
von Eva Nightingale
Mein Plan war einfach und doch so genial! Aber für die Durchführung würde man einige sehr spezielle Dinge benötigen.
Harry war am Anfang wenig begeistert, doch nach einigen Überzeugungsversuchen willigte er ein, mir zu helfen. Ihn brauchte ich zumindest für die Affäre ’Draco’.
Mir war natürlich nicht entgangen, dass eines der Slytherinmädchen tierisch auf Draco stand. Sie war ein richtiger Groupie von ihm; rannte ihm immer hinterher; lachte, wenn er Witze machte; giftete gegen die Leute, gegen die auch er etwas hatte. Es war wirklich niedlich! Nur zu blöd, dass das Dracolein nichts von ihr zu wollen schien.
Ich hatte in einem Buch mal etwas über einen Trank gehört, mit dessen Hilfe man sich in eine andere Person verwandeln konnte: Der Vielsafttrank! So hatte ich folgende Idee für das Dracoproblem: Ich würde mir eine Probe (was auch immer das sein sollte) von der lieben Pansy Pakinson besorgen und Draco mal so richtig einheizen!
Am nächsten Tag sollten die Vorbereitungen beginnen.
Aber natürlich kam wieder alles anders: Anstatt, dass wir die Racheaktion starten konnten (sprich Zutaten zu besorgen), war etwas geschehen, dass alles verändern sollte:
An jenem Abend – alle waren schon schlafen gegangen – verschaffte sich jemand Eintritt in den Schlafraum der Jungen von Gryffindor. Dieser jemand, war ein gesuchter Mörder. Sein Name: Sirius Black.
Die Jungen schliefen alle tief und fest, als sie plötzlich ein markerschütternder Schrei hochschrecken ließ. Ron Weasley schrie wie am Spieß und war ganz weiß im Gesicht. Er habe Black gesehen, schrie er. Zuerst wollte ihm niemand glauben, selbst sein eigener Bruder, Percy, tat es als einen Alptraum ab. Doch als McGonagall in die Schlafsäle kam, um dem Geschrei ein Ende zu setzen, traf sie fast der Schlag: Ron hatte nämlich Beweise für seine Äußerung. Die kompletten Vorhänge waren aufgeschlitzt.
In dieser Nacht schlief keiner mehr...
***
Diese Nacht war nicht ohne Folgen beblieben. Die Lehrer durchsuchten die ganze Schule, von oben nach unten, aber es war keine Spur von dem Angreifer zu finden. Das alles war ein großes Rätsel: Trotz der Dementoren und der ganzen Schutzmaßnahmen hatte es Black tatsächlich bis ins Innere des Schlosses geschafft.
Sir Cadogan, der Black sogar reingelassen hatte (Neville hatte die ganzen Passwörter der Woche auf einem Zettelchen stehen gehabt), wurde abgehangen und durch das restaurierte Bildnis der fetten Dame ersetzt. Niemand verzieh ihm, dass er den Mörder hereingelassen hatte, weil dieser die gesamten Passwörter der Woche vorgelesen hatte (die natürlich auf Nevilles Zettel standen...). Aber nicht nur Sir Cadogan war fortan ein Geächteter: Waren bisher die Schüler und Lehrer auf Neville schlecht zu sprechen, hassten sie nun schlussendlich. Der arme Neville, hatte wirklich kein leichtes Los gezogen...
Ich meinerseits war bester Laune. Ich hatte lange und ausgiebig nachgedacht und war mit mir übereingekommen, dass es nichts bringen würde, so weiterzumachen wie bisher. Ich hatte meinen kompletten Elan verloren und nicht einmal gesehen, ob ich das wirklich war, der so handelte. Ich wollte endlich wieder leben.
Aber ob ich wollte, oder nicht, der Anblick von Severus stach mir jedes mal erneut in mein Herz. Das Gute an der Sache war, dass ich es aber nicht zeigte. Ich war cooool, verdammt cool! (Ice, ice, baby /sing/)
Und was den guten Draco betraf... Nun ich würde ihn keinesfalls vergessen.
Harry hatte mich einmal gefragt, warum mich Draco so sehr hasste und meine Antwort war: „Draco fühlt sich von mir bedroht, sowohl intellektuell wie auch reell. Dadurch, dass ich ihn nicht ernstnehme und keine Angst vor seinem Vater habe, stehe ich auf seiner Abschussliste. Klar ist das bei dir, Hermine und Ron auch so, aber gegen mich kann man leichter gewinnen. Ich bin hier völlig allein und kein Dumbledore hält schützend seine Hand über mich. Wenn dem berühmten Harry Potter etwas zustoßen würde; oh Graus! Bei mir dagegen interessiert es keinen. Ich bin nur ein wertloses Schlammblut, ohne Geschichte und ohne Freunde.“, hatte ich ihm geantwortet. Danach hatte er sich entschlossen, mir bei meiner Racheaktion zu helfen...
Lange hatte ich auch überlegt, ob ich meine kleine Rache wirklich über den Vielsafttrank ausüben sollte. Vielleicht doch etwas ... zzch... subtileres. Doch das ganze hatte noch Zeit. Ich würde die Sache nicht vergessen und auf leisen Sohlen rächt es sich besser. Mehr Zeit zum Planen.
Ich hatte mich entschlossen, Weihnachten doch nicht nach Hause zu gehen. Und wenn ich ehrlich war, wusste ich auch wieso... Es war wie immer die Angst. Aber meine Entscheidung stand und so freute ich mich auf besinnliche Weihnachten in Hogwarts.
***
„Jingle bells, jingel bells. Jingels all the way...“, hallte es durch die Zimmer und Flure. Der große Saal war festlich geschmückt worden und ein riesengroßer Tannenbaum prangte in seiner Mitte.
Ich saß im Gemeinschaftsraum und schrieb ganz artig Weihnachtskarten. Mein Nacken war steif geworden von der gebückten Haltung und ich ließ in ab und an mit einer kreisenden Bewegung knacken. Als dies jedoch nichts mehr half, legte ich Karten und Stifte weg und massierte meinen Nacken. So ein Masseur wäre jetzt schon was Feines! Und ein leckeres Schnittchen wäre auch nicht verkehrt! … Und da war er wieder in meinen Gedanken. Oh man, nicht an Severus denken, nein, nein… Manchmal glaubte ich, man hätte mich verflucht ihn einfach nicht mehr vergessen zu können. Gibt es einen Fluch, der das schafft?
Ich wusste, dass das alles krank war, aber es änderte nichts an der Tatsache, dass ich noch immer in ihn verliebt war.
Die Frage, ob ich ihm was schenken sollte, war quälend in mein Bewusstsein gedrängt. Die nächste Frage war dann, was es sein sollte. Ich würde nach Hogsmeade gehen und die Geschenke für meine Familie und Freunde kaufen und vielleicht auch etwas passendes für ihn finden. Natürlich hoffte ich, dass man dort auch nichtmagische Sachen kaufen konnte. Im Notfall wären Süßigkeiten immer gut, solange diese nicht bissen oder herumhüpften. Ansonsten müsste ich nach London apparieren und dort die Geschenke kaufen.
Am nächsten Tag war ich in Hogsmeade. Die Straßen des kleinen Dorfes waren vollgestopft mit Leuten, die ihren Weihnachtseinkäufen nachgingen.
Drei Frauen stritten sich wie wild, wer nun die Robe bekommen würde. Was daran so toll sein sollte… Chrm. Es war jedenfalls nicht mein Geschmack. Jedoch musste ich auch zugeben, dass sich das Modeempfinden der Zaubererwelt insgesamt meinem Verständnis entzog. Im Herzen war ich halt noch ein Muggel, was Kleidung und Accesoirs betraf. Diese Szene half mir mit meiner Entscheidung, auf jeden Fall nachher noch in London vorbeizuschauen.
In der hintersten Ecke von Hogsmeade fand ich schließlich einen Schmuckladen. Er war voll mit magischen Amuletten und Broschen, Zauberringen und so weiter und so fort. Wenn so viele Verwendungszwecke in diesen Schmuckstücken sein konnte und dies hier nur weiße Magie wiederspiegelte, dann wollte ich nicht wissen, wie viele es zusammen mit der schwarzen Magie sein würden.
Ein Amulett hatte gleich mein Interesse an ihm geweckt. Es war silbern und glich einem keltischen Kreuz. Auf der Rückseite waren Runen eingearbeitet und in der Mitte war eine milchfarbene Kugel. Teilweise war diese Kugel auch etwas dunkler und wurde grau. Es sah aus, als seien kleine Wolken darin.
„Was ist das für eine Kette?“ Die Verkäuferin bekam ein Glitzern in die Augen.
„Oh dies, Lady, ist ein Amorlyhte. - Ein Stein für Liebende.“, ergänzte sie, als sie meinen unwissenden Ausdruck im Gesicht sah. „Einer der Liebenden muss einen Tropfen seines Blutes darauf träufeln und der Amorlyhte wird schwarz und strahlt ein sanftes, blaues Licht aus, solange wie die Liebe in ihrem oder seinem Herzen brennt. Dafür muss die große Liebe aber auch im selben Raum sein.“ Das Grinsen der Verkäuferin wurde breiter. Wenn dieses Amulett so anzuwenden ist, müsste es auch möglich sein, es umzukehren. Ich schenke ihm das Amulette und dadurch bezieht sich das eventuelle Leuchten auch auf mich.
„Kann man diesen Stein auch in eine andere Fassung machen?“ So sehr mir das Kreuz gefiel, wollte ich etwas neutraleres, auf dem man den Stein vielleicht nicht gleich erkennen sollte. „Vielleicht kann man den Stein als Herzstück, unsichtbar hinter einer Silberkugel, in der winzige Löcher darin sind, verstecken?“ Wenn es wirklich leuchten sollte, dann würde es ihm nicht gleich auffallen.
Die Verkäuferin nickte, wobei sich ihre Mine etwas verdüstert hatte. „Moment!“, murmelte sie und huschte in den hinteren Raum des Ladens. Die Einsicht wurde mir durch eine alte, massive Tür versperrt.
Es dauerte nicht lange und ich hörte seltsames Rumoren aus diesem Raum. Lautes Zischen und Brodeln war zu vernehmen. Ein kurzer Aufschrei wie von einer Bangee erschall. Ich sah skeptisch zur Tür. Was macht die da drin?, fragte ich mich. Danach konnte man wieder das gewohnte Brodeln und Zischen vernehmen.
Die Minuten verstrichen und meine Wartezeit summierte sich mittlerweile schon fast zu einer ganzen Stunde. Ich fühlte mich ziemlich verarscht, weil bisher niemand erschienen war. Und als ich den Laden verlassen wollte, wurde die Tür plötzlich aufgerissen.
„Ihr Amulett ist fertig!“, sagte die Verkäuferin. Sie war schmutzig und verschwitzt. Ihre Haare standen wild wie Schnittlauch von ihrem Kopf ab. Im Allgemeinen sah sie aus, als hätte sie einen Kampf mit einem Drachen gehabt.
An ihrer Hand baumelte etwas silbernes.
„Die Fertigung war etwas komplizierter, weil die Amorlyhte sich nicht so leicht in Silber betten lässt, wie ich dachte. Ziemlich launisch, dieser Stein!“ Der Anhänger der Kette war genauso, wie ich ihn mir vorgestellt hatte: An der schlichten silbernen Kette hang ein noch schlichtere Kugel. Die winzigen Löcher konnte man fast gar nicht erkennen.
„Sie ist fabelhaft!“, sagte ich strahlend und nahm die Kette an mich um sie genauer zu begutachten. Die Kette wog kaum etwas. „Zwergenarbeit!“, sagte die Verkäuferin. Sie hatte meinen bewunderten Blick aufgefangen.
„Sie ist wunderschön!“, murmelte ich, aber schlagartig wurde mir auch bewusst, dass ich diese Kette nun auch bezahlen musste. „Wie viel kostet der Anhänger und die Kette?“, fragte ich schließlich kleinlaut.
Sie nannte mir den Preis und ich kniff die Lippen zusammen. Das ist dreifach so viel, wie ich für dieses Geschenk ausgeben wollte. Die anderen Geschenke werden darunter zu leiden haben! Ist Severus dieses Geschenk wert? Auch wenn ich mir diese Frage stellte, wusste ich bereits die Antwort: Ja, er war mir das wert. Dies und noch viel mehr – und dafür hasste ich mich.
Ich zahlte und mein Geldbeutel war danach ziemlich vieler Münzen erleichtert. Das Gefühl, das sich immer nach einem Fehlkauf bei mir breit machte, spürte ich auch dieses Mal. Doch ich verdrängte das Gefühl und konzentrierte mich auf meine folgende Schritte: Ich würde zurück zum Schloss gehen und mich dort umziehen und dann würde ich nach London apparieren um dort die noch fehlenden Geschenke zu kaufen.
Hogsmeade war gar nichts gegenüber London. Hier konnte man sich nicht umdrehen, ohne an jemanden zu stoßen.
Ich musste mich fast durchkämpfen, bis ich endlich am Picadilly Circus ankam. Rundherum waren hier Geschäfte. Würde ich hier keine Geschenke finden, würde ich gar keine mehr finden.
Die Geschäfte waren festlich geschmückt und es herrschte die typische weihnachtliche Hektik, die die Herzen der Menschen erfasst, sobald es gen 24. Dezember ging. Ich jedoch ließ mich von dieser Hektik nicht anstecken. Gemütlich bummelte ich durch die Geschäfte und sog die zimtgeschwängerte Luft ein. Ich dachte an Weihnachten zuhause zurück und genoss das seelische Gefühl, dass in mir aufstieg.
„Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind...“, sang ich leise vor mich hin. „Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus. Geht in allen Wegen mit uns ein und aus.“ Ich atmete erleichtert aus und sang weiter. „Steht auch dir zur Seite, still und unerkannt, dass es...“ Ich brach ab und lächelte teils glücklich, teils traurig.
„Ziemlich besinnliche Zeit, dieses Weihnachten was?“, riss mich jemand aus meinen Gedanken. Ziemlich verstört sah ich in das Gesicht eines jungen Mannes. „Ich hätte sie doch glatt für einen Muggel gehalten, hätte ich nicht im letzten Moment Ihre Schuluniform gesehen.“, plapperte er munter los. Ich trug meinen Hogwartspulli, weil dieser der wärmste war, den ich in meinem Schrank besaß. „Obwohl Sie mir ein bisschen zu alt für eine Schülerin scheinen...“
„Ähm... und Sie sind?“ Er wischte sich seine Hand an seiner Jacke ab und ergriff meine Hand. Sie war warm, aber recht rau.
„Oh, wo sind bloß meine Gedanken. Mein Name ist Seth McLane.“ Bei McLane läuteten meine Alarmglocken, war dies doch der Nachname eines der Jungen aus Ravenclaw gewesen, die mich zur Beihilfe bei einem Ritual bewegen wollten.
„Dürfte ich auch Ihren Namen erfahren?“ Er zwinkerte. Lackaffe, dachte ich und lächelte ironischfreundlich. „Natürlich... nicht. Entschuldigen Sie.“, sagte ich und wollte an ihm vorbei gehen.
„Warum so bösartig?“, fragte er und legte seine Stirn in Falten. Er hatte recht, ich war ihm gegenüber wirklich bösartig gewesen, was eigentlich nicht meine Art gewesen war. So blieb ich stehen und zuckte mit den Schultern.
„Bin halt ’ne Icequeen!“, murmelte ich und die Falten auf seiner Stirn wurden tiefer.
„Vergessen Sie’s!“, sagte ich und präsentierte meine Zähne zu einem Zahnpastalächeln. Sein Gesicht glättete sich und er lächelte mich auch an.
„Eva Nightingale!“, sagte ich und hielt ihm meine Hand hin, welche er sofort ergriff und herzlich drückte.
„Es geht doch!... Sie sind also eine Schülerin von Hogwarts?“ Ich nickte und rückte meine Mütze zurecht. Normalerweise war ich kein Fan von Mützen, aber heute war es so bitterkalt gewesen, sodass ich meine alte, blaue Mütze ausgraben musste. Die roten Haarspitzen ragten heraus und bildeten einen schönen Kontrast dazu.
„Aber Sie hatten auch Recht damit, dass ich eigentlich zu alt dafür bin. Doch dies ist eine lange Geschichte, die ich eigentlich nicht groß herumerzählen will.“ Ich lächelte ihn entschuldigend an und fuhr fort: „Was ist mit Ihnen? Was arbeiten Sie?“ Er machte eine Geste, dass wir ein paar Schritte gehen sollten.
Ein kleines Straßencafé hatte geöffnet und wir setzten uns ins Innere. Meine Mütze legte ich neben mich und bestellte eine Tasse heiße Schokolade, als die Bedienung die Bestellung einholte.
McLane sah sich im Café um und legte schließlich seine Jacke ab.
„Ich denke, hier können wir reden.“ Er hatte ein Milchkaffee bestellt, welcher die Bedienung sogleich an den Tisch brachte. Mit einem Lächeln verschwand sie wieder und überließ uns unseren Gesprächen.
„Ich arbeite im Zaubereiministerium und sorge dafür, dass die Muggel nichts von unserer Welt mitbekommen.“ Er schüttete sich Zucker in den Kaffee und rührte um. „Dafür ist es halt nötig, dass ich mich in dieser Welt gut auskenne, weshalb ich auch in London lebe.“ Der Typ war erstaunlich kommunikativ. Nachdem ich solange mit jemandem zusammengelebt hatte, der recht wortkarg war, schien mir dieser Typ fast unheimlich.
„Wenn Sie Schülerin von Hogwarts sind, dann müssten Sie eigentlich meinen Bruder Alex kennen...“ In meinem Gesicht arbeite es. Im Laufe der Zeit hatte ich eine natürliche Abneigung gegen diesen Namen entwickelt und gegen das, das mich mit ihm verband. Severus hatte gesagt, er würde nachforschen, aber er hatte niemals mehr über die Fünf gesprochen.
„Hallo?“ Damit riss er mich endgültig aus meinen Gedanken.
„Entschuldigung... Ja, ich kenne Alex, jedoch nur oberflächlich. “ Worüber ich auch sehr glücklich war.
„Sein Name scheint keine guten Erinnerungen zu wecken, so wie ihre Mine dabei aussah... Mir geht es auch nicht besser, wenn ich sein Gesicht sehe. - Verstehen Sie mich nicht falsch, er ist zwar mein Bruder, aber deshalb muss ich ihn noch lange nicht leiden können.
Der Umstand, dass wir verwandt sind, hat mich vermutlich schon vor einem Mord bewahrt!“ Aus irgendeinem Grund war ich dennoch ihm gegenüber misstrauisch. Die reine Tatsache, dass er Alex’ Bruder war, weckte bei mir Misstrauen. Zudem kam noch die Vorsicht, die ich an den Tag legte, nachdem sehr viele Menschen plötzlich nach meinem Leben zu trachten schienen. Dass ich nach London appariert war, mag für manche dumm erscheinen, aber hier in der großen Menschenmasse fühlte ich mich sicher vor jedem Angriff. Severus jedoch, hätte mich niemals alleine gehen lassen; mir könnte ja was passieren. Ich versteh’ es einfach nicht, er hatte sich immer Sorgen um mich gemacht, hat sich um mich liebevoll gekümmert und nun soll das alles umsonst gewesen sein. Ein Fehler? Oh je, so wie es schien, hatte ich die ganze Sache noch immer nicht verdrängt, auch wenn ich mich manchmal in der trügerischen Sicherheit der Gleichgültigkeit bewegte.
„Sagen wir einfach, er ist mir in keiner guten Erinnerung geblieben, nein.“, sagte ich nach einer Weile und schlürfte an meiner Schokolade. Langsam gingen mir die Gesprächsthemen aus und ich nahm einen sehr tiefen Schluck. Die heiße Schokolade wärmte mein Innerstes und hinterließ einen süßen, cremigen Geschmack auf meiner Zunge. Zu meiner großen Freude war diese Schokolade mit Milch und nicht mit Wasser angerührt worden. Ein seliges Gefühl ergriff mich. Schokolade ist echt prima um die Stimmung zu heben, dachte ich zufrieden und genehmigte mir noch einen Schluck.
„Ich vermisse ab und an die Zeit in Hogwarts. Es ist wirklich eine sehr gute Schule.“ Er fixierte meine Augen und versuchte mir ein paar Worte zu entlocken, doch ich reagierte nur mit einem schmalen Lächeln. „Sie sind wirklich ein schwerer Brocken. Normalerweise hätte ich die Frauen in dieser Zeit schon mit meinem Charme verzaubert, doch an Ihnen scheint das alles abzuprallen.“ Ich sah ihn verwundert an. Charme hatte er wirklich, aber ich hatte keine sonderliche Lust mit dem Kerl zu reden. Meine Freundlichkeit gebot mir jedoch, dass ich höflich zu ihm war und ihm zuhörte.
Sein Haar war so rabenschwarz wie das von seinem Bruder und seine blauen Augen blickten mich aufgeweckt an. Er hatte eine gerade Nase und ein kantiges Gesicht. - In einem anderen Leben wäre ich wirklich von ihm angezogen gewesen, doch für mich war das nur ein Kerl, der mich anquatschte. Genauso gut hätte er auch eine alte Frau sein können...
„Wollen Sie nicht mal etwas von Ihnen erzählen? Was tun Sie in Ihrer Freizeit zum Beispiel?“
„Freizeit, was ist das? Ich habe nicht sonderlich viel Freizeit in der Schule und bisher hatte ich auch immer einen Freund, mit dem ich mich dann immer traf.“, erzählte ich ihm wahrheitsgemäß. In Hogwarts hatte noch keine Zeit gehabt um mir wirklich Hobbys anzuschaffen und bisher hatte ich auch nichts vermisst. Obwohl ich mir manchmal wirklich meinen PC von daheim wünschte. Allein das Aufsätzeschreiben wäre um ein vielfaches einfacher. Nur leider war das mit dem Strom ein ziemliches Problem im Schloss; es gab nämlich keinen. Ich könnte mir ja einen Labtop kaufen und immer heimapparieren, wenn der Akku zuneige ginge. Natürlich war das nur ein idiotisches Hirngespinst, das ich selbst nicht für durchführbar hielt.
„Dann haben Sie also einen Freund? – Sie müssen nicht antworten, wenn es Ihnen zu persönlich ist, um darüber zu sprechen.“
„Ich hatte einen. Er hat Schluss gemacht, vor einem Moment etwa.“, sagte ich bevor ich überhaupt nachdenken konnte. Und seit dem hatte ich mich in die Schule verrannt um so nicht an Severus denken zu müssen.
„Ich denke, es wäre falsch, wenn ich sagen würden, dass mir dies leid tut.“ Ich nickte. Sein Mitleid würde ich nicht brauchen. „Meine Freundin hat sich heute von mir getrennt.“
„Warum sind Sie dann so gutgelaunt?“, schoss gleich meine Frage hinterher. Er lachte kurz auf und stützte den Kopf auf seinen Arm.
„Galgenhumor... Nein, ich denke ihn unserer Beziehung war schon länger der Wurm drin und niemand war mehr glücklich. Sie war ein Muggel und konnte nicht akzeptieren, dass ich ein Zauberer war. Wollte immer den Schein von einem perfektem Paar wahren, auch als sie unserer Beziehung schon den Todesstoß verpasst hat. Sie meinte, dass sie keine Kinder von mir wollte, die vielleicht auch Zauberer würden. Alles musste stimmen, in ihrer kleinen, perfekten Welt...“ Er lächelte gequält und setzte sich wieder aufrecht hin. „Tja und das ist eben das Ende vom Lied.“
„Die liebe Liebe...“, sagte ich, der vielen Worte müde. Ich wollte nur noch meine Einkäufe beenden und dann in mein Bett fallen.
„Seien Sie mir bitte nicht böse, aber ich habe noch viel zu tun und bin schrecklich müde.“
„Bin ich denn so langweilig?“ Ich schüttelte den Kopf.
„Nein. Wirklich nicht, aber ... Ich muss langsam wirklich gehen.“ Er nickte verständnisvoll und fragte, ob er mir mal eine Eule schicken dürfte. Ich bejahte, wenn auch nur, damit ich endlich gehen konnte.
„Wiedersehen!“, sagte er, doch ich nickte nur lächelnd und ging in Richtung nächstes Geschäft davon.
Ich hatte Seth schon aus meinen Gedanken verdrängt, als ich über die nächste Türschwelle trat. Nun war Shopping angesagt!!! (Es konnte ja nichts schaden, wenn ich auch für mich etwas gucken würde)
Ich sog das Duftwirrwarr von Tannen, Parfüm, Zimt und Textilien ein. Ich ließ mich darin treiben und schloss für einen Moment die Augen – dann warf ich mich wie eine Irre ins Getümmel. Kaufen, kaufen, kaufen – Diese Reaktion konnte man schlicht als Frusteinkäufe bezeichnen. Und als bester Muntermacher schlechthin: SCHUHE!!!
Vier Stunden später war ich nur noch todmüde. Meine Augen waren schwer, meine Füße schmerzten und ich freute mir nichts sehnlicher als in meinem schönen, kuscheligen Bett zu liegen. Ich suchte mir eine ruhige Ecke und apparierte zu einem netten Haus, von welchem ich das Flohnetzwerk gebrauchen könnte.
Ein lautes Zischgeräusch und ich war im Gemeinschaftsraum der Gryffindor. Fred und George hatten für einen Moment mit ihren Gesprächen aufgehört und sahen mich entgeistert an.
„Man hast du uns erschreckt!“ Gähnend stand ich da und nickte nur abwesend. In meinen Gedanken war ich bei meinen Geschenken. Habe ich auch für alle was? Für Bettina hatte ich ein Kochbuch mit der traditionellen Englischen Küche (Das Geschenk war keinesfalls gedankenlos gewählt worden; sie war eben ein kleines Hausmütterchen. So Leute soll es nämlich auch geben.), für Dissi das gleiche (o.k. das war tatsächlich einfallslos, aber auch nach langem Nachdenken fiel mir einfach nichts Gescheites ein). Für die restlichen Freunde hatte ich die Weihnachtskarten und eine Kleinigkeit – und sei es nur eine Schachtel Pralinen. Meiner Mutter hatte Ohrringe und einen Schal, für meinen Vater eine teure Flasche Wein (Nein auch gegen alle Beweise, ist mein Vater kein Säufer *g*) gekauft. Meine Brüder erhielten jeweils eine gute Flasche Scotch. Was sie damit anstellten war mir ziemlich egal; ich hatte jedenfalls langsam Haltungsschäden durch die schweren Geschenke. Ich dürft eigentlich alles haben. Wenn nicht ist auch egal... Ich gähnte wieder herzhaft, schulterte die schweren Tüten und begab mich zu den Schlafsälen.
Morgen würde ich mich erst um den Versand der Geschenke kümmern, heute würde ich nur noch eines: Schlafen!
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