
von Hoppenstedt
Es war bereits Mittag, als Amber aufstand. Sie hatte schon lange nicht mehr geschlafen, wollte aber bei Severus bleiben und hatte ihn deshalb einige Stunden beim Schlafen beobachtet. Dabei wanderte ihre Hand unermüdlich über seinen warmen Körper, strich über seine leicht beharrte Brust, seinen Bauch mit der feinen in verborgene Tiefen führenden Linie an Haaren, über seine Arme und fuhr die Konturen seines Gesichts nach. Wenn er davon irgendetwas mitbekam, verbarg er jegliche Reaktion gut. Manchmal seufzte er im Schlaf oder öffnete die Lippen, als wollte er etwas sagen, schloss sie aber sogleich wieder.
Lächelnd zog die Hexe sich aus und schlüpfte in ein schwarzes, langes, schlichtes Kleid. Ihr Haar band sie zu einem festen Knoten im Nacken. Als sie ins Wohnzimmer kam – nicht, ohne vorher einen vorsichtigen Blick in dasselbe zu werfen, weil sie nichts sehen wollte, was sie nicht durfte – erblickte sie Tonks und Remus beim Mittagessen. Die beiden mussten früh aufgestanden sein. Amber hatte eigentlich gedacht, sie noch in den Kissen vorzufinden.
Die Stimmung schien irgendwie gedrückt, auch wenn der Werwolf die Hexe mit einem freundlichen „Guten Morgen! Wie geht es unserem Sorgenkind?“ begrüßte.
„Es geht ihm gut. Er schläft immer noch tief und fest.“
„Ich werde Dumbledore von ihm schreiben und generell von allen erfreulichen Neuigkeiten.“ bot sich Remus an und setzte sich mit Feder, Tintenfass und Pergament in eine stille Ecke des Wohnraums. „Immerhin muss der Schulleiter auch auf unsere Rückkehr vorbereitet werden. Vielleicht können wir direkt ins Schloss apparieren. Das wäre am Sichersten.“ rief er beiden Frauen über die Schulter blickend zu.
Tonks stand daraufhin auf, zog Amber am Ärmel und bedeutete ihr mit eindringlichen Blicken, mit ihr reden zu müssen: „Wir gehen ins Schlafzimmer,“ rief sie Remus zu, der in seinem Brief versunken schien „um dich nicht zu stören.“
Im anderen Raum angekommen, wandte die heute grünhaarige Hexe den Muffliato-Zauber an und setzte sich mit Amber auf das freie Bett.
„Was meinst du,“ fragte sie diese „ob er schläft?“
„Severus?“ wollte Amber überrascht wissen. „Bestimmt! Sicher!“
„Ich muss dir nämlich was erzählen.“
„Ich habe schon gemerkt, dass dich irgendetwas bedrückt. Hast du dich mit Remus gestritten?“
„Nein. Nein. Nicht direkt. Es ist nur... naja...“, druckste die Hexe herum, während Amber ruhig zuhörte „Ich habe diese Nacht mit Remus geschlafen und-“
„Aber das ist doch schön!“ warf die Slytherin ein.
„-und es war wie immer.“ schloss Tonks resigniert.
„Wie immer?“ echote die Freundin des Tränkemeisters verblüfft.
„Also nicht gut. Rein. Raus. Fertig. Und danach schläft er ein.“ sprudelte die Gryffindor hervor. „Ist das bei euch auch so?“ Tonks war voller Hoffnung, mit ihrer Freundin ein richtiges Gespräch unter Frauen führen zu können und wollte nun Rat und ihre Sorgen offenlegen.
Amber warf einen kurzen Blick auf ihren Freund und hoffte inständig, er möge wirklich tief und fest schlafen und nichts von dieser Unterredung mitbekommen: „Wir haben noch nicht so oft miteinander geschlafen.“ Auf den fragenden Blick ihres Gegenübers musste sich die Hexe etwas genauer erklären: „Er hat viel mitmachen müssen. Es war nicht so einfach, Vertrauen aufzubauen.“
„Aber jetzt schlaft ihr doch regelmäßig miteinander, oder?“
„Wenn uns Dumbledore nicht auf irgendwelche Himmelfahrtkommandos schickt-“
„Und wie ist das dann? Habt ihr guten Sex?“
Amber lächelte fein. „Ja. Severus lernt schnell.“
Tonks bekam große Augen: „Hat er vorher noch keine Freundin gehabt?“
„Zumindest keine, mit der er das Bett geteilt hat. Läuft es denn wirklich so schlecht bei euch? Ich meine-“
„Ich hatte noch nie einen Orgasmus.“
„Oh.“ war alles, was Amber dazu sagen konnte.
„Hast du denn schon mal einen Orgasmus beim Sex gehabt?“
„Ja... natürlich... Tonks, hör mir zu, wenn dir etwas an eurem Sexleben nicht gefällt, musst du mit Remus darüber reden!“
„Wie soll ich denn das anstellen?“
„Den Mund aufmachen und es ihm sagen oder zeigen, was du magst und was nicht!“
„Machst du das denn?“
„Ja. Und das funktioniert. Auch wenn man es Severus nicht zutraut, er kann sehr feinfühlig sein.“
„Feinfühlig?“ gluckste Tonks und zuckte dann erschrocken zusammen, als sich der Tränkemeister im Bett vom Rücken auf die Seite drehte.
Amber rutschte kurz von der Liege herunter, strich ihm einige Haare aus dem blassen Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die Schläfe: „Ja, er hat geschickte Finger und-“ Die Hexe wurde rot.
„Was und? Und was meinst du mit geschickten Fingern?“
„Das muss ich dir doch wohl nicht wirklich erklären!“ entrüstete sich die Slytherin, indem sie sich wieder neben Tonks fallen ließ. Doch offensichtlich musste Amber alles genauer ausführen. Die Frau vor ihr schien in Sachen Liebe keinen Plan zu haben und war umso neugieriger. „Man kann seinen Partner auch mit den Händen verwöhnen und mit dem Mund und so...“
„Machst du das bei ihm auch? Mit dem Mund? Ist das nicht pervers?“
„Was? Nein! Das ist nicht pervers. Und ja, natürlich mache ich das. Männern gefällt so etwas. Und mir auch.“
Tonks schwieg, als wäre sie geschockt von dem, was sie gerade gehört hatte, dann überraschte sie Amber jedoch mit einem Geständnis: „Schau mal, ich habe mir extra die Hexenwoche besorgt, um ein paar Tipps zu kriegen.“ Damit kramte sie eine bunte Zeitung aus ihrem Umhang, auf deren Titelblatt eine Hexe in Dessous lächelte.
„So was verlegt die Hexenwoche?“ wollte Amber interessiert wissen.
„Ja, ist aber erst ab 18 und deswegen machen sie keine Werbung dafür. Schau dir doch mal die ganzen Stellungen da an! Ich kenne nur zwei!“
Interessiert betrachteten die beiden Hexen die Zeitschrift und tauschten sich kichernd aus. „Sexspielzeug...“ las Tonks schließlich gedehnt. „Finde ich pervers.“
„Hast du es denn schon mal ausprobiert?“
„Nein!“
„Dann solltest du nicht darüber urteilen.“
„Aber DAS-“ und damit zeigte die Gryffindor auf einen seitenlangen Artikel, „darf ich doch nun pervers finden, oder?“
Amber las kurz die Überschrift und zuckte dann mit den Schultern: „Analverkehr ist speziell, aber nicht pervers.“
„Hattest du denn schon mal-?“
„Nein. Aber ich würde es ausprobieren.“ antwortete Amber entschieden und wechselte dann das Thema. Sie konnte das Wort „pervers“ langsam nicht mehr hören. Tonks´ Einstellung allem Neuen gegenüber nervte sie und sie wunderte sich ernsthaft, wie diese etwas an ihrem Sexleben ändern wollte, wenn sie sich auf nichts einließ: „Ergreif doch einfach mal die Initiative! Zieh dir was Schickes an und verführe ihn!“
"Ich hab nichts Schickes! Und ich glaube auch, Remus mag keine Dessous und Reizwäsche und so Zeugs."
"Wenn du wüsstest!" schoss es Amber dabei durch den Kopf, hatte der Werwolf doch ihren Freund zum Unterwäschekauf angestachelt.
„Sprichst du eigentlich aus persönlicher Erfahrung?“
„Ja. Obwohl ich feststellen musste, dass Severus gerne die Oberhand behält. Es wird gemacht, was er will und wann er es will... Ich mag es... wenn er so... dominant ist...“
„Nimmst du seinen Penis in den Mund? Ich meine... so richtig?“
„Sicher.“ antwortete Amber überzeugt und fügte wegen Tonks´ angeekeltem Gesichtsausdruck hinzu: „Er macht doch solche Dinge auch bei mir. Glaub mir, das ist unglaublich förderlich für einen guten Orgasmus...“ grinste die Hexe. „Soll ich meinen Liebsten, wenn er wieder gesund ist, mal fragen, ob er mit Remus darüber spricht?“
„Was?!? Nein! Ich meine,... reden die denn über so was?“
Amber sah Tonks fassungslos an: „Das sind Männer! Natürlich!“
Die beiden Hexen einigten sich schließlich und die Grünhaarige verließ um einiges erleichterter den Raum. Die Slytherin widmete sich hingegen wieder ihrem schlafenden Mann. Sie strich ihm über seine Hand, die leicht geöffnet auf der Decke lag. Doch plötzlich schloss sich eben diese um ihre Finger.
Severus schlug die Augen auf und sah Amber skeptisch an: „Es tut mir leid.“ flüsterte er mit rauer Stimme.
„Was?“ fragte sie völlig perplex.
„Dass ich so... böse zu dir war.“
„Es lag an dem Amulett, Severus. Mir ging es doch genauso.“
„Aber ich habe dich gehasst!“ raunte er heiser und der gleiche Ausdruck von Angst bemächtigte sich seiner, wie kurz nach seinem ersten Erwachen.
„Und jetzt?“ fragte die Hexe atemlos.
Severus schloss seine schwarzen Augen und verzog das Gesicht, als hätte er Schmerzen. Amber erkannte, dass sie handeln musste, weil er offensichtlich nicht über seinen Schatten springen konnte. Die letzten Tage hatten Spuren bei ihm hinterlassen. Spuren, die er sich nicht verzeihen konnte.
„Schau mich an!“ flüsterte die Hexe deshalb und legte, als er ihrem Wunsch nachkam, ihre Lippen auf seine.
Sie küssten sich geraume Zeit, bis Severus ihr erneut einen skeptischen Blick schenkte: „Und ich soll also mit Remus reden?“ fragte er ernst und führte, als er Amber über und über erröten sah, noch spöttisch lächelnd hinzu: „Weil ich so geschickte Finger habe?“
„Hast... hast du unser ganzes Gespräch mitgehört?“
Doch Severus antwortete nicht und sah sie weiter nur grinsend an. Wenn er ehrlich war, hatte er nicht alles gehört. Er war zu sich gekommen, als sich die beiden Frauen gerade über Orgasmen unterhielten und er musste sagen, dass alles, was er danach gehört hatte, ihn nicht nur amüsierte, sondern Ambers Rede ihm auch ausgesprochen schmeichelte. Das würde er natürlich niemals zugeben und so schwieg er und genoss amüsiert den Anblick seiner befangenen Freundin. Es ging ihm schon fast wieder gut.
„Hätte ich gewusst, wie das zwischen Tonks und Remus läuft, hätte ich mir keine Tipps von letzterem geholt.“ führte er schließlich mürrisch aber nicht ganz ernst blickend an.
„Solange du nichts davon umsetzt, bin ich zufrieden!“
„Nur zufrieden?“ knurrte Severus.
„Mehr als zufrieden, Professor Snape. [style type="italic"]Sir[/style]. Aber sie sollten sich jetzt ausruhen und ihr Köpfchen nicht mit solchen Dingen belasten.“
Der Angesprochene nickte, drehte sich wieder auf den Rücken und es schien, als würde er Ambers Rat ohne zu Murren befolgen. Dann jedoch schwang er seine Hand kurz und die Sonderausgabe der Hexenwoche flog ihm zu.
„Severus, bitte!“ entrüstete sich Amber, aber er unterbrach sie unwirsch.
„Das ist Einschlaf-Lektüre.“ Der Blick, den er seiner Freundin dabei zuwarf, ließ sie erschaudern. Es würde sie nicht wundern, wenn sie demnächst einige der Praktiken und Tipps aus der Zeitung beim Sex mit ihrem Freund wiederfinden würde.
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