
von Meera
Es war ein gemütlicher Abend irgendwo in England, in irgendeiner kleinen Bar. Die Tage wurden wieder länger, auch wenn es noch nicht sonderlich warm war. Der April hatte ziemlich verrückt gespielt und der Mai hatte mit kleineren Schauern begonnen.
Eine Gruppe junger Frauen in Umhängen betrat die Bar und suchte sich eine ruhige Ecke. Die Frauen waren alle jung und wirkten wie Studentinnen. Sie bestellten sich Getränke und lachten viel. Jedem in der Bar fiel die kleine Gruppe auf, die da so lustig zusammen saß.
Eine unter ihnen hatte rotes, leuchtendes Haar und Augen, die wie grüne Smaragde blitzten wenn sie lachte. Ihr klares Lachen erfüllte den gesamten kleinen Raum der Bar und erregte die Aufmerksamkeit eines Mannes. Das schwarze Haar hing ihn über die Schulter, sein Gesicht war blass und schmal, er hatte in letzter Zeit das Essen vergessen, was seinen schlechten Zustand erklärte. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit nagten an dem Mann und zehrten an seinen Kräften.
Er liebte sie immer noch, obwohl sie seit kurzem verheiratet war und nichts mehr von ihm wissen wollte. Dieses glasklare Lachen dieser Frau, die Ihr so unglaublich ähnlich sah, machte ihn traurig. Wenn er nur ein wenig anständiger gewesen wäre, hätte er vielleicht mit ihr glücklich werden können. Und wenn der Andere nicht gewesen wäre, den er hasste wie sonst niemanden.
Er bestellte sich noch einen Cognac, um die Gedanken wegzuspülen. Bei jedem weiteren Glas, musterte er die Rothaarige wieder und konnte sich kaum sattsehen an ihr. Auch die junge Frau schien ihn bemerkt zu haben und warf ihm immer wieder verstohlene Blicke zu, vermutlich war das auch der Grund, wieso sie die Letzte war, die noch am Tisch saß, als alle ihre Freundinnen bereits gegangen waren.
Als eine große, blonde Frau sich von ihr mit einem Küsschen auf die Wange verabschiedete und die Bar verließ, winkte er sie zu sich und wie durch ein Wunder, griff sie nach ihrem Glas und nahm neben ihm am Tresen Platz.
„Guten Abend!“, begrüßte er sie mit gedämpfter Stimme.
Sie erwiderte den Gruß und lächelte leicht. Sie hatte ein unglaubliches Lächeln und es fiel ihm schwer, sie nicht auf der Stelle zu küssen.
„Ich habe Sie schon den ganzen Abend beobachtet, wie Sie mich beobachtet haben. Und da wurde ich neugierig!“, gestand sie und lächelte noch eine Spur breiter.
Tatsächlich huschte ihm nun auch ein Grinsen über die Lippen und er reichte ihr seine Hand.
„Severus Snape!“, stellte er sich vor und blickte dabei genau in ihre grünen Augen.
„Samantha Hilburn!“, erwiderte sie und ergriff seine Hand.
Seine Hand war regelrecht kühl, während ihre vor Hitze glühte. Der Blick zwischen ihnen war so intensiv, dass sie sich ihm nicht entreißen konnten. Mochte es auch an dem Alkohol liegen, den beide getrunken hatten, in dieser Nacht waren ihnen die Sterne gnädig gestimmt.
Die beiden unterhielten sich, bis der Barbesitzer sie rauswarf und sie auf der Straße stehen mussten. Samantha fröstelte leicht, obwohl es bereits Anfang Mai war. Severus legte seinen eigenen schwarzen Umhang um ihre Schultern und führte sie die Straße hinauf, ohne sie loszulassen. Er hatte den Drang, sie nie wieder loszulassen und zu beschützten, wie er Lily beschützt hätte, wenn sie denn gewollt hätte.
Sie befanden sich nur unweit von Spinner’s End und Severus versuchte nicht einmal sie von seinem Wohnsitzt weg zu lotsen. Sie kannte ihn nicht, wusste nicht, dass er auf der dunklen Seite der Macht stand und nach dieser Nacht, würde sie sich kaum an den Weg erinnern, der sie hierhergeführt hatte.
Mit sanfter Gewalt drückte er sie gegen die Hauswand seines eigenen Hauses und sein Blick bohrte sich in ihren.
Sie war es, die sich vorlehnte und ihn küsste, kurz und vielversprechend.
Der sonst ernste und undurchdringliche Severus kämpfte mit seiner Fassung. Durch den Alkohol und die schwachen Lichtverhältnisse, konnte er sich selbst vorgaukeln, dass es Lilly war, die hier vor ihm stand.
„Nur diese Nacht!“, versprach sie ihm mit heiserer Stimme.
Das Angebot war gut. Zu gut!
Er stützte sich mit den Händen an der Wand ab und musterte ihr Gesicht. Lily…
Sanft berührte er ihr Kinn und hob es an, um sie zu küssen. Der Kuss, war ein süßer Vorbote für die nächsten Stunden.
Er drängte sie zum Hauseingang und öffnete die Tür mit einem gemurmelten Zauberspruch. Natürlich war Samantha auch eine Hexe, sonst hätte er seine Deckung nicht so einfach preisgegeben.
Wie sie Beide es ins Schlafzimmer schafften, wussten sie hinterher selbst nicht mehr. Nur, dass es eine der unvergesslichsten Nächte bleiben würde…
Trübes Morgenlicht fiel durch den dichten Nebel, der vor dem Fenster waberte. Der Staub wirbelte durch das beengte Schlafzimmer und kitzelte Severus in der Nase. Er nieste leise und wurde dadurch wach. Er spürte ein Pochen in seinem Kopf, er hatte es gestern wieder zu gut mit dem Alkohol gemeint! Stöhnend setzte er sich auf.
Dunkel erinnerte er sich an die vergangene Nacht und vereinzelte Fetzten schossen ihn durch den Kopf. Rote Haare, leuchteten Smaragde. Lily.
Er erinnerte sich an die Frau, die Lily so unglaublich ähnlich sah und ihn deshalb interessiert hatte. Nur deswegen hatte er sich mit ihr unterhalten, gut der Alkohol hatte sein übriges getan. Er rieb sich die Schläfen, als sich plötzlich etwas neben ihm leicht bewegte und dann ruhig weiterschlief. Leicht neigte der den Kopf und blickte auf die nackte Schulter einer Frau mit roten Haaren.
Niedergeschlagen ließ er den Kopf auf seine Arme sinken. Er hatte sie mit hierhergebracht…unfassbar…
„Verzeih mir Lily!“, flüsterte er mit belegter Stimme.
Dann kämpfte er sich aus dem Bett und zog sich an, er hatte vor diese Nacht schleunigst zu vergessen, wenn er sie auch nicht ganz aus seinem Gedächtnis würde streichen können, irgendwann würde er sie vergessen haben.
Um der Frau nicht vor den Kopf zu stoßen, mit der er die Nacht verbracht hatte, weil er sie fälschlicher Weise für Lily hielt, ließ er sie ausschlafen und sortierte herumliegende Bücher in seinem Wohnzimmer.
Irgendwann war sie wachgeworden, hatte sich angezogen und beobachtete ihn seitdem aus dem Türrahmen, wie er im Wohnzimmer umherirrte.
„Diese Nacht ist nie passiert!“, formten ihre Lippen.
Severus fuhr zusammen bei ihrem Klang und drehte sich zu ihr um. Sie hatte die Arme verschränkt und eine rote Strähne hing wirr in ihrer Stirn.
Jetzt, bei Tageslicht, sah sie Lily tatsächlich in gewisser Weise ähnlich. Aber es gab nun mal keine Andere für ihn, auch wenn er sie noch so oft verwechselte.
Als er ihr nicht antwortete und sie weiter mit einem Ausdruck des Erstaunens musterte, lächelte sie.
„Ich bin keine naive, junge Frau. Ich bin nicht diejenige, die Sie sich gerne an ihre Seite gewünscht hätten. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich werde ihnen also keine Szene machen und die arme, verletzte Dame spielen!“
Fast zuckte ein Lächeln in seinem Mundwinkel, aber nur fast.
Samantha schloss den Kastanienbraunen Umhang und strich die verirrte Strähne aus ihrem Gesicht. Sie sah ihn auffordernd an, offenbar wollte sie jetzt gehen und ihn nicht weiter belästigen. Severus zeigte ihr den Weg zur Haustür. Auf der Schwelle drehte sie sich noch einmal um und der Blick ihrer grünen Augen traf ihn so intensiv, das es ihn beinahe überwältigt hätte, wie ähnlich sie denen von Lily war.
„Leben Sie wohl, Severus!“, waren ihre Worte, bevor sie vor seinen Augen disapparierte und für immer aus seinem Leben verschwand.
***
„Miss Hilburn, Sie sind schwanger und zwar ziemlich genau in der neunten Woche.“
Samantha schluckte schwer. Sie hatte es befürchtet, schon seit ein paar Wochen, als ihr auffiel, dass ihr Lieblingskleid nicht mehr so recht zu passen schien. Sie war schwanger, dank einer zwanglosen Nacht Anfang Mai.
„Danke Doktor!“
Sie ließ sich von ihm das Ultraschallfoto geben und verließ die Praxis fluchtartig. Vor der Praxis wartete eine blonde, hochgewachsene Frau.
„Ann!“, wisperte sie in ihren Rücken. Die Frau drehte sich um und blickte auf das Stück Papier in ihrer Hand, welches sie an ihre Brust presste.
Ann seufzte und verschränkte die Arme unter ihrem Umhang.
„Was willst du jetzt machen?“, fragte sie nur, da ihr klar war, dass eine Predigt an ihre Vernunft nun wenig Sinn hatte.
„Ich werde dieses Kind bekommen!“, sagte sie entschlossen und zeigte Ann das Foto.
„Dr. Child glaubt es könnte ein Mädchen werden…“, flüsterte sie liebevoll.
Ann wusste, dass es nun keinen Sinn mehr hatte, es ihrer Freundin auszureden. Sie hatte bereits ihr Herz an dieses kleine Etwas gehängt, das in ihrem Bauch heranwuchs.
„Wirst du den Vater aufsuchen und es ihm sagen?“, fragte Ann nur, weil es die einzige Frage war, die jetzt noch wirklich von Bedeutung war.
Samantha überlegte, dann schüttelte sie den Kopf.
„Ich denke es würde ihn nicht interessieren. Der Abend war zwanglos und selbst eine Blinde hätte gemerkt, dass er nicht mich, sondern eine Andere gesehen hat. Es ist besser so!“
Sie legte eine Hand auf ihren Bauch, der jetzt noch schön flach war, aber bereits in wenigen Monaten rund und groß sein würde. In ihr wuchs ein Baby, dank einer Nacht Anfang Mai…
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