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Fanfiction

Zauberer und andere Probleme - Kapitel 14 - Das Fest der Liebe und Hiebe

von Eva Nightingale

Nervosität ist ein bösartiger Feind. Sie ergreift die Herzen der Menschen, wenn sie es am wenigsten gebrauchen können.
Die Zeit verging unnatürlich langsam für mich und ich hätte die Wände hochgehen können, der Anspannung wegen. Mit meinen Gedanken schon am Weihnachtsabend, schickte ich die Pakete für meine Mutter los, mit der Bitte um Weiterleitung an meine Freunde. Jetzt versteh’ ich auch, dass meine Eltern es nicht seltsam fanden, als die ganzen Eulen aufgetaucht waren. Auch wenn ich wusste, dass sie nicht meine leiblichen Eltern waren, blieben sie dennoch meine Eltern für mich – und daran würde sie niemals etwas ändern. So seltsam es klingen mag, aber ich war auch irgendwo froh, dass meine leiblichen Eltern tot waren. Ich konnte sie nicht betrauern, weil ich sie einfach nicht kannte, auch wenn ich ein seltsames Gefühl verspürte, dass die beiden mir vertrauter waren, als mir lieb war. Mich beschäftigte die ganze Sache jedoch nur am Rande, weil ich immer noch nicht ganz verarbeitet hatte, dass die Leute, die ich meine Eltern nannte, in Wahrheit gar nicht meine Eltern waren. Was ich aber noch seltsamer fand an der ganzen Sache, war, dass sie Squibs waren, das bedeutet, dass sie von einer Zaubererfamilie abstammten, aber keinerlei magischer Fähigkeiten besaßen. Ich war also schon immer von der Zaubererwelt umgeben, aber ich hatte es nie mitbekommen.
Mir schwirrte der Kopf von all den zusammenhaltlosen Dingen, die ich erfahren hatte. Der Grund, weswegen ich eigentlich bei Dumbledore gewesen war, war dabei völlig untergegangen. Er sagte nur als ich aufstehen und gehen wollte, dass ich zum Ministerium gehen sollte und dann würden wir weitersehen. Im Moment könnten wir eben nichts anderes tun. Eine kleine Ewigkeit starrte ich ihn nur an. Ich wollte schon „Häh?“ sagen, als plötzlich die Erkenntnis kam. Stimmt! Deshalb war ich ja eigentlich hier. Im Wirbel von Wahrheiten und Halbwahrheiten hatte ich es schon völlig vergessen. Und mit der Erkenntnis kam auch wieder die Wut über Seth McLane hoch. Der Typ ist ja so bescheuert! Da rennt er zu seinem Boss und lässt mich überprüfen. Wie kommt man auf so eine absolut hirnrissige Idee?

***

Heute abend... Meine Gedanken kreisten nur um diese einzige Nacht. Wird Severus mein Geschenk überhaupt annehmen? Doch plötzlich überkam mich eine neue Frage: Was wäre, wenn er tatsächlich den Amorlythe annehmen würde, er tatsächlich leuchten würde? Ich hätte die Sicherheit, dass mich Severus liebte, aber was dann? Selbst wenn ich ihn überzeugen könnte mit mir offen und ehrlich zu sprechen (was ich im Übrigen fast unmöglich hielt), dann müsste ich ihm immer noch beichten, dass ich mit Lupin geschlafen hatte – und das würde ihm das Herz brechen. Ich empfand nichts für Lupin, aber wenn ich die ganze Sache Severus beichten würde, dann sehe er dies als Verrat an und die Reaktion, die ich dann zu erwarten hätte, wäre ein Vulkanausbruch, den ich mir im Moment noch nicht einmal ausmalen konnte.
Doch wenn ich immer in der Ungewissheit leben würde... Mir war der Tanz auf dem Vulkan im Moment zu gefährlich, als dass ich jetzt etwas mit dem Amorlythe erzwingen wollte. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken.
Je mehr ich darüber nachdachte desto bescheuerter kam mir die Idee mit der Kette vor. Zwar wäre dann meine Frage, ob er mich liebt ein für allemal geklärt, aber ich war mir nicht sicher, ob ich mit der Wahrheit leben könnte. Entweder liebte er mich nicht, was schon ein ziemlich unerträglicher Gedanke war, oder er liebte mich, was im Moment aber noch unerträglicher schien, weil ich wusste, dass wir nicht zusammen sein durften. Es war zum Heulen: egal wie der Tag heute enden würde, ich würde sehr verletzt sein. Deshalb entschied ich mich für eine Lösung, die ich rationell nicht fassen konnte: Ich nahm ein Pergament heraus und schrieb die Wirkung und Anwendung des Steines im Anhänger auf, verpackte das ganze hübsch und schrieb in großen Lettern darauf: Für Hermine. Danke für deinen Halt, den ich so dringend benötigte.

Ich atmete tief ein und legte das Geschenk zu den restlichen Geschenken für Hermine, die wohl gerade beim Frühstück mit Ron und Harry war. Ich hörte laute Stimmen und entfernte mich von Hermines Schlafplatz. Dann zog ich mich um und ging hinunter in den Gemeinschaftsraum.
„Hast du schon gehört? – Harry hat einen Feuerblitz geschenkt bekommen!“, rief mir wer entgegen, doch ich konnte nicht heraushören, ob es George oder Fred Weasley war. Ich schüttelte den Kopf und musste mir gestehen, dass es mich auch nicht sonderlich interessierte. Ich hatte im Laufe der Zeit eine Abneigung gegen das Fliegen und somit auch gegen Besen entwickelt. Mein Magen wollte bei all dem nicht mitspielen.
Ich setzte mich in einen der bequemen Sessel, die gerade frei geworden war und atmete tief aus. Mit großer Mühe versuchte ich zur Ruhe zu kommen und einfach mal zu relaxen. Doch um mich herum herrschte zu viel Chaos. Überall hallten Rufe und Gemurmel durch die Luft. Selbst die Geräusche, die die Karten beim Auflegen machten und das Verschieben Schachfiguren schienen unerträglich anzuschwellen und zu einem Geräuschmeer zu wachsen.
Im Gemeinschaftsraum konnte ich nicht bleiben. Der See, dachte ich und beschloss ihm einen Besuch abzustatten.
Wie ich so durch die Gänge von Hogwarts stromerte traf ich plötzlich auf Lupin.
„Hallo!“, begrüßten wir uns beide und gingen weiter unseren Wegen nach. Ich zögerte lange Augenblicke, doch dann rannte ich ihm hinterher.
„Professor!“, rief ich. Er blieb stehen und drehte sich zu mir um.
„Ich muss mit dir sprechen... Darf ich dich auf einen Spaziergang zum See entführen?“
„Es ist gerade sehr unpassend, tut mir leid. Ist es denn wichtig?“
„Wichtig? Ja, ich würde es als wichtig einstufen.“ Lupin nickte umsichtig und sagte schließlich, nachdem er die Luft scharf eingesogen hatte:
„Gut, ich werde mich beeilen. In einer Stunde? Ich werde dich vorm Portrait der fetten Dame abholen... Geh bitte nicht allein nach draußen – das ist zu gefährlich!“ Ich nickte und lief in die entgegengesetzte Richtung davon. Einmal kann ich mich ja mal an eine Anweisung halten, dachte ich und ging zurück in den Gemeinschaftsraum. Natürlich war mir hier keine Ruhe vergönnt. Neville und Seamus, der ebenfalls in meiner Klasse war, spielten eine Runde Snape-Explodiert.
„Hey Nightingale, komm doch mal her!“ Ich drehte mich in Richtung der Stimme und sah in drei grinsende Gesichter. Fred, George und deren bester Freund Lee Jordan saßen an einem Tisch und hatten ein seltsames Funkeln in ihren Augen. Ich ahnte Böses, da ich schon einiges von der Erfindungsfreudigkeit der Zwillinge gehört hatte. Misstrauisch lief ich so zu den Dreien hinüber und setzte mich auf Freds Anweisung hin.
„Jemand hat durchblicken lassen, dass du eine ’besondere Beziehung’ zu Snape hast...“
„Was heißt besondere Beziehung?“, schoss gleich meine Frage hinterher. Ich war auf der Hut und sah jeden skeptisch an.
Die Drei rückten mit den Stühlen näher an den Tisch und beugten sich zu mir.
„Nun ja, man erzählt sich, dass er dich hergebracht hat... Ihr seid so etwas wie Freunde.“ Ich lachte kurz auf und verrollte die Augen.
„Als Freunde würde ich uns nicht gerade bezeichnen, nein. Er ist mein Lehrer und mehr nicht,“ sagte ich, doch George redete unbeirrt weiter:
„Wie auch immer. Könntest du nicht mal mit deinem Kumpel reden... Wir bräuchten dringend eine bestimmte Zutat für ... für irgendwas. Kannst du uns also helfen?“
„Warum geht ihr nicht selbst?“ Fred gab einen seltsamen Zischlaut wie Wasser, das auf einen heißen Stein trifft, von sich und sagte dann:
„Normalerweise würden wir das ja, aber... sagen wir einfach, wir können im Moment nicht! Was ist nun, kannst du uns helfen?“ Ich zuckte mit den Schultern und schüttelt resignierend den Kopf. „Um was für eine Zutat geht es denn?“ Ein riesiges Grinsen erschien auf Freds, Georges und Lees Gesicht. Sie dachten bereits, dass sie gewonnen hätten. Was wäre schon dabei? Ich würde ins Büro von Severus gehen und etwas aus dem feinsäuberlichsortierten Schränkchen nehmen. „Das heißt nicht, dass ich schon zugesagt habe!“ Alle drei belächelten mich und Fred sagte mir, was ich besorgen sollte.
Leise fluchend lief ich zu Severus’ Büro. Ich wusste, wo ich was finden konnte. Warum hab ich mich auch bloß darauf eingelassen? Ich war mir fast sicher, dass ich erwicht würde. Doch ich hatte das zweifelhafte Glück, dass Severus weder in seinem Büro noch in dessen Nähe war. Ich hatte die Zwillinge gefragt, warum gerade ich ihnen die Zutat beschaffen sollte und ihre Antwort war gewesen: „Weil Snape niemals erwartet, dass du etwas aus seinem Vorrat st... leihen würdest!“ Und damit hatten sie wohl Recht. Was Severus wohl sagen würde, wenn er mich am Weihnachtsabend, beim Versuch etwas aus seinem Vorratsschränkchen zu entwenden, erwichen würde? Mein Beschreben sollte aber viel mehr sein, dass ich erst gar nicht erwicht werde, versuchte ich mir selbst einzubläuen.
So schlich ich mit äußerster Vorsicht durch die Gänge. Mein Herz pochte in meinen Ohren und ich hoffte sehr, dass mir weder Filch noch seine Katze, Ms Norris, über den Weg laufen würde.
Alles funktionierte gut – zu gut! Ich kam ohne Probleme in das Büro. Die gesuchte Substanz, ein Haar eines Werwolfes, war schnell gefunden. Ich entnahm eines und legte es in ein weißes Tuch, das ich vorsichtig zusammenfaltete und in meine Hosentasche gleiten ließ. Ich wollte gerade das Gefäß zurückstellen, als ich ein lauter „Chrm“ hinter meinem Rücken vernahm. Ruchartig drehte ich mich um und sah in zwei damastschwarze Augen.
„Was gedenken Sie hier zu tun, Miss Nightingale?“ Der Grund warum er mich so förmlich ansprach war ein gewisser Hausmeister, der in gebührendem Abstand hinter Severus stand. Ms Norris schwänzelte um seine Füße und gab ein zufriedenes Schnurren von sich.
„Ich... ich... ähm...“, stotterte ich hilflos und blickte mich hilfesuchend um.
„Sie... wie wär’s mit: Sie haben hier nichts zu suchen!“, steuerte Filch gallespuckend bei.
„Schon gut, Argus, ich werde mich um Miss Nightingale hier kümmern. Es gibt noch einige Schüler im Schloss, die nicht das tun, was sie sollten – kümmern Sie sich darum!“ Filch murrte kurz, aber befolgte Severus’ Befehl. Sowohl er als auch Ms Norris warfen mir vernichtende Blicke zu, ehe sie die Tür hinter sich schlossen.
„Nun...“ Severus sah mich herausfordernd an. Seine Lippen waren leicht gekräuselt und sein Blick wandte sich musternd über mein Gesicht bis hin zu meinen Füßen und wieder hoch zu meinem Gesicht. Ich wusste, dass er eine Antwort wollte, was ich hier eigentlich tat. Doch er fragte nicht nach und starrte mich lieber weiter unverwandt an. Die Situation war mehr als seltsam und ich fühlte mich sehr unwohl ständig so angeglotzt zu werden. Warum kuckt der bloß so? Nach einer geschlagenen Minute wurde mir die ganze Sache doch etwas zu viel und ich fragte missgelaunt:
„Kannst du mal endlich damit aufhören? Ist mein Gesicht so spannend?“
„Mehr als spannend,“ sagte er kühl und sie keinen Grund mit seinem starren Blick aufzuhören. Es war als würde er durch mich durch schauen, bis hin zur Quelle meiner Seele – und dort stiftete er ziemlich viel Unfrieden. Jeder Augenblick brannte sich in mein Herz ein. „Aufhören jetzt!“, schrie ich ihn an. Sein Blick löste sich tatsächlich von mir. Er sah kurz auf das geöffnete Vorratsschränkchen und dann wieder zu mir. Doch sein Blick hatte sich verändert; er war nicht mehr so durchdringend.
„Warum stiehlst du Sachen aus meinem Büro?“ Hhm, jetzt wär’ mir der starre Blick doch lieber, als dass ich ihm auf diese Frage antworten müsste. Ich wusste eigentlich selbst nicht einmal, warum ich das tat. Warum stahl ich etwas für die Weasley Zwillinge? Du verlierst einfach den Verstand, akzeptier es einfach, flüsterte wieder diese böse Stimme in meinem Kopf.
„Du scheinst wohl deine Sprache verloren zu haben. So leid es mir tut – ich muss dich leider für das unerlaubte Eindringen in mein Büro bestrafen!“ Mein Blick war eine Mischung aus Unglaube, Überraschung und Skepsis. Wie will er mich denn bestrafen? Wieder nachsitzen? – oder mich gar von der Schule schmeißen? Schule... Moment... Ähm Lupin wartet vorm Portraitloch auf mich! Wie viel Uhr haben wir? Ich blickte auf die Uhr und stellte erleichtert fest, dass ich noch eine viertel Stunde hatte, ehe Lupin in der Nähe des Gryffindorbereiches auf mich warten würde.
„Du glaubst mir nicht, dass ich dich bestrafe?“, fragte er fast zornig und ich zuckte bei dem Klang seiner Stimme zusammen.
„Oh doch, das glaub ich dir sogar mehr als du dir vorstellen kannst. Wie wird die Bestrafung aussehen, wenn ich fragen darf?“
„Diebstahl ist ein sehr übles Delikt!... Zuerst werden Gryffindor 100 Punkte abgezogen und dann bekommst du einen Monat nachsitzen – und damit tue ich dir noch einen Gefallen, denn eigentlich gehörtest du der Schule verwiesen!“ Ich blieb tonlos stehen und sah ihn unbeeindruckt an. Die Stufe der Gleichgültigkeit hatte ich nun endgültig erreicht und ein eventueller Rausschmiss interessierte mich nicht die Bohne. Ich werde eh bald die Schule verlassen müssen. Ich glaube kaum, dass die mich weiter unterrichten würden, wenn ich ein kleines Kind auf meinem Schoß balancieren würde.
„Dir scheint die Aussicht auf einen Schulverweis nicht gerade Kummer zu verursachen. Wieso nicht?“ Severus sah mich misstrauisch an und fixierte mein Gesicht, als könne er meine Gedanken dadurch erraten. Ich hoffte nur, dass meine Gedanken nicht so gläsern waren, wie Dumbledore behauptete. Und dann – es geschah ganz plötzlich und im Nachhinein kann ich sagen, dass die furchtbare Gleichgültigkeit schuld war, da ich das aussprach, was mir seit Tagen im Kopf herum gespukt war.
„Weil ich die Schule sowieso bald verlassen werde! - In drei Monaten bin ich hier weg,“ fügte ich noch hinzu, als die Falte zwischen seinen Augen immer tiefer wurde. Einen Moment hatte ich ihn tatsächlich aus der Fassung gebracht und er wusste nicht, was er entgegnen könnte. Ich genoss das Gefühl und fühlte mich gleich danach schuldig. Ich liebte ihn noch immer, aber die Frustration über mein verkorkstes Leben war einfach zu groß, als dass ich auf meine Gefühle hörte.
„Wie... meinst du das?“, fragte er nach einer Weile, noch immer sichtlich verwirrt. Ich wollte ihn nicht mehr anlügen. Irgendwann würde er von der Schwangerschaft erfahren und eins und eins zusammenzählen. Doch wie sollte ich ... Er wird Lupin umbringen! – Er wird mich umbringen! Ich hatte eine Tete-a-tete mit jemandem, den er so gar nicht leiden mochte – ein Tag, nachdem er Schluss gemacht hatte... Nein! Noch am gleichen Tag! Mit einem Mal fühlte ich mich wieder schuldig, schlecht, mies,... Meine äußere Mauer bröckelte allmählich und mir war wieder zum Heulen zumute.
„Ich... Ich muss gehen!“, brachte ich mühsam heraus und ließ den Kerker so schnell ich konnte hinter mir. Was ich jedoch nicht hinter mir lassen konnte, war die Verwirrung und Unsicherheit, die Severus wieder bei mir ausgelöst hatte.
Die Lust mit Lupin zu reden war vollkommen verschwunden, oder bessergesagt ich hatte noch weniger Lust dazu, weil ich ja ohnehin nicht diesem Ereignis entgegenfieberte.
Er stand da, wie wir es verabredet hatten. Warum muss der so zuverlässig sein?
„Hallo,“ empfing er mich und ich gab ihm ein schiefes Lächeln als Antwort.
„Du wolltest zum See?“ Ich nickte gedankenverloren. Mir war klar, dass ich diesen Schritt machen musste, doch diese Tatsache machte es nicht leichter für mich.

Lupin meinte, es sei nicht sicher genug um an den See zu gehen und schlug deshalb einen leeren Klassensaal vor. Ohne Worte stimmte ich ihm zu und zusammen gingen wir dann einen passenden Raum finden, der schön abgelegen war.
Wir mussten nicht lange suchen, da bereits Ferien waren und die Schüler entweder in ihren Gemeinschaftsräumen oder etwa daheim zu finden waren.
Ich lehnte mich gegen einen Einzeltisch und Lupin stellte sich vor mich.
„Was ist nun?“, fragte er ein wenig ungeduldig.
„Du erinnerst dich noch eine die eine Nacht... Ich weiß, dass wir nicht mehr darüber reden wollten...“, fing ich an und stoppte. Sein Interesse an meinen Worten war von seiner Sekunde auf die andere um einhundert Prozent gestiegen. Wäre die Situation nicht so ernst gewesen, hätte ich lachen müssen.
„Ich werde dir jetzt etwas erzählen, was mir sehr schwer fallen wird, deshalb – entschuldige für diesen Wortlaut – halt einfach die Klappe und hör zu!“ Ich machte noch mal eine kleine Pause und atmete tief ein, dann betete ich Folgendes herunter:
„Ich bin mir nicht sicher, wie es geschehen ist, aber es ist nun mal passiert. Eigentlich hätte der Trank das verhindern sollen, aber der funktionierte nicht – vielleicht liegt es an dem anderen Trank, der mir Severus immer unters Essen mischt?! Ich weiß nicht. Doch ist nun mal passiert und ich kann nichts mehr dran ändern... Vielleicht betrifft es dich ja gar nicht, weil auch Severus in Frage kommen würde...“ Lupin sah mich ungläubig an und schüttelt nur noch mit dem Kopf und gebot mir einen Moment anzuhalten. „Wovon redest du überhaupt?“, fragte er mich stirnrunzelnd.
„Ich bin schwanger!“ So, jetzt war es endlich draußen. Ich war erleichtert das Geheimnis endlich gelüftet zu haben, dafür sah Lupin mehr als geschockt aus. Den Blick sollte man echt aufnehmen! Dieser Mix aus Verwirrung, Unverständnis und Überraschung ist wirklich genial und dürfte Rons blöde Gesichtsausdrücke überbieten können. ... Moment, ich bin wieder sarkastisch! Juhu, ich hab meinen inneren Frieden gefunden. Während ich in Gedanken eher mit mir selbst befasst war, war Lupin noch immer damit beschäftig blöd zu gucken, ehe er wieder eine Contenance gefunden hatte – was lange genug dauerte.
„Und das ist sicher?“
„So sicher wie die Unwissenheit, wer der Vater ist.“
„Hör zu, ich will nichts von dir. Ich dachte ich sag dir nur, dass du eventuell Vater sein wirst, ehe ich Hogwarts verlasse!“
„Du willst die Schule verlassen? Du hast doch gar keinen Abschluss!“, sagte er aufgebracht. Ich zeigte gelassen auf meinen Bauch und sagte mit einem leichten Schmunzeln auf dem Gesicht: „Damit sollte es schwer werden, die Schule zu beenden!“ Er kratze sich am Kopf und dachte angestrengt nach, dabei murmelte er etwas, das wie „Ja... natürlich...“ klang.
Nach endlosen Minuten, in denen Lupin sich nur minimal bewegte, regte sich etwas in seinem Gesicht und ließ erkennen, dass er eine Entscheidung getroffen hatte.
„Ich werde natürlich für das Kind sorgen. Die Stelle in Hogwarts dürfte genug bringen um dich und das Kind in Sicherheit zu wissen.“
„Ähm, du hast da wohl einen Teil nicht verstanden, Remus. Erstens weiß ich nicht wer der Vater ist, weil es ja noch sein kann, dass Severus es ist. Zweitens hab ich doch gesagt, dass ich nichts von dir will und drittens... muss ich mir noch überlegen, aber ich denke, ich habe meine Punkte klargemacht.“ Unbeeindruckt von meinen Worten fuhr er fort: „Doch die Frage ist, wo wir dich hinbringen, nachdem du Hogwarts verlassen hast...“ Eigentlich sprach er nicht mit mir, sondern führte einen Monolog – und das machte mich fast wahnsinnig. Ich räusperte mich, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, aber er murmelte weiter vor sich hin. „Halllooooo?!“ Nichts. „Am besten schaffen wir dich außer Landes, doch wohin?“ Ich fing an, ihn gegen den Arm zu schnipsen, aber der gute Lupin blieb auch davon unbeeindruckt. Nein, ich rege mich jetzt nicht auf, weil er mich nicht beachtet... Ruhig, ganz ruhig.... Arg! Ich stieß ihn unsanft gegen den Arm und er schreckte hoch, als sei er aus einem tiefen Schlaf erwacht.
„Oh, du weilst also noch unter uns?“, fragte ich schnippisch und verschränkte die Arme vor der Brust. „Find ich ja toll, dass du mir helfen willst, aber verplan nicht mein ganzes Leben, denn man sollte meinen, dass mich das auch was angeht!“
„Warum hast du mir überhaupt erzählt, dass du ein Kind erwartest, wenn du nicht weißt, wer der Vater ist und du auch gar nicht meine Hilfe willst?“ Ich seufzte und hievte mich auf den Tisch.
„Weil ich eigentlich deinen Rat wollte!“ Er fragte mich, was für einen Rat ich von ihm wolle. „Ich weiß nicht, wie ich das Severus beibringen soll... dass ich schwanger bin... und nun ja... das es auch sein kann, dass er nicht der Vater ist. Ich muss es ihm sagen – denk ich.“, sagte ich nun doch mit deutlicherer Unsicherheit. „Ich kann auch nicht einfach von Hogwarts weglaufen... Nächste Woche hab ich noch einen Termin beim Zauberministerium, doch das ist wieder eine andere Geschichte!“, fügte ich schnell hinzu, als er fragen wollte, warum ich dorthin müsse. „Dumbledore muss ich es auch sagen, warum ich nicht den Abschluss hier machen werde... Ich weiß einfach nicht, wie es den Leuten sagen kann. Ich fühl mich so ... schmutzig dabei... dich werde ich natürlich nicht erwähnen. Ach, das ist alles so verdammt kompliziert! Was soll ich bloß machen? Wenn ich geh, kann ich vermutlich bei meinem Onkel unterkommen, denn er scheint an meinem Wohl auch ein Interesse zu haben.“
„Hast du mal darüber nachgedacht, was du ohne Schulabschluss machen willst?“ Ich verdrehte die Augen: „Ja verdammt, aber ich hab ja schon einen Abschluss, zwar nur einen Muggelabschluss, aber ich hab einen! Wenn das Kind alt genug ist, dann werd’ ich mir einen schönen Muggeljob besorgen und glücklich leben – wenn ich es bis dorthin schaffe zu überleben. Nicht nur das ich schwanger bin, die Schule verlassen muss, nein, hinter mir müssen auch noch irgendwelche Irren her sein, die dem Kind etwas antun wollen... und dann hab ich immer diese Träume, die so wirklich sind. Ich kann Orte in meinem inneren Auge sehen, die ich nie besucht habe. Sehe fremde Gesichter und dabei kommen sie mir so vertraut vor.“ Die Verzweiflung kroch immer unaufhörlicher. War ich eigentlich nur wegen dem Problem mit der Schwangerschaft gekommen, hatte ich inzwischen eine waschechte Lebenskrise. Ich wusste nicht zurück und nicht vor. Alles schien so festgefahren.
„Jetzt steigere dich nicht wieder in etwas hinein!“, sagte er altklug und kam einen Schritt auf mich zu, sodass er genau vor mir stand. „Eine Panik hilft keinem was.“ Das muss er gerade sagen? Wer saß denn vorhin apathisch da und betete wie wahnsinnig irgendwelche Pläne runter?- dachte ich, doch schwieg lieber. Lassen wir ihn im Glauben, dass er die Stimme der Vernunft ist!
„Wir werden schon eine Lösung finden. - Die Frage ist nur... wie?“ Er verfiel wieder in Schweigen und dachte angestrengt nach. Mir allerdings war das ganze Nachdenken einfach zu viel.
„Sag mir Bescheid, wenn du eine Lösung für meine Probleme hast!“ Ich hauchte ihm einen Kuss auf die Wange, hielt aber mitten in der Bewegung inne, als ich ein Geräusch hinter mir wahrnahm. Ich drehte mich in Richtung, aus der ich das Geräusch vermutete, aber dort war nichts. Schulterzuckend klopfte ich Lupin auf die Schulter und verließ den Raum. Lupin indes blieb grübelnd zurück. Vermutlich hat er noch nicht mal mitbekommen, dass ich weg bin, seufzte ich und war auf dem Weg zurück in den Gemeinschaftsraum.
Gerade als ich um eine Ecke biegen wollte, hörte ich einen seltsamen Zischlaut hinter mir. Ich drehte mich nach der Quelle um und dieses Mal sah ich, wer das Geräusch verursachte. Severus Snape stand hinter mir wie ein wildgewordener Büffel. Sein Gesicht war hassverzerrt und er sah auch zu tiefst verletzt aus.
„Was...?!“ Doch weiter kam ich nicht, denn er schritt mit großen Schritten auf mich zu und blieb erst einen Meter vor mir stehen.
„Ich dachte, dir würde unsere Trennung etwas ausgemacht haben, doch ich habe mich anscheinend sehr geirrt. Du hast anscheinend schnell Ersatz gefunden, was? Ich hoffe, du wirst mit diesem... diesem Kerl glücklich. Wenn er dann einmal im Monat...“ Severus brach hab und eine Ader an seinem Kopf pulsierte gefährlich. So aufgebracht hatte ich ihn noch nie gesehen. Doch wenn ich eines schon immer war, dann leicht erregbar – zum Leitwesen meine Freunde und Familie.
„Ach,“ fing ich an und kam ihm drohend näher. „- plötzlich interessiere ich dich also? Ich weiß echt nicht, was du willst: Du hast doch Schluss gemacht!“ Auch wenn Dumbledore dahinter steckte, hätte sich Severus noch immer wehren können. Wie sollte meine Liebe zu ihm jemanden gefährden?
Er kramte in seinem Gewand und ich befürchtete im nächsten Moment mit einem Fluch belegt zu werden. Jedoch irrte ich auch in diesem Fall mal wieder. Was zum Vorschein kam war ein unsauber eingepacktes, unförmiges Ding, das er mir in die Hand drückte.
„Fröhliche Weihnachten!“, grummelte Severus und rauschte mit wehenden Gewändern davon. Verduzt blieb ich stehen und starrte abwechselnd den immer kleiner werdenden und schließlich verschwindenden Stofffetzen hinter her und auf das Ding in meiner Hand.


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