
von ...
Vom Verwandlungsklassenzimmer hatte man einen guten Ausblick auf die Ländereien.
Die ersten Schneeflocken überzogen Bäume und Wiesen mit einem schimmernden Glanz und der See war nun vollkommen zugefroren.
Gelangweilt von Prof. McGonagalls Vortrag über Animagi, dachte Jenna über den morgigen Hogsmeadeausflug nach. Bei diesen Minustemperaturen würde sich die gesamte Schülerschaft im „Drei Besen“ tummeln und ein Butterbier nach dem anderen trinken.
Genau das war auch der Plan von Sirius, James, Lily und Jenna. Alice und Frank hatten sich genauso wie Remus und Peter dazu entschieden, in Hogwarts zu bleiben um ihren Aufsatz für Zaubertränke zu beenden.
„Wer kann mir sagen, was einen Animagus auszeichnet?“ mit schmalen Augen beobachtete die hochgewachsene Hexe ihre Schüler. Neben Lily - die eh immer alles wusste, meldeten sich diesmal auch noch vier andere Schüler, von denen drei sie überraschten. „Nun… ähm, wie schön, dass diesmal wenigstens einige Schüler sich auf den Unterricht vorbereitet haben. Mr. Black? Können sie mir die Frage beantworten?“
Amüsiert schaute sich Sirius noch einmal nach James, Remus und Peter um und antwortete dann von sich überzeugt:
„Ein Animagus ist eine Hexe oder ein Zauberer, der sich freiwillentlich und ohne Zauberstab in ein Tier verwandeln kann, dass am besten zu ihm passt, er aber nicht selber wählen kann. Allerdings sind alle Animagi dazu verpflichtet, sich beim Zaubereiministerium registrieren zu lassen und dort besondere Merkmale seiner Tiergestalt anzugeben, damit man für andere Erkennbar ist.“ Bei seinen letzten Worten huschte ein erneutes Grinsen über sein Gesicht und er sah die verblüffte McGonagall zufrieden an.
„Ausgezeichnet Mr. Black. 10 Punkte für Gryffindor!“
Auch Jenna verwunderte die direkte Antwort ihres Freundes. Er war nicht dumm, hielt es aber nicht für nötig zu lernen, bzw. sich am Unterricht zu beteiligen. Ein Blick zu Lily zeigte ihr, dass auch sie misstrauisch und auch ein bisschen eingeschnappt, da nicht sie drangenommen wurden war.
„Woher wissen die das? Sonst wissen die doch auch nichts!“ flüsterte Lily Jenna zu und erntete dafür einen strengen Blick von Prof. McGonagall.
„Ich weiß nicht…. Ach, einmal dürfen sie doch auch mal was wissen.“ Antwortete Jenna und wandte sich dann wieder dem viel interessanteren Fenster zu.
„Bitte stellt euch GEORDNET in einer Reihe auf! GEORDNET!“ Prof. McGonagall versuchte ihr bestes um die Hexen und Zauberer im Zaum zu halten. Jeder wollte so schnell wie möglich nach Hogsmeade kommen, um noch einen freien Platz im „Drei Besen“ zu bekommen oder als erster im Honigtopf bzw. bei Zonko's zu sein. „Mr. Dunham, was soll denn das? Stellen sie sich ans Ende der Schlange, hier muss doch keiner mit Gewalt versuchen erster zu sein. Und fünf Punkte Abzug für Ravenclaw!“
Jenna und Lily, die beide erst etwas später dazu gekommen sind, suchten die Masse an Schülern nach James und Sirius ab.
„Ich glaube sie sind schon ziemlich früh gegangen. Wir werden sie dann bestimmt später treffen. Hoffentlich halten sie uns Plätze frei!“
Der Wind blies den beiden Hexen die Haare ins Gesicht und die eisige Kälte machte ihnen ganz schön zu schaffen. Der Weg in das Zaubererdorf kam ihnen diesmal um Einiges länger vor als Normalerweise. Im dichten Nebel konnte man kaum die Hand vorm Auge erkennen und trotzdem waren sie bester Laune als sie endlich das stark besuchte Lokal erreichten.
„Siehst du sie irgendwo?“ fragte Jenna und kämpfte sich durch das dichte Gedränge.
Schüler und Lehrer tummelten sich an der Theke und quetschten sich an die überfüllten Tische, doch trotzdem lachten und scherzten alle Anwesenden, die ein Butterbier nach dem anderen tranken.
Über das Rauschen der Masse hinweg konnte man klar und deutlich Sirius` bellendes Lachen hören.
Er saß zusammen mit James und einer platinblonden Siebtklässlerin, die Jenna nur vom Sehen kannte, in der hintersten Ecke, wo kaum ein Lichtstrahl hingelangte. Sirius und das Mädchen schienen sich köstlich zu amüsieren, während James sie argwöhnisch beobachtete.
„Das ist Mia Grason. Die beiden waren vor gut einem Jahr mal kurz zusammen, bis Mia's damaliger Exfreund Ryan, Treiber aus Slytherin, sich mit Sirius duelliert hat um Mia zurückzugewinnen. Das war ein Kampf sag ich dir! Wäre Professor Jones nicht dazwischen gegangen und hätte beiden eine gerechte Strafe aufgedrückt hätte das noch ganz böse enden können. Ich glaube weniger das Sirius sich mit ihm duelliert hat um Mia zu behalten, die schließlich doch zu Ryan zurückgekrochen ist, sondern eher weil er zu stolz war, um es nicht zu tun.“ Lily holte einmal tief Luft und erzählte dann weiter: „Wie auch immer. Jedenfalls haben sich Mia und Ryan vor gut einer Woche wieder getrennt. Wir müssen nicht zu ihnen gehen, wir könnten uns auch einfach einen schönen Tag im Honigtopf machen oder vielleicht zu Madam Puddifoots , da gehen zwar eigentlich nur verliebte hin, aber dort einen Tee zu trinken, das wär doch auch nicht schlecht, oder?“
„Nein.“ Sagte Jenna und ging auf den kleinen Tisch zu.
Na und? Dann waren sie halt mal zusammen. Ich werde bestimmt nicht so eine eifersüchtige Glucke, die bei jedem Kontakt mit anderen Hexen sofort Alarm schlägt und Panik macht!
„Hey“ breit lächelnd setzte Jenna sich neben Sirius und küsste ihn sanft auf die Wange.
Zögernd ließ Lily sich auf den einzigen freien Platz neben James fallen, der ihr erwartungsvoll seine Wange entgegenhielt, aber nur einen eisigen Blick ihrerseits erntete.
Mia strich sich peinlich berührt eine lose Strähne aus dem Gesicht und flüsterte Sirius dann ein „Auf Wiedersehen“ ins Ohr. Beim Aufstehen zog sie ihren viel zu kurzen Rock noch ein Stückchen höher und drehte sich noch einmal mit ihrem strahlend weißen Lächeln um, um Sirius zuzuwinken.
Lily schenkte Jenna einen strengen Blick, doch diese wandte sich sofort ab um ihr grade eintreffendes Butterbier entgegenzunehmen.
Sirius hielt es nicht für nötig Jenna über Mia aufzuklären, doch sie stellte auch keine Fragen und das Thema war schnell vergessen. Trotz der etwas angespannten Atmosphäre verbrachten sie einen schönen Tag.
Die Sonne ging schon zeitig unter, aber der Nebel lichtete sich zum Glück etwas. Lily war schon früher gegangen um auch noch etwas an ihrem Aufsatz zu arbeiten und James wollte sie unbedingt begleiten.
Das „Drei Besen“ war nun nicht mehr so überfüllt. Es saßen hauptsächlich die Lehrer und nur noch vereinzelt Schüler in dem Lokal. Jenna lehnte sich an Sirius` weiche Schulter an und hörte ihm abweisend zu. Schon seit über einer halben Stunde erzählte er pausenlos über Quidditch.
Natürlich, die Weltmeisterschaft stand kurz bevor, doch die interessierte Jenna im Moment genauso wenig wie ein umfallender Sack Reis in China.
„Sag mal Sirius…“ sagte Jenna und trank ihren Rest Butterbier aus. „Wer war eigentlich das Mädchen von vorhin?“
Der sonst so coole Sirius fuhr sich nervös mit der Hand durch die wilden, schwarzen Haare.
„Ach, niemand besonderes. Wir waren früher mal befreundet und sie hat sich zu Krone und mir gesetzt.“ Er küsste sie sanft auf den Haaransatz, nahm ihr Hand und stand auf. „Du musst dir keine Sorgen machen, sie ist unwichtig.“
Beruhigt von dieser Aussage ging Jenna an Sirius geschmiegt zurück zum Schloss. Der Gryffindoraufenthalsraum war voll von Schülern die Zauberschach spielten, Bücher lasen oder sich mit Freunden unterhielten. Sirius setzte sich zu Remus, Peter und James, die ihn freudig empfangen. Jenna sah sich nach Lily um, doch sie fand nur Alice, angekuschelt an Frank.
Deshalb ging sie hoch in den Schlafraum.
Ihre Vorhänge waren zugezogen, doch sie schlief nicht, sie las nur.
Jenna setzte sich auf ihr eigenes Bett, holte ein Stück Pergament, etwas Tinte und eine Feder aus ihrem Nachtschränkchen und begann zu schreiben.
Hallo Mum!
Der Unterricht läuft gut und auch sonst ist alles ok.
Es kommt mir zwar vor, als ob die Lehrer uns absichtlich quälen wollen, indem sie uns immer mehr Hausaufgaben aufgeben, aber sie meinen ja das alles Vorbereitung für die UTZ's ist.
Heute waren wir in Hogsmeade.
Wegen des kalten Wetters war es zwar ziemlich voll, aber trotzdem gemütlich im „Drei Besen“.
Stell dir vor: Sirius und James sind an Karten für die Quidditch Weltmeisterschaft nächstes Jahr gekommen! (Ich dachte die wären schon seit Sommer ausverkauft?)
Wie auch immer, zwischen uns läuft es toll! Ich bin wirklich glücklich mit ihm.
Vielleicht bring ich ihn nächste Ferien nochmal mit, damit ihr euch richtig kennenlernen könnt…
Aber wie geht es dir eigentlich? Ist alles noch normal oder sollte ich mir Sorgen machen?
Bitte schreib mir schnell zurück und lass es nicht wieder deinen Sekretär machen!
Alles Liebe, Jenna
Mit einem kleinen, edlen Seidenbändchen band Jenna den Brief an das Bein von Ricky, ihrer mittelgroßen Schleiereule und ließ ihn in die wolkige Nacht fliegen.
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