
von lenkpflaume
Albus ging zusammen mit Rose und David zum Frühstück. Die Decke der Großen Halle war mit Wolken bedeckt und mehrere Dutzend von Kerzen schwebten in der Luft. Der Duft von Würstchen und Toast lag in der Luft. Albus setzte sich neben ein großes blondes Mädchen und begann seinen Haferbrei zu löffeln. David hatte sich gegenüber von ihm hingesetzt und war dabei sich sein Ei zu salzen, als Rose, die durch einen Lehrer aufgehalten worden war, zu ihnen stürmte.
„Wir haben die Stundenpläne! Guckt mal!“, schrie sie beinahe vor Aufregung.
Albus nahm den Stundenplan von ihr entgegen, während David seinen schon studierte.
„Urgh, gleich am Anfang haben wir bei diesem Komischen.“
Rose hatte ihren Kopf tief über den Stundenplan gehängt, so dass man nur noch ihre rote Mähne erkennen konnte.
„Zaubertränke“, murmelte Albus in einem Tonfall, der Davids Kommentar bestätigte.
„Dafür haben wir danach Verteidigung gegen die Dunklen Künste“, sagte er. Seine Augen weiteten sich plötzlich.
„Rose“, sagte er laut und tippte sie an. „Glaubst du Dad wird auch mal bei uns in den Unterricht kommen?“
Sie runzelte die Stirn und lachte dann auf. „Das wäre wirklich komisch“, meinte sie und musste lächeln.
„Wie meinst du das? Ist er hier Lehrer?“, fragte David interessiert.
„Nein, er ist Auror im Ministerium, aber er geht öfters mal nach Hogwarts in den Unterricht - also Verteidigung gegen die Dunklen Künste – und hilft dort, oder so. Weißt du was, Rosie? Er überlegt wirklich, ob er Lehrer werden möchte.“
David schaute ihn verwirrt an. „Au- bitte was?“
„Auror“, sagte Rose, bevor Albus den Mund aufmachen konnte.
„Sie jagen schwarze Magier“, fügte sie auf das fragende Gesicht von David hinzu.
„Cool“, sagte dieser, doch Rose hatte sich schon wieder zu Albus gewandt.
„Jah, ich habe gehört, wie Mum und Dad darüber gesprochen haben. Ich glaube aber wenn dann erst in ein paar Jahren. So hat es sich jedenfalls angehört. Das würde ja bedeuten, dass er hier quasi wohnen würde“, sagte sie und sah Albus forsch an. Dieser schaute auf seinen Teller und dachte angestrengt nach. Würde er es gut finden, seinen Vater als Lehrer zu haben?
„Das wäre ja schon ganz cool. Dein Vater ist ziemlich berühmt, nicht?“, fragte David.
Albus fragte sich, ob das ein Witz sein sollte, doch dann fiel ihm ein, dass David ja mugglestämmig war.
„Ist er denn gar nicht bekannt bei den Muggles?“, entgegnete Rose.
„Nun ja, kennen tut man ihn irgendwie schon, jedenfalls einige, doch so richtig, weiß man nicht bescheid.“
Albus sah ihn verwundert an. Dass jemand seinen Vater und seine Geschichte nicht kannte, war für ihn etwas vollkommen Neues. Normalerweise behandelten ihn Andere immer besonders respektvoll und höflich, doch jetzt wo er darüber nachdachte, hatte David ihn ganz normal behandelt.
„Ich gebe dir die Harry Potter Biographie“, sagte Rose freundlich. „Natürlich nicht die von Rita Kimmkorn, die ist etwas überladen und na ja…“, schloss sie nachdenklich.
Albus sah David an. Er wusste nicht genau, ob es für ihn auch Spaß bedeutete sich durch eine 800-seitige Biographie zu wälzen, doch dieser nickte nur höflich und wandte sich wieder seinem Ei zu.
„Bei wem haben wir denn eigentlich Verteidigung gegen die Dunklen Künste?“, fragte Albus.
„Ich habe mal Mum gefragt, sie meinte eine alte Hexe namens Hilda Merryfort. Sie wäre wohl ganz nett, aber etwas verpeilt.“
Albus wirkte enttäuscht. Auf das Lieblingsfach seines Vaters hatte er sich besonders gefreut, doch das es von einer alten, verschusselten Hexe unterrichtet werden sollte, machte auf ihn nicht den spannendsten Eindruck.
Als sich die drei erhoben und sich Rose vorher den Weg noch einmal von einer netten Fünftklässlerin aus Hufflepuff hatte erklären müssen, machten sie sich auf den Weg runter in die Kerker. Am Treppenabsatz trafen sich auf Lorcan und Lysander, die sich auch auf den Weg nach unten machten.
„Haben wir mit den Ravenclaws?“, fragte Rose.
„Nein, wir haben jetzt zusammen mit den Hufflepuffs Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Ich bin eigentlich gerade auf den Weg in den zweiten Stock“, antwortete Lysander und drehte sich zur anderen Treppe. Sie verabschiedeten sich und stiegen dann die langen Treppen hinunter.
„Das heißt ja, dass wir sowohl Zaubertränke als auch Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit den Slytherins haben werden“, sagte Albus nach einer Weile und stöhnte.
„Na, das kann ja ein Spaß werden!“
„Sind Gryffindors und Slytherins nicht so etwas wie verfeindet?“, wollte David wissen. Rose setzte zu einer Antwort an, doch Albus sagte schon: „Ja“ und dann lange nichts mehr.
Als sie in dem Kerkergewölbe angekommen waren und den Klassenraum betraten, mussten sie feststellen, dass sie einige der Ersten waren.
Foretti saß an seinem Schreibtisch und einige vergilbt aussehende Pergamentrollen. Sie suchten sich einen Tisch am Rand und holten ihre Bücher, Kessel und Zauberstäbe raus.
„Ich bin so aufgeregt“, sagte David. „Ich meine, es ist das erste Mal, dass ich zaubere. Also, ich meine so richtig und bewusst.“
Rose stimmte ihm begeistert zu, während Lorcan, dessen Kessel mit blauen Wolken bemalt war, sich mit dem Zauberstab durch die Haare fuhr, so dass sie sich an diesen Stellen leicht kringelten. Langsam trudelten noch mehr in den Klassenraum und Denzel Buckleberry, der gestern auch in ihrem Schlafsaal gewesen war, setzte sich zu ihnen an den Tisch.
Als der Klassenraum gefüllt war und sich Albus fragte, warum Foretti seinen Blick immer noch auf die Papiere vor ihm gerichtet hielt, stand er endlich auf.
„Guten Morgen!“
Er hatte eine leise, langsame und etwas ölige Stimme. Die Klasse grüßte unter einigem Murmeln zurück. Albus sah einen weißblonden Hinterkopf nur einen Tisch von ihm entfernt.
„Ich werde sie also in die Künste der Zaubertränke einführen, die in der Zaubererausbildung eine der elementaren und wichtigsten Rollen einnimmt. Mindestens bis zu ihrem ZAG Jahr werden ihnen die Zaubertränke eine ganz andere Art der Magie vermitteln, als es beispielsweise die Zauberkunst tut.“ Er warf einen gelangweilten Blick durch die Klasse und zog dann ein Pergament aus seiner Schublade.
„Ich bitte die Schüler und Schülerin, dessen Name ich aufrufe aufzustehen“, sagte er schroff.
„Buckleberry, Denzel!“
Denzel Buckleberry stand auf und Forettis Augen huschten kurz über seine kleine Gestalt und fuhren dann weiter. Bei Albus Namen weiteten sich kaum merklich seine Augen, doch ließ er sich seine Überraschung sonst nicht anmerken.
Als er fertig war räusperte er sich und leierte dann herunter: „Ich bitte sie nun alle ihr Exemplar von Zaubertränke und Zauberbräue von Arsenius Bunsen herauszuholen und Seite 23 aufzuschlagen. Für die erste Unterrichtsstunde arbeiten sie bitte mit einem Partner zusammen. Die Zutaten, die sich nicht selber besitzen, wie die Schlangenzähne können sie aus einem Vorratschrank neben meinem Schreibtisch holen.“
Harry tat sich mit Denzel zusammen, während sich Rose mit einem anderen Gryffindormädchen schon über einen Kessel beugte. David und Lorcan waren dabei sich die Anweisungen im Buch durch zu lesen.
„Na, dann mal los!“, sagte Denzel und lächelte schief.
Der Heiltrank gegen Furunkeln stellte sich als komplizierte heraus, als Albus gedacht hätte. Beinahe hätten sie die Stachelschweinpastillen dem Trank zugegeben, während es noch über dem Feuer war, und dies hätte zum Schmelzen des Kessels geführt, hätte Rose sie nicht im letzten Moment noch gewarnt. Am Ende der Stunde hatte ihr Trank zwar nicht die gewünschte Farbe von satten Tomaten, sondern eher ein blässliches Rosa, doch die meisten hatten ihren ersten Zaubertrank nicht perfekt hingekriegt. Zu Albus Vergnügen stellte er fest, dass Malfoys Gebräu die Farbe von einem giftigen Grün angenommen hatte.
Foretti schritt durch den Raum und warf abschätzige Blicke in ihre Kessel. Bei manchen rührte er etwas um oder roch an dem Trank. Dann ging er wieder zu seinem Pult zurück.
„Nun, ich hoffe diese erste Einführung in die Zaubertrankkunst hat ihnen einen Eindruck gegeben, wie geschickt und konzentriert ein guter Brauer sein muss. Wie ich schon erwartet habe, ist kein Trank perfekt.“ Er schien nun fertig zu sein, denn mit einem ausladenden Schwenker seines Zauberstab sagt er: „Evanesco“ und die Zaubertränke verschwanden. Rose sah traurig in ihren Kessel, wo eben noch ein ketchupfarbiger Trank gebrodelt hatte und packte dann ihre Sachen zusammen.
„Er hätte doch wenigstens ein paar Punkte an die, die es gut gemacht haben, verteilen können“, sagte Rose schon zum zweiten Mal. Sie waren in der Pause in die Bibliothek gegangen. Sie hatte schon eine halbe Pergamentrolle zu ihrer Zaubertrankhausaufgabe geschrieben, während Albus nur grübelnd über seinem Buch saß. David war zwischen den Buchreihen verschwunden. Bei dem Anblick der vielen Bücher über Zauberei war er entzückt ausgeschwärmt, um sie sich genauer anzusehen. Er schien generell von allem begeistert zu sein. Als sie die Treppe von den Kerkern wieder nach oben gekommen waren, hatte er fast euphorisch auf die bewegten Bilder gezeigt und wäre gerne bei jedem stehen geblieben, um es sich genauer anzusehen. Albus warf einen Blick auf seine Uhr.
„Wir müssen jetzt auch mal los. In fünf Minuten fängt Verteidigung gegen die Dunklen Künste an.“
„Oh, ja“, erwiderte Rose zerstreut und begann ihre Schulsachen einzupacken.
„David!“, rief Albus. Madame Pince, die alte Bibliothekarin beäugte ihn mit strengem Blick über ihre Brille hinweg und er senkte seine Stimme.
„David, wir müssen gehen.“
Als sie in den von Slytherin- und Gryffindorschülern gefüllten Raum kamen, waren nur noch drei Plätze ganz vorne frei.
Professor Merryfort lächelte sie alle breit an und hob dann ihre Stimme.
„Guten Morgen meine Lieben!“
„Guten Morgen“, echote es zurück.
„Wir werden also das Vergnügen haben die Dunklen Künste und vor allem dessen Verteidigung näher zu studieren“, sagte sie vergnügt und stand auf.
Sie war klein und schmächtig und hatte langes, graues Haar, das sie in einem langen geflochtenen Zopf sich wie einen Schal um den Hals gelegt hatte. Albus erkannte eine lange Kette, an der etwas baumelte, was wie ein großer Drachenzahn aussah.“
„Da wir noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung sind, werden wir natürlich erst mit ganz einfachen Dingen beginnen.“
Sie schritt zur Tafel und schrieb ihren Namen an die Tafel.
„Mein Name ist Hilda Merryfort und ich unterrichte jetzt schon seit einigen Jahren hier in Hogwarts. Ich bin immer offen für Anfragen und veranstalte öfters mal offene Klassendiskussionen oder lade bekannte Zauberer zu einer Fragestunde ein. Für alle, die sich noch näher informieren wollen, sollten sich neben dem Schulbuch noch die zweiteilige Ausgabe von Aufstieg und Niedergang der dunklen Künste besorgen oder in der Bibliothek ausleihen.“
Rose machte sich eine Notiz auf einem Zettel und lauschte dann wieder zu.
„Nun, möchte ich aber gleich anfangen. Sie werden heute lernen, Funken mit dem Zauberstab zu sprühen. Jetzt denken einige, dass das sicherlich keinen schwarzen Magier vertreiben wird, doch ganz so ein simpler Zauber in manch vertrackter Situation sehr nützlich sein!“
Nachdem sie festgestellt hatte, dass sie ihr eigenes Exemplar von Einführung in die Selbstverteidigung nicht finden konnte und es sich von Albus auslieh, begann sie einen Text über den Nutzen von Funkensprühen vorzulesen.
Schließlich durften sie zaubern. Albus war ganz aufgeregt und bitter enttäuscht, als es beim ersten Mal nicht klappte. Bei manchen, wie auch bei Rose, erkannte er den Anflug von einem roten Licht, doch bei ihm zeigte sein Zauberstab nicht den leisesten Anflug von magischer Kraft. Er seufzte und schaute zu David, dem es nicht anders erging.
„Sind eigentlich Mugglestämmige schlechter?“, fragte er nach einer Weile. Rose lachte auf.
„Du musst meine Mutter kennen lernen“, sagte sie. „Sie kann alles“, fügte sie bewundernd hinzu. David zog die Augenbrauen hoch und schlug dann in einem neuen Versuch seinen Zauberstab hart auf den Tisch. Es gab einen Knall und das Tintenfass, welches auf dem Tisch stand, zerbarst.
Professor Merryfort eilte herbei. „Reparo“, sagte sie und das Tintenfass fügte sich wieder zusammen. „Das kann passieren“, sagte sie in einem verständnisvollen Ton. „Dennoch, sollten sie darauf achten, den Zauberstab immer geschmeidig in der Hand zu halten und keine ruckartigen Bewegungen zu machen. Wie war ihr Name?“, ermahnte sie ihn.
David lief rot an und murmelte dann: „David Tyler“
„So, schauen sie genau hin, Mr. Tyler“, sagte sie und ließ bunte Funken aus ihrem Zauberstab sprühen.
„Versuchen sie es gleich noch mal.“
Während David sich abmühte, hatte es Albus gerade geschafft ein paar rote Funken zu erzeugen.
„Sehr gut“, lobte die kleine Hexe, als sie Albus Funken sah. „Das ist ein Anfang-“, sie setze an noch etwas zu sagen, doch dann sah sie Roses roten Funkenstrom und schien vor Erregung keine Worte zu finden.
„Großartig. Das machen sie ja schon wundervoll. Wie heißen sie?“
Sie schaute die beiden erwartungsvoll an.
„Rose Weasley“, sagte Rose verlegen und doch hatte sich ein Glanz in ihre Augen gelegt.
„Albus Potter“, antwortete er. Auf Professor Merryforts Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.
„Oh, ja ihre Eltern haben mir natürlich von ihnen erzählt. Wunderbar, ja, sie sehen ihrem Vater wirklich sehr ähnlich. Ja, jetzt erkenne ich auch gewisse Ähnlichkeiten mit ihrem Bruder.“ Sie strahlte die beiden an.
David lächelte matt im Hintergrund, als auch aus seinem Zauberstab Funken sprühten. Doch Professor Merryfort forderte gerade Rose auf, den Zauber noch einmal zu wiederholen und übersah dies.
„Wirklich, exzellent! Zehn Punkte für Gryffindor!“
Rose Gesicht hellte sich auf und Albus sah, wie sie ein Grinsen unterdrückte. Sie machte ihrer Mutter alle Ehre, dachte er. Einige Gryffindor, die bemerkt hatten, dass sie gerade ihre ersten Punkte geholt hatten, lächelten oder zwinkerten ihr zu.
Als es klingelte, hatte Rose es geschafft Funken in grün und rot zu sprühen, was ihr erneut zehn Punkte eingebracht hatte.
Stolz ging sie an dem riesigen Stundenglas vorbei in denen jetzt schon einige rubinrote Steine glitzerten.
„Und 20 davon sind wegen mir da drin“, meinte sie freudig, als sie sich schon wieder abwandten. Beim Mittagessen setzte sie sich neben das Mädchen mit dem sie schon den Zaubertrank gebraut hatte und Albus setzte sich neben David.
Nach dem Mittagessen hatten sie Zauberkunst. Der sehr alte und sehr kleine Professor Flitwick las wie Foretti die Namen aller vor und schenkte Albus ein leichtes Lächeln.
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