
von Eva Nightingale
Kapitel 17
Die andere Seite der Medaille
Viel hatte ich nicht von Eves Wohnung gesehen, denn eine kleine Statur, die am Eingang auf einem Regalstand stand, katapultierte uns schon gleich weiter. Mein Magen zog sich krampfhaft zusammen und ich hatte das Gefühl als würde ich durch eine schwarzes Loch gezogen. Der Boden zu meinen Füßen verschwand und ich fühlte mich schwerelos. Doch das Gefühl verschwand so schnell wie es gekommen war und ich konnte auch wieder Boden spüren. Mit einer immensen Wucht wurde ich nach vorne geschleudert und machte eine unliebsame Bekanntschaft mit dem Boden.
„Du musst den Boden nicht gleich anbeten!“, kam ein erheitertes Lachen von Eve. Ich lächelte ironisch und drückte mich vom Boden ab. Plötzlich spürte ich, wie viele Blicke auf mir ruhten und als ich mich umsah entdeckte ich eine ganze Armada von Kuttenträgern, die mit gezückten Zauberstäben vor uns standen. Doch sie steckten die Zauberstäbe auch sogleich wieder weg, obwohl ich mir nicht so sicher war, ob sie wirklich gesehen hatten, wer da vor ihnen stand. Die Gesichter waren völlig durch die Kapuzen bedeckt und wenn das kein Zauberstoff war, durch den man durchsehen konnte, dann waren die Kuttenträger so gut wie blind durch den dicken, schweren Stoff. Man öffnete uns einen Spalt zwischen den Menschen und ließ uns weitergehen. Als ich einen flüchtigen Blick zu Eve warf, bemerkte sie diesen und sah mich entschuldigend an.
„Wir rekonstruieren unsere Abwehr und so müssen wir im Moment ein paar Wachen aufstellen.“
„Aber die Leute konnten doch gar nichts sehen! Ihre Augen ...“ Eve lächelte milde und sprach:
„Mittlerweile müsstest du wissen, dass man mit mehr als nur den Augen sehen kann!“
„Warum haben die dann nicht gesehen, dass wir kommen? Warum haben sie die Zauberstäbe überhaupt gezogen?“ Eve, der die ganze Fragerei inzwischen tierisch auf die Nerven ging, murmelte nur etwas Unverständliches und deutete mir an jetzt still zu sein und ihr zu folgen. Aber ich hatte so gar keine Lust mich mit so einer Geste zufrieden zu geben.
„Warum bist du plötzlich so komisch? Sonst bist du doch immer so lustig?“
„Gegenfrage: Warum benimmst du dich wie ein neugieriges, nerviges Balg!“ Und da waren wieder diese vier Buchstaben, die mich fast zu Weißglut brachten. Der Letzte der dieses Wort benutzt hatte, war Severus. Ein Umstand, der meinen Missmut nicht unbedingt zu verringern wusste. Doch anstatt wütend zu werden verfiel ich in Schweigen und bestrafte sie mit Ignorieren, auch wenn sie sich kurz danach zu entschuldigen versuchte. Der Grund, was Eves Stimmungswechsel ausgelöst hatte, sollte ich jedoch auch bald verstehen.
Wir befanden uns in den heiligen Hallen des Zirkels - wobei Hallen sehr übertrieben war, es war nicht mal ein Raum, es war eine Aneinanderreihung von Kämmerchen, die durch einen ewig langen Flur verbunden waren. Das Ganze hatte den Charme eines Rollenspieles für den PC. Vermutlich springen gleich irgendwelche Orks oder Goblins aus der Ecke, die wir mit einem geschickten Zauber Außergefecht setzen müssen. Ob es in der Zauberwelt überhaupt Orks gibt? Ich wollte mich gerade zu Eve drehen und sie fragen - mein Ärger hatte sich mittlerweile verflüchtigt - aber ich sah ihren kalten und steifen Blick und ich brachte es nicht übers Herz sie zu stören.
Eine Frau kam auf uns zu. Sie trug ein weißes Kleid und musterte uns streng. „Tochter!“, begrüßte die Frau Eve und zwang sich zu einem falschen Lächeln.
„Mutter, wie schön dich zu sehen!“, sagte Eve mit dem gleichen, falschen Lächeln.
„Der hohe Rat erwartet euch!“ - und schon drehte sich die Frau um und verschwand in einen Raum zu unserer Rechten. Wir wählten jedoch den nächsten Raum zu unserer Linken. Der Raum war ein weiterer Flur, der uns weiter in das Gebäude führte. Obwohl es wohl Nacht draußen sein musste, war ich mir ziemlich sicher, dass dieses Gebäude unter der Erde lag. Es wehte kein Wind, aber dennoch war es kalt und es roch nach feuchten Steinen und auch leicht modrig. Ein altes Kellergemäuer, dachte ich und suchte nach Spuren danach. Tatsächlich waren nirgendwo Fenster zu sehen und das Licht kam von der verzauberten Decke, die vollkommen erleuchtet war. Bei näherem Hinsehen sah ich, dass winzig kleine Lichtpunkte ein Muster vorgaben, das den kompletten Flur durchzog und ein kaltes Licht spendete. Dieser Ort wirkte weder gemütlich und heimlich.
„-Und hier bin ich aufgewachsen!“, sagte Eve bitter, als hätte sie meine Gedanken erraten. Es war zwar alles sauber, aber dennoch hatte der Ort etwas trostloses, etwas das an eine Klinik erinnerte - kein Zuhause für ein kleines Mädchen!
Wir waren ewig gelaufen und ich wunderte mich, wie klein das bei meiner Ankunft doch alles ausgesehen hatte. Wir bogen um eine letzte Biegung und befanden uns nun in einer großen Halle. Eine Gruppe von fünf Menschen kniete in der Mitte in einem Kreis. Sie trugen allesamt weiße, fast durchsichtige Kleidung und knieten da, als würden sie beten. Im Kreisinnern stand ein etwa zehnjähriges Mädchen. Es hatte die Augen geschlossen und die Arme über der Brust gekreuzt wie bei den alten Ägyptern die Pharaonen es oft getan hatten (vor allem bei ihren Begräbnissen). Um den Kreis aus Menschen war ein blautransparentes Kraftfeld gelegt. Sieht aus wie bei einem Sci-Fi Film. Bestimmt kommt gleich Darth Vader rausgesprungen und bedroht uns mit dem Laserschwert!
Zu Füßen des Mädchen war eine Feder die auf ein Endlospergament schrieb. „Was machen die da?“, fragte ich verwundert und sah mir weiterhin das seltsame Bild, das sich vor mir bot, mit Erstaunen an.
„Die Knieenden konzentrieren ihre Seherfähigkeit auf das Mädchen, dass nun Vorhersagen trifft. Es steuert die Feder zu seinen Füßen.“ Meine Verwunderung und mein Interesse war schnell abgeebbt. So interessant das auch alles war, mich interessierte es nicht besonders. Ich zuckte mit den Schultern und Eve schien nicht gerade unglücklich darüber, keine Fragen mir beantworten zu müssen. Sie führte mich an den Knieenden vorbei, vorüber an noch so einer Gruppe von seltsamen Leuten, bis wir schließlich bei einer Frau angekommen waren, die völlig unbeteiligt am hinteren Ende des Raumes stand. Eve deutete eine kleine Verbeugung an, ehe sie mich allein bei der Frau stehen ließ. Verduzt sah ich ihr nach und spürte bereits die Blicke, die auf mir ruhten. Als ich mich deshalb wieder zu der Frau drehte war ich doch verwundert: Die Augen der Frau waren verschlossen.
„Ich bin Delphi, so nennt mich jedenfalls schon seit einer Ewigkeit. Meinen richtigen Namen habe ich vergessen.“ Die Stimme der Frau war leidenschaftslos und monoton. „Mich hat man zur Sprecherin des Rates ernannt. Mr Gwynned ist im Moment beschäftigt, doch er wurde über deine Ankunft bereits informiert. Warte einfach hier!“ Ich musste unwillkürlich gähnen. Die Monotonie der Stimme wirkte zwar beruhigend aber auch durchaus einschläfernd. Sie hat die gleiche Wirkung wie mein ehemaliger Rechnungswesenlehrer!, dachte ich, doch mein Grinsen wurde zu einem beherzten Gähnen.
Der Moment zog und zog sich. Auch nach zehn Minuten war Teneth nicht in Sicht. Ich setzte mich deshalb im Schneidersitz auf den Boden und wartete dort weiter. Unaufhörlich kroch die Müdigkeit in mir hoch und ich fragte mich allmählich wie viel Uhr es wohl sein würde. Wenn ich nicht völlig irrte müsste es nun zwölf Uhr sein. Da ich den Rhythmus der Schule gewöhnt war, war dies ziemlich spät und ich war schläfrig. Der Gedanke an ein Bett schien eine schier unglaubliche Verlockung zu sein. Immer öfters fielen mir die Augen sekundenweiße zu, bevor ich völlig eindöste.
„Mutter? Hörst du mich? Ich bin's Lilly!“ Ein Mädchen nicht älter als sechs tritt aus dem Schatten eines Baumes. In der Hand hat sie den Arm eines Teddybären, den sich hinter sich her schleift. „Er ist wieder gemein zu mir! Immer ist er gemein zu mir!“, sagt das Mädchen mit weinerlicher Stimme. Es zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht und ich öffne die Arme, um sie an mich heranzuziehen. Aus ihren dunkelbraunen Augen kullern unaufhörlich kleine Tränen, die ich ihr sanft wegwische. „Du darfst ihn auch nicht ärgern, Schatz. Er will einfach nur malen.“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Severus mit einem gütigen Lächeln auf uns zukommt. In den Armen trägt er einen kleinen Jungen mit wildem dunkelblondem Haar, der sich willig tragen lässt. Das Mädchen setzte zu einer Antwort an, doch... ein mächtiger Schatten entsteht vor meinen Augen. Es wird kalt und ...
„Eva?“ Ich erwachte aus meinem Dämmerzustand und schreckte entsetzt hoch. Die Stimme entpuppte sich als Teneth, der neben mir stand und mich mit unverholendem Interesse musterte.
„Was hast du gesehen?“ Ich gab vor nichts gesehen zu haben. Ob er es glaubte, wusste ich nicht, aber er stellte auch keine Fragen mehr.
Er führte mich weg von der Seherhalle zu einem kleinen Raum, in der nur eine Coach samt Tisch stand. Mit einer ausladenden Geste deutete er mir an mich zu setzen.
Die Coach war wie der Rest des Zimmer: klinisch, aber elegant. Sie bestand aus schwarzem Leder und der Tisch war aus poliertem Kirchholz gefertigt. Es schien das Aussehen über die Funktionalität zu herrschen, denn die Sitzmöglichkeit war mehr als unbequem.
„Du bist der Chef von der ganzen Bude hier?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin zwar ... sagen wir, ich bin wichtig, aber das Sagen hat der Rat.“ Ich begnügte mich mit dieser Antwort und wartete, was nun folgen würde:
„Ich will mich kurz fassen: Dass das Ministerium von dir Wind bekommen hat, gefällt dem Zirkel überhaupt nicht. Deine Existenz sollte geheimgehalten werden, denn so konnten wir dir eine normale Kindheit garantieren. Wie dem auch sei, wir haben Mitarbeiter im Ministerium... Sie werden dafür sorgen, dass die Akten über dich verschwinden und die Gedächtnisse der Beamten wird modifiziert.“
„Modifiziert?“, fragte ich skeptisch. „Macht ihr das öfter - den Leuten im Gehirn rumwuseln?“ Unbewegt sah er mich an, zuckte mit keiner Wimper. „Unsere Pflicht erwartet das von uns. Der Zweck heiligt die Mittel.“
„Mir soll es Recht sein... Soll ich jetzt morgen - nein heut - nicht zum Ministerium gehen?“
„Doch, nur nimmst du dies mit!“ Er drückte mir eine kleine Schachtel in die Hand. Cadbury's Muggelware stand auf der kleinen Pralinenschachtel. Ich war ziemlich verwirrt: was sollte ich denn mit einer Schachtel Pralinen anfangen? Wie sollte mir das helfen? Teneth griff meinen verwirrten Blick auf und erklärte: „Die Lieblinssorte von Mr McLane. Du solltest ein Geschenk für ihn haben, schließlich hat ihn seine Exfreundin besucht, um sich bei ihm zu entschuldigen.“ Häh? Was will der von mir?, dachte ich und blickte noch verstörter drein. Teneth entfuhr ein genervter Seufzer und fuhr fort:
„Seine Exfreundin gehört zu uns. Wir haben schon mit ihr gesprochen und sie ist bereit sich wieder mit McLane zu versöhnen. Ihm werden wir vorgaukeln, dass sie es war, die ihn besucht hat. Er wird sich danach nicht mehr an dich erinnern können.“ Ich zuckte mit den Schultern. Mir war das eigentlich ganz Recht, denn er hatte bisher nur Unfug angestellt und es würde ihm schließlich keinen körperlichen Schaden bereiten, wenn er sich nicht mehr an mich erinnern könnte. So nahm ich die Schachtel an und Teneth führte mich zu einem Zimmer, in dem ich schlafen konnte. Er wand sich zum Gehen, aber drehte sich noch kurz zu mir:
„Nur noch eine kleine Sache: Egal was du tust, Finger weg von Snape!“ Irritiert lächelte ich und hatte den Rat schon wenige Minuten später vergessen.
Mit gemischten Gefühlen stieg ich ins Bett und versuchte zu Schlafen.
Ich fühlte mich wie in einem Gefängnis und die Kälte krochen meine Glieder empor. Unaufhörlich kam ich mir erbärmlicher vor und den Gedanke zu schlafen hatte ich schon vor einiger Zeit weit von mir weg gelegt. Hier gab es kein Licht, keine Ablenkung und ich lag sieben Stunden starr vor Kälte in diesem unbequemen Bett, ehe mich einer der Zirkelmitglieder wecken wollte. Er brachte mir Kleider, die ich anzog, nachdem ich geduscht hatte. Ohne ein Wort des Abschieds schickte mich Teneth zu Reto. Dieser arbeitete im Ministerium und lächelte freundlich, als ich bei ihm ankam. Wie die meisten Mitglieder des Zirkels wohnte er nicht im Versteck der Zirkelmitglieder, sondern in einem kleinen Apartment am Rande von London. Wieder war es ein Portschlüssel, der mich hergebracht hatte und auch nach dem zweiten Mal fühlte ich mich furchtbar. Da gefiel mir apparieren und disapparieren schon deutlich besser.
Wir frühstückten kurz, wobei eigentlich nur ich aß und Reto mir fast väterlich dabei zusah (wenn man bedenkt, dass er nur knapp vier Jahre älter war als ich, war das eher merkwürdig). Langsam spürte ich schon die Auswirkungen der Schwangerschaft, denn was ich alles aß, passte auf keinen Teller der Welt. Nachdem ich so also den halben Kühlschrank von Reto verputzt und mich über seinen gesamten Schokoladenvorrat (typisch Schweizer eben *g*) hergemacht hatte, war ich satt und glücklich. Nun konnte ich auch zum Ministerium gehen.
Wir apparierten in eine riesige Halle. Überall waren Kamine zusehen und ankommende Menschen. Da ganze machte den Eindruck von einem Bahnhof. Der Boden war aus spiegelblank lackiertem dunklen Holz und in die pfauenblaue Decke waren schimmernde goldene Symbole eingelassen, die sich ständig bewegten und veränderten wie auf einer riesigen himmlischen Anzeigetafel. In die mit glänzenddunklem Holz getäfelten Seitenwände waren viele vergoldete Kamine eingebaut. In der Mitte der Halle stand ein gigantischer Brunnen und im Zentrum davon waren übergroße goldene Stauen zu sehen. Rund um einen riesigen Zauberer waren eine Hexe, ein Zentaur, ein Kobold und ein Hauself gruppiert. Besonders fiel mir der Zentaur ins Auge. Ich kannte bisher nur Zeichnungen dieses Sagenwesens und ihn nun als Figur vor mir zu sehen, ließ mir doch ein beeindrucktes „Oh!“ rausrutschen.
Ich hatte jedoch keine Zeit mich auf das Wesen, das halb Pferd und halb Mensch war zu konzentrieren, denn schon sah ich aus dem Augenwinkel wie ein gewisser Seth McLane auf mich zukam. Ich kämpfte innerlich gegen den Drang an ihm mal so richtig eine auf die Fresse zu geben. Er war schließlich der Grund, warum ich meinen Besuch bei meiner Familie abbrechen und zurück nach England kommen musste.
„Miss Nightingale,“ sagte er mit süffisantem Lächeln. „Sehr pünktlich, das lobe ich mir... Mr Zeller, was machen Sie denn hier? Müssten Sie nicht in Ihrer Abteilung sein?“, wandte sich McLane an Reto, der bisher an meiner Seite gestanden hatte und mich unverhohlen musterte.
„Bin schon weg!“, sagte Reto und gab einen missachtenden Laut von sich. Seine blaue Robe flatterte, als er wie von einer Herde Gnus gejagt davon hetzte.
„Diese Leute bei der Abteilung für magische Zusammenarbeit waren schon immer seltsam... Sie kennen ihn näher?“
„Nur ein Bekannter,“ murmelte ich. Über diese Neuigkeit schien McLane nicht begeistert zu sein. „Halten Sie sich von ihm fern; ist nur so ein Rat von mir.“
„Wieso?“ Ich wusste nicht wie viel man den Worten von dem Kerl vor mir beimessen konnte, aber er hatte mich zweifelsohne neugierig gemacht. Reto hatte bisher einen ganz vernünftigen Eindruck auf mich gemacht. Er und Eve schienen mir die Normalsten im ganzen Zirkel zu sein.
„Er hat manchmal so seltsame Anfälle. Wenn Sie mich fragen, sollte man ihn feuern und ins St. Mungos stecken... Aber auf mich hört ja keiner.“ Ich seufzte innerlich. Wäre auch ein Wunder gewesen, wenn es wirklich etwas Handfestes gewesen wäre. Warum erinnert mich der Idiot nur an Percy?
„Doch das ist wohl kein Grund ihn zu feuern!“, sagte ich spitzfindig. McLane merkte wohl, dass er sich zu weit aufs Eis gewagt hat und lenkte lieber ein:
„Nein, da haben Sie Recht... Ich bringe Sie nun aber zu Mr Bones, er wartet sicher schon.“ Ich lächelte verächtlich und er führte mich zu einem Aufzug, in das nächste Stockwerk und von dort aus gleich zu dem Büro von Mr Bones. Vor der Tür blieben wir jedoch stehen.
„Ich bin sicher, es ist nur ein Missverständnis. Sie sollten bald wieder fertig sein. ... Wenn Sie Lust hätten, könnten Sie dann auch bei mir im Büro vorbeikommen. Dritter Stock, das dritte Zimmer auf der linken Seite.“ In seiner Stimme konnte meinen Hauch Unsicherheit heraushören. Ich bekam Mitleid mit ihm. Eigentlich kann er nichts dafür - er ist eben ein Idiot, aber dafür eigentlich ganz nett.
Ich drückte ihm die Schachtel Pralinen in die Hand und nickte mit einem freundlichen Lächeln, ehe ich die Tür aufmachte und im Büro dahinter verschwand. Ich hörte noch, wie er eine Weile unsicher stehen geblieben war, doch meine Konzentration wurde schließlich auf Mr Bones gelenkt. Ich wusste eigentlich gar nicht, was ich sagen sollte, aber ich brauchte auch nicht lange zu überlegen, denn es klopfte schon einige Minuten nach meiner Ankunft im Büro jemand an die Tür und trat zu uns hinein. Es war Reto und eine Gruppe von drei weiteren Männern, die ich noch nie gesehen hatte.
„Was kann ich für Sie tun, Herr Zeller?“ Die Tür wurde geschlossen und statt einer Antwort flog ein Fluch auf Mr Bones zu. Seine Arme und Beine klappten zusammen und völlig starr fiel er schließlich zu Boden.
Einer der Männer schritt zum Schreibtisch und entnahm alle Unterlagen und Notizen, die auf mich hinweisen würden. Alles ging so schnell, das ich kaum wahrnahm, was vor meinen Augen geschah. Reto führte mich schließlich durch eine zweite Tür in ein anderes Büro, während die drei Männer dabei waren Mr Bones eine neue Erinnerung einzupflanzen.
Gute fünf Minuten später war ich aus dem Ministerium draußen und stand wieder in Retos Wohnung. Ich hatte noch gar nicht alle Eindrücke verarbeitet, als ich schon weiter geschickt wurde. Mit einem anderen Portschlüssel wurde ich nach Hogsmeade in Eves Wohnung gesandt. Dieser war jedoch nicht anwesend, weshalb ich dann den einfachsten Weg nahm: den Weg zurück nach Hogwarts!
In ein paar Tagen würde die Schule wieder beginnen und die ersten Schüler kehrten aus ihren Ferien bereits zurück um vielleicht noch an einer Hausaufgabe zu arbeiten. Es waren wahrlich nicht viele Schüler in Hogwarts zu Gange an diesem Tag, aber es waren Schüler da und begannen allmählich wieder die Gänge zu bevölkern.
Ich stand mitten im Eingangsbereich und sah mich um. Alles kam mir so unwirklich vor. War ich wirklich wieder zurück in Hogwarts? Es war seltsam, aber die kurze Zeit außerhalb des Schlosses war viel präsenter als das halbe Jahr, das ich hier verbracht hatte. Was mache ich überhaupt noch hier?, fragte ich mich plötzlich, doch hatte keine Möglichkeit wieder in Depressionen zu verfallen, denn:
„Was lungerst du hier in den Gängen rum?“, sprach mich eine eisige Stimme an. Oh nein, der hat mir gerade noch gefehlt! Severus umkreiste mich wie ein Tiger und wenn er mit seinen Nüstern gebläht hätte, hätte das mich auch nicht mehr verwundert.
„Ich bin gerade eben angekommen, wenn du verzeihst,“ versuchte ich eben so frostig zu sagen, aber meine Stimme versagte und es klang eher weinerlich. Er blieb stehen und fixierte mein Gesicht.
„Was ist los?“ Oho, da ist sie wieder, meine Lieblingsfrage!
„Nichts... Bitte, lass mich einfach in Ruhe. Mir geht es nicht besonders und du bist nicht gerade förderlich für mich,“ ergänzte ich, als er mir keinen Glauben schenken wollte.
„Das mag richtig sein, aber ... nein.“ Ich sah ihn verwirrt an. Was meinte er nun wieder mit diesem Nein?
Severus trat noch einen Schritt näher auf mich zu und seine Stimme war zu einem Flüstern geworden. „Wir müssen wirklich mal reden. Ich habe lange Zeit nachgedacht, doch komme immer zum gleichen Ergebnis: Wir müssen reden!“ Ich schluckte. Mir war klar, dass ich ihm nun die Lupin-Affaire beichten müsste. Doch wenn ich dies schon tun sollte, dann nicht im Schloss. Ich brauchte einen neutralen Ort.
„Einverstanden, aber ich habe eine Bedingung - auch wenn ich nicht in der Position bin Bedingungen zu stellen...“ Sein Blick zeigte, dass ich es endlich aussprechen solle. „Ich will nicht hier reden... Erinnerst du dich noch an das Hotel, in dem ich am Anfang übernachtet habe? Dort können wir in aller Ruhe reden und werden auch nicht von irgendwem gestört.“ Meine Stimme wurde mit jedem Wort sicherer. „Sag Bescheid, wenn du Zeit hast, dann...“ - doch ich konnte nicht aussprechen, denn Severus hatte mich schon unterbrochen:
„Jetzt.“
„Jetzt?“
„Jetzt!“ Oh ja, das war deutlich gewesen. Ich blieb erst mal stehen und sah ihn verwirrt an, bis ich endlich den Sinn seiner Worte verstanden hatte. Er wollte reden und das jetzt. Dann müssen wir nach Hogsmeade. Von dort aus dann in die Winkelgasse und gleich danach ins Muggel London, doch ob wir noch ein freies Zimmer im Hotel bekommen? Es ist doch ziemlich kurzfristig... Muss man eben einfach mal probieren. Als ich meine Gedanken endlich gesammelt hatte, ließ ich keine Sekunde vergehen und schulterte meine Tasche.
„Dann komm!“ Einen Moment sah er mich noch unschlüssig an, aber dann signalisierte er mir mit einem Nicken, dass er zum Gehen bereit war. Kraven, der sich an diese Art der Fortbewegung mittlerweile zu gewöhnt haben schien, sah mich kurz an, schloss dann aber die Augen. Ich habe noch keine Katze gesehen, die so viel schlafen kann wie Kraven! Doch der Gedanke an den Kater war schnell vergessen, als ich den ersten Schritt über die Schwelle der Tür tat und mir eine bitterkalte Böe feinen Schnee ins Gesicht blies.
Unser Weg führte uns wie ich es geplant hatte nach Hogsmeade, von dort aus in die Winkelgasse und schließlich durch den tropfenden Kessel genau in das Herz von London.
Ob man es Glück oder Pech nennen will, doch wir fanden tatsächlich noch ein freies Zimmer im Hotel und es war genau jenes, das ich bei meiner Ankunft in England bewohnt hatte. Zufall? Es gibt keine Zufälle - jedenfalls kann man im Nachhinein sagen, dass es in diesem speziellen Fall kein Zufall war. Doch von den kommenden Stunden ahnte weder Severus noch ich etwas. Aber Eins nach dem Anderen!
Es war Mittag, als wir im Hotel einchecken und ich meine Tasche in der Ecke abstellen konnte. Severus war den ganzen Weg hierher ruhig gewesen und ich hatte auch nicht mehr die Hoffnung, dass er am heutigen Tag noch irgendein Wort mit mir sprechen würde. Hatte er es vielleicht schon geahnt? Geahnt, dass ...
Warum musste es gerade Lupin sein?, fragte ich mich selbst. Wenn er der Vater der Kinder ist... Das kann ich dem armen Kerl nicht antun. Er hat ja nicht mal Geld für anständige Roben und da will er noch zwei Menschen versorgen können? Doch die Aussicht, dass Severus der Vater war, war auch nicht gerade viel besser. Natürlich würde ich mich dann besser fühlen, da die Kinder als ein Produkt der Liebe entstanden sind und nicht bei einem One-night-stand. Doch ob sie Severus als liebender Vater erweisen könnte? Seine Qualitäten als Autoritätsperson waren nicht gerade die besten.
Severus hatte sich bereits auf dem Bett niedergelassen und beobachtete mich dabei, wie ich Furchen in den Boden lief und grübelte.
„Reden setzt sprechen voraus,“ sagte er altklug und sah mich unbewegt an.
„Warum soll ich anfangen zu reden? Hast du denn nichts zu sagen?“ Ich war stehen geblieben und ging aufs Bett zu. Zwei Meter vor ihm blieb ich stehen. Ich konnte ihm nicht in die Augen schauen, aber das musste ich auch nicht, denn ich wusste, dass sein Blick starr auf mich gerichtet war.
„Mein Geschenk sagt alles... wenn du es schon geöffnet hast.“
„Das habe ich... Doch...“ Ich brach ab und nur die Erinnerung an die Spieluhr trieb mir Tränen in die Augen. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie schwer...“ Ich schluchzte und die Tränen rannen immer schneller herab. Es kostet mich viel Kraft weiterzusprechen, aber mir war klar, wie wichtig meine Worte sein würden.
„Ich habe Wochen in dem Glauben verbracht, dass du mich nicht liebst. Weißt du wie fertig mich das gemacht hat? Ich...“ Erneut musste ich abbrechen und wurde von einem Heulkrampf geschüttelt. Meine Augen brannten, da die Tränen sich mit meinem Mascara vermischten und mir ins Auge rannen. Ich schniefte und putze meine Nase am Handrücken ab. „Es ist in der Zwischenzeit so viel passiert, ich versuchte gerade mein Leben zu ordnen und dann kommst du und stürzt mit diesem Geschenk alles wieder ins Chaos!“ In einer fahrigen Bewegung wischte ich mir über die Augen. Was nun folgen würde, wäre so ziemlich das Schwerste, das ich je getan hatte (noch schwerer als die Fahrt auf diesem Nordseefischkutter, auf dem mir in der achten Klasse so verdammt schlecht war *g*...). Meine Beine wollten mein Gewicht nicht mehr tragen und ich spürte schon, wie sie unter mir zusammenzuklappen drohten, deshalb setzte ich mich aufs Bett neben Severus. Noch immer sah ich ihn nicht an, aber ich sprach weiter:
„Doch ich habe einen Fehler begangen. Einen Fehler, der mir mehr als alles leid tut...“ Meinen Kopf legte ich in meine Hände und versuchte tief durchzuatmen. Die Luft schien mir auf einmal unnatürlich dünn.
„Lupin?“ Es war eher eine Feststellung als eine Frage. Ich nickte unmerklich. Mein Mund war trocken geworden. Es schien als würde sie mein Körper dagegen wehren weiter zu sprechen.
„Es war nur eineinziges Mal... Ich weiß, dass es das nicht besser macht, aber du solltest wenigstens die Hintergründe erfahren... Du hast mich gerade aus deinem Zimmer geworfen und ich stand vor den Scherben unserer Beziehung. Ich war verzweifelt... Du kannst dir nicht vorstellen, wie erbärmlich ich mich deshalb fühle, aber es ändert nicht an der Tatsache, dass es passiert ist.“ Obwohl ich immer noch den Wintermantel anhatte fror ich. Die Kälte kam aber nicht von außen, sie kam von innen.
Ich setzte mich wieder aufrecht hin. Meine Tränen waren noch immer nicht versiegt, rannen an meiner Nase vorbei und tropften auf meine Knie.
„Doch das ist noch nicht alles...“ Ich seufzte schwer.
„Noch nicht alles?“, fragte Severus unsicher. Kopfschüttelnd vor ich fort:
„Nein... Ich will dich nicht anlügen, deshalb sag ich dir gleich, den Grund, weshalb ich die Schule in Kürze verlassen werde. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, da der Trank das eigentlich verhindern sollte, doch es ist traurige Gewissheit, dass ich schwanger bin.“
„Schwanger...“, wiederholte Severus und schien gerade in seinen eigenen Gedanken verloren zu sein. Er schüttelte ungläubig den Kopf.
„Und wer... wer ist der Vater?“ Zu sehen, dass er nun auch langsam die Fassung verlor, machte es mir nur noch viel schwerer. Er tat mir so unendlich leid. Hätte ich die Macht gehabt, ich hätte alles geändert.
„Ich weiß es nicht.“ Ich wurde von einem heftigen Heulkrampf geschüttelt. „Es tut mir so leid,“ schluchzte ich in den Pausen, in denen ich nach Atem rang.
Ich ertrug es nicht länger neben ihm zu sitzen, seine Gegenwart zu spüren. Ich musste hier raus. Ich versuchte mich zusammenzureisen und stand vom Bett auf. Meine Nase lief zwar noch, aber ich hatte aufgehört zu weinen. Anstelle des Weinens war jedoch dröhnende Kopfschmerzen getreten.
Ich bückte mich, hob meine Tasche auf und hatte die Tür fast erreicht, als ich vom Bett her seltsame Geräusche hörte. Unwillkürlich drehte ich mich zu Severus, der sein Gesicht mittlerweile in seinen Händen verborgen hatte. Sein Atem war beschleunigt und die Erkenntnis kam so plötzlich und unerwartet: Er weinte! Da war keine Maske mehr. Kein Schein eines starken Mannes. Vor mir saß nichts anderes als ein gebrochner Mann.
Mir war klar, dass er nicht wollte, dass ihn irgendwer so sieht und ich hatte das Bedürfnis aus diesem Raum zu flüchten - doch ich blieb. Vielleicht tat ich das auch nur, weil ich mich nicht entscheiden konnte, was ich tun würde und so blieb ich einfach auf halbem Weg zu Tür stehen. Die Tasche hatte ich wieder zu meinen Füßen abgestellt und wog immer noch die Folgen meiner Taten ab. Wollte er, dass ich bleibe? Wollte er getröstet werden? Könnte ich ihn überhaupt trösten?
„Es ist alles meine Schuld,“ fing er unvermittelt zu sprechen an. Beim rauen Klang seiner Stimme schrak ich zusammen und ich spürte schon, wie sie die Tränen wieder sammelten. Ich konnte ihn nicht so sehen, nicht als ein Häufchen Elend.
„Nein... das... nicht wahr!“, sagte ich zögerlich und mein Gesicht wurde wieder der Tränen feucht. Er blickte auf. Es war keine Träne zu sehen, denn dieser Mann hatte schon vor langer Zeit vergessen, wie man weint. Ich lächelte tapfer, während das Rinnsal von meinen Augen unweigerlich seinen Weg zum Boden suchte.
„Was ist bloß mit uns geschehen?“, fragte ich und das Lächeln auf meinem Gesicht erstarb allmählich. „Du liebst mich, ich liebe dich - warum können wir nicht einfach glücklich sein?“ Ich zitterte am ganzen Leib.
„Es ist nicht so einfach... Dumbledore erzählte mir etwas von einem Zirkel...“
„Der Zirkel? Er steckt dahinter? Nein!“ Unbändige Wut stieg in mir hoch. Meine Gedanken überschlugen sich. Hätte Severus nicht so geistesgegenwärtig reagiert, hätte ich vermutlich dem Boden einen Kuss geben können. Er zog mich zu sich aufs Bett und ich legte meinen Kopf an seine Brust.
Beruhigend fuhr er über mein Haar und ich genoss die Berührungen von ihm.
„Du dachtest, ich hätte diese Beziehung nur wegen einem Geist beendet? Es sollte dir nur die Trennung leichter machen...“ Ich kam mir mit einem Mal zu unendlich dumm vor. Ja, ich hatte wirklich geglaubt, das es nur an James Potter gelegen hätte.
„Für mich war es nicht immer leicht, so kühl dir gegenüber zu sein... auch wenn ich es manchmal genossen habe,“ lächelte er schmal und ich schlug ihm gegen den Arm, welchen er nun um mich gelegt hatte. So fühlte ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich geborgen. Die Welt außerhalb des Hotelzimmers war so unwirklich.
Einige Zeit harrten wir einfach umarmend aus, doch es war sein Mund, den zuerst den meinen fand. Es war seltsam wieder seine Lippen auf meinen zu spüren.
Am Anfang war es noch zögerlich, vorsichtig, doch mit jeder Bewegung wurden wir mutiger. Mein Herz bebte stark und schrie nach seinen Berührungen. Ich musste wirklich mit mir kämpfen um ihm nicht gleich die Kleidung vom Körper zureisen, aber ihm schien es da nicht anders zu gehen. Endlich hatten wir uns wieder gefunden und jeder wollte dem anderen zeigen, wie sehr er ihn vermisst hatte. Jede Faser, jede Zelle meines Körper hatte sich nach ihm gesehnt und nun endlich sollte ich das bekommen nachdem mein Körper doch so schmerzlich verlangte.
XXX
Ich wachte mit einem Lächeln auf. Das war ein wunderbarer Traum. Wäre er doch nur wahr, dachte ich wehmütig. Wirklich schöner...
Eine Bewegung neben mir ließ mich jedoch mitten im Gedanken anhalten. Mein Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen, als ich feststellte, dass das alles nicht nur ein Traum gewesen war. Mein Herz wollte vor Glück zerplatzen.
Vorsichtig streckte ich mich und küsste ihn auf die Wange, auch um mir wirklich klar zu werden, dass ich nicht mehr träumte. Auf Severus Gesicht erschien ebenfalls ein Lächeln und mit der morgendlichmurrenden Stimme wünschte er mir einen guten Morgen.
„Den werde ich auch haben!“, sagte ich, zog keck eine Augenbraue hoch, während meine Hand ihren Weg über seinen Körper suchte. Meine Finger umkreisten seine Brustwarzen und er schien es zu genießen. „Ich hoffe, du bist darüber im Klaren, was du hier tust...“ - doch ich hatte keine Zeit mehr über seine Worte nachzudenken, denn er hatte mich schon um meine Hüfte gepackt und ganz nah an sich herangezogen. Er liebkoste meinen Hals und ging auf einen Tauchgang unter die Decke.
„Lass das, du kitzelst mich!“, lachte ich, doch er hörte nicht auf. „Ich hoffe, du weißt, was du tust, denn...“ Ich tauchte ebenfalls ab und küsste ihn unter der Decke leidenschaftlich. Danach drückten wir uns wieder nach oben und schlüpften mit den Köpfen aus der Decke. Ich legte mich auf seine Brust und er streichelte meinen Rücken.
In diesem Moment war es, als wären wir nie getrennt gewesen, hätten nie Probleme gehabt. Die Wirklichkeit war jenseits dieser vier Wände, doch ich sollte bald lernen, dass die Wirklichkeit einen schneller einholen kann, als ihm lieb ist.
„Eva?“
„Hm?“ Ich konnte fühlen, dass sein Herz schneller schlug. Die Bewegung seines Brustkorbes im rhythmischen Auf und Ab der Atmung wurde immer heftiger.
„Es... Ich weiß nicht, ob ich der Vater dieser Kinder bin und...“ Ich musste die Augen schließen und ich konnte spüren wie ich verkrampfte. Was würde jetzt folgen? Würde er das wenige Glück, das ich empfand mit nur einem Satz zerstören können?
„Mir ist es auch egal,“ sagte er fest und ich war über diese Aussage sehr überrascht. Wolle er mir jetzt sagen, dass ich abtreiben sollte? Dafür war es nun wirklich zu spät und selbst die Liebe zu Severus würde mich nicht dazu bewegen können, diese Kinder abzutreiben.
„- denn ich werde für diese Kinder der Vater sein... Natürlich nur, wenn du willst...“, sagte er und seine Stimme wurde eine Spur unsicherer. Ich war nicht nur überrascht, ich war mildegesagt geschockt. Das hat er eben nicht wirklich gesagt?! Wer hat ihm denn eine Gehirnwäsche verpasst? Nicht nur, dass er mir diesen Ausrutscher zu verzeihen schien, nein, er würde auch noch die Kinder als die eigenen nehmen, selbst wenn diese von einem anderen Mann wären. Das ist nicht Severus!
Er bemerkte, das ich immer noch stumm war und fuhr deshalb mit einer Erklärung fort:
„Ich weiß, ich verhalte mich nicht so, wie man es allgemein von mir erwartet, doch ich hatte lange Zeit um nachzudenken. Mir ist egal, was andere sagen, mir ist egal wen, wir damit gefährden könnten, das einzige was zählt sind meine Gefühle für dich.“ Er lachte auf und schüttelte den Kopf. „Bei dir kann ich endlich der sein, der ich bin. Du hast mich verändert, neu erschaffen. Ich fühle mich jünger und lebendiger als jemals zuvor. Ob diese Kinder nun von mir sind oder nicht, es sind die Kinder der Frau, für die ich mein Leben geben würde. Deshalb will ich dich fragen...“ Er hatte keine Möglichkeit auszusprechen, denn die Tür sprang explosionsartig auf und sieben Männer standen mitten im Raum.
Ich schrie erschrocken auf und Severus Hand war zu seinem Zauberstab geschnellt. Doch ehe er ihn erreichen konnte, wurde er schon durch einen Fluch weggeschleudert.
„Was ist hier los?“, fragte Severus in einem ehrfurchterbietendem Ton. Immer noch zu tiefst erschrocken ließ ich meinen Blick von einem zum anderen Gesicht der Männer wandern. Ich kannte sie, doch woher? Als ich jedoch an den Siebten kam, wurde mir fast schlecht. Da stand tatsächlich Teneth, dem die ganze Sache sehr großes Unbehagen zu bereiten schien. Er übernahm dennoch die Rolle des Sprechers:
„Es tut mir leid, doch ich habe dich gewarnt, Eva. Bitte zieh dir was an, wir gehen.“ Teneth ignorierte völlig Severus und sprach nur mit mir.
„Warum?“, hauchte ich. Er schluckte.
„Es ... Es war nicht vorgesehen. Du musst mit uns kommen, der Zirkel kümmert sich nun um dich.“ Ich klammerte mich an Severus. „Ich gehe nirgendwohin und mit niemandem außer ihm.“ Teneth gab zweien Männer, die eher die Gestalt von zwei riesigen Wahlrössern hatten, ein Zeichen. Sie kamen auf mich zu und ergriffen meine Fußknöchel, an welchen sie kräftig zu ziehen begannen. Meine Hände griffen zu den Bettposten und ich klammerte mich daran fest.
„Genug, lasst sie los. Eva, es hat keinen Wert...“ Die beiden Bolliden ließen von mir ab. Doch ich hatte den Blick nicht gesehen, den Teneth den Beiden zugeworfen hat und war reagierte deshalb zu langsam, als sie blitzschnell nach meinen Beinen griffen und mich nach unten rissen. Ein dritter Mann war zum Bett getreten und zerrte mich aus dem Bett, während die drei anderen Männer von Severus in Schach gehalten wurden. Gegen die Übermacht der Drei, hatte er jedoch keine Chance.
Ich wand mich im Griff des Fremden, doch hatte keine Möglichkeit seinem eisernen Griff zu entwischen. Teneth kam mit großen Schritten auf mich zu und wickelte mir ein Umhang um. Als die Eindringlinge gehen wollten, versuchte ich noch verzweifelter freizukommen. Ich trampelte um mich und schrie wie eine Furie. Drei der Sieben zerrten mich aus dem Raum, indes Teneth und die drei anderen im Hotelzimmer zurück blieben. Ich wusste, was der Zirkel mit Severus vor hatte. Sie würden alles zerstören. Das konnte ich nicht zulassen. Beißend und mich windend entschlüpfte ich tatsächlich meinem Wärter. Doch ich kam nicht weit, denn schon hatten mich die beiden anderen erreicht und zerrten mich endgültig aus dem Zimmer.
„Ich liebe dich - vergiss das nicht!“, schrie ich Severus an. „Vergiss mich nicht!“ Die Tür wurde geschlossen. Ich wand mich noch immer fluchend im festen Griff der Männer.
„Neeeeiiiiiiiiinnnnnnn!“, schrie ich verzweifelt und trampelte wie eine Herde Elefanten auf dem Boden herum. Sie werden ihm das Gedächtnis auslöschen, so wie sie es mit McLane getan haben. Er wird mich nicht mehr erkennen können - war mein letzter Gedanke, ehe es um mich völlig dunkel wurden und ich mein Bewusstsein verlor. So wie es schien, hatten meine Bewacher keine Lust mehr auf meine Fluchtversuche gehabt und mir einfach einen Fluch auf den Hals gejagt haben.
Die Dunkelheit umarmte mich und ich hörte auf zu denken, zu fühlen. Stille war um mich herum und nichts vermochte noch an das Ebengeschehene zu erinnern.
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