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Fanfiction

Zauberer und andere Probleme - Kapitel 8 - Geburtstag

von Eva Nightingale

Meine Seele fand immer weniger Ruhe. Zu viele Fragen störten meinen inneren Frieden und hinterließen nur noch mehr Fragen.
Ich sah aus dem Fenster des Gemeinschaftsraumes. Hier in Großbritannien hatte alles angefangen. Hier verließ ich das Leben in der Normalität und bekam zum Ausgleich ein völlig verrücktes Leben als Hexe mit einer Affäre, seltsamen Träumen und noch seltsameren Leute. Mir war zum Heulen zumute. Noch mehr als die Tage zuvor, vermisste ich mein altes Leben, und vor allem meine alten Freunde. Sie hätten mich angehört, hätten versucht den Träumen auf den Grund zu gehen, und sie hätten mich vor falschen Freunden beschützt. Doch war ich niemand ohne meine Freunde? Ich hatte immer noch mich und ich durfte mich nicht ständig auf andere verlassen und etwas erwarten, das sie nicht bereit waren zu tun.
Ich hatte mich noch nie so stark und einsam zugleich gefühlt, doch auf Severus konnte ich nicht zählen. Er war wie besessen von Lupin, dass es gar keinen Grund gab vorsichtiger zu sein. Einmal ging er sogar an mir vorbei wie an einer normalen Schülerin und würdigte mich keines Blickes. Das Schlimme war, dass sich mein Herz nicht entscheiden konnte, ob ich wütend auf ihn sein sollte, oder traurig über die Verstümmelung unserer Beziehung und so wechselte mein Gemüt ständig zwischen todunglücklich und stinksauer hin und her. Was den Umgang mit mir natürlich nicht erleichterte. Besonders die Gryffindors bekamen mein Gefühlschaos zu spüren: Ich hatte zu nichts Lust und wenn mich jemand anzustacheln versuchte, wurde ich wütend. Hermine gab es schnell auf, und auch die anderen ließen mich fortan links liegen. Es wurde freundlich ‘Hallo’ gesagt, aber mehr Gespräche kamen nicht zustande.

Heute war ich wieder in absolutem Selbstmitleid gefangen. Doch so wenig mir das gefiel, hatte es auch etwas Gutes, denn so hatte ich Gelegenheit über alles nachzudenken.
Der Gemeinschaftsraum war rappelvoll. Ich hatte mir schnell einen Sessel gesichert und zum Fenster gezogen. Gedanken verloren blickte ich aus dem Fenster, als plötzlich Neville neben mir erschien.
„Warst du vor einer Woche eigentlich bei Madam Pomfrey? Du siehst noch übler aus...“ Ich warf ihm einen vernichtenden Blick entgegen, und er hielt inne. Gerade hatte ich mich erst wieder dem Fenster gewidmet, als er fort fuhr:
„Hey, hör’ mal, ich weiß wir sind keine dicken Freunde, aber wenn du Sorgen hast, kannst du gerne mit mir sprechen. Bei meinem Gedächtnis vergesse ich eh, was du mir anvertraut hast.“, brachte er stotternd heraus. Bei seiner schussligen Stimme konnte ich nicht mehr wütend sein und lächelte ihn dankbar an.
„Im Ernst, du kannst wirklich mit mir reden...“, sagte er und wurde rot wie die Spieluniform der Quidditchspieler von Gryffindor. Mir war es nicht verborgen beblieben, dass ihn dieser Satz unendlich viel an Überwindung gekostet hatte.
„Danke... aber ich denke, dass ich erst einmal selbst mit einigen Sachen klar kommen muss... Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du dir Gedanken über mich machst. Du bist ein Schatz!“ Den letzten Satz hatte ich geflüstert, damit nur er in hören konnte. Er grinste verlegen und ging wieder davon. Doch kaum war er weg, kam Hermine wie eine Furie herüber zu mir.
„Hör mal, du darfst dem armen Neville nicht noch Hoffnungen machen!“ Ich fiel aus allen Wolken.
„Hoffnungen?“, brachte ich sprachlos hervor. Hermine ähnelte einem brodelten Vulkan.
„Wenn es dir noch nicht aufgefallen ist; Neville ist ganz schön verknallt in dich und wenn...“
„Was? Und ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber ich bin fünf ... Den wievielten haben wir heute? Den fünften Dezember? Na, dann bin ich sechs Jahre älter als Neville.“ Ich hatte beinahe meinen eigenen Geburtstag vergessen. Neunzehn. Ob jemand an meinen Geburtstag gedacht hatte? Hermine wollte wieder ansetzten, erkannte aber, dass ich Neville nicht absichtlich Hoffnungen machte.
„Tut mir leid. Ich wollte nur nicht, dass du mit ihm spielst.“ Ich nickte verständlich. Sie war schon auf dem Weg zurück zu Harry und Ron, als sie kurz stehen blieb.
„Ach und noch herzlichen Glückwunsch!“

Wie es schien hatte niemand meinen Geburtstag vergessen. „Ich wusste nicht, ob es an meinem Gespräch mit Hermine lag, aber der Gedanke, dass jemand an meinen Geburtstag gedachte hatte, war ein gutes Gefühl. Selbst McGonagall gratulierte mir flüchtig vor dem Unterricht.
Und doch schien jemand nicht ganz zu recht zu wissen, was heute für ein Tag war. Der gute Herr grüßte mich nur mit einem Kuss, als ich in sein Büro eintrat. Ich setzte mich gegenüber von ihm auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.
„Ich kümmere mich gleich um dich, ich muss gerade noch etwas erledigen!“ Severus war über ein Haufen Pergamente gebeugt und schrieb eifrig in eines davon. Neben ihm standen viele kleine Reagenzgläser in hölzernen Ständern. Der Inhalt sah teilweise widerwärtig aus, und eines hatte eine richtig giftgrüne Färbung.
„Hey, Meister der Zaubertränke, was braust du denn da?“, fragte ich und wies auf die Gläschen. Severus sah kurz auf, lächelte schmal und widmete sich wieder seinen Schriften.
„Dann eben nicht...“, murmelte ich beiläufig und erkundete sein Büro. Hie und da waren Schränkchen die verschlossen waren, und dann gab es Regale, auf denen Flaschen und Fläschchen in allen Farben und Größen standen. Auf den Flaschen stand der Staub; hier musste seit Jahren nicht geputzt worden sein. Die Etiketten waren jedoch noch gut lesbar. ‘Schneckenschleim’, ‘Fliegensekret’ und ‘Drachenblut’ waren noch die vertrauenswürdigsten Sachen hier im Raum. Mit manchen Inschriften konnte ich nichts anfangen, aber der Inhalt sah nicht sehr gesundheitsfördernd aus.
„Fass... bitte... nichts an!“, fuhr mich Severus vom Schreibtisch an. Ich wollte gerade nach einem der Flaschen greifen, ließ aber von meinem Versuch ab und setzt mich zurück auf den Stuhl. Warum kam ich mir plötzlich wie ein kleines Kind vor, dass im Arbeitszimmer seines Vaters sitzt? Ich hasste dieses Bild. Ich war kein Kind und Severus nicht mein Vater, sondern mein Geliebter. Plötzlich kam ich mir albern vor, dass ich diese Gedanken hatte. Und ebenso albern kam ich mir vor, weil ich überhaupt hier war.
„Melde dich mal, wenn du Zeit für mich hast.“ Ich stand auf und war im Begriff das Büro zu verlassen.
„Wo willst du hin?“ Ich zögerte kurz, griff dann aber bestimmt nach dem Türgriff. Mit dem Rücken zu ihm, antworte ich knapp:
„Irgendwohin, wo ich niemanden störe.“ Ich musste sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass er mich anstarrte. Seine Sprachlosigkeit machte auch nichts besser, deshalb drückte ich den Griff nach unten und ging eiligst hinaus.
Tränen rannen mir über das Gesicht. Eine salzige Spur zog sich von meinen Augen zu meinem Kinn, und von dort tropfte das Herzensblut auf den Boden.
Severus’ Verhalten war genau das, was mir in diesem Zustand gefehlt hatte, um endgültig in Trübsinnigkeit zu verfallen. Oh grausames Schicksal. Mittlerweile war der Bach des Selbstmitleides zu einem rauschenden Fluss angeschwollen und ich drohte in ihm jämmerlich zu ertrinken. Wenn nicht bald jemand mit einem Boot kommen und mich retten würde... Ich wollte nur noch weg. Weg von hier und der Schule, die mir soviel Leid gebracht hatte. Weg von all dem Schmerz.
Ich hatte keinen Umhang und keine warme Kleidung an, und dennoch zog ich los um mein Seelenheil zu retten. Natürlich würde ich nicht weglaufen. Ich wollte nur etwas Abstand gewinnen, und sei es nur für ein paar Stunden.

Der verbotene Wald kam mir verlockend vor. Dort würde mich keiner vermuten. Ich spürte die Kälte nicht, die meine Glieder empor kroch, als ich nur mit einem Rock begleitet durch den knietiefen Schnee watete. Es wurde langsam dunkel, und nur der große Vollmond oben am Himmelszelt warf sein Licht bereitwillig über das Land. Der Schnee warf das Licht zurück, aber erträglicher als es am Tage geschah.
Ich änderte die Richtung urplötzlich und folgte einem Impuls, der mich in eine neue Richtung trieb. Ich lief nun in Richtung Hogsmeade davon. Ich hatte von dem gruseligsten Ort Britanniens gehört, der Heulende Hütte. Sie war ganz in der Nähe. Ich ließ Hogsmeade links liegen und konnte schon die Hütte sehen. Sie stand jenseits der begehbaren Wege auf einem Hügel. Aber die Hütte hatte ihren Namen nicht verdient.

Minutenlang blieb ich stehen und beobachte die Heulende Hütte. Inzwischen war völlige Dunkelheit eingekehrt und meine Empfindsamkeit kehrte mit einem Schlag zurück. Ich zitterte am ganzen Leib und klapperte unwillkürlich mit meinen Zähnen. Wenn ich nicht grausam erfrieren wollte, musste ich zurück zum Schloss und dies möglichst rasch.
Ich lief so schnell es der tiefe Schnee zuließ. Von meiner Stirn tropfte der Schweiß und meine Beine waren taub vor Kälte. Sie wollten keinen Schritt mehr gehen und ich stolperte über eine Wurzel, die unter dem Schnee verborgen war, und dieser Umstand rettete mir vermutlich das Leben.
„PETRIFICUS TOTALUS!“, ertönte es hinter mir, doch ich war gestürzt und der Fluch verfehlte mich. Ich hörte Schritte, die in den Schnee einsanken und zu mir gelangen wollten. Verzweifelt kroch ich auf dem Boden weiter. Mein Fuß war seltsam warm und feucht geworden. Einen flüchtigen Blick nach hinten und ich sah, dass ich eine dunkle Spur hinter mir her zog. Doch ich hatte keine Zeit darauf zu achten. Die Schritte kamen immer näher und ich beschleunigte meine Bewegungen. Ich kam an ein Stück, an dem der Schnee nicht so tief war und mir gelangte es aufzustehen. Mit einer unglaublichen Angst humpelte weiter ich in Richtung des Schlosses. Wortfetzen drangen zu mir, und ich brach sofort in mich zusammen. Schreckliche Schmerzen breiteten sich in mir aus. Meine Knochen schienen in Flammen zu stehen. Die Augen überschlugen sich in meinem Kopf.

„Ahhhhhhhhhhhhhhhhh!“ Mein markerschütternder Schrei hallte durch die Nacht. Ich wollte dass der Schmerz endlich aufhört.
Erneut bäumte ich mich auf, und eine Welle des Schmerzes durchfuhr mich. Es sollte endlich aufhören, ich wollte nur noch sterben.
Der Schmerz raubte mir alle Sinne, ließ mich meinen Verstand allmählich verlieren. Ich schloss schon mit meinem Leben ab, als der Schmerz so plötzlich endete, wie er gekommen war. Doch es war nicht das Mitleid meines Gegners, sondern ein ungebetener Gast. Ich wusste nicht wer der Störenfried war, aber jemand rang mit dem Zauber, der mich verflucht hatte. Es erklangen seltsame animalische Laute, doch ich wusste, dass nun keine Zeit für Heldentaten war; mein Weg sollte mich so schnell wie möglich zum Schloss zurück führen. Hier stand ich nur meinem Retter im Weg. Irgendwann würde ich mich erkenntlich zeigen, irgendwann...
Mühsam drückte ich mich vom Boden ab und lief los.

Ich weiß nicht, wie ich die Kraft aufgebracht hatte, hier her zu kommen, aber sie war mit einem Mal verschwunden, als ich am Eingangtor angekommen war. Kraftlos fiel ich auf alle Viere, kroch noch einige Meter, und fiel dann vollends der Länge nach hin. Um mich wurde es dunkel und eine Ohmacht überwältigte mich.
Als ich aufwachte war ich noch am gleichen Ort und die Kälte spürte ich überall. Es war immer noch dunkel; lange war ich also nicht ohnmächtig gewesen. Mit dem letzten Rest meiner Kraft stand ich wieder auf und zwang mich weiter zu gehen. Ich hatte den Gang eines Zombies aus einem billigen Horrorfilm. Mein linkes Bein zog ich hinter mir her wie ein totes Stück Fleisch.
Die Krankenstation war nicht mehr fern, als hinter mir eine Stimme erklang, tief wie das Grollen eines Donners.
„Was machst du hier um diese Uhrzeit?“ Filch, der Hausmeister stand vor mir und seine Katze schlängelte sich um seine Beine. Ihre roten Augen funkelten mich bösartig an, doch das war nichts zu dem wahnsinnigen Blick, mit dem mich Argus Filch anstierte.
„Mmmmuss ... zuuuur ... Pommmmfrey.“, brachte ich mühselig hervor und wieder überfiel mich eine Ohnmacht, die aber nur Sekunden dauerte, und ich mich schließlich in den Händen von Filch wieder finden sollte. Dieser ließ mich angewidert zu Boden gleiten und rauschte davon. Seine Katze blieb bei mir und beobachte mich missmutig.
Lange war Filch nicht weg, bis ich schließlich Stimmen hörte. Er hatte bei den Lehrern Alarm geschlagen und McGonagall eilte in ihrem Nachtdress mit Schottenmuster auf mich zu. In ihrem Schlepptau befanden sich Madam Pomfrey, Dumbledore und eine Handvoll anderer Lehrer. Unter ihnen war auch Severus, der mich schockiert ansah und am liebsten zu mir gerannt wäre, seinem Blick nach zu urteilen.
„Miss Nightingale, um Gotteswillen, was ist denn passiert?“ McGonagall’s Stimme war deutlich angespannt und besorgt.
„Kälte... Fluch.“, war das einzige was ich aus meinem Mund pressen konnte.
„Beim Barte des Merlins...“, murmelte Dumbledore und wies Madam Pomfrey an, sich um mich zu kümmern. Sie griff mir an die Stirn und stellte beunruhigt fest: „Sie ist ganz fiebrigheiß!“ Severus ließ jegliche Vorsicht fahren und kam auf mich zu. Er nahm mich auf die Arme und brachte mich in die Krankenstation, wo er mich nach Madam Pomfreys Anweisungen auf einem Bett niederlegte. Sein Gesicht war vor Schreck verzerrt, als er mich musterte. Ich ergriff seine Hand und drückte sie schwach. Er ließ sie nicht los und führte sie zu seinem Mund. Mit bebenden Lippen küsste er meine Hand und legte sie dann neben meinen Körper.
Madam Pomfrey hatte von allem jedoch nichts mitbekommen, sie war davon gehuscht und kam mit einer Reihe Fläschchen zurück. Die anderen Lehrer waren wieder zu Bett gegangen und überließen der Krankenschwester die Arbeit. Auch McGonagall und Dumbledore waren verschwunden, und so blieb nur noch Severus bei mir zurück.
Er fuhr mir über die schweißgebadete Stirn und lächelte schwach.
„Übrigens: Herzlichen Glückwunsch! Du hast noch zwei Sekunden Geburtstag.“ Kaum das er geendet hatte, verkündete die Kuckucksuhr leise, dass es zwölf Uhr war. Madam Pomfrey war wieder verschwunden um wohl noch mehr Fläschchen zu holen und Severus nutzte die Gelegenheit aus, um mich zu küssen. Sein Kuss war vorsichtig um mir nicht wehzutun.
„Denkst du etwa, ich habe deinen Geburtstag vergessen? Seit zwei Wochen arbeite ich an diesem verfluchten Pergament. Es sollte ein Geschenk sein, aber du warst so plötzlich weg... Ich bin dir nachgegangen, aber du warst schon fort. Die ganze Schule habe ich durchsucht, doch ohne Erfolg...Ich habe mir schreckliche Sorgen gemacht!“
Mein Schweiß vermischte sich mit meinen Tränen, die wieder aus mir sprudelten.
„Ich liebe...“, er endete abrupt, während Madam Pomfrey wieder in den Kranksaal eintrat. Severus formte tonlos noch das fehlende Wort: „...Dich!“
Noch mehr Tränen quollen aus meinen Augen. Ich kam mir so unendlich dumm vor, dass ich jemals wütend auf ihn war.
„Na na mein Kind, der Schmerz hört ja gleich auf.“, meinte Madam Pomfrey. Sie dachte wohl, dass ich wegen meiner körperlichen Gebreche weinen würde.
„Und Sie Professor können hier nichts mehr tun. Gehen Sie in ihr Zimmer zurück und lassen Sie meiner Patientin eine Nacht Ruhe, ehe Sie mit Ihren Punktabzügen beginnen. Morgen ist ja auch noch ein Tag!“ Severus stand auf und nickte. Als er den Krankensaal verließ fiel mir auf, dass er noch immer seine Alltagskleidung trug. Ich kam mir auf einmal noch schäbiger vor. Er hatte sich Sorgen gemacht und ich trieb mich mutterseelenallein, kaum bekleidet, draußen im knietiefen Schnee herum und war wütend dass er meinen Geburtstag vergessen hatte.
Madam Pomfrey flößte mir einen seltsamen Trank ein, und Müdigkeit überkam mich. Traurig schlummerte ich ein und verbrachte eine traumlose Nacht.

Meine Augen waren verquollen als ich sie öffnete, und mein Kopf dröhnte in einem merkwürdigen Rhythmus. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf den Schmerz mit der Hoffnung, ich könnte ihn so besiegen. Der Rhythmus war jedoch stärker und sah gar nicht ein, sich geschlagen zu geben.
Die Person neben mir bemerkte ich erst jetzt. Severus saß auf einem Stuhl und war eingenickt. Im ersten Moment dachte ich er sei tot, da er sich nicht bewegte. Doch dann sah ich die schwachen Atembewegungen seiner Brust. Ich beobachte ihn eine Weile ganz stolz. Ich habe ihn doch ganz gut erzogen!, stellte ich grinsend fest. Er hatte wohl meine Blicke gespürt, denn er erwachte und öffnete ruckartig die Augen.
„Ich bin wohl eingenickt.“, stellte er unnötiger Weise fest. „Wie geht es dir?“ Ich zuckte mit den Schultern.
„Wie lange sitzt du schon hier?“ Er überlegte einen Augenblick. „Oh ich bin gekommen, nachdem Madam Pomfrey schlafen gegangen ist. Das ist jetzt etwa fünf Stunden her.“ Ich schluckte unwillkürlich.
„Fünf Stunden?“, fragte ich ungläubig. „Warum hast du mich nicht geweckt?“
„Weil du deinen Schlaf gebraucht hast.“, kam die prompte Antwort von Severus.
„Und warum bist du überhaupt dann gekommen? Ich habe die ganze Zeit nur geschlafen...“ Ein schmales Lächeln erschien auf seinem Gesicht und es sah sehr gekünstelt aus.
„Weil ich mich schuldig gefühlt habe. Ich hatte mich richtig auf Lupin fixiert und dich dabei vergessen.“ Ich wusste nicht, ob ich vor Freude oder vor Trauer weinen sollten.

„Warum hasst du ihn so?“, fragte ich nach einer langen Stille.
„Wen?“ Ich hatte gar nicht gemerkt, dass diese Frage auf mindestens zwei Personen zutraf: Harry und Lupin. Aber eigentlich hatte ich zu dieser Zeit „Lupin“ gemeint. Seine Mine verdüsterte sich schlagartig, und jegliche Wärme war aus seinem Gesicht gewichen. Sein Gesicht hatte die Gestik eines fanatischen Mörders angenommen. Ja, der Gesichtsausdruck war dem von Black gar nicht so unähnlich.
„Das ist unwichtig.“ Seine Stimme war fest und ließ keine weitere Fragen mehr zu, aber ich ließ mich nicht damit abspeisen.
„Nein, es ist NICHT unwichtig! Warum also?“ Auch meine Stimme war hart geworden.
„Aus dem selben Grund, warum ich Harry hasse... Wegen James.“ Er war nicht bereit mehr zu erzählen, und ich musste es akzeptieren. Ich hatte keine Ahnung wer James war, aber es musste jemand sein, der Lupin und Harry verband.
Ein stechender Schmerz ließ mich meine Fragen vergessen. Er zog sich von meinem Kopf bis zu meinem Zeh und ließ mich aufstöhnen. Severus war aufgesprungen und stand hilflos da. Er wollte gehen und die Krankenschwester rufen, doch ich hielt ihn zurück. „Bleib!“, flehte ich, aus Angst allein mit dem Schmerz zu sein. Das Dröhnen in meinem Kopf war zu einem unglaublichen Grollen angeschwollen und drohte mein Kopf zu zerquetschen.
Severus hob meinen Kopf an und flößte mir einen Trank ein. Die Schmerzen ebbten ab und es entstand ein wohliges Gefühl in meinem Magen. Die Erleichterung war in Severus’ Gesicht geschrieben, und auch ich war nicht unglücklich darüber, dass der Schmerz aufgehört hatte. Er war schnell in sein Büro gerannt und hatte einen seiner Tränke geholt. Ich hatte nichts davon mitbekommen, weil ich zu sehr mit meinen Schmerzen beschäftigt gewesen war.
„Ich hätte dir es schon vor langer Zeit sagen sollen, aber ich habe es nicht übers Herz gebracht...“, fing er unvermittelt an. Er sah mich nicht an, sondern sah zu Boden. Ich benötigte einen Augenblick um überhaupt seine Worte zu verstehen, so plötzlich war dieser Anflug seines Gewissens gekommen.
Was würde jetzt kommen? ‘...Ich bin verheiratet und habe fünf Kinder.’, erwarte ich in etwa, doch er überraschte mich erneut.
„... Du bist krank.“ Krank? War das sein Art mit mir Schluss zu machen? ‘Du bist gestört, aber ich wünsche dir ein schönes Leben – ohne mich.’ Er bemerkte meine Unsicherheit und fuhr fort, sah mich dabei aber immer noch nicht an.
„Als ich dich in deinem Zimmer im Londoner Hotel fand, warst du mehr tot als lebendig. Der Fluch, den man gegen dich einsetzte war selbst Dumbledore unbekannt. Wir haben vieles probiert, aber nichts wirkte; du warst in dich gekehrt und schienst so fern von deinem Körper. Es war mehr aus Zufall, dass ich einen Trank fand, der eine Wirkung zeigte. Nur hielt diese nicht lange an und so schmuggelte ich dir immer etwas von dem Trank in dein Essen oder dein Getränk.“ Meine Stirn war in Falten gelegt und ich horchte ausführlich dem Bericht von Severus.
Jede Woche hätte ich diesen Trank bekommen und mir so ein halbwegs normales Leben erkauft. Doch der Trank war schwer herzustellen und die Fertigstellung dauerte immer einige Tage. Gestern hätte ich wieder eine Dosis erhalten sollen, doch ich war ja verschwunden.
„Und was passiert, wenn man die Einnahme einstellt?“, fragte ich mit brüchiger Stimme.
„Ich denke, dass der Schmerz den du eben empfunden hast, erst der Anfang war.“ Bei diesen Worten fixierte er mein Gesicht. Sein Blick war nicht entschlüsselbar.
Die Vorstellung, dass dieser Schmerz nur der Anfang gewesen sein sollte, klang nicht sehr verlockend. Ich brachte jedoch nur ein seltsam hohes „Oh“ aus mir heraus.
„Was ist passiert?“, fragte er um die Unterhaltung am Leben zu erhalten. Ich erzählte ihm, an was ich mich noch erinnern konnte. Viel war es nicht mehr gewesen. Ich besaß nur noch schleierhafte Erinnerungen, die keinen zusammenhängenden Sinn ergaben. Er hörte aufmerksam zu und machte aus dem Puzzle ein zusammenhängendes Bild.
„Das war der Cruciatus- Fluch, der dich getroffen hat, da bin ich mir ziemlich sicher. Was ich mich nur frage: Warum? Seit London ist man hinter dir her. Wir brachten dich nach Hogwarts, damit du sicher bist und nun sind sie auch hier.“ Was er sagte, war nichts Neues für mich. Die Frage ‘warum’ habe ich mich auch schon häufig genug gestellt. Warum sollte mir jemand schaden wollen? Ich war doch nichts besonderes, abgesehen davon, dass ich meinem Alter hinterher war was die Magie betraf. Der Typ in London meinte ich würde ihre mächtigste Waffe werden. Je mehr ich darüber nachdachte, desto unlogischer klang der ganze Mist. Nichtsdestotrotz sollte man es nicht unterschätzen, denn ich lag immerhin im Krankensaal und war erneut nur knapp dem Tod entkommen. Aber warum wollte man mich töten, wenn ich eine Waffe sein sollte... Nein, es hätte keinen Zweck darüber noch länger zu grübeln.
Was ich jetzt brauchte, war eine kleine Aufmunterung.
„Sev?“ Er schaute zu mir und sah mich fragend an.
„Nimmst du mich in den Arm?“ Ich hatte absichtlich eine Stimmlage wie ein kleines trauriges Kind angenommen.
„Madam Pomfrey kann jeden Moment reinkommen! Mein Job steht auf dem Spiel, du weißt... Wenn etwas herauskommt... Ach, schon gut.“ Er beugte sich über mich und meine Hände vergruben sich in dem schwarzen Stoff seines Gewandes. Er küsste mich flüchtig.
„Jetzt aber genug!“, sagte er und ließ von mir ab, und das keine Sekunde zu früh. Er saß gerade wieder aufrecht, als Madam Pomfrey durch die Tür hereinschneite, und nicht wenig überrascht Severus an meiner Seite erkannte.
„Was machen Sie denn hier, Professor?“ Severus Mine war wie immer versteinert, wenn er nicht gerade mit mir allein war.
„Ich wollte mal sehen, wie es der Patientin geht! ... Sie wird ihrer Strafe nicht entgehen...“ Doch er konnte nicht aussprechen.
„Ja, aber ich werde diejenige sein, die das Strafmaß festlegt!“ Die Hausleiterin von Gryffindor kehrte in den Krankensaal ein und kam auf uns zu. „Auch wenn du Miss Nightingale nach Hogwarts gebracht hast, Severus, gehört sie immer noch zu meinem Haus!“ Ich konnte mir mein Grinsen nicht verkneifen. Ich wusste wie sehr Severus Zurechweisungen hasste, und auch wenn sie noch so banal waren. McGonagalls strenger Blick fiel auf mich.
„Und was Sie betrifft, Miss Nightingale, so freuen Sie sich nicht zu früh. Meine Strafe wird nicht lascher sein als die, die Sie bei Professor Snape getragen hätten! ... Sie entwickeln sich immer mehr zu einem Sorgenkind...“ Ich sog die Luft scharf ein. Hatte sie mich etwa eben ein KIND genannt? Wenn ich etwas nicht leiden konnte, was es, dass mich Leute noch als ein Kind bezeichneten. Manche meiner Taten mochten unüberlegt, und manche sogar dumm sein, aber dennoch war ich kein KIND mehr! Vor meinem Inneren Auge sah ich, wie ich Feuer spuckte und danach McGonagalls Kopf abbiss und in den Mülleimer spuckte... Aber tja, nur Wunschvorstellung.
McGonagall fuhr mit ihrer Predigt fort, ohne zu merken, dass ich sie böse anfunkelte:
„Zuerst kamen sie zwei mal innerhalb einer Woche zu spät, und dann verschwinden Sie einfach, lassen zwei Stunden ausfallen und kommen blutüberströmt ins Schloss zurück. Was soll ich davon halten? ... Was haben Sie sich dabei gedacht? – Wahrscheinlich nichts! Ich...“
„Ich musste an die frische Luft um nachzudenken. Es ist für mich nämlich nicht leicht in dieser Welt zurechtzukommen.“, sagte ich wahrheitsgemäß und meine Stimme strotzte vor Kälte.
„Das mag sein, aber es gibt Ihnen nicht das Recht mich zu unterbrechen! – und es gibt ihnen auch nicht das Recht zwei Stunden Wahrsagen zu versäumen.“ Dass aus meinen Augen keine Blitze kamen, war auch alles.
„Professor...“ Ich brach ab. Meine Stimme war brüchig vor Zorn geworden und ich wusste, dass ich besser still sein sollte, wenn ich nicht wollte, dass ich in wenigen Augenblicken über McGonagalls Leiche knien wollte, mit der Hand um ihren Hals.
Severus schien meine Lage am besten einzuschätzen, denn er überzeugte sie, dass es besser sei, jetzt zu gehen. Er begründete dies jedoch damit, dass ich noch etwas ausruhen musste, damit ich morgen wieder am Unterricht teilnehmen konnte.

Meine Gesundheit war soweit wiederhergestellt, bestätigte mir Madam Pomfrey, als ich sie erwartungsvoll anblickte. Die tiefe klaffende Wunde in meinem Bein war verschwunden, und nur noch ein feiner rosafarbener Strich erinnerte daran. Der Cruciatus- Fluch hatte keine Nachwirkungen, und somit war ich wohl wirklich wieder so gut wie die Alte. Heute Mittag würde ich entlassen werden, aber erst morgen müsste ich wieder regulär zu den Stunden gehen. Da ich aber das Gefühl hatte, dass mir so zu viele Stunden verloren gingen, bat ich Madam Pomfrey mich schon früher gehen zu lassen, und machte mich zum nächsten Unterricht auf.

Die Klasse hatte gerade Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sie verfolgte jeden meiner Schritte, bis ich mich schließlich auf meinen Platz gesetzt hatte. Wie es schien wusste niemand der Schüler was mit mir geschehen war, denn Harry, neben dem ich saß, fragte mich wo ich gewesen sei. Ich antworte ihm kurz und knapp, was geschehen war. Doch bevor er weitere Fragen stellen konnte, kam der Lehrer in den Klassensaal. Lupin war ein wirklich guter Lehrer, das musste ich ihm wirklich zugestehen, auch wenn ich ihn nicht so recht mochte. Die Stunde verging ohne wirklich etwas Interessantes vorweisen zu können.

In der nächsten Stunde hatten wir Severus. Es dauerte nicht lange bis... Schon wieder Punkteabzug von Gryffindor – diesmal wegen Harry, der einen Trank nicht hinbekam. Auch ich hatte einige Probleme mit ihm, aber Severus ignorierte mich, als er durch die Reihen ging. Er war vor Harry stehen geblieben und sah mit ziemlich angewiderter Mine in dessen Kessel hinein.
„Und was braust du da, Potter?“ Die weiße Flüssigkeit hätte eigentlich rot sein müssen.
„Das muss wohl an den Gryffindors liegen!“, sagte Draco, der nach vorne gekommen war, um eine Probe seines Trankes abzugeben. Er wies auf meinen Kessel und schien belustigt zu sein. Severus folgte seinem Blick und sah, dass mein Trank neonorange war. Er dachte einen Moment nach, tippte gegen meinen Tisch und ging dann aber wortlos zu seinem Pult zurück. Sowohl Harry als auch Draco folgten ihm mit verstörten Blicken.
„Kein Punkteabzug für Gryffindor, Sir?“ Draco war völlig entrüstet.
„Nein, Mister Malfoy.“, sagte Severus knapp und sah sich die Probe an, die Draco ihm gereicht hatte. Draco, wenn man es so nennen mochte, war der Erzfeind von Harry. Ein kleiner arroganter Schnösel, dessen Vater stinkreich und dazu noch mächtig war. Vater wie Sohn waren weißblond, gut aussehend und mächtig von sich selbst überzeugt – dazu kam noch dass beide sich viel auf dem Umstand einbildeten, dass sie reinblütig waren.
„Aber Sir, sie hat den Trank nicht hinbekommen!“
„Wenn ich jedem Punkte abziehen würde, wenn er oder sie den Trank nicht hinbekommt, würde Gryffindor gar keine Punkte mehr haben!“ Ein gehässiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht und er fixierte Harry. „...und das wollen wir doch nicht, oder?“ Draco gab sich geschlagen, wenn er auch lieber gesehen hätte, dass ich Punkte abgezogen bekommen hätte.
„Du hast den Wehrmut vergessen!“, flüsterte Hermine hinter mir, als ein Tumult entstanden war, weil jeder seine Probe abgegeben wollte. Und tatsächlich hatte Hermine recht. Ich hatte die letzte Zutat einfach überlesen. Vorsicht tröpfelte ich den Wehrmut herein und mein Trank färbte sich scharlachrot. Mir entwich ein kleiner Freudeschrei und dann füllte ich mein Probegläschen ab. Mit Genugtuung sah ich das blöde Gesicht von Draco, während ich die zweitbeste Note bekam. Das Beste daran war, dass ich wirklich das Gefühl hatte, dass ich diese Leistung geschafft hatte, nur ich, auch wenn mir Hermine den Tipp mit dem Wehrmut gegeben hatte. Ich war auf einer Wissensebene wie meine Klassenkameraden und musste nicht mehr ewig lernen, bis ich etwas verstand – und das war ein GUTES Gefühl!

Severus bat mich noch einen Augenblick zu warten bis alle aus der Klasse verschwunden waren.
„Hier!“ Er drückte mir eine Rolle Pergament in die Hand. Er musste nicht erklären, was es war, ich wusste es bereits. Leider konnte ich ihn nicht küssen, weil just in diesem Moment Neville zurückkam.
„Ich hab meine Feder vergessen!“ Ich sah meine Zeit gekommen, nickte Severus förmlich zu und ging dann hinter Neville her, der schnell wieder aus dem Kerker ging. Es sah wie eine Flucht aus.

Ich umklammerte das Pergament. Mein seelisches Tief war einem enormen Hoch gewichen. So leicht konnte man mich also glücklich machen!


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