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Fanfiction

Zauberer und andere Probleme - Kapitel 20 - Das Ende

von Eva Nightingale

Kapitel 20
Das Ende

„Neville? Neville, warte einen Moment!“ Neville war stehen geblieben und starrte mich an wie ein Auto.
„Hi, ich bin's Eva... ein Gast von Hogwarts. Ich müsste mal mit Harry sprechen. Ob du ihn vielleicht mal rausrufen könntest? Harry... du weißt schon, Harry Potter!“ Der Junge starrte mich an, als wolle ich ihm die Relativitätstheorie näher bringen.
„Woher wissen Sie, wer ich bin?“, fragte er mich nach Augenblicken immer noch zu tiefst erstaunt.
„Ich kenn' viele Namen und Gesichter. Würdest du ihn nun bitte rufen? Es ist wichtig!“
Neville war gerade hinter dem Portrait verschwunden, als ich einen Luftzug hinter mir spürte. Unweigerlich drehte ich mich um und blickte in das Gesicht von Severus Snape. Das hat mir gerade noch gefehlt!
„Was kann ich für Sie tun, Professor?“
„Ich glaube nicht, dass Professor Dumbledore Ihnen gestattet hat auf eigene Faust durch die Schule zu gehen,“ sagte Severus und ging nicht im Geringsten auf meine Frage ein. „Man sollte meinen, dass Sie als Hogwartskennerin die Regeln kennen würden: Gästen ist es nicht gestattet ohne Aufsicht im Schulgebäude zu wandern.“
„Faszinierend,“ giftete ich ihn an und versuchte besonders überlegen dabei auszusehen. „Das hatte ich wohl VERGESSEN, meine Schuld.“ Severus verzog seltsam das Gesicht. Einen Moment schien es, als wolle er irgendetwas sagen, aber er überlegte es sich anders und eilte davon. Wenn ich ihn einfach mal küsse, vielleicht erinnert er sich dann an mich... Oder belegt mich mit irgendeinem wirklich fiesen Fluch.
Kaum war Severus hinter einer Biegung verschwunden, schob sich das Portrait zu Seite und Harry und Ron kamen heraus.
„Neville sagte mir, dass Sie mit mir reden wollten.“ Ich nickte und lächelte ihn freundlich an.
„Ron... Würde es dir etwas ausmachen, Harry und mich allein zu lassen?“
„Wenn ich ehrlich bin: ja! Wer sind Sie überhaupt?“
Mir dauerte das hier zu lang und ich blickte mich um, ob uns auch wirklich niemand hören könnte.
„Eine Freundin... Gut Ron, dann bleib halt, aber unterbrecht mich bitte nicht; was ich jetzt sage ist sehr wichtig!“ Ich sah beide Jungen beschwörend an und fuhr fort: „Man hat deinen Namen in den Feuerkelch geworfen, weil man wollte, dass du das Ende des Turniers nicht überlebst.“
„Sagen Sie mir etwas, das ich nicht schon weiß.“ Verwirrt kratze ich mich am Kopf. Kann es sein, dass er bereits gewarnt worden ist? Von wem?
Ron bemerkte meine Verwirrung und fügte deshalb noch Harrys Satz hinzu: „Man muss keine Leuchte sein, um das zu bemerken. Dieses Turnier ist halsbrecherisch und Harry ist nicht so weit wie die anderen Champions. Sie sind alle viel älter und können mehr Zaubersprüche.“ Also waren es bisher nur Annahmen.
„Das mag alles sein, aber hinter der Sache steckt mehr, als ihr denkt...“ Ich hielt inne. Wenn ich das jetzt fortsetze, dann gibt es kein Zurück mehr. Ich werde die Zukunft damit verändern. Den Jungen würden noch einige grausame Schicksalsschläge erwarten. Geliebte Menschen werden sterben und ich kann das nur mit einem Satz verhindern... Zumindest in der Theorie. Wenn er mir nicht glaubt, dann kann ich ihm auch nicht helfen. Aber würde ich mir denn glauben?
„...Und was steckt nun dahinter?“, fragte Harry leicht genervt. Lieber ein Word zu viel gesagt als eines zu wenig.
„Ich weiß, das es absolut unglaublich ist und ich würde es auch nicht glauben können... (Ich seufzte tief)... Ein ehemaliger Freund deines Vaters wird dem Dunklen Lord zu neuer Macht verhelfen. Es wird Tote geben, viele Tote. Am Ende dieses Wettbewerbes wird es beginnen...“
„Boah, Sie wissen wer der Sieger wird? Wer wird es sein,“ fragte Ron dazwischen.
„In diesem Wettstreit kann es keine Sieger geben, denn alle sind im Netz der Spinne gefangen. Die Spinne wird das Netz immer enger ziehen. Nichts kann sie daran hindern. Noch ist sie getarnt, doch bald wird sie ihr wahres Ich offenbaren, doch dann wird es zu spät sein.“ Harry sah mich weiterhin ungläubig an. Auch meine theatralischsten Worte erzielten bei ihm keine Wirkung. Ich machte mich gerade zum Erklären bereit als...
„Da bist du ja, Eva! Ich habe dich schon im ganzen Schloss gesucht! Deine Kinder haben dich vermisst... Was tust du hier?“ Eve witterte Verrat und ihre Nüstern blähten sich, als sie mich mit ihren Blicken durchbohrte. „Wir sind nicht hier um alte Freundschaften aufleben zu lassen. Teneth hat es dir verboten mit den Schülern oder den Lehren zu reden. Das gilt besonders für einen ganz bestimmten Lehrer. Du hast mir versprochen, dass du dich an diese Regeln hältst.“ Ich verdrehte die Augen und nahm demonstrativ den Kinderwagen.
„Ich habe nur ein bisschen mit dem Hogwartschampion erzählt, das ist alles. Ich wollte nur wissen, wie er auf die brillante Idee mit dem Besen gekommen ist. Wenn du willst können wir jetzt gehen... Ich wünsch dir noch viel Glück bei den Aufgaben, die auf dich zukommen werden. Machs gut Harry, Ron.“ Ich nickte den Beiden zu und ging davon. Eve blieb einen Moment noch stehen, blickte zweifelnd zwischen mir und den Gryffindors hin und her, bis sie schließlich zu mir aufschloss.
Ich hatte Eve noch nie so aufgebracht erlebt, aber ihre Ignoranz und Zirkelverbundenheit kotzte mich gewaltig an. Eine kleine Stimme in mir sagte, dass ich auf sie hören sollte, aber ich war zu stolz um auf diese Stimme zu hören.
Das eisige Schweigen dauerte über einen Tag hinweg an. Beim Essen nahm ich immer wieder den Platz zwischen Moody und Severus ein und auch dort wurde geschwiegen. Dies schlug auf mein Gemüt und ich wurde misslaunig. Und weil es immer schlimmer kommen kann, hatten auch Selene und Delian beschlossen mir auf den Geist zu gehen. Beide schrieen wie am Spieß, ließen sich nicht beruhigen und kaum hatte eines der Kinder aufgehört, wurde es vom anderen wieder zum Schreien gebracht. Ich hätte heulen können. Alles schien mir aus meinen Händen geglitten zu sein und das grausame Schweigen frustrierte mich noch zusätzlich.

XXX

Zu meinem Glück kam am dritten Tag Reto in Hogwarts vorbei. Ursprünglich hätte er von Beginn an bei uns in Hogwarts sein sollen, aber kurzfristig wurde er zu einem geheimen Auftrag berufen. Ich hatte ihn gefragt, was für ein Auftrag das gewesen war, aber er schüttelte nur den Kopf. Seine Augen hatten ihren sonst so strahlenden Glanz verloren, sie wirkten müde und eingefallen. Er war unrasiert und selbst das freundliche Lächeln konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass es ihm nicht gut ging. „Ich brauche nur Schlaf, das ist alles,“ hatte er gesagt und somit war das Thema für ihn abgeschlossen - für mich allerdings noch nicht. Es widerstrebte mir zwar, aber ich versuchte mit Eve wieder ins Gespräch zu kommen. Sie war immer noch sauer, weil ich mein Versprechen nicht eingehalten hatte und das konnte ich ihr nicht mal verübeln. Ich jedoch war ein Freigeist und konnte mich nicht an die Gesetze des Zirkels gewöhnen. Wenn man die Fähigkeiten hat, warum denn sie nicht einsetzen?
Ich schaffte es schließlich, dass Eve wieder mit mir sprach. Leider vertraute sie mir nicht mehr so sehr, dass sie mir sagen wollte, was Reto in der Zwischenzeit gemacht hatte, aber ein paar Informationen bekam ich doch aus ihr heraus. So erfuhr ich, dass der Auftrag mit mir zu tun hatte... Na ja, das war alles, aber immerhin etwas. Ich sollte jedoch nie erfahren, aus was sein Auftrag letztendlich bestanden hatte.
Noch am selben Abend kam ein Rabe mit einer Botschaft bei mir an. In geschwungener Schrift stand darin:

Komm bitte um vier Uhr pm zum Waldrand des Verbotenen Waldes. Komm allein!

Wer wohl dahinter stecken sollte? Teneth hatte so mal mit mir Kontakt aufgenommen, aber warum versuchte er es nicht über Eve oder Reto? Das waren schließlich seine Leute. Oder vertraute er ihnen etwa nicht?

XXX

„Eve, ich geh mal eine Runde laufen. Ich bin schon ganz eingerostet! Kannst du vielleicht auf die Zwillinge aufpassen?“ Eve nickte und bestrich sich ein Brötchen. Sie hatte sich über die Küche hergemacht und ließ die Hauselfen in Rekordzeit Beläge für die Brötchen vor sich, bringen. Sie aß nicht gerne in der großen Halle mit all den anderen zusammen, deshalb hatte sie sich Eintritt in der Küche beschafft.
Es war keine leichte Entscheidung gewesen, aber ich wollte wissen, was dahinter steckte. Im Kinderwagen hatte ich noch ein Brief versteckt, wenn dies eine Falle sein sollte. In kurzen Sätzen schrieb ich, wie sehr ich Delian und Selene lieben würde und erzählte von dem Brief, der mit einem Raben gebracht wurde. Ich fügte ihn dem Schreiben bei - für alle Fälle.
Unter meinen Jogginghosen hatte ich meinen Zauberstab versteckt. Wenn ich kämpfen musste, wäre ich also nicht unvorbereitet.
Ich winkte Reto noch zu, den ich den Weg zur Küche kommen sah, und joggte durch das Schloss.
Ein letzter Blick, ob mir auch niemand gefolgt war und ich verließ hastig atmend das Schloss. Meine Kondition war nicht mehr die beste (nicht, dass sie es je war), deshalb besann ich mich darauf, dass ich lieber ausgeruht zu diesem Treffen gehen sollte. Ich wurde langsamer und versuchte ruhig zu werden.

Unweit von mir konnte ich bereits Hagrids Hütte sehen und die Gestalten, die im Schatten Schutz der Dunkelheit suchten. Ich konnte nur die Konturen erahnen und auch, als ich sie erreicht hatte, konnte ich noch immer nicht ihre Gesichter sehen.
„Wer sind Sie?“
„Freunde,“ war die knappe Antwort einer jungen Frau. „Wenn du uns bitte folgen würdest. Nur ein Stück in den Wald.“ Ich schüttelte den Kopf. So blöd bin ich ja wohl auch nicht! „Ne ne, lasst mal gut sein. Ich bleib schön hier, wo mich vielleicht noch jemand sehen könnte.“
„Dich sieht niemand. Niemand ist in der Nähe. Der Hüter der Schlüssel und Länderein von Hogwarts unterrichtet gerade und außerdem, wenn wir dir etwas tun wollten, dann wärst du bereits tot!“ Eine junge Männerstimme ertönte von der zweiten Person. Wo der Typ recht hat, hat er recht.
„Na schön, dann geht vor.“ Ich folgte den beiden Figuren, deren Gesicht wie immer hinter einer Kapuze versteckt war. Warum müssen geheimnisvolle Menschen immer ihr Gesicht durch eine Kapuze versteckt haben? Wären sie dann weniger geheimnisvoll?
Weit gingen wir nicht in den Wald. Schon bald blieben wir stehen und die junge Frau und der Mann sahen sich noch einmal um. Niemand, nicht ein einziges Wesen war in der Nähe und die Beiden streiften schließlich ihre Kapuze ab. Mit einem geschickten Griff entledigten sie sich ihrer Umhänge und sahen erstaunlich... muggelhaft aus. Die junge Frau, die ich Anfang zwanzig schätzte, hatte lange schwarze Haare und trug eine verwaschene Jeans und eine dunkelgrüne Bomberjacke mit Fell an der Kapuze. Den jungen Mann, der ungefähr das gleiche Alter hatte, trug eine ebenfalls eine verwaschene Jeans und einen schwarzen Halbmantel und hatte dunkelblonde Haare.
„Dürfte ich jetzt erfahren, wer ihr seid?“, fragte ich und ließ mich auf einen Baumstumpf nieder. Dieser bewegte sich mit einem Mal und ich sprang auf. Huch, noch ein lebendiger Baum. So entschloss ich lieber stehen zu bleiben und sah die beiden auffordernd an.
„Nein,“ sagte die junge Frau und strich sich das feine Haar nach hinten. „Noch nicht. Erst müssen wir etwas erklären.“ Sie deutete dem Mann an, mit dem Erklären zu beginnen.
„Nun, was nun folgt, wird ziemlich unglaublich sein...“, begann er. „Zuallererst solltest du wissen, dass wir dir helfen wollen. Wir sind hier um dein Leben zu schützen...“ Etwas hilflos sah er zu Frau, die nun mit einem Seufzer weitererklärte. „Kurz und Schmerzlos: Wir sind Zeitreisende. Normalerweise dürftest du das nicht wissen, aber normalerweise dürften wir auch nicht hier sein. Wir sind Mitglieder des Zirkels und haben uns Teneths Zeitumkehrer mal ausgeliehen.“
„Wie weit aus der Zukunft?“, fragte ich dazwischen.
„Knapp achtzehn Jahre... Nun aber das Wichtigste: Du kennst uns. Du kennst uns sogar gut... Ich würde es dir ja lieber schonend beibringen, aber uns läuft die Zeit davon, deshalb sage ich es dir jetzt schon: Ich bin Selene und das ist Delian - wir sind deine Kinder!“ Oh mein Gott, was ist das für ein Scheiß? Was haben die wohl geraucht?
„Für wie blöd haltet ihr mich eigentlich? Ich soll diesen Mist nicht allen Ernstes glauben?“
„Doch,“ sagte der junge Mann und sog aus seinem Halbmantel ein zerknittertes Papier heraus. Er hielt es mir entgegen und ich nahm es an.
„Was ist das?“
„Wie wäre es mit Lesen?“, kam die schnippische Antwort der jungen Frau. Ich schüttelte den Kopf, seufzte kurz und widmete mich dann dem Papier in meinen Händen.
Schon nach der ersten Zeile wusste ich, was es war. Mir stockte der Atem. Wow, das ist... wow. In Händen hielt ich tatsächlich das gleiche, wenn nicht sogar das selbe Schreiben, das ich in Delians und Selenes Kinderwagen gelegt hatte. Ich erkannte meine Schrift, sah auch den anderen Brief, den ich beigelegt hatte. Das Papier sah aus als hätte es schon einige Strapazen hinter sich und die Schrift darauf war schon etwas verblasst. Entweder war das ein Original oder eine verdammt gute Fälschung. Da ich mir jedoch nicht vorstellen konnte, warum jemand so etwas Banales fälschen sollte, musste ich Wohl oder Übel akzeptieren, dass die beiden Menschen vor mir aus der Zukunft kamen.
„Gut, doch wer sagt mir, das ihr die seid, für die ihr euch ausgibt?“
„Wir könnten jetzt mit irgendwelchen Erinnerungen anfangen, aber letztendlich musst du uns einfach glauben.“
„Gut, Delian, auch wenn ich es sehr befremdlich finde euch mit den Namen meiner Kinder anzusprechen...“
„Wir sind deine Kinder!“, kam gleich schon der Protest von der jungen Frau. „Wir haben einen Teil deiner Erinnerungen, weil unsere Großmutter zugestimmt hat, bei einem Experiment teilzunehmen. Jedes Jahr wurden die Mitglieder des Zirkels weniger und das Wissen ging allmählich verloren, da niemand mehr da war, des es überliefern konnte. Die Ausbildung dauerte einfach zu lange um all das Wissen zu festigen und auch noch neues heran zu tragen. Deshalb stimmte Lucia zu und fortan hatten ihre Kinder eine Fähigkeit, die sowohl Segen, als auch Fluch ist.“
„Hm, ja, das war schon sehr eindrucksvoll, aber vollkommen überzeugt bin ich noch immer nicht.“
„Du hast Großmutters Dickschädel! Ich denke das sollte reichen oder?“ Der Mann reckte sein Kinn und rückte den Kragen des Mantels zurecht, damit ich auf seinen Hals sehen konnte. An der gleichen Stelle wo ich einen Leberfleck hatte, hatte auch der Mann eines. „Das haben wir von Großvater geerbt. Der hatte es an der gleich Stelle!“ Ich konnte mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich hatte das Gefühl, dass er Recht hatte.
„Gut, mir fällt es zwar schwer, aber ich glaube euch.“ Beide lächelten mich erleichtert an. „Und warum seid ihr hier? In dieser Zeit?“ Die Zwillinge tauschten vielsagende Blicke und Selene erklärte mir schließlich:
„Wir sind hier um dein Leben zu retten. Wir haben Onkel Teneths Zeitumkehrer gestohlen und sind hier, weil du heute sterben würdest. Das wollen wir verhindern... Und dir bei deinem Plan helfen wollen.“
„Welchem Plan?“
„Harry,“ sagte Delian knapp.
Wir wechselten noch ein paar Worte und schon waren wir auf dem Weg.

XXX

Es war schon seltsam: da ging ich mit den zukünftigen Ausgaben meiner Kindern zusammen auf die Suche nach Gerechtigkeit. Es war so ... surreal.
Der Waldausläufer aus dem wir kamen, entfernte sich immer mehr, und die Dämmerung begann sich in eine kalte, neblige Nacht zu verwandeln. Ein undurchdringlicher Nebel schien uns gefangen zu halten und sorgte auch dafür, dass man keinen einzigen Stern am Himmel sehen konnte. Eine Eule konnte man in der Ferne rufen hören. Frost zog über das Land und mein Atem bildete feine Eiskristalle in der Luft. Jede Minute schien es kälter zu werden.
Delian ging ein paar Meter vor mir und Selene lief genau neben mir. Ich riskierte einen kurzen Seitenblick auf Selene. Sie war so schön und wenn sie sprach erinnerte sie mich an Severus. Häufig ein kleinwenig jähzornig, aber immer intelligent. Bisher hatte ich sie noch nicht auf ihren Vater angesprochen, aber ich wusste, dass es unausweichlich war.
Delian hatte jedoch gar nichts von Severus. Er war zwar ziemlich blass, hatte aber dunkelblondes bis hellbraunes Haar und Augen so grün wie Irland. Geduld und Bedacht waren seine Stärken. Seine Schwächen waren, dass er manchmal zu schnell nachgab, alles geschehen ließ. Das hatte ich nur durch die wenigen Gespräche mit ihnen feststellen können, doch sie bildeten eine Einheit mit den Kinderausgaben ihrerselbst, und Eigenschaften, die ich bereits bei den Babys festgestellt hatte, hatten die Zwillinge auch noch mit Achtzehn.
Plötzlich konnte ich die Schritte der Zwillinge nicht mehr hören. Nicht mal der gedämpfte Schrei der Eule drang an mein Ohr.

„Ich bin Cronos, Hüter der Zeit!“ Ein mächtiges Dröhnen erklang in meinen Ohren und die gewaltige Stimme drohte meinen Kopf zu sprengen. Der Nebel um mich herum wurde immer dichter und eine Schattengestalt entstand vor meinen Augen. Sie hatte die Form eines Mannes, wechselte je nach Luftzug ihre Gestalt und koordinierte sich neu.
„Was bist...,“ fing ich verwirrt an.
„Schweig, Sterbliche,“ unterbrach mich jedoch gleich das Wesen und da wo eigentlich die Augen sein sollten, funkelte es böse und umbarmherzig.
„Du hast kein Recht am Lauf der Dinge etwas zu ändern und doch tust du es, warum?“
„Der dunkle Lord, er wird auferstehen...“ Doch erneut hatte ich keine Chance auszusprechen.
„Ja, das wird er und nach ihm noch eine ganze Horde anderer schwarzer Magier. Die Menschen - magisch oder nicht - trachten immer nach Macht und dieser selbsternannte Lord wird nicht der Letzte sein, der diese ausnutzt.“
„Aber es werden Menschen sterben. Viele werden ihr Leben verlieren!“
„Doch es ist nicht an dir es zu verhindern, Abkömmling. Die ist im ständigen Fluss und nur weil euch mein Bruder die Gabe der Voraussicht gegeben hat, habt ihr Abkömmlinge kein Recht diese zu benutzen um den Lauf der Dinge zu verändern.“
„Warum haben wir dann diese Fähigkeit, wenn wir sie nicht benutzen dürfen?,“ schrie ich das Wesen an. Aus Verzweiflung war ich den Tränen nahe. Das Wesen löste sich wieder auf, doch baute sich hinter mir erneut auf. Ich erschrak, als ich nun seine Stimme hinter mir wahrnahm. Mit dem Rücken Cronos zugewandt blieb ich stehen.
„Ihr dürft sie benutzten, doch der Fluss der Zeit darf nicht gebrochen werden.“
„Ich wollte doch nur Harry vor all den Qualen schützen - wie sollte das die Zeitlinie stören?“ Ich wirbelte herum und wollte ins Angesicht Cronos' sehen, doch er hatte sich nun völlig aufgelöst. Seine Stimme konnte ich nun nur noch in meinem Kopf hören:
„Das Schicksal dieses Knaben wird weitreichender sein, als ihr denkt. Ich will dich dieses Mal nur verwarnen, doch ein erneuter Verstoß gegen die Regeln der Zeit und du wirst ausgelöscht.“
„Aber...“ Der Nebel verflog und die Umgebung veränderte sich. Sie wechselte zu dem kleinen Waldausläufer und nun konnte man auch wieder Sterne sehen.
„Warum bleibst du stehen? Wir müssen die Welt retten,“ kicherte Selene. Ich reagierte jedoch nicht.
„Eva? Alles in Ordnung?“ Mühsam schüttelte ich den Kopf. War das eben wirklich geschehen? Jegliche Farbe musste aus meinem Gesicht gewichen sein und ich zitterte erbärmlich. Die Stimme Cronos' spürte ich noch immer auf mir, als wolle sie mich niederzwingen.
„Ist dir nicht gut?“ Nun kam auch Delian zurück und tiefe Sorgenfalten waren auf seinem Gesicht entstanden.
„Sagt euch der Name 'Cronos' etwas? Er hat eben ein Pläuschen mit mir gehalten!,“ sagte ich mit ungewohnt hoher, fast surrealen Stimme. Die Furche in Delians Gesicht wurde breiter. Ihm schien der Name genauso wie Selene bekannt zu sein.
„Aber du warst doch gar nicht weg...“, stotterte Selene völlig verwirrt. Eine Stille trat ein, die Delian schließlich nach einer Weile durchbrach:
„Der Hüter der Zeit? Aber das ist nur ein Mythos...“, sprach Delian in leisem, verschwörerischen Ton.
„Mag sein, aber der Mythos hat gerade mit mir geredet. Was wisst ihr über ihn?“
Selene setzte sich auf einen Baumstamm und sah zu mir hoch, während sie erklärte:
„Cronos ist der Bruder von Belenus. Jener Gott - so heißt es - gab den Gründern des Zirkels die Gabe der Voraussicht als Belohnung für ihre Loyalität. Cronos missfiel das, denn er sollte über die Zeit wachen und Belenus brachte das mit diesem Geschenk in Gefahr. So verstieß er seinen kleinen Bruder und herrschte fortan allein über die Zeit.“
„Was wurde aus Belenus?“
„Man weiß es nicht. Manche behaupten er sei zu seinen Anhängern gegangen und lebte fortan ein sterbliches Leben. Nichts wurde aus dieser Zeit überliefert und möglich wäre alles - vor allem wenn man bedenkt, dass sich eben ein Mythos als Wahrheit entpuppte.“ Delians Stimme war noch immer ruhig, aber ein sanftes Beben konnte er nicht unterdrücken. Meine Nackenhärchen stellten sich auf und eine Gänsehaut erfasste meinen gesamten Körper.
„Aber das ist nicht alles...“ Delian seufzte ehe er fortfuhr: „Es gibt noch ein Legende, die noch irrsinniger ist: Man erzählt sich auch, das Belenus sich eine Frau nahm und mit ihr Kinder zeugte. Von dieser Verbindung soll der Clan der Bellessen entstanden sein. Es heißt, dies sollen unsere Ahnherren gewesen sein. Dein Vater, unser Großvater, hieß mit vollem Namen Lucian Nathanal James Bellesse.“ Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu lachen. Wenn dieses törichte Geschwätz stimmen würde, dann wäre ich ein Nachkomme von einem Gott... Ich konnte nicht mir an mir halten und prustete los; zu lächerlich war dieser Gedanke.
„Nein, das kann nicht sein,“ sagte ich noch lachend, aber Selene und Delian sahen mich ernst an. Mein Lachen erstarb und nur noch das unglaubwürdige Kopfschütteln blieb. Das würde erklären, warum mich Cronos 'Abkömmling' nannte. Selene fragte mich, was ich über meinen Vater wüsste und das Wenige erzählte ich den Beiden. Meine Erinnerungen an sein Leben waren verblasst und nicht so stark ausgeprägt wie die Bilder, die ich aus Lucias Sicht hatte.
„Man lehrt uns seit unserem siebten Lebensjahr mit Magie umzugehen. Und seit wir siebzehn sind, bekommen wir ein spezielles Training, das uns helfen soll, mit den Erinnerungen unserer Eltern und Großeltern zurechtzukommen. Wir besitzen fast das komplette Wissen und die komplette Erinnerung unserer Vorfahren. Wir erinnern uns an Dinge, die unseren Eltern gesehen sind. Es fühlt sich an, als hätten wir all die Leben gelebt.“ Ich hatte die ganze Zeit die Frage vermieden, ob sie ihren Vater kannten. Hatte ich doch Angst gehabt, ich könnte die Wahrheit nicht ertragen. Was würde sich schon ändern? Sie blieben meine Kinder und ich würde sie lieben - ob nun Severus oder Remus der Vater wäre. Doch wie lang könnte ich dieser Frage ausweichen? Irgendwann müsste ich die Wahrheit erfahren und es hieß eher früh als spät. Selene wollte gerade fortfahren, als ich ihr mit einem Zeichen Einhalt gebot und meine Frage stellte:
„Selene, Delian... Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll... Selene du hast gesagt, du hättest die Erinnerung deines Vater... Dann wisst ihr, wer euer Vater ist?“ Die Frage war an beide gerichtet, aber Delian war derjenige, der antwortete.
„Ich bin der Sohn von Remus Lupin...“ Ich schlug mir mit der Hand vor den Mund. Nein, das darf nicht sein! Meine schlimmsten Befürchtungen waren zur traurigen Gewissheit worden: Lupin war der Vater meiner Kinder, nicht Severus, dem Selene doch auf grausige Weise ähnlich sah. Sie hatte helle Haut, fast schwarze Augen und ebenso dunkle Haare. Gesichtsform hatte sie von mir geerbt. Ich hatte das Gefühl den Boden unter meinen Füßen zu verlieren. Es war ein denkbar schlechter Zeitpunkt gewesen, um diese Frage zu klären, aber ich musste endlich Gewissheit haben.
Eine gewisse Erleichterung war da, aber der Schock war überdeutlich. Meine Atmung war unregelmäßig und mit den Nerven am Ende zitterte ich am ganzen Leib.
„... Und ich bin die Tochter von Severus Snape,“ sagte Selene ohne auf meine Reaktion zuachten. Hatte ich mich eben verhört?
„Wie?“
„Ich bin die Tochter von Severus Snape,“ wiederholte sie mit gütigem Lächeln. Ich blickte sie verwirrt an.
„Wie meinst du das?“
„Ich meinte es so, wie ich es sagte. Ich bin Snapes Tochter... und Delian ist Lupins Sohn... Wir sind somit nur Halbgeschwister.“ Ich blickte noch verstörter drein. Was für ein Unsinn sollte das sein?
„Aber ihr seid doch Zwillinge! Das ist unmöglich von zwei Männern schwanger zu sein.“ Auch Delian lächelte freundlich, aber ich wich vor den beiden zurück. Welch Teufelswerk war das bloß? Man konnte nicht Zwillinge gebären, die von zwei verschiedenen Männern waren.
Delian seufzte, aber lächelte weiterhin.
„Wir sind Zwillinge, ja, aber sind nur Halbgeschwister. Du warst bereits mit Selene schwanger, als du mit Vater diese Nacht verbracht hast. Irgendetwas ist in deinem Körper schief gelaufen, und anstatt dass nach der Befruchtung die andere Eizelle abstarb, war sie weiterhin aktiv und wurde so Tage später von Vater befruchtet.“ Das musste ich erst mal verdauen. Das war ziemlich starker Tobak, den mir die Zwillinge vorgesetzt hatten.
Harry und die Wiederkehr von Voldemort waren vergessen. Und alles, weshalb ich eigentlich hergekommen war, schien sich im Sand verlaufen zu haben.
„Zwei Kinder von zwei Männern? Aber gleich alt? Oh je...“ Ich glitt zu Boden um einen Fall vorzubeugen. Die Luft schien mir auf einmal unnatürlich dünn zu sein.
Delian ging in die Hocke und sah mir in die Augen.
„Ich weiß, dass es schwer zu verstehen ist. Glaub mir, mir ist die Erinnerung Bürde genug. Du hast meinen Vater nie geliebt, ich bin ein Produkt einer durchzechten Nacht - aber es hätte schlimmer kommen können... Ich erinnere mich an deine Gefühle für mich und weiß, dass du mich genauso liebst wie Selene und wir hatten nie eine Chance uns bei dir zu bedanken, denn du starbst zu früh.“
Selene ging ebenfalls in die Hocke und umarmte mich. Ich zog Delian in unsere Umarmung und drückte mein Gesicht in ihre Schultern. Ich war unheimlich stolz in diesem Moment. Meine Kinder! Ich war froh und traurig zugleich, dass ich die Chance hatte zu sehen, was aus meinen Kindern würde, aber ich wurde mir auch bewusst, dass ich heute sterben würde.
„Selene... Delian - ihr sollt wissen, wie stolz ich auf beiden bin. Zu sehen, was ihr für mich zu tun bereit seid, lässt mich euch mehr lieben als zuvor... Doch es gibt einen Grund für das alles. Nun kann ich es endlich sehen.“
Ich drückte die Beiden weg von mir und stand auf, während sie es mir gleichtaten.
„Ich werde heute sterben, weil ich es muss. Das ist mein Preis an das Schicksal... Ich hatte mal einen Traum von euch beiden. Ihr ward drei oder vier und Selene kam heulend zum mir und erzählte mir, dass du, Delian, sie immer ärgern würdest. Du wolltest nämlich immer nur malen und deine Schwester wollte eigentlich nur Aufmerksamkeit von dir... Aber es war nur ein Traum. Es wird nie geschehen.“
„Welch weiße Worte!“ Eine fremde Stimme kam zu uns geweht und ich drehte mich ruckartig zu ihr um. Ein Mann mit gezogenem Zauberstab kam auf uns zu. Drei Schritte hinter ihm ging eine Frau im mittleren Alter. Ihre Augen funkelten böse.
„Haben wir dich endlich,“ sprach die Frau und richtete ihren Zauberstab drohend auf mich. „Was lange wärt, wird endlich gut!“ Ein überhebliches Grinsen umspielte ihre Lippen. „Kommt raus!“ Diese Worten waren nicht an mich und meine Kinder, sondern an vier Menschen, die nun aus dem Schatten traten, gerichtet. Das ist also das Ende, dachte ich und seltsamerweise war ich nicht mal traurig darüber.

Now the day has come.
We are forsaken this time.

We lived our lives in our paradise,
as gods we shaped the world around.
No borderlines we'd stay behind,
though balance is something fragile.

While we thought we were gaining,
we would turn back the tide, it still slips away.
Our time has run out, our future has died,
There's no more escape.

[…]

Sehr passende Zeilen. [Der Tag war gekommen. Man hat uns nun aufgegeben. Wir lebten unsere Leben im Paradies - wie Götter formten wir die Welt um uns herum. Keine Grenze, hinter der wir zurückblieben, obwohl das Gleichgewicht etwas Zerbrechliches ist. Während wir dachten, wir würden gewinnen, würden die Gezeiten umkehren, entglitt uns alles. Unsere Zeit ist ausgelaufen, unsere Zukunft dahin - Es gibt kein Entkommen mehr].
Toll, die letzten Minuten meines Lebens vergeude ich damit, über ein Lied nachzusinnen. Ich sollte lieber mal überlegen, wie ich Selene und Delian aus diesem Schlamassel rausbringen kann.
„Macht mit mir was ihr wollt, aber lasst diese Beiden gehen... Ihr könnt doch apparieren, oder?“, flüsterte ich den Zwillingen zu. Wir waren weit genug von Hogwarts weg und meine Hoffnung war, dass hier die Antiappier - disappierzauber nicht funktionieren würden. Du glaubst nicht wirklich, dass sie sich darauf einlassen, oder? So dämlich sind nicht mal die Todesser.
Während ich so nachdachte, überlegten auch die Anderen, wie sich mich lebend aus den Händen der Todesser befreien könnten. Delian dachte darüber nach, ob man mich in die Zukunft mitnehmen könnte und Selene darüber, ob sie wirklich genug Hass in sich trug um den Todesfluch zu benutzen. Einmal hatte sie ihn eingesetzt. Damals aber nur an dem Meerschweinchen ihres Bruders. Sie war gerade vierzehn. Alle waren viel zu erstaunt darüber, dass Selene in diesem Alter bereits Avada Kedevra beherrschte, dass sie nicht einmal sahen, was die Vierzehnjährige getan hatte: Ein unschuldiges Wesen ermordet und das nur, weil sie sich an ihrem Bruder rächen wollte, da dieser aus Versehen Selenes Fledermaus zerquetscht hatte. Später schämte Selene sich dafür und ihr tat es auch sehr leid. Aber ein Meerschweinchen oder einen Mensch zu töten war ein großer Unterschied. Am Ende würde zwar immer nur der Tod stehen, aber es würde ihr mehr Überwindung kosten, diese Worte auszusprechen.
Ihr wurde jedoch die Entscheidung abgenommen. Sie musste den Spruch nicht einsetzen genauso wenig wie dies das Ende für irgendwen anläutete... bis auf die Todesser.
Sie hatten sie nicht mal kommen hören, als es bereits zu spät war und sie leblos auf den Boden fielen. Nun lagen die sechs Todesser auf dem feuchten Laub und auf manchen Gesichtern konnte man noch das siegesbewusste Lächeln sehen. Die Sondereinheit des Dunklen Lords war vernichtet. Niemand mehr würde nach meinem oder dem Leben meiner Kindern trachten.
Vorbei, es ist endlich vorbei! Ich war zum ersten Mal wirklich froh die Mitglieder des Zirkels zu sehen. Zielgenau hatte jeder Seher auf einen Todesser den Todesfluch geschleudert und das gleichzeitige Handeln ließ den Todessern keine Reaktionszeit. Friedlich und äußerlich unversehrt lagen sie da. Ihr Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen und der Tod war über sie gekommen.
Ich lebe noch! Die Zukunft ist verändert worden! Doch das war sie nicht. Niemand kann die Zeit betrügen. Niemand.
Die Belenusbrüder zogen den Kreis um uns enger und ich spürte schon, dass etwas nicht stimmte. Kein Lächeln war in ihren Gesichtern zu sehen. Selbst Reto, dessen Gedanken man leicht deuten konnte, hatte eine versteinerte Mine. Selene ergriff meine Hand, sie wusste, was mir nun blühte.
„Eva Viktoria Catharine Bellesse...“ Hm, meint der mich? Ich hatte noch nie meinen vollen Namen gehört und nun damit angeredet zu werden, war sehr seltsam. Bisher war ich doch einfach nur „Eva Nightingale“ gewesen und nun?
„... du hast das höchste Gesetz der Belenus Brüder gebrochen und darauf steht der Tod. Das Urteil ist unwiderruflich und wird sofort ausgeführt. Todesart wird der rituelle Dolch sein, der bereits bei Lucia Arabella Pauline Bellesse geborene Nightingale und anderen Familienmitgliedern eingesetzt worden ist.“
„Nein,“ schrie Delian und klammerte sich an mir fest. „Ihr nehmt uns nicht ein zweites Mal unsere Mutter weg!“
„Schch, Delian. Euer Versuch war töricht, aber wir wollen Gnade walten lassen. Nach dem Ausführen des Urteiles werdet ihr in eure Zeit zurückkehren und dort werdet ihr euren Zeitumkehrer weggenommen bekommen. Seid froh, dass es so glimpflich abgelaufen ist! Ihr könntet tot sein.“
„Stattdessen tötet ihr unsere Mutter?“ Selene umklammerte meinen anderen Arm. „Nur über meine Leiche werdet ihr meiner Mutter nur ein Haar krümmen!“ Aus dem Kreis der Zirkelmitglieder lösten sich drei Personen. Teneth, Eve und Reto waren nun nicht mehr als einen Meter von mir entfernt. Eve und Reto schauten mich ruhig an, während Teneth beschwichtigend die Hände hob.
„Kinder, es hat keinen Wert. Ihr werdet über den Schmerz hinwegkommen und eines Tages werdet ihr auch verstehen, dass es nötig war. Ich musste meine eigene Schwester mit einem Dolch töten, doch ich wusste, dass es richtig war... und sie wusste es auch. Sie hat mir ihren Segen gegeben und ich betete für ihre Seele, ehe ich zustach und sie ihre Augen für immer schlossen.“ Delians Hand war feucht und ich spürte ein Beben, das ihn durchfuhr. Er ließ meinen Arm los und eine Bewegung neben mir ließ mich zu ihm sehen. Delians Finger verkrampften, seine Beine sahen aus, als würden sie brechen. Überall auf seinem Körper wuchsen Haare und sein Gesicht wurde zu einer hundeähnlichen Schnauze. Seine Fingernägel waren langgewachsen und er fletschte seine Zähne sodass man auf die scharfkantigen Reißzähne sehen konnte.
Mir entfuhr ein kleiner Schrei. Ich hatte zwar noch keinen gesehen, aber mir war klar, dass neben mir ein waschechter Werwolf stand.
„Ich werde Mutter mit meinem Leben beschützen,“ sagte er mit verzerrter und tiefer Stimme. Er legte mir beruhigend die Hand auf die Schulter. „Es hat seine Vorteile, wenn sein Vater ein Werwolf ist,“ flüsterte er mir leise zu, ehe er wieder die Zähne fletschte und die Drei vor uns anknurrte.
Selene hatte indes zu ihrem Zauberstab gegriffen und richtete sie auf Teneth im Speziellen.
„Niemand wird Eva einen Dolch in den Leib rammen, verstanden?“
Doch anstatt einen ehrfürchtigen Schritt zurückzutreten, lächelte Teneth uns nur freundlich an. Er schien froh über die Reaktion der Zwillinge zu sein.
„Eure Opferbereitschaft ehrt euch, aber kehrt in eure Zeit zurück und ihr werdet eine Überraschung erleben! Nun ist es aber an der Zeit... Eva, du weißt, dass es richtig ist.“ Ich nickte. Ja, ich wusste, dass es an der Zeit war hier und Jetzt die Geschichte zu Ende zu bringen. Ich löste mich von Selenes Griff und ließ sie und einen ziemlich belämmert dreinblickenden Werwolf stehen.
Teneth trat zur Seite und ließ mich passieren. Zwei Meter von der Gruppe (die sich allesamt nun zu mir gedreht hatte) blieb ich stehen und wartete auf die Vollstreckung. Ich war froh, dass ich noch die Chance gehabt hatte zu sehen, was aus meinen Kindern für prächtige Menschen werden würde. Alles in mir sagte mir, dass ich das hier nun tun sollte. Da war kein Widerstand und auch kein Hass. Nur Friede.
Langsam kam Teneth auf mich zu und nahm den Dolch aus seinem Umhang. Eve und Reto traten hinter mich. Nicht um mich festzuhalten, sondern um mich zu stützen. Ich sah nicht auf Teneths Hand, sondern nur in seine Augen. Sie waren zimtfarben und strahlten Wärme aus.
Ein überwältigender Schmerz drohte mich zu zerreisen. Doch nach einem Moment hörte der Schmerz auf und ich spürte das warme Rinnsal, dass meine Kleider hinablief. Teneth betete ein paar Worte und ich drohte nach hinten zu kippen. Eve und Reto fingen mich jedoch auf und ließen mich sanft zu Boden gleiten. Selenes und Delians Schreie hatte ich schon nicht mehr wahrgenommen. Finsternis legte sich über mich und endlich kehrte Ruhe ein. Müde schloss ich die Augen und hörte auf zu sein.

XXX

Das war das Ende von Eva Nightingale... aber ein Anfang für mich...

Ich blinzelte dem hellen Schein entgegen.
„Sie wacht auf!“ Eves Stimme war deutlich aus dem Stimmenwirrwarr um mich herum, herauszuhören. Ja, ich lebe.
Teneth kam an mein Bett geeilt und strich mir über die Stirn.
„Ich habe schon befürchtet, ich hätte zu fest zu gestoßen und der Zauber würde versagen.“
Mir war speiübel und jede noch so kleine Bewegung ließ das Dröhnen in meinem Kopf anschwellen. Man gab mir einen Trank und es linderte etwas meine Kopfschmerzen, aber mir war immer noch schwindlig.
„Welchen Zauber,“ fragte ich benommen und versuchte mich aufzurichten, was ich jedoch nicht schaffte. Stattdessen sank ich kraftlos zurück auf das Kissen.
„Du musstest sterben um wiedergeboren zu werden... Na ja, eigentlich warst du gar nicht tot... wir haben dich nur in einen Schlaf versetzt. Auf dem Dolch war ein Zauber, der die Wunden schließen sollte, sobald er wieder aus deinem Leib gezogen würde. Es würde höchstens eine kleine Narbe zurückbleiben.“
„Warum... Argh... Warum, das ganze Theater?“
„Wegen Selene und Delian. Um sie ging es die ganze Zeit. Sie sind wichtig für uns, weil all ihre Fähigkeiten erwachen werden. Du warst nur Mittel zum Zweck. Die beiden wurden geboren um große Taten zu vollbringen. Doch um einen Anfang zu finden, musstest du sterben... zumindest zum Schein. Sie mussten lernen, was Verlust und Schmerz bedeutet um zu wachsen und größer als ihre Vorfahren zu werden.“
Ich fasste mir an den Kopf, der mir vor all den Gedanken und Worten schwirrte. „Ich versteh immer noch nicht.“ Meine Stimme war schwach, aber bestimmt. Teneth reichte mir einen Spiegel und ich erschrak. Da war nicht mehr mein bekanntes Gesicht zu sehen. Augenform- und Farbe, Nasenlänge, Mund hatten sich verändert. Ich ähnelte mir nicht mehr im geringsten. Hellbraune Haare umrahmten mein ovales Gesicht und meine Augen waren so Blau wie die Tiefen des Ozeans. Blass war ich noch so wie immer, aber meine Nase war etwas länger und war keine Stupsnase mehr. Alles in allem musste ich mir eingestehen, dass dieses fremde Gesicht um Längen schöner war, als jenes, das mich zuvor ausmachte.
Ungläubig tastete ich in meinem Gesicht herum.
„Diese ganze kleine Inszenierung war nur wegen deiner Kinder,“ fuhr er unbeeindruckt fort, ohne auf meine Reaktion zu achten.
„Aber du hast mir doch gesagt, dass es nicht geplant war... dass sie ein Produkt meiner Dummheit wären.“ Ich löste mich von dem Anblick im Spiegel und sah, wie Teneth mich frech angrinste.
„Ich habe gelogen. Hast du dich denn nie gefragt, warum wir dich nicht gleich aufgehalten haben? Wir können die Zukunft sehen und hätten einfach verhindern können, dass du nach London kommst. So seltsam es klingen mag, es war alles geplant. Selbst die Sache mit Cronos war inszeniert. Was Magie nicht alles tun kann... Ein bisschen Nebel hier, ein bisschen mystische Stimme da und schon glauben sie, einen Gott vor sich zu haben. Hoffentlich verzeiht uns Cronos die Benutzung seines Namen auf so schändliche Weise...“ Oh ja, das klang wirklich seltsam. Mein Gefühl, eine Marionette gewesen zu sein, verstärkte sich noch. Doch anstatt in Zorn über meinen Scheintot und das Maskenspiel auszubrechen, quälte mich nur eine einzige Frage:
„Und was nun?“ Teneth stand vom Bett auf. Und sah mich nüchtern an.
„Nun, hast du die Qual der Wahl. Du darfst gehen und tun, wonach immer dir dein Sinn steht, nur darfst du weder mit Selene noch mit Delian in den nächsten zwanzig Jahren in Kontakt treten. Ach und noch was: Deinen Namen kannst du vergessen. Für die Welt bist du tot. Dein neuer Name ist Sophie Böhm, eine Österreicherin, die aber in England aufgewachsen ist. Der Zirkel wird deinen Kindern Unterricht erteilen und sie werden ihre Rolle im Schicksal einnehmen. Einen Rat gebe ich dir aber noch: Vergiss auch deine Pflegeeltern und alten Freunde. Für dich heißt es nun 'alles auf Anfang'!“
„Zwanzig Jahre?... Das ist eine verdammt lange Zeit. Aber, dass ich sie noch einmal sehen darf, wird mir einen Funken Hoffnung sein... Doch was ist mit... Severus?“ Mein Onkel lachte auf und ein schelmisches Grinsen entstand auf seinem Gesicht: „Nun, das, meine Liebe, ist deine Entscheidung! Du kannst tun und lassen was du willst!“

~~~

ENDE


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