"T-tut mir leid...", murmelte Frank Longbottom, dieser Nichtsnutz aus Gryffindor.
"Es tut dir Leid? Das ist alles? Das Kleid war schweineteuer und du hast es ruiniert! Das bezahlst du mir!", schimpfte ich, froh meine Wut abladen zu können.
"Ja, n-natürlich, Narzissa!"
"Hey, Black! Hör auf, so mit Frank zu reden!", hörte ich plötzlich eine bekannte Stimme aus dem Stimmengewirr der anderen heraus.
Auf mich und Longbottom kam Alice, die Freundin von Frank, auf uns zu. Sie war zwei Jahre älter als ich und durch und durch Gryffindor. Froh darüber, von Alice gerettet worden zu sein, sah ich, wie Frank ein dümmliches Lächeln aufsetzte. Manchmal fragte ich mich, was er machen würde, wenn er Alice nicht hätte. Naja, auch egal.
"Jetzt hör mal zu, du Heldin", zischte ich und beugte mich näher zu Alice hin, "Dein toller Freund hat gerade mein 300 Galleonen-Kleid ruiniert. Also würde ich ihn nicht so in Schutz nehmen. Wenn er es wieder in Ordnung bringt, kommt er vielleicht ohne das Geld zu bezahlen davon."
"Gut", meinte Alice und musterte mich mit schmalen Augen. "Frank?"
Longbottom zog rasch seinen Zauberstab. Er hatte schon den Arm erhoben, er zitterte leicht.
"Ich mach das." Plötzlich stand Lucius neben Frank und stieß ihn zur Seite.
Alice starrte ihn böse an. Dann sagte sie: "Komm, Frank, gehen wir tanzen!" und sie ließen mich mit Lucius alleine.
"Tergeo", flüsterte er, den Zauberstab auf den riesigen Fleck auf meinem Kleid gerichtet. Er verschwand spurlos.
Ich war verwirrt. Was war nur mit diesem Typen los? Erst verlässt er mich, dann will er, dass ich ihm einen Zopf binde, dann fragt er meine ehemalige beste Freundin, ob sie mit ihm zum Ball gehen will, dann hilft er mir.
"Ähm...Danke?", sagte ich, weil mir nichts anderes einfiel.
Gerade als er etwas erwidern wollte, kam ein Jemand mit sehr kurzem Kleid auf uns zu.
"Da bist du ja, Lucius!", rief Stella. Sie klang etwas durchgeknallt. Wie ein verrückter Fan von irgendeiner Boy-Band.
"Ja...?", murmelte Lucius. Er schien nicht gerade erfreut seine Ballbegleitung zu sehen.
"Wieso redest du denn mir Narzissa?", fragte Stella und sprach meinen Namen aus, als hätte sie gerade erfahren, dass ihr Eltern Muggel waren.
Ich funkelte sie wütend an.
Als Lucius nichts darauf antwortete nahm sie seine Hand und zog ihn mit sich wieder auf die Tanzfläche.
Zähneknirschend stand ich da und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass Stella plötzlich von irgendwas großem, schwerem erschlagen wurde. Allie oder unser Wildhüter Hagrid vielleicht.
Doch zu meiner Erleichterung käpfte sich Milo durch die Tanzenden zu mir.
"Narzissa ...", setzte er an, doch och unterbrach ihn.
"Nenn' mich doch Zissy!"
Er nickte, dann fuhr er fort: "Komm, gehen wir wieder tanzen!"
"Okay." Milo nahm mich an der Hand und wir drängten uns wieder in die Mitte der Tanzfläche.
Ich sah, wie Lucius mit einem leicht mürrischem Gesichtsausdruck wieder mit Stella tanzte und immer wieder zu Milo und Mir rübersah. Ich spürte seine Blicke förmlich im Rücken.
Die Band auf der Bühne spielte ein langsames Lied und ein paar Pärchen um uns herum tanzten nun eng umschlungen miteinander.
Auch Milo wollte offensichtlich so mit mir tanzen. Ich musste lächeln, als er mich etwas tollpatschig näher zu sich heranzog.
Lucius beobachtete uns noch immer. Doch dann musste er sich auf Stella konzentrieren, die jetzt auch so tanzen wollte. Langsam tat er mir fast ein bisschen Leid. Doch ich verbannte den Gedanken aus meinem Kopf und sah hoch in Milos Gesicht. Er grinste von Ohr zu Ohr. Auch ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Vielleicht liebte ich ja gar nicht Lucius sondern Milo ... Man konnte ja hoffen.
Still dachte ich mir, dass es ein perfekter Abend war, aml abgesehen von Longbottoms Dummheit. Doch ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es nicht so bleiben würde.
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