
von Eva Nightingale
Die Tage und Wochen vergingen und Weihnachten rückte immer näher. Tatsächlich hatte Remus bisher sein Versprechen gehalten und nicht ein Wort mehr von jener Nacht erwähnt. Selbst wenn wir zufälligerweise mal irgendwo alleine waren, sprach er mich nicht darauf an. Ich wiederum, stand auch zu meinem Versprechen.
Alles in allem war wohl alles wieder beim Alten, wenn man die Sache mit Severus mal nicht bedachte. Er hatte es tatsächlich geschafft, mich völlig zu ignorieren und auch in den Nachsitzstunden, der er mir aufgebrummt hatte, sprach er nicht ein versöhnliches Wort mit mir, geschweige denn machte er überhaupt den Mund auf.
Ich war in den Kerker gekommen, er legte mir etwas zum Abschreiben hin und geschlagene zwei Stunden schwiegen wir uns an. Fünf Tage die Woche. Mit jedem Tag wurde meine Wut und meine Verzweiflung größer. Ich wusste nicht, wie ich mich im gegenüber verhalten sollte, wusste nicht, was in ihm vorging.
Trotz meines abwesenden Geisteszustandes, konzentrierte ich mich intensiv auf den Unterricht. Mehr denn je zuvor wollte ich in der Zaubererwelt bestehen können. Es war eine Trotzreaktion auf das, das Severus zu mir gesagt hatte. Ich wollte ihm zeigen, dass ich ihn nicht brauchte um hier zurechtzufinden. Und dabei brauchte ich ihn mehr denn je. Obwohl ich wütend auf ihn war, vermisste ich ihn schrecklich. Je öfter ich ihn sah desto fester wurde die Schraubzwinge um mein Herz zugedreht. Immer ein Stückchen mehr. Es presste die Liebe und die Leidenschaft aus mir heraus und hinterließ nur eine leere Hülle. Remus half mir so gut es ging; er sprach mit mir, tröstete mich. Aber er hatte auch andere Dinge zu tun. Er traf sich öfters mit Harry und dann unterrichte er ihn in irgendetwas. Ich fragte nicht nach, weil es mich nichts anging.
Es war der letzte Tag vor den Weihnachtsferien. Viele Schüler waren nach Hause gefahren, doch ich war hier geblieben und würde erst sehr viel später apparieren. Es war eigentlich schon seltsam, dass ich eine Genehmigung erhalten hatte, dass ich apparieren durfte, immerhin hatte ich keine diesbezügliche Prüfung abgelegt. Aber was war bei mir schon normal? Ich war volljährig und deshalb hatte man vermutlich keine Bedenken, dass ich mit dem Apparieren zurechtkam. Wahrscheinlich hatte noch Dumbledore ein gutes Wort für mich eingelegt. Seit jenem Tag, an dem ich halbtot in die Schule zurückgekrochen war, hatte ich ihn nicht mehr gesehen, abgesehen vom Frühstück und Mittagessen.
Harry, Hermine und Ron waren wie ich in Hogwarts zurückgeblieben. Die drei, Neville, ich und die Geschwister von Ron waren der traurige Rest der Gryffindorer. Ron hatte jedoch eine menge Geschwister: Eine Schwester und drei Brüder, die auch hier zur Schule gingen, aber er erzählte mir auch einmal von zwei weiteren Brüdern. Sechs Kinder! Seine Mutter musste ja ein ganz schöner Brutkasten sein! Fred und George waren Zwillinge und zwei Klassenstufen über uns. Ginny, Rons Schwester, war in der zweiten Klasse und Percy war in der siebten oder so. Mit Percy hatte ich ja auch meine liebe Vergangenheit. Noch immer hatte ich nicht rausgefunden, was er gegen mich hatte.
Er war Vertrauensschüler und verdammt stolz darauf und dazu kam, dass er mächtig von sich selbst überzeugt war. Hey, dann haben Severus und er ja was gemeinsam! Schlechter Gedanke! - Auch wenn ich Severus nicht verdrängen konnte, war es mir manchmal möglich nicht ganz so oft an ihn zu denken und ich kam etwas zur Ruhe, was meine Gefühle betraf. Die Zeit heilt alle Wunden. Ppph! Diese Wunde wollte sich jedoch nicht schließen und ständig kam der kleine Severus herbei und streute noch artig Salz hinein. OH, dabei war er ja so gut! Es war schwer für mich, da ich ihn ja so gut wie jeden Tag sah und der pure Anblick von ihm war wie Gift für mich. Hätte ich wenigstens gesehen, dass es ihm genauso geht, wie mir; dass er leidet, doch ... er war noch kälter als je zuvor. Die Arroganz schien ihm aus den Augen und jedes Wort von ihm war gespickt mit Bösartigkeit. Eigentlich müsste ich ja froh sein, dass ich ihn los bin! Doch dann kamen immer die Gedanken hoch, an schönere Tage und da gab es reichlich davon.
Und obwohl ich seine Taten und sein Verhalten sah, war immer noch eine kleine Hoffnung da, dass es mal wieder so werden würde, wie vor unserem Streit. Es war ja noch nicht einmal ein Streit! Dafür hatten wir niemals die Gelegenheit. Er machte einfach Schluss, weil ich bei etwas nachharkte. Das ist doch wohl lächerlich! Die Art wie er sich von mir getrennt hatte, war für mich weiterhin ein rotes Tuch und ich zermaterte mir mein Hirn, ob da vielleicht noch mehr gewesen war, schon früher. Vorzeichen? Ich hatte keine gesehen. ... Ich hasste mich selbst dafür, dass ich immer noch so an ihm hing. Seine erste große Liebe vergisst man nicht... War ich wirklich nur ein Spielzeug für ihn gewesen, oder hatte er mich auch einmal wirklich geliebt? Hatte er seine Worte jemals ernstgenommen? Es ist meine Schuld, dass das alles so gelaufen ist. Ich habe mich zu kindisch verhalten! – ach was! Ich bin wie ich bin, ich bin wer ich bin und wenn er mich nicht so geliebt hat, wie ich mich darstellte, dann liebte er mich überhaupt nicht.
Ich saß wie immer im Sessel am Fenster und starrte in das schneebedeckte Land hinaus. Das Feuer loderte im Kamin und ein angenehmes Knistern war wahrzunehmen, sowie die Wärme, die das Feuer ausstrahlte.
„Eva?“ Neville war neben meinem Sessel aufgetaucht und fragte mich, ob ich eine Runde mit ihm Zauberschach spielen würde. Ich sagte zögerlich zu. „Gut!“ Er lief zu dem Tisch, auf dem schon ein Schachbrett aufgebaut war. Ähm, eigentlich sollte ich ihm sagen, dass ich keine Schach beherrsche.
„Du musst es mir aber beibringen, Neville!“ Er erklärte mir ausführlich, wie die Regeln waren und was für Züge ich machen konnte. Ich versuchte ihm zwar zuzuhören, aber meine Gedanken glitten stets wieder zu Severus ab. Ich musste mit ihm sprechen; ich brauchte Antworten.
„Neville? Macht es dir was aus, wenn wir hier aufhören? Ich muss noch mit Professor Snape sprechen!“ Schüchtern nickte Neville und ich stand auf. Ich schlug ihm auf die Schulter und mit einem mulmigen Gefühl machte ich mich so schließlich zu Severus’ Büro auf.
Tock, Tock, Tock. Wegen der alten Tür, klang das Klopfen hohl. Ich war sehr angespannt und jede Sekunde kam mir wie Tage vor. Ich trommelte mit dem Finger gegen meinen Oberschenkel. Wann machst er endlich die Tür auf... Langsam aber sicher kroch die Panik in mir hoch. Och, das ist eine blöde Idee, ich sollte mich aus dem Staub machen.. Ich geh jetzt einfach... Ich hatte Muffensausen bekommen und wollte verschwinden, ehe er mich sehen würde.
Ich drehte mich auf dem Absatz um und wollte davon eilen, als die Tür ruckartig geöffnet wurde.
„Was willst du denn hier?“, empfing mich Severus mit seiner eisigen Stimme. Ich atmete tief durch und griff mir an die Stirn.
„Nichts. Es war ein Fehler herzukommen... Vergiss, dass ich da war.“ Er musterte mich misstrauisch. „Komm rein!“, befahl er mir mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Mein Magen verkrampfte sich, als ich ihm in sein Büro folgte. Ich nahm auf dem ausladenden Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz und sah mich nervös im Raum um.
„Oh, du hast saubergemacht.“, stellte ich unnötigerweise fest. Die Gläser, die zuvor von einer dicken Staubschicht verziert war, waren jetzt staubfrei und penibel geordnet.
„Das war schon lange nötig gewesen.“ Ich schluckte; die Zweideutigkeit in seinem Satz war mir dabei nicht verborgen geblieben. „Warum bist du hier, Eva?“
„Das frage ich mich mittlerweile auch.“, lachte ich todunglücklich auf, dann vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen. „Ich habe mich mit aller Gewalt an Erinnerungen geklammert und ich denke... jetzt ist es an der Zeit, die Vergangenheit ruhen zulassen.“ Ich blickte auf und sah ihn eindringlichst an. So sehr ich auch hoffte irgendeine Gefühlregung in ihm wahrzunehmen, so groß war auch die Enttäuschung in diese kalte Maske zu sehen.
„Deshalb bist du hier? Um mir das zu sagen? – Dann war dein Besuch wirklich unnötig!“
„Nein, keineswegs. Er war die Art von Realitätsschock, den ich gebraucht hatte. Lassen wir die Vergangenheit endlich ruhen... Leb wohl!“
„Was hast du vor? Du willst dir doch etwa nichts antun?“ Ich lächelte ihn traurig an.
„Nein... Du bist ziemlich vermessen zu glauben, dass ich mir deinetwegen etwas antun würde... Ich denke, du hattest Recht; Es war wirklich ein Fehler, jemals etwas mit mir angefangen zu haben!“, sagte ich bitter und stand vom Stuhl auf.
„Eva...“ Ich sah ihn nicht an und ließ ihm keine Chance auszusprechen. Ich hatte ihm mehr Stärke entgegengebracht, als ich eigentlich besaß und nun war mir wieder zum Heulen zumute. Aber ich wollte mir nicht selber untreu werden: Ich verließ sein Büro im Kerker und verbrach mir selbst, nie wieder jemanden so nah an mich heran kommen zu lassen.
***
Der Zaubertränkelehrer von Hogwarts, Severus Snape, saß in seinem Büro, als es plötzlich an der Tür klopfte. Sein Atem beschleunigte sich unmerklich. Eva? Sein Herz krampfte sich bei dieser Vorahnung zusammen.
Sie durfte nichts von seinem Gefühlschaos sehen, das ihn beherrschte. Er atmete tief durch und begab sich zur Tür.
Es gab so viele Dinge, die er ihr sagen wollte, so viele Dinge, die er erklären wollte, aber sein Stolz ließ dies nicht zu.
Im Laufe der Jahre hatte er einen Schutzschild um sich herum aufgebaut. Die Zeit in der Schule und die daraus resultierende Zeit als Todesser hatten ihn abgestumpft und erst diese lebenslustige und dennoch nachdenkliche Achtzehnjährige, hatte es geschafft diesen Schutzschild zu durchdringen. Wie er sich ihr gegenüber verhielt gefiel ihm nicht. Er war schwach geworden.
Er öffnete die Tür und es war keine Überraschung, wer draußen stand. Das Mädchen, dass er ein halbes Jahr zuvor in der Winkelgasse getroffen hatte, war gerade wieder im Begriff zu gehen.
Severus’ Stimme klang härter als er es beabsichtig hatte, während er fragte, was sie hier wolle. Sie schien sich unwohl in ihrer Haut zu fühlen.
Nach einem kurzen Geplänkel führte er sie schließlich in sein Büro und nimmt auf seinem Sessel Platz. Äußerlich sah man nichts von seiner innerlichen Spannung. Seine Hände waren nass und er musste sie unter dem Schreibtisch verbergen.
Augenblicke später, war Severus’ Anspannung ins unermessliche gestiegen. Es war sehr schwer so unbarmherzig und kalt Eva gegenüber zu sein.
Sie hatte angedeutet sich etwas anzutun. `Bleib ruhig, alter Junge...` Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er hielt die Luft an, als sie zu sprechen begann:
„Nein... Du bist ziemlich vermessen zu glauben - “ Er atmete erleichtert aus.
„ - dass ich mir deinetwegen etwas antun würde... Ich denke, du hattest Recht; Es war wirklich ein Fehler, jemals etwas mit mir angefangen zu haben!“, ihre Stimme war brüchig und einen einzelne silbernen Träne glitzerte in ihren Augen.
„Eva... Du muss es verstehen. Ich tue dies nur, weil ich dich so sehr liebe.“ Sie hat den letzten Teil nicht mehr gehört, weil sie das Büro verlassen hatte. Severus ließ sich auf seinen Stuhl fallen und vergrub nun sein Gesicht in seinen Hände, wie sie es zuvor auch getan hatte.
***
Wie ich durch die Korridore ging, sah wohl eher nach einer Flucht aus. Aber seltsamerweise war ich weder verzweifelt, noch badete ich in Selbstmitleid. Ich fühlte mich befreit, wenn auch etwas schwermütig. Natürlich würde ich nach solch einem Ereignis nicht in die Luft springen und „Yippie“ rufen, aber meine gleichgültige Stimmung erschreckte mich schon ein bisschen..
Mein Weg führte mich zurück in den Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Neville saß immer noch über dem Schachbrett und übte einige Züge.
„Hey Neville! Wie wär’s mit einer Partie Zauberschach?“ Auf seinem runden Gesicht erschien ein breites Grinsen.
„Na klar!“ Er baute die Figuren auf und versuchte mir die Regeln zu erklären. Doch leider schien er auch im Erklären auch nicht besonders talentiert zu sein. So musste Ron kommen und erklärte mir schließlich das Spiel. Dank Rons Hilfe besiegte ich Neville schon im zweiten Spiel, sodass er plötzlich keine Lust mehr hatte, zu spielen.
Ich stand vom Stuhl auf und ging eine Runde durch den Raum. Hermine war wieder tief in ihre Bücher vertieft, Harry las auch in einem Buch (Quidditch im Wandel der Zeit) und Ron streichelte seine fette Ratte. Sie hatte in der letzten Zeit wohl sehr gelitten, denn an manchen Stellen fiel ihr das Fell büschelweise aus.
„Ron, geht es deiner Ratte nicht gut?“, fragte ich, den schlechten Zustand des Tieres musternd. Er warf Hermine einen bösen Blick zu.
„Da musst du die da fragen! Ihre blöde Katze will Krätze ständig auf die Reise durch ihren Magen schicken!“ Hermine sah von ihrem Buch nicht auf, obwohl ich sehen konnte, wie sie zusammen gezuckt war, als Ron auf sie gezeigt hatte.
„Krummbein hat deiner Ratte noch nie etwas angetan.“, murmelte sie über die Seiten hinweg.
Ron gab einen merkwürdigen Laut von sich und raste aus dem Raum in Richtung Schlafsäle der Jungen. Ich sah ihm verwirrt nach. Harry löste sich kurz von seinem Buch und erklärte mir:
„Ron glaubt, dass Hermines Katze seine Ratte fressen will und nun ... na ja... Du kannst ja sehen, wie nett sie zueinander sind!“ Ich legte meine Stirn in Falten und zuckte mit den Schultern.
„Jedem das Seine.“ Harry zuckte auch mit den Schultern und widmete sich wieder dem Buch vor sich.
Fred und George, Rons Brüder, saßen in einer stillen Ecke und sahen sich verschwörerisch im Raum um, bevor sie begannen miteinander zu flüstern. Bestimmt würden sie wieder irgend einen Streich aushecken. Die beiden waren immer für eine Überraschung gut und machten Filch das Leben zur Hölle. Wäre es dies ohnehin nicht schon für diesen missmutigen, alten Kauz gewesen. Er hasste die Schüler und hasste sich selbst und eigentlich hätte man ihn bemitleiden können, wäre er nicht immer so bösartig gewesen. Ihm Streiche zu spielen war eigentlich schon ein Dienst an der Gemeinschaft.
Wenn wir gerade bei unbeliebten Personen sind: Malfoy verbrachte auch seine Ferien in Hogwarts. Es war unglaublich wie ein kleiner Junge so von sich selbst überzeugt war und auf andere Menschen herab sah und sie für minderwertig empfand. Kleines, krankes Bürschchen. Nichtsdestotrotz war er jemand der Macht in Hogwarts hatte und wenn nicht er, so zumindest sein Vater. Unter Arroganz und Hochnäsigkeit würde wohl im Lexikon sein Bild zu finden sein.
Hätte ich es nicht besser gewusst und würde blind sein, würde ich denken, Percy Weasley wäre Dracos Bruder. Zwar versuchte er stets diplomatisch zu sein, aber es hielt ihn nicht davon ab, sich für mächtig wichtig zu halten.
Und als hätte jemand meine Gedanken erraten, stand plötzlich Percy vor mir und klopfte mit dem Fuße.
„Was ist denn, Percy, klemmt die Hose wieder?“ Die Sitzenden mussten sich ein Lachen verkneifen, aber ein Schmunzeln konnte man auf ihren Gesichtern erkennen.
„Ich warne dich, Nightingale, ich beobachte dich und wenn ich sehe, dass du unserem Haus im Wege stehst...“ Er sah mich drohend an, doch ich stämmte nur die Hände in Hüfte.
„Was dann? - Percy, ich hab noch immer keine Ahnung, warum du mich nicht leiden kannst, aber mir zu drohen ist kein guter Weg für die Zukunft.“, zischte ich ihn an. Dadurch, dass ich genauso groß wie Percy war, sah ich wohl ziemlich bedrohlich aus für ihn. Er funkelte mich kurz böse an und ging dann mit wehender Robe davon.
„Weiß einer, was der verdammte Kerl gegen mich hat?“, fragte ich alle, die im Raum waren, doch diese sahen lieber betreten zum Boden oder Löcher in die Luft. „Fein“, murmelte ich und verließ auch den Gemeinschaftsraum in Richtung der Ländereien von Hogwarts.
Ich piff eine merkwürdige Melodie, die ich irgendwo einmal aufgeschnappt hatte. Trotz der Tatsache, das ich eigentlich gar nicht richtig pfeifen konnte und es nur schrille Töne waren, die meine Mund verließen, pfiff ich munter weiter.
„Was soll der Krach hier?“ Oh Freude, mein bester Freund, Malfoy stand mit seinen Menschenaffen da und versperrte mir den Weg. „Du solltest vielleicht mal pfeifen lernen, das hier klingt ja wie das Geschrei von Alraunen!“ Ich hatte nur ein müdes Lächeln für ihn übrig und wollte an den Dreien vorbeigehen. Es geschah dann alles schnell: Draco brüllte einen Befehl und Crabbe und Goyle griffen überraschend nach meinen Armen. Ich versuchte mich loszureißen, aber gegen die gewaltigen Arme der beiden hatte ich keine Chance. Draco war vor mich getreten und zeigte mit dem gezogenen Zauberstab auf mich.
„Mal sehen, wie groß deine Klappe jetzt ist!“ In seinen Augen blitzte es gefährlich auf.
„TARANTALLEGRA!“ Meine Beine machten sich selbstständig und ich tanzte über den Korridor. „Draco, ich schwöre, ich werde mich rächen!“, brachte ich nach drei Drehungen heraus. Meine Füße steppten über den Boden. Der Schweiß rann mir über die Stirn und mein Herz pochte schnell. Lange würde ich dies nicht durchhalten können.
„Finite!“, kam es von hinten. Ein Strahl traf meine Beine und sie hörte urplötzlich auf zu zappeln. Derart überrascht ließen mich Crabbe und Goyle los und ich stürzte zu Boden.
„Mr. Malfoy... So leid es mir tut: Zehn Punkte Abzug für Slytherin!“ 10 Punkte?! Na toll und das nächste mal bringt er mich um und dann bekommt Slytherin vielleicht sogar 20 Punkte abgezogen! – Niemand konnte so vermessen sein und seinem eigenen Haus derart übertrieben loyal eingestellt sein wie: Severus. „Sie können jetzt gehen!“ Dies war an die drei Slytherins gewandt. Draco und seine Freunde verließen diesen Flurabschnitt. Aber Draco konnte nicht wiederstehen und verpasste mir einen Tritt in die Magengrube. Ich keuchte und rollte mich zu einer Kugel zusammen.
Nachdem die drei endlich weg waren, kam Severus und half mir auf.
„Alles in Ordnung?“
„Mir geht es prima!“, sagte ich zähneknirschend. „... Einfach super!“ Ich schlug nach einer Strähne, die mir in den Augen hang, erwischte aber nur meinen Kopf. Na toll! Warum hasst du mich, Gott? Dies war eine sehr berechtigte Frage für jemanden, dessen Tag echt immer miserabler zu werden schien. Ich hatte nicht Übellust meine Wut an etwas auszulassen – oder an jemandem.
„Ich danke dir zwar, dass du mir geholfen hast, aber ...“ Ich stoppte. Nein, nein, an ihm würde ich besser nicht meine Laune auslassen. Stattdessen schnaubte ich wie ein wildgewordner Büffel und stampfte davon. Severus blieb stehen und sah mir hinterher.
Ohhh, dass wird mir der kleine Bastard büßen! Und ich weiß schon, wer mir dabei helfen kann!
Die Zeiten würden sich ändern. Nun wäre es an der Zeit einmal zu zeigen, zu was ich fähig war. Ich musste mir erst wieder mein Icequeen Image hier aufbauen, aber ich war zuversichtlich, was dies betreffen würde. Für Severus also eine Portion Kalte-Schulter-Zeigen und für den kleinen Malfoy Spross eine kleine, aber feine, süße Portion RACHE!
„Harry!“, schrie ich in den Gemeinschaftsraum mit herrischer Stimme hinein. Ich fand alle genauso vor, wie ich sie Minuten zuvor verlassen hatte. Alle sahen mich erschrocken an, aber der, der mit der geschocktesten Mine, war bei weitem Harry. Ihm brannte sofort die Frage auf dem Gesicht: ‚Was hab ich denn getan?’
Mit einem satanischen Leuchten in den Augen stiefelte ich auf ihn zu, blieb kurz vor ihm stehen und winkte ihn mit meinem Zeigefinger zu mir.
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