
von lenkpflaume
Mit einem Ruck fuhr der Zug an. Albus sah seine Eltern, seine weinende Schwester und die Weasleys. Der Zug ging in eine Kurve und Albus verlor sie aus den Augen. Plötzlich war er ganz aufgeregt – was würde ihn erwarten?
Die Abteiltür ging auf und er erkannte Rose, die sich jetzt auf den Sitz gegenüber von ihm setzte. Sie war leicht rot im Gesicht und keuchte.
„Ich hab’s gerade noch so geschafft. Mum hat mich nicht gehen lassen-“, sie stockte. „Ist irgendwie auch komisch, jetzt wo wir nicht mehr zu hause richtig wohnen.“
„Mmh“, murmelte Albus. Er musste immer noch an das denken, was sein Vater ihm soeben erzählt hatte. Konnte es wirklich sein, dass man sich gegen ein Haus entscheiden konnte? Und was wäre, wenn der Hut wirklich Slytherin sagen würde? Er merkte, wie Schüler, die vor der Tür entlang gingen, interessierte Blicke in ihr Abteil warfen.
Rose holte gerade ihren neuen Zauberstab aus der Tasche, als die Tür abermals aufging. Ein Junge mit kurzen braunen Haaren und einer Stupsnase trat hinein. Bei ihrem Anblick wurde er scharlachrot.
„Ha-hallo, ich wollte fragen, ob hier noch frei sind. Die anderen Abteile sind alle so voll. Ich bin Nilson Ackerley“
„Klar“, sagte Rose, bevor Albus überhaupt den Mund öffnen konnte. Der Junge setzte sich neben Rose und starrte wie gebannt auf Albus.
„Ich bin Rose Weasley und das ist Al-“
„Potter“, beendete er. „Ich weiß. Meine Mutter hat die neue Ausgabe der Potter-Biographie von Rita Kimmkorn…da sind Fotos“, schloss er.
Albus schluckte.
„Achso“, sagte er dann verlegen.
„Und bist du auch so aufgeregt?“, löste Rose die angespannte Stimmung.
„Ja-ha“, sagte er bekräftigte dies mit einem heftigen Kopfnicken. „Ich meine, in welches Haus man kommt ist schon sehr aufregend und wichtig.“
„Ja“, sagte Albus, froh darüber, dass er das Thema angeschnitten hatte.
Sie unterhielten sich einige Zeit darüber, was sie machen würden, wenn sie nach Slytherin kämen und in welchem Haus sie am liebsten wären.
„Mir ist es eigentlich egal. Hauptsache nicht nach Slytherin“, sagte Nilson.
„Also von Gryffindor hört man das Beste, aber Ravenclaw fände ich auch nicht schlecht, du Al?“, meinte Rose.
„Gryffindor!“, sagte dieser sofort. „Was würden Mum und Dad sagen, wenn ich nicht nach Gryffindor komme? Oder erst James?“, fügte er, bestürzt bei diesem Gedanken, hinzu.
Rose lachte bei seinem Gesichtsausdruck.
Die Landschaft vor ihrem Fenster veränderte sich und große Felder zogen nun daran vorbei.
Um die Mittagszeit schauten James und Fred vorbei, die sich anscheinend zusammen in ein Abteil gesetzt hatten. Fred war wie James jetzt im dritten Jahr von Hogwarts. Sie ließen sich in zwei Sitzen neben Al fallen und James nahm sich einen Schokofrosch aus einer Schachtel, die sie Rose gerade gekauft hatte.
„James Potter und Fred Weasley“, stellte James sie vor mit einem immer noch beträchtlichen Stück Schokolade im Mund.
Nilson wurde abermals puterrot und stammelte unverständlich seinen Namen.
„Fred, Dad hat mir ungefähr ein halbes Dutzend Schachteln mit irgendwelchen Scherzartikeln gegeben. Er meinte, ich solle sie im Schloss verteilen, dass würde das Interesse und die Nachfrage steigern.“ Sie hielt inne. „Ich glaube ich sollte sie jedoch eher bei einem Lehrer abgeben. Mum hat das auch gesagt, als ich es ihr eben erzählt habe.“
James starrte sie ungläubig an.
„Wunderbar, gib sie mir!“, meinte Fred und sah sich eine Schokofroschkarte an.
„Hey, ich hab’ Agrippa.“
„Cool, kann ich die gegen wen tauschen?“, fragte Albus.
„Al!“, sagte Rose. „Du auch“ – sie zeigte mit dem Finger auf Fred – „eigentlich sind das immer noch meine Schokofrösche.
Sie rollten mit den Augen und Fred tat so, als würde er die Karte wieder in die Schachtel stecken, während er Albus zuzwinkerte.
„Gegen Paracelsus?“, flüsterte er.
Albus nickte leicht und lächelte.
Währendessen versuchte James Rose die eine Schachtel mit Nasch-und-Schwänz-Leckereien abzuschwatzen.
„Och, komm schon Rosie! Du kannst du doch nicht einfach weggeben. Du bist ja genau wie deine Mutter!“
Rose zog die Augenbrauen hoch und verschränkte die Arme.
„Na, ja Fred wird schon einen Vorrat haben, nicht wahr Freddie?“, fragte er an ihn gewandt.
„Joa, ich habe mich im Laden gestern noch mal gut eingedeckt.“
James grinste und warf dann einen Blick auf seine Uhr.
„Hey Fred, wir wollten uns um zwei mit Sean in unserem Abteil treffen“, sagte er dann.
Als die beiden das Abteil wieder verlassen hatten, legte sich eine Stille über die Drei.
Rose kramte ein Buch aus ihrer Tasche – Eine neue Geschichte von Hogwarts – und vertiefte sich darin. Albus sah aus dem Fenster und sah die Länderein an sich vorüberziehen. Eine seltsame Aufregung durchströmte seinen Körper. Er würde nach Hogwarts kommen. Endlich!
„Al!“, vernomm er von fern eine Stimme. „AL?“, hörte er nun deutlich Roses Stimme. Er richtete sich auf und schlug die Augen auf. Er war tatsächlich eingeschlafen.
„Was?“, fragte er verschlafen.
Sie lachte. „Wir sind bald da, vielleicht solltest du langsam deinen Umhang anziehen.“
„Wa-was?“, sagte er heftiger und stand auf, um eine gute Sicht aus dem Fenster zu haben. Es war schon dunkel.
„Ja klar“, sagte er und seine Stimme war merkwürdig hoch. Rose hatte schon ihren Hogwartsumhang angezogen.
„Wo ist Nilson?“, fragte Albus.
„Er wollte seinen Koffer suchen gehen. Den hatte er irgendwo abgestellt.“
Albus hatte schon seinen großen Koffer von der Ablage gehievt und suchte hektisch nach seinem Umhang. Die, von seiner Mutter sorgfältig zusammengefaltete, Kleidung wurde zerwühlt, bis er seine Garnitur Umhänge gefunden hatte. Er holte einen heraus und warf ihn sich über.
„Glaubst du wir brauchen den Zauberstab für die Auswahl?“, fragte Rose und betrachtete dabei ihren Zauberstab, der immer noch auf dem Tisch lag.
„Keine Ahnung“, antwortete er.
Das entfernte Geräusch von aufgeregten Stimmen schwoll an. Albus spürte merklich, wie der Zug langsamer wurde und sein Herz begann wie wild zu klopfen. Rose hatte vor Aufregung rote Flecken im Gesicht und grinste ihn an, als der Zug schließlich zum Stehen kam.
„Ich glaub’ die Koffer können wir hier lassen“, sagte Albus und blickte neugierig aus seinem Abteil.
Sie traten aus dem Zug in die kühle Septemberluft und schauten sich um. Eine große Schar von Schülern wandte sich laut schwatzend vom Bahnsteig ab, um in pferdelose Kutschen zu steigen, die in einiger Entfernung bereit standen.
„Erstklässler hierher!“, hörte er eine raue Stimme. Ein großer bewegender Lichtfleck ging von der Stimme aus.
Als die beiden sich näherten, erkannten sie Hagrid, der eine große Laterne schwenkte.
„Hallo Hagrid“, rief Rose begeistert.
Hagrid war schon oft bei ihnen zu Besuch gewesen.
„Rose!“, raunte er erfreut. „Und Albus!“, fügte er hinzu, während er Albus heftig auf den Rücken klopfte, sodass er einknickte.
Hagrid führte sie an ein großes Ufer, an dem dutzende von Booten lagen.
Er und Rose hüpften in eines, gefolgt von zwei identisch aussehenden, blonden Jungen.
„Hey seid ihr nicht Lorcan und Lysander Scamander?“, fragte Rose interessiert.
„Rose Weasley und Albus Potter, nicht wahr?“, sagte der eine.
„Ja, wir haben uns an einem Geburtstag von Harry Potter gesehen. Unsere Eltern kennen sich.“
„Kennen?“, fragte Albus, der die beiden jetzt auch erkannte. „Meine Schwester ist nach eurer Mutter benannt“, fügte er hinzu. „
„Sie waren früher sehr gut befreundet. Wohnt ihr noch in der Nähe vom Fuchsbau?“, fragte Rose.
„Ja. Im Sommer haben wir aber eine Expedition nach Finnland gemacht, um wilde Drachen zu suchen“, erzählte Lorcan.
„Und eine Plantage mit Lenkpflaumen haben wir auch gesehen“, fügte Lysander hinzu, wobei er sich seine langen, blonden Haare aus dem Gesicht strich.
„Wir waren im Sommer an der Küste bei meinem Onkel“, sagte Rose und lächelte.
„Und du?“, fragte Lorcan – Albus glaubte jedenfalls, dass es Lorcan war, sie sahen sich zu ähnlich.
„Ich war für eine Woche in Irland. Dad hatte da beruflich zu tun und dann waren wir“ und er zeigte auf Rose und sich, „noch bei unseren Großeltern im Fuchsbau.“
„Und jetzt“, dröhnte Hagrids tiefe Stimme aus einem Boot ganz in ihrer Nähe. „Werdet ihr zum ersten Mal in eurem Leben Hogwarts sehen.“
Albus richtete sich gespannt auf und wirklich, als sie um eine Ecke gerudert waren, ragte ein riesiges Schloss aus der Dunkelheit empor. Tausende von Lichtern drangen aus den Fenstern. Rund ein halbes Dutzend Türme ragten in den Himmel und das große Schlossportal wurde von zwei gewaltigen Fackeln beleuchtet.
Es gab viele Aah’s und Oh’s, als alle das prächtige Schloss erblickt hatte.
Sie glitten über den großen See auf das Schloss hinzu und legten schließlich an.
„Hierher“, rief eine krächzende Stimme.
„Das Porter Stubbins, der Hausmeister“, raunte Hagrid Albus und Rose zu, die gerade aus ihrem Boot geklettert waren.
„Er hat nur einen Arm, kann dafür aber im Gegensatz zu unserem alten Hausmeister, wenigstens zaubern.“
Die Erstklässer liefen aufgeregt dem kleinen, glatzköpfigen Mann hinterher und im Schein der Fackeln konnte Albus auch den Stumpf sehen, der sich an der Stelle des Arms befand, an der normalerweise der Ellenbogen sein sollte.
Sie traten in eine große Eingangshalle und hörten schon das Stimmengewirr aus eine Halle ganz in der Nähe.
Drinnen wurden sie von einer alten Hexe mit violettem Hut empfangen, die sie in einen kleinen Raum winkte. Albus drängte sich in den Raum und musterte ihn genau.
Es hing das Portrait eines alten Zauberers zu seiner linken und die andere Steinwand war mit einem dunklem Wandteppich behangen auf dem zwei Kobolde zu tanzen schienen.
„Hallo erst mal, meine Lieben, ich bin Professor Raue-Pritsche, sie werden gleich in ihre Häuser eingeteilt. Warten sie noch einen Moment. Ein hektisches Stimmengewirr erstickte die letzen Worte von Professor Raue-Pritsche.
Ein Junge neben Harry, der lockige, hellbraune Haare hatte, fragte aufgeregt: „Wie wir wohl ausgewählt werden. Müssen wir eine Art Test schreiben?“
Albus wurde plötzlich flau im Magen.
„Es gibt eine Art magischen Hut der einen auswählt“, sagte Albus zu seinem Nachbarn.
„Wirklich?“, fragte dieser. Auch andere schauten ihn jetzt neugierig an und er merkte, wie ihm heißes Blut ins Gesicht schoss.
„Stimmt es, dass man Fragen gestellt bekommt?“, fragte ein Mädchen mit langen dunkelroten Haaren.
Ein verächtliches Schnauben war zu hören.
„Ihr könnt mir nicht erzählen, dass eure Eltern euch nicht erzählt haben, wie man ausgewählt wird“, höhnte ein blonder Junge.
Albus erkannte ihn vom Bahnsteig wieder und wandte sich ab.
„Meine Eltern sind keine Zauberer“, antwortete der lockige Junge neben ihm.
„Achso“, sagte der Blonde und lächelte leicht. „Das erklärt natürlich vieles. Na, ja es gibt eben den Sprechenden-“, doch just in diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen und Professor Raue-Pritsche winkte sie heraus.
Schüchtern traten sie in eine große Halle. Vier Tische waren in der Mitte aufgestellt und einer stand quer dahinter.
Albus erkannte James, der ihm zuzwinkerte. Ein großer Hut lag auf einem dreibeinigen Stuhl. Die Erstklässler stellten sich vor ihm auf.
Dann öffnete sich ein Riss über der Krempe des Hutes und der Hut begann zu singen:
„Eintausend Jahr und mehr ist’s her,
seit mich genäht ein Schneiderer.
Da lebten vier Zaubrer wohl angesehen;
Ihre Namen werden nie vergehn.
Von wilder Heide der kühne Gryffindor,
die schöne Ravenclaw den höchsten Fels erkor.
Die gute Hufflepuff aus sanftem Tal,
der schlaue Slytherin aus Sümpfen fahl.
Sie teilten einen Wunsch und Traum,
einen kühnen Plan, ihr glaubt es kaum –
junge Zauberer gut zu erziehn,
das war von Hogwarts der Beginn…“
Albus fragte sich, wie oft er sich schon an diesem Tag die Frage gestellt hatte, in welches Haus er kommen würde und er gestand sich ein, dass er im Hinterkopf eigentlich davon ausging in Gryffindor zu landen, doch was wenn nicht?
Als der Hut wieder verstummte, begann in der Großen Halle Jubel auzubranden.
„Wenn ich euren Namen aufrufe, setzt ihr auf den Stuhl und zieht den Hut über. Sobald er euer Haus ausruft, setzt er ihr zu den anderen an den Tischen“, sagte Professor Raue-Pritsche.
„Ackerley, Nilson“
Nilson hastete zu dem Stuhl und setzte sich den Hut auf. Nach einem kurzen Augenblick rief dieser: „HUFFLEPUFF“
Nilson setzte den Hut ab und lief zu den begeisterten Hufflepuff. Er wirkte merklich erleichtert.
„Billy, Eugene!“
„Gryffindor!“
Albus betrachtete Gene, der sich jetzt nicht unweit von James strahlend auf einen Stuhl setzte, wo ihm ein breitschultriger Junge gratulierend auf die Schulter klopfte.
Langsam wurde die Reihe vor ihm kleiner und gerade als Gilsmith, Georgia nach Ravenclaw kam, ergriff ihn wieder die Aufregung.
Auch Jane Hodwin kam nach Ravenclaw. Vor sich sah er die beiden Blondschöpfe und schon sagte Professor Raue-Pritsche.
„Lovegood, Lorcan!“
Albus zog überrascht die Augenbrauen hoch. Der Hut überlegte lange und rief dann: „Gryffindor!“
Albus musste grinsen als James ihn neben sich Platz machte. Nun war Lysander an der Reihe. Albus ging davon aus, dass auch er nach Gryffindor kam, doch der Hut rief: „RAVENCLAW!“
Als Pryan, Elma eine Hufflepuff wurde, begann sein Herz wie wild zu klopfen und dann:
„Potter, Albus!“
Er spürte wie sich etwas tief in seiner Magengegend verkrampfte. Ein Wispern war nun durch die Bänke gegangen und alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet.
Er setzte sich auf den Stuhl und zog zitternd den Hut über seinen Kopf. Er zuckte leicht zusammen, als eine leise Stimme in seinem Kopf ertönte.
„Ahh, ein Potter…nun du weißt, wo der Rest deiner Familie ist, nehme ich an.“
Albus schluckte und hoffte.
„Nun, ein kluger Kopf…ja, in der Tat und Mut, doch Angst ist da auch. Angst zu Versagen. Wo stecke ich dich nur hin?“, grummelte der Hut vor sich hin. Albus kreuzte beide Finger und dachte angestrengt „Nicht Slytherin, nicht Slytherin“
„Wie dein Vater, nicht wahr“, raunte der Hut amüsiert. Dann öffnete er seine Krempe und rief:
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