Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Ăśber uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Nevilles Neuanfang - Nevilles Neuanfang

von casey

Schloss Hogwarts lag still und friedlich da, doch Neville Longbottom konnte nicht schlafen.

Auf dem Rücken liegend starrte er unbewegt an die Decke seines Himmelbettes, während durch die schweren Samtvorhänge die Schlafgeräusche seiner Zimmerkameraden drangen: Seamus` gelegentliches Schmatzen, Deans verschnupftes Schniefen, Rons markerschütterndes Schnarchen und Harrys leises Atmen, doch das war es nicht, was ihm vom Schlafen abhielt, im Gegenteil - in den letzten fünf Jahren hatte er sich so sehr an diese nächtliche Geräuschkulisse gewöhnt, dass es ihm in den Ferien in seinem eigenen stillen Zimmer manchmal schwerfiel, ohne diese Laute zur Ruhe zu kommen. Es war ihm vertraut, vermittelte ihm sogar ein Gefühl der Geborgenheit, denn diese Jungen waren seine Freunde und er mochte es, sich mit ihnen einen Schlafsaal zu teilen. Dabei stellte er sich gerne vor, sie wären die Brüder, die er nun mal leider nicht hatte. Dennoch…

Neville drehte sich zur Seite und spähte durch einen winzigen Spalt zwischen den Vorhängen hindurch zu seinem Nachttisch, auf dem der Grund seiner Aufregung lag, die ihn vom Schlafen abhielt.

Normal war das ja nicht. Er war immer ein guter Schläfer gewesen und grade an einem Tag wie dem heutigen, nach der stundenlangen Zugfahrt und dem obligatorischen Festmahl zum Anfang des Schuljahres, sollte er eigentlich halb ins Koma fallen, kaum dass sein Kopf die Kissen berührte, wie es die letzten Jahre ja auch immer gewesen war… doch der Beginn dieses Schuljahres war anders. Es ging nicht darum, dass endlich die ganze Zauberergemeinschaft wusste, dass Voldemort zurückgekehrt war und seine Anhänger erneut um sich scharte, es war auch nicht wichtig, dass im Tagespropheten täglich neue Sicherheitsbestimmungen des Ministeriums veröffentlicht wurden, die alle nur noch mehr in Panik versetzten, als dass sie hilfreich waren, nein, was Neville wach hielt und zu gleichen Teilen mit Euphorie und Sorge erfüllte, betraf nur ihn allein.

Er hatte einen neuen Zauberstab.

Langsam, um kein Geräusch zu verursachen und die anderen zu wecken, streckte Neville eine Hand zwischen den Vorhängen hindurch und ergriff seinen neuen Stab, den er mit fast ehrfürchtiger Sorgfalt auf einer kleinen, eigens mitgebrachten Deckchen auf seinem Nachttisch niedergelegt hatte. Im schwachen Schein des Mondlichts betrachtete er ihn mit stummer Verzückung und freute sich über das schwache Kribbeln von Magie in seinen Fingerspitzen, welches der Stab hervorrief.

Kirschholz und Einhornhaar. Er war so neu, so schön, noch genauso glänzend poliert und perfekt wie in Ollivanders Laden. Natürlich hatte Neville den Stab im Hogwarts-Express sofort all seinen Freunden gezeigt und die hatten ihn gebührend bewundert, doch kein einziger von ihnen hatte wirklich verstanden, was der neue Zauberstab für ihn bedeutete - und er hatte es ihnen auch nicht gesagt. Er hätte gar nicht in Worte fassen können, wie viel Hoffnung er darin steckte, eine Hoffnung, die, allerdings noch durchsetzt mit einem mulmigen Schamgefühl, sofort in ihm aufgelodert war, nachdem Voldemort am Ende des letzten Schuljahres nach dem großen Kampf aus dem Ministerium verschwunden und seine Todesser verhaftet worden waren. Neville hatte sich geschämt, weil ein Teil von ihm erleichtert war, dass der Zauberstab seines Vaters zerbrochen war.

Der Zauberstab sucht sich den Zauberer - das hatte er erstmals in Hogwarts gehört, als er die Schule schon ein paar Monate besuchte, und erstaunt nachgefragt, was das denn genau bedeute. Damals hatten ihn die meisten Lehrer schon als hoffnungslos tollpatschig und untalentiert abgestempelt. Sein Selbstvertrauen war am Boden gewesen, doch mit dieser neuen Information sah für ihn plötzlich alles anders aus. Sein Vater war ein großer Zauberer und berühmter Auror gewesen, weshalb sein Zauberstab wohl sehr mächtig sein musste, aber was, wenn sein Stab einfach nicht für Neville geeignet war? Was, wenn - nur wenn - Neville gar nicht so ungeschickt war, wie alle dachten?

Diese Idee hatte sich seit damals in seinem Kopf festgesetzt und ihn des öfteren hartnäckig gequält, aber in all den Jahren hatte er nie den Mut gefunden, seine Großmutter darauf anzusprechen und um einen neuen, eigenen Stab zu bitten. Es war keine Frage des Geldes - seine Großmutter war eine vermögende Hexe - aber er ahnte sehr wohl und hatte damit vollkommen recht, dass sie ihm niemals einfach so einen neuen Stab gekauft hätte. Sie hätte wahrscheinlich Gift und Galle gespuckt und ihm gesagt, er solle nicht einem tadellosen Zauberstab die Schuld für seine eigene Unfähigkeit geben. Aber unter den gegebenen Umständen hatte sie jetzt natürlich keine andere Wahl gehabt.

Augusta Longbottom war eine strenge, in vieler Hinsicht sogar harte Frau, die Neville abgöttisch liebte, es aber schlecht zeigen konnte, doch der Stolz, der sich in ihren Augen gespiegelt hatte, als man ihr erklärte, welche Rolle ihr einziger Enkel bei dem Kampf im Ministerium gespielt hatte, hatte Neville wie eine wärmende Decke umhüllt und ihn für vieles entschädigt, was er sich in den letzten Jahren von ihr hatte anhören müssen. So war auch das befürchtete Donnerwetter wegen des zerbrochenen Zauberstabs seines Vaters ausgeblieben - sie hatte nur geseufzt und für die letzte Ferienwoche einen Besuch in der Winkelgasse in Aussicht gestellt, um Neville einen neuen Stab zu kaufen. Doch als die Ferien begannen und er wieder zuhause war, hatte sie die Bruchstücke des Stabes, statt sie wegzuwerfen, sorgfältig in einer Schatulle verschlossen und später, als sie glaubte, Neville wäre im Garten mit seinem eigenen kleinen Beet mit Zauberpflanzen beschäftigt, hatte er sie in ihrem Schlafzimmer weinen hören. Dabei wären ihm selbst fast die Tränen gekommen. Er konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals geweint hätte.

Neville drehte seinen neuen Stab nachdenklich zwischen den Fingern. Er verstand sehr wohl, dass der Zauberstab seines Vaters für seine Großmutter mehr gewesen sein musste als ein Stück magisches Holz - vielleicht so etwas wie der letzte intakte Teil ihres durch Folter in den Wahnsinn getriebenen Sohnes - und schämte sich wieder ein bisschen, doch jetzt hatte er ja seinen neuen Zauberstab und würde dafür sorgen, dass sie in Zukunft noch viel stolzer auf ihn sein würde, damit sie ihren Kummer vergaß. Den untalentierten Neville Longbottom, den Beinahe-Squib, gab es nicht mehr - er würde es allen zeigen!

Naja… falls der Stab tatsächlich funktionierte.

Genau das war es, was Nevilles Euphorie dämpfte: Er hatte keine Ahnung, ob seine Hoffnungen begründet waren. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er so das Ende der Ferien herbeigesehnt, denn zuhause durfte er seinen Stab natürlich nicht benutzen, weil er ja noch minderjährig war. Im Hogwarts-Express schließlich hätte er ihn gerne sofort ausprobiert, aber er war ängstlich gewesen - was, wenn er zuerst Probleme damit hatte und ihn wieder mal alle auslachten? Immerhin gab es im vollen Zug keine Gelegenheit, ungestört zu sein. Und morgen würde der Unterricht beginnen und er würde zaubern müssen, ohne auch nur ein einziges Mal zuvor mit seinem Stab geübt zu haben. Wenn er daran dachte, verkrampften sich seine Eingeweide vor Furcht. Was, wenn gar nichts besser war, was, wenn er alles vermasselte? Das durfte einfach nicht passieren.

Es war einfach ungerecht… Mit Sicherheit lag von seinen Schulkameraden heute Nacht niemand wach und musste sich über ein mögliches Versagen in der allerersten Schulstunde nach den Ferien Gedanken machen (außer vielleicht die Erstklässler, aber mit den Babys wollte sich Neville selbstverständlich nicht vergleichen). Und hätte er ihnen davon erzählt, hätten sie es auch nicht verstanden. War er nicht im letzten Schuljahr einer der besten in der DA gewesen? Warum machte er sich also jetzt so einen Kopf? Aber das war eben nur die halbe Wahrheit. Ja, er war gut gewesen, besser als jemals zuvor in seinen Leben, aber was Menschen wie Hermine ohne Anstrengung bereits beim ersten Mal schafften, hatte er sich hart erarbeiten müssen. Er hatte geübt, geübt und noch mehr geübt, bis ihm fast seine Zauberstabhand abfiel und das war einfach irgendwo nicht fair.

Ruckartig setzte sich Neville auf, wobei seine Bettfedern disharmonisch quietschten. Rons Schnarchen setzte für einen winzigen Moment aus, bevor er in doppelter Lautstärke weitersägte.

Er war zu einer Entscheidung gekommen. Er würde vorher sowieso nicht schlafen können, also konnte er seinen Zauberstab genauso gut jetzt gleich ausprobieren.

Leise schlüpfte Neville in Morgenmantel und Pantoffeln und verließ auf Zehenspitzen den Schlafraum, seinen Zauberstab fest umklammert. Er stieg die Treppenstufen hinab, bis er im verlassenen Gemeinschaftsraum stand, der einzig von den letzten glühenden Kohlen im Kamin beleuchtet wurde, wodurch er fast ein bisschen unheimlich wirken würde, wäre es nicht so offensichtlich, dass er gewöhnlich von dutzenden Kindern und Jugendlichen bevölkert wurde. Es war ganz erstaunlich, wie viel Chaos die Gryffindors allein am ersten Abend anrichten konnten. Morgen, wenn die Hauselfen alles wieder in Ordnung gebracht hatten, wäre davon freilich nichts mehr zu erahnen, aber momentan sah es mit den ganzen umher fliegenden Pergamentfetzen, druckfrischen Schulbüchern, Feriensouvenirs und neuen Kleidungsstücken, die erst stolz Freunden präsentiert worden waren, bevor sie achtlos in der nächsten Sofaecke landeten, ziemlich wüst aus.

Neville ließ sich in einen der Sessel nah am Kamin fallen und spürte nicht die angenehme Wärme, die von den Kohlen ausging. Er war zu sehr mit Nachdenken beschäftigt. Womit sollte er anfangen? Er durfte keinen Krach machen, also fielen einige der größeren Zauber schon weg. Für andere fehlten ihm die passenden Utensilien.

Neville hatte den Kopf zurückgelegt und die Augen geschlossen, als ihm plötzlich eine Idee kam. Langsam öffnete er die Augen wieder, ohne wirklich etwas zu sehen. Seine Gedanken waren in die Vergangenheit geschweift, zu seinem ersten Schuljahr. Es gab da einen kleinen Zauber, einen der ersten, der ihnen überhaupt beigebracht worden war, einen ganz einfachen also, aber er hatte dabei wie so oft rettungslos versagt. Am Ende des Schuljahres hatte er ihn auch in der Prüfung nicht sonderlich gut vorgeführt, dafür eine schlechte Note bekommen und in den folgenden Jahren war nie wieder danach gefragt worden. Man ging einfach davon aus, dass ihn jeder beherrschte und bisher war Neville nicht in die Verlegenheit gekommen, allen das Gegenteil zu beweisen, da der Zauber nicht gerade lebensnotwendig war oder oft gebraucht wurde. Aber die Wahrheit war: Er hatte es noch einige Male probiert und war immer daran gescheitert. Ein so kleiner, lächerlicher Zauber, und er war nicht einmal dazu in der Lage.

In Nevilles Kehle bildete sich ein Kloß, der ihm das Atmen erschwerte. Er hatte Angst, aber gleichzeitig wusste er nun, womit er beginnen musste.

Neville setzte sich in dem Sessel etwas gerader hin und betrachtete das Sammelsurium auf dem Tisch vor sich. Offensichtlich hatte irgendein Schüler vorgehabt, noch vor dem Schlafengehen schnell einen “Ich bin gut angekommen”-Brief zu schreiben, dann aber die Lust verloren und all seine Schreibsachen liegen lassen. Die Feder lag neben dem angefangenen Brief, darüber prangerte das brandneue, randvolle Tintenfass.
Neville entschied sich für die Feder und fixierte sie. Langsam hob er den Zauberstab und leckte sich, ohne es zu merken, nervös über die Lippen. Die Stunde der Wahrheit. “Wingardium Leviosa,” flüsterte Neville.

Die Feder flog hoch, als hätte man sie mit einem Katapult abgeschossen, wurde auf halber Höhe langsamer und schwebte dann friedlich und sanft schaukelnd gut einen Meter über Nevilles Kopf mitten in der Luft.

Nevilles Puls raste, aber er zwang sich äußerlich zur Ruhe. Okay, das hatte geklappt. Sogar richtig gut. Okay. Allerdings war das auch nicht sonderlich schwer. Also noch mal. Konzentration.

Als nächstes nahm er den unvollendeten Brief aufs Korn. “Wingardium Leviosa.” Das Pergament flatterte nach oben und gesellte sich zu der Feder. Jetzt das Tintenfass. “Wingardium Leviosa.” Auch das Tintenfass hob problemlos ab und leistete Feder und Brief Gesellschaft.

Neville betrachtete die schwebenden Schreibgerätschaften über sich und konnte nicht fassen, was er gerade vollbracht hatte. Dreimal hatte der Zauberspruch, der ansonsten noch nie richtig geklappt hatte - die Objekte, die er zum Schweben bringen wollte, hatten sich meistens nur müde um sich selbst gedreht und ansonsten den Kontakt zur Erde nicht verloren - tadellos funktioniert. Das musste zwar nicht unbedingt bedeuten, dass dies auf alle Sprüche zutraf, aber für Neville war es Beweis genug.

Ein ungläubiges Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Im nächsten Moment hätte er am liebsten laut gejubelt, beherrschte sich aber gerade so, um niemanden aufzuwecken. Stattdessen kicherte er leise in sich hinein und deutete ausgelassen mit seinem Stab auf ein Exemplar von “Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 3“. “Wingardium Leviosa!” Das Buch schoss nach oben. “Wingardium Leviosa!” Eine halbvolle Papiertüte Bertie Botts Bohnen folgte dem Buch, wobei ein paar Bohnen heraus hüpften und auf Neville nieder regneten.

Neville störte das nicht. Ihn hatte es vor Begeisterung von seinem Sessel gerissen. Völlig aufgekratzt tänzelte er durch den Raum und deutete wild auf sämtliche Gegenstände, die ihm vor den Zauberstab gerieten. Bald war die Decke des Gemeinschaftsraumes vor lauter schwebenden Gegenständen fast nicht mehr zu sehen. “Wingardium Leviosa! Wingardium Leviosa! Wingardium Leviosa!”

Der letzte Spruch sollte einen Reiseumhang treffen, den jemand über die Rücklehne eines Sofas gehängt hatte, traf stattdessen aber das Sofa selbst. Das uralte Möbelstück wurde nach oben gerissen, mitten zwischen die immer noch schwebenden Gegenstände geschleudert und sprengte sie auseinander. Im ganzen Gemeinschaftsraum hagelte es plötzlich Bücher, Umhänge, Tintenfässer, Zeitschriften, Spielkarten, Taschen, Schachfiguren, magische und nichtmagische Gegenstände aller Art.

Neville stieß einen unterdrückten Schrei aus und riss die Arme hoch, um seinen Kopf vor einem niedersausenden, massiv schmiedeisernen Kerzenständer zu schützen. Unklugerweise verlor er dabei den Kontakt zu dem einzigen Gegenstand im Raum, der noch unter dem Bann des Schwebezaubers stand. Das Sofa fiel krachend wie eine Bombe zu Boden und brach ächzend auseinander. Die Sofakissen machten sich selbstständig. Eines flog direkt in die Glut des Kamins.

Nevilles Mund klappte auf, als er beobachtete, wie der Kissenbezug, durch jahrzehntelange Beanspruchung abgewetzt und dünn wie Seidenpapier, augenblicklich Feuer fing. Einen langen Augenblick konnte er einfach nur dastehen und glotzen, dann stolperte er fast über das Chaos an herumliegenden Gegenständen, als er versuchte, zum Kamin zu gelangen. Inzwischen brannte das gesamte Kissen und versprühte Funken auf die vielen Bücher und Pergamentseiten, die auf dem Boden verteilt waren. Einige davon hatten bereits zu kokeln begonnen.

Zuversichtlich richtete Neville seinen Zauberstab auf das Feuer und sprach mit klarer Stimme den Elementarzauber, der die Flammen löschen sollte - und erwischte den falschen. Statt eines klaren Wasserstrahls schoss eine orkanartige Bö aus der Spitze seines Zauberstabs, entfachte die Glut noch mehr und machte aus den harmlos züngelnden Flämmchen einen ausgewachsenen Brand.

Hustend stolperte Neville zurück. Der Gemeinschaftraum füllte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit mit Rauch, aber Neville konnte nur allzu gut erkennen, dass inzwischen alle Möbelstücke um den Kamin herum lichterloh brannten.

Er wollte gerade zu einem zweiten Versuch ansetzen - er hatte immer noch die irre Hoffnung, alles ohne Spuren zu hinterlassen beseitigen zu können und wieder in sein Bett zu flüchten, bevor ihn jemand erwischte, obwohl es einem Wunder gleichkam, dass bei dem Krach noch niemand wach geworden war - als der ausgestopfte Hirschkopf über dem Kamin mit schriller Stimme zu kreischen begann. “ALARM! FEUER IM GEMEINSCHAFTSRAUM! SCHÜLER AUS DEN BETTEN! ALARM!”

Neville fluchte und presste sich beide Hände auf die Ohren. Im nächsten Moment knallten die Türen zu den Schlafsälen auf und die Gryffindors strömten heraus, viele nur in Nachthemd oder Schlafanzug. Einige der Jüngeren fingen beim Anblick des Feuers direkt an zu schreien, andere erstarrten schockiert, wieder andere schienen von der unerwarteten Action so früh im Schuljahr begeistert. "Longbottom fackelt den Gemeinschaftsraum ab!" rief irgendjemand aus der Menge, was von einigen tatsächlich mit johlenden Jubel kommentiert wurde. Alle zusammen veranstalteten sie einen Höllenlärm.

Nevilles Herz sank in die Hose, als er Hermine erblickte, die sich ganz an die Spitze der Mädchenlawine gesetzt hatte, die die Treppen runterwogte, und sich dabei hektisch ihren Morgenmantel zuband. Sie sah zuerst Neville, der mit hängenden Zauberstab in seiner schlaffen Hand dastand, dann den Brand. Ihre Augen quollen fast aus den Höhlen. Doch unten angekommen, hob sie sofort ihren Zauberstab. “Aguamenti!”

Ein Wasserstrahl sprudelte aus Hermines Zauberstab hervor und traf zischend auf den Sessel vor ihr. Gewissenhaft umrundete sie das Feuer, verkleinerte es zunächst und löschte schließlich auch die letzte Glut, während Neville immer noch auf der selben Stelle stand und verdattert gaffte.

Inzwischen war der nun ziemlich dunkle und rauchgeschwängerte Gemeinschaftsraum brechend voll mit herumschreienden, lachenden und hustenden Gryffindors, aber Hermine fand dennoch Nevilles Augen und fixierte sie. “Oh, Neville,” seufzte sie.

Neville räusperte sich, doch bevor er etwas sagen konnte, stolperte Professor McGonagall in ihrem Morgenmantel aus Schottenkaro durch das Portraitloch, die Augen verquollen und die Haare unter einem Haarnetz verborgen. Die Gryffindors wurden totenstill.

“Was in Merlins Namen…!” setzte sie an, kam aber nicht weiter, weil sie auf ein am Boden liegendes Tintenfass trat und fast einen unfreiwilligen Spagat hinlegte. Sie konnte ihr Gleichgewicht noch gerade so halten, doch ihre Gesichtsfarbe wechselte von leicht gerötet zu Magenta. Neville schrumpfte bei diesem Anblick in sich zusammen.

Und völlig unbeeindruckt vom Auftauchen der Hauslehrerin quäkte der Hirschkopf weiter seinen Alarm. “FEUER IM GEMEINSCHAFTSRAUM! SCHÜLER AUS DEN BETTEN!”

“Klappe, Hubertus!” herrschte McGonagall und der Hirschkopf verstummte beleidigt.

McGonagall entzündete mit einem Schwung ihres Zauberstabs die Kerzen im Gemeinschaftsraum und vollführte dann ein kompliziertes Muster, welches bewirkte, dass der ganze dichte Rauch irgendwie von der Spitze ihres Zauberstabes aufgezogen wurde, bis nur noch frische, atembare Luft zurückblieb. Im nun erleuchteten und nicht mehr durch den Rauch eingenebelten Gemeinschaftsraum sah es aus wie auf einem Schlachtfeld.

Der Anblick schien McGonagall tatsächlich die Sprache zu verschlagen. “Wer ist… was ist… wer hat…”

Alle Köpfe wandten gleichzeitig sich zu Neville, dessen Schultern herabsackten. Er wagte kaum, McGonagall anzusehen. Seine Stimme war ein leises Piepsen. “Äh, Professor… also, irgendwie habe ich…”

Wenn möglich, wurde McGonagalls Gesichtsfarbe noch dunkler. “Longbottom, wie können Sie es wagen mitten in der Nacht den Gryffindor-Turm in Brand zu stecken!?”

“Wäre es tagsüber in Ordnung gewesen?” murmelte ein besonders altkluger Zweitklässler irgendwo in der Menge, zuckte aber heftig zusammen, als McGonagalls zorniger Blick ihn streifte.

Neville setzte zu einer Erklärung an, ohne zu wissen, was er überhaupt sagen wollte - die Wahrheit war ihm jedenfalls ein wenig zu peinlich, um sie vor der gesamten Gryffindor-Schülerschaft zu gestehen - aber McGonagall schnitt ihm das Wort ab. “50 Punkte Abzug von Gryffindor… und ich werde die Haushelfen anweisen, den Gemeinschaftsraum in diesem Zustand zu belassen. Sie werden morgen alles aufräumen - allein und ohne magische Hilfe!” Sie erhob ihre Stimme. “Und jetzt schert euch alle sofort zurück ins Bett, sonst ziehe ich jedem einzelnen von euch ebenfalls Punkte ab!” Mit diesem Worten wirbelte sie herum, trat beinahe wieder auf das Tintenfass, kickte es wütend zur Seite und verschwand durch das Portraitloch.

Ein Murmeln erhob sich in der Menge. Niemand der Anwesenden konnte sich daran erinnern, dass einem Hogwarts-Schüler jemals schon so früh im Schuljahr Hauspunkte abgezogen worden waren. Und dann direkt fünfzig… das hatte das Zeug zu einer schulischen Legende.
McGonagalls Drohung in den Ohren, verzichteten die Gryffindors aber auf ausführlichere Diskussionen und machten sich auf den Weg ins Bett. Neville schlich als letzter hinterher.

“Klasse Aktion, Neville,” gähnte Ron, als er unter die Decke kroch, momentan zu müde, um wirklich wütend wegen der verlorenen Hauspunkte zu sein. Neville verzichtete auf eine Antwort und glücklicherweise sparten sich die anderen eigene Kommentare.

Trotz der Aufregung waren die Jungs nach wenigen Minuten wieder eingeschlafen… bis auf eine Ausnahme.

Neville lag mit offenen Augen in seinem Bett und sah immer noch den zerstörten Gemeinschaftsraum vor sich. Das würde ein hartes Stück Arbeit werden, noch dazu völlig übermüdet, wie er morgen bestimmt sein würde… er wollte kaum darüber nachdenken. Und 50 Hauspunkte verloren…!

Sein Blick fiel auf seinen Zauberstab, den er wieder auf seinen Platz auf seinem Nachttisch gelegt hatte. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Die Hauspunkte würde er schon zurückholen. Dieses Jahr war alles anders.

Neville schloss die Augen und schlief fast augenblicklich ein.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Es gibt nichts Schöneres für mich als den Kindern zu begegnen, die meine Bücher lesen.
Joanne K. Rowling