
von Nashira1
3. Kapitel: Das Schlammblut
Was hatte sie sich bloß dabei gedacht? Jetzt stand sie hier, inmitten des Büros eines ihrer Lehrer. Mira Clarks suchte schon fleißig nach einer Ausrede, die ihr Verhalten entschuldigte. Doch so sehr sie sich auch den Kopf zerbrach, sie fand keine. Jedenfalls keine, die ihn interessieren würde.
„Setzen Sie sich“, forderte sie eine Stimme auf. Mira blickte vom Boden auf und sah einen zornigen Mann die Tür hinter sich schließen. Sie gehorchte und nahm auf dem Stuhl vor dem imposanten, aber düsteren Schreibtisch Platz. Er selbst setzte sich auf den Stuhl ihr gegenüber.
„Also Miss Clarks, ich denke Sie wissen, dass Ihr Verhalten unzurechnungsfähig war“, zischte der Professor.
„Aber Professor Snape, ich kann mir das doch nicht gefallen lassen. Ich meine, ich eh...“
„Seien Sie still!“ Er unterbrach ihr Gestotter. Seine Stimme hatte sich etwas erhoben. „Für Ihr Verhalten gibt es keine Rechtfertigung. Auch wenn Draco Malfoy Sie vorher ein wenig beleidigt hat.“
„Wie bitte? Ein wenig Beleidigt? Er bezeichnete mich zum wiederholten male als „dreckiges Schlammblut“ und sagte, dass ich Abschaum ja nicht auf diese Schule gehöre. So etwas lass ich mir doch nicht bieten!“, schrie Mira voller Empörung. „Und dass Sie das auch noch unterstützen kann ich einfach nicht verstehen. Sie sollten neutral bleiben.“
„Sie sagen mir nicht was ich zu tun und zu lassen habe, Miss Clarks. Das alles ist außerdem noch lang kein Grund auf einen Schüler loszugehen und ihn mit dem Furunkulus- Fluch zu belegen.“ Snapes braune Augen hatten sich zu Schlitzen verformt. „Ich hoffe Ihnen ist klar, dass das ein Nachspiel haben wird. Es war sehr unklug von Ihnen in meinem Unterricht einen Schüler meines Hauses anzugreifen.“
„Ach, aber gegen Malfoys Verhalten wird natürlich nichts getan. Wie ungerecht sind Sie eigentlich, Professor?“
„Was erlauben Sie sich eigentlich?“ Snape erhob sich empört und stieß fast seinen abgenutzten, schwarzen Stuhl um. „Man merkt, dass Sie mit Potter verkehren. Sein Hochmut scheint auf Sie abzufärben, oder waren Sie schon immer so eine nervige, penetrante Wichtigtuerin?“ Es war seine gewohnte langsame monotone Art in der er sprach und doch erkannte man in jedem einzelnen Wort Zorn und Abscheu. Mira antwortete nicht. Sie saß nur mit pikiertem Blick da. „Es ist eine Frechheit von Ihnen mir zu unterstellen, ich würde Malfoy in seinen Aussagen unterstützen“, fuhr Snape fort.
„Ach kommen Sie, Sie denken doch dasselbe. Ich habe schon von vielen gehört Sie seien auch sehr begeistert von Schlammblütern, wie ich es bin.“ Der sarkastische Unterton ihrer Stimme versetze ihm einen Stich. Der Professor zuckte voller Entrüstung zusammen. Zunächst glaubte Mira, er wäre sprachlos, da sie ihn durchschaut hatte. Doch seine Augen funkelten böse voller Entsetzung. Im selben Moment bereute sie ihre Unterstellung.
„Was bilden Sie sich eigentlich ein, Sie Miststück?“, flüsterte er zornig. Er versuchte sich zu kontrollieren, doch die Wut brach aus ihm heraus wie Lava aus einem Vulkan.
„Warum schauen Sie mich denn immer so böse an, verdammt? Schon als Sie mich das erste mal sahen, war in Ihrem Blick nur Hass.“ Mira erhob sich nun ebenfalls, mit Tränen und Verzweiflung in ihren wunderschönen Augen. Sie sahen sich an. Keiner sagte nur ein Wort. Sie wandte sich zur Tür hin, doch bevor Mira diese erreichen, geschweige denn öffnen konnte, hatte Snape schon seinen Zauberstab erhoben und diese magisch verriegelt. Als sie sich umdrehte stand er direkt vor ihr.
„Schon mal daran gedacht, dass es vielleicht kein Hass war? Ihr Bild von mir hat es für Sie lediglich zu diesem gemacht.“ Seine Stimme wurde sanfter, doch sie war immer noch voller Niedertracht.
„Was sollte es sonst sein? Und jetzt lassen Sie mich gehen. Sie haben kein Recht dazu“, sagte Mira mit fester, entschlossener Stimme. Ehe sie sich versah wurde sie an die Wand hinter ihr gepresst, eine Hand an ihrer Kehle. Sie spürte seinen Atem auf ihrer zarten Haut. Ihre Gesichter waren gerade mal eine Handbreite voneinander entfernt. Miras Herz begann stets schneller zu schlagen. Ihr Atem wurde immer ungleichmäßiger und schwerer. Seine bernsteinfarbenen Augen funkelten im Kerzenlicht. Doch plötzlich verwandelte sich sein wutentbrannter Blick in einen voller Mitleidigkeit.
„Entschuldigen Sie bitte, Miss Clarks.“ Mira begann zu husten, als sich sein Griff löste. Er schwang seinen Zauberstab und die Tür öffnete sich wie von Geisterhand. Sie warf noch einen kurzen Blick auf den Mann in dem schwarzen Gewand und hastete aus der Tür, durch den Unterrichtsraum für Zaubertränke, durch die Korridore des Kerkers. Mira wollte nur noch weg, fort von ihm. Sie eilte unkontrolliert durch die Gänge des Schlosses. Nachdenkend über das was eben vorgefallen war.
„Oh, es tut mir leid.“ Mira war mit einem ergrauten Mann mit schäbigem Umhang zusammen gestoßen, der gerade um die Ecke gebogen war. Ein paar Narben suchten sich den Weg durch sein blasses, kränklich aussehendes Gesicht.
„Kein Problem, aber Sie sehen nicht gut aus, Miss.“ Der Professor legte seine Hände auf ihre Schultern, doch, so aufgeregt wie sie war, trat sie ein paar Schritte zurück und unterband so den weiteren Körperkontakt.
„Es ist alles ok, Sir. Ich muss los.“ Mira sah ihm kurz in seine müden, hellbraunen Augen, doch dann spurtete sie weiter. Er blickte ihr noch kurz hinterher und führte darauf seinen Weg fort.
Erschöpft ließ sie sich neben Harry, Ron und Hermine, die sich angeregt unterhielten, auf die Couch im Gemeinschaftsraum der Gryffindors fallen.
„Und, was hat er gesagt?“ Hermine wandte sich ihr neugierig zu.
„Naja... er war sauer...“, antwortete Mira nach Luft schnappend.
„Musst du nicht Nachsitzen oder so?“, fragte Ron plump.
„Eh, ich weiß nicht. Davon hat er nichts gesagt.“
„Malfoy liegt übrigens auf der Krankenstation, aber jeder kann deine Reaktion verstehen, außer natürlich die Slytherins. Ich finde du hast das gut gemacht“, sagte Hermine mit einem Lächeln auf den Lippen. Doch Mira konnte ihre Freude nicht teilen. Sie bereute ihre Tat zutiefst, denn so früh wollte sie niemals mit einem Lehrer aneinander geraten. Schon gar nicht mit diesem kalten, unberechenbaren Mann. Sie hielt es für besser, den dreien nichts von der Auseinandersetzung mit Professor Snape zu erzählen.
Snape sah zu Boden. Er hatte überreagiert, eine Schülerin angegriffen. Das durfte ihm nicht erneut passieren. Seufzend ließ er sich auf seinen verschlissenen Stuhl fallen. Doch was gestattete sich Mira Clarks überhaupt? Niemand zuvor war so mit ihm umgegangen. Jeder Schüler hatte Respekt vor dem großen, schlanken Mann mit der Hakennase und dem schwarzen Umhang. Sie unterstellte ihm, er würde Muggelstämmige verabscheuen. Wenn sie doch nur über seine Vergangenheit bescheid wüsste, dann würde sie sich so etwas nicht erlauben. Diese miese kleine Ratte hatte doch keine Ahnung. Dabei wusste Snape nicht einmal, dass sie Schlammblüterin ist, bevor Draco Malfoy es in seinem Unterricht lauthals erwähnte. Wie konnte sie nur so dumm und naiv sein und etwas dergleichen von ihm glauben?
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