
von FreyaLi
So, dann kommt hier einmal das zweite Chap. Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
LG F.L.
Ach ja und an die lieben Reviewer:
@Vampirella: Danke für dein Review, es freut mich, dass dir die Geschichte jetzt schon gefällt! hoffentlich gefällt dir dieses Chap auch!
@NicoleSnape: Danke für dein Review! Super, dass dir die FF gefällt, hoffe mal, dass das so bleibt!
@Chellie: Danke für dein Review und dein Lob, hat mich sehr gefreut!
Severus Snape war der erste, der sich nach Malfoys Worten rührte. Er trat einen Schritt nach vorne und nickte Lucius zu. Hermine sah auf den Boden und dachte fieberhaft nach. Sie verstand nicht, was vor sich ging. Snape war auf Dumbledores Seite gewesen. Sie hatte ihn in der heulenden Hütte gesehen. Die Erinnerungen, die er Harry gezeigt hatte … dass er ein guter Schauspieler war, wusste sie bereits – sonst hätte er nie so viele Jahre für zwei Seiten kämpfen können. Doch hatten sie sich geirrt? War er immer ein Todesser gewesen und hatte sich nur gut darauf verstanden, alle hinters Licht zu führen? Verzweifelt versuchte sie die Geschehnisse zu ordnen, ihre Erinnerungen zu analysieren, zu verstehen. Severus Snape, ein Mann, für den sie Gedenkfeiern abgehalten und den sie immer als eine Art Held in Erinnerung gehabt hatte stand nun vor ihr, inmitten von Todessern, die sie gefangen hielten. Hermine Granger war nicht imstande einen Schluss aus dieser grotesken Situation zu ziehen.
Ihre Blicke kreuzten sich für einen Sekundenbruchteil, doch wenn irgendeine Emotion in seinem Gesicht zu lesen war, dann war es Gleichgültigkeit. Der Drang, irgendetwas zu tun machte sich in Hermine breit, doch sie ging ihm nicht nach. Von hier würde jeder Fluchtversuch vereitelt werden, die Folgen wollte sie sich gar nicht ausmalen. Lucius hatte zwar gesagt, Snape solle sie nicht töten, doch Hermine kannte Todesser. Ein Leben war für sie weniger Wert als ein Sickel.
Sie wurde unsanft nach vorne gestoßen, taumelte kurz und schaffte es nicht, sich auf den Beinen zu halten. Ihre Hände waren immer noch auf ihren Rücken gebunden, daher schlug sie unsanft auf den Boden auf.
„Steh auf“ hörte sie eine bekannte Stimme befehlen. Sie rappelte sich mit einiger Mühe auf und schwankte kurz. Vor ihr stand Severus Snape und blickte sie ausdruckslos an.
„Viel Vergnügen, Severus“ hörte sie noch Lucius Stimme sagen, dann packte Snape sie auch schon an der Schulter und apparierte mit ihr.
Der Ort, an dem sie auftauchte, war beinahe genauso dunkel wie es ihr Gefängnis gewesen war. Ein Wohnzimmer, die Wände waren mit raumhohen Bücherregalen bestückt. Die einzigen Möbelstücke waren eine Couch und ein Sessel, beide abgenützt, und ein wackelige Couchtisch aus Holz. Darauf lagen verstreut ein paar Zeitungen, eine schmutzige Tasse und ein aufgeschlagenes Buch. Die Holzdielen waren abgetreten, die dunkelgrüne Tapete die hier und da zwischen zwei Regalen zu sehen war längst verblichen. Ein einziges Fenster im Raum sagte Hermine, dass es später Abend sein musste. Alles an dem Raum wirkte alt und abgenützt, aber sauber – wenn Hermine sich jemals Gedanken über Snapes Behausung gemacht hätte, dann hätten die Bilder in ihrem Kopf wohl genauso ausgesehen wie die Wirklichkeit.
Ihr Körper hielt sie nun endgültig nicht mehr auf den Beinen und sie sank in sich zusammen, für einen kurzen Moment wurde alles um sie herum schwarz.
Als sich langsam wieder Umrisse vor ihren Augen bildeten saß sie zusammen gesunken auf dem alten Sessel, vor ihr stand Snape und betrachtete sie eingehend.
„Professor … bitte“ flüsterte sie. Mit aller Kraft ihrer Gedanken klammerte sie sich an der Hoffnung fest, dass dieser Mann ihr gleich eine wundersame Erklärung für diese seltsamen Geschehnisse geben würde. Dass er einen Plan hatte – dass er wirklich Dumbledores Mann gewesen war. Sie starrte ihn an, musterte jede Gesichtsregung. Obwohl einige Jahre vergangen waren seit sie ihn geglaubt hatte sterben zu sehen war er nicht sehr gealtert. Hier und da schimmerte eine graue Strähne durch sein Haar und er wirkte müde – jene Müdigkeit, die nicht von zu wenig Schlaf sondern von dauernder Anstrengung und Erschöpfung herrührt. An seinem Hals erkannte sie die Umrisse einer hässlichen Narbe: Naginis Biss.
Als Antwort bekam sie nichts außer einem verachtenden Blick. Der Zaubertränkemeister schaffte es ohne ein einziges Wort ihre Hoffnungen zunichte zu machen. Es war also wahr. Er war auf Malfoys Seite. Wie er es geschafft hatte, zu überleben, wusste sie nicht, doch es spielte auch gar keine Rolle. In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass sie sich in der Gewalt eines Todessers befand, der sie auf den Tod verabscheute. Er beugte sich zu ihr und Hermine, die nicht wusste, wie sie sich sonst wehren sollte, stieß mit aller Kraft die sie noch aufbringen konnte gegen sein Schienbein. Snape verzog keine Miene, zuckte nur kurz zurück.
„Du dummes Gör“ murmelte er kopfschüttelnd und trat abermals auf sie zu, dieses Mal mit erhobenem Zauberstab. Hermine wollte sich bewegen, doch sie konnte plötzlich keinen Finger mehr rühren. Er musste einen unausgesprochenen Zauber angewandt haben, um sie bewegungsunfähig zu machen. Eine Weile lang stand er da, schien nachzudenken. Hermine bereute es, sich gewehrt zu haben – nun hatte sie jede Chance auf Gegenwehr zu Nichte gemacht. Snape hob seinen Zauberstab und untätig musste sie abwarten, was er vorhatte. Sie spürte wie sich die Fesseln, die Draco um ihre Handgelenke gelegt hatte, lösten. Auch den Zauber, der sie unfähig gemacht hatte sich zu bewegen, wurde von ihr genommen.
Beklommen massierte sie ihre wunden Handgelenke und ließ Snape dabei nicht aus den Augen. Er stand vor ihr, den Zauberstab immer noch drohend auf sie gerichtet.
„Steh auf“ sagte er schließlich barsch und Hermine gehorchte. Für einen Moment hatte sie geglaubt, einen Ausdruck in seinem Gesicht zu erkennen, der nicht zu dem Rest seines Verhaltens passte. Doch sie schob es auf ihr eigenes Wunschdenken, dass dies hier alles anders war, als es aussah. Sie versuchte sich zu erheben, doch ihr rechter Fuß trug ihr Gewicht nicht und knickte unter ihr ein – sie sank mit vom Schmerz verzerrtem Gesicht auf den Sessel zurück.
„Kannst du gehen?“ fragte Snape barsch. Hermine zuckte unter dem Klang seiner Stimme zusammen. Es könnte nicht offensichtlicher sein, dass sie Hilfe benötigte, doch ihr Stolz ließ nicht zu, dies auszusprechen. Sie versuchte ein weiteres Mal aufzutreten und schaffte es, sich unter Schmerzen aufrecht zu halten. Am ganzen Körper zitternd stand sie vor Snape und kämpfte mit aller Kraft darum, auf den Beinen zu bleiben.
„Nach oben“ sagte Snape knapp und zeigte mit seiner freien Hand hinter sie. Hermine wandte sich um und entdeckte eine offene Tür, hinter der sich offenbar eine Treppe befand. Sie setzte sich langsam in Bewegung, Snape und seinen Zauberstab im Nacken schleppte sie sich die Holztreppe hoch. Einige Male glaubte sie, ihr Fuß würde sie nicht mehr halten, doch sie biss die Zähne zusammen und ging weiter. Auch hier waren die Tapeten ausgeblichen und alt, die Treppe knarrte unter ihren Füßen. Ihr Blick streifte ein einziges Gemälde an der Wand über der Treppe, doch es zeigte anscheinend nicht mehr als ein leeres Zimmer. Am Ende der Treppe angekommen – es schien eine Ewigkeit gedauert zu haben – blieb sie auf dem Absatz stehen. Sie stand in einem dunklen, engen Flur.
„Erste Tür links“ schnarrte Snape hinter ihr, ehe sie Gelegenheit gehabt hätte, sich umzusehen. . Sie wankte durch die offene Tür in ein dunkles Zimmer. Ein schmales Bett stand in der Mitte, daneben ein schiefer Nachttisch. Gegenüber an der grauen Wand befand sich eine alte Kommode. Das Zimmer war groß und helle Flecken auf dem Teppichboden verrieten, dass hier noch andere Möbel gestanden hatten. An der ausgeglichenen Tapete waren ab und an dunkle Vierecke, wo vermutlich vor nicht allzu lange Zeit noch Bilder gehangen hatten. Dieses Zimmer war wohl einmal weitaus wohnlicher gewesen, als es jetzt wirkte. Hermines Blick wanderte zu dem kleinen Fenster, es war nur zur Hälfte von den schwer herab fallenden, bräunlichen Vorhängen verdeckt. Sie vermutete, dass sie sich im ersten Stock befand. Die Chancen lagen schlecht, sie konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten und ein solcher Sturz war nichts, wobei man ohne Verletzungen davon kam. Doch verletzt war sie sowieso schon und vielleicht würde sie es schaffen, die Aufmerksamkeit von Irgendjemanden auf sich zu ziehen. Wenn sie nur für kurze Zeit allein wäre …
„Du kannst von hier nicht fliehen“ sagte Severus beiläufig. Hermine wurde schwindelig, krampfhaft klammerte sie sich am Bettpfosten hin. Dieses Gefängnis mochte vielleicht nicht danach aussehen, doch es war wohl genauso sicher wie Malfoys Kerker. Ihre eigene Naivität ärgerte sie.
„Leg dich hin“ befahl Snape. Hermine tat, wie ihr geheißen und ihr Körper dankte ihr dafür, dass sie endlich die Last von ihren Beinen genommen hatte. Das Bett war hart und die Decke staubig aber gegenüber des kalten Steinfußboden in Malfoy Manor schien es ihren Gliedern wie das Paradies. Als sie jedoch zu Snape hoch blickte kam die blanke Panik in ihr auf. Was hatte er vor? Er schritt gerade auf sie zu, als ein leises Geräusch verriet, dass jemand direkt vor ihre Tür apparierte. Snape hielt inne und Hermine hielt die Luft an. Hatten ihre Freunde bereits herausgefunden, wo sie war? Sie wünschte sich, an irgendeinen Gott zu glauben – dann hätte sie wenigstens jemanden, an den sie ihre Gebete richten könnte.
Ein Blick zur Tür verriet ihr, dass sie falsch lag. Lucius Malfoy stand da, schmierig grinsend.
„Severus, entschuldige mich für die Störung … ich dachte, du würdest dir noch Zeit lassen, aber wie ich sehe konntest du es nicht erwarten“ Snape wandte sich zu ihm um und Hermine war froh darüber. Sie wollte den Ausdruck auf seinem Gesicht nicht sehen.
„Was kann ich für dich tun?“ fragte er ruhig.
„Du bist so schnell aufgebrochen, ich konnte dir das gar nicht geben“ sagte Malfoy nun und reichte seinem Gegenüber einen Umschlag.
„Aber ich kann verstehen, dass du in Eile warst. Ich will nicht weiter stören“ er bedachte Hermine mit einem beiläufigem Blick und war mit einem leisen Plop auch schon wieder verschwunden. Snape steckte den Umschlag in eine Innentasche seines Umhangs und wandte sich wieder Hermine zu. Mit wenigen Schritten trat er auf sie zu und beugte sich über sie – doch irgendetwas ließ ihn für eine Sekunde inne halten. Als ob er einen Gedanken verscheuchen würde schüttelte er den Kopf, nahm ihr Kinn in die Hand und kam ihrem Gesicht so nahe, dass sie seinen Atem spüren konnte. Er roch nach Kaffee und Zigaretten; sie musste den Impuls zu würgen unterdrücken.
„Besserwisserisches Schlammblut“ murmelte er und blickte voller Abscheu auf sie hinab. Hermine verlor nun ihre letzte Hoffnung, dass Snape doch auf ihrer Seite war. Wenn dem nicht so wäre, wäre nicht nun die Gelegenheit gekommen, es preis zu geben?
„Versuch gar nicht erst hier heraus zu kommen. Rühr' dich nicht vom Fleck“ mit diesen Worten verschwand er. Hermine hörte noch wie er die Tür mit einem Zauber belegte und die ersten Stufen der Treppe nach unten nahm.
Sie atmete erleichtert auf. Wenigstens war er weg. Sie rollte sich unter Schmerzen auf dem Bett zusammen und versuchte nachzudenken, doch sie schaffte es nicht. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Ereignisse überforderten sie schlichtweg. Gestern Abend war sie nach Hause gegangen und auch, wenn sie schon wieder mitten in einem Krieg steckten hatte sie sich sicher gewogen. Und nun lag sie hier, wusste nicht was mit ihr geschehen würde – und konnte nichts daran ändern. Das Gefühl der Machtlosigkeit schnürte ihr die Kehle zu, angestrengt kämpfte sie darum, nicht in Panik zu verfallen.
Mit Mühe zog sie die dünne Bettdecke über sich. Sie zitterte vor Kälte, ein Griff auf ihre Stirn verriet ihr, dass sie Fieber hatte. Sie versuchte sich so gut in die Decke einzuwickeln, doch ihr Körper gehorchte ihr kaum mehr. Als sie endlich eine Position gefunden hatte, in der ihre Schmerzen erträglich geworden waren, blieb sie ruhig liegen. Schon nach wenigen Augenblicken durchbrach Snapes Stimme die Ruhe. Hermine hob den Kopf um ihn besser hören zu können; er schien im Treppenhaus zu sein. So sehr sie sich auch anstrengte, mehr als ein paar Wortfetzen konnte sie nicht aufschnappen.
„ … Malfoy hat sie her geschickt … eine Platzwunde … ja, die Rippe vermutlich auch … nichts als Ärger!“
Hermine lauschte angespannt auf die Worte der anderen Person, doch sie konnte immer nur ein leises Murmeln vernehmen. Das einzige, was sie mit Gewissheit sagen konnte, war, dass er mit einer Frau sprach. Sie konnte sich keine Gedanken mehr dazu machen denn wenige Augenblicke später übermannte sie die Erschöpfung und sie fiel in einen fiebrigen Schlaf.
Immer wieder schreckte sie kurz hoch. In diesen Momenten war sie weder wach, noch schlief sie wirklich. Träume vermischten sich mit Fieberbildern. Ungute Bilder machten sich in ihrem Kopf breit, Malfoy tauchte vor ihr auf und lachte über sie, er verschwamm mit Snape, der sie hasserfüllt anstarrte. Plötzlich saß sie wieder in den Kerkern von Hogwarts und versuchte, einen Trank zu brauen, doch die Buchstaben ihres Buches tanzten wie wild herum. Dann war sie wieder in dem Zimmer, wischte sich Schweißtropfen von der Stirn und versuchte, die Umrisse des Raumes zu erkennen und einzuordnen. Die graue Tapete wurde zu den staubigen Wänden in der heulenden Hütte, Snape lag leblos am Boden – wandte sich um und grinste sie hämisch an. Sein Gesicht wurde zu dem von Draco Malfoy, der sie in seinen Kerkern aufsuchte und über sie lachte. Sie sah sich selbst in dem Verlies in einer Ecke liegen. Die Gitterstäbe wurden zu Bildern von Ron und Harry, die lachten und mit ihr scherzten. Doch bald schon wurden ihre Gesichtern zu finster drein schauenden, fremdartigen Fratzen. Hin und wieder wurde das Bild des Raumes wieder klar, sie vernahm ein paar gemurmelte Worte, von denen sie aber nicht sicher sein konnte, ob es Traum oder Realität war.
Irgendwann – nach Stunden oder Minuten – glaubte Hermine, die Tür aufgehen zu hören, doch ob es nun eine Vorstellung war, die das Fieber ihr in den Kopf setzte oder ob es wirklich geschah vermochte sie nicht zu sagen.
„Das ist sie?“ fragte eine Stimme, die von weit her zu kommen schien.
„Offensichtlich“ Snape! Hermine zuckte, ohne es zu merken. Sie hob den Blick, erkannte Snapes Gesicht, der Raum dahinter verschwamm vor ihren Augen. Neben ihm stand eine ihr unbekannte Frau. Ihre Haare fielen ihr lang und dunkel über die Schulter, sie trug einen schwarzen Umhang. Ihr Gesicht war weiß wie das einer Porzellanpuppe und auch genauso gefühllos.
„Um sie wird solch ein Aufheben verursacht? Ich bitte dich“ sie schnalzte mit der Zunge und schien mehr mit sich selbst zu reden, als mit Snape.
„Lucius denkt, sie wird uns noch nützen“
„Lucius Meinung war selten die Richtige.“ erwiderte die Frau kühl „und außerdem, sie ist jetzt schon mehr tot als lebendig“
Umhänge wehten und eine Tür knallte, Hermine blinzelte. Kurz kräuselten sich ihre Augenbrauen, dann sank sie sie wider auf ihr Kissen zurück. Sie wollte verstehen, was eben geschehen war, doch ihr Körper weigerte sich und zog sie wieder in den dämmrigen Zustand zwischen Schlaf, Wachen und Bewusstlosigkeit. Bald würde sie diese Unterhaltung als Trugbild abtun, am nächsten Tag würde sie sich kaum mehr daran erinnern und schon bald ganz vergessen haben.
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