
von Eva Nightingale
Ich erzählte lange und Lupin saß ganz still da. Ich sprach in einer seltsamklingenden Monotonie. Leere hatte mich erfüllt. Das Wippen hatte zwar aufgehört, aber ich umklammerte weiterhin die Flasche und starrte nach vorne. Ich konnte Lupin nicht ansehen und wollte es auch nicht.
***
Mein Mund war trocken, nachdem ich geendet hatte. Ich nahm wieder einen tiefen Schluck aus der Flasche und hielt schließlich Lupin auch eine hin. Er nahm sie entgegen und öffnete sie.
„Zuerst musst du dich beruhigen.“ Beruhigen? Ich bin doch schon ganz ruhig, noch ruhiger und ich bin tot. Der Schatten der Gleichgültigkeit war noch immer über mich gelegt, wie ein schwerer Mantel. Konnte ich vor wenigen Minuten die Tränen nicht halten, waren sie nun vollkommen versiegt.
„Hast du mich verstanden?“ Ich nickte nur unmerklich. „Ja“ Meine Stimme war nur noch ein Krächzen.
„Gut... Hm, das ist gut, was ist das?“, fragte er, als er einen Schluck von der Flasche genommen hatte.
„Ein Getränk von Muggeln.“ Zum meinem Geburtstag hatte ich eine nette Auswahl an Alkopops und stärkeren Zeug bekommen. Irgendwie schien jeder zu glauben, dass ich hier eine Party feiern wollte. Eine Flasche klarer, und eine schwarzer Wodka. Ein Sixpack Smirnoff und eine Flasche Baileys und diverse andere Getränke; alles gut und schön, aber was sollte ich auf einer Schule damit anfangen? – für solche Momente waren sie jedoch perfekt!
Lupin und ich saßen schweigend an die Wand gelehnt da und leerten unsere Flaschen. Er war so nett und stellte mir keine Fragen, worüber ich erleichtert war. Ich wollte Severus aus meinen Gedanken verdrängen und sei es nur für eine winzigen Augenblick.
Unvermittelt krampfte sich mein Herz zusammen und ich weinte bitterliche Tränen. Ich kann ihn nicht vergessen!
Lupin rückte näher an mich heran und drückte meinen Kopf an seine Brust. Er streichelte mir über den Rücken, wie es auch immer Severus getan hatte und die Tränen flossen noch schnell und unerbittlicher. Ich habe mich wirklich in den Typ verliebt und er... Es sei ein Fehler gewesen. Was heißt ein Fehler? Gott bin ich erbärmlich; ich heul mir hier die Augen aus, nachdem er mich so verstoßen hat... Wie er mich angesehen hat, als ich James Potter erwähnte, so kalt und voller Hass. Wie kann ein Mensch nur so ... Ich wurde von einem Heulkrampf geschüttelt und meine Finger klammerten sich an Lupins Mantel.
Er drückte mich ganz fest an sich und gab mir einen Kuss auf meine Haare.
„Ganz ruhig!“, murmelte er. Ich klammerte mich noch fester an ihn und drückte ihm fast die Luft ab. „Scccchhhhh! Ist ja gut...“ Nun wippte er mit mir hin und her wie eine Wiege samt Kleinkind. Es hatte etwas tröstliches und ich wurde tatsächlich ruhiger. Sein Mantel war völlig zerknittert und an manchen Stellen durchgeweicht. Jedoch hatte ich darauf verzichtet auch noch hinein zu schnäuzen, ich war schließlich ziemlich sozialeingestellt.
„’anke!“, sagte ich noch leicht benommen. Mein Kopf dröhnte und pochte fürchterlich, aber ich ließ von Lupin ab und setzte mich wieder auf.
„Nicht der Rede wert. Geht es dir jetzt wenigstens besser?“
Meine Lippen zuckten kurz hoch und ließen für eine Sekunde ein schmales, gequältes Lächeln entstehen. „... Schon, aber ... (atmete tief durch) es ist alles noch so unwirklich... ich habe das böse Gefühl, dass ich alles hier übertreibe, aber es tut so verdammt weh, wenn ich an ihn denke. Ich fühle mich einfach verraten.“ Meine Stimme klang gefasst, aber ich war es keines Wegs. Mit aller Macht kämpfte ich gegen die Tränen, die wieder in mir aufstiegen. Es waren aber nicht nur Tränen der Trauer, sondern auch der Wut, die mich erfasst hatte. Seit ich das Bett entflammt hatte, war eine kleine Restwut geblieben, die nicht weichen wollte.
„Wollen Sie noch eine Flasche?“, fragte ich als ich sah, dass Lupin seine Flasche geleert hatte. Er nickte und reichte mir die leere, woraufhin er wieder ein volle erhielt.
Noch eine Stunde später saßen wir beide verlassen in einem Korridor. Meine Wodkaflasche war mittlerweile leer und dafür war ich ziemlich angetrunken. Ich kicherte die ganze Zeit und piekste Lupin ständig in die Rippen und er wehrte sich mit Leibeskräften... Ich hätte ihm vielleicht sagen sollen, dass da Alkohol drin ist, war mein letzter klare Gedanken zuvor gewesen. Er hatte den kompletten Sixpack geleert und machte sich anschließend über weitere Alkopops her.
Wir hatten so eine Art Wettstreit begonnen, wer es am häufigsten schafft, dem gegenüber in die Seite zu stoßen. Ich lag mit Punkten vorne, musste aber schon ziemlich gemeine Fingerpiekser einstecken. Morgen würde ich sicher viele blaue Flecke haben!
„Daas is gmein!“, lallte ich beleidigt, nachdem Lupin einen Doppelangriff mit beiden Händen gestartet hatte. „Na warte!“ Ich warf mich lachend auf ihn und ringte mit ihm. Wir rollten durch den Flur, bis ich schließlich auf ihm sitzen blieb. Mit meinen Knien drückte ich seine Hände auf den Boden, aber er war stärker als ich und warf mich von sich ab. Wenige Augenblicke drückte er mich dann mit seinem gesamten Gewicht nach unten. Ich zappelte wie ein Fisch auf dem Land, aber es gab kein Entrinnen; er war zu schwer. Und so gab ich den Widerstand auf und lachte noch stärker.
Er lachte ebenfalls und stieg von mir ab. Da nutzte ich die Gelegenheit und stieß ihn um. Nun war ich wieder oben und er so überrascht, dass er verduzt auf dem Boden liegen blieb. Meine Arme drückten nun seine Arme nach unten und mein Gesicht kam dem seinen gefährlich nah. Mein Lachen erstarb und auch seines versiegte. Eine kleine Ewigkeit starrte ich ihm in die Augen und dann sank mein Gesicht immer tiefer, bis meine Lippen schließlich seinen Mund fanden. Er öffnete den Mund, als wollte er Einwende erheben, aber mein Mund war schneller. Sein kleiner Bart stach mich, doch ich ließ mich davon nicht beirren.
Zuerst geschah gar nichts, dann erwiderte er den Kuss zögerlich und darauf immer schneller und drängender.
Meine Gehirntätigkeit war auf ein Minimum gesunken und ich nahm nur verschwommen wahr, was da wirklich geschah. Mein Körper stand nicht länger unter meiner Kontrolle.
***
Mit einem widerlichen Geschmack im Mund erwachte ich. Meine Augen brannten und ich hatte einen starken Brechreiz im Hals. Völlig benommen versuchte ich mich zu erinnern was geschehen war und wo ich war.
Meine Augen gaben mir keine brauchbaren Informationen, da es dunkel im Raum war. Oder ich wäre blind, was ich aber nicht glaubte. Neben mir hörte ich gleichmäßige Atemzüge. Severus? Vorsichtig taste ich nach links. Jemand lag da, ohne Zweifel, doch wer war es? Was ist passiert? Meine letzte Erinnerung war daran, wie ich mit Lupin ein seltsames Trinkspiel starte. Oh mein Gott! Nein, nein, nein! Lass das bitte alles einen bösen Traum sein! Ich taste weiter und meiner Finger berührten das Gesicht desjenigen, der neben mir lag. Ich musste vorsichtig sein, damit ich ihn nicht weckte. Ich spürte eine Augenbraue und folgte ihr, bis ich die Nase fand und an ihr weiterfuhr. Ich musste stoppen. Er bewegte sich und schien aufzuwachen. Sekunden später war wieder gleichmäßige Atmung zu hören.
Meine Finger zitterten stark und ich musste sie zurückziehen, sonst hätte ich ihn wirklich noch aufgeweckt. Dir ist schon klar, wer das ist, warum also noch rumtasten? Da war sie wieder diese böse Stimme in meinem Kopf, die immer recht hatte.
Vielleicht ist es ja nicht so, wie ich denke... Langsam steckte ich die Hand unter die Decke und hoffte Stoff auf meinem Leib zu ertasten. Doch meine Hoffnung wurde zunichte gemacht, als ich meine Berührungen auf der Haut spürte; da war kein Stoff mehr dazwischen. Meine Hand fuhr zur Seite. Auch er hatte nichts an. Scheiße, scheiße!!! Wie konnte das passieren?... Was bin ich nur für eine Schlampe? Ich fühlte mich schmutzig und ekelte mich vor mir selbst. Ob ich wollte oder nicht, ich hatte das Gefühl Severus betrogen zu haben. Er hat Schluss gemacht!!!, erklang diese Stimme erneut und brachte mir in schmerzliche Erinnerung, wie dies geschehen war. Macht es das besser? Ich war nicht einen Tag von Severus getrennt und mach schon mit dem nächsten rum. Hätte ich wenigstens etwas für Lupin empfunden, aber er war nur Mittel zum Zweck den Schmerz in mir zu stillen. Du hast ihn so benutzt, wie dich Severus benutzt hat!
Ich musste hier raus und zwar sofort. Ich suchte auf dem Boden herum und ertaste meinen Zauberstab.
„Lumos.“, flüsterte und dämmte das Licht mit einem umherliegenden Strumpf von mir. Im Dämmerlicht konnte ich genug sehen um meine Kleider vom Boden aufzusammeln. Ich wagte es jedoch nicht ein Blick auf das Bett zu werfen und schlich zu nahen Tür.
Leise schloss ich die Tür hinter mir und rannte durch die dämmrigen Flure. In diesem Teil des Schlossen war ich noch nie gewesen. Das müssen Lupins Schlafgemächer gewesen sein. Hoffentlich erinnerte er sich an noch weniger wie ich und tat das alles als einen bösen Traum ab.
Ich lief lange um her bis ich endlich die mir bekannten Korridore erreichte. Sir Cadogan schlief noch, als ich am Portraitloch ankam. Er beschimpfte mich wüst, doch mir war das ziemlich egal. Ich habe mit meinem Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste geschlafen! ... Du stehst scheinbar wirklich auf alte Säcke. Es war schon wirklich auffällig: Erst Severus und dann ein Schulkamerad von ihm. Wer wird folgen? Dumbledore? O.k. langsam wird es wirklich eklig! Meinen inneren Monolog fortführend, lief ich gedankenverloren durch den Gemeinschaftsraum und setzte mich auf einen der Sessel. Wenn ich jetzt in den Schlafraum ginge, würde ich alle wecken. Mit diesem Gedanken schlief ich schließlich ein.
***
Ging es mir am frühen Morgen schon übel, war ich morgens am sterben. Alles drehte sich und mir stieß es bitter auf. Ich konnte nicht umhin zur Krankenschwester aufzubrechen, die bei meinen Katersymptomen nur noch den Kopf schüttelte.
Ich bat sie aber keinem von meinem Besuch zu erzählen und machte mich zurück zum Haus der Gryffindors auf. Ich duschte und putzte meine Zähne, während meine Klassenkameraden zum Frühstück gingen. Ich war ganz froh so um den Anblick von Severus oder Lupin oder gar beiden zu kommen. Ich wusste nicht, ob ich Severus die Augen auskratzen wollte, oder ihm untertänigst um Verzeihung bitten sollte. Und bei dem Gedanken an Lupin wurde mir wieder ganz anders. Ich kann ihnen nicht entkommen. Heute habe ich VgddK und Zaubertränke. Wenn ich noch mal blaumache kriege ich Megastress mit McGonagall. Gleich in der erste Stunde würde ich Severus wieder gegenüberstehen. Er wird vermutlich so tun, als sei nie etwas gewesen und mit mir umgehen, als sei ich nur eine seiner Schülerinnen. Doch wie würde Lupin reagieren? Grübeln würde nichts bringen, ich würde es früh genug herausfinden.
Und so kam es auch, dass ich als erste im Kerker saß. Severus würdigte mich natürlich keines Blickes, aber ich war auf Konfrontation aus.
„Professor, ich habe eine Frage!“, schoss meine Hand in die Höhe.
Er ging nicht im mindesten auf meinen Zwischenruf ein.
„Professor! Wenn Sie mal die Güte hätten Ihre Ohren in meine Richtung zu drehen. Ich weiß, es ist schwer ...“ Warum mache ich das eigentlich? Erwarte ich eine ehrliche Antwort darauf, ob er nur mit mir gespielt hat? Und das auch noch, wenn jeden Moment die Schüler hereinkommen können?
„Was ist schwer, Nightingale? Sprechen Sie nur weiter!“
„Schon gut. Ist nicht wichtig.“ Die Klasse strömte nach und nach in den Raum und Severus kam drohend näher.
„Ich weiß nicht, was du vorhast, aber bedenke, es steht mehr auf dem Spiel als meine Karriere!“
„Keine Sorge, ich habe nicht vor irgendwas davon Publik zu machen.“
„Dann ist es ja gut. Es wäre auch äußerst dumm von dir...“, sprach er verschwörerisch und ging wieder zurück zu seinem Pult.
„Was wollte Snape von dir?“, fragte Ron und riskierte einen kurzen Blick auf Severus. „Der sieht aus, als hätte er in eine Zitrone gebissen!“
„Lass gut sein, Ron. Snape und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit, das ist alles.“ Harry lachte verächtlich auf: „Als würde ihn eine andere Meinung interessieren als die eigene.“
„Der ist so gestört! Hasst alle und vermutlich auch sich selbst. - Das würde ich jedenfalls tun, wenn ich so bösartig wäre wie er!“, ergänzte Ron und erntete einen warnenden Blick von Hermine.
„Was? Ist doch so! Snape ist ...“
„WAS bin ich?“ Ron schluckte und starrte furchterfüllt zu Severus, der vor ihm stand. Seine Mine war wie immer versteinert, wenn er unterrichtete. „Was haben Sie denn über mich zu berichten? Ich hoffe nur, dass es nichts schlechtes ist.“
„Nein! Professor, das ist nur ein Missverständnis. Ron wollte nur sagen, dass Sie ein ziemlich guter Lehrer in Zaubertränke sind, wenn auch etwas streng.“, versuchte ich die Situation zu retten.
„Miss Nightingale, ich habe nicht Sie gefragt. Behalten Sie Ihre Ansicht für sich. Es interessiert hier keinen! Fünfzig Punkte Abzug wegen Weasley und zwanzig haben die Gryffindors Ihnen zu verdanken!“
„Das ist unfair!“, protestierte ich.
„Eine Woche nachsitzen!“, sagte er wie aus einer Kanone geschossen. Er will mich quälen! Das ist hier reine Schikane!
„Was habe ich getan, um das zu verdienen?“, murmelte ich und war wieder den Tränen nah. In seine Augen erschien plötzlich etwas Neues und fast hätte ich meinen können, dass Mitleid in ihnen aufgeblitzt war, denn er zog ohne weiteren Kommentar ab und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch.
„Das tut mir echt leid. Das ist meine Schuld gewesen!“, sagte Ron und sah mich schuldbewusst an, aber ich schüttelte nur den Kopf.
„Mach dir nichts draus. Ich habe mir das hier selbst zuzuschreiben!“
***
„Habt Ihr das Kapitel über Rotkappen gelesen?“, war die erste Frage, die Lupin uns stellte, als wir in seinen Klassensaal kamen. Ab und an bemerkte ich, wie er mich anstarrte. Er war sich nicht sicher, ob er seinen Erinnerungen trauen konnte und ich tat nichts um ihn vielleicht wieder an Dinge zu erinnern, die in Vergessenheit geraten sollten. Meine Taktik war nun schlicht die Verdrängung. Was besseres war mir nämlich nicht eingefallen, auch wenn ich wusste, dass das eine blöde Taktik war, die nicht für die Ewigkeit halten würde.
Sie hielt genau für die Dauer des Unterrichts. Lupin bat mich noch einen Moment zu warten, er müsse mit mir noch über meinen Aufsatz sprechen. Von wegen Aufsatz!
Alle hatte den Klassensaal verlassen und Lupin kam auf mich zu. In seinem Gesicht arbeitete es.
„Was habe ich gestern getrunken? War da etwa Alkohol drin?“ Er müsste das eigentlich gemerkt haben, als er total kindisch wurde.
„Jaaah. Ich dachte, dass wüssten Sie.“ Verächtlich lachte er. „Woher? Ich bin keine Muggelgetränke gewöhnt und ich habe den Alkohol nicht geschmeckt.“ Das musste ich ihm wenigstens zugestehen: In Alkopops schmeckte man wirklich nicht immer den Alkohol.
Er blickte sich verschwörerisch um, wollte er nur sicher gehen, dass niemand mehr im Saal wäre und ihn vielleicht hören konnte.
„Was ist gestern passiert?“ Ich verlor sofort jegliche Farbe aus meinem Gesicht. Ich gab vor nichts zu wissen.
„Ach und wie erklärst du dir das?“ Er zog seinen Mantel, seine Jacke und sein Hemd aus und auf seinem Rücken waren tiefe Kratzer zu erkennen. In Windeseile legte er sich wieder all seine Kleider an und sah mich herausfordernd an.
„Ich kann mich wirklich an nichts mehr erinnern. Heute Morgen bin ich neben Ihnen aufgewacht und habe mich aus dem Staub gemacht. Ich hatte Panik...“ Lupin legte sich beide Hände aufs Gesicht und atmete tief durch.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte er mich und fixierte mein Gesicht.
„Machen? Was sollen wir machen? Das war ein Fehler und es wird nie wieder vorkommen.“
„Ich bin aber dein Lehrer!“, warf er aufgebracht dazwischen, doch mich beeindruckte das nicht:
„Das ist Severus auch. Ich bin zwar eine Schülerin, aber schon erwachsen und wir sollten es auch wie zwei Erwachsene handhaben.“
„Also die ganze Sache totschweigen?“ Er schüttelte den Kopf und ging einige Schritte in Richtung seines Pultes zurück, bis er sich wieder zu mir umdrehte und auf mich zustapfte.
„Ich kann das nicht mit meinem Gewissen ausmachen, tut mir leid!“
„Und was sollen wir dann Ihrer Meinung nach tun? Zum Direktor hinrennen und sagen: Hey, wir habens getan (*sing* zum aller ersten Mal... *sing*)! Schmeißen Sie uns beide von der Schule! – Perfekter Plan!“, sagte ich sarkastisch. „Ihr Gewissen in Ehren, aber wir sollten aus der Sache keine große Affäre machen. Wir waren beide angetrunken.“
„Und du kannst das so einfach abtun? ... Ach und duz mich endlich! Wir waren immerhin intim miteinander... Warum... Hach, warum muss mir so etwas passieren? - Aber ich glaube du hast wirklich recht: Es bringt nichts, wenn ich meinen Job aus dem Fenster schmeiße und du deine schulische Kariere hier beenden musst. So wenig mir das behagt, bin ich auch für deine Verschweigtaktik.“ Ich nickte erleichtert.
„Aber glaub mir, ich kann es auch nicht so leicht abtun. Ich muss das jetzt auch erst einmal verdauen! Ich bin niemand, der so etwas öfters tut.“, wollte ich noch klarstellen. Ich fühlte mich schon schmutzig genug und Lupin... Remus musste nicht noch denken, dass ich ein kleiner männermordender Vamp wäre.
„Ich auch nicht. Bei Merlin, ich auch nicht!“, murmelte er mit geheimnisvollem Lächeln.
„Also Freunde?“, fragte ich und reichte ihm meine Hand. Er zögerte kurz, drückte dann aber meine Hand herzlich. „Wir sprechen letzte Nacht nie wieder an... Eine Frage hätte ich aber noch: An was kannst du dich erinnern?“ Das war wirklich etwas, das mich brennend interessierte, da ich keinerlei Erinnerung an letzte Nacht besaß.
Er grinste vielsagend, doch schwieg. „Der Gentleman genießt und schweigt!“, murmelte er nach einer Weile verschwörerisch. „Also Freunde! Kein Wort mehr soll über meine Lippen kommen!“ Er ließ schließlich meine Hand los und ich nickte geistesabwesend. Warum hat der eben so blöd gegrinst?
„Du kannst jetzt gehen!“ Ich kratzte mich am Kopf und stampfte davon. Warum zum Teufel hat der so blöd gegrinst? Argh... Ich würde nur zu gerne wissen, an was er sich erinnert. Wenn ich etwas nicht leiden konnte, dann Geheimnisse, die mich betrafen. Das schönste war dann immer, wenn Leute etwas andeuteten und dann schwiegen, wie Remus es gerade eben so eindrucksvoll getan hatte. Ich bin wie ein Hund, der Blut geleckt hat, wenn es um so etwas geht!!! ... Oh, ich muss mich beeilen. Flicktwicks Stunde fängt jeden Moment an.
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