
von ButterBeerAddict
An diesem Samstagmorgen schien die Sonne nicht wie gewöhnlich in das große mit Vorhängen verdeckte Fenster. Es war kalt geworden und es sah nach Regen aus. Durch die Kieferbäume vor dem roten Ziegelhaus merkte man es oft erst später, wenn es anfing zu regnen. Der gepflasterte Weg vor der Eingangstür, welche mit zwei kleinen Wandlampen am Abend zum Leuchten gebracht wurde, musste undedingt vom sprießenden Unkraut befreit werden. Die Wochenendausgabe des Tagespropheten lag leseberiet auf der ersten Stufe.
Obwohl es noch sehr früh am Morgen war, wusselte jemand in der Küche fleißig hin und her. Die Dame hatte wuscheliges und braunes Haar, welches sie zusammengebunden hatte da es vermutlich sonst in alle Richtungen abstand. Mit ihrer rot-gelb gepunkteten Schürze rührte sie einen zähflüssigen Teig an, der mit Rosinenstückchen versetzt war. Sie schwang ihren Zauberstab und in Nullkommanichts lagen Messer, Gabel und Löffel akkurat auf dem Tisch. Ein weiterer Wink mit dem Zauberstab und schon standen vier Teller zwischen dem Besteck. Die Dame setzte die Pfanne mit dem Teig auf den Gasherd und sang leise aber fröhlich vor sich hin.
Im zweiten Stock trampelte ein junges Mädchen in ihrem Zimmer auf und ab. Sie versuchte ihre Katze einzufangen, die wie immer von ihrem nächtlichen Ausflug eine Maus mitgebracht hatte. Der durch und durch graue Kater machte nicht die geringsten Anstalten stehen zu bleiben.
Nebenan schlief jemand noch tief und fest und träumte von einem meterhohen Berg voller Nasch- und Schwänzlecker-
eien. Der kleine Junge wälzte sich in seiner himmelblauen Bettwäsche und leckte sich immerzu den Mund. Das Mobile über seinem Bett war verziert mit Besen, Eulen und Kürbisen. An der Wand hingen die Poster von allen Spielern der Chudley Cannons.
Aus dem Bad hörte man einen Mann gurglen, und das sehr lange. Er betrachtete seine Haut kritisch im Spiegel. Seine roten Haare ließ er so wie sie die Nacht hinterlassen hatte.
Er zwängte sich in einen grün gestreiften Pullover. Jedoch verwechselte er das Kopfloch mit dem Ärmel.
Die Dame unten in der Küche deckte derweil den Tisch mit den Rosinenpfannkuchen und schenkte in zwei große Tassen Kaffee ein. In zwei andere Gläser kam eine orangene Flüssigkeit. Sie ähnelte Orangensaft. Der rothaarige Mann stampfte die Treppe herunter. „Ron sei gefälligst leise. Die Kinder schlafen noch." Ohne ihrer Aussage Beachtung zu schenken gab er ihr einen Kuss auf die Wange und fragte:
„Kann es sein, dass ich immer mehr Sommersprossen bekomme?" „Ich hab keine Ahnung. Könnest du bitte die Zeitung reinholen. Ich habe keine Lust das mich Mrs McHale wieder fragt, warum sich die Bilder bewegen."
Mrs McHale war eine alte Dame, die gegenüber der Familie wohnte. Sie hatte die nervige Angewohnheit, jedes Ereigniss zu hinterfragen. Mrs McHale war nett und hilfsbereit aber manchmal auch ziemlich anstrengend. Deshalb versuchten
alle Nachbarn möglichst wenig Informationen über ihr Wochenende, Arbeit oder Familie preiszugeben.
„Aber es regnet.", sagte Ron. Die Dame schaute ihm mit einem Mach-was-ich-sage-oder-du-bekommst-kein-Frühstück- Blick an und schon eilte er zur Tür.
Währenddessen hatte das Mädchen ihren Kater unter Kontrolle. Sie fastte die von ihm gefangene Maus mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig an und hob sie hoch. Ihr Kater schaute traurig zu ihr herauf. „Nein Oscar. Wie oft hab ich dir gesagt du sollst das lassen?!" Sie öffnete die Tür und ging langsam den mintgrünen Flur entlang und die Treppe hinunter. „Mum, Oscar hat scon wieder eine Maus gefangen."
„Na dann bring sie raus und komm frühstücken.", sagte ihre Mutter etwas genervt. „Oh, gut Hugo. Kannst du bitte die Maus raustragen?", fragte das Mädchen lieb. „Nein Rose. Ich seh nicht ein, dass ich immer alles für dich machen soll."
„Ich geb dir auch meine`Ulrich der komische Kauz`- Schokofroschsammelkarte." „Na dann. Gib her!", sagte der kleine Junge. „Hugo was hast du den da?", fragte sein Vater.
„Ich bring die Maus von Rose raus.", rief er fröhlich. Ron blickte zu seiner Frau. Diese zuckte nur mit den Schultern und wandte sich Rose zu, die schon auf dem halben Weg zur Treppe war. „Und du kommst bitte frühstücken."
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