Bittersweet Lies - 1. Kapitel: Altbekannte Gesichter
von bertiebottsbeans
Kapitel 1: Altbekannte Gesichter
You treat me just like another stranger -
well, it's nice to meet you sir.
Ignorance is your new best friend!
Paramore - Ignorance
11.00 Uhr vormittags | Konferenzraum im Puddlemere-Stadion
"Okay, so wird das doch nichts." Mit reichlich angesäuerter Miene knüllte Oliver Wood, Starhüter von Puddlemere United, das Stück Pergament zusammen, dessen eine Hälfte vollgeschrieben war, während auf der anderen gähnende Leere herrschte. Bei der Pro/Contra-Liste ging es um die Neubesetzung des vor kurzem freigewordenen Jägerpostens im Team von Puddlemere. Jedoch konnten sich die sechs anwesenden Spieler nicht einigen, welcher Jäger aus dem Ersatzteam ins Stammteam wechseln sollte. Alle drei waren nämlich nichts im Vergleich zu ihrem beliebten Vorgänger Benjamin Crumbs, der wenige Wochen zuvor aufgrund eines Unfalls seine Quidditchkarriere an den Nagel gehängt hatte und ohne den sein Team die darauf folgenden Spiele nicht mehr gewonnen hatte. Wenn das so weiterging, würde das Spitzenteam der Liga eben diesen Status schneller verlieren, als sie "Quidditch" sagen konnten, da war sich Wood vollkommen sicher.
Was also sollten sie tun? Sich doch jemanden aus dem nicht besonders talentierten Ersatzteam holen, oder ihren Talentscout anheuern, einen würdigen Nachfolger für Crumbs zu finden? Es war einfach absurd, dass sich das Profiteam über so etwas den Kopf zerbrechen musste, aber genau das taten sie nun schon seit eineinhalb Stunden, während ihr Trainer immer noch auf sich warten ließ. Wo zur Hölle steckte der bloß?
Die angespannte Stille im Konferenzraum war fast mit Händen greifbar, als sie plötzlich durch das abrupte Öffnen der Tür gebrochen wurde. Und wer kreuzte da mal eben auf, als wäre er nicht über eine Stunde zu spät? Ganz recht, ihr lang vermisster Trainer, Justin Wickland. Oliver stieß ein wütendes Schnauben aus und warf diesem einen wütenden Blick zu. "Schön, dass du dich auch mal hier blicken lässt." Nach dieser Aussage fing er sich ausnahmsweise mal keine heftige Zurechtweisung, sondern lediglich ein spöttisches Lächeln ein. "Keine Sorge Wood, ich habe gute Neuigkeiten dabei, die selbst dir gefallen werden." Vom Profihüter kam daraufhin nur ein weiteres genervtes Schnauben, während der Rest des Teams den Trainer neugierig ansah. "Jetzt erzähl schon!", brach schließlich Leo Hummings, einer der Jäger, das erwartungsvolle Schweigen. Auf diese deutliche Aufforderung hin ließ sich Wickland nicht lange bitten und sein Gesicht zierte ein strahlendes Grinsen, als er seinen sechs Stammspielern die großartige Neuigkeit verkündete. "Ich weiß, ihr werdet es nicht glauben -", ein besonders großes Grinsen ging in Richtung Wood, "- aber ich habe eine neue Jägerin für unser Team gefunden. Sie macht sich auf dem Feld schonmal für ihr Probetraining warm, also geht -"
"Jägerin? Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?!" Jamie Benson, der Sucher des Teams, wurde von Oliver durch ein heftiges Nicken bestätigt. Hatte ihr Trainer etwa vergessen, dass sie keine Frauen im Team haben wollten? Das brachte doch nur Ärger ein, wenn sich die männlichen Spieler nicht mehr auf Quidditch konzentrieren konnten, weil ihnen die Köpfe der Reihe nach von einer Spielerin verdreht wurden. Nein, das würde Wood ganz bestimmt nicht zulassen. Nicht, solange er der Kapitän dieses Teams war!
Doch bevor er auch nur zu einer Schimpftirade gegen den Trainer ansetzen konnte, hatte dieser ihm schon das Wort abgeschnitten. "Leute, ich weiß, wir wollten ohne Frauen spielen. Aber die Kleine hat echt was drauf, im Gegensatz zum Ersatzteam. Gebt ihr eine Chance, lasst sie dieses Probetraining machen. Seid einfach mal fair. Sonst können wir gleich einpacken. Und jetzt ab in die Umkleiden, macht euch fertig. In fünf Minuten will ich euch alle auf dem Feld sehen!"
Zwar war das Team nicht besonders begeistert, aber sie wussten alle, dass Wickland in diesem Fall wohl keinen Protest dulden würde. Und ganz so schlimm konnte es ja nicht sein, wenn er schon so überzeugt von der Neuen war, oder?
Oliver trottete als letzter der Sechs aus dem Raum, nicht ohne seinem Trainer einen giftigen Blick zuzuwerfen. Ihm war schon etwas mulmig zu Mute, wenn er an das bevorstehende Probetraining dachte, doch er würde keinen Angriff der Unbekannten kampflos hinnehmen. Es wäre doch gelacht, wenn er eine Frau nicht am Punkten hindern konnte. Nein, die neue Jägerin würde es ganz bestimmt nicht leicht haben.
11.15 Uhr vormittags | Spielfeld des Puddlemere-Stadions
Leise lachend ließ sich die neue Anwärterin auf den Jägerposten in einen gekonnten Spagat gleiten, während der sanfte Wind ihr eine der zahlreichen blonden Locken ins Gesicht pustete. Diese Tatsache beirrte sie aber keinesfalls - erst, als ihre blitzenden blauen Augen die sechs Stammspieler erblickten, kam sie wieder auf die Beine und nahm den Kampf mit den Locken auf. Nachdem sie diesen durch einen festen Zopf, der sie im Nacken kitzelte, gewonnen hatte, griff die junge Frau nach ihrem Besen, eines der neuesten Modelle für das sie ein halbes Jahr lang jeden Knut gespart hatte, und lief langsam auf die sechs wesentlich größeren Spieler zu, die dasselbe taten. Mit einem Lächeln im Gesicht musterte sie die rot-goldenen Quidditchroben, die jeder Puddlemerespieler besaß, und stellte sich schon lebhaft vor, wie sie selbst in diesen aussehen würde. Sonderlich schwer fiel ihr das nicht, denn rot und gold hatte sie schon zu ihrer Schulzeit getragen, als sie in der Hausmannschaft mitspielte. Ob sich Puddlemeres Starhüter noch an sie erinnerte? Eigentlich sollte er sie nicht vergessen haben, so oft wie sie ihn - absichtlich - auf die Palme gebracht hatte. Zum Beispiel, wenn er ein Training um vier Uhr morgens angesetzt hatte, sie aber nicht aus dem Bett rausgekommen war und ihn nur kurze Zeit später mit dem nassen Handtuch quer durch den Gemeinschaftsraum gejagt hatte, das er benutzt hatte, um sie erfolgreich vom Schlafen abzuhalten. Oh ja, das waren noch Zeiten gewesen...
Nachdem sie mit ihren Gedanken so in die alten Erinnerungen abgedriftet war, zwang sie sich jedoch recht schnell wieder, etwas aufmerksamer zu sein und ihre Umwelt wieder intensiver wahr zu nehmen. Wobei, wenn sie sich da die Gesichtsausdrücke ihrer möglichen Teamkameraden ansah, war das nicht gerade aufbauend. Was konnte sie darin lesen? Verachtung, dass nun doch auch Frauen vorspielen durften. Belustigung über das blonde Geschöpf, das aussah, als wüsste es nicht einmal, was der Unterschied zwischen einem Quaffel und einem Schnatz war. Unterschätzt wurde sie, das sah man deutlich, aber die ehemalige Gryffindor ließ sich dadurch nicht einschüchtern. Denen würde sie es schon noch zeigen - sie war nicht umsonst sechs Jahre lang in der Schulmannschaft gewesen! Und davon auch noch drei Jahre unter Oliver Wood als Kapitän. Wenn der ihr nicht genug Quidditchkenntnisse eingeprügelt hatte, wer dann? Obwohl er immer noch nicht so aussah, als hätte er erkannt, wen er hier vor sich hatte. Weißt du etwa nicht mehr, wer ich bin? Du warst es doch, der mir immer so großzügig angeboten hat, nach dem Training noch zwanzig Strafliegestütze zu machen!
Die blauen Augen funkelten den Hüter unverschämt herausfordernd an, während das Lächeln auf den zarten Lippen langsam zu einem ausgewachsenen Grinsen mutierte. Er erkannte sie also tatsächlich nicht!
Doch diesen Zustand wollte der Trainer jetzt wohl schnell ändern, und so richtete die junge Frau ihren Blick nun zu diesem. Den verwirrten Gesichtsausdruck Woods bekam sie aus den Augenwinkeln aber noch mit, und es amüsierte sie, ihn so zu sehen.
"Also gut, Jungs -", setzte Wickland an, eine kurze Rede zu halten, "- darf ich vorstellen, hier ist die neue Anwärterin auf den Jägerposten. So wie ich es bisher gesehen habe, ist sie um einiges besser als die Trampel aus dem Ersatzteam, und ich erwarte von euch allen, dass ihr Katie Bell eine faire Chance gebt, auch wenn es nicht allzu oft vorkommt, dass wir auch Frauen vorspielen lassen. Miss Bell, das hier sind unsere Jäger Hummings und Larsson -", er deute auf die zwei etwas kleineren Spieler, die ihr nicht besonders begeistert zunickten, "- unsere Treiber Trevlings und Melts -", die zwei bulligen Typen hoben kurz die Hand zum Gruß, sahen aber ein wenig netter aus als die Jäger, "- unser Sucher Benson -", der kleinste der Truppe lächelte sie gezwungen freundlich an, "- und zum Schluss unser Hüter, Oliver Wood, gegen den sie heute antreten werden." Wieder blieben Katies Blicke an Wood haften, der aussah, als hätte ihn ein Klatscher mitten in den Bauch getroffen. Er war der Einzige, der kein mehr oder minder höfliches Begrüßungszeichen von sich gegeben hatte, und die Blonde konnte schon erahnen, wieso. Er hatte also tatsächlich seine aufmüpfigste ehemalige Jägerin vergessen? Schande über ihn.
Aber als er jetzt den Blick von ihr abwandte, und stattdessen seinen Trainer ansah, hatte er sich so weit unter Kontrolle, dass Katie nicht erkennen konnte, was in ihm vorging. Auch sie richtete die blauen Augen wieder auf Wickland, und antwortete mit fester Stimme: "Ich bin froh, sie alle persönlich kennenzulernen.", ein kurzer Blick in die Runde, bevor sie wieder den Trainer ansah, der ihr das Angebot des Probetrainings gemacht hatte, "Und da nun jeder jeden kennt, kann ich doch bestimmt zeigen, dass ich was von dem Sport verstehe?" Unterdrücktes Gelächter folgte ihrer ernst gemeinten Frage, aber Wickland brauchte nur einen scharfen Blick in die Runde zu werfen, damit dies gleich aufhörte. Dann nickte er ihr freundlich zu und erklärte mit diesem Nicken das Probetraining für eröffnet.
11.45 Uhr vormittags | Spielfeld des Puddlemere-Stadions
Angespannt umklammerte der Hüter seinen Besen, als die drei Jäger auf ihn zuschossen. Zähneknirschend beobachtete er nun schon seit einer knappen halben Stunde, wie sich der kleine blonde Wirbelwind immer mehr in die Herzen ihrer Jägerkollegen spielte. Am Anfang waren diese noch recht skeptisch gewesen, aber als Katie die erste Aufregung hinter sich gebracht hatte und richtig aufgedreht hatte, konnte er die Begeisterung auf den Gesichtern von Hummings und Larsson erkennen. Wenn es nach denen ginge, dann würde die ehemalige Gryffindor definitiv ins Team kommen, da war er sich sicher. Jetzt lag es eben an ihm, das zu verhindern. Aber verdammt, sie hatte drei Jahre mit ihm gespielt - und das ließ sie ihn auch deutlich spüren, wenn sie ihn so austrickste, wie in diesem Moment. Sie hatte nur angetäuscht, und er war nach rechts geflogen, aber raffiniert, wie das kleine Ding war, hatte sie den Quaffel blitzschnell in die andere Hand gewechselt, und bevor er auch nur den Rückflug zum mittleren Ring antreten konnte, hatte sie schon geworfen - und getroffen. Oliver schoss nach unten, um den Quaffel aufzufangen, und spielte diesen schließlich Hummings zu, der wiederum an Katie abgab. Gut, diesmal würde er es ihr nicht so einfach machen. Er biss die Zähne zusammen, konzentrierte sich voll und ganz auf die Jägerin, doch auch das war wohl ein Fehler. Er hatte fest damit gerechnet, dass sie werfen würde, doch kurz vor den Ringen angekommen, passte sie schnell zu Larsson hinüber, der mit dem überraschten Hüter ein leichtes Spiel hatte.
Dieser warf seinem Trainer einen bösen Blick zu, als der es auch noch wagte, zu klatschen. Es war definitiv nicht gut, wenn Bell es ins Team schaffen würde. In Hogwarts war es vielleicht noch gut gegangen, aber seit er hier bei Puddlemere war, hatte er gemerkt, wie viel harmonischer es zuging, wenn nur das männliche Geschlecht im Team vertreten war. Außerdem wusste er aus Erfahrung, dass Bell ihren eigenen Kopf hatte, wenn es um Quidditch ging. Viel zu oft hatte er sich mit ihr herumärgern müssen, aber wenigstens hatte sie ihre Strafliegestütze immer absolviert - auch wenn sie ihn dabei mit Blicken erdolcht hatte. Heute waren die Blicke, die sie ihm immer wieder zuwarf, aber mit keinem anderen Wort zu beschreiben, als unheimlich frech. Sie wartete doch nur darauf, dass er sie öffentlich anschnauzte, oder sonstwie zu erkennen gab, dass er schon einiges mehr an Erfahrung mit ihr gemacht hatte, als er wirklich zugeben wollte. Bisher wusste keiner seines Teams, dass er drei Jahre lang ihr Kapitän und irgendwie auch etwas wie ein guter Freund gewesen war, und das sollte sich, wenn es nach ihm ging, auch gar nicht ändern. Er hatte nun wirklich keine Lust, noch etwas falsches nachgesagt zu bekommen, zum Beispiel, dass er ihr noch bessere Chancen einräumte, nur weil er sie kannte. Und bisher war sie ja auch klug genug gewesen, um nichts auszuplaudern. So behandelte er sie einfach weiter, als würden sie sich gar nicht kennen, auch wenn er ihr deutlich ansah, dass sie zwar versuchte, darüber amüsiert zu wirken, aber ihn am Liebsten doch erdolcht hätte.
Mitten in seinen Gedanken hörte Oliver ein Pfeifen, und wandte den Kopf zum Trainer, der gerade die Treiber aufs Feld schickte. "Wirklich gut bisher! Jetzt will ich mal sehen, wie ihr euch mit den Klatschern anstellt!" Die schokoladenbraunen Augen des Hüters trafen auf die blonde Jägerin, die gerade mehr als zufrieden grinste - wohl über das Lob von Wickland, das gerade mehr als offensichtlich daraufhin deutete, dass die Entscheidung, Katie ins Team zu holen, schon fast getroffen war. Wenn sie sich die nächsten Minuten nicht allzu dämlich anstellte, und das würde sie bestimmt nicht, war ihr der Platz bei Puddlemere sicher. Oliver stöhnte nur über diese Erkenntnis. Dann würde er also wieder zu ihrem Kapitän werden, und ganz sicher waren dann auch wieder einige Streitereien drin, denn wenn sie immer noch so ein Sturkopf war wie früher, dann würde sie ihm wohl wieder das Leben schwer machen. Und eigentlich war es mehr als unwahrscheinlich, dass sie sich drastisch verändert hatte.
12.30 mittags | Spielfeld des Puddlemere-Stadions
Der Blick der blonden Jägerin war in die Ferne gerichtet, während sie angestrengt versuchte, ihre gute Laune zu erhalten. Das Probetraining war gut gelaufen, sie hatte mehr als genug Tore geworfen. Sie hatte mit Profis zusammengespielt, und sie war verdammt nochmal ebenso gut wie zu ihrer Hogwartszeit. Zwar hatte sie die letzten zwei Jahre nicht unbedingt für Training benutzt, was sich auch an ihrer Kondition bemerkbar gemacht hatte, aber sie hatte ihr Bestes gegeben. Und eigentlich war sie auch zufrieden mit sich selbst. Trotzdem konnte sie es nicht verhindern, dass ihr Blick von Zeit zu Zeit zu dem heftig gestikulierenden Oliver und zu dem scheinbar ruhigen Trainer hinüberglitt.
Sie hatte sich den Jägerposten mehr als verdient, das war klar. Die anderen Spieler hatten ihr versichert, dass sie um Längen besser war als die Trottel aus der Ersatzmannschaft. Die würden wohl sowieso bald ausgewechselt werden. Und trotzdem hatte sie ein schlechtes Gefühl, das nur mit dem Hüter von Puddlemere zusammenhing. Auch wenn er erstmal nicht erkannt hatte, wer sie war, inzwischen erinnerte er sich wohl nur zu gut an die drei Jahre, die sie zusammen gespielt hatten. Und wahrscheinlich erinnerte er sich auch daran, dass sie nicht immer die Einfachste seiner Spielerinnen gewesen war. Gut, die Weasley-Zwillinge waren ihr da wohl noch überlegen, aber nicht nur einmal hatte sie den Kapitän in ein heftiges Wortgefecht verwickelt, aus dem er nicht immer als Sieger herausgegangen war. Aber selbst er musste zugeben, dass sie ihn vor knapp einer halben Stunde noch gnadenlos fertig gemacht hatte, wobei einige ihrer Spielzüge noch aus seinem genialen Quidditch-Hirn stammten. Aber mit der Zeit hatte er sie immer besser durchschauen können, und ihr gezeigt, dass sie doch noch einiges zu Lernen hatte.
Frustriert seufzte sie und blickte auf das Gras hinunter, das sie seit gut zehn Minuten schon aus Aufregung aus dem Boden zupfte. Im gleichen Moment setzten sich der Trainer und der Kapitän in Bewegung, und auch Katie sprang auf, während ihr das Herz in die Nähe ihres Knöchels rutschte. Was sollte sie bloß tun, wenn sie nicht genommen wurde? Wieder zum Alltag zurückfinden, sich mit Fotos ihr Geld verdienen und ab und zu mal zu einem Probetraining gehen, wo sie sowieso nicht genommen wurde? Sie scheiterte niemals an fehlendem Talent, aber immer am Geschlecht. Und bei den Frauenmannschaften wollte sie sich gar nicht erst bewerben - das eine Mal zwischen den kichernden Weibern hatte ihr gereicht. Doch Wickland machte ein recht glückliches Gesicht, und auch Wood schien sich zusammenzunehmen, um nicht mit einem wie-scheiße-ist-doch-die-Welt-Gesicht herumzulaufen. Vielleicht hatte sie es dieses Mal ja wirklich geschafft...?
Noch bevor der die Beiden überhaupt bei ihr angekommen waren, fing der Trainer schon an zu sprechen. "Miss Bell, ich denke, ich spreche für das gesamte Team, wenn ich sage, dass sie eine sehr gute Leistung abgelegt und es auch geschafft haben, mit den anderen Teammitgliedern zu harmonieren. Deshalb heißen wir sie recht herzlich bei uns Willkommen. Ihr Vertrag ist morgen schon bereit, und sie können ihn noch vor dem Training unterschreiben, vorausgesetzt, sie nehmen unser Angebot an." Das strahlende Lächeln, das Katie aufgesetzt hatte, sprach eigentlich schon Bände, aber nach dieser Ansprache fühlte auch sie sich verpflichet, etwas zu sagen. Auch wenn ihre Stimme vor Glück und Aufregung zitterte. "Natürlich nehme ich das Angebot an! Es ist wirklich eine großartige Chance und ich freue mich, bei ihnen spielen zu dürfen. Sie können auf mich zählen." Wickland nickte kurz, hielt ihr zum Abschied die Hand hin, die sie ergriff, und machte sich dann schließlich auf den Weg zur Umkleidekabine, zweifellos, um dem Rest des Teams die Entscheidung bekannt zu geben.
"Na dann...Glückwunsch." Woods Lächeln sah reichlich gequält aus, und die blonde Jägerin musterte ihn seufzend. Was hatte er bloß für ein Problem? "Meinst du das wirklich ernst oder willst du nur Eindruck schinden? Ich habe schon verstanden, dass du mich nicht hier haben willst. Aber wenn du ein echter Gryffindor bist, dann sei wenigstens ehrlich genug und steh dazu." Ohne ihn noch eines einzigen Blickes zu würdigen, rauschte Katie ab in Richtung der Umkleidekabinen, und ließ, ohne es zu bemerken, einen reichlich verwirrten Oliver zurück.
13.00 Uhr nachmittags | vor den Umkleidekabinen
"Früher hat sie viel weniger Zeit beim Duschen verplempert.", grummelte Oliver vor sich hin, während ihn Chris Larsson anzüglich angrinste. "Woher kennst du denn ihre Duschgewohnheiten so gut? Erzähl mir bloß nicht, dass sie mit unfairen Mitteln ins Team gekommen ist." Sein Grinsen wurde noch eine Spur breiter, als der Hüter nur ein genervtes Stöhnen ausstieß und die Augen verdrehte. "Im Ernst, jetzt bin ich besorgt. Die Kleine hat wirklich nichts mit unserem geliebten Trainer oder dir?" Diesmal traf ihn ein reichlich verärgerter Blick, aber wenigstens erhielt er eine Antwort, auch wenn die nicht gerade nett ausfiel. "Hör mal her Chris, ich hab mich auf nichts mit ihr eingelassen. Und soweit ich weiß, geht es Wickland genauso. Also hör auf rumzunerven, ja? Und bevor du noch weiterfragst und mir nur noch mehr auf die Nerven gehst, sag ich dir gleich, dass ich ihre Duschgewohnheiten aus unserer gemeinsamen Hogwartszeit kenne." Der Jäger wollte schon den Mund aufmachen, aber Oliver ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen, sondern sprach einfach weiter. "Und nein, damals hatte ich auch nichts mit ihr. Sie war sechs Jahre lang im Quidditchteam, und davon war ich drei Jahre ihr Kapitän, deshalb weiß ich auch, dass sie normalerweise höchstens fünfzehn Minuten unter der Dusche verbringt." Mit einer Hand lehnte er sich an den Türrahmen und atmete die frische Luft ein, während er erneut einen Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk warf. Katie war jetzt schon eine knappe halbe Stunde in der Umkleide. Was machte sie denn eigentlich so lange? Hier hatte sie im Gegensatz zu Hogwarts doch niemanden, mit dem sie während dem Duschen reden konnte, schließlich gab es hier genauso getrennte Duschen wie zu ihrer Schulzeit.
Während er seiner Uhr noch einen bitteren Blick schenkte, öffnete sich aber auch schon die Tür und er ging einen kleinen Schritt zurück, um Katie Platz zu machen, die entschlossen hinausmarschierte. Nun ja, sie lief zumindest so lange, bis sie die beiden Teammitglieder bemerkte, die auf sie warteten, denn bei deren Anblick blieb sie sofort stehen und warf ihnen einen fragenden Blick zu, bevor sie sich mit dem Rücken gegen die Tür lehnte. Eine Geste, die Wood nur zu gut kannte - ebenso wie die verschränkten Arme, ihre typische Abwehrstellung. Wahrscheinlich machte sie sich schon auf eine hitzige Diskussion gefasst, aber das war eigentlich nicht das, was er erreichen wollte. Gut, als sie ihn vorhin einfach hatte stehen lassen, wollte er sie eigentlich erstmal zur Rede stellen, aber in den letzten Minuten hatte er sich umentschieden. Sie hatte ja eigentlich Recht. Auch wenn er das nicht gern zugab.
"Hast du Lust, mich auf einen Spaziergang zu begleiten?" Seine Stimme war sanfter, als er eigentlich wollte, und Chris stieß einen leisen Pfiff aus. Was tat der eigentlich noch hier? Er hatte ihm bloß beim Warten Gesellschaft leisten wollen, was auch ganz gut gewesen war, aber Oliver hatte eigentlich erwartet, dass er verschwinden würde, wenn Katie auftauchte. Doch die sah ihn jetzt nur durchdringend an und Larsson grinste erneut, machte aber keine Anstalten, zu verschwinden. Aber gut, er hinderte ihn ja nicht daran, das stumme Blickduell gegen Bell zu gewinnen. Jedoch konnte sie sich einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen. "Lass mich mal eben meinen Terminkalender checken, ja?" Gut, er hatte gedacht, dass es sarkastisch gemeint war, aber sie holte tatsächlich einen Taschenkalender hervor, aus dem allerlei Klebezettel hervorragten und wichtige Tage besonders markierten. Wenn er sich das so ansah, schien Katies Leben nur aus wichtigen Tagen zu bestehen. Sie blätterte allerdings souverän darin herum, bis sie die richtige Seite gefunden hatte, und bewegte beim Lesen stumm die Lippen zu den Worten, die sie sich aufgeschrieben hatte. Kurz darauf klappte sie das Buch mit einem zufriedenen Lächeln zu und blickte ihn erneut an. "Winkelgasse?" Er grinste sie nur an und streckte ihr eine Hand entgegen, die sie ohne langes Zögern ergriff und bevor Chris noch etwas sagen konnte, waren die Beiden schon disappariert.
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Schon als mir zum ersten Mal klar wurde, dass Bücher von Menschen geschrieben werden und nicht einfach so auf Bäumen wachsen, stand für mich fest, dass ich genau das machen wollte.
Joanne K. Rowling