
von Hoppenstedt
Die armen torkelnden Zombies! ^^
Mit zitternder Hand strich Amber nun ebenfalls über den verhassten Körper, doch auch sie fand keine Ursache, bis sie Severus´ Brust berührt hatte und eine leichte Erhebung spürte. Dann kam ihr die schreckliche Erkenntnis. Hastig riss sie die Robe des Bewusstlosen auf und griff in deren Innentasche, aus der sie das silberne Amulett mit dem schwarzen Stein zog. Möglichst weit warf sie den schwarzmagischen Gegenstand von sich. Dann starrte sie mit Entsetzen auf den Mann vor ihr und brach weinend über ihm zusammen.
„Lass mich nicht allein!“ schluchzte sie immer wieder, das geliebte und jetzt zerstörte Gesicht küssend.
„Amber, wir müssen ihn nach Hogwarts bringen! Er braucht dringend Hilfe. Ich nehme das Amulett. Soll Dumbledore es vernichten!“
Mit raschen Schritten lief Remus daraufhin zu der Stelle, an der das Schmuckstück gelandet war und nahm es an sich. Sofort fühlte er, wie ihn Lebensenergie verließ. Der böse Blick den Tonks ihm zuwarf, als er zu der Gruppe zurückkam, klärte ihn über die letzten Zweifel auf. Dieser Gegenstand durfte definitiv nicht nach Hogwarts. Es kostete den Werwolf unglaubliche Überwindung, das Ding in seiner Hand erneut wegzuschleudern. Noch in der Luft feuerte er einen Zerstörungszauber auf das Amulett ab.
Dieses sirrte kurz, drehte sich, als es von dem Zauber getroffen wurde. Dann barst der schwarze Stein und ließ ebenso farbkräftigen Rauch wie einen dichten Nebel aus seinem Inneren emporsteigen, formte sich zu einem grauenhaften Männerkopf, den Remus schon einmal gesehen hatte. Aber er wusste nicht, wo und wusste auch nicht, wem das schaurige Gesicht gehörte. Sekunden später war der Spuk vorbei.
Wenn auf Ambers Gesicht noch etwas Farbe war, so war diese jetzt auch verschwunden. "Er hat uns reingelegt." flüsterte sie langsam und sah mit Entsetzen um sich. Dann auf den am Boden liegenden Tränkemeister.
Remus ließ den Slytherin mit einem Schlenker seines Zauberstabs in die Luft und ins Zelt schweben, in das Tonks kurz zuvor gerannt war, um Severus´ Tasche mit seinen Tränken zu suchen. Er hatte sie extra für die Reise mitgenommen. Neben dem Wolfsbanntrank befand sich auch eine erkleckliche Anzahl von Heilungsmitteln darin.
"Was willst du damit sagen?" wollte Remus fassunglos wissen.
Amber, die Severus den Puls fühlte, nachdem der auf dem Feldbett zu liegen gekommen war, sah ihn mit Tränen in den Augen an: "Es war eine Falle! Es kam mir gleich so komisch vor!"
"Was war eine Falle?" wollte der Gryffindor skeptisch wissen. War Amber etwa verrückt geworden?
"Alles! Verstehst du denn nicht?", schrie sie hysterisch "Das Buch über die Zerstörung des Bogens lag einfach so in diesem Raum. Das Tor selbst ließ sich einfach so zerstören. Und auch diese angeblichen Untoten, die sich einfach so ins Jenseits schicken ließen. Und jetzt das Amulett! Du hast es einfach so mit einem normalen Zauber zerstört. Alles war so einfach. Zu einfach. Viel zu einfach. Er hat uns reingelegt!"
"Wie kommst du darauf? Vielleicht hatten wir auch einfach so Glück!" warf Remus ein.
"Das Gesicht, das gerade aus dem Amulett kam, das war Derwent Shimpling und kein böser alter Schwarzmagier oder irgendeine Person, die mit Voldemort in Verbindung steht!"
"Wer bei Merlins Bart ist das?" fragte Tonks, die eilig mit der Zaubertranktasche zu den beiden gelaufen kam.
Amber kramte hastig darin herum, um die richtigen Zaubertränke zu finden: "Der Typ war immer auf den Schokofroschkarten. Er hat sich lila verfärbt, weil er eine ganze Venemosa Tentacula gegessen hat... Voldemort hat uns reingelegt und macht sich über uns lustig! Und das hier-", und damit zeigte sie auf Severus, der dem Tod näher als dem Leben war "hat er geplant. Er wollte denjenigen, der seine Pläne durchschaut hat, umbringen."
"Woher soll er gewusst haben, dass irgendjemand ihn ausspioniert?"
"Er muss uns damals doch gesehen haben, als wir aus dem Fenster geflüchtet sind... Helft mir!" sagte Amber mit plötzlich erstickter Stimme und konnte dank Remus und Tonks ihrem bleichen Freund einen Alraunen-Wiederbelebungstrank einflößen.
Eine zeitlang saßen danach alle nur da und sahen abwechselnd vom Boden zu Severus und wieder zurück. Er rührte sich nicht.
"Lasst uns aufbrechen. Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch rechtzeitig nach Hogwarts. Madame Pomfrey kann sicher helfen!" durchbrach der Werwolf die Stille.
"Nein!" kam es entschieden von Amber und sie erntete dafür fassungslose Blicke.
"Aber Amber-" setzte Tonks an, wurde aber von einer raschen Handbewegung derselben zum Schweigen gebracht.
"Voldemort weiß, dass jemand hinter ihm her ist. Er weiß, dass dieser jemand das Amulett hat und dass es seine Wirkung bereits voll entfaltet haben muss."
Hastig unterbrach Remus Ambers Rede: "Richtig. Aber das ist kein Grund hier noch länger zu blei-"
"Doch!" fuhr sie ihn an. "Voldemort ist nicht blöd. Er weiß, dass dieser jemand nur für einen arbeiten kann und dass dieser eine Dumbledore ist. Er wird wissen, dass der Unbekannte irgendwann und gerade, wenn es ihm mehr als schlecht geht, nach Hogwarts zurückkehren wird. Und dort-"
"-wird er uns abfangen, weil wir nicht wie Albus direkt ins Schloss apparieren können." schloss Tonks den Vortrag. "Also bleiben wir."
Betroffen schwieg die kleine Gruppe.
***
Später am Abend übernahm Tonks die erste Nachtwache, während Amber bereits ihr Lager im Wohnzimmer aufschlug. Sie wollte, dass Severus Platz im Bett hätte und sich frei bewegen konnte, damit er einen erholsamen Schlaf hätte. Zumindest redete sie sich das ein. Doch Remus ließ sich nicht täuschen:
"Geh zu ihm.", sagte er leise mit seiner angenehmen Stimme "Er braucht dich."
"Ich kann nicht." flüsterte Amber verzweifelt und schon fing sie an haltlos zu schluchzen.
"Schsch. Ganz ruhig."
"Du weißt nicht, was mit mir passiert ist, Remus. Ich habe ihn gehasst! Noch vor ein paar Stunden habe ich Severus gehasst!", stieß sie wild hervor, um dann gefasster fortzufahren: "Das werde ich mir nie verzeihen."
"Amber, bitte!" herrschte Remus sie daraufhin an und erinnerte damit entfernt an den Tränkemeister "Ich hatte dieses Amulett in meiner Hand. Ich weiß, was es mit mir gemacht hat und ich habe auch den hasserfüllten Blick von Tonks gesehen, den sie mir zuwarf."
"Aber ich hätte es doch wissen müssen! Was habe ich nur getan? Das wird er mir nie verzeihen."
"Es ist nicht deine Schuld, Amber. Und was Severus angeht: Er wird dir alles vergeben. Er liebt dich und wurde wie du von dem bösen Zauber des Amuletts gefangen."
"Vielleicht... vielleicht hast du Recht." seufzte die Hexe schließlich.
Remus fing an zu grinsen: "Vielleicht? Ich habe immer Recht!"
"Falsch." sagte Amber mit leisem Lächeln. "Severus hat immer Recht. Er ist der Lehrer und er pocht auf dieses Naturgesetz."
Dankbar drückte Amber dem Werwolf die Hand. Dann stand sie auf und ging hinüber ins Schlafzimmer. Der Slytherin lag noch immer leblos auf dem Bett. Sein Gesicht war wie aus Wachs und unnatürlich blass. Seine Brust hebte und senkte sich kaum spürbar.
Die Hexe zweifelte einen kurzen Moment an Remus Worten, doch dann erinnerte sie sich zurück an das Weihnachtsfest. Wie sie den Mann vor ihr unter dem Mistelzweig geküsst hatte. Der Blick seiner Augen, das Funkeln in ihnen. Es gab keinen Zweifel: Er liebte sie.
Vorsichtig legte sie sich zu ihm, umfing seinen kalten Körper und sprach leise einen Wärmezauber. Jetzt hieß es: warten und hoffen. An Schlaf war nicht zu denken. Zu groß war die Angst, er könnte unbemerkt in ihren Armen sterben.
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